Merkblatt für Fronturlauber
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 135888 | Verfasst am: 31.12.2007 - 17:30    Titel: Merkblatt für Fronturlauber Antworten mit Zitat

Vorsicht, dies ist kein offizielles Merkblatt, aber für den Witzethread ist diese Perle echt zu schade Zwinkern

Urlauber der Ostfront, bedenke daß Du in ein Land kommst, dessen faschistische Lebensverhältnisse wesentlich von denen abweichen, die Du aus der UDSSR gewohnt bist. Es muß von Dir erwartet werden, daß Du Dich mit Geschick und Takt in die Lebensgewohnheiten der deutschen Bevölkerung einführst und liebgewordene Gewohneiten für einige Zeit aufgibst.

1. Bahnfahrt: Nicht gedankenlos in Vieh- oder Güterwagen einsteigen. Die Reichsbahn hat für die Personenbeförderung besondere Wagen. Untunlich ist es, die Sitzbänke und FensterFensterscheiben gleich auszubauen und mitzunehmen. Das hat Zeit für die Rückfahrt.

2. Quartiere: Beim Suchen einer Unterkunft empfiehlt es sich, nicht einfach in das nächste Haus zu gehen und sich auf den Fußboden oder die Zentralheizung niederzulegen. Das Erstaunen des Wohnungsinhabers wäre verständlich. Prüfe zunächst, ob Du nicht früher selbst eine Wohnung hattest.

3. Übernachtung: Die inDeutschland gebräuchlichen Öfen eignen sich nicht besonders zum Schlafen. Die in den Schlafzimmern aufgestellten rechteckigen, weiß überzogenen Gegenstände (Betten) können dagegen bedenkenlos zum Schlafen benützt werden, auch wenn diese schon zur Hälfte belegt sind. (In diesem Falle jedoch zuerst Personalpapiere prüfen.) Es entspricht nicht soldatischer Härte und Anpassungsvermögen, unbedingt auf einem Bund Stroh als Schlafstätte zu bestehen.

4. Verpflegung: Unterlasse das Aufreißen von Dielen und Parkettböden. Kartoffeln werden in Deutschland an anderen Stellen aufbewahrt.

5. Speisenzubereitung: Deine Kochkunst in allen Ehren. Die Erfahrungen, die Du Dir auf diesem Gebiete in Rußland erworben hast, sind umfassend, aber verzichte darauf, Dich fortwährend in der Küche aufzuhalten und Deiner Frau in die Speisenzubereitung hineinzureden. Es könnte vorkommen, daß Deine Frau in Anerkennung Deiner kulinarischen Überlegenheit Dir für alle Zeiten Küchenarbeiten überläßt, und die Magenspezialisten sind in Deutschland sowieso schon überlastet.

6. Heizung: Es hat keinen Wert, zum Einheizen das Nachbarhaus einzureißen, da die Deutschen eigenartigerweise zum Häuserbauen Steine benutzen. Außerdem wäre zu befürchten, daß die faschistische Bürokratie Schwierigkeiten macht.

7. Gesundheitspflege: In der Frühe loszusausen, um mit dem Eimer in der weiteren Umgebung Wasser zu suchen, ist zwecklos, man läßt sich von den Eingeborenen an ihre Zimmerquellen führen. Hygienische Bedenken gegen das Wassertrinken bestehen in diesem Falle zwar nicht, doch vergiß, daß es sich dabei um eine durchaus unproletarische Angelegenheit handelt. An dem übertriebenen Wasserverbrauch der Eingeborenen darf man sich nicht stören.

8. Sanitäre Anlagen: Niedrige weiße Porzellanschüsseln eigenartiger Form, wie sie in bestimmten Räumen deutscher Wohnungen aufgestellt sind, dienen besonderen Zwecken, die man sich am besten von der Hausfrau erläutern läßt. Nach Beendigung der besonderen Zwecke an der Seite angebrachte Kette ziehen. (Nicht erschrecken, das Geräusch ist harmlos.) Zum Haarewaschen und Rasieren sind diese Porzellanschüsseln unpraktisch.

9. Zapfenstreich: Wenn Du Deinen Haustürschlüssel vergißt, dann versuche nur im Notfall die Haustüre mit einer geballten Ladung aufzuschließen. Probiere zuerst mit einer elektrischen Klingel.

10. Besuche: Beim Besuch von Bekannten könnte es Befremden erregen, wenn Du vor dem Platznehmen Tapeten und Sofas auf Wanzen und Läuse untersuchst. Bei Deinen ersten Besuch wäre der Versuch sowieso negativ.

11. Verkehr mit der Bevölkerung: Leidlich gekleidete Personen sind in Deutschland zwar nicht in allen Fällen Freudenweiber, jedoch bilden sie trotzdem für den Fronturlauber eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Annäherungsversuchen begegnet man mit einem sturen "Nix panimaju" (nicht verstehen.)

12. Anzugsvorschrift : MPi und Handgranaten im Stiefelschaft gehören in der Heimat nicht zum Ausgehanzug.

13. Benehmen in der Öffentlichkeit : Beim Besuch von Gaststätten, Cafes und Theatern kann man auf Einigeln verzichten.

14. Partisanenabwehr: Es ist nicht notwendig, jeden Passanten nach der Parole zu befragen und bei nicht genügender Auskunft das Feuer zu eröffnen. Bei Partisanengefahr wende man sich an die Polizei.

15. Vorsicht bei Gesprächen : Die Annahme, daß auch die deutsche Bevölkerung nichts davon versteht, wenn sich Landser in ihrer Gegenwart in der ungezwungenen Tonart unterhalten, ist irrig. Es empfiehlt sich daher auch nicht, in dieser Annahme zu einer Dame mit dem freundlichsten Gesicht der Welt zu sagen: "Du dreckige Schlampe, du verlauste, wenn du dich mal wieder waschen würdest, wäre es nicht schade"; denn es könnte verstanden und übelgenommen werden. Am besten spricht man in solchen Fällen russisch.

16. Hunde: Die Erfindung des Minenhundes ist geistiges Eigentum der Sowjetunion. Deutsche Hunde beißen schlimmstenfalls, aber sie explodieren nicht. Das hierzulande ratsame Abschießen jedes auftauchenden Hundes könnte in Deutschland unliebsames Aufsehen erregen und ist deshalb zu unterlassen.

17. Warnung vor Alkoholmißbrauch: Nach der konsequenten Entziehungskur im Osten dürfte die unmittelbare Rückkehr des Urlaubers auf seinen früheren alkoholischen Stand zu katastrophalen Folgen führen. Der Urlauber erhält daher an der Grenze eine Säuglingsflasche mit Stricheinteilung ausgehändigt. Beim ersten Maßstrich beginnend kann täglich die Menge um einen Strich gesteigert werden. Vor Beendigung des Urlaubes rechtzeitig wieder rückwärts trinken,

18. Zahlungsverkehr: Sicherem Vernehmen nach bestehen in Deutschland ausgedehnte Möglichkeiten zum Geldausgeben. Der übliche Zahlungsverkehr ist die Barzahlung. Requisitionsscheine mit unleserlicher Feldpostnummer und Sammelschecks von "Haus Neuerburg" sind auch im Reich wertlos und werden von seriösen Geschäftsleuten sehr ungern in Zahlung genommen.

19. Kraftfahrzeugswesen: Alleinstehende Kfz. (Kräder, Lkw, Pkw) sind nicht auszuschlachten oder zu sprengen, da es sich hierbei in Deutschland um parkende Fahrzeuge handelt.

20. Allgemeines : Urlauber! Sei in der Heimat vorsichtig mit Deinen Schilderungen der paradiesischen Zustände in der Sowjetunion, sonst streben alle hierher, und mit unserer idyllischen Bequemlichkeit ist es aus.



Gefunden in:

Franz Josef Strauss Geschichte der 2.(Wiener)Panzer-Division, Seiten 127 bis 129

Winken

Jan-Hendrik


Zuletzt bearbeitet von Jan-Hendrik am 05.01.2008 - 19:51, insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 136152 | Verfasst am: 05.01.2008 - 13:29    Titel: Antworten mit Zitat

Fertig! Cool

Cu

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 136206 | Verfasst am: 06.01.2008 - 01:13    Titel: Antworten mit Zitat

Wer hat das erstellt?
Eine dt. Propaganda Kp?
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 136209 | Verfasst am: 06.01.2008 - 04:17    Titel: Antworten mit Zitat

Sowas war sicher nicht offiziell, das haben Männer der 2.PD angefertigt, als im Sommer 1942 erstmalig Männer Urlaub bekamen und das "sozialisitsche Paradies" Richtung Heimat verlassen durften...und ich denke mal, das wurde von Jemandem verfaßt, der keinen Urlaubsschein ergattern konnte und so seinem Sarkasmus freien Lauf lies Zwinkern

Cu

Jan-Hendrik
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