Kavallerie-Gefechte im 1. Weltkrieg
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Foren-Übersicht » Militärgeschichte im Wandel der Zeit (bis 1919) » militärische Operationen
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Reiter
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 31.05.2007
Beiträge: 2306

BeitragBeitrags-Nr.: 138545 | Verfasst am: 07.02.2008 - 12:34    Titel: Kavallerie-Gefechte im 1. Weltkrieg Antworten mit Zitat

Um die im Großen Krieg erfochtenen Leistungen der 110 deutschen Reiter-Regimenter festzuhalten, eröffne ich diesen Thread.
Ergänzendes Material an Berichten und Bildern darf gern hinzugefügt werden!

"Daß die deutsche Kavallerie im Weltkriege allen ihren kavalleristischen Feinden überlegen war, hat sie erwiesen. In Belgien und Frankreich, in Rußland und Rumänien entzog sich selbst zahlenmäßig weit überlegener Feind stets dem Reiterkampf aus Scheu vor unserer geschlossenen Attacke und aus menschlich begreiflicher Angst vor der Lanze....So ziehe denn hin und hilf der deutschen Zukunft, daß sie den Stolz auf ihre Vergangenheit nicht verlernt, daß sie wieder vom dem Reitergeist erfüllt werde, mit dem in Krieg und Frieden jeder Feind zu schlagen ist, und daß sie die Helden nicht vergißt, die für Deutschlands Ehre und Einheit starben."
Jenö von Egan-Krieger

Alle weiteren Berichte sind aus seinem Buch "Deutsche Kavallerie in Krieg und Frieden" entnommen.

Königlich Preußisches 1. Leibhusaren-Regiment Nr.1
Iwuy. 25.08.1914
Von Hauptmann v. Mackensen

Nach kurzer Rast im Anschluß an ein leichteres Gefecht mit französischer Landwehr bei Tournai überschritt die 2. Kavalleriedivision am 24. August abends mit “Hurra” die belgisch-französische Grenze und erreichte Marschiennes. Hier rastete die Division nach einer Tagesleistung von 65 km einige Nachtstunden unter dem Sattel, um noch im Dämmerlicht wieder auf Bouchain aufzubrechen.
Bouchain mußte gegen 7 Uhr vormittags von der 4./2. Leibhusaren-Regiments, der Eskadron des Vortrupps, von französischen Territorialen gesäubert werden. 35 Gefangene wurden eingebracht. Dadurch kam das 1. Leibhusaren-Regiment an die Spitze der Division. Auf die Meldung vom Marsch einiger Kompanien mit ihrem Troß auf dem Wege Avesnes le Sec-Iwuy ging die 3. Eskadron zur Nahaufklärung von Hordain, wo die Division zunächst mit dem Anfang hielt, in südöstlicher Richtung gegen diese Straße vor. Ein Feuerüberfall auf 300 m brachte die ahnungslosen französischen Landwehrmänner und ihre Fahrzeuge in heillose Verwirrung. Ihre Verluste waren erheblich, trotzdem sie schnell Deckung gefunden hatten. Denn leider durchschnitt der Weg meist als Hohlweg das Gelände. Bald machte sich eine zahlenmäßig erhebliche feindliche Überlegenheit gegen die nach Patrouillenabgaben und ohne den Standartenzug nur noch etwa 40 Schützen starke 3. Eskadron bemerkbar. Eine Bedrohung vom Eisenbahneinschnitt westlich Iwuy her gegen die rechte Flanke wurde leicht abgewehrt, aber gegen die linke gingen vom Feuerüberfall nicht gefaßte Teile des Feindes vor. Starke Verluste hatte die Eskadron bereits zu beklagen. Der Eskadronchef mußte schließlich um Unterstützung bitten. Sobald seine Bitte beim Regiment eintraf, ging dieses etwa 9 Uhr 30 vormittags in Galopp mit einer reitenden Batterie offen auf und kam, wenn auch nur kurz, zu voller Wirkung. Die 4. Eskadron saß ab und ging links von der 3. vor, während die 1. zurückgehalten wurde. Der Stab und die 2. - diese in eingliedrigen lichten Zugwellen - attackierten den vorgebogenen, noch nördlich der Straße befindlichen feindlichen rechten Flügel. Alles ging mit begeistertem “Hurra” auf den völlig kopflosen Feind vor, der sich überall, ohne noch einen gezielten Schuß abzugeben, ergab.
4 Offiziere, 353 Mann wurden gefangen, 4 Maschinengewehre, viele Gewehre, mehrere Fahrzeuge und Pferde erbeutet. Der 1. Eskadron gelang es dann noch, auf gegen Iwuy zurückgehende Franzosen zu Schuß zu kommen.
Das Regiment hatte durch den schnellen Entschluß zum Handeln einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Er gebührt in gleicher Weisen den zu Fuß fechtenden Teilen wie den Lanzenreitern.
Im Weltkriege starben vom 1. Leibhusaren-Regiment für König und Vaterland 23 Offiziere und 178 Mann.

Horrido! Winken

Nicole
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
dauerwelle
Erfahrenes Mitglied


Anmeldedatum: 19.02.2008
Beiträge: 466

BeitragBeitrags-Nr.: 144458 | Verfasst am: 31.03.2008 - 16:46    Titel: Antworten mit Zitat

Zu empfehlen wäre in diesem Zusammenhang das „Buch der Kavallerie“ von Gustav Rau, erschienen 1936.
Am Ende setzt er den Pferden seiner Einheit ein würdiges Denkmal und beschreibt die Offizierspferde der 1. Eskadron des 7. Ulanenregiments.

http://i31.tinypic.com/2uos8c1.jpg
http://i31.tinypic.com/2hf45lh.jpg
http://i27.tinypic.com/29cwieg.jpg
http://i27.tinypic.com/10dgznd.jpg
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Reiter
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 31.05.2007
Beiträge: 2306

BeitragBeitrags-Nr.: 144474 | Verfasst am: 31.03.2008 - 18:26    Titel: Antworten mit Zitat

Super Buch, sieht sehr vielversprechend aus! Sowas liebe ich!

Danke für den Tip Zwinkern

Horrido! Winken

Nicole
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
dauerwelle
Erfahrenes Mitglied


Anmeldedatum: 19.02.2008
Beiträge: 466

BeitragBeitrags-Nr.: 144523 | Verfasst am: 01.04.2008 - 06:15    Titel: Antworten mit Zitat

Vergessen sollten wir natürlich auch nicht die in den 20er und 30er Jahren erschienenen sehr ausführlichen Regimentsgeschichten.
Die aber alle heutzutage einen entscheidenden Nachteil haben und das ist der stolze Preis… Da mit Nachauflagen wohl auf keinen Fall zu rechnen ist, wird sich das auch nicht ändern. Böse, Angry
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Reiter
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 31.05.2007
Beiträge: 2306

BeitragBeitrags-Nr.: 149707 | Verfasst am: 10.06.2008 - 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

So - nun, nach längerer Pause, ups, möchte ich meine Arbeit zu den Einsätzen und Gefechten der deutschen Kavallerie-Regimenter im Großen Kriege fortsetzen.

Weiter geht es nun mit dem Königlich Preußischen 2. Rheinischen Husaren-Regiment Nr. 9
"Das 2. Rheinische Husaren-Regiment Nr.9 hat das seltene Glück gehabt, in allen Feldzügen, an denen es seit seiner Gründung bis zu seiner Auflösung teilgenommen hat, Gelegenheit zu erfolgreichen Attacken zu finden - und auszunutzen.
Im Weltkrieg gehörten die 9. Husaren zur 7. Kavallerie-Division. Erstem Einsatz in Lothringen folgten die Kämpfe an der Somme. Der Aufklärungseskadron v. Boyneburgk gelang ein Vorstoß bis an die Tore von Amiens. Unter ihrem Kommandeur Oberst Hugo stürmten die Husaren Gomiécourt. Unteroffizier Lehndorff erhielt hierbei als erster in der Division des E.K.I.
In Flandern glückte dem neuen Kommandeur, Major Graf Klinckowstroem bei Erquinghem eine Attacke auf 3 feindliche Kompagnien und Spahis, die 250 unverwundete Gefangene einbrachte und dem Feind 30 Tote kostete.
Im rumänischen Feldzug zeichneten sich insbesondere die Eskadrons Prieger und Eggeling aus. Leutnant v. Grabow gelang es als Patrouillenführer, gemeinsam mit der Patrouille Hotop vom Dragoner-Regiment 15, bei Grocesti 3 Offiziere und 416 Mann gefangen einzubringen.
Zur Kampfdivision umgewandelt, leisteten die Husaren endlich in den schweren Kämpfen bei Noreuil, Moeuvres und Cambrai Vorbildliches. Bei Moeuvres fiel bei Abwehr eines der zahlreichen feindlichen Angriffe als Kommandeur des Regiments Major Barckhausen.
Bis zuletzt erfüllte jeder Mann seine Pflicht."

Von Generalmajor a. D. Hugo

Quelle: Die deutsche Kavallerie in Krieg und Frieden von Major a.D. Egan-Krieger

Horrido! Winken

Nicole
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Reiter
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 31.05.2007
Beiträge: 2306

BeitragBeitrags-Nr.: 149804 | Verfasst am: 11.06.2008 - 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Und weiter geht es mit den Ruhmestaten deutscher Kavalleristen im Großen Krieg!

Königlich Preußisches Kürassier-Regiment Königin ( Pommersches) Nr.2

Leider ist es dem Regiment, das 1819 in ein Kürassier-Regiment umgewandelt wurde und die Ehre hatte, dauernd die Königinnen von Preußen als Chefs an seiner Spitze zu sehen, in den Kriegen 1848, 1866 und 1870/71 nicht vergönnt gewesen, entscheidende Taten zu vollbringen.
Dafür hat es im Weltkriege von Anfang bis zum Ende fast täglich am Feinde gestanden und die Reihe der Ortsnamen, die siegreiche, ruhmvolle Kämpfe des Regiments bezeichnen, würde für viele diesen Aufsatz zu lang werden.
Besonders hell strahlen aber die Namen Crajova udn Ciurari in Rumänien. Die 5. Eskadron des Regiments unter Rittmeister Alfred v. Borcke nahm am 21. November 1916 in kühnen Handstreich Crajova, überritt in überraschender Attacke 2 Kompagnien und machte 8 Offiziere und 503 Mann, ungerechnet 800 Verwundete, zu Gefangenen, während 6 Maschinengewehre auf 12 Packpferden, 3 gefüllte und bespannte Munitionswagen, eine vollständige Ambulanz und 5 Lokomotiven nebst einigen 70 Waggons mit Kriegsmaterial der Eskadron als Beute in die Hände fielen. Am 29. November war dieselbe Eskadron, ihrem Auftrage als Aufklärungseskadron gemäß, inzwischen weiter gegen den Alt vorgegangen. Bei dem Dorfe Ciurari in der Gegend von Ciolanesti traf sie auf eine rumänische Abteilung von etwa 4 - 5 Kompagnien, 4 Geschützen, einer Maschinengewehrabteilung und etwa 150 Fahrzeugen. Mit nur 15 Schützen, 1 Maschinengewehr und einem zugeteilten Geschütz der 3. Reitenden Batterie des Feldartillerie-Regiments 11 griff Borcke diese Abteilung an und verstand es, durch geschickte Verteilung der Schützen und durch intensive Ausnutzung des Geschützes bei den Rumänen den Eindruck zu erwecken, als ob ihnen eine stärkere Abteilung gegenüberstände. Durch die gutsitzenden Schüsse erlitten die Rumänen erhebliche Verluste und kamen zu der Erkenntnis, daß ihre Lage eine unhaltbare wäre. Sie entschlossen sich daher zu kapitulieren und 23 Offiziere, über 1700 Mann, 10 Geschütze, 9 Maschinengewehre, 5 gefüllte Munitionswagen, etwa 150 gefüllte Fahrzeuge mit Munition, Kriegsgerät und Lebensmitteln, über 230 Pferde und 400 Ochsen wurden die Beute dieses Tages. Rittmeister v. Borcke nannte in seinem Bericht als diejenigen, denen er besonders das Gelingen des kühnen Unternehmens zu verdanken habe, den Oberleutnant von der Marwitz, die Leutnants v. Oppenfeld und v. Quast, sowie die Unteroffiziere Manske, Vonhoff und Hartwig vom Kürassier-Regiment Königin, sowie den Führer des Geschützes, Oberleutnant Zahn vom Feldartillerie-Reiment 11.
1914 - 1918 haben 28 Offiziere, 210 Unteroffiziere, Gefreite und Kürassiere getreu ihrem Fahneneide ihr Leben gelassen.
Mit Gott für König und Vaterland!


Von Major a. D. von Albedyll aus o.g. Buch

Horrido! Winken

Nicole
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Foren-Übersicht » Militärgeschichte im Wandel der Zeit (bis 1919) » militärische Operationen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

Druckversion

Gehe zu:  

Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.