Quedlinburger Domschatz - oder Plünderung und Hehlerei
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Kgr Wahl
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BeitragBeitrags-Nr.: 155100 | Verfasst am: 04.08.2008 - 18:36    Titel: Quedlinburger Domschatz - oder Plünderung und Hehlerei Antworten mit Zitat

"Mit über 50 prächtigen Stücken,reichverzierten Evangelarien sowie Reliquiaren und anderen kostbaren Schmucksachen, zählt er Schatz des Quedlinburger Domes, der früheren Stiftskirche St. Servatius, zu den wertvollsten erhaltenen Kirchenschätzen Deutschlands. Viele Stücke stammen aus der Zeit der Sachsenkaiser,also aus der ersten Zeit des deutschen Königtums. Um ihn im zweiten Weltkrieg vor Zerstörung zu schützen,war er in einem Bergwerkstollen ausgelagert worden.

Dort fand ihn der amerikanische Oberstleutnant Joe T. Meador in den letzten Kriegstagen von 1945. Er wählte mit Kennerblick die zwölf wertvollsten Teile aus und sandte sie dann ganz normal mit der Feldpost an seine Mutter in Texas.

Ein US-Offizier im Dienst beging damit nicht nur einen gemeinen Diebstahl,sondern ein Verbrechen gegen die Kultur,indem er die bedeutensten Teile eines wertvollen Kirchenschatzes verschwinden liess,sich selbst aneignete.

Für die rechtmäßigen Besitzer und die deutsche Öffentlichkeit galten die fehlenden Stücke - unersetzliche Kostbarkeiten wie das ganz in Gold getriebene Samuhel-Evangilar - seit dieser Zeit als in den Kriegwirren verschollen oder zerstört.

Einige Jahre nach Meadors Tod ( 1980 ) versuchten die Geschwister Teile des ihnen zugefallenen Erbes zu Geld zu machen. Sie benutzten dunkle Kunstmarktverbindungen um erstmals 1988 das kostbarste Stück des Diebesgutes, das Samuhel-Evangeliar, eine Handschrift aus dem 9. Jahrhundert und heute eines der Hauptwerke der frühmittelalterlichen Buchmalerei, für neun Millionen Dollar der Stiftung preußischer Kulturbesitz anzubieten. Die damals noch vorhandene Spaltung Deutschlands verhinderte jedoch zu dem Zeitpunkt das "Geschäft".

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das Stück dann im April 1990 der Kulturstiftung der Länder ( KSL ) angeboten,wobei 3 Millionen Dollar als "Finderlohn" gefordert wurden!

Der Generalsekrätär der Stiftung, Klaus Maurice, ging angesichts der Wertes des Stückes notgedrungen darauf ein und vereinbarte eine Ratenzahlung. Nach Zahlung der ersten beiden Raten in Höhe von 1,75 Millionen Dollar konnten die unrechtmäßigen Besitzer in den Vereinigten Staaten ausgemacht und die restlichen Stücke in Texas beschlagnahmt werden.

Wer nun allerdings meint,daraufhin wäre das Diebesgut dem rechtmäßigen Besitzer,der Lutherischen Kirche in Quedlinburg, übergeben und die Erpresser wären bestraft worden,hat vom geltenden Recht in den USA keine Ahnung.

Ein komplizierter Rechtsstreit zwischen der luth. Kirche,die nun von der KSL unterstützt wurde, und den Meador-Erben begann, wobei der am. Staat sich aus der ganzen Angelegenheit heraushielt, insbesondere sich auch nicht für den Diebstahl durch einen hochranigen Offizier in seinem Dienst entschuldigte.

Die Meador-Erben beriefen sich darauf, dass sie ihr "Erbe" doch "guten Glaubens"
angetreten hätten,obwohl sie genau wussten, daß ihr Bruder den Schatz gestohlen hatte. Hatten sie sich doch nach Deutschland und an die dafür interessierten Stellen gewandt.

Texanisches Recht begünstigte sie als Eigentümer. Schließlich gab es anscheinend für die deutschen Vertreter nur eine Möglickeit, um zu verhindern,daß die restlichen Stücke des Domschatzes für immer auf dem internationalen Kunstmarkt in private Hände verschwanden:

Sie mussten im Januar 1991 einem aussergerichtlichen Vergleich zustimmen. Darin erklärte sich die KSL bereit,für den gesamten gestohlenen Schatz noch einmal 912.500 Dollar an die Erben des Diebes zu zahlen.

Daraufhin kehrten nach über 45 Jahren am 29. April 1992 die restlichen Stück nach Deutschland zurück.

Statt den Räuber und die Hehler,die jahrzehntelang das kostbare kirchliche Gut verborgen haben und damit der Öffentlichkeit vorenthalten hatten, zu bestrafen und solches Tun an den Pranger zu stellen, haben der amerikanische Staat und die dortige Öffentlichkeit nicht nur nicht sich entschuldigt oder Wiedergutmachung angeboten,sondern es zugelassen, daß 2.662.500 Dollar vom deutschen Eigentümer erspresst wurden, indem man schamlos das kulturelle Interesse der deutschen Stellen ausnutzte.

Was wäre wohl passiert,wenn ein einfacher deutscher Soldat - geschweige denn ein hochraniger Offizier - eines solchen privaten Raubes überführt worden wäre und seine Nachkommen nachträglich aus dem Diebstahl solches Kapital hätten schlagen wollen?

Die Welt würde widerhallen von solcher Barbarei der Deutschen und ihrer Wehrmacht."

Zitat Ende.

Quelle: Leitheft und "Die Welt" vom 31.10.1992
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Michael aus G
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BeitragBeitrags-Nr.: 155128 | Verfasst am: 05.08.2008 - 00:20    Titel: Antworten mit Zitat

Lesetip dazu:

"Quedlinburg-Texas und zurück - Schwarzhandel mit geraubter Kunst"
Siegfried Kogelfranz/Willi A. Korte(der Finder des Schatzes)
Knaur Verlag
ISBN: 3-426-77234-5
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Gardes du Corps
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BeitragBeitrags-Nr.: 155133 | Verfasst am: 05.08.2008 - 06:39    Titel: Antworten mit Zitat

ne wenigstens kamen die Sachen aus den USA zurück und liegen heut wieder in Quedlinburg aus ...

die Dinge die heute in Russland liegen, werden auf deutsche Kosten gelagert, auf deutsche Kosten restauriert, Deutschland liefert Klimakammern, zahlt für die sachgerechte Ausstellung ...

... und wer kassiert die Eintrittsgelder z.B. für die Ausstellung des Schliemannschatzes in St. Petersburg?

der ehemalige Sparkassendirektor weiß das, aber meint irgendjemand, er hat bei seinem dortigen Besuch das Thema auch nur erwähnt?
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Michael aus G
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BeitragBeitrags-Nr.: 155166 | Verfasst am: 05.08.2008 - 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Gardes du Corps hat Folgendes geschrieben:
ne wenigstens kamen die Sachen aus den USA zurück und liegen heut wieder in Quedlinburg aus ...


Musst mal das Duch dazu lesen. Das war ein heiden Krampf und hätte auch fast nicht geklappt.
Die Amis sind da fast genauso zickig wie die Russen... Grins

Gardes du Corps hat Folgendes geschrieben:
die Dinge die heute in Russland liegen, werden auf deutsche Kosten gelagert, auf deutsche Kosten restauriert, Deutschland liefert Klimakammern, zahlt für die sachgerechte Ausstellung ...


Der Zustand ist aber besser, als wenn das Zeug in irgendwelchen Geheimdepots verrottet.

Fazit: Handel mit geraubten Kunstgut(aller Epochen) hat vom Umsatz alle anderen "Verbrechen" überflügelt. Da weist du warum so gezickt wird... Winken
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