Sowjets als Retter der CSR 1938?
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Kai
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BeitragBeitrags-Nr.: 76430 | Verfasst am: 05.11.2005 - 18:44    Titel: Sowjets als Retter der CSR 1938? Antworten mit Zitat

Da ich endlich mein Zwangssemester Neueste Geschichte hinter mich gebracht habe, kann ich meinen Leistungsnachweis, d.h. die Hausarbeit online stellen.
Beim Lesen bitte daran denken, dass mein Dozent eine Pazifistische Grundeinstellung hatte und demzufolge keine Ahnung von Militärgeschichte. Also nicht aufheulen, wenn euch etwas zu einfach formuliert ist.

Der politische Teil ist ohnehin viel interessanter. Er zeigt den immer wieder unterschlagenen Einfluss der SU auf die Vorkriegsgeschichte.



Hausarbeit
Der Weiße Löwe und die Roten Falken
Die sowjetischen Fliegerkräfte als Lösung für die Tschechoslowakei im Krisenjahr 1938? Unter besonderer Berücksichtigung der stalinistischen Sowjetisierungspolitik in Ostmitteleuropa.



Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Sicherheitspolitische Rahmenbedingungen
3. Die tschechoslowakischen Verteidigungskapazitäten
3.1. Die tschechoslowakischen Truppen und Verteidigungswerke
3.2. Die deutschen Truppen
4. Das Risiko einer sowjetischen Militärhilfe
4.1. Die stalinistischen Sowjetisierungsversuche
4.2. Vergegenwärtigung und Beurteilung der Lage
4.3. Das doppelte Spiel der Sowjetunion
4.4. Die Rolle der Sowjetunion bei der Zerschlagung der Tschechoslowakei
5. Strategem oder Kompromiss? Abschlussbetrachtungen

Anhang:
Gesamttruppenstärken
Verwendete Abkürzungen
Endnoten
Literaturverzeichnis
Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1938: Die Soldaten der Tschechoslowakei, auf deren Staatswappen noch immer der weiße Löwe Böhmens prangte, hatten allen Grund besorgt in den Himmel zu sehen. Ein Krieg mit Deutschland drohte und sie wussten nur allzu gut, wie mächtig die Luftwaffe war.
Sie war der Stolz der deutschen Wehrmacht, hervorragend ausgerüstet mit den besten Flugzeugen der Welt, die verglichen mit den tschechoslowakischen geradezu futuristisch wirken. Mehr noch, sie war kampferprobt und blickte auf eine stolze Fliegertradition in Boelckes und Richthofens Geist.
Denn auch die Flieger des Kaiserreiches waren nicht minder furchteinflößend gewesen, genau daher war dem Reich auch durch den Versailler Vertrag 1919 verboten worden, eine Luftwaffe zu besitzen.

Gewichtigere Folge der Pariser Vorortverträge allerdings war die grundlegende Änderung der politischen Landschaft Europas. Die geschlagenen Großmächte Russland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich hatten aufgehört zu existieren und das Deutsche Reich war überaus stark geschwächt. Diese Schwächung resultierte u.a. aus der Bildung neuer Nationalstaaten in Ostmitteleuropa auf Kosten deutschen Reichsterritoriums.
Obgleich wegen der ‚Fesseln’ des Versailler Vertrages praktisch wehrlos gegenüber anderen Großmächten hatte das Deutsche Reich auf eine Revision gedrängt. Diese Revisionspolitik wurde auch von Hitler nach einer gewaltigen Wiederaufrüstung gegenüber der TSR fortgesetzt. Er wollte die Abtretung von Territorien mehrheitlich deutscher, ‚sudetendeutscher’, Bevölkerung an das Reich.
Die Sudetenkrise wurde geschickt genutzt und Hitler erreichte sein Ziel noch 1938. Obgleich es als seine letzte territoriale Forderung deklariert war, existierte Anfang des Jahres 1939 die TSR nicht mehr, deutsche Truppen hatten sie rechtswidrig und doch widerstandslos besetzt, nachdem sich die Slowakei abgespalten hatte.

Während der Sudetenkrise waren insbesondere die Westmächte um eine friedliche Lösung bemüht, jedoch war die Gefahr bzw. Möglichkeit einer kriegerischen Lösung für die politische und militärische Führung der TSR vorhanden und nicht zu ignorieren.
Dabei sah man sich hauptsächlich drei Problemen gegenüber. Die deutsche Wehrmacht war eine gewaltige Streitmacht geworden, die zur Luft eine deutliche Überlegenheit innehatte. Katalysierend kam die Überschätzung dieser Macht und die Unterschätzung der tschechoslowakischen Truppen durch die Westmächte sowie deren Kriegsangst hinzu. Und letztlich machte die Sorge um Verbündete zu schaffen.

Die Sowjetunion bot Truppen zur Unterstützung an, doch die Verantwortlichen in der TSR reagierten eher zurückhalten, waren nicht geneigt Bodentruppen in ihr Land zu lassen, lediglich sowjetische Luftstreitkräfte, die ‚Roten Falken’, erweckten Interesse. Die folgende Arbeit wird sich mit der Frage befassen, warum.

Zunächst wird dazu die sicherheitspolitische Lage der TSR betrachtet, um herauszustellen, in welchem Umfang eine Unterstützung durch Verbündete für eine erfolgversprechende Verteidigung gegen die Wehrmacht notwendig war. Dabei werden nicht allein blanke Zahlen militärischen Personals und Materials gegenübergestellt, obwohl dies bei der Frage nach den Aussichten einer militärischen Verteidigung freilich unumgänglich ist.
Vielmehr sind diese Zahlen, d.h. der abstrakte, aber best fassbare Ausdruck militärischer Kraft eines Staates, in ein größeres sicherheitspolitisches System außenpolitischer Vereinbarungen mehrerer Staaten eingebunden. Die Darstellung dieses Systems ist also ebenfalls unumgänglich.
Die Bearbeitung der Frage in welchem Umfang Unterstützung notwendig war, wird ein erstes Erklärungsmuster für die Entscheidung der TSR herausstellen, das in ein zweites Muster eingearbeitet werden wird, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.

Dieses zweite Muster ist ebenfalls ein sicherheitspolitischer Aspekt, führt jedoch mitunter in die Innenpolitik. Stalin verfolgte ebenfalls eine expansionistische Politik, konnte sie aber aus verschiedenen Gründen nicht wie Hitler mit diplomatischen Mitteln vorantreiben. Daher wurden in ganz Ostmittel –und Südosteuropa kommunistische Organisationen gestärkt mit dem Ziel der Lenkung dieser Organisationen und ihrer Umwandlung zu subversiven Elementen, die einen kommunistischen Umsturz bei passender Gelegenheit herbeiführen sollten.
Welches Ausmaß diese Versuche in der TSR hatten, wie sie sich gestalteten und ob der Einmarsch sowjetischer Truppen eine solche passende Gelegenheit war, ist ebenfalls zu prüfen. Direkt damit verbunden ist die Frage, ob dann ein Einmarsch der SU nicht vielmehr Teil dieser Sowjetisierungspolitik ist als eine Verteidigung der TSR.
Dabei werden Perzeption dieser Versuche sowie Reaktion der tschechoslowakischen Regierung betrachtet, um ihr Interesse an Fliegern bei gleichzeitiger Ablehnung eines Bodentruppeneinmarsches in einem anderen Licht und somit jenes zweite Erklärungsmuster sehen zu können.

Gegenstand heftiger Debatten ist nach wie vor die Frage nach der Aufrichtigkeit des sowjetischen Angebotes, das allerdings spielt für diese Arbeit eine untergeordnete Rolle. Es geht um die tschechoslowakische Wahrnehmung dieses Angebotes unter dem Blickpunkt der angestrebten Sowjetisierung.
Auch die Wahrnehmung der Westmächte und ihre Reaktion sind zu untersuchen, da diese maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen der tschechoslowakischen Regierung hatten.

Anschließend wird diese Nachfrage noch einmal diskutiert unter den obig genannten Gesichtspunkten der militärisch-sicherheitspolitischen Lage und Stalins angestrebter Sowjetisierung. Auf diese Weise kann die Frage geklärt werden, ob bzw. inwiefern die sowjetischen Luftstreitkräfte eine Lösung für die Krise darstellten.
So können jedoch auch interessante weitere Aspekte im Prozess der Zerschlagung der TSR enthüllt werden, die sonst weniger Beachtung finden, z.B. welche Rolle die Angst vor der Sowjetisierung Ostmitteleuropas bei den Westmächten wie der TSR spielte oder wie akut diese Bedrohung tatsächlich war.

Bei der für diese Aufgabe herangezogenen Literatur eröffnen sich dem Leser zahlreiche Probleme.
Bezüglich der Kräfteverhältnisse zwischen dem deutschen und tschechoslowakischen Militär fällt insbesondere bei Überblicksdarstellungen zum Münchener Abkommen die Oberflächlichkeit der Untersuchung auf. Das führt zu kaum mehr als zur Wiederbelebung des Mythos von der unbesiegbaren Wehrmacht, die 1939 bis 1942 allen Widerstand mühelos hinwegfegte. Zu oft wird – zu Unrecht – dem tschechoslowakischen Soldaten ein ähnliches Schicksal nachgesagt, welches nur durch die Annahme des Hitlerdiktates vereitelt worden sei. Dabei lässt sich mittels speziellerer Literatur zur Thematik ein sehr viel ausgewogeneres Bild zeichnen.
Die stalinistischen Sowjetisierungsversuche hingegen sind praktisch nie untersucht worden, zumal sich hier das Problem der verschlossenen sowjetischen Archive ergab, bzw. der doktrinär bestimmten Geschichtsschreibung. Nach der Öffnung der Archive hat Ivan Pfaff als einziger zu dieser Problematik publiziert, seine Werke also stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Schon eo ipso ergibt sich die Gefahr der Einseitigkeit in den Betrachtungen.
Dies ist angesichts der erwähnten Publikationslage schwerlich vermeidbar, doch soll durch die Ergänzung und den Abgleich mit anderen Werken angrenzender Thematik, z.B. zur sowjetischen Außenpolitik oder dem Verhältnis SU/TSR, eine widerspruchslose Einbindung von Pfaffs Ergebnissen in das zu erarbeitende Gesamtbild ermöglicht werden.

2. Sicherheitspolitische Rahmenbedingungen

Schon die in den Vorortverträgen festgesetzten Grenzen der TSR stellten ein erhebliches Problem dar. Bei einer großen Ost-West-Ausdehnung und einer geringen Nord-Süd-Ausdehnung teilte man sich eine ca. 4000km lange Grenze mit Staaten, die beinahe alle im Konflikt mit der TSR standen. Polen, das Deutsche Reich, Österreich, Ungarn und Rumänien erhoben territoriale Ansprüche und/oder waren wegen Minderheitenproblematik der TSR mit dieser im Streit (1).
Diese Minderheitenproblematik, ebenfalls Folge der Pariser Vorortverträge und auch derer Grenzziehung, äußerte sich in allein schon in der Tatsache, dass weit mehr als ein Viertel der Bevölkerung nicht nur nominell nicht staatstragend, d.h. Tschechen und Slowaken (2) waren, sondern auch noch potentiell illoyal im Kriegsfalle (3). Berücksichtigt man die relativ kleine Gesamtbevölkerung (4), erscheint dies besonders brisant.
Als eine günstige Rahmenbedingung dagegen sollte der überaus hohe Industrialisierungsgrad der TSR betont werden, der den anderer Europäischer Staaten deutlich übertraf (5) und somit Rüstungsanstrengungen erleichterte. Zudem war das Land autark in der Lebensmittelversorgung (6), wodurch es schwerlich ausgehungert werden konnte.
Auch in der geographischen Lage waren nicht nur Nachteile sichtbar, schwieriges Gelände nämlich wie entlang der deutschen Grenze erschwert großangelegte Angriffsoperationen beträchtlich, besonders wenn diese mit mechanisierten Spitzen geführt wurden (7).
Die Sicherheitspolitik war weniger getragen von einer Militärmacht, sondern man suchte die außenpolitische Absicherung, mit der Beibehaltung des status quo als Ziel. Diese Aussage ist nicht nur communis opinio (8), sondern zentral für das Verständnis der tschechoslowakischen Sicherheitspolitik. Die Aussage: „Außenminister Benes betrachtete sich nicht zu Unrecht als den eigentlichen Verteidigungsminister“ (9) verdeutlicht dies. Das alles jedoch sollte nicht dazu verleiten, darin einen Pazifismus zu sehen. Vor einem Militäreinsatz schreckte man notfalls nicht zurück, wie die Teschener Frage (10) gezeigt hatte.
Schon bei der Machtergreifung Hitlers hatte man erkannt, dass das DR nunmehr der Hauptgegner der TSR war (11), angesichts der Außenpolitik Deutschlands (12) völlig richtig. 1938 war diese mit Frankreich alliiert (13) und Mitglied der sog. Kleinen Entente, deren Entstehung wesentlich auf Benes Betreiben zurückzuführen ist. Ersteres sollte eine Sicherheit vor Deutschland gewährleisten, letzteres war ein anti-ungarisches Bündnis (14). Der Beistandsvertrag mit SU bot ebenfalls ein gewisses Sicherheitsgefühl wohl nicht zuletzt gegenüber Polen, aber auch zur Prävention einer möglichen Isolation in Ostmitteleuropa (15).
Jedoch zerbrach die Kleine Entente noch vor der Sudetenkrise und Frankreichs Bereitschaft zu einer Militärhilfe war schon seit Locarno klar zurückgegangen (16) während für das Bündnis mit der SU gar „die totale militärische Wertlosigkeit“ (17) zu konstatieren ist!
Dass die Kleine Entente zerbrochen war, war nicht zuletzt Folge des von Hitler forcierten Nichtangriffspaktes zwischen Jugoslawien und Italien (18). Der Deutsch-Polnische Nichtangriffspakt indes machte eine Verständigung mit Polen unmöglich (19). Eine weitere Verstärkung der deutschen Bedrohung stellte der ‚Anschluss’ Österreichs dar (20).

3. Die tschechoslowakischen Verteidigungskapazitäten
3.1. Die tschechoslowakischen Truppen und Verteidigungswerke


Die ab 1933 erfolgte Aufrüstung (21) steigerte die Kampfkraft der tschechoslowakischen Armee enorm, wobei Manstein schon 1930 beeindruckt gewesen war (22), dessen Wort einiges gelten sollte (23). Insbesondere die Aufrüstung der Panzerwaffe imponierte der dt. Generalität, so sagte der maßgebliche Begründer der Blitzkriegstaktik angesichts der Leistungen, die von Panzern tschechischer Produktion erbracht wurden, diese hätten „uns große Dienste erwiesen, und erst während des Feldzugs in Rußland“ seien sie durch dt. Panzer ersetzt worden (24). Allerdings blieb die Zahl dieser Panzertruppen vergleichsweise gering (25).
1938 hatte man deutscherseits die herausragende Qualität der tschechischen Bewaffnung erkannt und der Stab OKW hatte Hitler davon unterrichtet (26). Zudem kommt die z.T. längere Gefechtsausbildung tschechoslowakischer Truppen, die insgesamt zahlenmäßig nur wenig unterlegen waren (27), von nach dt. Einschätzung guten Unterführern befehligt wurden (28) und zudem in einem Bunker –und Festungssystem steckten, welches seit 1936 entlang der dt. Grenze ausgebaut worden war und als hochwertig angesehen wurde, weswegen die tschechoslowakische Regierung fest an die Stärke dieses Systems glaubte (29).
Jedoch galt ähnliches für die Maginot-Linie, deren ‚Effizienz’ nicht weiter thematisiert werden muss – und tatsächlich: der Anschluss Österreichs ermöglichte dt. Truppen die stärksten Festungsgürtel zu umgehen. Trotz alledem aber bereiteten die tschechoslowakischen Befestigungen, besonders im schon angesprochenen Gelände, der dt. Führung arge Probleme (30), die nicht um die Schwierigkeiten, diese Befestigungen zu bemannen (31), wusste.
Die Luftstreitkräfte der TSR waren im Gegensatz zum Heer nicht besonders gut ausgerüstet, zudem zahlenmäßig nicht groß (32). Von einer Parität gegenüber der Luftwaffe kann also, wieder im Gegensatz zum Heer, keine Rede sein, zumal außerdem die Flugabwehr wenig beeindruckend war (33).

3.2. Die Deutschen Truppen

Seit 1935 wurde aus der Reichswehr die Wehrmacht und die Wehrpflicht wurde wiedereingeführt (34). Eine gewaltige Aufrüstung erfolgte und Adolf Hitler gelang es trotz all dieser Verstöße gegen den Versailler Vertrag, internationale Anerkennung zu erlangen und diese Maßnahmen zu legitimieren. Er verlangte die Kriegsbereitschaft bis 1940 (35). Folglich sind Zweifel an einer solchen Bereitschaft 1938 schon angebracht.
Zunächst jedoch sollte hervorgehoben werden, dass die Wehrmacht eine grundlegend offensiv auslegte Streitmacht war. Die ‚Blitzkriegstaktik’ setzte den Schwerpunkt am Boden auf gepanzerte und mechanisierte Spitzen, die konzentriert gegnerische Stellungen durchbrechen während nachrückende Infanterie Kessel bildet (36).
Gerade um diese Spitzen aber stand es 1938 eher schlecht. Die Panzer I und II hatten sehr beschränkten Wert auf dem Gefechtsfeld, waren eher als ‚Übungspanzer’ konzipiert (37) und aus diesen bestand die Masse der deutschen Panzer! (38).
Taktisch dagegen war die Wehrmacht auf einem weit höherem Niveau (39), ihre Panzerfahrer und Piloten erprobten Ausrüstung und besonders Taktik in Spanien, wodurch unschätzbar wertvolle Erfahrungen gewonnen wurden (40). Davon profitierte auch die Luftwaffe.
Deren Aufrüstung wirkte ganz besonders beeindruckend auf die Zeitgenossen: „Was nun im Sommer 1938 [...] bereits aus dem Boden gestampft worden ist, verschlägt nicht nur den Deutschen selbst den Atem; auch das Ausland verfolgt den Aufbau der Luftwaffe voller Bewunderung“ (41). Zurecht, denn die Luftwaffe war nicht nur zahlenmäßig gut ausgebaut sondern auch technisch von höchster Güte (42). Im Bereich der Luftrüstung also hat das Deutsche Reich klare Vorteile, die von der TSR erkannt und sogar im Hinblick auf das numerische Verhältnis überschätzt wurden (43).
Natürlich aber konnte nicht die geballte Macht des Deutschen Reiches auf die TSR konzentriert werden, weil die Allianz dieser mit Frankreich eine Bedrohung des westlichen Reichsterritoriums und damit die tiefenpsychologische Nemesis des preussisch-deutschen Militärs seit der kaunitz’schen Einkreisung darstellte: Die Gefahr des Mehrfrontenkrieges!
Diesen konnte das Deutsche Reich 1938 nicht bestehen (44) und dies wird ganz klar, hält man sich vor Augen, dass die Furcht vor dieser Gewissheit eine entscheidende Triebfeder für den deutschen militärischen Widerstand gegen Hitler war (45).

Insgesamt zeigt sich, dass entgegen der pessimistischen Einstellung der Westmächte jener Zeit (46) und auch der vieler Historiker (47) die militärische Lage der TSR bei weitem nicht hoffungslos war.
Allerdings eines steht außer Frage, es wäre ein harter und langer Krieg geworden. Doch genau davor musste sich die politische Führung der TSR hüten, angesichts der subversiven Elemente in der eignen Bevölkerung. Damit sind nicht nur die erwähnten Minderheiten gemeint (48).
Eine weitere Bedrohung stellte die Sowjetisierung dar, insbesondere dann, wenn die Sowjetunion tatsächlich Truppen entsenden sollte, wie im Folgenden zu zeigen ist.

4. Das Risiko einer sowjetischen Militärhilfe
4.1. Die stalinistischen Sowjetisierungsversuche


Im Gegensatz zur TSR war der Staat der Bolschewisten (49) weder nach Beginn der ‚Revolution’, richtiger des Bürgerkrieges, noch nach dessen Beendigung und der Ausrufung der UdSSR 1922 international anerkannt. Damit war für die Bolschewisten zunächst eine zwischenstaatliche Vereinbarung jedweder Art schwer möglich (50), insbesondere da die staatliche Neuordnung Ostmitteleuropas v.a. nach Frankreichs Bestreben einen ‚Cordon Sanitaire’ auch gegen die SU darstellen sollte (51).
Die Lösung dieses Problems suchte man in Moskau durch den direkten Kontakt mit den Arbeiterbewegungen Europas (52). Und je mehr sich die SU stabilisierte, desto stärker wurden diese Kontakte, seit den Zwanzigern etwa wurde die KPT massiv finanziell unterstützt (53).
Dass dies nicht uneigennützig war, steht außer Frage. Die Internationale, die ihren Sitz in Moskau hatte, war das Instrument der sowjetischen Machthaber, um die Arbeiterbewegungen zu steuern und ihr erklärtes Ziel war es, den Sturz der ‚Bourgeoisie’ in ganz Europa und somit die Sowjetisierung des Kontinents herbeizuführen. Zu diesem Zwecke wurden subversive Tätigkeiten gefördert und angeleitet (54). „Insbesondere richtete die Komintern ihre Aufmerksamkeit auf die Sowjetisierung der TSR, in der sie sich auf die seit 1929 ‚bolschewisierte’, d.h. stalinisierte KPC voll verlassen konnte“ (55). Auch wenn die Internationale ab 1935 im Zuge der schrittweisen internationalen Anerkennung der UdSSR offiziell von dieser Politik abrückte (56), wurde die Arbeit eher intensiviert, denn aufgegeben. Jedenfalls war der Chef der Prager Geheimdienstabteilung Moravik der Meinung, die SU unterstütze subversive Tätigkeiten in seinem Lande (57). Tatsächlich ist sowohl durch Berichte des deutschen AA als auch des tschechoslowakischen IM bekannt, dass die Komintern wenigstens einen hochrangigen Beamten in die TSR zum Zwecke umstürzlerischer Agitation entsandt hatte (58). Es kann also kein Zweifel geben, dass die Regierung der TSR von diesen Aktivitäten wusste.
Dies wird insbesondere auch deswegen klar, weil sogar das staatliche Propagandaorgan Stalins, die ‚Prawda’, nicht einmal mehr in der Lage war, subversive Tätigkeiten von russisch-kommunistischer Seite aus zu leugnen! Freilich wurden nicht die mit der KPT oder Stalin verbundenen Kommunisten beschuldigt, sondern ‚Trotzkisten’ (59).
Wie ein Umsturz in die Tat umgesetzt werden sollte, illustriert Schdanow, Mitglied des ZK der KPdSU, Vertrauter Stalins und lange Zeit als möglicher Nachfolger dessen gehandelt: „Wenn ein Krieg ausbricht, [...] ist es die Pflicht der Kommunisten, mit allen Kräften zu versuchen, die durch den Krieg hervorgerufene [...] Krise zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen und damit die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft im eignen Lande zu beschleunigen. Eine große politische Rolle wird die Teilnahme der Roten Armee an diesem Konflikt spielen. Der Überfall auf die Tschechoslowakei durch den deutschen faschistischen Aggressor und der sich gegen den Überfall wehrende Krieg der nationalen Bourgeoisie muß den Charakter eines Befreiungskrieges annehmen, in den die Arbeiterklasse und die Kommunisten eingreifen müssen.
Hier seht ihr, Genossen, dass Hitlers Überfall auf die Tschechoslowakei nicht nur zum Vorabend des Endes der faschistischen Übermacht wird, sondern auch das Ende der Herrschaft der Bourgeoisie und der Ausbeuter im eignen Lande bringen wird. Dass das Volk, das sich auf die Seite der Roten Armee [...] gegen den [...] Angreifer schlagen wird, dass dieses Volk, angeführt von den Kommunisten, in dieser Situation die Freiheit von der Vorherrschaft seiner eigner Bourgeoisie erkämpfen wird“ (60).
Entscheidender Inhalt dieser Rede ist die Ausnutzung des Verteidigungskrieges gegen Hitler und dessen Umfunktionierung in einen ‚Befreiungskrieg’, welcher das Ende der ‚Bourgeosieherrschaft’ herbeiführt. Dies ist nichts weiter als die kommunistisch rhetorisch verbrämte Ausdrucksweise für einen Bürgerkrieg, an dessen Ende die Sowjetdiktatur steht.
Dieser Bürgerkrieg sollte während des Einmarschs der Roten Armee ausgelöst werden und deren Unterstützung finden, wobei dieser Einmarsch als Militärhilfe gegen Hitler deklariert würde. In der Tat hätte der Pakt von 1935 einen solchen Einmarsch ermöglicht (61), aber zwingend war er nicht, da der Pakt keine Militärhilfe ausdrücklich einschloss (62).
Die KPT bereitete ab Mai tatsächlich Kampfhandlungen der Arbeiterschaft im Verbund mit der Roten Armee vor, offiziell freilich unter dem Deckmantel des Widerstandes gegen Hitler (63).
Woroschilow, Marschall und enger Vertrauter Stalins, hatte schon früher an eine Neuordnung Ostmitteleuropas „im Falle eines Einmarsches der Roten Armee in die Tschechoslowakei und einer Erhebung des Proletariats in den Nachbarstaaten“ gedacht (64). Es sei darauf hingewiesen, dass 1937 nicht einmal eine Krise in oder wegen der TSR herrschte, die Einmarschgedanken sind also nicht erst ad hoc bei einer ‚günstigen Gelegenheit’ entstanden. Das ist ein deutliches Indiz für die Stringenz der bolschewistischen Sowjetisierungpläne.
Einen Krieg gegen einen auswärtigen Gegner in eine Volkserhebung umzuwandeln ist auch eine ur-bolschewistische Strategie, schließlich ist die UdSSR genau so entstanden!

4.2. Vergegenwärtigung und Beurteilung der Lage

Auch wenn die SU nicht nur bei linken Gruppierungen das Bild des ‚großen slawischen Protektors’ bot (65), wusste die Regierung der TSR von jenen Aktivitäten der Kommunisten.
Ihre Haltung zur SU aber musste widersprüchlich sein. Im Krisenjahr 1938 stand Hitlers Wehrmacht an den Grenzen, ein Krieg drohte und natürlich suchte man nach Verbündeten für diesen Kampf.
Doch Frankreichs Außenminister Bonnett warnte Benes vor einer Sowjetintervention, Chamberlain betrachtete diese als ein „Unglück“ und der US-Botschafter Bullitt sprach die Befürchtung einer bolschewistischen Revolution offen aus (66). Von westlicher Seite aus also beurteilte man ein Engagement der Sowjets sehr kritisch.
Desgleichen war das tschechoslowakische Militär kaum bereit Sowjethilfe anzunehmen. „Wir wünschen nicht, die Russen hier zu haben. Wir werden sie nie wieder aus dem Land herausbringen können.“, meinte General Syrovy, Generalinspekteur der Streitkräfte persönlich (67), ein deutlicher Kommentar von höchster Stelle also, der besondere Brisanz gewinnt, berücksichtigt man die obig beschriebene, weniger günstige militärische Lage.
„Sollte man versuchen, [...] ausschließlich mit Russland zu gehen und alle Konsequenzen daraus auf sich zu nehmen, inklusive einer bolschewistischen Revolution?“, fragte Benes nun (68). Er wusste, wie sein Militär dazu stand, kannte die Geheimdienstberichte und wurde von den Westmächten gewarnt.
So spielte Benes mit dem Gedanken, den Landstreitkräften der SU, deren Einmarsch ohnehin von logistischen und diplomatischen Schwierigkeiten geprägt war, zu entsagen und stattdessen nur Fliegerhorste für die Luftstreitkräfte zur Verfügung zu stellen (69).
Der Vorteil liegt auf der Hand, denn Flugzeugbesatzungen können allein kaum ein Land besetzen, ein Umsturzversuch der Kommunisten erforderte ebenso Bodentruppen.
Doch wie war es um die Bereitschaft der SU gestellt, tatsächlich militärische Hilfe zu leisten?

4.3. Das doppelte Spiel der Sowjetunion

Während des gesamten Jahres 1938 betonte die Regierung der Sowjetunion immer wieder ihre Bereitschaft zum ‚anti-faschistischen’ Kampfe und noch im September erklärte Litvinow, Außenminister der SU, Benes, dass die SU ganz gemäß Beistandspakt bereit sei, Hilfe zu leisten, sollte auch Frankreich es sein (70).
Dass die militärische Kraft der SU angesichts Stalins laufender ‚Säuberungen’ (71) geschwächt war, verleitete zu grober Unterschätzung der Roten Armee, besonders in Frankreich (72). Viel mehr besaß die Rote Armee riesige Personalreserven und sehr viel Material, zumal sie taktisch auf einem ähnlich hohen Level wie die Wehrmacht war (73).
Rumänien war zwar bereit „die Augen zu schließen“ und sowjetische Truppen durch ihr Land zu lassen, die Sowjets aber waren nicht interessiert. Polen hingegen gewährte nicht einmal Überflugrechte (74). Da auch die TSR keine Bodentruppen in ihrem Land wollte, erstaunt es ein wenig, dass die SU eine gewaltige Streitmacht zu Lande im September an ihrer Westgrenze mobilisiert hatte (75). Diese durch das Nadelöhr Rumäniens zu zwängen erscheint unmöglich. Aber das beabsichtigte die SU auch gar nicht: „Ich hätte gern gewusst, was Frankreich als Bundesgenosse Polens täte, wenn Polen nach einem Angriff auf die Tschechoslowakei seinerseits [im Rahmen einer Waffenhilfe für die TSR] von der Sowjetunion angegriffen würde.“, hatte Litvinow im Mai den französischen Botschafter Coulondre gefragt, der daraufhin den Raum mit den Worten „die Sowjetunion hat also ein militärisches Vorgehen gegen Polen ins Auge gefasst!“ verließ (76). Die Antwort, die erst im Juni erfolgte, besagte, dass ein Eingreifen der SU nur dann erforderlich sei, wenn auch Frankreich militärisch agiert (77). Der Gedankengang zur Neuordnung Ostmitteleuropas im Rahmen einer Hilfe für TSR scheint wieder klar durch. Kaum noch hervorgehoben werden muss die große Angst der Westmächte vor einer solchen Neuordnung. Dies verdeutlicht auch, wie wenig der SU an der Erhaltung der TSR lag. Murray mag dies noch zu enggefasst deuten als den sowjetischen Versuch den Krieg mit Polen unter dem Deckmantel der Hilfe zu erneuern (78), aber auch er erkennt, worum es der Stalin nicht ging.

4.4. Die Rolle der Sowjetunion bei der Zerschlagung der TSR

Ende September rückten deutsche Truppen in die TSR ein und noch hatte man das Münchener Diktat nicht akzeptiert. Da griff das tschechoslowakische Militär nach dem letzten Strohhalm: Moskau. Doch alle Funksprüche blieben unbeantwortet, die SU wartete ab, ob die TSR wirklich kämpfen wollte (79). Diese hatte tags darauf das Münchener Diktat angenommen und am 30.09.1938 erklärte Benes im Parlament warum: „Wenn allein Russland uns zur Hilfe käme, würden alle gegen Russland ziehen und der Westen ginge gegen uns vor. Sie fürchten den Krieg, aber noch mehr eine sozialistische Revolution“ (80). Tatsächlich war den Sowjets bekannt, dass Benes ihre Hilfe als ‚Selbstmord’ und Auslöser eines Bürgerkrieges (81), d.h. einer ‚Revolution’, betrachtete. Und er wusste, wie sehr der Westen dies fürchtete, auch er kannte die jahrelange goebbel’sche Propaganda von der TSR als ‚Sowjetflugzeugträger’ (82), die er wohl auf keinen Fall bestätigen wollte – durch eine Anfrage nach Fliegerkräften.
Damit war Stalin jede Möglichkeit zur Sowjetisierung der TSR genommen und 1939 war er es, der als erster die Slowakei anerkannte, das Ende der TSR besiegelnd (83). So war Benes Befürchtung des Vorjahres, eine Einigung zwischen Hitler und Stalin sei das größte Unglück für Ostmitteleuropa (84), Wirklichkeit geworden, wie auch die Schicksale Polens und des Baltikums bestätigen sollten.

5. Strategem oder Notlösung? Schlussbetrachtungen

Benes Überlegung, nur die sowjetischen Fliegerkräfte und nicht ihre Bodentruppen ins Land zu lassen, erscheint auf den ersten Blick geradezu genial. Auf der einen Seite war die Wehrmacht nur in einem Punkt deutlich überlegen und dieser wäre durch die Flieger der SU zumindest teilweise nivelliert worden. Zum anderen wäre man so auch der Bedrohung durch die Kommunisten, eigener wie der russischen, und ihrer Umsturzpläne Herr geworden.
Auf der anderen Seite musste dies freilich auch Stalin klargewesen sein. Wie auch immer dessen Pläne ausgesehen haben mögen, die Erhaltung der demokratischen Ordnung der TSR war das letzte, wofür er seine Streitkräfte hergegeben hätte. Die Entsendung von Luftstreitkräften hätte ihm wenig für die Sowjetisierung der TSR gebracht, dafür einen Krieg mit Deutschland und das Risiko eines Krieges mit den Westmächten.
Denn zu diesem Zeitpunkt galt Hitler, nicht Stalin, als akzeptierter Verhandlungspartner der Westmächte und die Furcht vor dem Bolschewismus beherrschte ihr Denken nicht unwesentlich. Benes Einschätzung vom 30.09.1938 muss nicht nur, aber auch im Hinblick auf die NS-Propaganda für richtig befunden werden.
Diese Angst der Westmächte musste durch die wenig verhüllten Absichten der Kommunisten zum Umsturz und der SU zur Neuordnung Ostmitteleuropas nur verstärkt werden. Hier spielt es auch keine Rolle, inwieweit die Pläne tatsächlich verwirklicht werden sollten, da dies nicht bekannt war und die Westmächte diese Bedrohung ernst nahmen. Dies zeigt sich in der französischen Anweisung als tschechischer Bündnispartner an die SU keine unilaterale Militäraktion einzuleiten, in den Warnungen an Benes und auch in weiteren Äußerungen und Berichten, v.a. dem von Bullitt.
Bedenkt man dann zusätzlich die Wirkung der ‚Flugzeugträger’-Propaganda und die offene Bedrohung Polens in Verbindung mit der wirklich gewaltigen Streitmacht, die die SU in Bereitschaft versetzt hatte, sollte man diese Angst nicht als irrational abtun, sondern als zumindest teilweise begründet ansehen.
Dem Erklärungsmuster für das Zustandekommen des Münchener Diktates kann somit ein weiterer Aspekt hinzugefügt werden. Und mit diesem Aspekt wird auch der Druck verständlicher, der auf Benes von Seiten Chamberlains und Daladiers ausgeübt wurde, das Diktat anzunehmen.
Angesichts der häufig geäußerten, beinahe schon kanonisch gewordenen These, die Westmächte hätten nur oder hauptsächlich aus Angst vor einem Krieg mit Hitlers übermächtig erscheinender Wehrmacht das Münchener Abkommen aufgesetzt, erscheint es wichtig, sich genauer mit der Rolle der SU zu befassen. So nämlich kann ein viel differenzierter Blick auf das Geschehen des Jahres 1938 gewonnen und auch die Lösung vom Bild Ostmitteleuropas als ‚Anhängsel’ Mitteleuropas erzielt werden. Ostmitteleuropa wurde unbestreitbar auch von Osten her, namentlich der SU, beeinflusst. Dieser Einfluss jedoch geht in der zumeist Hitler-zentrierten mittel –und westeuropäischen Forschung nur allzu oft unter.
Selbstverständlich ging der Impuls zu der Zerschlagung der TSR vom Aggressor aus, dem äußerst geschickt mit den Ängsten der Westmächte spielenden Reichskanzler. Dass er dabei aber solchen Erfolg haben konnte, ist auf die Politik der SU zurückzuführen. Die rege Sowjetisierungspolitik, die starken Truppenmassierungen, unverhohlene Drohungen, die unterlassene Hilfeleistung und letztlich die aktive Beteiligung an der Zerschlagung durch die Anerkennung der Slowakei unterstützten Hitler entweder indirekt oder direkt in bedeutendem Maße.
Und so trug die Sowjetunion offenbar deutlich mehr zur Zerschlagung bei, als bislang vermutet, zumal die SU jahrzehntelang propagandistische Geschichtswerke publizieren ließ, welche sie als den einzigen Bündnispartner darstellen ließ. Da die westliche Geschichtsschreibung sich auf Hitler konzentrierte, wirkt dies Bild z.T. bis heute. Gleichwohl ist es eine eklatante, geradezu pervers anmutende Verdrehung der Tatsachen.
Dies kann nicht den Aggressor von seiner Aggression freisprechen, genauso wenig das Versagen der Westmächte diesem einen gerechten Widerstand zu leisten, entschuldigen. Allein, Stalin darf keinesfalls die Rolle des ‚Verteidigers der TSR’ zukommen. Auch er hat den Zerschlagungsprozess gefördert und das wohl in einem stärkeren Maße als die Westmächte, die 1939 immerhin ‚nur’ passiv blieben.
Bedenkt man aber, wie selten dies selbst in Fachliteratur zum tragen kommt, erscheint eine Neubewertung des sowjetischen Einflusses auf diesen Prozess also dringendst notwendig zu sein.

Ein Teilaspekt einer solchen Neubewertung ist hier versucht worden. Denn vor dem Hintergrund der militärischen Lage und der kommunistischen Umsturzgefahr, die bei einem Einmarsch von Bodentruppen der SU ausgeht, scheinen die sowjetischen Fliegerkräfte zunächst in der Tat ein Strategem im Kampf für die Erhaltung einer demokratischen TSR zu sein.
Nur gab es in Stalins Plänen keinen Platz für eine solche TSR und verteidigen wollte er sie schon gar nicht. Wenn überhaupt eine Intervention, dann zur Sowjetisierung.
Gleichzeitig ließ schon allein die Furcht vor ebendiesen Plänen die Westmächte Hitler in die Hände spielen und die TSR widerstandslos zerschlagen.
Und deswegen bot der TSR auch eine eventuelle Anfrage nach sowjetischen Fliegerkräften keinen Ausweg aus der Krise des Jahres 1938, so genial diese Idee auf den ersten Blick erscheinen mag. Vielmehr erwies sich jedweder Einfluss der SU letztlich als verderblich.


Anhang:

Gesamttruppenstärken 1938 im Vergleich (nach Zgorniak 2002):

Mobilisierte Großverbände der Landstreitkräfte:

Infanterie- bzw. (Gebirgs-/Ski-) Jäger- bzw. Schützen-divisionen
Deutschland (WH): 46 (a), 8 (R)
Tschechoslowakei: 13 (a), 34 (R)
Frankreich: 93 (D), 39 (B) (a+R) (Inf+KavDiv)
Sowjetunion: 96 (a); R unbekannt
Großbritannien -

Kavalleriedivisionen bzw. Brigaden bzw. Korps
Deutschland: (WH): 1 (B)
Tschechoslowakei: -
Frankreich: 93 (D), 39 (B) (a+R) (Inf+KavDiv)
Sowjetunion: 32 (D), 4 (K)
Großbritannien: 2 (B)

Motorisierte bzw. Schnelle Divisionen bzw. Brigaden
Deutschland (WH): 4 (D), 1 (B)
Tschechoslowakei: 6 (D)
Frankreich: 7 (D
Sowjetunion: 4 (B)
Großbritannien: 6 (D)

Panzerdivisionen bzw. Brigaden
Deutschland (WH): 3 (D), 2 (B)
Tschechoslowakei: -
Frankreich: -
Sowjetunion: 32 (B)
Großbritannien: 1 (D)

Legende: a – aktive; B – Brigade (<); D – Division (<); K – Korps; R – Reserve

Anmerkungen:

Allgemein:

Die Einstufung erfolgte nach realen Gesichtspunkten bezüglich der Ausrüstung und des Auftrags des jeweiligen Großverbandes. Zur Anwendung kam die deutsche Nomenklatur.
So wird z.B. die englische Mobile Division, nominell eine Schnelle Division, als Panzerdivision geführt, da sie mit über 400 Panzern die Sollstärke deutscher Panzerdivisionen deutlich übertraf.
Reine Reservistenverbände gab es nur bei der Infanterie.

Zu Deutschland:

Zudem hätten noch 21 Landwehrdivisionen mobilisiert werden können, deren Gefechtswert äußerst gering ist, da ihre Angehörigen entweder nie oder schon im 1.WK eine Waffe in der Hand hatten. Insgesamt lag auch die Kampfkraft der Reserveeinheiten unter denen der tschechoslowakischen, ebensolches trifft auch auf das Gros der aktiven Einheiten zu.
Diese waren in aller Eile aufgestellt, unvollständig und mit noch nicht ausgebildeten Soldaten gefüllt, somit kaum auf dem Niveau der tschechischen Reservedivisionen (weswegen Ahmann den gangbaren Weg geht, letztere als aktive zu betrachten, vgl. Ahmann, 42)
Die Zahlen an sich täuschen also, zumal die Landwehrformationen nicht einberufen wurden.
Die SS stellte zusätzlich zum Heer vier Motorisierte Regimenter (Verfügungstruppe, Vorläufer Waffen-SS) und vier Infanterieregimenter (Totenkopfverbände), jeweils insgesamt Brigadestärke.

Zu Frankreich:

Obwohl bis 1939 kein einziger selbstständiger Panzerverband gebildet wurde, übertraf die Panzerzahl die Deutschlands um Längen. Sie wurden in kleinen Verbänden als Infanterieunterstützung verwendet, demzufolge den Infanteriedivisionen zugeordnet.

Zur Sowjetunion:

Hundertprozentig zuverlässige Zahlen zur Infanterie existieren nicht. Die Kavallerieverbände sind im Gegensatz zu den anderen europäischen Reitereien teilmotorisiert und panzerverstärkt, könnten demnach durchaus als Schnelle Divisionen geführt werden. Zgorniak vermuted mindestens 30 Reserveschützendivisionen.


Zu Großbritannien:

Die aktiven Infanteriedivisionen sind allesamt motorisiert gewesen. Da man die Wehrpflicht angeschafft hatte, liegt die Zahl der Verbände unter denen der anderen Großmächte. Die elf verfügbaren Reservedivisionen waren 1938 nicht mobilisiert worden.

Luftstreitkräfte:

Vorbemerkung:

Ließen sich die Landstreitkräfte noch in ihrer Organisation vergleichen, trifft dies auf die Luftstreitkräfte in keinem Falle zu. Jedes Land hatte eine gänzlich verschiedene Organisation. Daher werden die blanken Zahlen verfügbarer militärischer Luftfahrzeuge abgeglichen:

Deutschland: 3324
Tschechoslowakei: 801
Frankreich:2962
Sowjetunion:7000
Großbritannien: 1102

Anmerkung zur Sowjetunion:

Die Zahlen stellen einen reinen Schätzwert allein für den europäischen Raum dar. Gröhler schätzt, dass 1941 etwa doppelt (!) so viele Flugzeuge der deutschen Invasion entgegengestellt wurden. Die Zahl ist also eher als unterster Richtwert zu sehen.

[/i]Personalstärke in Mio (Männer und Frauen im Wehrdienstverhältnis):[i]

Deutschland (Wehrmacht): 1,6 (a); 2,98 (r)
Tschechoslowakei: 1,25;
Frankreich: 0,5 (a); 5 (r)
Sowjetunion (Rote Armee): 1,1 (1937)-2+(1939) (a); 6-8 (r)
Großbritannien: 0,15 (a); 0,15 (r)

Anmerkungen:

Allgemein:

Theoretisch konnte jeder zu den Waffen gerufen werden, hier sind die in den Mobilisierungsplänen aufgeführten Reservisten gelistet.
Großbritanniens niedrige Truppenstärke liegt daran, dass es keine Wehrpflicht gab. Frankreich hatte diese noch, deswegen konnte man noch auf einen großen Pool ausgebildeter Reservisten zurückgreifen, auch wenn das Friedensheer nicht so groß war.
Gerade das fehlte in Deutschland, da die Wehrpflicht erst 1936 eingeführt worden war.
Die bevölkerungsschwache Land der Tschechoslowakei hatte zwar gut ausgebildete, aber eben nur wenige Soldaten.

Zur Tschechoslowakei:

Die Loyalität der ungarischen und deutschen Minderheiten, die im Falle der Mobilmachung immerhin über 154000 Soldaten stellen sollten, muss arg bezweifelt werden.

Zur Sowjetunion:

Zuverlässige Zahlen zur Personalstärke sind noch weniger zugänglich als zu den verfügbaren Großverbänden. Die genannten Zahlen stellen Schätzungen dar.


Abkürzungen:

AA – Außenministerium
IM – Innenministerium
KG – Kampfgeschwader (Bomber)
Komintern/Internationale – Kommunistische Internationale
KPdSU – Kommunistische Partei der SU
KPT – Kommunistische Partei der Tschechoslowakei
OKW – Oberkommando der Wehrmacht
TSR – Tschechoslowakische Republik
SU/UdSSR – Sowjetunion/Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
WH – Heer der deutschen Wehrmacht
ZK – Zentralkomitee.

Endnoten:

(1) Vgl. Ahmann, 34.
(2) Die TSR war aufgrund eines Beschlusses ihres obersten Verwaltungsgerichtes als Nationalstaat deklariert worden und damit de facto ein solcher, vgl. Kural, 64f.
(3) Vgl. Ahmann, 34.
(4) 14,7 Millionen nach Zgorniak 2002, 175.
(5) Vgl. Murray, 120.
(6) Vgl. Zgorniak 2002, 176.
(7) Vgl. Manstein, 101
(8) Vgl. Bosl, 9; Ahmann, 34; Bystricky, 136-9.
(9) Ahmann, 34.
(10) Dazu: Valenta, Jaroslav: Die Teschener Frage in der Zwischenkriegszeit, in: Heumos, Peter (Hg.): Polen und die böhmischen Länder im 19. und 20. Jahrhundert, München 1997, 129-150.
(11) Vgl. Ahmann, 40.
(12) Vgl. Dolezel, 73f.
(13) Ein Bündnis, das von Frankreich klar anti-deutsch gedacht war, für die TSR aber internationale Anerkennung, Einbindung und auch Schutz bedeuteten sollte, vgl. Bystricky, 135f; Zgorniak, 176
(14) Vgl. Bystricky, 136; auch wenn Lipscher zurecht darauf hinweist, dass Benes das nicht so beschränkt in der Zielsetzung ausgelegt haben wollte, sondern vielmehr als ostmitteleuropäische Friedens –und Beistandsgarantie, vgl. Lipscher, 27.
(15) Vgl. Kostrba-Skalicky, 176f.
(16) Vgl. Ahmann, 36.
(17) Kostrba-Skalicky, 179; für die dazu notwendige ausführliche Diskussion siehe 4.3.
(18) Vgl. Ahmann, 41.
(19) Vgl. Ahmann, 40.
(20) Wegen der folgenden geo-strategischen Umklammerung der TSR, siehe 3.1.
(21) Vgl. Ahmann, 40; Zgorniak 2002, 177f.
(22) Vgl. Ahmann, 40.
(23) Schließlich betrachtet man ihn als militärisches Genie, ein Ruf, den er nicht zu unrecht trägt, bedenkt man Sichelschnittplan oder die ‚Rochade’ 1943. Verbreitet wurde diese Ansicht durch Hart, L.: The Other Side of the Hill, 1948.
(24) Guderian 1951, 58.
(25) Vgl. Zgorniak 2002, 180; das darf aber nicht zu voreiligen Schlüssen bezüglich der Schlagkraft gegenüber den dt. Panzertruppen verleiten, siehe 3.2.
(26) Vgl. Murray, 121.
(27) Vgl. Ahmann, 42. „In der Literatur differieren z.T. die Angaben [bezüglich der Truppenstärken] [...], hinsichtlich der Relationen allerdings besteht weitgehend Einigkeit“ (Ahmann, FN 23). Dem ist nichts hinzuzufügen. Im Anhang findet sich eine Aufstellung nach Zgorniak.
(28) Vgl. Murray, 122.
(29) Vgl. Zgorniak 2002, 190.
(30) Vgl. Murray, 121.
(31) Vgl. Zgnoriak 2002, 191f.
(32) Vgl. Zgorniak 1981, 67; Zgnoriak 2002, 184-6.
(33) Vgl. Zgnoriak 2002, 183.
(34) Der Begriff Wehrmacht wurde schon früher für die Reichswehr verwendet, jedoch sollte der 16.03.1935 als Gründungsdatum gesehen werden. An diesem Datum nämlich wurde sowohl das ‚Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht’ bekannt gegeben als auch die ‚Proklamation der Reichsregierung an das deutsche Volk bezüglich der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht’
(35) Vgl. Denkschrift zum Vierjahresplan (26.08.1936), in: Eichholtz/Schumann, 144f.
(36) Dazu Guderian 1937, der in diesem Werk die Wichtigkeit der Panzerwaffe hervorhebt.
(37) Vgl. Guderian 1951, 25.
(38) Vgl. Zgorniak 2002, 54.
(39) Das ließe sich schon durch den Erfolg und die Übernahme der Blitzkriegstaktik durch alle Parteien während des gesamten Zweiten Weltkrieges belegen – ahistorisch zugegebenermaßen.
(40) Zur Legion Kondor, nicht zu verwechseln mit dem KG gleichen Traditionsnamens, siehe: Maier
(41) Rall, 23; der nicht nur Zeitgenosse war. Er war Jagdflieger mit 275 bestätigten Abschüssen im Krieg und später dann Verantwortlicher beim Aufbau der Luftwaffe der BRD, also Fachmann und Zeitzeuge.
(42) Eine Übersicht mit erschöpfendem Anspruch über die deutsche Luftrüstung mit besonderer Berücksichtigung taktisch-technischer Daten einzelner Flugzeugtypen bietet Nowarra. Für einen umfassenden Abgleich deutscher und tschechischer Typen ist an dieser Stelle jedoch kein Platz. Im Anhang findet sich eine Überblickstabelle zur Luftrüstung im Vergleich.
(43) Vgl. Zgorniak 2002, 144 FN 26.
(44) Vgl. Ahmann, 52.
(45) Vgl. Zgorniak 2002, 169.
(46) Ahmann, 43.
(47) Vgl. bspw. Bystricky, 145; Seine Darstellung der diplomatischen Sackgasse der TSR ist weitgehend korrekt. Dagegen beschränkt die Analyse der militärischen Voraussetzungen eines Krieges zwischen der TSR um dem Reich sich auf Zahlenabgleich der Truppenstärke (vgl. 144f). Folglich werden wichtige militärische Faktoren wie Terrain, Training, und Ausrüstungsqualität völlig ignoriert. Damit disqualifiziert sich diese Analyse selbst.
(48) Tatsächlich spielten Heinleins paramilitärische Verbände eine kleine Rolle in den Planungen der TSR, vgl. Zgorniak 1981, 70f.
(49) Die negative Konnotation dieses Begriffes infolge der NS-Propaganda ist dem Autor durchaus bewusst. Er wird dennoch verwendet, weil es sich um den fachwissenschaftlich korrektesten Ausdruck handelt.
(50) Vgl. Kordt, 166f.
(51) Vgl. Burian, 11.
(52) Vgl. Kordt, 166f.
(53) Vgl. Kostrba-Skalicky, 171.
(54) Vgl. Kordt, 167f.
(55) Pfaff 1990, 546.
(56) Vgl. Kordt, 170.
(57) Vgl. Pfaff 2002, 29.
(58) Vgl. Paff 2002, 33; von niederen Funktionsträgern kann hier wegen Platzmangels nicht berichtet werden, zumal die Quellenlage dazu weniger günstig ist.
(59) Vgl. Minajov: Deutsche Spionage in der Tschechoslowakei, in: Prawda 4.2. (1938), zitiert nach Amort, 1056f.
(60) Aus dem Protokoll der Sitzung des ZK der KPT, Prag 20.-21.08.1938, in: Archiv des Institutes der Geschichte der KPT, Prag F110/45, Bd.19, Az.317; zitiert nach Pfaff 1990, 564.
(61) Wenn er auch von Schwierigkeiten wie der Frage nach der Marschroute der RA geprägt worden wäre, siehe dazu: Hauner, M.: The Quest for the Romanian Corridor. The Soviet Union, Romania and Czechoslovakia during the Sudeten Crisis of 1938, 39-77.
(62) Vgl. Beistandsvertrag, vgl. dazu Zgorniak 2002, 257.
(63) Vgl. Amort, 1064.
(64) Aus einem Bericht der Gestapo ans AA vom 10.11.1937, zitiert nach Pfaff 2002, 28.
(65) Vgl. Kostrba-Skalicky, 177; ähnlich Amort, 1056.
(66) Vgl. Pfaff 2002, 30-32.
(67) zitiert nach Pfaff 1990, 563; Syrovy hegte sicherlich Antipathien gegen die Bolschewisten, denn er war (populärer) Veteran der tschechischen Legion, als solcher aber hatte er auch einige Erfahrung mit den Sowjets.
(68) zitiert nach Pfaff 2002, 35.
(69) Vgl. Pfaff 1990, 563.
(70) Vgl. Murray, 237.
(71) Vgl. Hart, 69.
(72) Vgl. Pfaff 1996, 290.
(73) Vgl. Zgorniak 2002, 257-283; zusammenfassend 280; die Leitungsfähigkeit der RA wird wegen der Misserfolge in Finnland und während ‚Barbarossa’ oft unterschätzt (vgl. Murray, 238 z.B.). Diese Misserfolge aber waren den Zeitgenossen 1938 nicht bekannt und wenn man schon ahistorisch argumentiert, muss man auch den mustergültigen ‚Blitzkrieg’ Shukows bei Nomohan 1939 erwähnen, ebenso wie die reibungslose Einnahme Polens und des Baltikums oder dass sich Finnland letztlich unterlag.
(74) Vgl. Kostrba-Skalicky, 178f.
(75) Vgl. Zgorniak 2002, 281; allein die erste Welle verfügte über 17 Schützen-, 10 Kavalleriedivisionen, 7 Panzerbrigaden, 1 Motorisierte Schützenbrigade. In der zweiten Welle standen weitere 30 Schützendivisionen, 19 Panzer- und 2 Motorisierte Schützenbrigaden. Das sind weit mehr Truppen als die TSR jener Zeit hatte und sie befanden sich z.T. in voller Kampfbereitschaft!
(76) Zitiert nach Pfaff 1990, 561.
(77) Vgl. Pfaff 1990, 561.
(78) Vgl. Murray, 238.
(79) Vgl. Kostrba-Skalicky, 180.
(80) zitiert nach Pfaff 2002, 38.
(81) Vgl. Biman/Clilek, 219f . Bei Pfaff 2002, 36 ohne propagandistische Verbrämung lesbar.
(82) Vgl. Pfaff 1996, 477.
(83) Vgl. Kostrba-Skalicky, 180.
(84) Vgl. Pfaff 1990, 358.

Literaturverzeichnis

Ahmann, Rolf: Militärische Schwäche oder Versagen der Sicherheitspolitik? Verteidigungsprobleme Polens, der baltischen Staaten und der Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit, in: Lemberg, Hans. (Hg.): Ostmitteleuropa zwischen den Weltkriegen, 31ff

Amort, Cestmir: Die Sowjetunion und die Verteidigung der Tschechoslowakei gegen die faschistische Aggression im Jahre 1938, in: ZfG 9 (1961), 1055ff

Bosl, Karl: Grundelemente und Grundfragen der Außenpolitik der Ersten Tschechoslowakischen Republik, in: Bosl, Karl (Hg.): Gleichgewicht-Revision-Restauration. Die Außenpolitik der Ersten Tschechoslowakischen Republik im Europasystem der Pariser Vororteverträge, Oldenbourg 1976, 7ff

Biman, Stanislav / Cilek, Roman: Der Fall Grün und das Müchener Abkommen. Dokumentarbericht, Berlin 1983

Bystricky, Valerian: Die diplomatischen und militärischen Voraussetzungen der Verteidigung der CSR gegen die nationalsozialistische Aggression, in: Hoensch, Jörg K./Kovac, D. (Hgg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik 1918-1938, Essen 1994, 135ff

Dolezel, Stephan: Grundzüge der reichsdeutschen Tschechoslowakei-Politik 1933-1939. Unter besonderer Berücksichtigung der Sudetendeutschen, in: Hoensch, Jörg K./Kovac, D. (Hgg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik 1918-1938, Essen 1994, 71ff

Eichholtz, Dietrich /Schumann, Wolfgang (Hgg.): Anatomie des Krieges, Berlin 1969

Hart, Liddell: The Red Army, New York 1956

Kordt, Erich: Die sowjetische Außenpolitik im Wandel der weltpolitische Konstellationen, in: VfZ 16 (1968), 165ff

Kostrba-Skalicky, Oswald: Pathologie einer Beziehung. Die Sowjetunion und die Tschechoslowakei 1918-1938, in: Bosl, Karl (Hg.): Gleichgewicht-Revision-Restauration. Die Außenpolitik der Ersten Tschechoslowakischen Republik im Europasystem der Pariser Vororteverträge , Oldenbourg 1976, 153ff

Kural, Vaclav: Die Tschechoslowakei als Nationalstaat? Das sudetendeutsche Problem, in: Hoensch, Jörg K./Kovac, D. (Hgg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik 1918-1938, Essen 1994, 63ff

Lipscher, Ladislav: Die Gestaltung der Außenpolitik und die innenpolitischen Realitäten, in: Bosl, Karl (Hg.): Gleichgewicht-Revision-Restauration. Die Außenpolitik der Ersten Tschechoslowakischen Republik im Europasystem der Pariser Vororteverträge , Oldenbourg 1976, 17ff

Maier, Klaus A.: Guernica 26.4.1937. Die deutsche Intervention in Spanien und der ‚Fall Guernica’, Freiburg 1977 (= Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges 17)

Murray, Williamson: The Change in the European Balance of Power 1938-1939. The Path to Ruin, Princeton 1984

Nowarra, Heinz J.: Die deutsche Luftrüstung 1933-1945, 4 Bände, Koblenz 1992

Pfaff, Ivan: Stalins Strategie der Sowjetisierung Mitteleuropas 1935-1938, in VfZ 38 (1990), 542ff

Ders.: Die Sowjetunion und die Verteidigung der Tschechoslowakei 1934 – 1938. Versuch der Revision einer Legende, Köln 1996

Ders.: Die Gefahr der Sowjetisierung der Tschechoslowakei im Falle der russischen Hilfeleistung, in: Taubert, Franz (Hg.): Mythos München, München 2002, 25ff

Valenta, Jaroslav: Die Teschener Frage in der Zwischenkriegszeit, in: Heumos, Peter (Hg.): Polen und die böhmischen Länder im 19. und 20. Jahrhundert, München 1997, 129ff

Zgorniak, Marian: Europa am Abgrund – 1938, Münster 2002

Ders.: forces armees allemandes et tschecoslovaques a 1938, in: Revue d’Histoire de la Deuxieme Guerre Mondiale 122 (1981), 61ff

Quellenverzeichnis:

Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht (16.03.1935), in: documentArchiv.de (Hg.), URL: http://www.documentArchiv.de/ns/1935/wehrmacht_ges.html, Letzter Zugriff am 27.08.2005

Guderian, Heinz: Achtung Panzer! Die Entwicklung der Panzerwaffe, Stuttgart 1937

Ders.: Erinnerungen eines Soldaten, Heidelberg 1951

Manstein, Erich v.: Verlorene Siege, Bonn 2000

Proklamation der Reichsregierung an das deutsche Volk bezüglich der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (16.03.1935), in: documentArchiv.de (Hg.), URL: http://www.documentArchiv.de/ns/1935/allgemein-wehrpflicht-einfuehrung_prokl.html, Letzter Zugriff am 27.08.2005

Rall, Günther: Mein Flugbuch. Erinnerungen 1938-2004, Moosburg 2004

Vertrag über gegenseitigen Beistand zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Tschechoslowakischen Republik (16.05.1935), in: Bayerische Staatsbibliothek. Digitale Bibliothek. Osteuropa-Abteilung (Hg.), URL: http://osteuropa.bsb-muenchen.de/dig/100 ... ew/1;cs=default;ts=default;pt=5;lang=de, Letzter Zugriff am 27.08.2005 [Beistandsvertrag]
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BeitragBeitrags-Nr.: 131629 | Verfasst am: 17.10.2007 - 11:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hier findet ihr Heft 3/1993 der Viertesjahreshefte für Zeitgeschichte zum Runterladen, auf den Seiten 325 bis 355 findet sich folgender Aufsatz zum Thema:

Zitat:
Benesch, Stalin und die Komintern. Vom Münchner Abkommen zum Molotow-Ribbentrop-Pakt, v. Igor Lukes


Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 131837 | Verfasst am: 21.10.2007 - 16:06    Titel: Antworten mit Zitat

Eine hervorragende Arbeit!
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BeitragBeitrags-Nr.: 166363 | Verfasst am: 18.01.2009 - 10:57    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Diese Minderheitenproblematik, ebenfalls Folge der Pariser Vorortverträge und auch derer Grenzziehung, äußerte sich in allein schon in der Tatsache, dass weit mehr als ein Viertel der Bevölkerung nicht nur nominell nicht staatstragend, d.h. Tschechen und Slowaken (2) waren, sondern auch noch potentiell illoyal im Kriegsfalle (3). Berücksichtigt man die relativ kleine Gesamtbevölkerung (4), erscheint dies besonders brisant.


Vielleicht noch als kleine Anmerkung; die Slowaken konnte man zu derzeit vielleicht "nominell" als "staatstragend" betrachten, real sah die Sache aber anders aus.
Denn die zugesicherte innere Autonomie, mit der man sie 1918 in den Verbund mit den Tschechen gelockt hat (Vertrag von Pittsburgh), wurde nie Realität. Nicht umsonst nutzten sie 1939 die Gelegenheit, sich aus dem tschechoslowakischen Staatsverband zu verabschieden und diesem damit den Todesstoß zu versetzen.

Horrido!

Nicole
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BeitragBeitrags-Nr.: 166551 | Verfasst am: 22.01.2009 - 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Wollte an dieser Stelle nachfragen, ob wir nicht einen eigenen Thread zur ČSR 1918 bis 1938 aufmachen wollen, wo wir genauer auf diesen Staat eingehen können...

Hätte da noch jemand Interesse dran?

Horrido!

Nicole
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Andreas1984
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BeitragBeitrags-Nr.: 166574 | Verfasst am: 22.01.2009 - 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich beschäftige mich sowieso derzeit näher mit dem Thema. -> Von mir aus gerne.

@ Nicole:
Ich hab Dich nicht vergessen. Am Montag halte ich mein Referat. Danach habe ich wieder mehr Zeit (Stichwort: E-Post).
Grüße,

Andreas
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BeitragBeitrags-Nr.: 166837 | Verfasst am: 29.01.2009 - 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich wäre auch dafür, das Thema bietet mehr als genug Diskussionsstoff Lachen

Winken

Jan-Hendrik
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Eierhals
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BeitragBeitrags-Nr.: 182456 | Verfasst am: 10.03.2010 - 04:10    Titel: Antworten mit Zitat

Jaja...die Tschechesslowakei ist schon ein großes Land...

Wie sagte einst ein mir gut bekannter tschechischer Zeitgenosse mit einem Augenzinkern?
Die ČSSR ist einfach nur ein Riesenreich....
Stell Dir vor, dem Hilfegesuch aus der ČSR von 1938 an die Russen gemäß kamen dann 30 Jahre später, 1968, endlich die ersten sowjetischen Truppen in Prag an...
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