1. WK / Die 7 Tage der SMS „ILTIS“ im Indischen Ozean
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 187011 | Verfasst am: 22.07.2010 - 16:59    Titel: 1. WK / Die 7 Tage der SMS „ILTIS“ im Indischen Ozean Antworten mit Zitat

Der Hilfskreuzer S.M. „ILTIS“ vom 27. Februar bis 5. März 1917 im Indischen Ozean vor Aden

(Dieses `Randgeschehen´ wollte ich eigentlich noch in den Thread 1.WK / Internierte deutsche Handelsschiffe / Eritrea
mit `einbauen´. Da es dann aber (wie immer) zu umfangreich wurde, hier mal als eigenständiger Vorgang.)



Hintergrund:

Der Hilfskreuzer S.M. „WOLF“ befindet sich seit dem 30.November 1916 auf seiner zweiten Feindfahrt. (Mit 451 Tagen der längsten
eines Kriegsschiffes bis dahin überhaupt) Am 27. Februar 1917 wird im Indischen Ozean, westlich von Bombay, der englische Frachter
TURRITELLA“ gesichtet und gestoppt. Beim Entern stellt man fest das die „TURRITELLA“ (ex. „GUTENFELS“) ein Schwesterschiff
der „WOLF“ (ex. „WACHTFELS“) ist und beide als Stückgutfrachter vor dem 1. WK für die Bremer Reederei DDG-"Hansa" fuhren.
Die „GUTENFELS“ ist am 5. August 1914 im Hafen von Alexandria im Mittelmeer durch die Royal Navy beschlagnahmt worden. Sie
wird 1914-1915 als „POLAVON“ in Dienst gestellt, anschließend weiterverkauft und fährt 1915-1917 unter dem Namen „TURRITELLA“.


SM „WOLF“: http://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Wolf_%281913%29 SM „ILTIS“: http://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Iltis_%28Hilfskreuzer%29


Die Prise wird nun von S.M. „WOLF“ als Hilfskreuzer S.M. „ILTIS“ am 27. März 1917 in Dienst gestellt. An Ausrüstung wird folgendes
übernommen: eine 5,2-cm-S.K. L/55 mit 200 Schuß, Signalausrüstung, Funkstation, sowie 25 Ankertauminen mit Zubehör, Gleisen
und Kippbühnen. Im Heck wird Raum für die Minen geschaffen und eine große Pforte für das Abwerfen der Minen ausgeschnitten. Die
Führung über diesen neuen Hilfskreuzer und die 27 köpfige Priesenbesatzung übernimmt nun Kapitänleutnant Brandes. Die Besatzung
ist zusätzlich mit Handfeuerwaffen ausgerüstet. Die S.M. „ILTIS“ wird mit dem folgenden Befehl entlassen: Den Durchgang zwischen
dem Golf von Aden und dem Roten Meer, südlich (große Straße) oder nördlich (kleine Straße) der Insel Perim mit Minen zu belegen.

Von Peter Kielmann gibt es ein Foto mit beiden Schiffen bei der Übernahme im Indischen Ozean. http://www.ddghansa-shipsphotos.de/
(Button auf linker Seite: Frachter 1881-1918; Vorletztes Foto auf der Seite: GUTENFELS (2) 1906) Da die „ILTIS“ nur 7 Tage im Einsatz
stand (damit wahrscheinlich der kürzeste Einsatz eines Kriegsschiffes), vermute ich, daß dies das einzig wirkliche Foto von dem Schiff ist.


Hier die „WACHTFELS“ (1913) als Handelsschiff . . . . .

http://i31.tinypic.com/2ymstgj.jpg


. . . . . und später als Hilfskreuzer S.M. „WOLF“, Schwesterschiff der S.M. „ILTIS“ (ex. „GUTENFELS“ (1906))
Beide Schiffe haben ähnliche Dimensionen mit: 5.528 BRT/5809 BRT; 135,00 m/135,20 m Länge; 17,12 m/16,67 m Breite.

http://i30.tinypic.com/1j11fr.jpg
Quellen: http://en.wikipedia.org/wiki/SMS_Wolf_%28auxiliary_cruiser%29
Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa“ 1881-1966, Leonard Gray, WSS, Kendal / England 1967.



Den Deutschen ist bekannt, daß feindliche Kriegsschiffe im Golf von Aden patrouillieren. Der, nur mit einer 5,2-cm-SK L/55 spärlich bewaffnet und
langsame Hilfskreuzer S.M. „ILTIS“ muß zu diesem Zeitpunkt, im Frühjahr 1917, mit folgenden Gegnern rechnen, bevor er die Meerenge von
Bab-el-Mandab (Das Tor der Tränen) durchfährt. Im Gegensatz zum schwerbewaffneten Hilfskreuzer S.M. „WOLF“ , mit u.a. sieben 15-cm-S.K L/40,
bei dem als Breitseitensalve immer noch vier der alten, von dem Linienschiff „ZÄHRINGEN“ stammenden 15-cm-Kanonen zum tragen kommen können,
ist „ILTIS“ selbst der Sekundärbewaffnung aller drei folgend, aufgeführten feindlichen Kriegsschiffe und möglichen Gegner hoffnungslos unterlegen.

Hier mal ein Größenvergleich der 15-cm-SK auf der „WOLF“ und der 5,2-cm-SK auf einem alten T-Boot.
http://i27.tinypic.com/2wezbbp.jpg http://i32.tinypic.com/30c2bn8.jpg



Der englische `Geschützte Kreuzer´ H.M.S. „FOX“ (1893) im Hafen von Aden
zwei 15,2-cm L/40 + acht 12-cm L/40 + acht 5,7-cm L/40
4.450 BRT; 19,5 kn; 97,50 m Länge; 15,10 m Breite.

http://i28.tinypic.com/2mmadl3.jpg
Quellen: http://en.wikipedia.org/wiki/HMS_Fox_%281893%29
http://www.ub.bildarchiv-dkg.uni-frankfurt.de/Bildprojekt/frames/hauptframe.html CD Code: 7222_2012_0991_0019
Taschenbuch der Kriegsflotten 1914; B.Weyer; J.F. Lehmann´s Verlag; München 1913



Der englische `Ungeschützte Kreuzer´ (Sloop) H.M.S. „ODIN“ (1895) im Hafen von Aden
sechs 10,2-cm L/40 + vier 4,7-cm L/40
1.070 BRT; 13,0 kn; 56,40 m Länge; 9,90 m Breite.

http://i32.tinypic.com/2qjare8.jpg
Quellen: http://www.pbenyon.plus.com/18-1900/N/03301.html http://adencollege.net/html/body_aden_history.html
Taschenbuch der Kriegsflotten 1914; B.Weyer; J.F. Lehmann´s Verlag; München 1913



Der italienische `Geschützte Kreuzer´ „CALABRIA“ (1894)
sechs 12-cm L/40 + sechs 5,7-cm L/40 + zwei 3,7-cm L/35
2.500 BRT; 17,0 kn; 76,00 m Länge; 12,80 m Breite.

http://i31.tinypic.com/24dkoxc.jpg
Quellen: http://www.gwpda.org/naval/fdin0001.htm
Taschenbuch der Kriegsflotten 1914; B.Weyer; J.F. Lehmann´s Verlag; München 1913
Les Flottes de Combat 1923, Géographiques Maritimes et Coloniales, Paris



Nachdem sich die „ILTIS“ von der „WOLF“ getrennt hat, steuert Kptlt. Ivan Brandes nun Nord-westlich, der arabischen Küste zu. Am nächsten
Tag wird allerdings festgestellt, daß sich entgegen der 800 Tonnen Kohle in den Ladepapieren, nur 450 Tonnen in den Schiffsbunkern befinden.
Darüber hinaus ist die Qualität und damit Ausbeute der indischen Bengalen-Kohle derart schlecht, daß der Tagesbedarf nicht bei 30, sondern bei
48 Tonnen liegt. Da hiermit die Meerenge von Perim zwar erreicht werden kann, aber keine notwendige Reserve bleibt, ändert der Kommandant
kurzfristig das Ziel für das Legen der Minen und steuert den Hafen von Aden an. Das birgt allerdings die Gefahr, Misstrauen beim Gegner zu
wecken, da der Weg durch das Rote Meer zum Endziel Port Said von der engl. Reederei vorgegeben wurde, nicht aber der Hafen von Aden.


Es wird also am 1. März 1917 direkter Kurs auf Aden genommen. Man bleibt auf der üblichen Dampferroute und geht entgegenkommenden anderen
Frachtschiffen vorsichtig aus dem Weg um keinen Verdacht aufkommen zu lassen und bleibt damit außerhalb der Rufreichweite. In der Nacht vom 2.
auf den 3. März 1917 werden feindliche, verschlüsselte Funksprüche aufgefangen, die auf die Nähe von Kriegsschiffen schließen lassen. Dieser Funk
verkehr wird gegen Abend immer stärker und die „ILTIS“ wird daraufhin komplett abgeblendet. Kurz nach 23:00 Uhr wird voraus ein schnell fahrendes
niedriges Fahrzeug gesichtet, welcher später als der Kreuzer „FOX“ identifiziert wird. Man bleibt unbehelligt und trifft letzte Vorbereitungen um am
nächsten Tag die Minen zu legen. Es werden Stromstärke und Richtung durch Reihenpeilungen im Bereich der 100 Meter Linie zur Küste kontrolliert.


Am Abend des 4. März 1917 wird gegen 20:30 Uhr begonnen die ersten 13 Minen auf der östlichen Sperre in einem Abstand von 700 Metern zu legen,
die die Route Aden - Bombay stören soll. Der nächste Sperrriegel Aden - Suez wird nach 15 Minuten Fahrt in westlicher Richtung erreicht. Vor dem
Werfen der letzten Mine meldet der Ausguck die Rauchwolke eines schnell näher kommenden Schiffes. Es setzt dann ein reger Morseverkehr mit dem
Schiff ein, welches sich als Sloop „ODIN“ herausstellt. Der Name „Turritella“ muß von der deutschen Besatzung etliche Male wiederholt werden, da der
Engländer mit diesen Namen wohl Schwierigkeiten hat. Weitere Fragen nach Nationalität, Signalbezeichnung usw. werden noch abgefragt und sofort
und richtig beantwortet. Trotzdem wird immer wieder nach dem Namen gefragt. Auf die Bemerkung der „ILTIS“ man sei mit einer Ladung wichtigem
Brennöls für die englische Marine in Port Said unterwegs und würde dringend erwartet, läßt der Engländer die Deutschen auf der „ILTIS“ weiterfahren.


Als der Engländer außer Sicht ist wird nochmals Position genommen und die letzte der 25 Minen geworfen. Im Funkraum der „ILTIS“ wird ständig der
feindliche Funkverkehr mitgehört. Kptlt. Ivan Brandes entnimmt daraus das der Kommandant der „ODIN“ Verstärkung heranholen und das Tageslicht
abwarten will. Der Kohlemangel der „ILTIS“ läßt allerdings keinen Kurswechsel mehr zu. Es dauert auch nicht lange als die „ODIN“ wieder auf den dt.
Hilfskreuzer zuläuft und die „ILTIS“ nun endgültig zum Stoppen auffordert. Da der Befehl für das Minenlegen ausgeführt wurde, bleibt der Mannschaft
eigentlich nur noch die Aufgabe, daß Schiff mit den 6400 Tonnen Brennöl nicht in Feindeshand fallen zu lassen. Zur Sprengung ist alles vorbereitet
worden und man gibt zu verstehen, daß man stoppen wird. Während nun der Engländer vorsichtig beginnt auf der Backbordseite mit schußbereiten
Geschützen längsseits zu gehen, werden auf der Steuerbordseite der „ILTIS“ die Davids ausgeschwenkt und die Rettungsboote zu Wasser gelassen.


Als auf dem feindlichen Schiff ein Scheinwerfer aufblitzt und das heimliche Vonbord gehen in letzter Sekunde gefährdet, ruft Kptlt. Ivan Brandes noch
selber in einwandfreiem Englisch herüber; „switch off that bloody searchlight“. Nachdem der Scheinwerfer erloschen ist und alle Besatzungsmitglieder
von Bord sind, erfolgt die Zündung der beiden vorbereiteten Sprengungen im Schiff. Den Engländern ist die Ursache hierfür unbekannt und nachdem
sie sich hastig sich von dem Schiff entfernt haben, eröffnen sie das Feuer, ohne allerdings das Ziel auf diese kurze Distanz zu treffen. Die Deutschen
beabsichtigt zuerst noch in der dunklen Neumondnacht zur 8 Seemeilen entfernten Küste Richtung Jemen zu rudern. Dies wird aber in Anbetracht
der völlig morschen und schnell Leck schlagenden Rettungsboote aufgegeben. Es bleibt also nichts anderes Übrig als sich von der „ODIN“ an Bord
nehmen zu lassen, da nun an ein Entkommen nicht mehr gedacht werden kann. Vorab werden jedoch Waffen und Geheimpapiere über Bord geworfen.


http://i28.tinypic.com/34pno11.jpg


`` Das englische Schiff war der ungeschützte Kreuzer „Odin“. Der Kommandant des „Odin“ fragte sofort, ob die deutsche Besatzung etwa von einem Unterseeboot sei. Die Behandlung an Bord des Engländers war gut, auch die Verpflegung der Leute gut und reichlich. Es wurde in Erfahrung gebracht, daß der Name „Turritella“ in dem alten Lloyds-Register, das „Odin“ an Bord hatte, n i c h t enthalten war. Dies erklärte das fortgesetzte Fragen nach dem Namen des Schiffes. Der erste Offizier des „Odin“ erwähnte, daß, wenn der Name im Lloyds-Register gefunden worden wäre, der Kommandant den „Iltis“ („Turritella“)wahrscheinlich hätte weiterfahrenlassen. Es konnte weiter festgestellt werden, das außer „Odin“ und „Fox“ noch das italienische Kriegsschiff „Calabria“ den Golf von Aden bewachten und, durch Funkspruch aufmerksam gemacht, die Jagd auf „Iltis“ aufgenommen hatten. Die Engländer hatten angenommen, daß nach dem Minenlegen an der indischen Küste sehr bald ein deutscher Hilfskreuzer im Golf von Aden erscheinen würde.´´


(Was wäre eigentlich passiert, wenn sich ein gültiges Lloyds-Register auf dem Schiff befunden hätte? Wäre die „ILTS“ dann nicht aller
Wahrscheinlichkeit entlassen worden und hätte die Mannschaft der „ILTS“ dann nicht aufgrund der geringen Kohlemenge das Schiff westlich
von Aden versenken und an Land gehen müssen? Und hätte die 28 köpfige Mannschaft dann nicht bis 1918 bei den türkischen Verbündeten
im Jemen bleiben müssen, weil der weitere Rückweg über See oder Land aufgrund des Aufstandes im Hejaz abgeschnitten war? Und hätten
wir dann nicht jetzt 28 Personen, die aufgrund der Besatzungsliste der „WOLF“ zu identifizieren gewesen wären? - Lachen - )

Auf die, von der „ILTIS“ ausgelegten Minen laufen noch zwei englische Dampfer auf. Am 20. März 1917 der 5.064 BRT große Dampfer „DANUBIAN
und im Januar 1918 die „HONG MOY“ mit 3.910 BRT. Beide können aber trotz der erlittenen Beschädigungen noch den Hafen von Aden erreichen.



Textquellen:

Der Krieg zur See 1914-1918, Band 3, Die deutschen Hilfskreuzer, Hilfskreuzer S.M. „Iltis“ , S. 315-324,Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1937.
`Piraten des Kaisers´, Deutsche Handelsstörer 1914-1918, S. 184, John Walter, Motor Buch Verlag, Stuttgart 1994.


Gruß Holger

Eigentlich achte ich darauf; - aber - “Sollten eingestellte Fotos jemandes Copyright- oder Nutzungsrecht verletzen, so bitte ich um Benachrichtigung.
Die entsprechenden Fotos werden dann sofort entfernt.“
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Holger Kotthaus
Erfahrenes Mitglied


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BeitragBeitrags-Nr.: 195126 | Verfasst am: 06.06.2011 - 13:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hier ein Artikel im: THE NAVY EVERYWHERE / THE ADEN PATROL / `` scotching the wolfs cub´´ , in dem die Ereignisse des Frühjahrs 1917 im
Indischen Ozean, auf der Suche nach dem deutschen Hilfskreuzer S.M. ILTIS (ex. TURRITELLA, ex. POLAVON, ex. GUTENFELS) sowie
dem Hilfskreuzer S.M. WOLF aus englischer Sicht beschrieben werden: http://www.naval-history.net/WW1Book-NavyEverywhere01.htm#XVIII

Wir werden aber noch sehen, dass die Geschichte um Kptlt. Ivan Brandes http://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Brandes und seine 26-köpfige Besatzung hier nicht endet.
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