Kosovo Konflikt - Wie Rudolf Scharping gelogen hat...
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Michael aus G
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BeitragBeitrags-Nr.: 198253 | Verfasst am: 24.01.2012 - 16:22    Titel: Kosovo Konflikt - Wie Rudolf Scharping gelogen hat... Antworten mit Zitat

Wir haben es ja schon immer gewusst, doch jetzt kann man es auch beweisen. Scharping hat die deutsche Öffentlichkeit nach Strich und Faden belogen, um am Kosovo Konflikt teilnehmen zu können.

Schleswig Holstein Magazin 16.01.2012 10-00 NDR
http://www.youtube.com/watch?v=Pp0lL5ravJ8
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BeitragBeitrags-Nr.: 198254 | Verfasst am: 24.01.2012 - 16:33    Titel: Antworten mit Zitat

Mal davon abgesehen, daß so etwas nicht verwundert und natürlich auch keine Konsequenzen haben wird, aber genauso schlimm ist, daß der gute Polizeibeamte nicht den Mut und die Zivilcourage hatte, den Skandal gleich aufzudecken, sondern wohl offensichtlich in Ruhe abgewartet hat, bis er seine Pension sicher hat.
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Michael aus G
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BeitragBeitrags-Nr.: 198260 | Verfasst am: 24.01.2012 - 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Der Zeuge ist ihr definitiv aber nicht der Böse, noch hat er seine Fotos dazu verwendet dies Lüge zu konstruieren. Davon mal abgesehen, woraus schließt du, das er darüber nicht doch Meldung erstattet hat? Selbst wenn nicht, lieber spät als nie...

Als Beamter kann er übrigens mit soetwas garnicht direkt an die Journallie gehen, weil es erstens seine Dienstpflicht zur Verschwiegenheit verletzen würde und
zweitens man niemanden in der sogenannten freie Presse eigentlich trauen kann, da sie mit der Politik zu verfilzt ist(Guttenberg & Wullf lassen grüßen).
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BeitragBeitrags-Nr.: 198262 | Verfasst am: 24.01.2012 - 21:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, jeder Beamte ist verpflichtet ggf. auch wider seines Diensteids zu handeln, wenn er Gefahren für Menschen, Hab und Gut oder gar gegen den Staat abwehren muß. Einen Kriegseintritt des eigenen Landes quasi mit gefälschten Fotos zu inszenieren bzw. diese ganz einfach zurechtzulügen und auch noch einer ganz anderen Person zuzudeuten hätte hier sicher ein an die Öffentlichkeitgehen nicht nur gerechtfertigt sondern geradezu verlangt, zumal der BMV ja auch gar nicht sein Dienstherr war, wenn er Polizist war.

Zumal hier ja auch weiterhin kaum eine Verschwiegenheitspflicht vorliegen kann, denn diese Fotos und Filmaufnahmen wurden ja seitens der Albaner gezielt in der gesamten Weltöffentlichkeit lanciert, nachdem man das ganze Prozedere inszeniert und gefälscht hatte.

Spätestens bei der Pressekonferenz Scharpings, die er ja mitgesehen hat, war ihm ja auch ganz klar, daß hier eine Irreführung der Öffentlichkeit und eine gezielte Kampagne zum Kriegseintritt und ein Belügen der Öffentlichkeit bzgl. der Fotographen abgeliefert wurde.

Ich finde es jedenfalls abartig hier 13 Jahre zu warten, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Tut mir leid, aber dafür habe ich kein Verständnis.
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Michael aus G
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BeitragBeitrags-Nr.: 198264 | Verfasst am: 24.01.2012 - 22:57    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mir deinen Beitrag nochmals zu Anlass genommen, genauer zu recherchieren, wie alt der Beitrag wirklich ist, er lief ja am 16:01. unter "Zeitreise".


Ergebnis:

Doku: Kriegslügen: Gestern Jugoslawien! Heute Libyen! Morgen die ganze Welt! WDR 2001
http://www.youtube.com/watch?v=ZCxZJquOOI0

Interessant wirds ab 12:00min, wo sich Herr Scharping geifernd fast überschlägt, als er von vermeintlichen KZ in Pristina spricht. Selbst der Auschwitzvergleich ist ihm nicht zu geschmacklos...

Ab 17:00min das oben beschrieben "Massaker von Rogovo". Da dreht sich einem der Magen um, wenn Herr Scharping als Quelle die OSZE Berichte angibt(21:25min), diese jedoch etwas ganz anderes sagen...

Ab 22:00min kommt dann auch Herr Henning zu Wort, der hier berichtet WANN er den Herrn Scharping über seinen, aus seiner Sicht, Irrtum informierte. Nämlich am nächten Tage nach der Veröffentlichung...

Und das alles taten Herr Rudolf Scharping als Verteidigungsminster und Herr Joschka Fischer als Außenminister, wider besseren Wissens, da sie die OSZE Berichte kannten...
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 198272 | Verfasst am: 25.01.2012 - 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Herr Josef Fischer, dem auch nichts zu dümmlich war, um diesen Krieg zu rechtfertigen....?

Deutschland denken heißt Auschwitz denken!


Wir werden echt nur noch von Kanaillen regiert....man gut dass der Alte Fritz nicht mehr mitbekommt, das ausgerechnet der Bundeswulff zu seinem 300. ne Rede hält
Verrückt

Winken

Jan-Hendrik
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Michael aus G
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BeitragBeitrags-Nr.: 198273 | Verfasst am: 25.01.2012 - 14:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hier sind die entsprechenden OSZE Reports:

Human Rights in Kosovo: As Seen, As Told. Volume I, October 1998 - June 1999
Human Rights in Kosovo: As Seen, As Told. Volume II, 14 June - 31 October 1999
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Michael aus G
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BeitragBeitrags-Nr.: 198275 | Verfasst am: 25.01.2012 - 14:34    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Ein Herr Josef Fischer, dem auch nichts zu dümmlich war, um diesen Krieg zu rechtfertigen....?

Deutschland denken heißt Auschwitz denken!


Das gipfelte ja dann im angeblich sogenannten Hufeisenplan der Serben, der ja als Legitimation für das fehlende UN-Mandat herhalten musste.
Ob dies eine Eigenkreation Scharpings & Fischers war, oder sie auf zugespielten Informationen eines Geheimdienstes hereingefallen sind(Bulgarien wird in dem Zusammenhang oft erwähnt), wird sich vielleicht nie klären lassen. Letzteres wäre ja nicht das erstemal... Grins

Interessant ist zumindest dieses Detail:

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Hans-Peter von Kirchbach, behauptete am 8. April 1999,also gerade mal 8!Tage im Amt, dass dieser Plan Potkova, serbisch für „Hufeisen“, heiße.
Am 10. Januar 2000 berichtete Der Spiegel, der Hufeisenplan sei dem BmVg vom bulgarischen Außenministerium zugespielt worden und stamme vom bulgarischen Geheimdienst.
Nach nur einem Jahr im Amt beantragte er bei Verteidigungsminister Rudolf Scharping seine Versetzung in den Ruhestand, und verließ zum 24. Mai 2000 das Amt.
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 198276 | Verfasst am: 25.01.2012 - 14:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, ich glaube kaum, das 'unsere' Kriegstroika da bloß als Marionette agierte...die waren ja gradezu 'geil' drauf da unten mitzumischen...

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 198277 | Verfasst am: 25.01.2012 - 14:46    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Schande das Ganze und was diese Leute jeden Tag aus der Demokratie machen! Aber es ist eben für den Staat nach wie vor ganz einfach Millionen der dummen Michel mit Sozialleistungen und HARTZIV zu korrumpieren und ruhigzustellen und mit DSDS, Dschungelcamp und The Voice & Co. von den wirklich wichtigen Sachen abzulenken.
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 198289 | Verfasst am: 26.01.2012 - 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

Normalerweise gehörten die Herren Schröder, Scharping und der Herr Fischer dafür vor Gericht...



Dafür

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 198298 | Verfasst am: 26.01.2012 - 13:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hufeisenplan - das Kriegsrätsel
(Hamburger Abendblatt, 21.3.00)

Kein Zweifel: Die Serben haben Gräueltaten im Kosovo begangen. Aber sehr zweifelhaft ist, dass sie dabei nach dem Hufeisenplan vorgegangen sind. Vieles spricht dafür, dass dieser Plan auf der Bonner Harthöhe manipuliert wurde. Um den Kriegseinsatz deutscher Soldaten zu legitimieren.

Von FRANZ-JOSEF HUTSCH

An diesem Tag schwelten im Süden des Kosovo in Velika Krusa noch immer die Dachstühle. Vier Tage vorher hatten serbische Paramilitärs im Morgengrauen dem weißen, steinernen Löwen vor der Bar an der Hauptstraße den Kopf abgeschlagen, hatten Schergen des Franko Simatovic hinter dem grünen Hoftor des Hauses 48 ein Schaf gegrillt und gegessen. An diesem 31. März 1999, so erinnert sich Rexhep (45), haben wilde Hunde an den Leichen erschlagener, erschossener und vergewaltigter Albaner genagt. Und vom nahen Berghang habe ein Vogel gezwitschert.1400 Kilometer nördlich von Velika Krusa in Bonn "elektrisiert" an diesem Mittwoch ein Hinweis den deutschen Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Offenbar liegen Beweise dafür vor, schreibt er in sein Tagebuch, "dass das jugoslawische Vorgehen im Kosovo einem seit langem feststehenden Operationsplan folgt". Fünf Tage später erhält Scharping von Joschka Fischer "ein Papier, das die Durchführung der +Operation Hufeisen` belegt".

Dieser so genannte Hufeisenplan wurde fortan in Bundestagsdebatten, Pressekonferenzen und Diskussionen zum Synomym für die unbestreitbaren Gräueltaten, die serbische Sicherheitskräfte im Kosovo verübten. Kriegsgegner wurden mundtot gemacht, die kritisierten, dass die Vertreibungen im Kosovo in großem Umfang erst nach dem Abzug der OSZE-Beobachter und mit Beginn der NATO-Luftangriffe begonnen hätten. Ein lang vorbereiteter Plan Milosevics zur ethnischen Säuberung des Kosovo erstickte solche Argumente im Keim. Aber gab es den "Operationsplan" namens Hufeisen überhaupt? "Die Widersprüche in der Beweisführung des Verteidigungsministers sind so groß, dass man begründete Zweifel an der Existenz eines solchen Dokuments haben muss", schreibt Heinz Loquai in seinem Buch: "Der Kosovo-Konflikt - Wege in einen vermeidbaren Krieg". Der frühere General beschäftigt sich seit vier Jahren bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in Wien mit Fragen der Rüstungskontrolle in Bosnien-Herzegowina. Er war deutscher militärischer Berater der OSZE im Stab für vertrauensbildende Maßnahmen und damit auch zuständig für die unbewaffneten Beobachter, die den Waffenstillstand zwischen der albanischen Kosovo-Befreiungsarmee UCK und den serbischen Sicherheitskräften aus dem Oktober 1998 überwachen sollten.

Den ersten Patzer leistete sich der Generalinspekteur der Bundeswehr, Hans Peter von Kirchbach, als er am 8. April die "wesentlichen Ergebnisse der Auswertung des +Hufeisen`-Planes" vorstellte. Der Plan, so las er vor, heiße "Potkova". Das ist das kroatische Wort für Hufeisen, das serbische Wort heißt "Potkovica". "Kann man sich ernsthaft vorstellen, dass das serbische Militär in kroatischer Sprache einen solchen Plan verfasst?", fragte Gregor Gysi (PDS) im Bundestag.

Loquai stellte weitere Widersprüche fest. Am 19. April sagte Scharping in einer Sondersendung der britischen BBC: "Das klare Ziel (des Hufeisenplans) ist die ethnische Säuberung des Kosovo und die Vertreibung der Zivilbevölkerung." In der gleichen Sendung erklärte der NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark, von einem solchen Plan nichts zu wissen. Loquai fragt: "Warum hat der deutsche Verteidigungsminister sein Wissen nicht an die Bündnispartner und die NATO weitergegeben?" Der frühere Brigadegeneral stellt zudem fest: "Nach Scharping enthält der Plan alle Einzelheiten bis +zur Nennung aller dafür einzusetzenden jugoslawischen Einheiten`". Auf der vom Führungsstab der Streitkräfte (FüS) erstellten Dokumentation im Internet (www.bundeswehr.de/kosovo/hufeisen.html) heißt es, der Plan ist "in seinen Details allerdings nicht bekannt". Hauptziel der Operation Hufeisen ist aus Sicht der Geheimdienstexperten "die Zerschlagung bzw. Neutralisierung der UCK im Kosovo".

Erstaunlich ist auch die Rede von Außenminister Joschka Fischer vor dem Bundestag am 15. April - zehn Tage zuvor hatte er die Unterlagen, die die so genannte Operation Hufeisen belegen sollen, an Scharping übergeben. Fischer: "Sie mögen den Plan nennen, wie Sie wollen. Entscheidend ist doch die Frage, dass es bereits im letzten Jahr angefangen hat."

Recherchen des Abendblatts erhärten Loquais These, dass der Hufeisenplan dem Verteidigungsminister gar nicht vorgelegen hat. "Wir haben nie behauptet, dass es einen fertigen Plan gibt", sagt ein hoher Offizier des Verteidungsministeriums süffisant lächelnd. Letztendlich habe eine "Analyse gewisser Nachrichtendienste" vorgelegen, nie etwas "aus erster Hand". Österreichs Ex-Außenminister und heutiger Bundeskanzler Wolfgang Schüssel räumte im April 99 ein, er habe Informationen des österreichischen Heeresnachrichtenamtes (HNA) "an die Außenminister der EU-Staaten" weitergegeben. Österreichs früherer Verteidigungsminister Werner Fasslabend antwortet auf eine Anfrage der Grünen, die Skizzen der Bundeswehr im Internet "stellen nicht Planungen der Operation +Potkova` dar, sondern eine grafische Aufarbeitung der von Januar bis April 1999 aus offenen Quellen erkennbaren Ereignisse".

Ein österreichischer Geheimdienstmitarbeiter sagt, bei den Joschka Fischer überlassenen Papieren habe es sich um "unstrukturiertes, analytisches Material eines Wissenschaftlers des bulgarischen Geheimdienstes" gehandelt, das die Ereignisse im Januar und Februar 1999 wiedergebe. Zudem habe das HNA in seiner Abhörstation Königswarte bei Hainburg den militärischen Funkverkehr in Jugoslawien abgehört. "Auch diese Erkenntnisse sind nach Bonn gegangen."

Dort waren die Nachrichtenexperten des Referates FüS II 3 noch kurz vor dem Krieg zu ganz anderen Ergebnissen gekommen, als sie Scharping dem Bundestag und der Öffentlichkeit im April präsentierte. Nach Darstellung Scharpings ist der angebliche Hufeisenplan "von Milosevic und seinem Regime vorbereitet, seit November 1998 organisiert und während der Verhandlungen von Rambouillet begonnen" worden. Dazu seien die "jugoslawischen Kräfte erheblich verstärkt" worden. Unmittelbar vor Beginn der Luftangriffe heißt es in einem Lagebericht des FüS II 3: Es "gibt keine Anzeichen für den Beginn einer Großoffensive gegen die UCK". Es gebe örtlich und zeitlich begrenzte Operationen, die auch in den nächsten Tagen anhalten würden. "Zu einer groß angelegten Offensive gegen die UCK im gesamten Kosovo sind Armee und Polizei auch noch nicht fähig", heißt es weiter in dem Papier. Um die Offensive Kosovo-weit zu führen, bedürfe es einer umfangreichen Verstärkung durch Infanteriekräfte.

Scharpings Fachleute sagten voraus, die UCK werde versuchen, durch ihre bisher "angewandte Hit-and-Run-Taktik (serbische) Polizei und Militär zu massiven Reaktionen zu provozieren", um durch das Ausmaß an Zerstörungen und Flüchtlingen Luftangriffe der NATO auszulösen. Ähnlich folgert das deutsche Außenministerium in seinem Lagebericht vom 19. März. "Die Politiker haben die ihnen vorliegenden geheimdienstlichen Analysen wohl ein wenig überzeichnet", bewertet ein deutscher Nachrichtenoffizier die bevorzugte Behandlung der angeblichen +Potkova`-Unterlagen. Fortan wedelte Scharping bei Diskussionen mit Kriegsgegnern mit dem imaginären Plan und fragte rhetorisch: "Soll ich Ihnen den Hufeisenplan zeigen?"

Die deutsche Öffentlichkeit würde ihn gerne sehen. Dieser Hufeisenplan war schließlich auch das Instrument, mit dem der Verteidigungsminister den ersten Kriegseinsatz deutscher Soldaten nach 1945 vor dem Parlament und der Öffentlichkeit rechtfertigte. Nicht auszudenken, wenn er sie getäuscht hätte.


Zitat:
"Hufeisen-Plan gab es nicht". General bezweifelt Existenz des serbischen Kriegskonzepts
(Frankfurter Rundschau, 22.03.2000)
Von Karl Grobe


Schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg erhebt der ehemalige Brigadegeneral Heinz Loquai gegen die Bundesregierung. Der Bundestag sei "im Verlaufe seiner Befassung mit dem Kosovo-Krieg von den jeweiligen Regierungen lückenhaft, einseitig und falsch unterrichtet" worden. Der angebliche "Hufeisen-Plan" der jugoslawischen Regierung habe wahrscheinlich nie existiert.

FRANKFURT A. M., 21. März. Brigadegeneral a.D. Loquai stellt in seinem soeben erschienenen Buch "Der Kosovo-Konflikt - Wege in einen vermeidbaren Krieg" (Nomos-Verlag Baden-Baden) die Frage, ob deutsche Soldaten unter Bezug auf Halbwahrheiten und tendenziöse Darstellungen in den Kosovo-Krieg geschickt worden sind. Der Kriegseinsatz war unter anderem mit einem serbisch-jugoslawischen Plan begründet worden, die albanische Bevölkerung systematisch und nach einem lange festgelegten Plan namens "Potkova" - als "Hufeisen" übersetzt - aus der Region Kosovo zu vertreiben.

Das serbische Wort für Hufeisen laute jedoch "potkovica". "Die offensichtlichen Widersprüche und Ungereimtheiten in den zu diesem ,Plan' verfügbaren Quellen . . . lassen erhebliche Zweifel aufkommen, ob ein solcher Plan tatsächlich existierte und dem Verteidigungsministerium vorlag", teilt Loquai mit. Über den angeblichen Plan hatte das Bundesverteidigungsministerium Ende April 1999 mitgeteilt, er sei "offenbar bereits Ende letzten Jahres in Milosevics Umfeld erarbeitet" worden. Das Hamburger Abendblatt meldete am Dienstag, die "Joschka Fischer überlassenen Papiere" stammten jedoch aus "unstrukturiertem analytischem Material eines Wissenschaftlers des bulgarischen Geheimdienstes", das über Österreichs Heeresnachrichtenamt an die Nato-Außenminister gelangt sei. Auch FR-Recherchen hatten zu Hinweisen auf geheimdienstliche Hintergründe geführt, nachdem das Verteidigungsministerium den angeblichen Plan zur Begründung der Einsätze öffentlich bekannt gegeben hatte. Diese vermeintlichen Dokumente waren zum Teil in kroatischer statt serbischer Sprache verfasst. Mit dem "Hufeisen-Plan" begründete Verteidigungsminister Rudolf Scharping die Kriegseinsätze auch dann noch, als mehrere Zeitungen, darunter die FR, auf Unklarheiten hingewiesen und Zweifel an der Echtheit geäußert hatten. Auf der Internet-Seite der Bundeswehr war der angebliche "Hufeisen-Plan" noch am Dienstag mit begleitenden Grafiken abzurufen.

Brigadegeneral a. D. Loquai kommentiert, die Abgeordneten des Bundestags seien "nach objektiven Maßstäben völlig unzureichend" informiert gewesen, als sie seinerzeit "schwerwiegende Fragen wie die über Krieg und Frieden" zu entscheiden hatten.
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