Ostpreussen 1914
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 43796 | Verfasst am: 26.12.2004 - 19:35    Titel: Ostpreussen 1914 Antworten mit Zitat

Hier ein Artikel von Manfred Raether :

VOR 90 JAHREN

August 1914 in Ostpreußen

Während des Ersten Weltkrieges war Ostpreußen die einzige deutsche Provinz mit direkten feindlichen Einwirkungen

Autor: © Manfred Raether





Die deutschen Planungen für den Fall eines Zwei-Fronten-Krieges basierten auf der Annahme, dass genügend Zeit für eine schnelle Entscheidung im Westen verbleibt, ehe sich russische Truppen gegen Deutschland bzw. Österreich sammeln können. Für die rund 900 km lange deutsch-russische Grenze waren deshalb auch nur Truppen in Verteidigungsstärke vorgesehen, um alle Kräfte für einen schnellen Sieg im Westen einsetzen zu können.

Wider Erwarten marschieren die ersten russischen Verbände jedoch bereits am 12. August in Ostpreußen ein. Und nur fünf Tage später überschreitet die 1. russische Armee (Njemen-Armee) mit etwa 200.000 Soldaten die Grenze bei Gumbinnen und beginnt mit ihrer Offensive in Richtung nordwestliches Ostpreußen. Im Süden überquert gleichzeitig die 2. russische Armee (Narew-Armee) die Grenze, um mit der ab Gumbinnen vordringenden 1. Armee eine Umzingelung der ostpreußischen Truppen zu versuchen. Am 25. August trennt Königsberg nur noch ein 40 Kilometer tiefes Gebiet von dem Feind; für die Verteidigung der befestigten Stadt stehen lediglich Reserveeinheiten zur Verfügung.

Die ersten Aktionen der deutschen Truppen in Ostpreußen beginnen unter dem Kommando eines zweifelnden Armeeführers, der bereits nach den ersten schweren Kämpfen bei Gumbinnen einen Rückzug bis hinter die Weichsel in Betracht zieht. Die sich anbahnende unmittelbare Gefahr eines Kollapses der deutschen Ostfront führt deshalb zur Übergabe des Oberbefehls an Ludendorff und Hindenburg, die beide in einer Eilaktion nach Ostpreußen gelangen.

Nach Umgruppierung und Verstärkung der zurückgewichenen deutschen 8. Armee entwickelt sich dann vom 26. bis 30. August die für die russischen Truppen folgenschwere Schlacht im Gebiet südwestlich von Allenstein, wo 150.000 deutsche Soldaten auf eine überlegene Streit-macht von 190.000 Russen der Narew-Armee treffen. Unter hohen Verlusten auf beiden Seiten fällt die Entscheidung zugunsten Deutschlands; Russlands Armee verliert etwa 30.000 Tote und 90.000 Gefangene.

Die über Gumbinnen nach Ostpreußen eingedrungene 1. russische Armee hat zum Zeitpunkt der deutschen Aktionen gegen die Narew-Armee überraschend ihren Vormarsch nicht fortsetzen können. Während der entscheidenden Kampfphase befindet sich diese zweite russische Hauptmacht jedoch drohend im Rücken der durch die Kämpfe geschwächten deutschen 8. Armee und ist auf deutscher Seite Auslöser für böse Befürch­tungen.




Ab dem 8. September entwickelt sich über die Dauer von drei Tagen die zweite große Schlacht in Ostpreußen. An den Masurischen Seen geraten dieses Mal etwa 45.000 russische Soldaten der Njemen-Armee in Gefangenschaft; der Großteil der feindlichen Armee kann sich jedoch durch Rückzug auf russisches Gebiet weiteren Kämpfen entziehen.

Der unerwartete Einmarsch russischer Truppen löste in den betroffenen Gebieten die Flucht eines Großteils der Zivilbevölkerung aus. Die Flüchtenden finden vor allem im Westteil der Provinz und in Westpreußen eine vorläufige Aufnahme. Eine behördlich gesteuerte Evakuierung kommt praktisch nicht zustande, da man eine solche Entwicklung überhaupt nicht in Erwägung gezogen hatte. ? Die nicht geflohenen Bewohner bleiben weitgehend von systematischen Verfolgungen und Zerstörungen durch russische Soldaten verschont. Erst bei den nachfolgenden Kämpfen in Ostpreußen häufen sich die Verluste unter der Zivilbevölkerung.

Die Zerstörungen nehmen schlimme Ausmaße an, als im Oktober 1914 erneut russische Verbände weit in die Provinz eindringen, während die zuvor in Ostpreußen siegreichen deutschen Armeen im polnischen Gebiet um Lodz operieren. Erst wieder an den Masurischen Seen gelingt es einer zahlenmäßig unterlegenen deutschen Verteidigung, den Vormarsch stoppen. ? Der erneute russische Einfall und die folgende mehrmonatige Besetzung eines Großteils der Provinz löst abermals die Flucht von etwa 350.000 Bewohnern aus, zumal der russische Vormarsch dieses Mal von willkürlichen Zerstörungen begleitet wird.

Zum Jahresende 1914 bleibt der größte Teil Ostpreußens vom Feind besetzt; die jetzt erstarrte deutsch-russische Nordfront zieht sich ab Memel quer durch die Provinz in Richtung Weichsel südlich von Thorn. In den vom Feind besetzten Städten Tilsit, Gumbinnen und Insterburg mit einer intakt gebliebenen deutschen Verwaltung kann trotz der Anwesenheit russischer Truppen von vergleichsweise geordneten Verhältnissen gesprochen werden.

Im Februar 1915 folgt die zweite große Schlacht zwischen den Masurischen Seen. Dieses Mal ziehen sich die Kämpfe bis auf russisches Gebiet hin. Mit etwa 110.000 Gefangenen erfährt das russische Heer eine weitere schwere Niederlage.

39 Städte und 1.900 ländliche Ortschaften sind von Kriegszerstörungen betroffen. Dennoch beginnt mitten im Krieg ein staatlich geförderter Wiederaufbau mit reger Unterstützung aus der gesamten deutschen Bevölkerung. Die ferne Provinz Ostpreußen mit ihren Opfern, Zerstörungen und Siegen tritt in das nationale Bewusstsein des ganzen Reiches.


Auszüge aus dem Buch ?Polens deutsche Vergangenheit?

Kennt jemand dieses Buch von Manfred Raether ?

Bei uns in Celle landeten nämlich Flüchtlinge aus Ostpreussen in dieser Zeit .

Jan-Hendrik
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Lisa.Phillips
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BeitragBeitrags-Nr.: 43802 | Verfasst am: 26.12.2004 - 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

" ... Während des Ersten Weltkrieges war Ostpreußen die einzige deutsche Provinz mit direkten feindlichen Einwirkungen ... "

Mit Verlaub aber das stimmt nicht.

Im August rückten französische Verbände in das deutsche Oberelsaß ein und es kam zu den zwei Schlachten um Mülhausen.

In Belfort wartete schon der Belagerungpark für die Festung Straßburg.

Während des gesamten Kriegsverlaufes war ein Teil des Oberelsaß französisch besetzt (oder befreit - je nach Sichtweise) und um die zum Reich gehörenden Vogesenkämme tobten heiße Schlachten (am bekanntesten ist wohl der Hartmannsweilerkopf).

Als Anekdote:
Die Festen Istein und KW II waren die einzigen deutschen Festungswerke, die - wenn auch mit Sicherheitsabstand - in Kämpfe involviert waren.

Istein beschoß am Rhein vorgehende Franzosen, KW II griff mit seiner Artillerie in die Kämpfe um den Donon ein ...
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Rainer
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BeitragBeitrags-Nr.: 45037 | Verfasst am: 06.01.2005 - 18:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
Nach Dr O. Brandstaedter: Der Weltkrieg 1914/15, Stuttgart, 1915, Seite 48 besetzten französische Truppen bereits am 02.08.1914 die Vogesenorte Gottestal, Metzeral und Markirch und den Schluchtpass, auf Seite 49 wird von der Zerstörung von Beamtenwohnungen und der Schulmöbel berichtet.. Ab Seite 209 wird von dem "Hausen" der Franzosen in Saarburg berichtet.
Gruss
Rainer
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