16. Inf.Div. (mot) - 16. Pz.Gren.Div. - 116. Pz.Div.
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BeitragBeitrags-Nr.: 199198 | Verfasst am: 03.05.2012 - 20:54    Titel: Heinz Günther Guderian Antworten mit Zitat

Heinz Günther Guderian
*23.08.1914 Goslar • †25.09.2004 Bonn-Bad Godesberg

00.03.1933: Reifeprüfung Gymnasium Berlin-Zehlendorf
01.04.1933: Offiziersanwärter bei der Kraftfahr-Abteilung 3 in Wünsdorf (bis 31.03.1933)
01.10.1933: Gefreiter
16.12.1933: Ernennung zum Unteroffizier
01.05.1934: Ernennung zum Fahnenjunker und Beförderung zum Unteroffizier
04.05.1934: Kommandierung zur Infanterie-Schule Dresden (bis 17.12.1934)
22.09.1934: Fähnrich (mit Wirkung vom 01.09.1934)
17.12.1934: Oberfähnrich (mit Wirkung vom 01.12.1934)
04.01.1935: Kommandierung zur Heeres-Kraftfahrschule Zossen (bis 31.03.1935)
01.04.1935: Leutnant, RDA: 1. 4. 1935 (3)
01.04.1935: Zugführer im Kraftfahr-Lehrkommando Ohrdruf (bis 14.10.1935)
15.10.1935: Zugführer im Panzer-Regiment 1, Erfurt; Okt. – Dez. 1935 als Lehrer für Fhj. der 1. Panzer-Division zum Kradschützen-Bataillon 1 in Langensalza kommandiert.
01.04.1937: Abteilungsadjutant im Panzer-Regiment 1
01.06.1938: Oberleutnant, RDA: 1. 6. 1938 (3)
00.10.1938: Einsatz Sudetenland, Karlsbad und Komotau
03.11.1938: Adjutant Panzer-Regiment 35 (bis 09.09.1940) in Bamberg bzw. im Feld, Polen und im Westen.
15.09.1939: EK II. Klasse
05.10.1939: EK I. Klasse
10.06.1940: Verwundetenabzeichen in Schwarz (2 leichte Verwundungen)
20.06.1940: Panzerkampfabzeichen in Silber
01.08.1940: Hauptmann, RDA: 1. 4. 1940 (84a)
10.09.1940: Chef 2./ Pz.Rgt. 35 (bis 15.05.1941)
15.05.1941: O1 im Stab des III. AK (mot) – bis 20.12.1941, Russlandfeldzug Lublin – Roite
04.01.1942: Führerreserve OKH (mit Wirkung vom 21.12.1941 bis 28.02.1942); Dienst regelt Pz.Tr.Schule Wünsdorf (Ende Dez. 1941 in Berlin).
01.03.1942: Generalstabslehrgänge Berlin (bis 21.05.1942)
22.05.1942: Ib im Gen.Stab der 11. Pz.Div. (bis 14.11.1942) Russland
15.11.1942: Id im Gen.Stab der 3.(?) Pz.Armee (bis 31.07.1943) Russland
24.12.1942: zum Gen.Stab kommandiert
01.01.1943: Major, RDA: 1. 1. 1943 (48 1)
20.04.1943: in den Gen.Stab versetzt
00.06.1943: Ic der 3. Pz.Armee vertreten (bis Juli 1943) Russland
01.09.1943: Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern
02.08.1943: Ia im Gen.Stab des III. Pz.Korps
20.11.1943: zum Gen.Stab der 16. Pz.Gren.Div. kommandiert (mit der Vertretung des Ia bis zum 09.01.1944 beauftragt).
10.01.1944: Ia im Gen.Stab der 16. Pz.Gren.Div. (bis 14.02.1944) Russland
15.02.1944: Kommandierung als Ia in den Gen.Stab des XXXX Pz.Korps (bis 06.05.1944) Russland – Bessarabien
07.05.1944: Führerreserve OKH (bis 24.05.1944)
25.05.1944: Ia im Gen.Stab der 116. Pz.Div. (bis 22.08.1944) Frankreich
22.08.1944: verwundet; zur Truppe zurück am 11.11.1944 (5 Tage Genesenden-Lazarett der 116. Pz.Div., dann ambulant Lazarett Hohensalza für ca. 2 Monate (wohnte Deipenhof). Als Ia der 116. Pz.Div. vertreten durch den Ib, Wolff, und dann durch Prinz Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein (*1914 • †1989).
05.10.1944: Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (überreicht und umgehängt durch seinen Vater, Generaloberst Heinz Guderian, am 05.10.1944 auf dem Flugplatz Hohensalza).
01.11.1944: Oberstleutnant i.G., RDA: 9 11. 1944 (90)
11.11.1944: wieder Ia im Gen.Stab der 116. Pz.Div. Rheinland
16.04.1945: im Ruhrkessel in Kriegsgefangenschaftgeraten (bis 17.10.1947); »automatic arrest« – Ende März - Mai 1946 im Internierungslager Darmstadt.
00.00.1946: Angebot, Kriegsgeschichte zu schreiben, abgelehnt; Pfingstsamstag im Jeep nach Altendorf. Ab 18.07.1946 Gen.Oberst Guderian auch in Altendorf, er wird ab dem 30.08. bis 06.11.1946 als Zeuge in Nürnberg gehört. Außerdem schwebte über dem Gen.Oberst Guderian, Gen.Oberst Reinhardt, Gen.d.Pz.Tr. von Vormann sowie über Gen.d.Pz.Tr. Smilo Frhr. von Lüttwitz ein Auslieferungsverfahren an Polen.
01.07.1947: Verlegung nach Neustadt; Gen.Oberst Guderian, Oberstlt. Guderian und Oberst von Kahlden in einem Haus.
17.10.1947: Verlegung nach Dietramzell.
00.00.1948: Oberst von Kahlden fragt wegen einer Tätigkeit in der Organisation Gehlen an.
01.03.1948: Angestellter im öffentlichen Dienst (Org. Gehlen) Spessart, Aschaffenburg, Wetzlar und Gießen, dann Aussenstelle Bremen (bis 1953). Anstellung bei einem Verlag in Hameln.
01.01.1953: Organisation Gehlen in Pullach.
01.04.1956: Org. Gehlen wird in Bundesnachrichtendienst (BND) umbenannt.
01.12.1956: Übertritt in die Bundeswehr als Oberstleutnant und weiterhin in Pullach.
11.04.1957: Berufssoldat [Beamtenstatus!]

Quelle: "Der Windhund", 4/2004, S. 34f


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BeitragBeitrags-Nr.: 199199 | Verfasst am: 03.05.2012 - 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Die Sturmgeschütz-Abteilung 236

Quelle: Kurt Sarrazin in »Der Windhund« 1988 – 1991

Aufstellung: 01.05.1943 in Jüterbog zu drei Batterien, 14.02.1944 StuG.-Brigade mit vier Batterien, 10.06.1944 Umbenennung in Heeres-Sturmartillerie-Brigade 236 und kurze Zeit mit fünfter Batterien.
Feldpostnummer: 56 030 (Unterscheidungsbuchstaben A – F)
Kommandeure: Major Rolf Brede (Mai 1943 bis August 1944); in Vertretung Major Fritz Scherer (Februar 1944); Major Rudolf Kranz (November 1944); Hauptmann Georg Seibick (März 1945).

Vorbemerkung
Mit neuen Geschützen ausgerüstet, wurde die »Sturmgeschütz-Abteilung 236« Mitte Juli 1943 aus dem Raum Döberitz direkt in den russischen Einbruchsraum am Mius geworfen. Der 16. Pz.Gren.Div. unterstellt, war sie von da an bis zum Herauslösen der Division im Frühjahr 1944 aus der Ostfront ein treuer und verlässlicher Kampfverband.
[Die StuG.-Abt. 236 war Juli 1943 bis Februar 1944 der 16. Pz.Gren.Div. unterstellt.]

Am Mittag des 13.07.1943 konnte die Abteilung die Verladebereitschaft melden, und tags darauf schon kam der Verladebefehl für den 15.07.1943, 12.00 Uhr.
Schmerzlich, dass die Sturmhaubitzen immer noch nicht eingetroffen waren (Fertigungsengpässe in der Rüstungsindustrie?). So mussten die Batterien statt mit zehn mit zunächst nur sieben Geschütze in den Einsatz. Unter der Führung von Leutnant Krapp blieb ein Kommando der Abteilung zur späteren Übernahme und Nachführung der Haubitzen zurück; es verlegte nach Dorf Zinna. Über den Abmarsch der 2. Batterie schrieb deren Chef, Hauptmann Scherer:
»Um 09.00 Uhr stehen wir zum Abmarsch bereit. Es kommt der Augenblick, welcher uns trotz aller freudigen Erwartung, mit der wir dem kommenden Einsatz entgegensehen, das Herz schwer macht. Die Blönsdorfer haben die 2. Batterie zu sehr in ihr Herz geschlossen, als dass ihnen der Abschied hätte leicht fallen können. Zur Verabschiedung ist auf dem Parkplatz in Linie die Batterie und ihr gegenüber unter Führung des Ortsgruppenleiters die Bevölkerung angetreten. Erst spricht der Chef, dann der Ortsgruppenleiter in herzlich gehaltenen Worten. Manchem Blönsdorfer stehen Tränen in den Augen. Blumenbekränzt fährt die Batterie noch eine Runde ums Dorf, währen die Bevölkerung Spalier bildet. Dann verlassen wir den gastlichen Ort endgültig.«
In den Standorten der anderen Batterien dürfte die Situation ähnlich gewesen sein.
Um 12.30 Uhr begann die Verladung auf dem Militärbahnhof in Jüterbog; es stand viel Zeit zur Verfügung. Um 17.30 Uhr war alles beendet, und um 20.30 Uhr rollte der Transport in Richtung Falkenberg – Bad Elsterwerder – Kohlfurt – Arnsdorf. Vermutungen über den Einsatzraum wurden ausgetauscht. Dann ging es nach Schlesien hinein: Liegnitz – Breslau – Brieg – Oppeln – Ratibor – Oderberg. Auschwitz wurde passiert, Krakau und Reichshof folgten. Das Reisewetter war herrlich und die Stimmung fabelhaft. Es sprach sich herum, dass es nach Stalino gehen sollte. Weitere Route: Jaroslau – Przemysl – Lemberg und Brody. Dies war bereits Grenzstation zwischen Dem General-Gouvernement und dem Reichskommissariat Ukraine. Die Marketenderei verkaufte Zigaretten. Weiter ging es über Krasno und Schepetowka. Der hier längere Aufenthalt wurde zum Aufmunitionieren und Auftanken der Geschütze genutzt, damit sie im Notfall sofort einsatzbereit waren. Während der Fahrt nahmen die Mannschaften Sonnenbäder auf ihren Fahrzeugen; schmerzliche Folgen blieben nicht aus. Die Landschaft zeigte immer noch keine Spuren vom Kriege. Und nach wie vor war es unbestimmt, ob es über Kiew oder Dnjepropetrowsk weitergehen würde. Vier Wochen am Schwarzen Meer wären auch nicht von Übel gewesen. Die Fahrt führte über Beresowka – Bobrinskaja – Snamenka – Pjatishatki und Dnjepropetrowsk. Damit hatten sich die vorausgegangenen Spekulationen soweit erhärtet, dass es entweder an den Donez oder zum Mius gehen könnte.
Wie sah die Lage zu dieser Zeit im Südabschnitt der Ostfront aus? Keine der deutschen Divisionen konnte zahlenmäßig nach als voll einsatzfähig angesprochen werden. Die Panzer-Divisionen waren motorisierte Bataillone mit wenigen Panzern, die Infanterie-Divisionen verstärkte Regimenter, denen ein großer Teil der Bespannung und damit die Beweglichkeit fehlten. Gegen diese dünne, wenig kampfkräftige Front der Heeresgruppe Süd richtete sich der Hauptstoß der russischen Sommer-Offensive. Mitte Juli standen der HGr. Süd 110 russische Schützen-Divisionen, 10 Panzer-Korps, 7 mot.-mech. Korps, 7 Kavallerie-Korps, 20 Panzer-Brigaden und 16 selbständige Panzer-Regimenter gegenüber. Das Verhältnis war etwa 1 : 7! Am 17.07.1943 traten mehrere Armeen der russischen Südwest- und Südfront am Rande des Donez-Gebietes zum Angriff an. Während der Feind im Abschnitt der deutschen 1. Panzer-Armee bei Isjum abgewehrt werden konnte, erzielte er einen tiefen Einbruch in die Front der 6. Armee am Mius ostwärts Stalino. Die HGr. warf daraufhin das III. Pz.Korps mit der 23. Panzer-Division und der 16. Panzer-Grenadier-Division sowie das II. SS-Pz.Korps mit zwei Divisionen in den Einbruchsraum.
Seit dem 17.07.1943 hatte es in Strömen geregnet, aber ab 19.07.1943 war das Wetter wieder schön geworden. Kurz hinter Dnjepropetrowsk wurde der Transport am 20.07.1943 zum sogen. »Pfeilzug« erklärt, d.h., er wurde überall auf die schnellste Weise weitergeleitet. Es ging über Sineleikowa – Tschaplino – Postischewo und an Stalino vorbei bis Amwrosijewka, wo ausgeladen wurde. Und damit stand der Einsatzraum fest: Mius-Abschnitt!

2-3 Fortsetzungen werden noch hier folgen, aber die gesamte Abschrift von mir jedoch NICHT! Cool

Winken
Uwe2


Zuletzt bearbeitet von UHF51 am 23.10.2012 - 10:52, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 199213 | Verfasst am: 04.05.2012 - 22:18    Titel: Antworten mit Zitat

Da feindliche Luftangriffe zu erwarten waren, wurde das Bahnhofsgelände schnellstens verlassen. Vorläufig aber gab der »Iwan« noch Ruhe. Die Stabs-Batterie suchte sich einen alten Park als Unterziehraum aus. Als alles fertig war, kam der Befehl zum Vorziehen. Wieder musste Leutnant Rexilius den neuen Unterziehraum aussuchen. Auf der Rollbahn ging es etwa 5 km vor nach Belojarowka. Der Kommandeur nahm ihn dort in Empfang. Ein Melder holte die Batterie nach. Die eigene Fliegertätigkeit war enorm. Der »Iwan« wagte nicht, sich zu zeigen; er war wohl wieder erst für die Nacht zu erwarten.
Die 2. Batterie ging in einer Obstbaum-Plantage bei Belojarowka in Bereitstellung, was sich in jeder Hinsicht als vorteilhaft erwies, denn die Tarn- und Deckungsmöglichkeiten waren gut und – Obst in rauen Mengen! Aber vorsichtshalber wurden noch Deckungslöcher gegraben. Mit hereinbrechender Dunkelheit kam dann auch prompt die »Nähmaschine«, kleckerte ihre Bomben auf die russische Erde und schoss mit Bordwaffen ins Dunkle. »Iwan« hieß uns also auf seine Art Willkommen; dafür würden wir ihm morgen unseren Dank abstatten.
Über diesen Tag berichtet Leutnant Rexilius noch weiter: »Ganz überraschend musste ich zum Ia der Division, um Bezugspunkte abzuholen; sie wurden mir von Leutnant Salomon ausgehändigt. Wenn man sieht, wie in einem solchen Stab die Fäden zusammenlaufen und von dort alles konzentrisch geleitet wird, überkommt einen doch ein eigenartiges Gefühl. Sonst sieht man immer nur, was im eigenen kleinen Abschnitt vor sich geht. Die Organisation ist fantastisch«.
Und am 21.07.1943 ging es nun wirklich in den Einsatz, da es der Russe geschafft hatte, durch einen Großangriff aus dem Brückenkopf nordwestlich von Kuibyschewo einen tiefen Einbruch in die deutsche HKL zu erzielen und den Mius zu überschreiten.
Inzwischen war die StuG.Abt. 236 der 16. Pz.Gren.Div. unter dem Eichenlaub-Träger Gen.Lt. Graf von Schwerin unterstellt worden; der Ia der Division war Oberstlt. i.G. Ritter und Edler von Kienle.
Um 03.30 Uhr wurden die Kampf- und Versorgungs-Staffeln alarmiert, rückten aber erst gegen 06.00 Uhr ab. Die ganze Abteilung kam zum Einsatz. Die 2. Batterie hatte den Auftrag, die Höhe 196 – 2 km nördlich Kalinowka – zu besetzen, da der Feind mit Panzern und Infanterie angriff. Über die Höhe 196 hinaus wurde auch die Höhe 202 wieder gewonnen und trotz russischem Beschuss mit Phosphor-Munition und lebhafter feindlicher Fliegertätigkeit – u.a. griffen russ. Schlachtflieger an – gehalten. Acht T 34 und etliche Geschütze, Pak, Spähwagen, Granatwerfer, Panzerbüchsen und Lkw wurden vernichtet. Bei der 3. Batterie konnte das am äußerten rechten Flügel fahrende Geschütz – mit Kennung 357 unter Wachtmeister Sandler – um 10.00 Uhr mit nur einem Schuss den ersten Panzerabschuss der Abteilung melden. Der Angriff dieses ersten Einsatztages wurde ca. 20 – 30 km vorgetragen. Als »Halt« geboten wurde, lechzten Geschützbesatzungen und Grenadiere nach Wasser. Die 20-Liter-Kanister waren zwar wohlgefüllt – aber brühwarm; noch nie hatte Flüssiges so gut geschmeckt, wie diese lauwarme Brühe.
Die 1. Batterie hatte ihren ersten Gefallenen – Kopfschuss. Am Abend kamen die Geschütze zurück, da die HKL bei Jelisawetinskij zurückgenommen wurde. Die Abteilung hatte ihre sehr beachtliche Feuertaufe erhalten.
Die Divisionsgeschichte der 16. Pz.Gren.Div. meldet für den Tag: »… Auch die übrigen durchgebrochenen Panzer werden im Hintergelände durch unsere Panzerabwehr fast alle abgeschossen; hieran hat die Sturmgeschütz-Abt. 236 ihren besonderen Anteil«.
Am 27.07.1943 morgens löste die 2. Batterie StuG.Abt. 236 mit sechs Geschützen die 1. Batterie der StuG.Abt. 243 auf Höhe 196 ab. Vormittags wurden Panzer- und Beobachtungsstellen in abgeschossenen Panzern erfolgreich bekämpft und dadurch lästiges Flankenfeuer ausgeschaltet. Am Nachmittag griffen die Sowjets mit etwa 50 Panzern und starken Infanteriekräften die Höhe 196 an. Zunächst bekämpfte die Batterie Russen links auf große Entfernung (ca. 2.000 m) und erreichte dadurch, dass die Infanterie ihre Stellungen halten konnte. Plötzlich tauchten russ. Panzer von vorne und von rechts auf. Die Lage wurde sowohl für die Infanterie als auch für die Geschütze sehr bedrohlich. Es gelang der 2. Batterie, in der neuen Richtung die feindlichen Panzer trotz deren erheblichen Überlegenheit zu erledigen. Das Schlimmste war damit abgewendet. Leider musste jedoch die Höhe infolge infanteristischer Unterlegenheit geräumt werden. Die Batterie deckte den Rückzug der Infanteristen, der fast ohne Verluste gelang. Der Russe konnte nur noch mit einzelnen Panzern nachstoßen, die auf kürzeste Entfernung abgeschossen wurden. Leider verlor die Batterie beim Rückzug das Geschütz 254 von Leutnant Kettl, das ein T 34 in Brand geschossen hatte. Die Bedienung konnte sich bis auf den Panzerfahrer Unteroffizier Dittmann retten und kam mit Verbrennungen 2ten Grades und Prellungen davon. Da der Beförderungsantrag des Uffz. Dittmann zum Wachtmeister schon vorher schriftlich eingereicht war, sprach der Kommandeur die Beförderung posthum aus. Die 2. Batterie betrauerte in Wachtmeister Dittmann ihren ersten Gefallenen, einen tüchtigen Soldaten und beliebten Kameraden.
Es gelang der Batterie an diesem Tage 26 Panzer T 34 abzuschießen und etliche andere Feindwaffen zu vernichten. Die gesamte StuG.Abt. 236 erzielte 139 Pz.Abschüsse.
Die Stabs-Batterie war an diesem Tag erneut umgezogen, und zwar an den bisherigen Standort der Instandsetzungs-Staffel (I-Staffel). Um 18.00 Uhr wurde Leutnant Rexilius vom Kommandeur von seinen bisherigen Aufgaben entbunden und als z.b.V. zunächst als Verbindungs-Offizier (V.O.) zum Grenadier-Regiment (mot) 156, Kommandeur Oberstleutnant Fischer, befohlen; dazu bekam er das Kfz 16 von Oberleutnant Mathy. Beim Stab der 156er kamen ununterbrochen Melder, Kommandeure und Chefs; es lief wie am Schnürchen.
Fortsetzung folgt.
Winken
Uwe2
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BeitragBeitrags-Nr.: 199218 | Verfasst am: 05.05.2012 - 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Am 23.07.1943 griffen die Sowjets aus Ssemenowskij mit starken Panzer- und Infanteriekräften an, konnten aber gemeinsam von 2. und 3. Bttr. abgeschlagen werden. Am Nachmittag waren Vorstöße der Russen besonders heftig. Mit hereinbrechender Dunkelheit wurden die völlig erschöpften Besatzungen der Geschütze abgelöst. Immerhin war es gelungen, mit den nur drei Geschützen der 2. Bttr. 17 Panzer T 34 abzuschießen und etliches andere Feindgerät zu vernichten.
Am gleichen Tage musste Lt. Rexilius Verbindung zur StuG.Abt. 243 aufnehmen. Es war eine Fahrt durch völlig unbekanntes Gelände mit defektem Fahrzeug und falschen Wegeskizzen. Die Folge: Ein großer Umweg. Trotzdem konnte er mit dem gewünschten Erfolg zum Kommandeur zurückkehren.
Am folgenden Tage wurde noch bei Dunkelheit um 02.30 Uhr gemeinsam von der 2. und 3. Batterie ein Angriff auf Ssemenowskij gestartet.
Die 3. Batterie griff den Westteil an, während die 2. Bttr. auf den Ostteil angesetzt war. Der Angriff erreichte den Ortsrand, und die Infanterie konnte Dreiviertel des Ortes besetzen. Die Geschütze der 2. Batterie mussten aufmunitionieren und tanken. Anschließend blieben sie auf der Höhe südlich von Ssemenowskoje und bekämpften Infanterieziele. Um 10.00 Uhr erfolgte ein zweiter Angriff. Die drei Geschütze kamen mit schwacher Infanterie-Begleitung bis zum Ostteil des Ortes, mussten dann aber wegen ihrer infanteristischen Unterlegenheit einem russischen Gegenangriff weichen, der aus den Schluchten nördlich Ssemenowskij hervorgetragen wurde.
Die Geschütze von Oberwachtmeister Schnigge und Wachtmeister Bruns blieben am Westrand zur Sicherung und hielten die feindl. Infanterie in Schach, während das Geschütz von Leutnant Naumann unter heftigem Infanterie- und Pak-Beschuss wegen Motorschadens (Pleuelbruch) aus der Ortsmitte nach Süden zurückgezogen werden musste. Bei beiden Angriffen wurden teilweise Nahkampfmittel eingesetzt. Am Abend verlief die HKL wieder wie vor Angriffsbeginn. Ein T 34 und weiteres Feindgerät konnten vernichtet werden.
Gleich morgens früh dieses Tages konnten der 1. Batterie drei Geschütze vom Stab zugeführt werden. Noch am gleichen Nachmittag verlegte der Stab ca. 2 km zurück. Um 22.00 Uhr musste Leutnant Rexilius noch zum Ia der Division, bei Finsternis und Dreck – aber der Schwimm-Wagen ging überall durch, und es gab auch diesmal kein Verfranzen.

Vom 23.07.1943 datiert das nachfolgende Anerkennungsschreiben des Divisions-Kdrs.:
»Ich spreche der Abteilung meine Bewunderung und meinen großen Dank für ihre hervorragende und entscheidende Unterstützung der schwer ringenden Infanterie aus. Der gewaltige Erfolg der gestrigen Panzer-Vernichtungs-Schlacht ist eine unerhörte Leistung der Sturmgeschütze.
Die 16. Pz.-Gren.-Div. ist besonders stolz, eine so erfolgreiche Abteilung, wie die Sturmgeschütz-Abteilung 236, zu den ihrigen zu zählen.«
gez. Graf von Schwerin
Generalleutnant und Divisions-Kommandeur

Gleichzeitig wurden auf Grund der Erfolge die Chefs der 2. und 3. Batterie – Hauptmann Scherer und Oberleutnant Mohr – zur Verleihung des Ritterkreuzes zum Eisernen Kreuz vorgeschlagen.

Die folgenden Tage blieben etwas ruhiger. Die Geschütze wurden zur Sicherung der HKL eingesetzt, wobei die restlichen drei Geschütze der 2. Batterie – drei befanden sich in der Werkstatt – der 1. Bttr. unterstellt waren. Am Nachmittag des 27.07.1943 wurde um 14.00 Uhr angegriffen, wobei einige Feindgeschütze und MG’s vernichte werden konnten. Die Gefechtshandlungen dauerten bis gegen 19.00 Uhr an. Danach zogen die Geschütze in einem Kusselgeländestreifen rechts der Rollbahn unter. Bis zum 29.07.1943 verlief dann alles ruhig. Aber am 30.07.1943 begannen die Kampfhandlungen erneut. Hierzu wurde OLt. Mathy vom Stab als V.O. zum Gren.Rgt. (mot) 156 abgestellt. Um 02.30 Uhr war Wecken, und um 09.45 ging es in die Bereitstellungen.
Angriffsbeginn: 10.45 Uhr. Es galt, die Höhe 196 bei Kalinowka zurückzugewinnen, wobei die 16. Pz.Gren.Div. und die 23. Pz.Div. von Westen nach Osten und das II. SS-Pz.Korps mit den Divisionen »Das Reich« und »Totenkopf« von Norden nach Süden vorstoßen sollten. Es ergab sich ein zügig ablaufendes Unternehmen: Der klassischen Sturmartillerie-Einsatz! Die Infanterie ging gut mit, und nach kurzer Zeit war das Angriffsziel erreicht. Anschließend rollten die Geschütze an der Höhe 196 vorbei und sicherten nach Osten. Bei diesem Unternehmen wurden mehrere Pak vernichtet und weitere erbeutet, außerdem Pz.Büchsen und MG’s. Die 3. Batterie behielt fünf russische Gefangene als
»Hiwis« zurück; es handelte sich um Pz.Spezialisten, Mechaniker und Autoschlosser. Am Abend war im ganzen Abschnitt die Lage wieder hergestellt. Bei der 3. Batterie ging der Angriff am nächsten Tag noch weiter: Kalinowka wurde genommen. Der Russe hatte nachts sämtliche abgeschossenen Panzer abgeschleppt. Die Geschütze der 1. und 2. Batterie erfüllten Sicherungsaufgaben. Am 01.08.1943 stieg wieder ein munterer Angriff der inzwischen wieder auf sechs Geschütze komplettierten 2. Bttr. und zusätzlich drei Geschütze der 1. Batterie. Zu unterstützen war das III./Gren.Rgt. 156, während links davon das II./Gren.Rgt. 156 mit Panzerunterstützung vorging. Alles lief zügig vorwärts, und die Infanterie wurde hier sehr gut geholfen. Hinderlich wirkte sich allerdings aus, dass das linke Bataillon (II./156) trotzdem zurückblieb.

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Uwe2


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BeitragBeitrags-Nr.: 199252 | Verfasst am: 09.05.2012 - 19:40    Titel: Antworten mit Zitat

Die Panzer fuhren nur zögernd und vorsichtig vor. Schlussendlich aber wurde das Angriffsziel doch erreicht und die schweren Abwehrwaffen der Sowjets überrannt. Nachmittags sollte zusammen mit einer Kompanie Infanterie noch die Olschowtschik-Schlucht durchkämmt werden. Das Unternehmen sah harmlos aus, da sich beide flankierenden Hänge in deutscher Hand befanden. Feindeinwiderstand war so gut wie nicht mehr vorhanden. Dafür jedoch fuhren die Geschütze der 2. Bttr. von Hauptmann Scherer und Wachtmeister Bruns und der 3. Bttr. von Leutnant Schaar auf russische Panzerminen. Laufwerksbeschädigungen waren die Folge. Leutnant Schaar erlitt hierbei Verwundungen, u.a. wurde das Trommelfell verletzt; er war taub und kam ins Lazarett. Zur Abteilung kehrte er danach nicht mehr zurück. Für ihn übernahm Lt. Rexilius den Zug. Als die 3. Batterie zum Aufmunitionieren zurückfuhr und auf Nachschub wartete, warf ein russ. Flugzeug dessen Kommen niemand wahrgenommen hatte, massenhaft 2-kg-Bomben ab. Es sah aus, als hätte man mit der Schaufel die Bomben hinausgeworfen. Einige Angehörige der Batterie erlitten hierbei Verwundungen.
Die ausgefallenen Geschütze wurden am Abend, nachdem die restlichen Minen geräumt waren, von den unbeschädigten Geschützen abgeschleppt und trafen gegen 01.30 Uhr auf dem Stützpunkt ein. Das am 22.07.1943 ausgebrannte Geschütz (Kennung: 254) hatte Lt. Kettl selbst von der Höhe 196 geborgen. Die alte HKL war wieder hergestellt.
Der 02. und 03.07.1943 waren Ruhetage. Zunächst wurde ein festgefahrener T 34 der am Turm sowie Kanone beschädigt war geborgen, zugehöriges Rohöl anderen Panzern entnommen und auf dem Stützpunkt russische Funkgeräte und Panzerbatterien ausgebaut.
Am Nachmittag des zweiten Tages um 16.00 Uhr trat die gesamte Abteilung im Viereck an. Der Kommandeur verlieh zahlreiche Auszeichnungen. PK-Berichter waren anwesend und filmten für die Deutsche Wochenschau. Die sowjetische Luftwaffe zeigte rege Tätigkeit, und es konnte nur von Glück gesprochen werden, dass der »feierliche Akt« nicht durch des »Iwans« Schlachtflieger gestört wurde.
Der Russe war bis an den Mius zurückgedrängt, d.h., die eigene HKL verlief am Vorderhang (Osthang) rechts des Mius.
Heftiges Artilleriefeuer und Schlachtfliegerverbände der Sowjets machten sich am 04.08.1943 unangenehm bemerkbar, aber erreichten nicht viel. Wegen der Erkrankung von Hptm. Scherer wurden drei Geschütze der 2. Batterie am Ostufer des Olschowtschik OLt. Mohr (Chef der 3./236) unterstellt. Er selbst befand sich mit jeweils einem Geschütz der 2. und 3. Batterie etwa 1,5 km südostwärts davon am Mius. der Stützpunkt lag am Südwestende von Mainowka. Die Fahrt der Geschütze durch das faltenreiche Gelände der Olschowtschik-Schlucht erwies sich als sehr beschwerlich. Die Bremsen mussten sämtlich nachgestellt werden. Irgendwo an der HKL waren weit entfernt einige Feindpanzer beobachtet worden. Darum kurvten die Sturmgeschütze die ganze Zeit in diesem schwierigen Gelände, ohne jedoch zum Schuss kommen zu können, denn die Anmarschwege zu den als Feuerstellungen geeigneten Räumen lagen unter Artilleriefeuer, sobald sich ein Geschütz zeigte. Diese Art von Einsatz war unbefriedigend, wirkungslos und auch Material strapazierend. Von gelegentlichen feindlichen Artillerieüberfällen und Besuchen von Schlachtfliegern abgesehen, blieb es den gesamten Tag über ruhig. Ein weiterer Bericht von diesem Tage:
In der Nacht zum 04.08.1943 war der Russe – zunächst unbemerkt – eingesickert, hatte im Rücken der Grenadiere und – als er keinen Widerstand bemerkte – versucht, sich erneut festzusetzen. Daraufhin erhielten die Grenadiere den Auftrag, die Lage mit einem Stosstrupp zu bereinigen und zu sichern. Zur Verstärkung wurden vier Geschütze angefordert. Hauptmann Brede stellte zwei Geschütze der 2. Batterie unter Oberleutnant Dietrich und zwei Geschütze der 3. Batterie unter Lt. Rexilius für diesen Einsatz ab; das Kommando lag bei OLt. Dietrich. Das Gelände zeigte sich leicht hügelig, mit vielen schier unendlich großen Obst-Plantagen durchzogen, und im übrigen Weideland sowie mannshohe Kornfelder – für den Einsatz von Panzern und Sturmgeschützen direkt ideal. Das Westufer des Mius stieg vom Fluss aus in einer Breite von ca. 500 – 800 m gleichmäßig bis zu einer im Gelände deutlich markierten natürlichen Kammlinie an. Einige Busch- und Baumgruppen lockerten diesen Streifen auf und gaben gute Deckungsmöglichkeiten. Aber insgesamt war das westliche Mius-Ufer doch vom »Iwan« her – d.h. vom Ostufer – gut einzusehen. Gegen 06.00 Uhr früh fand die Lagebesprechung statt, und für 08.00 Uhr wurde der Angriff angesetzt. Bis dahin mussten die Grenadiere ihre Ausgangsposition eingenommen haben und die vier Geschütze aus der Bereitstellung bis etwa zur Kammlinie des Westufers vorgerückt sein. Auf diesem kurzen Stück von ca. 2 km passierte bei einem Lenkmanöver ausgerechnet dem Geschütz von Oberleutnant Dietrich ein Missgeschick, das es bewegungsunfähig machte. Glücklicherweise konnte diese Stelle vom Russen noch nicht eingesehen werden. Was nun? Wurde OLt. Dietrich in ein anderes Geschütz umsteigen? Er entschied sich anders und übertrug die Führung des Einsatzes an Lt. Rexilius. Er selbst blieb bei seinem Geschütz und veranlasste bei der I-Staffel das Abschleppen zur Reparatur. Die drei verbliebenen Geschütze erreichten pünktlich die vorgeschriebene Linie. Die Russen waren von dem so frühzeitigen Gegenstoß offenbar überrascht, und die Grenadiere fanden anfangs keinen Widerstand und machten einige Gefangene. Aber dann erfolgte heftige Gegenwehr mit Infanteriewaffen, später auch mit Granatwerfer und Artillerie. Die Geschütze unterstützten die Grenadiere durch gezieltes Feuer auf Infanterienester in den Buschgruppen und im weiteren Verlauf durch Niederhalten der Granatwerfer-Stellungen und schließlich durch Störung des Fahrzeugverkehrs auf der Ostseite des Mius in einer Entfernung von ca. 1,5 bis 2 km. Die Grenadiere erwiesen sich als erfahrene Soldaten und kannten sich mit solchen Stosstruppunternehmungen gut aus. Der Anfangserfolg war jedenfalls kein Strohfeuer. Zielstrebig durchkämmten sie den verunsicherten Abschnitt bis hinunter zum Fluss. Gegen 12.00 Uhr war das umkämpfte Gelände wieder fest in eigener Hand. Das Feuer flaute ab, und die Geschütze, die während des Kampfes etwa 400 m vorgezogen hatten, konnten sich gegen 14.00 Uhr wieder hinter die Kammlinie in Deckung zurückziehen. Damit schien der Einsatz erfolgreich beendet, und es kam auch bald der Befehl zur Rückfahrt in die Bereitstellungen. Verluste an Mensch und Material waren nicht zu beklagen.
ENDE
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BeitragBeitrags-Nr.: 199563 | Verfasst am: 20.06.2012 - 17:56    Titel: Der Name "Windhund"-Division Antworten mit Zitat

Leider geistern immer noch merkwürdige Ansichten über die Entstehungsgeschichte
des Namens "Windhund"-Divison durch das Netz.
Daher dieser Beitrag zur Aufklärung.

Woher der Name »Windhund«?

Quelle: Graf von Schwerin in »Der Windhund«
2. Jahrgang • Kameradengruß • Dezember 1953 Nr. 4

In der Oktoberausgabe unserer Familienzeitung habe ich eine Darstellung hierüber gelesen, die nicht ganz den Tatsachen entspricht. So möchte ich Euch erzählen, wie es war. –
Als ich im Herbst 1942 die Führung unserer Division übernahm, marschierte diese unter dem Zeichen des altgermanischen dreiarmigen Hakenkreuzes, von dem mir berichtet wurde, dass dieses historisch gesehen ein Vorläufer des vierarmigen Hakenkreuzes der NSDAP sei.
Kurz vor Weihnachten wurde mir eines Tages ein halb verhungerter junger Windhund ins Quartier gebracht. Ich sah sofort, dass es ein sehr edles Tier sein musste, und die Männer des Feldgendarmerietrupps, die es in der Steppe herrenlos umherstreifend aufgegriffen hatten, bestätigten dies. Es sei eine echte reinrassige kalmückische Windhündin. –
Sie wurde Sascha getauft, obgleich dieser Name eigentlich ganz verkehrt war, denn es ist ein männlicher russischer Vorname. Die Landser mochten ihn aber gern, und so blieb es dabei.
Mit der zeit entdeckte ich an dem Hund sehr bemerkenswerte Eigenschaften. Sascha war unerhört schnell und ausdauernd. Sie konnte mit dem fahrenden Pkw im 35-km-Tempo spielend über eine halbe Stunde lang mithalten ohne irgendein Anzeichen von Müdigkeit oder Erschöpfung. Die Kalmücken erzählten, dass sie die Windhunde als Jagdhunde auf das flüchtende, schnelle Steppenwild züchteten. Seltsamerweise jagte Sascha nicht mit der Nase am Boden, wie unsere Jagdhunde. Sie hob sich mit mächtigen Sprüngen hoch über das mannshohe Steppengras und erspähte mit ihren sehr scharfen Augen so das flüchtende Wild in der Ferne. Bei einem solchen Sprung konnte sie sich in der Luft um 180 Grad abdrehen. Das Tier war unglaublich wendig und elegant in seinen Bewegungen. Es war ein ästhetischer Genuss der schönen Gestalt zuzusehen, wenn sie wie ein Pfeil spielend dahinschoss. Sascha war unerhört stolz, sehr tapfer – und ebenso klug. Nie wieder habe ich einen Hund mit so klugen Augen gesehen, dazu unergründlich tief und verschwiegen – wie die Steppe, der sie entsprang, wie die unendliche Weite Russlands und wie Asien, an dessen Schwelle wir damals standen. Stundenlang konnte Sascha dahinjagen, ohne einen Laut von sich zu geben. Sie bellte nicht, wenn sie jagte. Sie bellte nicht einmal, als ich sie auf Urlaub zum Reiten mitnahm. Sie war auch anhänglich und treu, aber sehr zurückhaltend und sehr beherrscht im Ausdruck ihrer Gefühle.
Klug, schnell, tapfer, ausdauernd, zähe, verschwiegen und treu, rassig, stolz und schön – waren das nicht die Eigenschaften, denen wir selbst nachstrebten? Da machte ich Sascha zu unserem Wappentier. Die Division übernahm den kalmückischen Windhund als Divisionszeichen. Und so hat sie unser Kurt Wendt gezeichnet, der Ic-Zeichner beim Div.Stab war.
Später kam noch ein Windhundrüde aus deutscher Zucht hinzu, und viele, viele von Euch habe sich in unserem Genesenden-Lazarett an den Beiden erfreut.
Niemand weiß, wo sie nach 1945 geblieben sind, aber ihr Zeichen ist es, das uns immer an gemeinsam erlebte Zeiten erinnert, die niemand von uns vergessen wird.
Graf von Schwerin.
:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
Betr.: Windhund-Abzeichen

Im Nov. 1944 erhielten Kp.-Angehörige der 5./Pz.Gren.Btl. 60 im Raum Vossenack folgende Bescheinigung:
»Der Gefreite Erich W... ist als Angehöriger der 116. Pz.Div. gem. Div.Tg.Bef. Nr. 17 vom 25.10.1944, Ziffer 7, zum Tragen des für die Division genehmigten Windhundabzeichens berechtigt.
O.U., den 1.11.1944
Neuhaus, Lt. u. Kp.Fhr.
«

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Zuletzt bearbeitet von UHF51 am 23.10.2012 - 10:53, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 199788 | Verfasst am: 27.07.2012 - 20:26    Titel: Antworten mit Zitat

Nachtrag:

Der Verbleib der Windhunde (Heinrich T. in „Der Windhund“, 2/1993, S. 22)
(...)
Ich hatte den Auftrag bekommen, die beiden Hunde Ari und Sascha zu betreuen, da unser N.S. Hundewärter Urlaub bekommen hatte. Glück hatte ich nicht damit, denn am ersten Tag der Betreuung habe ich die beiden Hunde in einen Zwinger gesteckt, der nicht mehr ganz stabil war. Es war in Holten (Holland). Kaum war eine Stunde vergangen, da näherte sich ein Hase dem Zwinger. Was dann geschah, war alles ein Bruchteil von Sekunden.
Der Zwinger lag in Trümmern, die beiden Hunde dem Hasen nach. Ich nicht lange überlegt, ein altes Fahrrad geholt, den Hunden nach. So jagte der eine den anderen. Aber bald waren Hunde und Hase meinen Augen entschwunden. Ich fragte mich bei den Leuten so durch, da ich die holländische Sprache gut beherrschte. Aber leider ohne Erfolg. Nach 5 Stunden kehrte ich dann zur Einheit zurück, ohne Hunde. Der Empfang war nicht der beste. Es fehlten jegliche Blumen, nicht einmal einen Glückwunsch hat man mir ausgesprochen, nachdem ich das 5-Stunden-Rennen beendet hatte. Als Dank sollte ich drei Tage Bau haben, die ich aber nicht bekommen habe. So endete meine Laufbahn als Windhundradrennfahrer.
(...)
Die beiden Windhunde sind in Holland geblieben. Nach dem Kriege bin ich nochmals wieder nach Holland gefahren und habe mich auch nach den Hunden erkundigt, leider ohne Erfolg.
(...)
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BeitragBeitrags-Nr.: 199819 | Verfasst am: 30.07.2012 - 11:43    Titel: Abschlussbericht Tebbe Antworten mit Zitat

I. (Panther)/Pz.Rgt. 16 Abt.Gef.Std., 31. Juli 1944
Abt. Ic
Abschlußbericht
der Pz.Abt. 116 (früher I./Pz.Rgt. 1) der 16. Pz.Gren.Div.
für die Zeit vom 12. 5. 1942 bis 14. 7. 1944

I. Erfolge:
Die Kampfstaffel der Panzer-Abteilung 116 hat in der Zeit vom 12. 5. 42 bis zu ihrer Umbenennung am 14. 7. 44 in
I. (Panther)/Pz.Rgt. 16 der 116. Pz.Div. die Strecke von 12 500 km kämpfend zurückgelegt. in dieser Zeit waren 166 Gefechte zu bestehen. Dabei wurden folgende Erfolge erzielt:
5 Flugzeuge
403 Feindpanzer
499 Geschütze aller Art
155 Granatwerfer
388 Panzerbüchsen
331 Lastkraftwagen
10 750 Feindtote
1 852 Gefangene
dazu ungezählte Infanteriewaffen, Panjewagen und Pferde.
Diese Erfolge wurden mit einer durchschnittlichen täglichen Kampfstärke von 6 Pz.Kpfw. III und 4 Pz.Kpfw. IV = 10 Pz.Kpfw. erzielt, d.h., wenn die personelle Stärke der kleinen Führungsstaffel abgezogen wird, so wurden diese Erfolge mit einer durchschnittlichen Gefechtsstärke von 50 Köpfen erzielt.

II. Eigene Verluste:
a) personell
gefallen 12 Offiziere und 93 Uffz. und Mannschaften
verwundet 46 Offiziere und 444 Uffz. und Mannschaften
davon bei der Truppe verblieben 18 Offz. und 172 Uffz. und Mannschaften
vermißt keine Offiziere und 27 Uffz. und Mannschaften.
b) materiell
89 Panzerkampfwagen, davon:
durch Beschuß total 38 Panzer
durch Beschuß ausgefallen und mangels Abschleppmittel in Feindeshand gefallen 21 Panzer
durch techn. Mängel ausgefallen und gesprengt 20 Panzer
nicht gesprengt in Feindeshand gefallen 10 Panzer.

III. Betriebsstoff- und Munitionsverbrauch:
a) Betriebsstoff 1 085 cbm.
b) Munition 720 000 Schuß MG-Munition
501 Pz.Gr.Patr. 2 cm
1 463 Spr.Gr.Patr. 2 cm
6 790 Pz.Gr.Patr. 5 cm
13 542 Spr.Gr.Patr. 5 cm
4 569 Pz.Gr.Patr. 7,5 cm
8 165 Spr.Gr.Patr. 7,5 cm
5 302 HL-Gr.

IV. Leistungen des Panzer-Werkstatt-Zuges:
Tagesdurchschnitt der instandgesetzten Panzerkampfwagen
s.W.Z. 12 und l.W.Z. 0,5
durchschnittliche Instandsetzungsdauer (Tage) s.W.Z. 9 und l.W.Z. 2
Ersatzteilbedarf im Monat 45 Tonnen
Pz.-Motorenbedarf im Monat 12 Stück.
Die Höchstleistung an instandgesetzten Panzerkampfwagen und Räderteilen wurde in den Monaten Juli und August 1943 mit 60 Pz.Kpfw. und 60 Räder-Kfz. erreicht.
Die Gesamtsumme der fertiggestellten Panzerkampfwagen betrug in den Monaten September 1942 – November 1943 bei einer durchschnittlichen Instandsetzungsdauer von 10 Tagen 484 Stück.
Das entspricht einem Monatsdurchschnitt von 32 Pz.Kpfw.

V. Auszeichnungen:
2 Ritterkreuze
7 Deutsche Kreuze in Gold
71 E.K. 1. Klasse
339 E.K. 2. Klasse
6 K.V.K. 1. Klasse
149 K.V.K. 2. Klasse
429 Panzerkampfabzeichen (Silber)
59 Panzerkampfabzeichen (Bronze)
246 Verwundetenabzeichen (Schwarz)
21 Verwundetenabzeichen (Silber)
4 Verwundetenabzeichen (Gold)
3 Nennungen im Ehrenblatt des Heeres.
Die Panzer-Abteilung 116 ist anläßlich ihres 400. Panzerabschusses am 3. 2. 1944 in den Erläuterungen zum Wehrmachtsbericht besonders hervorgehoben worden.

Der Einsatz der Panzer-Abteilung 116 erfolgte an folgenden Brennpunkten des Kampfes:
Vormarsch über den Tim – Einnahme von Stary-Oskal – Vormarsch und Einnahme von Woronesh – Verfolgungskämpfe von Woronesh zum Don – Kampf um den Manytsch-Übergang nördlich Gigant – Verfolgungskämpfe zum Kaukasus bis Maikop – Kämpfe in der Kalmückensteppe westlich Astrachan als am weitesten nach Osten vorgestoßene deutsche Truppe – Rückzugskämpfe über den Manytsch nach Rastow – Rückzugskämpfe von Rostow über Taganrog zum Mius – Abwehrkämpfe am Mius im Sommer 1943 – Abwehrkämpfe im Raum Isjum-Slawjansk – Kämpfe im Brückenkopf Saporoshje – Kämpfe im Ssaksagan-Abschnitt – Kämpfe südwestlich Dnjeproperowsk, ostwärts und nördlich Kriwoi-Rog – Kämpfe um Nikopol – Rückzugskämpfe nördlich Nikolajew über den Ingulez bis zum Bug (Wossnessensk).

Tebbe

Quelle: „Der Windhund“, 2/1994
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BeitragBeitrags-Nr.: 199890 | Verfasst am: 07.08.2012 - 12:27    Titel: Antworten mit Zitat

Oberfeldwebel (OA) Erhard Kunze, Aufkl.Abt. (mot) 341

Aus dem Ehrenblatt der 16. Inf.Div. (mot) für die Aufkl.Abt. (mot) 341

Auftrag:
Einrichtung und Verteidigung des Ortes Kamenskij Kolodesj als Stützpunkt mit einem durch eine Pi.Gruppe verstärkten Zug, um ein Durchstoßen des Feindes in die Lücke zwischen Stützpunkt Leschtschinskaja Plota und Kirowka Liwenka in die rechte Flanke der Division zu verhindern.
Durchführung:
Der Stützpunkt wurde durch den Zug Kunze in zäher Verbissenheit bis zur Ablösung am 24. 12. 41 gehalten. Trotz des Ausfalles an Soldaten und Waffen und trotz der scheinbar Aussichtslosigkeit der Lage hatte Oberfeldwebel Kunze allein durch seine außergewöhnliche Tapferkeit und vorbildliche Ruhe und Tatkraft den Widerstandswillen seiner Soldaten aufrechterhalten.
Seine persönliche Einwirkung und Opferbereitschaft, verbunden mit seinem harten Willen, den Stützpunkt zu halten, war entscheidend. Völlig auf sich allein gestellt – ohne Anlehnung – hat sein Durchhalten eine Durchbrechung der Front an entscheidender Stelle verhindert. Ohne Aussicht auf Entsatz und Unterstützung ließ er sich nicht von dem Auftrag, den Stützpunkt zu halten, abbringen, in klarer Erkenntnis, daß sonst die Front der ganzen Division gefährdet gewesen wäre.
Oberfeldwebel Kunze hat am 6. 1. 42 seinen später neu zugewiesenen Stützpunkt Kalinow wieder gegen überlegene Angriffe mit Panzern in wortgetreuer Erfüllung des Führerbefehls in gleicher Weise zäh und entschlossen gehalten, bis er selbst mit einem Teil der Besatzung von russischen Panzern niedergewalzt wurde und den Heldentod starb. – Ein leuchtendes Vorbild für alle Soldaten der Division!

Rußland, den 28. Februar 1942
Henrici
Generalleutnant und Divisionskommandeur

Für seine Tapferkeit und sein mutiges, entschlossenes Handeln erhielt Oberfeldwebel Kunze das
RITTERKREUZ ZUM EISERNEN KREUZ (posthum).


Auszug aus dem Divisionsbefehl Nr.2/42
(...) – Ein leuchtendes Beispiel für alle Soldaten der Division! – Ich befehle daher, daß der 1. Zug der 3. Kompanie des Kradschützen-Bataillons 165 den Name „Zug Kunze“ führt, zur ständigen Erinnerung an diesen tapferen Soldaten. – (...)

Quelle: »Der Windhund«, 1/1996, S. 20 f.
und Kriegsgeschichte der Windhund-Division, S. D948

Siehe auch: Kriegsgeschichte der Windhund-Division, S. D941 ff. und
»Der Windhund«, 4/1958, S. 12 ff.

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BeitragBeitrags-Nr.: 200097 | Verfasst am: 07.09.2012 - 20:47    Titel: Oberst Johannes Bayer Antworten mit Zitat

Bayer, Johannes; Oberst, RDA: 01.10.1942 (36), *24.06.1900 • †24.03.1975

FTT: OKW/WNV/NV (Fu) - (N)

Kdr. Pz.Armee-Nachr.Rgt. 1
01.05.1943: F.R. OKH, wirtschl. Zuteil. W.Kdo. III
30.05.1943: Pz.Tr.Schule Wünsdorf / techn. Weiterbildung
22.06.1943 – 24.07. kdt. Pz.Rgt. 24 / Einarbeit als Pz.Rgt.Kdr.
25.07.1943: F.R., F.St.O. wirtsch. W.Kdo. III
15.09.1943: wirtsch. W.Kdo. IV
04.02.1944: Kdr. Pz.Rgt. 27
22.08.1944: F.R. OKH (WK III)
26.08.1944: Kdr. Pz.Rgt. 16
01.04.1945: Kdr. H.Pz.Jagdverband West

Auszeichnungen:
EK II u. I

Kurzabriss der Lebensdaten:
Oberst Johannes Bayer wurde am 24.06.1900 als Sohn eines akt. Offiziers in Wohlau/bei Breslau in Schlesien geboren.
1914 – Frühjahr 1919 kgl. preuß. Kadettenkorps. Ende April 1919 war er Offiziersanwärter in einer Grenzschutzformation und wurde dann in die Brigade von Löwenfeld übernommen. Es folgten Grenzschutzkämpfe in Schlesien und Oberschlesien. Im März 1920 wurde er bei Straßenkämpfen in Kiel verwundet.
Nach Versetzung zur Nachrichten-Abteilung 2 in Stettin Beförderung zum Leutnant am 01.12.1920.
Am 01.05.1934 Beförderung zum Hauptmann, anschließend Versetzung zum OKH In 7 als Sachbearbeiter und später Gruppenleiter. Es folgten Kommandos zur finnischen Armee und zur Weltnachrichtenkonferenz in Kairo.
Beförderung zum Major am 20.04.1939 mit anschließender Ernennung zum Kommandeur der Pz.Nachr.Abt. 90.
Beförderung zum Oberstleutnant und Oberst in den Jahren 1941 und 1942. Kommandeur des Pz.Armee-Nachr.Rgts 1. Auf eigenen Wunsch ließ sich Oberst Bayer umschulen zur Verwendung als Kommandeur eines Pz.Rgts. Nach wiederholter Verwundung als Kommandeur des Pz.Rgts. 27 wurde er im August 1944 zum Kdr. des Pz.Rgt. 16 ernannt. In den letzten Kriegstagen führte er beim OB West die Pz.Jagd-Div.

Beim Aufbau der Bundeswehr war Oberst Bayer als Gutachter für Fernmeldewesen im Amt Blank tätig und wurde später Höherer Fernmeldeführer der Territorialen Verteidigung der Bundeswehr.
Er verstarb am 24.03.1975 in Rheinbach-Merzbach.

Quelle: NARA & "Der Windhund" 1975/2
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BeitragBeitrags-Nr.: 200163 | Verfasst am: 25.09.2012 - 18:30    Titel: Antworten mit Zitat

Betr.: »Kampfgruppe Graf v. Brühl«

Quelle: E. K. in »Der Windhund« 2000/1, S. 30-35 & 2000/2, S. 26-31
. . . bis zum bitteren Ende im Harz

Nach einjähriger Luftwaffenhelferzeit und einer dreimonatigen Ausbildung beim RAD hatte ich mich freiwillig zur Panzertruppe gemeldet. Im Juni 1944 wurde ich nach Bielefeld zur Pz.Ers.u.Ausb.Abt. 11 eingezogen. Diese stellte den Ersatz für die 6. Pz.Div. (Pz.Rgt. 11, Bäke), für die 116. Pz.Div. sowie für die Pz.Rgt. 9 und 27. Wir absolvierten unsere Ausbildung in der 4./Pz.Ers.u.Ausb.Abt. 11. Dort erfolgte auch eine Schulung für die Panzertypen III und IV sowie für den Panzer V »Panther«.
Etwa im November 1944 kam ich bei der gleichen Abteilung in den ROB-Lehrgang. Dieser Lehrgang wurde nach vorheriger Unterbringung in die Lauter-Kaserne und später von-Wangenheim-Kaserne dann in der gegenüberliegenden früheren Schule »Sieker« untergebracht, später – es war wohl im Januar oder Februar 1945 – in die im Wald bei Brackwede angelegten Baumstamm-Bunkern bei den sich häufenden Luftangriffen auf Bielefeld und im Rahmen einer sog. »frontnahen« Ausbildung.
Dort erreichte uns am 25.03.1945 die Nachricht von der sich rapide verschlechternden Frontlage. An diesem Tage wurde unter dem Stichwort »Gneisenau« eine Panzereinheit aufgestellt. Jeweils zwei von den damals 17 – 18jährigen ROB’s wurden einem Panzer zugeteilt. [...] Alle waren freiwillig und wir waren auch sehr stolz, dabei sein zu dürfen.
Am 27./28.03.1945 wurden die Panzer aufgerüstet und aufmunitioniert. Wir erhielten neue Bekleidung und Handfeuerwaffen. Am folgenden Tag erfolgte die Verladung aller Panzer auf sog. Panzer-Tiefladewagen der Reichsbahn. Wir alle waren derart unerfahren, dass unser Fahrer beim Rangieren auf dem Waggon den Panzer rückwärts an einem Eisenmast fuhr und die hintere Staukiste eindrückte.
Ich war als Ladeschütze in einem »Panther« eingeteilt. Außer uns befanden sich in der Kolonne noch zwei bis drei Panzer III und IV. Alle Panzer waren die uns bereits aus den Bielefelder Kasernen bekannten Übungspanzer mit entsprechenden Verschleißerscheinungen. An unserem Zug wurden noch drei »Hetzer« der Pz.Jäg.Abt. 288 aus Herford angehängt.
Am 30.03.1945 hatten US-Jagdbomber (Typ Lightning) unseren Zug auf der Fahrt nach Hamm bei Morgendämmerung ausgemacht und mit 6 Maschinen angegriffen. Zunächst blieben wir in unseren Panzern. Einer von unseren ROB’s schoss mit seinem MG auf die von hinten anfliegenden Maschinen.
Die Lok wurde getroffen; es gab die ersten Verwundeten und Toten. Erst als der Zug stand, suchten wir in den die Strecke umgebenden Wäldchen Deckung und schlugen Bäume zur Tarnung der Panzer.
Eine Ersatzlokomotive schleppte unseren Zug nach Ahlen zurück; dort aßen wir und schliefen etwas in einem Luftschutzkeller.
Unsere Einheit verließ Ahlen aber schon bald und rollte in Richtung Neubeckum. Dort oder in Beckum erfolgte dann ein Auftanken. Ich erinnere mich, dass ich unseren einzigen Offizier in einem Pkw sah, mit dem er – wie er sagte – »erkunden wollte«. Wir haben ihn nie wieder gesehen.
Mit unserem »Panther« nahmen wir in Neubeckum (oder Beckum?) Aufstellung an einem erhöht liegenden Turm (Wasserturm?), von dem aus die daran vorbeiführende Autobahn voll zu überblicken war. Was wir sahen, ließ uns nichts Gutes ahnen: Hunderte von langsam auf der Autobahn vorrückenden Panzern und Lkw, sichernd überflogen von langsamen Aufklärungsflugzeugen. Wir in unserem jugendlichen Durchhaltewahn konnten es nicht lassen, mehrere Granaten auf diese Kolonne zu feuern und erhielten dafür Artilleriefeuer. In meinem Tagebuch finde ich an dieser Stelle den Eintrag: »Sicherung an Schnapsfabrik«. Einer unserer Panzer III musste hier gesprengt werden (Defekt oder Spritmangel?).
Nach einer Sicherung an einer Ecke hatten wir eine Nachtfahrt und erreichten die Vororte von Lippstadt im Morgengrauen. Ich erinnere mich noch genau, dass in den Orten massenhaft weiße Fahnen (Betttücher) aus den Fenstern hingen, die wir – wenn erreichbar – wütend abrissen. Wir sicherten am Ortseingang von Lippstadt, als die ersten »Shermans« gesehen wurden. Da unser Betriebsstoff fast gänzlich aufgebraucht war, hofften wir, in der sog. Flak-Kaserne Diesel zu bekommen. In dieser Kaserne kam es für mich zu drei bis heute unvergessenen Situationen:
1.) In dieser Kaserne gab es ein üppiges, randvolles Depot der Luftwaffe. Viele Soldaten und auch Zivilisten versuchten Lebensmittel und Bekleidung zu ergattern. Mit einem angetrunkenen Intendanten, der zeternd und sich weigernd mit einer Pistole fuchtelte, machten wir alle nicht langen Prozess. Er wurde abgedrängt und jeder nahm sich das, was ihm gerade nötig erschien. Die meisten stürzten sich auf die riesigen Vorräte wie Spirituosen und Zigaretten; ich blieb bei Flieger-Scho-ka-kola und bei einer Luftwaffen-Tarnjacke sowie bei wunderbaren, pelzgefütterten Fliegerhandschuhen.
2.) Der Kommandant meines Panzers schickte mich in das weitläufige Kasernengelände mit dem Auftrag, Ausschau nach Dieselkraftstoff zu halten. Im hintersten Winkel bei den Fahrzeughallen fand ich hoch aufgeschichtete gefüllte Fässer und sah nur eine Möglichkeit, uns weiter fahrbereit zu halten: Ich musste ein oder mehrere Fässer allein zu unserem am Kaserneneingang stehenden Panzer zu rollen. Hinter mir stand aber eine Horde von gefangenen und sich jetzt befreit fühlenden Männern (Russen oder anderen Nationalitäten) mit wild entschlossenen Gesichtern, geballten Fäusten und auch vereinzelt mit Knüppeln ausgestattet, dieses einsame »Nazi-Bürschchen« umzubringen (die Befreier standen schon vor der Stadt!). Mir blieb in meiner Not nichts anderes übrig, als meine P 38 zu ziehen und 2 – 3 dieser Typen laut schreiend anzutreiben, mein Fass zu rollen. Es war erfolgreich! Mit Hilfe einer Handpumpe konnten wir so noch einmal auftanken.

Fortsetzung folgt.
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BeitragBeitrags-Nr.: 200172 | Verfasst am: 26.09.2012 - 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

3.) Während des Auftankens hörte ich aus dem Kasernenblock, welcher dem Kaserneneingang nächstgelegenen war, ein vielhundertfaches Mädchengeschrei, Weinen und Hilferufe. Ich lief zu dem betreffenden Gebäude und fand im 1. Stock eine verschlossene Eisentür. Hinter derselben vernahm ich von vielen Mädchen Weinen und Flehen um Befreiung. Da sich die Tür nicht öffnen ließ, zerschoss ich das Schloss mit mehreren Pistolenschüssen. Aus der Tür quollen Hunderte völlig verzweifelter, ganz junger Flak-Helferinnen zum Teil in Zivil, zum Teil jedoch noch in männlichen Flak-Uniformen. »Die haben uns hier eingeschlossen, damit wir den Amerikanern in die Hände fallen; die Neger werden uns alle vergewaltigen!« Sie flehten uns an: »Nehmt uns bitte mit (nach Thüringen oder Sachsen)!« Ich legte bei unserem Pz.Kdt. ein gutes Wort ein, und wir ließen ca. sechs der armen Mädchen mit ihren kleinen Taschen und Köfferchen auf dem Heck des Panzers aufsitzen.
Unsere Kolonne fuhr nun weiter durch Lippstadt in Richtung Lipperode. Zwei unserer »Panther« ließen wir als Sicherung am Ortseingang von Lipperode zurück. Ein Kamerad aus einem der beiden Panzer schildert die damalige Situation so:
»Auf einer Strasse am Ortseingang von Lippstadt erhielt der erste Panzer mit H. F. als Funker und mit A. P. als Ladeschütze durch eine feindliche Granate einen Kettenschaden. Aus diesem Grunde und wegen Spritmangels wurde dieser Panzer an einer Wegegabelung bei Lipperode eingegraben. Der zweite Panther mit A. Sch. und W. v. S. befand sich in einem Wäldchen in Deckung, als der erste Panther (offenbar nach einem gegnerischen Volltreffer) explodierte und dabei vier unserer Kameraden getötet wurden. Der neben den Panther stehende Fahrer erlitt schwerste Verbrennungen. Dieser berichtete, diese vier Getöteten seien gerade beim Essen gewesen. Der zweite Panther habe sich daraufhin zurückgezogen und habe noch lange unschlüssig an einer Wegegabelung im nächsten Dorf gestanden, bis er schließlich in Richtung Westenholz gefahren sei und dort wieder Anschluss an die übrige Kolonne gefunden habe. Meine persönliche Meinung: Ursache für den Tod der vier Kameraden war vermutlich ein Treffer der Reservemunition, mit der jeder einzelne Panzer beladen war. Unsere beiden gefallenen Kameraden liegen im Sammelgrab, 1. Reihe 26 auf dem Friedhof Lipperode Meines Erachtens müsste auch „der einsame deutsche Panzer zwischen Cappel und Lippstadt, der aber bereits von der Besatzung aufgegeben war“, zu unserer Einheit gehört haben. Es wurde ferner berichtet, dass in den Vormittagsstunden zwei deutsche Panzer vor der Flak-Kaserne gesehen wurden, die sich aber bald in ostwärtige Richtung davonmachten (nach Aussagen eines Augenzeugen sollen diese Panzer nur bis Lipperode bzw. Mettinghausen gekommen sein). In einem dieser Panzer müsste ich damals gesessen haben.«
Unsere Restkolonne mit meinem »Panther« als Führungsfahrzeug durchquerte in schneller Fahrt Lipperode und fuhr in Richtung Mettinghausen. Der Kommandant meines Panzers war ein Feldwebel Sch., der vermutlich derjenige war, der einem Mann bei einem Gehöft V. befohlen haben kann, die weiße Fahne einzuziehen. Verständlich wird dieses Verhalten aus der Erfahrung, dass die Bevölkerung damals offen zeigte, dass sie nichts mehr mit uns deutschen Soldaten zu tun haben wollte; sicher aber nicht, dass wir alle noch unbelehrbare Nazis waren!
Ich erinnere mich noch genau, dass unsere Kolonne von Lipperode aus in ostwärtige Richtung Mettinghausen fuhr. Es muss eine enge Strasse auf einem Damm gewesen sein (Überflutungsgebiet!). Wir erkannten über uns ein sehr tief und langsam fliegendes US-Aufklärungsflugzeug, welches innerhalb von Minuten ein präzise platziertes Artilleriefeuer auf unsere Kolonne lenkte. Bei geschlossenen Luken konnten wir nur unseren armen Luftwaffen-Helferinnen zurufen: »In den Strassengraben und flach hinlegen!«
Dann sahen wir aus Richtung Mettinghausen – Delbrück die ersten Sherman-Panzer, und wir eröffneten das Feuer. Mit einem der ersten Schüsse hatten die Amerikaner unsere rechte Kette getroffen. Sie fiel bei gebrochenem Bolzen der Länge nach auf die Strasse. Ohne jede Deckung und bei starkem Artilleriefeuer war an ein Aufziehen der Kette nicht zu denken. Es kam aber noch viel schlimmer: Unser Motor setzte aus und ließ sich nicht mehr anwerfen. Vom Kommandanten aus dem Panzer geschickt, um nachzusehen, erkannte ich die ganze Bescherung: Die von den Mädchen zurückgelassenen Taschen und Köfferchen waren bei dem starken Artilleriefeuer aufgeplatzt, und die beiden großen rotierenden Motorlüfter am Heck hatten durch ihre Gitter sämtliche Wäschestücke angesaugt und diese hatten alles verstopft.
Bedingt durch den Ausfall unseres Panzers auf der Dammstrasse waren die aus der Umklammerung von Lippstadt ausbrechenden Panzer auf dieser Strecke vollkommen blockiert. Als Melder zu den anderen Panzern zurückbeordert, fand ich zunächst auf der Strasse unseren schwerstverwundeten Kameraden W. v. S. leichenblass und mit völlig durchbluteter Uniform. Ich zog ihn in den Strassengraben zu unseren Luftwaffen-Helferinnen, die sich weiter um ihn kümmerten.
W. v. S. muss sich in der Scheune des Bauern Haselhorst aufgehalten haben, als der »Panther« dort selbst getroffen wurde, die Scheune in Brand geriet und völlig zerstört wurde. Das Chaos an dieser Stelle war perfekt. Unsere Kolonne war genau im Schnittpunkt der sich schließenden Zangenarme der Amerikaner. So ist auch zu erklären, dass unsere Panzer an dieser Stelle ein Gefecht nach vorne und hinten zu führen hatten. – Da auch plötzlich unser schneidiger Feldwebel und Pz.Kdt. (EK I) hier verschwunden war, kam ich mit unserem Funker zu dem Schluss, dass der Krieg an dieser Stelle nicht mehr zu gewinnen war.
Da die sehr schnell aus Nordwesten anrückenden Amerikaner diese Stelle auf dem Dammweg bereits mit MG-Feuer bestrichen, flüchteten wir beide wie die Hasen über die mit Stacheldraht eingezäunten Weiden bis in ein nahes Wäldchen. Der schwerstverwundete Kamerad wurde sehr bald von den Amerikanern gefunden, nachdem ihm zwischenzeitlich beim Bauerngehöft lagernde Fremdarbeiter und Gefangene geholfen hatten. Ein farbiger US-Soldat soll ihn wegen seiner schwarzen (Panzer-) Uniform mit der Pistole bedroht haben: »You SS!« Später eintreffende US-Soldaten sollen ihn aufopfernd gepflegt haben. Ich hatte jahrzehntelang ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen, ihn im Stich gelassen zu haben. Er ist wie durch ein Wunder am Leben geblieben und hat mein Verhalten im Bestreben, der Gefangenschaft zu entgehen, voll akzeptiert. So waren wir ziemlich die letzten Soldaten, die hier dem großen Kessel noch entkamen.

Fortsetzung folgt.
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BeitragBeitrags-Nr.: 200176 | Verfasst am: 27.09.2012 - 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Fluchtartig machten wir uns davon und blieben schwer atmend in einem Wäldchen nahe der Strasse nach Mettinghausen am Boden liegen. Die Amerikaner hatten jetzt die Stelle der stehen gelassenen Panzer erreicht und schossen wild mit MG hinter uns her. Wir beide hatten unsere Maschinenpistolen und die Pistolen 38 aus dem Panzer geholt, mit einem Vorrat an Munition, an Schmalzfleisch und Scho-ka-kola. So wollten wir uns durchschlagen, um wieder Kontakt zu regulären deutschen Truppen zu bekommen.
Wir marschierten den restlichen Tag (Ostersonntag) im Wald parallel einer Strasse, auf der wir in Richtung Senne und Teutoburger Wald lebhaften amerikanischen Verkehr beobachteten. In einem verlassenen Schweinstall übernachteten wir und durchquerten an Sande vorbei – vorwiegend nachts und dabei die Strassen meidend – die Senne mit Sennelager. Hier entdeckten wir – wir hatten nie vorher eine solche Menge Panzer gesehen – zwischen Bäumen getarnt an die hundert Pz. VI »Tiger« mit afrikagelblichem Anstrich, nagelneu, aber alle ohne Zieloptik. Wir schlichen uns weiter an Schlangen vorbei und hatten im Wald eine relativ gute Nacht.
Am 03.04.1945 erreichten wir bei Horn den Teutoburger Wald und sehen erstmals wieder deutsche Truppen. An dem die Strasse flankierenden Einschnitt des Teutoburger Waldes hatten sich ganz junge Fallschirmjäger in Einmann-Löchern eingegraben. An dieser Stelle sahen wir auch schwer verwundete Rekonvaleszenten einer Genesenden-Kompanie mit eingegipsten Armen in sog. »Stukas« [?] und mit allerlei Verbänden. Auch diese Soldaten waren infanteristisch bewaffnet und sollten hier eine Widerstandslinie aufbauen. Von diesen hörten wir die ersten Kommentare zur Sinnlosigkeit dieser Form des Krieges.
Unbehelligt und völlig alleine marschierten wir beide rechts und links der Strasse, wobei der eine etwas mehr vorausging und der andere etwas zurückblieb (wie wir es gelernt hatten). Einmal wurden wir von einem sog. SS-Sonderkommando (?) aufgehalten und mussten uns ausweisen; unsere Waffen legitimierten uns, keine Deserteure zu sein.
Am Abend dieses Marschtages erreichten wir das Dorf Klein-Berkel, kurz vor Hameln. In einer verlassenen Jugendherberge ließ man uns auf den Bänken schlafen. Wir revanchierten uns auf weniger vornehmen Weise, indem wir die treudeutschen, geblümten Übergardinen vom Fenster schnitten, um uns daraus Fußlappen für unsere geschundenen Füße zu machen. Am nächsten Morgen marschierten wir früh los und trafen vor Hameln auf immer mehr Wehrmachtsangehörige. Am westlichen Weserufer holte uns ein mit Soldaten besetzter Lkw ein; das Kommando führte ein Weißhaariger (Major?) mit einer Armbinde des Volkssturmes. Er befahl uns aufzusteigen und erklärte: »Ihr müsst die Waffen abgeben, die brauchen wir zur Verteidigung von Hameln.«
Auf der Weserbrücke standen drei oder vier Sturmhaubitzen mit Tarnanstrich. Wir wurden mit allen anderen Soldaten in eine außerhalb von Hameln gelegene Kaserne gefahren, in der Hunderte von entwaffneten Soldaten verschiedenster Truppenteile bei abgeschlossenem Kasernentor »verwahrt« wurden. In Gesprächen erfuhren wir, dass der uns aufgesammelt habende alte Volkssturm-Offizier Hameln unzerstört an die Amerikaner übergeben wollte und aus diesem Grunde die aufgegriffenen Soldaten kasernierte.
Das ging eindeutig gegen unsere Ehre, und wir kletterten bei einbrechender Dunkelheit über den hohen Kasernenzaun. Man hatte gehört, dass die konfiszierten Waffen alle im Gebäude der Ortsgruppe lägen. Wir beide drangen in der Nacht dort ein, erreichten den 1. Stock das Waffendepot, fanden auch unsere MP’s und suchte weiter nach unseren Magazinen. Da betrat ein höherer HJ- oder Jungvolk-Führer den Raum, es gab ein Gerangel zwischen uns, ein Schuss löste sich, und mein Kamerad J. B. traf den HJ-Führer in den Oberschenkel. Da andere Wächter alarmiert waren, machten wir uns eiligst aus dem Staube.
Am nächsten Tag marschierten wir weiter und hielten auf der Strasse zwischen Hameln und Hildesheim einen mit geheimnisvollen Fu-Geräten ausgestatteten Stabswagen an. Dessen Besatzung gab sich sehr geheimnisvoll und sprach im Sprechfunk von einem »Panzerstützpunkt Nord«. Im Dorf Behrensen wurden wir ausgeladen und suchten uns in einem der an der Strasse liegenden »dicken« Bauernhöfe ein Nachtquartier. Zur Ehre der dortigen Bauern muss gesagt werden, dass alle ihre Höfe überfüllt waren mit Soldaten und geflüchteten Zivilpersonen. Am nächsten Morgen machten wir uns wieder zu Fuß auf den Weg, immer bestrebt, eine intakte (Panzer-)Einheit zu finden, der wir uns anschließen könnten.

Fortsetzung folgt.
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BeitragBeitrags-Nr.: 200177 | Verfasst am: 27.09.2012 - 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

In einem Dorf zwischen Behrensen und Hildesheim stießen wir auf ein an einem Baum angenageltes Holzschild mit dem taktischen Zeichen des springenden Windhundes. Etwas weiter erkannten wir an einem Baum gelehnt einen Oberleutnant mit Ritterkreuz, der eine Flasche in der Hand hielt und leicht schwankte. Wir legten eine zackige Meldung hin, in welcher wir hinwiesen auf die Tatsachen, dass wir marschierend uns bemüht hätten, wieder Anschluss an eine vernünftige Truppe zu gewinnen.
Die Reaktion des etwas desolaten OLt. W. war: »Warum seid ihr nicht nach Hause gegangen, ihr Säcke?« So wurde uns erstmals klar, dass wir kaum mehr helfen konnten, diesen Krieg zu gewinnen. Bei dieser Einheit handelte es sich um die Stabs-Kompanie der Reste der 116. Pz.Division die noch aus dem Ruhrkessel herausgekommen waren.
::::::::::::::::::::
06.04.1945 Aufstellung der KGr. »Graf Brühl«
Hptm. d.R. Helmut Geigenmüller mit 4 Panzerjäger (»Hetzer«) der Pz.Jäg.Abt. 288, einigen Pz.Grenadieren (z.T. auf SPW), Pi.Zug unter Lt. d.R. Reinhold Golly (z.T. auf SPW), Erk.Zug unter Lt. d.R. Gustav Beckmann.
zwei Pz.Kw. V »Panther« unter OLt. Hans-Joachim Weißflog und OLt. Hans-Roland Schmidt, ein Pz.Kw. IV (Nr. 818) unter Fw. Helmut Arnold
Teile der aus dem Ruhrkessel abgeschobenen Divisions-Nsch.Tr., FEB 146, Genesendenlazarett und vmtl. auch der I-Dienste d. Pz.Art.Rgt. 146 unter OLt. Hans Kempe.

BRÜHL, Friedrich August Graf von; Major, *15.05.1913, Beruf: Landwirt
Major RDA 01.10.1944
Hauptmann RDA 01.05.1942
Ritterkreuz: 03.11.1942
WBK: Cottbus
FTT: Pz.Rgt. 2
15.03.1943: Kdr. I./Pz.Rgt. 2
03.12.1943 F.R. OKH, WKdo. VIII
15.02.1944: Kdr. Res.Pz.Abt. 1
00.05.1944: Kdr. II./Pz.Rgt. 16

DEGENHARD, Ernst; Major u. Kdr. Ns.Tr. 66 (*14.10.1896 • †28.05.1988)
::::::::::::::::::::
Dort wurden wir eingeteilt als Bedienung einer 2-cm-Vierlingsflak, die an einem SPW angehängt war. Als Kleinster lag ich ständig in der Persenning, die über die Rohre gezogen war. In dieser Art Hängematte musste ich den Flugmelder (luki-luki) machen.
Bei strömenden Regen ging die Fahr durch die zerstörte und noch brennenden Stadt Hildesheim, und wir erreichten tief in der Nacht Clausthal-Zellerfeld im Harz. Dort übernachteten wir in einer Fabrik.
Am 06.04.1945 lagen wir in einem Waldstück, an welchem eine Strasse vorbeiführte. Typisch für die damalige deutsche Wehrmacht empfand ich, dass ein dicker Finger eines pechschwarz gekleideten Stabsfeldwebels (ohne jegliche Auszeichnung) auf mich deutete und mich vereinnahmend (2 Wochen vor meinem Kriegsende!) anbrüllte: »Du machst ab sofort meinen Putzer!«
Am 07. und 08. April lagen wir mit unserer 2-cm-Vierlingsflak sichernd und ohne Gefechte in Bockwiese, wurden einen Tag später aber wieder nach Clausthal-Zellerfeld beordert und am gleichen Tag wieder nach Bockwiese. Ich erinnere mich nicht an all den Tagen nach unserem Entkommen aus dem Kessel bei Lippstadt, je ein warmes Essen erhalten zu haben. Unsere Verpflegung bestand ausschließlich aus dem erwähnten Schmalzfleisch und Kommissbrot.
Nachts schliefen wir – es war im April im Harz noch bitterkalt – unter zeltförmig aufgestellten hölzernen Schneegittern, wie man sie im Winter an den Strassen sieht, welche wir mit Fichtenreisig abgedeckt hatten.
Am 10.04.1945 wurden wir mit noch einem weiteren Vierlingsgeschütz nach Osterrode-Freiheit geschickt. Dort wurden wir (Siehe: U. Saft, S. 200) mit anderen Teilen der 116. Pz.Div. unter Führung des Majors Graf Brühl als Kampfgruppe gegliedert und auf die Harzverteidigung vorbereitet. Diese Teile der 116. Pz.Div. bei der sich Major Degenhard [DiNaFü] mit seiner Logistik befand, bildeten die Kampfgruppe des Majors Graf v. Brühl. Die Uniformierung dieses Haufens war sehr unterschiedlich, man sah von den »schnieken« schwarzen Panzeruniformen bis zu verdreckten grünlichen Drillichkombinationen alles, was die deutsche Wehrmacht zu bieten hatte. Sehr stolz trugen alle die kleine ovale Blechplakette mit dem springenden Windhund an ihrer linken Mützenseite.
Ich erinnere mich sehr genau, dass häufig von zerkratzten englischen oder amerikanischen Schallplatten ein Schlager abgespielt wurde, der als »das Divisionslied« deklariert wurde (Wochenend und Sonnenschein ...).
Am 11.04.1945 wurden wir wieder nach Clausthal-Zellerfeld zurückverlegt, wo den Tag in einem Wald verbrachten. Hier war es wohl, als wir mit unserem SPW mit angehängtem Vierlingsgeschütz an einer Waldlichtung mit gerodeten Bäumen Rast machten und beim Essen unserer Kaltverpflegung außerordentlich viele Fliegen bemerkten. Die Umgebung absuchend stieß ich auf einer weiteren Lichtung auf eine Gruppe von etwa 30 erschlagenen Häftlingen in gestreiften Anzügen und mit kahl geschorenen Köpfen. Alle waren offensichtlich mit einer Eisenstange erschlagen worden; denn die Schädel waren eingeschlagen. Schussverletzungen sah ich nicht. Nach Zustand der Toten lag der Zeitpunkt ihres Todes nicht lange zurück.
In meinem Tagebuch finde ich unter dem 11. April den Eintrag: »Sicherung der Strasse nach Goslar, abends Verteidigung von Clausthal-Zellerfeld.« Nach meinen Aufzeichnungen erfolgte abends in der Dämmerung der Gegenangriff der »KGr. Brühl« auf Bockswiese (Lautenthal). Die Kolonne fuhr mit zwei »Panthern« an der Spitze und den nachfolgenden SPW die sehr kurvenreiche und enge Strasse donnernd hinauf. Infanterie sicherte an den Strassenrändern. Unser SPW mit der angehängten 2-cm-Vierlingsflak fuhr etwa im ersten Drittel der Kolonne. Nach einiger Zeit hörten wir nahe Detonationen, Lärm von Handwaffenfeuer und sahen Feuerschein. Infanterie brachte Verwundete und Tote in Zeltplanen zurück. Der zweite »Panther« wendete und da die Unternehmung abgebrochen wurde, fuhren auch wir zurück.

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Zuletzt bearbeitet von UHF51 am 09.05.2013 - 15:40, insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 200179 | Verfasst am: 27.09.2012 - 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Eindringlich in meinem Gedächtnis geblieben ist, dass diese Unternehmung nur im Flüsterton abgehalten wurde, obwohl die Panzer im engen Harztal »hinaufdonnerten« und natürlich von den Amerikanern erwartet werden konnten. Schon damals beschlich mich das Gefühl, dass manche Vorgesetzte ihre Unternehmungen mit einem rücksichtslosen Dilettantismus vorbereiteten. Dieses wog umso schwerer, als wir einfache Mannschaften bis zum Kriegsende tagsüber und auch des nachts zum Wacheschieben eingeteilt wurden und dabei nächtlich beobachten konnten, dass sich Offiziere zu Fuß, auf Beiwagenkrädern, mit Pkw und in einem Falle sogar mit einem vollgeladenen SPW davonmachten. Als ich einmal fragte, was diese nächtlichen Aktivitäten zu bedeuten hätten, wurde ich in der üblichen Weise angefahren: »Das geht Sie einen feuchten Käse an!«
Einen Tag später finde ich in meinen Aufzeichnungen: »Ganze Einheit durch den Harz, Durchbruch nach Elend!« Offensichtlich waren schon einige Strassen von den Amerikanern besetzt. Wir mussten uns den Weg über kleinste Waldwege suchen, wobei eine Vielzahl von Pz.-Sperren aus in mannshoch gesprengten Bäumen zu umfahren war. Für uns junge Burschen war es ein besonderer Spaß, dass wir auf einem der wenigen Beute-Jeeps, in einer amerikanischen Beute-Windbluse und unter einem amerikanischen Beute-Helm den Spähtrupp machen durften. Meine Windbluse hatte auf dem Oberarm einen großen Tigerkopf aufgenäht, in dessen Maul ein feindlicher Panzer zerbissen wurde (Nicht auszudenken, was mit uns passiert wäre, hätte man uns in dieser Verkleidung aufgegriffen?). – Wir fühlten sehr mutig und waren dabei auch stolz. Zwei Tage verbrachten wir im Wald bei Elend.
Am 14.04.1945 wurden noch einmal Teile der Einheit zu einem Gegenstoß nach Dammhaus beordert. (Ich frage mich heute noch woher wir unseren Treibstoff noch immer bekamen?) – Am Abend dieses Tages wurden wir bei Dämmerung über Braunlage auf die Strasse in Richtung Bad Harzburg geschickt.
In der Nähe des Torfhauses protzten wir unsere Vierlingsflak ab und sollten mit direktem Schuss die Strasse sperren. Man hatte damals die Erfahrung gemacht, dass die Amerikaner bei Anbruch der Dunkelheit jegliche militärische Aktivität einstellten. Nicht so in diesem Falle. Während wir noch mit der Einrichtung einer Stellung beschäftigt waren, kamen von Braunlage her mit großem Getöse mehrere Lkw voll mit alten Volkssturmmännern herauf gefahren. Während diese mit Befehlsgeschrei und Waffengeschepper von ihren Lkw’s absprangen, um sich zu formieren, hauten die Amerikaner mit einem massiven Granatwerferfeuer in diese Menschenmasse hinein, sodass die Strasse in wenigen Minuten übersät war mit schwer verwundeten, schreienden, stöhnenden alten Männern, mit unzähligen Toten, mit Blut und abgerissenen Extremitäten. Dabei fiel auch einer unserer Kameraden namens Egon.
Wir brachten die vielen Verwundeten in das zu einem Befehlsstand ausgebaute Forsthaus, in dem zwar kein einziger Arzt oder Sanitäter war – dafür umso mehr ratlose Offiziere. Wir packten den Innenraum unseres SPW voll mit ca. zehn Schwerverwundeten, wobei wir sie übereinander legen mussten und sie, je schneller der SPW auf den Waldwegen rumpelte, umso mehr schrieen und stöhnten.
Braunlage war zu dieser Zeit ein einziges Lazarett. Wir hielten beim ersten Haus an und schleppten unsere Verwundeten hinein. Was aus ihnen geworden ist, weiß ich nicht; wir mussten ja weiter.
Den 15.04.1945 verbrachten wir in Braunlage. Jedoch mussten wir später unter MG-Feuer der Amerikaner nach Tanne verlegen. Zurückbeordert nach Elend wollten wir unsere Vierlingsflak an einer Brücke, die über einen Bach führte, für den Erdkampf in Stellung bringen. Diese Brücke lag in einem Tal, und der hier stehende SPW mit angehängter Flak war ein freistehendes Ziel. Alsbald setzte ein sehr starkes Granatwerferfeuer ein, dem die ganze Geschützbedienung, also ca. 5 – 6 Mann, mangels anderer Deckung nur entgehen konnte, indem sie sich unter die Wanne des SPW legte.
Mein Kopf berührte fast die Stiefel des vor mir liegenden Kameraden Uffz. H., als dieser getroffen aufschrie. Ein Granatsplitter hatte seinen Stiefel durchschlagen, aus dem Stiefel quoll massiv Blut. Es war sein rechter Fuß. Da niemand von uns vorher einen SPW gefahren hatte und da dieser getroffene Kamerad der Fahrer war, mussten wir ihm bei starken Schmerzen den verletzten Fuß mit Draht am Gaspedal festbinden. Er wurde dann von uns im nächsten Lazarett abgeliefert.
Ich finde in meinem Tagebuch unter dem 16.04.1945 den Eintrag: »Ein Geschütz weg!« – Näheres dazu ist mir nicht mehr erinnerlich. An diesem Tage fuhren wir sehr weit über Thale und kamen abends in Gernrode an. Nachts schliefen wir in einem Forsthaus.
Am nächsten Tage zog die Rest-Einheit in einem Wald unter. Diese Truppe nannte sich »Einheit Kather«. Wer dieser Kather war, habe ich nie herausgefunden. Im Wald verteilt standen hunderte von Halbkettenfahrzeugen und Lkw der verschiedensten Typen. Auch am nächsten Tag lungerten wir in diesem Wald herum; eindeutige Befehle gab es nicht mehr. Jede Nacht schmolz die Einheit zusammen. Es verblieben eigentlich nur diejenigen zusammen, deren Heimatorte zu weit entfernt lagen. Man sprach jetzt deutlich vom verlorenen Krieg, von der absoluten Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung. Dabei war uns die Vorstellung von einer „Gefangenschaft“ einfach grauenhaft. Am späten Abend des 18.04.1945 schlichen wir beide uns an die ersten Häuser der weiß geflaggten Stadt Gernrode. Wir hatten die Hoffnung, etwas Warmes zu essen zu erhalten und vielleicht noch einmal in einem Haus schlafen zu können. Am nächsten Morgen weckten und die hilfsbereiten Hausbewohner sehr früh und scheuchten uns davon mit den Worten: »Wenn die erfahren, dass wir deutsche Soldaten versteckt haben, werden wir erschossen!«
Wir schlichen uns zurück zu unserem SPW mit Vierlingsflak. Unser Feldwebel erklärte uns, dass jetzt alles zu Ende sei. Wir hätten jedoch die Pflicht, alle Waffen zu zerstören. Unsere 2-cm-Flak ließen wir im Wald eine steile Böschung hinunterfahren. Sie zertrümmerte sich an den alten Buchen. Unsere P 38 zerlegten wir und vergruben sie an einem Baum, nicht ohne die Teile in geölte Lappen verschnürt zu haben und nach einer Markierung zur Lokalisierung an einem Baum. Im Schreibstuben-Lkw wurden jedem übrig gebliebenen Soldaten der Wehrpass übergeben mit der gesiegelten Bemerkung: »Von der Deutschen Wehrmacht entlassen.« Die deutsche Ordnung funktionierte bis zum letzten Tag.
Stundenlang streiften wir durch den Wald und untersuchten Dutzende von verlassenen Fahrzeugen auf Brauchbares. Dabei konnten wir uns nicht entschließen, uns in Gefangenschaft zu begeben. Das Letzte was wir fanden war ein Verpflegungs-Lkw. In diesem fanden wir Faßbutter und Zuckersäcke. Beide Lebensmittel verpackten wir und stopften und stopften sie in unsere Überfallhosen in der Hoffnung, damit die ersten Tage der Gefangenschaft zu überstehen. Dann machten wir uns wieder auf den Weg – der Gefreite J. B. und ich. Wir beide waren währen der letzten Wochen immer zusammen.
Einen Waldweg normal laut herab gehend, sahen wir auf einer steinernen Brücke über einen bach einen US-Soldaten, der uns den Rücken zudrehte. Ein erstes zaghaftes Hallo von uns schien er durch das Rauschen des Baches nicht gehört zu haben. Erst beim zweiten lauteren Zuruf drehte er sich blitzschnell um, entsicherte seine Waffe und rief uns zu: »Hands up, hands up!« Damit war der Krieg für uns zu Ende. Es war der 19. April 1945.

Betr. Einheit "Kather", siehe Tagebuch v. Elterlein:
18.01.1945: Um 10.00 Uhr weiter – über Ouren, durch Furt über deutsche Reichsgrenze – Harspelt – Lützelkampen – Leidenborn nach Ober-Üttfeld (Eifel). Um 14.00 Uhr dort in der Werkstatt (WI »Kather«), »706« instandgesetzt. Gegen Abend trifft Hptm. Kuchenbuch mit dem Rest der Kampfgruppe ein. Nachtruhe in Ober-Üttfeld.


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