Die Dolchstoß - Legende ..
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144745 | Verfasst am: 04.04.2008 - 07:44    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wurden "wir" aus "Naivität übers Ohr gehauen"?. Was wäre die Konsequenz aus der Weiterführung des Krieges gewesen?
Besetzung Deutschlands durch Frankreich / England / Polen ... . Mit dem Kriegseintritt der USA konnte das KR nicht einmal mehr ein Patt herausholen. Die Übermacht war zu groß und der Anteil der USA an den Krieganstrengungen war schon 1918 sehr hoch.
Ob das für die deutsche Bevölkerung angenehmer gewesen wäre?

Übrigens hat die deutsche Militärführung der politischen bedeutet das der Krieg verloren sei und "Frieden" gemacht werden muß. Der Kriegsverlust WAR militärisch.


Ohne das Wilsonsche Lockangebot wäre das sicher nicht so gekommen...und damit evtl. auch kein Versailles...und auch kein Drittes Reich Zwinkern

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144755 | Verfasst am: 04.04.2008 - 10:57    Titel: Antworten mit Zitat

@JH
Was wäre ohne das Wilsonsche Angebot nicht gekommen?

Die direkte Ableitung Vers.Vertr. => 3.R ist doch sehr einfach. Als ob die Länder / Völker zwischen diesen Ereignissen keine Handlungsalternativen gehabt hätten.

gruß
st
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144756 | Verfasst am: 04.04.2008 - 10:59    Titel: Antworten mit Zitat

Deswegen schireb ich ja "evtl" Zwinkern

Wäre das Reich ohne Wilsons Lockungen so einfach in die Friedensfalle getappt?

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144763 | Verfasst am: 04.04.2008 - 11:51    Titel: Antworten mit Zitat

du schriebst "evtl" zum Versailler-Vertrag, zum 3.Reich eben nicht.
Grins


was wäre die Alternative zum Waffenstillstand gewesen?
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144766 | Verfasst am: 04.04.2008 - 11:55    Titel: Antworten mit Zitat

Rückzug auf den Rhein Zwinkern

Die Stimmung in anderen Völkern war nämlich auch ziemlich im Eimer Idee

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144795 | Verfasst am: 04.04.2008 - 16:50    Titel: Antworten mit Zitat

und was hätte der Rückzug auf den Rhein bedeutet?
hätten die anderen Völker deswegen "Frieden" gemachtß
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144796 | Verfasst am: 04.04.2008 - 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Auf jeden Fall eine sehr lange Frist, in der die Westalliierten nicht hätten offensiv werden können, denn die hätten erstmal ihre Logistik vorantreiben müssen Zwinkern

Wäre aber eigentlich schon einen eigenen "Was-wäre-wenn"-Thread wert Grins

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 144817 | Verfasst am: 04.04.2008 - 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Auf jeden Fall eine sehr lange Frist, in der die Westalliierten nicht hätten offensiv werden können, denn die hätten erstmal ihre Logistik vorantreiben müssen Zwinkern
bis dahin verschärft sich der Ernährungsstand in Deutschland ... .
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BeitragBeitrags-Nr.: 145002 | Verfasst am: 07.04.2008 - 20:32    Titel: Antworten mit Zitat

Die Revolution vom 9.November 1918 fand zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt statt. Sie erfasste außer der Arbeiterschaft auch die Marine, das Ersatzheer und schließlich die ganze Etappe. Innerhalb kürzester Zeit brach der Nachschub für die Fronttruppe zusammen, womit jeder weitere militärische Widerstand wurde. Solange das deutsche Heer noch intakt war und die Streitkräfte der Entente fürchten mussten, bei einer Fortsetzung der Kämpfe Hunderttausende von Gefallenen und Verwundeten zu verlieren, mussten sich die alliierten Staatsmänner bei der Formulierung ihrer Waffenstillstands- und Friedensbedingungen noch eine gewisse Mäßigung auferlegen. Mit der Revolution aber lieferte sich Deutschland den Alliierten auf Gnade und Ungnade aus. Der letzte Kanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, der am 9.November zurückgetreten war, schreibt in seinen Erinnerungen, die Revolution habe alle Bemühungen um einen erträglichen Frieden zunichte gemacht. In der Situation des November 1918 hätten "nicht nur die materiellen Machtmittel", sondern auch der "Wille der Völker" abgeschätzt werden müssen:
"Wenn es gegolten hätte, Elsass-Lothringen zu erobern, wären die alliierten Machthaber in der Lage gewesen, ihren Völkern noch einen jahrelangen Krieg zuzumuten, da der endliche Sieg nicht mehr zweifelhaft war. Am 11.November aber war eine andere Situation denkbar: Die Wilson-Bedingungen wären angenommen; die Räumung Belgiens und Nordfrankreichs zugestanden, ja sogar die Räumung Elsass-Lothringens - gegen die Forderung aber, uns zu entwaffnen, stünde das Nein einer zum Äußersten entschlossenen Nation. Dann ist es meine Überzeugung, dass sich unser Wille zum Verzweiflungskampf nur wenige Wochen hätte bewähren brauchten, um den Feinden das Ziel unserer Vernichtung zu verleiden; aus ihren Völkern wäre ein übermächtiger Schrei aufgestiegen: "Wir müssen noch Hunderttausende opfern, bis wir über den Rhein sind. Der Preis ist zu hoch, nur um Fochs Waffenstillstandsbedingungen zu erzwingen." - Von ihren Heimatfronten wäre die Stimmung auf die alliierten Heere übergesprungen, die mit der schlimmsten Jahreszeit und ungeheueren Transportschwierigkeiten zu kämpfen gehabt hätten. Und schließlich wäre der notwendige Offensivwillen erloschen. Neue Verhandlungen wären dann wohl eingeleitet worden. Die Waffenstillstandsbedingungen, die wir dann hätten einnehmen müssen, wären sehr hart gewesen; aber sie hätten Deutschland, das ist mein Glaube, dem Versailler Diktat nicht wehrlos ausgeliefert"!
Am 11. November wurde im Wald von Compiegne der Waffenstillstand unterzeichnet. Die Bedingungen waren sehr hart, das deutsche Heer musste nicht nur die besetzten gebiete, sondern auch das linke Rheinufer innerhalb von nur vierzehn Tagen räumen. Diese außerordentlich kurze Frist hatte zur Folge, dass das Westheer zahllose schwere Waffen sowie große Vorratslager zurücklassen musste. Die übereilte Räumung kam praktisch einer umfassenden Abrüstung des deutschen Heeres gleich. Außerdem sollten die deutschen Kriegsgefangene vorläufig nicht entlassen und die Hungerblockade gegen Deutschland, die vor allem die Zivilbevölkerung traf, bis auf weiteres fortgesetzt werden (sie wurde tatsächlich erst am 14.März 1919 aufgehoben).Die Absicht der Alliierten, Deutschland völlig wehrlos zu machen, war deutlich erkennbar.

Ich glaube, dass hier der wahre Kern der Dolchstoßlegende begraben ist.
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BeitragBeitrags-Nr.: 147245 | Verfasst am: 09.05.2008 - 22:01    Titel: Antworten mit Zitat

das ist eben nachträgliche Aussage, man war dabei die Legende aufzubauen.

Es ist ziemlich gewagt darauf zu setzen dass der Gegner psychologisch versagt, besonders wenn der Gegner gerade einen Erfolg nach dem anderen verbucht. Rollene Augen

Deutsche Militärs, welche noch im Frühjahr bereit waren eine sinnlose Offensive zu starteten, haben gegen Ende 1918 nicht umsonst Frieden gefordert.
Im Westen konnten deutsche Truppen den allierten Offensiven nicht mehr widerstehen, nächste allierte Großoffensive war einprogrammiert und damit nächste große Niederlage mit schweren Verlusten.
Ja, zum Zeitpunkt des Waffenstillstandes war die Front noch nicht zusammengebrochen doch sie stand unmittelbar davor, menschliche Reserven waren
erschöpft, deutsches Heer sah sich gezwungen fast 20 Divisionen (genau muss man nachschauen) aufzulösen, wie soll die Front die nächste Großoffensive überstehen, wenn wieder paar Hunderttausend ausfallen?
Aber der Kräftebedarf erhöhte sich eigentlich denn im September wurde die bolgarische Armee praktisch ausgeschaltet, im Oktober war die Doppelmonarchie endgültig am Ende, eigentlich hätte es DUTZENDE deutsche Divisionen bedurft um auf Balkanen und Italienfront die Situation zu stabilisieren, woher sollten diese kommen? Volkssturm?

Die Wehrmacht befand sich im Sommer 1944 vor der Landung in Normandie und Bagration in einer ähnlichen Situation, noch war die Armee zwar angeschlagen aber doch intakt, entscheidende Bodenverluste gab es nicht, 6 Monate später befand sich die ganze Nation in einem Todeskampf...

1918 war man noch so vernünftig es nicht soweit kommen zu lassen.
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BeitragBeitrags-Nr.: 147428 | Verfasst am: 12.05.2008 - 23:19    Titel: Antworten mit Zitat

1944 verlangte man vom erschöpften Deutschland die bedingungslose Kapitulation. Wieso verlangte man diese nicht auch 1918, wenn man die Situationen angeblich vergleichen kann. Sicher, die Front war stark geschwächt, aber man konnte auf zahlreiche erfahrene Kräfte setzen und die Rüstungsindustrie war nicht wie im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden. Dies hätte für die Alliierten eine große Verlustrate beim Angriff bedeutet. Der Krieg war zwar schon verloren, aber es kam noch darauf an wie teuer der Frieden wird. Im Herbst 1918 wäre eine neue Großoffensive schon aufgrund des Wetters nicht möglich gewesen. Dazu kamen die zahlreichen Hindernisse wie die Hindenburglinie, die Festungen in Elsaß-Lothringen, die Ardennen, Vogesen, sowie der Rhein und der Schwarzwald hinzu, die allesamt günstige Verteidigungslinien bildeten, auf die man sich hätte verlassen können. Ich glaube, wir sind uns einig, dass dieser Krieg an der Westfront entschieden wurde. Die Wilson-Bedingungen waren hart, aber im Gegensatz zum Versailler Vertrag zu verkraften. Und Versailles war möglich, weil sich die zu schnell zurückziehenden Truppen (Material wurde vielfach zurückgelassen) in der von Revolutionswirren lahmgelegten Land massenhaft auflösten und Deutschland dann schutzlos zurückblieb. Ohne Heer drohte Deutschland die Gefahr, völlig eingenommen zu werden. Man darf zudem nicht vergessen, dass GB und Frankreich nur dank amerikanischer Hilfe überhaupt noch standen und das dadurch die Amerikaner den größten Einfluss in der Koaltition hatten. Nachdem sich das deutsche Heer aufgrund der Revolutionswirren mehr oder weniger aufgelöst hatte, konnten GB und Frankreich diesen Krieg auch alleine gewinnen, waren nicht mehr auf die Hilfe der USA angewiesen und konnten Versailles durchsetzen. Das ist der wahre Kern der Dolchstoß-Legende. Das Dritte Reich war die Folge des Ersten Weltkrieges, sondern von Versailles. Ich hoffe, du hast verstanden, was ich gemeint habe.

MfG
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BeitragBeitrags-Nr.: 147459 | Verfasst am: 13.05.2008 - 13:09    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wieso verlangte man diese nicht auch 1918, wenn man die Situationen angeblich vergleichen kann.

zuerst, ich habe die Situation der Armee einem Vergleich unterzogen, nicht die politische Umstände. Dann, was haben die Franzosen und Engländer konkret von Deutschland 1918 verlangt?
Zitat:
Sicher, die Front war stark geschwächt, aber man konnte auf zahlreiche erfahrene Kräfte setzen und die Rüstungsindustrie war nicht wie im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden. Dies hätte für die Alliierten eine große Verlustrate beim Angriff bedeutet.

deutsche Rüstungsindustrie war Mitte 1944 keineswegs zerbombt sondern in Gegenteil, produzierte soviele Waffen wie nie zuvor.
Und Allierter Angriff 1944 bedeutete für sie schwere Verluste, nicht desto trotz wurde er durchgeführt.
Zitat:
Dazu kamen die zahlreichen Hindernisse wie die Hindenburglinie, die Festungen in Elsaß-Lothringen, die Ardennen, Vogesen, sowie der Rhein und der Schwarzwald hinzu, die allesamt günstige Verteidigungslinien bildeten, auf die man sich hätte verlassen können. Ich glaube, wir sind uns einig, dass dieser Krieg an der Westfront entschieden wurde.

das Halten der Westfront bringt wenig wenn die anderen Fronten nicht gehalten werden können. Die Allierten wären durch Balkan und Italien weiter Richtung DR marschiert worden und es gab kaum Kräfte um sie aufzuhalten.
Engländer und Franzosen haben im WW1 die Bereitschaft hohe Verluste hinzunehmen bewiesen, es besteht auch kein Grund zu glauben das USA dazu nicht bereit waren.
Zitat:
Und Versailles war möglich, weil sich die zu schnell zurückziehenden Truppen (Material wurde vielfach zurückgelassen) in der von Revolutionswirren lahmgelegten Land massenhaft auflösten und Deutschland dann schutzlos zurückblieb. Ohne Heer drohte Deutschland die Gefahr, völlig eingenommen zu werden. Man darf zudem nicht vergessen, dass GB und Frankreich nur dank amerikanischer Hilfe überhaupt noch standen und das dadurch die Amerikaner den größten Einfluss in der Koaltition hatten. Nachdem sich das deutsche Heer aufgrund der Revolutionswirren mehr oder weniger aufgelöst hatte, konnten GB und Frankreich diesen Krieg auch alleine gewinnen, waren nicht mehr auf die Hilfe der USA angewiesen und konnten Versailles durchsetzen. Das ist der wahre Kern der Dolchstoß-Legende. Das Dritte Reich war die Folge des Ersten Weltkrieges, sondern von Versailles. Ich hoffe, du hast verstanden, was ich gemeint habe.


ich wiederhole, Hoffnung darauf das die Allierten welcher zuvor jahrenlang erbittersten Widerstand geleistet haben plötzlich zu einem Zeitpunkt ihre Kampfmoral verlieren als der Gegner praktisch geschlagen ist und nur "schlechte Wetter" ihn von einer totalen Niederlage trennt, erscheint mir illusorisch.

Bei Verhandlungen müssen die Politiker handfeste Argumente haben, was blieb der deutschen Politik?
Drohen das man noch halben Jahr lang Widerstand bis zum völligen Zusammenbruch leisten kann? Das soll die gleichen Franzosen welche bei Verdun gegengehalten haben abschrecken?

Versagen deutscher militärischer Führung ließ deutscher Politik KEINEN Verhandlungsspielraum mehr, und die "Sozialisten", ihre Popularität war ebenso eine Folge der sich abzeichnenden militärischen Niederlage.

So wie all die berühmten Generäle und Feldherre ihr eigenes Versagen auf arme Sozialisten und einfache Soldaten und Matrosen abgewälzt haben hat meiner Meinung nach wenig mit Ehre und Tapfersein zu tun.

Ja, Rückzug hinter Rhein und Friedensangebot unter für Deutschland annehmbaren Bedingungen wäre eine mögliche Lösung aber nur als es Deutschland tatsächlich PHYSISCH möglich war glaubhaft darzustellen das deutsche Armee noch jahre lang Widerstand leisten kann.
Ja wenn deutsche Generäle und Admiräle sich proffesioneller verhalten hätten dann
wären sie bereits Ende 1917 an die Politik gewandt, wenn deutsche Eliten wenigstens bissle vernünftig wären dann hätten sie mit Brest-Litowsk es den Allierten nicht vorgemacht wie rücksichtslos man eigenen Sieg ausnutzen kann.
Vielleicht hätten die Herren Admiräle ihre Rechnung über Erfolgsaussichten des U-Boot Krieges nochmal überfliegen können.
Vielleicht hätte Generalstab endlich einsehen sollen das man keine Möglichkeit hatte im Westen eine Entscheidung zu erzwingen, hingegen es im Osten und Süden noch stehts Raum für Bewegungskrieg gab, vielleicht endgültig auf Balkan aufräumen statt neue Offensiven im Westen.

Nur durch dieses hätte und wäre könnte, theoretisch, für deutsche Politik eine handfeste Verhandlungsbasis entstehen.
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BeitragBeitrags-Nr.: 147493 | Verfasst am: 13.05.2008 - 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
zuerst, ich habe die Situation der Armee einem Vergleich unterzogen, nicht die politische Umstände. Dann, was haben die Franzosen und Engländer konkret von Deutschland 1918 verlangt?

Ich kann dir nur sagen, was sie nicht verlangt haben: Die bedingunglose Kapitulation.

Zitat:
deutsche Rüstungsindustrie war Mitte 1944 keineswegs zerbombt sondern in Gegenteil, produzierte soviele Waffen wie nie zuvor.

Die alliierte Luftoffensive im Sommer und Herbst 1944 sorgte für einen massiven Abfall der Produktion. Im Gegensatz dazu steht der Herbst 1918. Soweit ich weiß, gab es damals keinen massiven Produktionsrückgang, der vergleichbar mit 1944/45 gewesen wäre.

Zitat:
Und Allierter Angriff 1944 bedeutete für sie schwere Verluste, nicht desto trotz wurde er durchgeführt.

Im Vergleich zum Jahr 1918 waren die westalliierten Verluste im Westen weitaus geringer. Die Blitzkriegstrategie und die absolute Luftüberlegenheit/Luftherrschaft machten dies möglich.

Zitat:
das Halten der Westfront bringt wenig wenn die anderen Fronten nicht gehalten werden können. Die Allierten wären durch Balkan und Italien weiter Richtung DR marschiert worden und es gab kaum Kräfte um sie aufzuhalten.
Engländer und Franzosen haben im WW1 die Bereitschaft hohe Verluste hinzunehmen bewiesen, es besteht auch kein Grund zu glauben das USA dazu nicht bereit waren.

Du lässt viele Fakten völlig außer acht:
1. Eine Offensive auf dem Balkan wäre erst ab dem Frühjahr 1919 möglich gewesen. Entscheidend ist aber das Jahr 1918, weil hier die Revolution stattfand. Insofern ist der Zusammenbruch der anderen Fronten hier Nebensache.
2. England und Frankreich haben sicher hohe Verluste gehabt, aber waren auch ziemlich am Ende. Amerika würde nur so lange kämpfen, bis Deutschland die gemäßigten Wilson-Punkte annehmen würden. Nur so konnte man hoffen, dass GB und Frankreich mit den deutschen Reparationszahlungen fähig werden, die Schulden zurückzuzahlen. Schließlich war damals die Stimmung weit verbreitet, man würde für die Europäer einen Krieg gewinnen und nicht für sich selbst. Amerika war keinesfalls bereits, derart große Menschenmassen zu opfern wie die Verbündeten. Von daher brachte man die Wilson-Punkte ins Spiel.
3. Ohne Amerikas Hilfe hätten GB und Frankreich weder im Westen noch auf dem Balkan eine Offensive durchführen können. Und im Gegensatz zu seinen Verbündeten wollten die USA Deutschland nicht derart schwächen, wie später im Versailler Vertrag festgelegt wurde.

Zitat:
ich wiederhole, Hoffnung darauf das die Allierten welcher zuvor jahrenlang erbittersten Widerstand geleistet haben plötzlich zu einem Zeitpunkt ihre Kampfmoral verlieren als der Gegner praktisch geschlagen ist und nur "schlechte Wetter" ihn von einer totalen Niederlage trennt, erscheint mir illusorisch.

Es steht wohl außer Frage, dass die Soldaten aller Seiten Frieden wollten. Ebenso steht außer Frage, dass eine totale Niederlage Deutschlands nur unter enormen Menschenopfern zu erkaufen war. Und das war nicht im Sinne der USA, also kam man mit den Wilson-Punkten an.

Zitat:
Bei Verhandlungen müssen die Politiker handfeste Argumente haben, was blieb der deutschen Politik?
Drohen das man noch halben Jahr lang Widerstand bis zum völligen Zusammenbruch leisten kann? Das soll die gleichen Franzosen welche bei Verdun gegengehalten haben abschrecken?

Versagen deutscher militärischer Führung ließ deutscher Politik KEINEN Verhandlungsspielraum mehr, und die "Sozialisten", ihre Popularität war ebenso eine Folge der sich abzeichnenden militärischen Niederlage.

So wie all die berühmten Generäle und Feldherre ihr eigenes Versagen auf arme Sozialisten und einfache Soldaten und Matrosen abgewälzt haben hat meiner Meinung nach wenig mit Ehre und Tapfersein zu tun.

Ja, Rückzug hinter Rhein und Friedensangebot unter für Deutschland annehmbaren Bedingungen wäre eine mögliche Lösung aber nur als es Deutschland tatsächlich PHYSISCH möglich war glaubhaft darzustellen das deutsche Armee noch jahre lang Widerstand leisten kann.
Ja wenn deutsche Generäle und Admiräle sich proffesioneller verhalten hätten dann
wären sie bereits Ende 1917 an die Politik gewandt, wenn deutsche Eliten wenigstens bissle vernünftig wären dann hätten sie mit Brest-Litowsk es den Allierten nicht vorgemacht wie rücksichtslos man eigenen Sieg ausnutzen kann.
Vielleicht hätten die Herren Admiräle ihre Rechnung über Erfolgsaussichten des U-Boot Krieges nochmal überfliegen können.
Vielleicht hätte Generalstab endlich einsehen sollen das man keine Möglichkeit hatte im Westen eine Entscheidung zu erzwingen, hingegen es im Osten und Süden noch stehts Raum für Bewegungskrieg gab, vielleicht endgültig auf Balkan aufräumen statt neue Offensiven im Westen.

Nur durch dieses hätte und wäre könnte, theoretisch, für deutsche Politik eine handfeste Verhandlungsbasis entstehen.

Dieser Abschnitt hier hat wenig Sinn. Die Alliierten sahen in ihrer Erfolgen keineswegs ein baldiges Ende der deutschen Armeen. Daher kam Wilson auch mit seinen 14-Punkten, die zwar hart, aber im Vergleich zum Versailler Vertrag annehmbar waren. Es kommt hier mal wieder darauf an, wie die Menschen damals die Situation sahen. Das Problem bei der Annahme der Wilson-Punkte bestand darin, dass man einerseits die Truppen so schnell zurückzog und so enorme Mengen an Material verlor. Andererseits lösten sich viele Heeresverbände aufgrund der Revolution in der Heimat einfach auf und Deutschland stand ohne Armee da. Nun waren aber England und Frankreich in der Lage, Deutschland den Versailler Vertrag aufzuzwingen, da sie ohne größeren Widerstand in Deutschland einmarschieren konnten. Vorher war dies nicht möglich, da man auf die amerikanischen Streitkräfte setzen musste, um überhaupt vorwärts zu kommen und deren Oberbefehlshaber wollte keinen Versailler Vertrag. Verstehst du? Der Versailler Vertrag wurde erst mit der durch die Revolution bedingte Heeresauflösung in der Heimat möglich. Ohne Revolution hätte sich Deutschland in die von den Wilson-Punkte vorgeschlagenen Räume zurückgezogen und noch ein einigermaßen intaktes Heer gehabt, welche den Waffenstillstand zur Erneuerung hätte nutzen können. Aber nicht, um noch einmal anzugreifen, sondern um sicherzustellen, dass die vom Wilson-Programm festgelegten Punkte auch wirklich durchgesetzt worden wären. Und Amerika hätte diese Punkte auch durchgesetz. Frankreich und England hätte zähneknirschend folgen müssen, weil sie wussten, das sie ohne US-Hilfe Deutschland nicht besiegen konnten. Die Revolution aber hat die ganze Situation verändert und Deutschlands angeschlagenes Heer völlig aufgelöst. Das ist das Wahre an der Dolchstoß-Legende. Der Krieg war verloren, nun kam es darauf an, wie teuer der Frieden werden können. Und aufgrund der Revolution war dieser verdammt teuer!

MfG
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BeitragBeitrags-Nr.: 199184 | Verfasst am: 02.05.2012 - 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Wie bei jeder Legende, ist auch an der DOLCHSTOß-LEGENDE was dran! Die Fronten hatten im Ersten Weltkrieg im Feindgebiet(!) bis zum Waffenstillstand gehalten. Die "Heimatfront" dagegen war zum Kriegsende in einem desolaten Zustand: Zusammenbruch der Grundversorgung der Bevölkerung, Streiks in den Rüstungsbetrieben und wachsende Dienstverweigerungen in den Ersatzeinheiten der Fronttruppen, Meuterei in der untätig in den Häfen vor Anker liegenden Hochseeflotte.
Die Fronten bekamen natürlich mit, was in der Heimat vor sich ging. Soldaten schreiben eifrig Briefe und werden im Urlaub mit der Wirklichkeit konfrontiert. Die "Kriegsmüdigkeit" griff um sich. Kaiser Wilhelm II. verlor endgültig seine "soldatische Haltung" als ihm gemeldet wurde, daß sogar seine Sicherungstruppe, die Sturmeinheit v. Rohr, "unzuverlässig" geworden sei.
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PIV
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BeitragBeitrags-Nr.: 199188 | Verfasst am: 03.05.2012 - 09:26    Titel: Antworten mit Zitat

Die Heimatfront wäre sicher nicht zusammengebrochen, dazu war man in der Bevölkerung selbst 1918 noch zu kaisertreu und obrigkeitshörig dazu. Deshalb hat sich später ja das breite Bürgertum und selbst die Masse der Arbeiter bei den kommunistischen Umsturzversuchen nicht auf deren Seite geschlagen. Wie duldungs-und leidensfähig die deutsche Zivilbevölkerung ist hat ja nicht nur der 1.WK sondern noch viel mehr der 2.WK gezeigt.

Entscheidend war aus meiner Sicht die subversive Wühltätigkeit bis hin zu offener Propaganda von deutschen Kommunisten und Sozialisten in den eigenen Reihen. Insbesondere in der Marine, die ja später nicht ohne Grund den Kern der kommun. Revolutionseinheiten stellte.

Aber auch im Heer. Während das Westheer trotz der schweren und verlustreichen Schlachten moralisch bis zuletzt stark und weitgehend intakt war haben viele Einheiten des Ostheeres, die nach Friedensschluß in Rußland zu den letzten entscheidenden Offensiven in den Westen transportiert worden waren, den Virus der Zersetzung und der bolschewistischen Propaganda mitgebracht. Das alles hat nach Beendigung der letzten dt. Offensiven im Westen, bei denen natürlich wieder vor allem auch die noch immer opfer-und kampfbereiten Soldaten gefallen waren, verheerend unter den Verbliebenen ausgewirkt und Kriegsmüdigkeit und Defätismus gefördert. Vor allem war diese Propaganda zum ersten mal in der Lage, daß Verhältnis zwischen Soldaten und Vorgesetzten in vielen Einheiten zu zerstören und den kommunistischen Gedanken einer "Volksrevolution" unter den Soldaten zu fördern.
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