Marine Aktuell
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Rellem
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BeitragBeitrags-Nr.: 162741 | Verfasst am: 09.11.2008 - 10:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hi @ll
Panzerjäger I hat Folgendes geschrieben:
Schon wieder ein Unfall auf einem russischen Atom-U-Boot. Es ist wohl die Brandunterdrückungsanlage angegangen und hat 20 Todesopfer gefordert!
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,589303,00.html

Im Artikel ist zwar von Chemikalien und Schaum die Rede, es dürfte sie allerdings sehr wahrscheinlich um *Halon-Gas* handeln.
*Halon* ist bei Bränden sehr effektiv allerdings auch tödlich für die Besatzung.
Gruss
Rene
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 162742 | Verfasst am: 09.11.2008 - 11:29    Titel: Antworten mit Zitat

Halon ist weltweit verboten, nur für bestimmte Problemzonen ist die Nutzung mit Übergangsfrist elaubt. Es gibt auch ungiftige Halonverbindungen.
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Fakum12
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BeitragBeitrags-Nr.: 162745 | Verfasst am: 09.11.2008 - 12:11    Titel: Antworten mit Zitat

Das Verbot hat aber ein paar Ausnahmen. In der Luftfahrt werden die sogenannten Halone durchaus noch regulär und unbefristet eingesetzt (z.B. in Handfeuerlöschern oder automatischen Löschanlangen in Triebwerken).
Zwar sind die als Feuerlöschmittel eingesetzten Verbindungen ungiftig, aber da in der Meldung von einem Defekt die Rede ist, ist anzunehmen, das die Soldaten von einer "wild gewordenen", also sich nicht abschaltenen Anlage, erstickt wurden.
Das kann sowohl mit Halonen als auch mit Löschschaum geschehen sein...
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Panzerjäger I
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BeitragBeitrags-Nr.: 162748 | Verfasst am: 09.11.2008 - 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

So, das Marineforum geht davon aus, daß es sich bei dem verunglückten Boot um das K-152 NERPA, ein Boot der verbesserten Akula Klasse, handelt.
Der Bugbereich war betroffen, neben den 20 Toten gab es noch 21 Verletzte.
Zitat:
Erneut hat sich ein schwerer Unfall auf einem nukleargetriebenen U-Boot der russischen Marine ereignet.

Das Boot führte vor der Pazifikküste Erprobungen und Abnahmefahrten durch, als (in der Nacht zum 9. November?) im Bugbereich unvermittelt die Feuerlöschanlage auslöste. Mindestens 20 Menschen erstickten, weitere 21 wurden verletzt. An Bord befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls 208 Menschen; neben den 81 Mann Besatzung viel Werftpersonal. Das Boot selbst (und seine nukleare Antriebsanlage) blieb völlig unbeschädigt. Die Verletzten wurden vom Zerstörer ADMIRAL TRIBUTS (UDALOY-Klasse) aufgenommen und sollen nach Wladiwostok gebracht werden. Das U-Boot selbst läuft einen Ausweichstützpunkt an, wo es am frühen Abend (Ortszeit) des 9. Nov eintreffen soll. Marinebefehlshaber Admiral Vysotskiy und der stellvertretende Verteidigungsminister sind auf dem Weg dorthin.

In ersten Erklärungen schweigt sich die russische Marine noch zu Typ und Namen des U-Bootes aus. Wahrscheinlich handelt es sich aber um die NERPA (K-152), ein nagelneues neues U-Boot der AKULA-Klasse, das für ein Leasing an die indische Marine vorbereitet wird.

http://www.marineforum.info/AKTUELLES/aktuelles.htm

Edit:
War die NERPA.
Zitat:
MOSKAU, 09. November (RIA Novosti). Beim U-Boot, wo bei einem Unfall am Samstag mehr als 20 Menschen getötet wurden, handelt es sich um das Atom-U-Boot "Nerpa", das seit Oktober im Pazifik getestet wurde.

Das teilte ein ranghoher Vertreter der Schiffswerft Amur (Komsomolsk am Amur) RIA Novosti mit. Nach seinen Worten befanden sich zu dem Zeitpunkt des Unfalls führende Ingenieure der Werft an Bord.

Der Unfall ereignete sich in russischen Hoheitsgewässern im Japanischen Meer. Laut Marinesprecher Igor Dijgalo war bei einer Probefahrt das Feuerwehr-System plötzlich losgegangen. Der Atomreaktor wurde nach den offiziellen Angaben nicht beschädigt. An Bord waren insgesamt 208 Insassen. 21 Verletzte konnten bereits evakuiert worden.

Das U-Boot ist derzeit auf Weg zu seinem Hafen in der russischen Fernost-Region Primorje und wird vom großen U-Boot-Abwehrschiff „Admiral Tributs" und dem Rettungsschiff „Sajanij" begleitet.

Das Atom-U-Boot "Nerpa" des Projekts 971 "Shtshuka-B" (Nato-Code: "Akula") war Ende Oktober zu einer Probefahrt in den Pazifik ausgelaufen und absolvierte vorige Woche erfolgreich seinen ersten Tauchgang.

Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt bei einer maximalen Tauchtiefe von 600 Meter 30 Knoten. Die 73-köpfige Besatzung kann 100 Tage lang autonom fahren. Das Atom-U-Boot ist mit vier 533-mm-Torpedorohren und mit vier 650-mm-Torpedorohren ausgerüstet.

Die „Nerpa" war 1991 auf Kiel gelegt worden und soll nach Angaben indischer Medien für zehn Jahre an Indien verleast werden.

Der schwerste Unfall auf einem russischen Atom-U-Boot war der Untergang der „Kursk" im August 2000 in der Barentssee. Damals waren 118 Menschen ums Leben gekommen.

http://de.rian.ru/safety/20081109/118207074.html
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Panzerjäger I
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BeitragBeitrags-Nr.: 162749 | Verfasst am: 09.11.2008 - 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

Also, laut der Frankfurter Rundschau, die sich auf die ITAR-Tass beruft, die sich wiederrum auf die Ermittlungsbehörden beruft (lalala...), handelt es sich bei dem Löschmittel um das Kühlmittel Freon.
Bei dem Unfall kamen demnach 14 Wertarbeiter und 6 Matrosen ums Leben.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/p ... 9_Unfall-auf-russischem-Atom-U-Boot.html

Freon ist lt. Wiki der Markenname des Chemieriesen DuPont, und es handelt sich wohl tatsächlich um Halon.
Kann das jemand verifizieren? Und, wird Freon nur von DuPont vertrieben? Weil es sich dabei um eine US-amerikanische Firma handelt. Würde bedeuten, die Russen fahren auf ihren Atom-U-Booten mit US-Brandunterdrückungsmitteln.
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Rellem
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BeitragBeitrags-Nr.: 162754 | Verfasst am: 09.11.2008 - 16:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hi @ll
@ Hoover
Hoover hat Folgendes geschrieben:
Halon ist weltweit verboten, nur für bestimmte Problemzonen ist die Nutzung mit Übergangsfrist elaubt. Es gibt auch ungiftige Halonverbindungen.

Im Prinzip hast du Recht, für das Militär gilt allerdings eine Ausnahme.
Halon/e wird deshalb verwendet, weil es sehr effektiv ist, in der Volksmarine der DDR war es Standard bei den Feuerlöschanlgen.
Wenn mich mein Gedächtnis aber nicht ganz trügt musste es von Hand bedient werden, um Fehlfunktionen zu vermeiden.
Es war also das allerletzte Mittel.
Gruss
Rene
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Panzerjäger I
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BeitragBeitrags-Nr.: 162757 | Verfasst am: 09.11.2008 - 16:58    Titel: Antworten mit Zitat

Spiegel.online gibt an, daß es nur 3 tote Marineangehörige, aber 17 tote Zivilisten an Bord des U-Bootes gab.
Fraglich ist auch noch, ob an Bord der NERPA zu dem Unglückzeitpunkt auch Inder waren, die das Boot ja leasen möchten.

@Rellem
Zur Brandunterdrückungsanlage steht in dem Artikel:
Zitat:
Auf den U-Booten älterer Bauart konnte das Feuerlöschsystem nur manuell ausgelöst werden.

Schlauer ist man dadurch nicht, da die NERPA ja ein verbessertes "Akula II"-Klasse-Boot ist.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,589335,00.html
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Fakum12
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BeitragBeitrags-Nr.: 162758 | Verfasst am: 09.11.2008 - 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Panzerjäger I hat Folgendes geschrieben:
...und es handelt sich wohl tatsächlich um Halon.


"Halon" alleine gibt es so nicht. Mit Halon werden eine ganze Reihe von Stoffen aus der Gruppe der halogenierte Kohlenwasserstoffe bezeichnet.

Freon ist tatsächlich ein Markenname, aber auch wieder für eine ganze Reihe von Verbindungen...

Aber da es hier um eine Feuerlöschanlage geht, ist vermutlich das Gas

Bromchlordifluormethan, genannt Halon 1211 oder Freon 12B1 gemeint.

Das bedeutet nicht, das auf den russischen Booten ein Produkt einer US Firma verwendet wird - nur weil ein Journalist den Markennamen (von dem es übrigens einige gibt, es stellen etliche Firmen dieses Produkt her) anstelle des "echten" Namens verwendet hat (wer sagt nicht zu Taschentüchern "Tempo")....

Zusammen mit Halon 1301 oder Freon 13B1 ist dieses Gas immer noch das gebräuchliste Löschmittel in militarischen Fahrzeugen. Dieses ist auch die prominenteste Ausnahme des Verbots von Halogenen.


Zuletzt bearbeitet von Fakum12 am 09.11.2008 - 17:53, insgesamt einmal bearbeitet
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Panzerjäger I
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BeitragBeitrags-Nr.: 162761 | Verfasst am: 09.11.2008 - 17:36    Titel: Antworten mit Zitat

@Fakum12
Vielen Dank, da hab ich wieder was gelernt! Gut gemacht!

Edit: Die NERPA hatte gegenüber den älteren Booten ein automatisches Brandunterdrückungssystem.
Zitat:

Der Vorfall ereignete sich im Vorschiff, teilte ein ranghoher Sprecher des Oberkommandos der Pazifikflotte mit. Für die Treibwerke am Heck bestand keine Gefahr.

„Die Feuerlöschsysteme an Bord der modernen U-Boote reagieren automatisch auf Feuer bzw. Rauch und schalten sich ein", hieß es. „Feuer wird dabei zwar schnell bekämpft, aber auch Menschen setzen sich einer tödlichen Gefahr aus, wenn sie keine Atemgeräte bei sich haben."

Laut technischen Unterlagen verfügte das U-Boot über 220 tragbare Atemgeräte. „Die Ermittlung soll feststellen, warum die Insassen die Atemgeräte nicht verwendet haben und warum es so viele Tote gegeben hat."

http://de.rian.ru/safety/20081109/118209150.html
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AG_Wittmann
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BeitragBeitrags-Nr.: 162786 | Verfasst am: 09.11.2008 - 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Soll angeblich "Difluordichlormethan" gewesen sein.

Aber das wird auch als Frigen bzw. FCKW geführt.
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Fakum12
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BeitragBeitrags-Nr.: 162792 | Verfasst am: 09.11.2008 - 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

AG_Wittmann hat Folgendes geschrieben:
Soll angeblich "Difluordichlormethan" gewesen sein.
Aber das wird auch als Frigen bzw. FCKW geführt.

Jep, das wäre dann Freon 12.
Wenn das stimmt wäre das allerdings eine sehr interessante Information!
Zwar wurde Freon 12 auch als Feuerlöschgas patentiert aber praktisch nicht verwendet. Warum? Interessanterweise zerfallen diese Halone bei starker Hitze zu teilweise recht unangenehmen Gasen. Kohlenmonoxid ist da noch das harmloseste.
Aber Freon 12 entwickelt teilweise sehr stark ätzende Gase, was die Halone 1211 und 1301 in sehr viel geringerem Maße machen.

Was wohl sehr stark zu dem Unfall (oder besser gesagt zu der Anzahl der Toten) beigetragen hat, ist das man nicht merkt, wenn man von einem Halogen erstickt wird!
Falls die Sicherheitseinweisung des Personals in diesem Punkt mangelhaft war, dürfte das erklären, warum die Atemgeräte nicht benutzt wurden.
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Panzerjäger I
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BeitragBeitrags-Nr.: 163063 | Verfasst am: 14.11.2008 - 00:40    Titel: Antworten mit Zitat

Jetzt gibt es unterschiedliche Aussagen über die Verantwortlichkeit des Unglückseintritts. Die Untersuchungskommission hat einen Matrosen im Verdacht, der das System ohne Grund eingeschaltet haben soll (also die "manuelle" Variante).
Experten und Kameraden des Matrosen bezweifeln dieses. Das Verteidigungsministerium verweist nur darauf, daß die Untersuchungen weiter laufen.
Auch könnten defekte Gasmasken für die hohe Zahl der Opfer mitverantwortlich sein.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,590247,00.html
http://www.lvz-online.de/brennpunkte/drb.html?p=/content/19534162.html
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 171496 | Verfasst am: 23.05.2009 - 13:46    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nachrichten
Getriebeschäden: Marine muss neue Korvetten stilllegen

Die Korvette "Oldenburg": Bei Testfahrten wurden die Probleme mit dem Getriebe entdeckt.

Die Deutsche Marine muss auf absehbare Zeit auf ihre neuen Korvetten des Typs K130 verzichten. Das berichteten die "Kieler Nachrichten" am Sonnabend. Nach Informationen der Zeitung werden die fünf Neubauten wegen defekter Getriebe vorerst stillgelegt. Ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft K130 - einem Verbund der Werften ThyssenKrupp Marine Systems, Lürssen-Gruppe und Nordseewerke - bestätigte, dass aus allen Schiffen die Getriebe ausgebaut werden müssten. Die Marine und die Werften forderten den Getriebehersteller aus der Schweiz auf, bis zum 12. Juni ein Konzept zur Mängelbeseitigung vorzulegen.


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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 176331 | Verfasst am: 01.10.2009 - 13:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
GRIECHENLAND

Der Streit zwischen dem griechischen Verteidigungsministerium und der deutschen ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) ist weiter eskaliert.

Begonnen hatte alles im September 2006, als die griechische Marine wegen „gravierender technischer Mängel“ überraschend die Übernahme des bei der Kieler HDW gebauten U-Bootes PAPANIKOLIS (Typ 214) verweigerte. Beobachter vermuteten eher finanzielle Gründe. Anscheinend versuchten die Griechen, angesichts eines extrem knappen Budgets um die fällige Zahlung restlicher Gelder herum zu kommen oder den Preis nachträglich zu drücken, zumindest wohl aber die Restzahlungen möglichst weit in die Zukunft verschieben. Obwohl das U-Boot inzwischen alle Zertifikate erhalten hat,wird seine Übernahme (und Bezahlung) bis heute unverändert abgelehnt. Mit den von der TKMS-Tochter Hellenic Shipyards in Griechenland zu bauenden drei weiteren U-Booten Typ 214 hatte man offenbar keine „technischen“ Probleme, auch wenn es Berichte gab, dass der Bau des dritten Bootes sich aus finanziellen Gründen verzögere. Zumindest zwei dieser drei Boote sind inzwischen praktisch fertig, aber von ihrer Übernahme scheint man in Griechenland noch weit entfernt.

Am 21. September hat TKMS nun „die Reißleine gezogen“ und offiziell sämtliche mit dem griechischen Verteidigungsministerium zu U-Booten geschlossenen Verträge gekündigt. Die Kündigung betrifft sowohl die immer noch in Kiel liegende PAPANIKOLIS als auch die Fertigstellung der drei bei Hellenic Shipyards zu bauenden typgleichen Boote sowie die unter Projekt Neptun-II geplante Modernisierung älterer U-Boote Typ 209. Der deutsche Konzern sah sich zu diesem Schritt gezwungen, nachdem Griechenland „seit längerer Zeit seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllt“ habe (die Rede ist von aufgelaufenen Schulden in Höhe von mehr als 500 Mio. Euro) – was das griechische Verteidigungsministerium sofort mit Entrüstung dementierte.

Experten erwarten jetzt (schon im Oktober ?) die Einleitung eines Schiedsverfahrens vor einem „Arbitration Court“. Bei deren Scheitern müsste TKMS natürlich Verluste realisieren, aber für die vier modernen U-Boote Typ 214 (mit außenluftunabhängigem Antrieb) sollten sich bei entsprechender Preisgestaltung auf dem Weltmarkt sicher Abnehmer finden und so zumindest ein Teil der Kosten decken lassen.

Für die griechische Marine und ihre U-Bootkomponente käme ein Scheitern allerdings einer “mittleren Katastrophe” gleich. Natürlich kann sie sich umorientieren, bei anderen Anbietern wie z.B. der französischen DCNS (wo man die Entwicklung sicher aufmerksam beobachtet) nach Alternativen suchen. Aber deren Realisierung dürfte mehrere Jahre dauern. In einer Zeit, in der Regionalrivale Türkei seine U-Bootkomponente zielstrebig modernisiert (mit eingeleiteter Beschaffung von U-Booten Typ 214), würde Griechenland nicht nur keine modernen Boote erhalten, sondern könnte überdies wohl auch die geplante Modernisierung seiner älteren Boote nur mit erheblicher Verzögerung durchführen. Ob Wechsel zu einem anderen Anbieter überhaupt finanzielle Vorteile bringt, sei einmal dahin gestellt. Überdies dürfte jeder ausländische U-Boothersteller angesichts des in den letzten Jahren zu erkennenden griechischen Geschäftsgebarens bei der Vertragsgestaltung übervorsichtig sein. Die griechische Marine könnte damit vor einer jahrelangen Fähigkeitslücke stehen.

Darüber hinaus könnte TKMS auch kaum noch eine Alternative zum Verkauf seiner griechischen Filiale Hellenic Shipyards bleiben. Schon im Frühjahr dieses Jahres waren diesbezügliche Absichten in Medien erörtert worden, wurden damals jedoch noch von der Mutterfirma dementiert. Inzwischen soll Hellenic Shipyards aber offiziell von allen nationalen (griechischen) Aufträgen ausgeschlossen worden sein. Ein Verbleib der griechischen Werft im TKMS-Verbund wäre damit für TKMS nur noch mit Kosten verbunden. Man mag spekulieren, dass die griechische Regierung ganz bewusst Druck ausübt, um sich die Werft „als Schnäppchen“ anzueignen und dann mit der vorhandenen Infrastruktur einen anderen ausländischen Partner zum gemeinsamen U-Bootbau zu suchen. Einem Eigenbau von U-Booten deutschen Designs – und nur solche wurden bisher bei Hellenic Shipyards gebaut - stünden allerdings erhebliche lizenzrechtliche Hindernisse entgegen.



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Winken

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Michael1
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BeitragBeitrags-Nr.: 179952 | Verfasst am: 08.01.2010 - 18:58    Titel: Antworten mit Zitat

Cool Marine klagt über zu wenig Munition

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,670895,00.html

Michael1 Lachen
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