Der deutsche Einsatz in Afghanistan - ISAF
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Kai
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BeitragBeitrags-Nr.: 31250 | Verfasst am: 18.09.2004 - 02:13    Titel: Antworten mit Zitat

Huszar hat Folgendes geschrieben:
Was wäre geschechen, wenn die Politiker nicht so entschieden hätten, dass ein Einsatz in Afghanistan oder im Irak stattfinden sollte? Würden sich dann auch jede Menge Leute melden, und freiwillig in diese Länder gehen?

Glaube, kaum.


Es handelt sich zwar um eine rhetorische Frage, wie an der von dir gegebenen Antwort erkennbar ist, jedoch lasse mich bitte darauf antworten.

a) ich kenne erschreckend viele Soldaten persönlich, die in den Irak wollén...

b) in DEutschland entscheiden immer noch die vom Volke gewählten Vertreter, ob und wo die Bw in einen Auslandseinsatz geht.
Daher kann es auch keine offiziellen Freiwilligenmeldungen geben, ohne dass die Regierung einen Einsatz befiehlt.
Sehr logisch.
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 31257 | Verfasst am: 18.09.2004 - 08:51    Titel: Antworten mit Zitat

Mit einer CDU-Regierung wären wir dick im Irak.

Das ist wohl das einzig Gute von Schröder, dass er da die Bw rausgehalten hat.
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*ALEX*
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BeitragBeitrags-Nr.: 31319 | Verfasst am: 18.09.2004 - 11:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hy,

Zitat:
Ungarn hatte bereits 1933 Gründe dafür sich an Deutschland zu halten.
Zum einen bot Deutschland einen Absatzmarkt für ungarische Agrarprodukte. Zum anderen erhoffte sich Ungarn, daß es mit Hilfe Deutschlands die Auswirkungen des Vertrages von Trianon beheben könnte


Ich möhte mal präzisieren.
Bis zum Anschluss haben wir uns eher an Italien gehalten, Horthy, der ein Mann der alten Garde war, betrachtete Hitler bis zum Schluss als einen kleinen EMporkömling (Horthy war im 1WK bereits Admiral, Hitler nur Korporal). Die WErte, die Horthy und die damalige politische Elite vertrat, war viel näher an denen von Italien drann, als an denen von Deutschland.

Das grösste Problem, dass wir hatten war, dass die Armeeführung extrem deutschfreundlich und antikommunistisch war. Deswegen konnten wir im Oktober 1944 nicht abspringen, und wurden "letzte Schergen des Faschismus".

Bis der Volldepp Szálasi an die Macht kam, war Ungarn nicht NS, oder faschistisch, sondern nur faschistoid -wir hatten keine Diktatur.

Wir haben in erster Linie auf Italien mit der Unterstützung gewartet, Deutschland war nur eben aggressiver, hat die Forderungen eher anerkannt. Dass bedeutete beim Weitem nicht, dass Ungarn sich freute, wieder zwischen 2 Großmächten aufgerieben zu werden.

Sorry, ich kam vom Thema ab... Nix für Ungut!

MfG

Alex
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Jörg-Sebastian
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BeitragBeitrags-Nr.: 33673 | Verfasst am: 01.10.2004 - 17:55    Titel: Antworten mit Zitat

Na klasse! 1 Schwer Verletzter, 2 leicht Verletzte Deutsche Soldaten, und 2 Verletzte schweizerische Kameraden, Mr Struck raucht Pfeife und der Bundestag lässt das Truppenkontigent ein weiteres Jahr in der Hitze Afghanistan schmorren! Faisabad ist im Notfall über den Luftweg erst in 1 1/2 Std. zu erreichen und in 2 Wochen ist Wahl in Afghanistan!
Waum sind wir eigendlich da unten?


MfG

Jörg-Seb.
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49544 | Verfasst am: 10.02.2005 - 09:18    Titel: Antworten mit Zitat

Struck bietet Ausdehnung von Afghanistan-Einsatz an


Eine Ausdehnung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan in weitere nördliche Landesteile hat Bundesverteidigungsminister Peter Struck hat der Nato in Aussicht gestellt. Auch bei der Ausbildung von Sicherheitskräften sei Deutschland zu weiterem Engagement bereit.






HB NIZZA. Die Ausbildung solle aber weiterhin nur außerhalb des Irak erfolgen, bekräftigte Struck am Mittwoch vor einem Treffen mit seinen Nato-Kollegen in Nizza. Das erste Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Frankreich nach dem Rückzug der französischen Regierung aus dem militärischen Bündnisteil 1966 soll kurz vor der Europa-Reise von US-Präsident George W. Bush neuen Zusammenhalt demonstrieren. Rumsfeld rief die Alliierten an Bord eines US-Kriegsschiffes zu schneller Unterstützung für die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte auf. Er räumte aber ein, dass die anhaltende Gewalt einige Länder abschrecken könne.

Struck kündigte an, Deutschland werde mehr Verantwortung in Afghanistan übernehmen. ?Wir haben uns bereit erklärt - ich werde das auch hier vortragen - dass wir die Verantwortung für den Norden übernehmen?, sagte er. Es gebe Überlegungen, dass die Bundeswehr dabei zusätzlich auch eine kleinere Region von britischen Truppen übernimmt, die sich dort in einem halben Jahr zurückziehen könnten. Dafür sei aber ein neuer Bundestagsbeschluss erforderlich. Dieser könne im Oktober fallen, wenn ohnehin über die Verlängerung des Bundeswehrmandates entschieden werden müsse.

Falls die Bundeswehr ihre Aufgabe im Norden ausdehne, würden dafür Soldaten aus der Hauptstadt Kabul abgezogen, sagte Struck. ?Wir werden keine zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan schicken.? Die Bundeswehr hat derzeit etwa 450 ihrer 2250 nach Afghanistan entsandten Soldaten im Norden des Landes stationiert. Sie sollen dort als Teil der von der Nato geführten 8 500 Mann starken Schutztruppe Isaf bei der Stabilisierung des Landes helfen.

Kompromissbereit zeigte sich Struck zu US-Forderungen nach einer engeren Zusammenarbeit beim US-geführten Anti-Terror-Einsatz ?Enduring Freedom? und dem Isaf-Einsatz unter UN-Mandat. Er sei dafür, Synergie-Effekte durch eine gemeinsame Logistik zu nutzen, sagte Struck. Mittelfristig sei auch ein gemeinsamer Kommandeur denkbar. Im Gespräch ist dafür der Nato-Oberkommandierende James Jones, ein US-General. Zunächst gelte es aber die Wahl in Afghanistan abzuwarten, die bis Juni stattfinden soll. Politisch müssten die Mandate von Isaf und Enduring Freedom aber getrennt bleiben, unterstrich Struck.

Deutschland geht damit auf die Forderungen von Großbritannien und den USA ein. Auch Frankreich hat seinen Widerstand gegen eine engere Kooperation beider Einsätze aufgegeben. Die USA hatten ursprünglich eine komplette Übernahme von Enduring Freedom durch die Nato gefordert.



Quelle :

http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200013,200051,857489/SH/0/depot/0/index.html

Jan-Hendrik
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Jörg-Sebastian
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BeitragBeitrags-Nr.: 71891 | Verfasst am: 15.09.2005 - 19:12    Titel: Antworten mit Zitat

So wies aussieht soll sich die NATO an Bekämpfung der Taliban mitbeteiligen. Darunter würden dann ja wohl auch Bundeswehrsoldaten fallen. Mal sehen, was draus wird.

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Meine Meinung : Rückzug aller BW-Soldaten aus Afghanistan , denn unsere Freiheit wird eben nicht "am Hindukusch verteidigt" , wie uns unser Verteidigungsminister ( ist er nicht gelernter Studienrat ? ) weismachen möchte !


Die verteidigungspolitischen Richtlinien von 2003 legen fest, daß die Bundeswehr zum Zwecke der Durchsetzung außenpolitischer Interessen Deutschlands theoretisch an jedem beliebigen Ort der Welt eingreifen kann. Da braucht kein Minister mehr Worte verbiegen, von wegen Landesverteidigung am Hindukusch oder sowas. Das ist jetzt einfach mal so.

Gruß

Jörg
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 76234 | Verfasst am: 03.11.2005 - 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Bundeswehr am Hindukusch


Ein Lageanalyse zum Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan / Erkenntnis von Clausewitz bestätigt sich
von Karl Feldmeyer

Vier Jahre sind seit den Terror-anschlägen auf New York und Washington vergangen. Seither stehen Soldaten der USA und ihrer Verbündeten in Afghanistan. Als der Bundestag der Teilnahme der Bundeswehr an den Operationen "Enduring freedom" (Kampfeinsatz gegen Taliban und al-Qaida) und an der Isaf-Mission zur Sicherung der Hauptstadt Kabul zustimmte, beschränkte sich das Mandat auf die Dauer von sechs Monaten und auf 2.250 Mann. Daß dies angesichts der Probleme unrealistisch war, ließ sich von Anfang an erkennen.

Inzwischen hat das Parlament den Auftrag an die Bundeswehr mehrfach verlängert; nun um ein Jahr bis Oktober 2006. Wie die Dauer des Afghanistan-Engagements derzeit in der Führung der Bundeswehr eingeschätzt wird, gab der derzeitige Befehlshaber des deutschen Afghanistan-Kontingents, General Hans-Christoph Ammon, zu erkennen. Es werde nach seiner Einschätzung noch bis etwa 2015, also "noch gut zehn Jahre" dauern, berichtet Die Welt.

Von einem Wiederaufbau konnte keine Rede sein

Der Einsatz der Bundeswehr wurde seit 2001 aber nicht nur verlängert, sondern auch ausgeweitet. Von Anfang an war klar, daß die Macht von Präsident Hamid Karsai nur so weit reicht wie die der westlichen Truppen, die ihn beschützen. Karsai hat weder eine eigene Hausmacht, noch besitzt er mächtige Verbündete unter den "Warlords", die mit ihren Landsknechtshaufen Teile des Landes unter ihrer Kontrolle halten. Ihre finanzielle Grundlage ist der Anbau von Schlafmohn, den sie zu Opium weiterverarbeiten und verkaufen. Auf illegalen, aber genau bekannten Wegen wird es außer Landes gebracht, dann zumeist durch die Nachfolgestaaten der einstigen Sowjetunion nach Westeuropa transportiert und dort mit hohem Gewinn verkauft - illegal, versteht sich.

Das Gezerre darum, welches Nato-Land die finanzielle und personelle Last der Führung der multinationalen Isaf-Truppe übernehmen mußte - nachdem sich die Briten nach der Anlaufphase des Unternehmens daraus zurückgezogen hatten -, endete 2003 mit der Einigung, diese Aufgabe der Nato zu übertragen. Zugleich wurde aber auch deutlich, daß die Selbstbeschränkung auf Kabul einem Scheitern des Versuchs gleichkäme, landesweite Wahlen und die Annahme einer Verfassung durchzusetzen. Dazu bedurfte es der Fähigkeit, das Land insgesamt zu kontrollieren.

Der Verwirklichung dieses Anspruchs stand aber nicht nur die Tatsache entgegen, daß im Südosten Afghanistans die Amerikaner mit britischer und - zumindest zeitweise - deutscher Hilfe noch dabei waren, Taliban und al-Qaida zu bekämpfen. Dagegen stand vor allem die Weigerung der in Afghanistan engagierten Staaten, die dafür erforderlichen Kräfte bereitzustellen. Schließlich lagen die Bedarfsschätzungen bei 80.000 Mann. Die zu bezahlen war niemand bereit. Außerhalb Kabuls erschien allenfalls eine symbolische Präsenz realisierbar.

So erweiterte man das, was die Amerikaner in einigen Bereichen des Landes bereits begonnen hatten. Die Nato beschloß, das Land mit Provincial Reconstruction Teams (PRTs) zu überziehen, zu deutsch: Einheiten für den Wiederaufbau der Provinz. Daß dieser Begriff von Anfang an ein Euphemismus war, störte nicht, denn damit, worum es wirklich ging, waren alle einverstanden: Die Anwesenheit westlicher Soldaten an zentralen Orten sollte eine psychologische Wirkung ausüben. Es ging darum, die lokalen Matadore von einer offenen Auflehnung gegen die Zentralregierung abzuhalten und sich statt dessen durch eine zumindest formale Anerkennung von Karsai und seiner Zentralregierung mit ihm und den Westmächten zu arrangieren.

Welch geringe Rolle der Wiederaufbau spielte, zeigte sich, als die Bundeswehr 2003 das bis dahin amerikanische PRT in Kunduz im Norden des Landes übernahm: Von den dort stationierten 60 Mann der Amerikaner hatten sich 58 um die Sicherheit und den Unterhalt der Station zu kümmern, während ganze zwei dazu da waren, den örtlichen Potentaten die politische Präsenz Amerikas bewußt zu machen. Von Wiederaufbau konnte keine Rede sein.

Noch etwas hat sich verändert: die Absicht der Nato-Staaten, ihr militärisches Engagement mit der Abhaltung der Wahlen und der Annahme einer Verfassung zu beenden, wie es vor der Entsendung der ersten Isaf-Verbände von den westlichen Außenministern auf dem Petersberg bei Bonn verabredet worden war. Deshalb wurde das Afghanistan-Engagement auch als "Petersberg-Prozeß" bezeichnet. Nun, da sich dieses Vorhaben seinem Ende zuneigt, ohne daß sich Karsai durchgesetzt hätte oder sein Erfolg auch nur absehbar wäre, ist man in der Nato übereingekommen, die militärische Präsenz nicht zu beenden, sondern umzutaufen. Statt vom "Petersberg-Prozeß" spricht man nun nach den Wahlen vom 18. September vom "Post-Bonn-Prozeß".

Hinter diesem Etikett verbirgt sich vor allem eines: eine abermalige Ausweitung des militärischen Engagements der Bundeswehr und der Nato insgesamt. Es sind gerade drei Wochen vergangen, seit der Bundestag am 28. September nicht nur die abermalige Verlängerung des Bundeswehr-Mandats um ein Jahr (genau bis zum 13. Oktober 2006) beschlossen hat, sondern auch eine abermalige Aufstockung des Umfangs des deutschen Kontingents auf nunmehr 3.000 Männer und Frauen. Die erste um 450 Mann hatte bei der Entsendung eines deutschen Verbandes nach Kunduz im Norden Afghanistans im Jahr 2003 stattgefunden.

Künftig sollen 1.400 Soldaten in Kabul, 300 in Kunduz, 150 in dem PRT in Feisabad, etwa 300 Kilometer von Kunduz entfernt, und weitere 300 auf dem Stützpunkt der Luftwaffe Termez in Usbekistan, gleich hinter der afghanischen Grenze stationiert bleiben, wo sich der zentrale Umschlagplatz der Bundeswehr für die Versorgung und den Personalersatz in Afghanistan befindet. Die zusätzlich beschlossenen 300 Mann gehen nach Masar-i-Scharif, eine etwa hunderttausend Einwohner großen Stadt nordöstlich von Kunduz und Feisabad, wo bisher die Briten ein PRT unterhielten. Letztere gehen in den Süden Afghanistans. Das PRT in Masar-i-Scharif übernehmen von März nächsten Jahres an die Schweden.

Die Bundeswehr benötigt die vom Bundestag zusätzlich bewilligten 300 Mann, um in Masar-i-Scharif bis März die Organisation aufzubauen, die sie in der ihr neu übertragenen Führungsfunktion als regionaler Befehlshaber (regional commander) der gesamten Nordregion sowie für das Betreiben des dortigen Flugplatzes benötigt. Er könnte lebenswichtig werden, falls Usbekistan die weitere Nutzung von Termez untersagen würde. Letzteres wird nicht mehr völlig ausgeschlossen, nachdem nicht Deutschland, wohl aber die EU nach den Unruhen gegen die Führung des Landes Sanktionen verhängt hat.

Noch wichtiger als die Ausweitung des deutschen Engagements im Norden aber ist eine andere Änderung des Mandats durch den Bundestag. Sie betrifft die Aufhebung der bisherigen Bindung an die genehmigten Einsatzorte. Künftig können deutsche Soldaten zwar nicht außerhalb der deutschen Stützpunkte ständig stationiert werden, wohl aber abkommandiert und eingesetzt - auch in die Regionen, in denen die Risiken höher sind.

Die Ausweitung der Aufgabenstellung der Bundeswehr ist Teil einer Umstrukturierung des Nato-Einsatzes, durch die sich die Zahl der in Afghanistan stationierten Soldaten aus Nato-Ländern von derzeit etwa zehntausend um mehrere tausend Mann vergrößern wird. Um wie viele es sich insgesamt handelt, konnte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bei seiner Ankündigung am Donnerstag voriger Woche noch nicht genau sagen. Letztlich hängt es davon ab, in welchem Umfang die Partnerländer bereit sind, ihre Kontingente zu erhöhen.

Davon hängt auch ab, inwieweit die Nato in der Lage sein wird, ihr Konzept der flächendeckenden Kontrolle des Landes durch insgesamt 21 PRTs zu realisieren. Es soll schrittweise verwirklicht werden. Dabei übernehmen die fünf Nato-Länder Führungsaufgaben.

Deutschland hat die Leitung im Norden übernommen, wo es selbst die PRTs in Kunduz und Feisabad sowie die forward support base, also das Versorgungszentrum für den gesamten Nordbereich in Masar-i-Scharif unterhält. Insgesamt sind fünf PRTs zu versorgen: die beiden deutschen in Kunduz und Feisabad, das der Schweden in Masar-i-Scharif, das PRT in Maymaneh, das die Norweger von den Briten bereits übernommen haben, und das in Pol-e-Khomri, das von den niederländischen Streitkräften unterhalten wird.

Die Umstrukturierung im Norden Afghanistans ist Teil der neuen Nato-Gesamtstruktur. Sie unterteilt das Land in fünf Regionen: Der Norden bildet die Region eins; der Westen mit Herat als zentralem Ort die Region zwei. Dort haben die Italiener die Führungsaufgabe übernommen. Kabul, Hauptstadt und Sitz der Regierung Karsai sowie des Parlaments, bildet die Region fünf. Sie wurde Frankreich unterstellt.

Die beiden kritischen Regionen sind der Süden, die Region drei mit Kandahar, vor allem aber der Osten, die Region vier. Dort, im Grenzgebiet zu Pakistan sind die Amerikaner bis heute durch die Kämpfer der Taliban und von al-Qaida gebunden. Hier dauert die Operation "Enduring freedom" bis heute an.

Der Schutz allein von Kabul reicht nicht aus

Mit der Umsetzung dieses Planes, der vom Nato-Militärausschuß gebilligt worden ist und im kommenden Monat auch vom Nato-Rat bestätigt werden soll, zieht die Allianz die Konsequenz aus der Einsicht ihrer Mitgliedsstaaten, daß die seinerzeit auf dem Petersberg getroffene Entscheidung, sich auf den Schutz von Kabul zu beschränken, nicht reicht.

Der entscheidende Punkt wird die Ausdehnung der Nato-Struktur auf den Süden, also die Region drei und danach auf die Region vier sein. Die Briten sollen bis Mai im Süden präsent sein. Anschließend will die Nato dann auch die PRTs im Zentrum des Widerstands, der Region vier übernehmen. Damit kommen sie dem Wunsch der Amerikaner nach personeller Entlastung einen wichtigen Schritt entgegen.

Den amerikanischen Wunsch, die Ostprovinz insgesamt zu übernehmen, aber lehnt die Nato ab - und mit ihr die Bundesregierung. Den Kampfauftrag "Enduring freedom" übernimmt die Nato nicht. Er bleibt unter nationaler Verantwortung und Führung der Amerikaner. Die Folge ist eine doppelte Befehls- und Kommandostruktur in dieser Region. Soweit es um die Einheiten geht, die zu "Enduring freedom" gehören, untersteht der amerikanische Befehlshaber vor Ort dem amerikanischen Hauptquartier in Tampa, Florida. Insoweit es sich um die PRTs und die Überwachung des Landes handelt, untersteht er dem Oberbefehl der Nato.

Daß diese Differenzierung zu reiner Theorie werden kann, weil die Kämpfer der Taliban solche Unterscheidungen ignorieren dürften, läßt sich unschwer vorstellen. Deshalb hat Nato-Generalsekretär de Hoop Schefer auch ein "robustes" Mandat für die Nato-Truppen gefordert, die im Laufe des kommenden Jahres zur Entlastung der Amerikaner in den Süden und Osten Afghanistans gehen werden.

Mit dieser neuen Konzeption der flächendeckenden Präsenz nehmen die westlichen Staaten erhebliche Korrekturen an ihrem Konzept vor. Ob damit die Probleme lösbar werden, bleibt abzuwarten. Das zentrale Problem ist die Ohnmacht der Zentralregierung gegenüber den regionalen Machthabern. Ein Beispiel dafür ist der in der Nordregion beheimatete Fahim Khan. Ihn nahm Karsai als Stellvertreter und Verteidigungsminister in seine Regierung auf. Das hinderte Fahim Khan aber nicht, seine Privatarmee mit mehreren tausend Mann, die auch über Panzer verfügten, weiter zu unterhalten und besser zu bezahlen als die Soldaten der von ihm geführten afghanischen Armee. Die Aufgabe, die Zentralregierung in seinem Einflußbereich zu repräsentieren, ignorierte er. Dazu braucht Karsai die Anwesenheit der Bundeswehr.

Und so wie in Kunduz mit Fahim Khan (er ist inzwischen aus dem Amt des Verteidigungsministers ausgeschieden und im Kabinett durch seinen Protegé, den General Dahout als stellvertretender Innenminister ersetzt worden) verhält es sich in Masar-i-Scharif mit General Dostum und seiner Privatarmee und in Herat mit Ismail Khan und an anderen Orten mit anderen Potentaten. Sie alle haben eines gemein: Ihre wichtigste, wenn nicht ihre einzige Geldquelle ist der illegale Drogenhandel. Wer ihre Macht brechen will, um diejenige der Zentralregierung zu begründen, muß ihnen diese Einnahmequelle nehmen. Das wissen alle.

Aber: Wer gegen den Drogenanbau vorgeht, muß mit heftigster Gegenwehr der Drogenbarone und ihres Anhangs rechnen. Das kostet Menschenleben. Deshalb ist es nachvollziehbar, daß die Nato-Länder ihren Soldaten dies ersparen wollen. (Noch-)Verteidigungsminister Peter Struck hat mehrfach klargestellt, daß der Kampf gegen den Drogenanbau nicht zu den Aufgaben der Bundeswehr gehört. Er weiß, warum. Solange die Bundeswehr durch ihre Präsenz im Norden zur allgemeinen Sicherheit (und damit - unfreiwillig - auch zu der der Drogenproduktion) beiträgt, ist sie vor Anschlägen ziemlich sicher. Die Briten, denen diese Aufgabe innerhalb der Nato zugeteilt worden war, haben sie aus ebendiesem Grund nie ernsthaft betrieben. Jetzt ist die afghanische Armee hierfür zuständig, erklärt man - und alle wissen, was dies heißt: keiner. Spricht man mit Verantwortlichen aus der Allianz, die mit Karsai und seiner Regierung zu tun haben, so ist die Enttäuschung nicht zu überhören.

Dabei wäre es technisch kein Problem, den Mohnanbau, die Grundlage des Drogengeschäfts, zu unterbinden. Satelliten, mit denen die EU den Getreideanbau ihrer Bauern bis in den entlegensten Acker kontrolliert, können ebenso den Mohnanbau in Afghanistan kontrollieren. Auch gibt es Chemikalien, mit denen jedes Mohnfeld von Flugzeugen aus besprüht werden kann, um das Wachstum vorzeitig zu beenden. Dazu wären nicht einmal Truppen in Afghanistan erforderlich, ja es wäre vernünftig sie vorher abzuziehen, um sie vor Repressalien zu schützen.

Was fehlt, ist der Wille , dies zu tun. Dafür gibt es gute Gründe, etwa den, die Bevölkerung nicht der Gefahr einer Hungersnot auszusetzen und das Land in ein Chaos zu stürzen. Deshalb denkt im Westen niemand an eine derartige Radikalkur - obwohl der Preis dafür wohlbekannt ist: Die Zahl der Drogenabhängigen in der westlichen Welt wächst weiter und mit ihr die Kosten für die Gesundheitssysteme. Hinzu kommen die Kosten einer Truppenstationierung auf unabsehbare Zeit - sowohl an Menschenleben als auch an Geld.

Dennoch dringt die Allianz nicht auf eine radikale Lösung. Es gehe darum, den Drogenhandel "in den Griff zu bekommen" - nicht ihn auszurotten, denn dies erscheine unter den realen Bedingungen der Politik nicht realisierbar, urteilt man in internen Lagebeurteilungen. Der Geldstrom in die Kassen der Warlords müsse deutlich verringert und der in die Kasse der Zentralregierung in Kabul deutlich erhöht werden, denn nur durch Geld könne sie an Macht gewinnen.

So etwa könnte der Ausweg aussehen. Ob dies tatsächlich geht, wieviel Zeit (und Geld) dafür aufgewandt werden muß und ob eine Zentralregierung, wenn sie denn das Land selbst kontrollieren würde, die Drogenproduktion tatsächlich beenden - oder aber selbst als Einnahmequelle nutzen würde, wie es derzeit ihre Konkurrenten, die Warlords, tun: Alles das sind offene Fragen.

Die Erkenntnis von Clausewitz', daß die letzte freie Entscheidung eines Politikers die ist, in einen Krieg einzutreten, und alles, was danach folgt, ein System von Aushilfen ist, bestätigt sich einmal mehr. Das gilt für die Bundesrepublik. Sie bindet nicht das Interesse an Afghanistan, sondern die Erkenntnis, daß sie sich aus Afghanistan nicht verabschieden darf, solange die Nato dort bleibt.

Eine Bundesrepublik, die ihre Truppen im Alleingang zurückzöge, wäre in der Nato und in Washington politisch erledigt. Das zu verhindern, ist von übergeordnetem Interesse und gibt dem Bundeswehr-Einsatz ein politisches Rational und eine Rechtfertigung, unabhängig von dem, was vor Ort geschieht. Das ist für manchen eine unangenehme und unpopuläre Einsicht, aber nichtsdestotrotz eine notwendige.



"Das Land (Afghanistan) wird zu seiner Normalität zurückfinden, das heißt, es wird wieder von den dort üblichen Stammesrivalitäten geprägt sein. Da sollten wir uns um Gottes Willen nicht einmischen."

Peter Scholl-Latour, Kriegsreporter, in einem Interview mit der "JUNGEN FREIHEIT" vom 19. April 2002



"Dabei pfeifen es jetzt schon die Spatzen von den afghanischen Dächern, daß ausländische Militärangehörige sich tatkräftig an dem einträglichen Drogengeschäft beteiligen. Schon jetzt wird geschätzt, daß die Erlöse aus dem Drogenhandel zehnmal höher sind als jede internationale Hilfe."

Willy Wimmer, CDU-Bundestagsabgeordneter, in einem Offenen Brief an Verteidigungsminister Peter Struck vom 10. September 2003



"Wir verteidigen am Hindukusch in Afghanistan im Kampf gegen den Terrorismus auch Deutschland und unsere Freiheit. Diesen Satz habe ich niemals in Frage stellen müssen."

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" vom 11. Januar 2004



http://www.jf-archiv.de/archiv05/200543102136.htm

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 97810 | Verfasst am: 09.06.2006 - 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Donnerstag, 8. Juni 2006
Afghanistan-Einsatz
NATO droht Taliban

Die NATO hat den radikal-islamischen Taliban in Afghanistan mit einem "robusten und massiven Einsatz" gedroht. Die Verteidigungsminister der Nordatlantischen Allianz beschlossen in Brüssel, ungeachtet zunehmender Terrorakte die Afghanistan-Schutztruppe ISAF noch in diesem Jahr in ganz Afghanistan einzusetzen. Die Zahl der Soldaten soll von bisher 9.000 auf 25.000 erhöht werden. "Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass die ISAF aus dieser Region verjagt werden kann", sagte NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer zu einer Häufung von Anschlägen und Angriffen. "Die NATO kommt. Und sie kommt robust und massiv."


Vollständiger Artikel :

http://www.n-tv.de/676365.html

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Tobias Giebel
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BeitragBeitrags-Nr.: 97811 | Verfasst am: 09.06.2006 - 12:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich bin gespannt wie viele von "uns" da noch runter geschickt werden!

Winken

Gruß
Tobias
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 103573 | Verfasst am: 28.08.2006 - 14:14    Titel: Antworten mit Zitat

Auch auf unsere "Deutschland wir am Hindukusch verteidigt"-Männer kommen anscheinend unguter Zeiten zu :

Zitat:
SELBSTMORDATTENTAT

Schwerer Anschlag im Süden Afghanistans - viele Tote

In der südafghanischen Provinz Helmand sind bei einem Selbstmordattentat 17 Menschen getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Agenturinformationen zufolge sollen bald Bundeswehr-Soldaten in dem umkämpften Gebiet operieren. Die Bundesregierung dementierte dies.


Vollständiger Artikel :

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,433877,00.html

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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 103636 | Verfasst am: 28.08.2006 - 19:52    Titel: Antworten mit Zitat

Das läßt nichts Gutes ahnen :

http://www.bbv-net.de/public/article/nachrichten/politik/ausland/349183

Haarsträubend Verrückt

Dagegen Dagegen

Langsam befürcht ich das Land mutiert zu Entenhausen II !

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 103638 | Verfasst am: 28.08.2006 - 20:50    Titel: Antworten mit Zitat

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,434001,00.html

Was habt ihr alle mit "am Hintukusch verteidigt"...... Rollene Augen

Gruß

Jörg
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BeitragBeitrags-Nr.: 103640 | Verfasst am: 28.08.2006 - 20:53    Titel: Antworten mit Zitat

Ich spiele da auf einen selten dämlichen Satz eines ehem. Verteidigungsministers an , mit dem dieser bescheuerte Einsatz einst öffentlich gerechtfertigt wurde ... Rollene Augen

Dagegen

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 103646 | Verfasst am: 28.08.2006 - 21:19    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Ich spiele da auf einen selten dämlichen Satz eines ehem. Verteidigungsministers an , mit dem dieser bescheuerte Einsatz einst öffentlich gerechtfertigt wurde ... Rollene Augen

Dagegen

Jan-Hendrik


Aber mit 200%iger Sicherheit nicht mit dem Satz.

Gruß

Jörg
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BeitragBeitrags-Nr.: 104474 | Verfasst am: 08.09.2006 - 09:56    Titel: Antworten mit Zitat

Tja , "Mission totally failed" Fragend

Zitat:
Comeback der Scharfmacher und Sittenwächter

Von Babak Khalatbari, Kabul

Vor fünf Jahren stürzten die Taliban. Was als Afghanistans Aufbruch in eine bessere Zukunft begann, droht nun zu scheitern: Der Einfluss der Islamisten wächst wieder, die Demokratisierung rückt in die Ferne - die meisten Afghanen wollen jetzt sogar die einst verhasste Religionspolizei zurück.


Ganzer Artikel :

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,434978,00.html


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Jan-Hendrik
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