Flugplätze bei Celle im 2.WK
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 44082 | Verfasst am: 29.12.2004 - 11:29    Titel: Flugplätze bei Celle im 2.WK Antworten mit Zitat

Wenn jemand Infos dazu hat , die über die Artikel von http://www.Lostplaces,de hinausgehen , der möge bitte laut geben ...

http://www.lostplaces.de/wietzenbruch/index.html

http://www.lostplaces.de/fassberg/index.html

http://www.lostplaces.de/hustedt/index.html

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 44087 | Verfasst am: 29.12.2004 - 12:08    Titel: Antworten mit Zitat

http://www.relikte.com/

Dazu kann ich oben angegebene Seite empfehlen, die sich mit den Hinterlassenschaften des Militärs in Niedersachsen beschäftigt.

Gut gemacht!
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 44089 | Verfasst am: 29.12.2004 - 12:11    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für den Hinweis , Frank2 !

Exzellente Ergänzung zu LostPlaces.de , hab ich gleich zu meinen Lesezeichen hinzu gefügt !

Sollten viel mehr solche Tipps austauschen ...

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49863 | Verfasst am: 13.02.2005 - 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich weiß nicht, ob du es noch als "im Raum Celle" betrachtest, aber einer der interessantesten Fliegerhorste Niedersachsens (bzw. in unserer Gegend), ist Wesendorf, mit ihrer Blindfliegerschule. Sie verfügte zeitweise sogar über 5 Ar 234 Blitz von denen 4 auf dem ehemaligen Gelände des Fliegerhorstes verschrottet wurden. Eine Halle des ehemaligen Flugplatzes existiert noch. Erst vor kurzer Zeit, fand man wieder ein paar Flugzeugteile.
Gruß
Tobias
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49864 | Verfasst am: 13.02.2005 - 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

So eng sehe ich des gar net , werter Tobias .

Wenn Du uns dazu Informationen liefern kannst , immer her damit !

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49879 | Verfasst am: 13.02.2005 - 14:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Hier der erste Teil der Geschichte der Wesendorfer Fliegerhorstes:

Der Fliegerhorst Wesendorf

Als die neue deutsche Luftwaffe im März 1935 offiziell in Leben gerufen wurde, folgte während des Aufbaus zwischen 1935 und 1938 ein umfassendes Programm zur Schaffung von Flugplätzen. Vorhandene zivile Flughäfen wurden modernisiert und befähigt, militärische Einheiten aufzunehmen, zu dem entstand eine große Anzahl neuer Flugplätze, um Einsatz- und Trainingseinheiten der rapide wachsenden Luftwaffe zu beherbergen.

Nach der folgenden Überlieferung standen Unzulänglichkeiten der Technik und der Zufall Pate bei der Standortwahl des RLM für den Bau des Fliegerhorstes Wesendorf. Im Jahre 1935 musste Hauptmann Petersen, der spätere Kommandeur der Blindflugschule Wesendorf, auf dem Weg von Berlin nach Celle mit einer Heinkel Blitz wegen Überhitzung des Motors in der Nähe von Gifhorn notlanden.
Dieses Vorhaben war ein nicht ganz einfaches Unternehmen, wollte man das Flugzeug mit einer Landegeschwindigkeit von immerhin 120km/h ohne Bruch aufsetzen. Dies erforderte immerhin eine Landebahn von mindestens 700-800 Metern Länge. Der damals schon vorhandene Notlandeplatz der Lufthansa bei Gifhorn am Allerkanal entfiel- er war zu kurz.
Eine größere Heidefläche an dem Feldweg zwischen Wesendorf und der Straße Gifhorn-Uelzen, die ohne Baumbestand weithin sichtbar war, erschien Hauptmann Petersen für eine Notlandung geeignet. Sie wurde auch ohne Schwierigkeiten durchgeführt.

Schon während dieser Notlandung soll Petersen der Gedanke gekommen sein, hier ein für eine Blindflugschule besonders geeignetes Gelände ohne größere landwirtschaftliche Nutzflächen gefunden zu haben. Dieser Gedanke wurde von ihm zu einem Plan ausgearbeitet und dem RLM in Berlin vorgetragen. Es bleibt noch zu erwähnen, das Petersen nach der Notlandung und der Behebung der Motorstörung (Kühlstoffverlust) auf dem gleichen Gelände wieder gestartet ist.

Wahrscheinlicher ist jedoch, das schon viel früher die Eignung Wesendorfs als Standort für einen Flugplatz bekannt war und dies den Ausschlag für den Bau gab.

So wurde schon in den Jahren 1918/19 Wesendorf durch die Fliegerschule Braunschweig regelmäßig angeflogen. Im Bereich des späteren Fliegerhorstes war ein Bombenabwurfplatz eingerichtet.

Obwohl noch Hangars stehen, gibt es heute nur noch wenige Spuren der Früheren Luftwaffenvergangenheit. Letzte Überreste, ein teil der Radmontage einer Ju 88 wurde 1962 in der nähe des alten Versorgungsgebäudes gefunden, als deutsche Baufirmen die Überreste des Kellers einer zerstörten Flughalle aufräumten.

Es stellte sich abschließend die Frage, warum Wesendorf nur während der Schlussfase des Krieges angegriffen wurde. Ohne Zweifel war Wesendorf als Schuleinrichtung von begrenzter taktischer Bedeutung. Dies änderte sich, als 1944 operative Verbände mit Strahlenflugzeugen in den Standort verlegten. Der Standort selbst war schon frühzeitig in den Zielinformationen der RAF aufgeführt und deren Planern bekannt.

Am Rande notiert:

- Die Landwirtschaftliche Gruppe der Fliegerhorstkommandantur unterhielt wärend der Kriegszeit eine Seidenraupenzucht zur Seidengewinnung und eine Angora-Kanninchenzucht mit rund 2000 Tieren zur Wollgewinnung. Zum Zweck der Seidenraupensucht wurden im Bereich des Fliegerhorstes Maulbeerbäume gepflanzt, die heute noch in der Kaserne zu finden sind.

- Ab 1944 betrieb in der heutigen Gaststätte Zum Deutschen Haus die Sanitätstruppe ein Notlazarett unter Leitung des Wiener Arztes Dr. Böck. Der Zufall wollte es, das der mit den Amerikanern bei der Besetzung einrückende Truppenarzt ein Studienkollege Böcks war. Beide Mediziner hatten zusammen in Heidelberg studiert.

- Im Offizierskasino sorgten während des Krieges 6-8 Hühner für die Versorgung der Offiziere.

- Die Sporthalle wurde während des Krieges hauptsächlich zur Truppenbetreuung
genutzt. Kinovorführungen, Theatervorstellungen und Wunschkonzerte standen auf dem Programm.

Ab Februar 1945 begann die Ausbildung von Flugzeugpiloten an der Me Bf109. Zwei Me 109 waren ebenso wie die Fw190 im ständigen Trainingseinsatz, um noch möglichst viele Piloten für den Einsatz in der Kriegsendphase zu schulen.

In den ersten Tagen des April 1945 verschärften sich die Angriffe der Alliierten. Schwere Luftangriffe am 1., 4., 7. und 10. April führten zur Zerstörung von vielen Einsatzmaschinen, der Rollbahn und zu schwersten Schäden an den Gebäuden der Werft. Bei einem Angriff fanden über 30 Luftwaffenhelferinnen und mehr als 50 Fremdarbeiter den Tod. Ein Mahnmal und viele Gräber der Gemeinde erinnern heute daran. Vor dem Einmarsch der Amerikaner verlegte der letzte Kommandeur der Blindflugschule, Oberstleutnant Benz mit seiner Jagdgruppe nach Barth in Pommern.

Die Besetzung des Fliegerhorstes Wesendorf durch amerikanische Truppen erfolgte in zwei Etappen. Am 11. April näherten sich Wesendorf amerikanische Panzer aus Richtung Gifhorn, ohne jedoch vom Fliegerhorst- der zu diesem Zeitpunkt bereits von der Wehrmacht geräumt war- Notiz zu nehmen.

Der Abschuss einer dieser Panzer durch einen deutschen Offizier aus dem Lager Birkenkamp führte dazu, das die Panzer zwei Bauernhäuser am Südrand von Wesendorf in Brand schossen. Die Panzer durchquerten Wesendorf, wurden hier jedoch aus Richtung Wahrenholz von liegengebliebenen deutschen Panzern unter Feuer genommen. Daraufhin wichen sie bis Gifhorn zurück. Nach der Zerstörung der deutschen Panzer aus der Luft wurde Wesendorf und der Fliegerhorst schließlich am 13. April 1945 kampflos durch amerikanische Truppen besetzt.

Im Mai 1945 lösten britische Einheiten die Amerikaner ab. Alle gefundenen Maschinen wurden genau auf möglichen technischen Nutzen hin untersucht und, wenn sie ohne bedeutenden Wert waren, zerstört. Dies führte in Wesendorf die Luft-Entwaffnungsabteilung 8301 der RAF durch. Ehemaliges Luftwaffenpersonal wurde, von Experten der RAF überwacht, für diese Arbeit eingesetzt. Die Aufzeichnungen der 8301 zeigen, welche Maschinen in Wesendorf verschrottet wurden:

14 Ju88
7 He111
80 Bf 109
17 Fw 190
1 Fi 156
4 Ar 234
5 Si 204
1 Savoia-Marchetti

Insgesamt 129 Flugzeuge.

Nach Aussage von Oberstleutnant Benz ließ er zusätzlich eine He 177 in Wesendorf zurück. Außerdem wurden 3 Ar 234 unter den Trümmern der bombardierten Hangars gefunden. Besondere Umstände führten zur Stationierung dieser schweren Bomber in Wesendorf. Als 1945 der Vormarsch der Roten Armee das gesamte Netz der Arado - Flugzeugfabriken bedrohten, wurde eine kleine Testabteilung unter dem Decknamen Heidefahrten GmbH nach Wesendorf evakuiert.

Mit Abschluss der Zerstörung der Flugzeuge und Einrichtungen war Wesendorf als Flughafen nicht mehr vorhanden. Die beschädigten Gebäude und Landebahnen wurden allmählich abgetragen.

Weiteres folgt die Tage!
Gruß
Tobias
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49880 | Verfasst am: 13.02.2005 - 15:01    Titel: Antworten mit Zitat

Wow ! Hochinteressant , wie ich finde ! Vor allem der Teil bezüglich der Ereignisse 1945 interessiert mich natürlich besonders . Gib uns ruhig mehr davon !

Jan-Hendrik
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Tobias Giebel
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BeitragBeitrags-Nr.: 49920 | Verfasst am: 13.02.2005 - 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Hier der II. Teil!

Die Erste Fw 58 erreichte Wesendorf am 13. Oktober 1943, kurz darauf folgten weitere vier Maschinen. Bis zum 1. Januar 1943 waren 42.644 Flugstunden absolviert worden. Am 30. November 1943 betrug die Zahl der Trainings-(Flug)-stunden schon 80.965.

Seit dem 15. Oktober 1943 hieß die Schule Flugzeugführerschule B 36. Die ehemalige Flugzeugführerschule B 36 war von 1941-42 in Gardelegen stationiert. Das Personal dieser Einheit- in Verbindung mit schnell zusammengestellten Kräften anderer Flugschulen- wurde zur Unterstützung der im Kessel von Demjansk eingeschlossenen deutschen Truppen eingesetzt.

1943 flogen in Wesendorf neue Prototypen und Maschinen der Null-Serie zur Erprobung.
Unter anderem auch die Ar 240. Dieser schwere Jäger, kam nicht zum Einsatz, da er der Me 410 unterlegen war. Von den drei Ar 240 wurden nach der Erprobung im Juli 1943 zwei Maschinen an das Eiserne Geschwader (Jagdgeschwader 5) nach Russland und eine Ar 240 an die Langstrecken-Aufklärungseinheit 2 (F.) 122 (2. Staffel Fernaufklärungseinheit 122) nach Frosine in Italien abgegeben.

Eine der ungewöhnlichsten Aufgaben der Ausbilder der FFS (B) 36 war das sammeln und überführen einer Vielzahl von Beuteflugzeugen. Einem in Wesendorf stationiertem Piloten wurde zB. Befohlen, einen französischen Block-2000-Bomber vom Flugplatz Prag/Ruzynee abzuholen und ihn zur Erprobungsstelle Ruhlin zur technischen Bewertung zu überführen. Die E-Stelle Ruhlin war das Gegenstück zum Royal Aircraft Establishment in Farnborough.

1944 verfügte die Schule B 36 über die Flugzeugtypen Ju 52, He 111 und einem vergrößerten Typ der Ju 88, die Ju 188.

Im Jahre 1944 begann man die Abstellfläche für die Flugzeuge aus dem unmittelbaren Bereich des Flugfeldes zu verlegen. In den nahegelegenen Wäldern war es möglich, durch Anlegen von Erdwällen gedeckte Einstellplätze zu schaffen. Mit dem Jahr 1944 wurde der Fliegerhorst vermehrt durch Kampfverbände als Basis für operative Einsätze genutzt.

Ende 1942 wurde die Blindflugschule nun unter dem Namen Blindflugschule 6 erneut fest in Wesendorf eingerichtet. Die Hauptaufgabe bestand wiederum darin, Personal der Luftwaffe im Instrumentenflug zu schulen. Die einzigen verfügbaren Aufzeichnungen aus diesem Jahr bestehen in einem bis heute erhaltenen Teil des Kriegstagebuches der Schule, der allerdings nur den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. November 1943 umfasst. Man kann diesen Aufzeichnungen Einzelheiten über Personal- und Normalflugzeugstärke entnehmen.

Datum / Ortsfeste Besatzung zivile Bedienstete / Schüler
1.1.43 / 368 / 203
4.6.43 / 468 / 625
30.11.43 / 470 / 472


Flugzeuge / 1.Jan.1943 / 30.Nov.1943
Ju 52 / 8 / 3
Ju 86 4 5
Ju 88 1 15
He 111 10 2
Bf 110 0 1
Fw 58 0 5
Si 204 0 15

Von Oktober 1940 bis Mai 1941 erfolgte die Erprobung von Lastenlegern für den Westfeldzug. Am 8./9. Dezember 1940 verlegte die III. Gruppe des Transportgeschwaders, mit Teilen aus Wesendorf, nach Foggia in Italien. Grund für den Einsatzt war der Antrag Italiens, italienische Truppen in Albanien durch die Luft mit Hilfe deutscher Flugzeuge zu versorgen. Die Gruppe operierte mit nicht weniger als 53 Ju 52-Maschinen und wurde von erfahrenen Besatzungen geführt, die schon Einsätze bei der Norwegen-Invasion (Unternehmen Weserübung) und dem Westfeldzug geflogen hatten.

1941 begann man die Landebahn der neuen Flugzeuggeneration anzupassen. Sie wurde betoniert und wesentlich verlängert. Hierzu musste die Gifhorner Straße (Wesendorf/Krümme) gesperrt werden. Seither verbindet eine weitere Straße Wesendorf mit der heutigen B4, die sogenannte Celler Straße. Die Betonpiste führte über die Gifhorner Straße bis in das Moor hinein. Diese Landebahn konnte nicht mehr vollständig ausgebaut werden.

Am 1. September 1939 befahl das RLM die Auflösung der Blindflugschule Wesendorf. Ein Teil der Fliegerhorstbesatzung verlegte unter Führung von Hauptmann von Rottberg nach Goslar mit dem Auftrag, die Wettererkundungsgruppe 112 aufzubauen. Diese Wettererkundungsgruppe bestand aus fünf Fernaufklärungsstaffeln und einer Stabsstaffel und war mit der Wester 26 ausgerüstet.

Ihre Aufgabe bestand darin, vor jedem Angriff in den geplanten Einsatzräumen das Fernwetter zu erkunden. Es sei erwähnt, dass die Tradition dieser Gruppe in Goslar durch das Luftwaffenausbildungsregiment 5 weitergeführt wird.

Ein weiterer Teil der Fliegerhorstbesatzung wurde vom alten Kommandeur Petersen übernommen und zum Kampfgeschwader 40 versetzt.

Der dritte Teil, wohl der Größte, mit Kommando- und Ausbildungsleitung, wurde in die Fliegerschule C 12 umbenannt und am 10. September 1939 nach Proßnitz (CSSR) verlegt.
Nach kurzer Zeit verlegte diese Fliegerschule C 12 erneut. Schlechte Platzverhältnisse in Proßnitz machten eine Verlegung nach Prag notwendig. Hier bildete der Pour-le-merite-Träger Otto Könecke Langstreckenflieger mit dem alten Flugzeugbestand der Fliegerhorstes Wesendorf aus.

Wesendorf unterstand jetzt dem Luftgaukommando XI unter Führung von Generalmajor Wollf, mit dem Sitz des Stabes in Hannover. Als Teil des Luftgaukommandis 2 war Wesendorf für militärische Operationen innerhalb der 4. Fliegerdivision eingeplant, deren Stab in Braunschweig-Waggum lag. Die 4. Fliegerdivision führte inzwischen der bereits erwähnte Generalleutnant Keller. Die Fliegerhorstkommandantur stellte die Fliegerhorstkompanie Reinsehlen.

Ende 1939 übernahm die I. und II. Gruppe K.G.z.b.V. 172 (Transportgeschwader 172) ausgestattet mit Personal des Flugkommandos Berlin und der Deutschen Lufthansa, die Blindflug-Trainingsausrüstungen von den Blindflugschulen Wesendorf und Radom (CSSR). Während des Polenfeldzuges erwies sich, dass die unzureichende Blindflug- und Navigations-Ausbildung der Besatzungen von Transportmaschinen in operativen Einheiten die Kampfkraft entscheidend verringert.
Gruß
Tobias
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49934 | Verfasst am: 13.02.2005 - 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Macht sich echt gut ! Alles selbst geschrieben ? Wenn ja , dann könnt man des mit entsprechenden Quellenangaben glatt als Artikel übernhemen , den qualitativ isses sehr OK !

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49950 | Verfasst am: 14.02.2005 - 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Hier jetzt noch ein paar abschließende Infos über Wesendorf:

Im Frühsommer 1940 bereiteten sich 475 Transportflugzeuge auf verschiedenen Flugplätzen für die Invasion der Niederlande und Frankreichs (Fall Gelb) vor. Die Invasion fand zwischen dem 10. Mai und dem 25. Juni statt. Etwa 12 bis 15 dieser Maschinen, Ju 52/3m_Transporter, einige davon von der Lufthansa übernommen, waren in Wesendorf stationiert. Neben den vorhandenen Übungs- und Trainingsflugzeugen waren dies vermutlich die einzigen Einsatzmaschinen, die während jener Zeit in Wesendorf stationiert waren.

Am 1. April 1938 wurde Stollbrock neuer Kommandeur der Blindflugschule, während der oben angesprochene Petersen den Standort verließ, um das KG 40 aufzubauen. Stollbrock blieb bis zu dem 22. November 1939 Kommandeur der Blindflugschule. Am 13. Februar 1940 kam er von einem Aufklärungsflug über England nicht mehr zurück.

Zu erwähnen ist ein Todesfall, der sich Ende 1939 in Wesendorf ereignete: Am 15. November 1939 startete eine zweisitzige He 126 (Sonnenschirm), Aufklärungsmaschine der Heeresaufklärungsgruppe 21, mit der Diensaufschrift P2+A11 zu einem photographischen Aufklärungsflug. Der Pilot war der Gefreite Gabel und der Beobachter Leutnant der Reserve Unsold. Als das Flugzeug die Höhe von 8000 Metern erreichte, bemerkte Gabel, dass sein Beobachter bewusstlos geworden war. Sofort brach er den geplanten Flug ab, um das Leben seines Kameraden zu retten. Für den Leutnant jedoch kam jede Hilfe zu spät.

Seit 1939 überschattete die Vorbereitung des Kriges das Leben auf dem Wesendorfer Fliegerhorst. Im Vorfeld des Polenfeldzuges verlegten am 17. August 1939 fünf Ju 52 von Wesendorf nach Flatow in Pmmern. Gleichzeitig wurde zum Schutz des Fliegerhorstes eine Flak-Batterie im Lager Birkenkamp einquartiert und mit dem Bau von vier Flak-Türmen begonnen (neben der Turnhalle, Kreuzung B4/Ummern, Nähe Wesendorfer Friedhof und Nähe Lager Borkenkamp).

In diesem Jahr entstanden auch die Scheinflugplätze bei Orrel und Wilsche. Diese Nachbauten eines Flugplatzes- ausgestattet mit Flugzeug- und Häuserattrappen- sollten später bei Luftangriffen den Feind in die Irre führen. Durch eine realistische Flugfeldbeleuchtung hoffte man, besonders bei nächtlichen Angriffen, dem Fliegerhorst nachhaltig schützen zu können. Die Scheinflughäfen hatten eine Besatzung von acht Mann.

Die Horstkompanie befand sich im heutigen Block1. Sie hatte eine Stärke von 200 Mann. Der erste Kompaniechef war Oberleutnant Riegels. Die Kompanie verfügte über eine wirtschaftliche Abteilung, stellte das Musikkorps und war außerdem für den Wachdienst verantwortlich.

Der größte Teil der Soldaten, die der technischen Kompanie unterstellt waren, arbeiteten auf der Werft, wo die Flugzeuginstandsetzung erfolgte. Die Flugzeuge wurden in den Hangars (Halle 34 steht noch heute) untergestellt, die Kraftfahrzeuge standen am Rande des Rollfeldes.

Der Fahrzeugpark wurde aus Celle gestellt:
4-5 Peilwagen plus Anhänger (besetzt mit einem Peilfluglehrer, 3 Funkern und dem Kraftfahrer)
1 Omnibus Magirus
1 Mercedes (Pkw, 68 Ps)
2 Kübelwagen
3 LKW
1 BMW-Krad mit Beiwagen


Zur Stamm- und Schülerkompanie gehörten ca. 400 Soldaten, die im Block 3 einquatiert waren. Der erste Kompaniechef war Oberleutnant Kaminski.

Nach Fertigstellung der Funkbaracke mit Funkpeilstation und der Hindernis- und Flugfeldbefeuerung konnte der Flugverkehr im Tag- und Nachtbetrieb, unabhängig von der Wetterlage, aufgenommen werden.
Nur so war es möglich, die erforderliche Leistung von 1500 Flugstunden im Monat mit dem vorhandenem Personal- und Flugzeugbestand zu erreichen. Zu den theoretischen Ausbildungsmaterialien gehörten auch zwei Flugsimulatoren.

Der Blindflug stellte ganz besondere Anforderungen an Navigation, Wetterkunde und Nachrichtenübermittlung. Eine Wettererkundungsstaffel (oben schon angesprochen), die täglich das Wetter einholte ergänzte die Wetterwarte Wesendorf. Zudem bestand ständiger Funkverkehr mit anderen Stationen, um eine sichere Wetterprognose geben zu können.

Geschult wurden Instrumentenflug, also Radarblindflug rund um die Uhr. Eine Form der Ausbildung war der sogenannte Dreiecksflug. Man startete in Wesendorf, flog nach Schwerin, anschließend weiter nach Neuruppin und von dort zurück nach Wesendorf, insgesamt fast 500km.

Ausbildungsziel war es, nur mit Instrumenten einen fremden Flugplatz anzufliegen und dort zu landen, dies alles ohne Funkspruch, sondern nur mit Hilfe der Telegraphie. Der Bordfunker forderte eine Richtpeilung an, die dann durch die Funkpeilstation am Boden ausgesandt wurde.

Erhielt der Funker Landeerlaubnis, flog der Pilot nach Instrumenten ein Funkfeuer an. Dazu wurden die Gardinen im Flugzeug zugezogen. Er setzte dann zur Landung an, berührte kurz mit den Rädern die Rollbahn und startete durch. Dies musste ca. 10 bis 15 Stunden bei Tag und Nacht und bei jeder Witterung geübt werden.

Schon Ende 1936 kam es zum ersten schweren Flugunfall. Traurige Bilanz des Absturzes, der bei einem Übungsflug verunglückten W 34: Fünf Tote, ein Schwerverletzter und ein Leichtverletzter.

Neben Kurzstreckenflügen, dazu zählten die sogenannten Dreiecksflüge, führte man auch Langstreckenflüge durch, zunächst zwischen Wesendorf und Königsberg. Die Ostsee wurde zwischen Stolp und Pillau überflogen. Später kamen weitere Flughäfen, wie zB. Insterburg und Ostpreußen, hinzu.

Auf diesen Strecken bildeten Fluglehrer und Bordfunklehrer grundsätzlich vier Flug- und drei Bordfunkschüler während des Fluges aus.

Eine andere Langstrecke führte von Wesendorf nach München. Bald reichten jedoch die innerdeutschen Langstrecken nicht mehr aus. Man führte mit Italien Verhandlungen und konnte so die Strecke erweitern.

Zweimal pro Woche flogen Besatzungen von Wesendorf mit der Ju 52 via Rom nach Tripolis. Diese Flüge litten häufig unter erheblichen Wetterbedingten Schwierigkeiten. Bei schlechtem Wetter über den Alpen traten bei der Ju Probleme aus. Die mit Bodenladern versehenen Vergasermotoren verloren in Höhe über 3000m stark an Leistung. Dadurch wurde so mancher Alpenflug zu einer riskanten Angelegenheit.

Personal des Fliegerhorstes nahm in der Legion Condor am spanischem Bürgerkrieg teil. So flogen Maschinen der Legion von Wesendorf aus Verpflegung, Kraftstoff und Munition nach Spanien. Frankreich durfte dabei jedoch nicht überflogen werden. Folgende Flugstrecke wurde gewählt: Wesendorf, Alpen, Norditalien, Mittelmeer, Nordafrika, Spanien.

1938 wurden von Wesendorf aus Transporteinheiten für eine Operation in Ostpreußen bereitgestellt und nach Garz (Insel Rügen) verlegt, um aber anscließend unverrichteter Dinge wieder zur Blindflugschule zurück zu kehren. Wahrscheinlich waren diese Maschinen für die Besetzung des Memellandes vorgesehen. Im gleichen Jahr starteten Flugzeuge in Wesendorf zu Propagandaflügen über Wien.

Diese Infos sind aus der Standortgeschichte der Bundeswehr. Müde Gut gemacht!
Gruß
Tobias


Zuletzt bearbeitet von Tobias Giebel am 27.12.2010 - 17:31, insgesamt einmal bearbeitet
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 49957 | Verfasst am: 14.02.2005 - 14:53    Titel: Antworten mit Zitat

Absolut gut , junger Mann ! Mein Kompliment ...

Gut gemacht!

Jan-Hendrik
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Rüdiger
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BeitragBeitrags-Nr.: 56435 | Verfasst am: 14.04.2005 - 12:57    Titel: Flugplatz Wesendorf / Scheinflugplatz Wilsche Antworten mit Zitat

Hallo Tobias,

vielen Dank für die super Berichte über den ehemaligen Flugplatz Wesendorf.
In Hinblick auf den Schweinflugplatz Wilsche berichtete ein älterer Wilscher Dorfbewohner aktuell in einem Zeitungsbericht von einigen Savoria-Marchetti Maschinen die dort kurzzeitig gelandet waren. Später landeten fünfzehn HE 111 dort. 13 Flugzeuge wurden bei einem Bombenangriff Anfang April 1945 zerstört und die restlichen 2 später verschrottet.
Somit kann man sagen, das der Scheinflugplatz in Wilsche auch genutzt wurde.

Viele Grüße

Rüdiger
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Tobias Giebel
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BeitragBeitrags-Nr.: 56858 | Verfasst am: 18.04.2005 - 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Wunderschönen guten Tag Rüdiger!

Wenn möglich, würde ich gern mehr darüber erfahren! Man hat ihn richtig als Fliegerhorst genutzt, oder nur als Abstellplatz bzw. Notlandeplatz? Mit welcher Begründung landeten die Heinkel (vielleicht sogar Befehl oder andere Anweisung?)? Hatte der Flugplatz dann noch mehr Personal als meine 8 bisher angenommenen Soldaten? Wie sah es mit der Ausrüstung des Flugplatzes aus? Wäre sehr schön wenn du mir dazu was sagen könntest!
Gruß
Tobias
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 56892 | Verfasst am: 19.04.2005 - 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

Werter Tobias , ich habe das entsprechende Zeitungsmaterial ( auch über den Angriff auf Wesendorf ) von Rüdiger erhalten . Ich werde es einscannen & Dir rüberschicken ,OK ( sobald mein PC wieder vernünftig funktioniert ....) ?

Winken


Jan-Hendrik
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Tobias Giebel
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BeitragBeitrags-Nr.: 56988 | Verfasst am: 20.04.2005 - 17:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Jan-Hendrik!

Danke Dir! Wiedermal Ärger mit der verdammten Technik? Komme momentan aber sowieso nicht dazu meine E-Mails abzurufen, Deshalb habe ich mich auch noch nicht bei Dir gemeldet. Danke nochmal, werde bald wieder offiziell hier drin sein!
Gruß
Tobias


Zuletzt bearbeitet von Tobias Giebel am 01.03.2013 - 16:35, insgesamt einmal bearbeitet
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