Schlacht um Pommern 1945
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 187353 | Verfasst am: 06.08.2010 - 07:16    Titel: Antworten mit Zitat

Der Fullriede-Bericht aus dem KTB der H.Gr.Weichsel zum Kampf um Kolberg:

Feldgrau

Winken

Jan-Hendrik
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Gotrick
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BeitragBeitrags-Nr.: 187475 | Verfasst am: 10.08.2010 - 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Ich suche was zu einer "Kampfgruppe Kaldrack" ...

Wurde gebildet aus Teilen der HUS f.PzGrennies Arnswalde , der KGrFhr. Major Kaldrack ist im Einsatzgebiet Hochzeit am 29.1.45 gefallen .

Hat jemand mehr dazu ??

Winken

Jan-Hendrik


Ich suche auch mehr info über dieses einheit.
Ich habe ein Soldbuch von Feldwebel (Später Oberfeldwebel) Schwerin, die im dieses kampfgruppe war.
Später geht Schwerin zu Kampfgruppe Peinze... jemand mehr info?
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 193031 | Verfasst am: 11.03.2011 - 21:07    Titel: Antworten mit Zitat

Der Murawski wurde übrigens neu aufgelegt!

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Winken

Jan-Hendrik
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hollowhills
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BeitragBeitrags-Nr.: 194580 | Verfasst am: 08.05.2011 - 01:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo-
hier ein Artikel von Generaloberst a.D. Raus, u. a. ehemaliger Kommandeur der 3. Panzerarmee in Pommern 1945

Die Pommernschlacht und Abwehrkämpfe an der Oder : 22. Februar bis
10. März 1945

Von Generaloberst a. D. Raus


Der nachstehende Aufsatz soll einen weiteren Beitrag zur Geschichte der Kämpfe¬
rn Nordostdeutschland bilden. Er beschränkt sich bewußt auf das rein mili¬
tärische. Die grauenhaften Leiden der Zivilbevölkerung mag der Leser an
anderer Stelle finden. Wir verzichten darauf, Folgerungen zu ziehen und ge¬
statten uns nur den Flinweis darauf, daß der Wald gegen eine an Zahl über¬
legene feindliche Infanterie nur schlechten Schutz bietet, ohne Panzer aber
Gegenangriffe, die eine Lage wiederherstellen sollen, im panzergängigen Ge-
lände aussichtslos sind.

Einleitung
Im Zuge der Mitte Januar 1945 einsetzenden russischen Großoffensive
gegen Ostpreußen und Schlesien, gelang es dem Gegner mit stark über¬
legenen Kräften die mit Front nach Ost und Süd kämpfende deutsche
«Heeresgruppe Nord» (G. O. Reinhardt) gegen die Ostsee abzudrängen,
während die anschließende «Heeresgruppe Mitte» (G. O. Harpe) gegen
Schlesien ausweichen mußte. Dadurch brach zwischen beiden eine Lücke
auf, die den Massen des Gegners den Weg nach Pommern freizugeben
drohte. Da infolge der sehr gespannten Lage an allen Fronten nirgends
greifbare Reserven für den sofortigen Einsatz in Pommern zur Verfügung
standen, mußten Heimattruppen des Heeres, der Luftwaffe und Marine
raschest in Verbände zusammengefaßt und zum Schutze Pommerns einge¬
setzt werden. Diese und alle später herangeholten Kampfverbände wurden
zur neuen 11. Armee zusammengefaßt und dem Reichsführer SS. Himmler
unterstellt. Zwecks einheitlicher Leitung aller an der Verteidigung Pom¬
merns mitwirkenden Kräfte wurden seiner «Heeresgruppe Weichsel» auch
die benachbarte 2. Armee (G. O. Weiß) wie auch die südlich anschließende
9. Armee (G. d. Inf. Busse) eingegliedert.
Zur Zeit der vorgeschildertcn Ereignisse leitete ich die Abwehrkämpfe
der 3. Pz. Armee am linken Flügel der Heeresgruppe Nord im Räume
Königsberg. Als diese Kämpfe nach Einschließung der Festung Königsberg
im Westteil des Samlandes zum Stillstand kamen, wurde ich mit meinem
Armeestab herausgelöst und ohne Angabe des Zweckes nach Pommern
beordert. Mit einigen Mitarbeitern voraus, ging die mehrstündige Fahrt
in einem Minenräumboot entlang der Frischen Nehrung an dem « Schlacht¬
schiff Graf Spee» vorbei, dessen Drillingssalven eben über das Haff gegen
Elbing donnerten, in die minenverseuchte Danziger Bucht und von dort
per Eisenbahn nach dem neu einzurichtenden Armeehauptquartier in Rum¬
melsburg. Die Masse des Stabes samt allem Gerät folgte am nächsten Tage
mit einem Dampfer von Pillau nach Gotenhafen, dann per Bahn gleich¬
falls nach Rumnielsburg. Die sofortige Rückfrage bei der Heeresgruppe
Weichsel, der der Stab unterstellt wurde, ergab keine Klärung über den
Zweck der Verlegung. Aber meine für den 13. Februar anberaumte per¬
sönliche Meldung bei Himmler in seinem Hauptquartier, Lager im Prenz¬
lauer Wald, mußte Klarheit über das weitere Schicksal des Armeestabes
bringen.
Indessen gab es einige Tage der Entspannung nach der harten Nerven¬
probe, die die Winterschlacht in Ostpreußen jedem Mitkämpfer abge¬
fordert hatte. Ich selbst fuhr täglich aii die 40 bis 60 km südlich meines
Hauptquartiers gelegenen Frontabschnitte beiderseits der Naht zwischen
der 2. und 3. Armee und gewann an Ort und Stelle wertvolle Eindrücke
über die Lage, das Kampfgelände, den Zustand der Truppe sowie über den
Persönlichkeitswert der Führer. Es beruhigte mich, feststellen zu können,
daß am rechten Flügel der 2. Armee die schlagkräftige Pommersche 32. Gre¬
nadierdivision kämpfte. Weniger günstig sah es am benachbarten Flügel
der 11. Armee aus, wo zusammengewürfelte Verbände, eingangs beschrie¬
bener Art, des improvisierten «Korps Tettau» (Genlt. v. Tettau) beider¬
seits Neustettin auf breiter Front eingesetzt waren. Sie besaßen aber bereits
Kampferfahrung und befanden sich in einer gut ausgebauten Stellung.
Ihnen gegenüber lagen in einem dichten Waldgelände Teile der 1. pol¬
nischen Armee, die keine besondere Aktivität zeigten. Ich hatte den Ein¬
druck, daß die Truppe - wie bisher - imstande sein werde, den gegenüber¬
liegenden Feind abzuwehren, aber keinesfalls befähigt wäre, einem feind¬
lichen Großangriff standzuhalten.
Am 13. 2. fuhr ich, von einigen Mitarbeitern begleitet, über Kolberg-
Stettin per Bahn nach Prenzlau. Im Waldlager Himmlers angekommen,
gelangte ich in Begleitung eines SS-Offiziers in die Baracke des Füh¬
rungsstabes, wo ich durch den Fachberater Himmlers, einem höheren Gene¬
ralstabsoffizier, über die Lage und nächsten Absichten der Heeresgruppe
orientiert wurde. Hier erfuhr ich, daß in kürzester Zeit die Offensive aus
dem Räume südostwärts Stargard beginnen würde, deren Ziel die Aus¬
schaltung der im Räume ostwärts Küstrin versammelten starken Feind¬
kräfte sein sollte. Die zu diesem Zwecke im Bahntransport herangeführten
fünf bis sechs SS-Panzerdivisionen hatten hiezu, unter Führung der n.
Armee (Obergruppenführer Steiner), die feindliche Front südostwärts
Stargard zu durchbrechen, dem Gegner in den Rücken zu stoßen und ihn
zu schlagen. Nach Abschluß dieser vertraulichen Orientierung, die ich
ohne Gegenäußerung zur Kenntnis nahm, erhielt ich eine Einladung
Himmlers zum Abendtisch. Himmler nahm meine Meldung entgegen und
bat mich für 22 Uhr zu einer Aussprache in seine Wohnbaracke. Er bezog
sich auf die bereits erfolgte Orientierung durch seinen Fachberater und
wies darauf hin, daß sowohl der Führer wie auch er der Überzeugung
seien, daß die Offensive bei Stargard den Krieg zu Gunsten Deutschlands
entscheiden werde. Ich sei als erfahrener Panzcrführcr im Auftrag Hitlers
mit meinem Stabe hicher befohlen worden, um diese Offensive zu befeh¬
ligen. Nachdem aber die Kämpfe in Ostpreußen mein Abgehen von dort
nicht rechtzeitig ermöglichten, sei der Obergruppenführer Steiner, der bis¬
herige Führer des III. SS-Panzerkorps, mit dieser Aufgabe betraut worden.
Ich negierte die Erfolgsaussichtcn und schlug mit eingehender Begründung
vor, die herangeführten Kräfte zur Abwehr des mit Sicherheit zu erwar¬
tenden russischen Angriffes bereitzustellen. Keinesfalls dürften aber diese
Kräfte nach mißlungener Offensive wieder abgezogen werden, da dies den
Verlust Pommerns und der dort verbliebenen Truppen zur Folge haben
werde. Anschließend gab ich in einer mehrstündigen Aussprache unter
vier Augen, die zeitweilig einen dramatischen Verlauf nahm, ebenso frei¬
mütig meine Ansicht über die in Ungarn geplante Offensive sowie über
die Kriegführung im Osten nach Stalingrad bekannt. Darüber zu berich¬
ten, würde jedoch den Rahmen dieses Aufsatzes überschreiten. Ich verließ
um 3 Uhr morgens das Dicnstzimmer Himmlers, ohne einen neuen Auf¬
trag erhalten zu haben und kehrte am 14. 2. nach Rummelsburg zurück.
Hier angekommen, setzte ich meine Erkundungsfahrten an die Front
fort. Sie erstreckten sich vorwiegend auf den Bereich des 10. SS-Korps
(Genlt. Krappe) und auf die Stellungen der völlig improvisierten Truppen
des Korps Tettau. Erstercs lag in einer 55 km breiten Wald- und Seenstellung
und bestand aus einer mir bereits bekannten Infanteriedivision
mit halben Ständen und ohne Versorgungseinrichtungen, sowie der mir
gleichfalls bekannten 5. württembergischen Jägerdivision, einer ausge¬
zeichneten Truppe, mit 75 % des normalen Kampfstandes.

In ihrem Verteidigungsabschnitt war das Gelände zum Teil offen und panzergängig.
Über Panzer oder Sturmgeschütze verfügte weder das 10. SS-Korps noch
das Korps Tettati. Die kampfmäßig schwächste Truppe war die Division
«Pommern». Sic bestand aus einem bunten Allerlei von Baupionieren,
Bodenorganisationen der Luftwaffe, Marine-Vermessungseinheiten, Volks-
Sturmbataillonen u.v.a., besaß weder eine Nachrichtenabteilung, noch Ar¬
tillerie, noch Panzerabwehrwaffen (außer Faustpatronen), noch Versor¬
gungseinrichtungen. Selbst die Regimentsführer- und Bataillonsführer¬
stellen waren zum Teil noch unbesetzt. Der Kopfzahl nach war die Division
jedoch stark. Sie verfügte aber nur über Gewehre und einige Maschinen¬
gewehre. Ihre letzten Truppenführer erhielt sie erst nach Beginn der
Kämpfe. Sie wurden aus einer Gruppe von Urlaubern, die zur einge¬
schlossenen Heeresgruppe Kurland zurückkehren wollten, vom Armee¬
führer persönlich auf der Straße aufgegriffen und in seinem Wagen der
Truppe zugeführt. Diese Division des Korps Tettau war nicht in der Front
eingesetzt, sondern hielt die vor dem Polenfeldzug errichtete «Pommern¬
stellung», eine Riegelstellung, besetzt, die sich ostwärts Köslin bis an die
Ostsee erstreckte.
Unterdessen hatte am 15. 2. die Offensive von Stargrad begonnen und
zwei Tage später genau so geendet, wie ich es Himmler in der nächtlichen
Aussprache vortrug. Sie blieb nach geringem Geländegewinn und erheb¬
lichen Verlusten in den russischen Pakfronten stecken. Himmler nahm
daraufhin, wie für diesen Fall von mir beantragt, den Offensivkeü von
6 km Tiefe zurück, um Reserven für die Abwehr des zu erwartenden feind¬
lichen Gegenschlages bereitstellen zu können. Dessen wahrscheinlichen
Verlauf trug ich Himnder am 13. 2. an Hand einer Kartenskizze vor. Meine
eindringliche Warnung, die zur Offensive eingesetzten Pz. Divisionen nicht
vor dem feindlichen Gegenschlag abzugeben, blieb jedoch unbeachtet.
Eine Division nach der anderen rollte in den schlesisch-sächsischen Raum
ab, als ich den Auftrag erhielt, mitternachts vom 21. zum 22. 2. die Führung
der zur Verteidigung Pommerns verbliebenen Truppenverbände von der
11. Armee zu übernehmen.

Vorbereitungen
Hierauf verlegte ich mein Hauptquartier in den Standort der bisherigen
11. Armee nach Plathe (Schloß Bismarck), wo es am 20. 2. eintraf. Von den
nun der Armee unterstellten Truppen wurden die am linken Flügel einge¬
setzten Divisionen des X. SS-Korps und des Korps Tettau bereits gewür¬
digt. An das X. SS-Korps schloß das III. SS-Panzerkorps (Führer Genlt.
Unrein) mit der SS-Panzerdivision «Nederland» und der SS-Panzerdivision
«Germania» an. Ferner waren dem Korps die belgische SS-Freiwilligenlegion
und die Kampfgruppe General Munzel unterstellt. Es handelte sich
durchwegs um kampferprobte, sehr gut bewaffnete Truppen, die aber in¬
folge der in den letzten Kämpfen erlittenen Verluste nur noch 60 % ihrer
vorgesehenen Gefechtsstärke und insgesamt bloß 70 Panzer (Tiger) be-
saßen. Letztere bildeten das Glanzstück der 3. Panzerarmee, die darüber
hinaus weder einen Panzer noch ein Sturmgeschütz aufwies. Die Artillerie
des Korps war intakt. Hingegen hatte die Panzerabwehrwaffe bereits beacht¬
liche Ausfälle zu verzeichnen. Mit diesen Kräften hatte das Korps einen
Kampfabschnitt von 75 km Breite zu verteidigen, der am linken Flügel zum
Teil im Walde verlief, im übrigen offenes Gelände darstellte.
Am rechten Flügel befehligte der Befehlshaber des Wehrkreises II
(Generalleutnant Hörnlein), die in Kampfverbändc gegliederten Ausbildungstruppen
seines Wehrkreises in der Stärke einer Division sowie eine
ihm unterstellte Luftwaffen-Felddivision. Das Westufer der Oder südlich
von Greifenhagen wurde durch ungarische Rekrutenabtedungen und
deutsche Volkssturmbatadlone gesichert. An der Naht zur anschließenden
9. Armee (Gen. d. Infant. Busse) befand sich in einem kleinen Brücken¬
kopf bei Fiddichow eine SS-Kampfgruppe in Stärke eines Regiments unter
Führung des SS-Obersten Skorzeny. Alle vorgenannten Verbände, ver¬
stärkt durch ein «Volksartilleriekorps», waren dem Korps Hörnlein ange¬
gliedert, das den 65 km breiten Frontabschnitt zwischen Madü-See und der
Armeegrenze zu verteidigen hatte. Der linke Flügel stützte sich an den
15 km langen und 2 km breiten Madü-See, der infolge seiner beträchtlichen
Tiefe nirgends durchschreitbar war. Westlich von diesem See lag eine in
10 km Breite angesumpfte Niederung, die bloß an einer Straßenbrücke
besetzt, sonst nur von schwachen Kräften überwacht war. Dagegen erfor¬
derte der weit nach Süden vorspringende Straßenstützpunkt von Pyritz
allein eine Kampfbesatzung von vier Bataillonen. Er war völlig offen, in
panzergängigem Gelände gelegen und lud den Gegner zu einem Zangen¬
angriff ein. Im Räume Greifenhagen stand die Luftwaffen-Felddivision in
einem zergliederten, von dichtem Walde bewachsenen Hügelgelände. Ihr
oblag der Schutz der dort gelegenen Oderbrücke und die Abwehr eines
etwaigen feindlichen Vorstoßes entlang der Oder. Durch eine bei Stettin
erfolgte Anstauung war auch das Zwischengelände zwischen beiden Oder¬
armen überschwemmt, wodurch ein Wassermeer von 1-1,5 km Breite ge¬
schaffen wurde, das für alle Waffen ein mächtiges Hindernis darstellte. Der
Kampfabschnitt des Korps Hörnlein war demnach im Gelände so gut ver¬
ankert, daß die dort eingesetzten, verhältnismäßig schwachen Truppen
auch einem mehrfach überlegenen Gegner die Stime bieten konnten.
Am Nordende des Madü-Sees sammelte sich die 12. SS-Panzergrenadier¬
division «Holstein» zur Verfügung der Heeresgruppe. Sie besaß 60% der
normalen Kampfstärke und verfügte noch über 45 Sturmgeschütze. Mit
ihrem Abtransport wurde gerechnet.
Das Pommernland war an der Wasserscheide zwischen der Netze und
der unmittelbar in die Ostsee mündenden Gewässer, also im Räume der
Hauptverteidigungslinie, ein bewaldetes Hügelland, in dem eine Kette von
Seen eingebettet lag. Nach Norden hin wurde das Gelände allmählich
offener und überging nach der Küste zu in eine weite Ebene, die nur
stellenweise bewaldet und versumpft war. Das Land ist von zahlreichen
Flüssen und Bächen durchzogen, die meist in Seen entspringen und nach
Norden fließen. Sie sind im Quellgebict und meist auch in der Mündung
versumpft und wasserreich. Rega und Persante bilden im Mittellauf und
gegen ihre Mündung zu ein Panzerhindernis. Aber auch mehrere kleine
Flüsse und Bäche, wie die Radiic und Plönc, sind infolge ihrer Wassertiefe
und versumpften Ufer meist nur auf Brücken passierbar. Ein engmaschiges
gut erhaltenes Straßennetz und knapp bis an die Front heranführende lei¬
stungsfähige Eisenbahnen ermöglichten rasche Truppcnvcrschiebungen und
eine klaglose Versorgung selbst der nur mit gemieteten Baucrnwagen aus¬
gestatteten improvisierten Einheiten.
Etwa 5io km hinter der Hauptkampflinie der beiden ostwärtigen
Korps befand sich die bei Neustettin nach Westen abbiegende Fortsetzung
der Pommernstellung. Sie lag im Zuge der Sccnkette in bedecktem Gelände,
war gut ausgebaut, ersparte namhafte Kräfte und konnte mit Vorteil als
Rückhaltstellung ausgenützt werden. Die Führung von Abwehrkämpfen
in süd-nördlicher Richtung konnte sich auf diese Stellung stützen; aber
nördlich von dieser gab es keine im Gelände günstig vorgezeichnete, zu¬
sammenhängende Verteidigungslinie. Einmal gegen Norden durchge¬
brochene Panzerverbände fanden keinen Widerstand an natürlichen Hin¬
dernissen und konnten im freien Räume gut operieren. Eine Ost-West-
Verteidigung hingegen konnte immer wieder an einem der Flüsse festen
Fuß fassen. Sie setzte allerdings ein rechtzeitiges Zurücknehmen der sonst
von der Einschließung bedrohten 2. Armee gegen Westen voraus. Es war
aber weder diese noch eine andere Kampfführung zulässig und vorbereitet,
sondern bloß das unbedingte Halten der HKL befohlen.
Vom Feinde war bekannt, daß er starke Infanterie- und Panzerkräfte im
Räume Märkisch-Friedland und nördlich Küstrin versammelt. An der Naht
zur 2. Armee konnten nur mäßige Feindbewegungen beobachtet werden.
Der Nachbar wußte auch nichts über Angriffsvorbereitungen vor seinem
rechten Flügel zu berichten. Die Gesamtstärke des Gegners wurde auf zwei
bis drei russische und 1 polnische Armee in vorderer Linie und dahinter
aufmarschierende 3 Panzerarmeen, verstärkt durch Infanterieverbände un¬
bekannter Stärke, geschätzt. In der Tat standen den eigenen auf 250 km
Frontbreite eingesetzten 4 Armeekorps mit 8 Divisionen früher geschil¬
derter Prägung, 3 russische Panzerarmeen mit 9 Panzerkorps und 5 Infan-
teriearmccn mit 15 Infanteriekorps und 1 Kavalleriekorps mit Panzerver¬
bänden gegenüber. Den 1600 feindlichen Panzern vermochte die Armee
bloß 70 Tiger entgegenzusetzen.
Der richtige Zeitpunkt für das Antreten des Gegners zur Großorfcnsive
war mit dem Abtransport der letzten deutschen Panzerverbände aus
dem Räume Stargard-Stettin gegeben. Es konnte demnach das ungleiche
Ringen in wenigen Tagen, vielleicht schon nach wenigen Stunden ein¬
setzen. Auf Grund der geschilderten Lage und der Erfahrungen aus zahl¬
reichen Abwehrschlachten nahm die Armee an, daß der Gegner an der
Naht zur 2. Armee durchbrechen und die Front aufspalten und nachher
bestrebt sein werde, die Armeen einzuschließen und zu vernichten. Die
operativ gefährlichste Stoßrichtung war die entlang der Oder, weil der
Gegner dort schon nach einem Raumgewinn von bloß 20 km die Oder¬
brücken bei Stettin erreichen und der Armee die Lebensadern abschneiden
konnte. Diese Gefahr wurde aber durch die bereits geschilderten Gelände¬
verhältnisse dieses Raumes wesentlich vermindert. Viel wahrscheinlicher
war es daher, daß der Gegner gleichzeitig oder nach dem Durchbruch an
der Armeegrenze, in der Mitte der Armeefront durchstoßen und sie nach
beiden Seiten aufrollen werde.
Sofort nach der Bekanntgabe meiner Betrauung mit der Leitung der
Abwehr im Räume der bisherigen 11. Armee veranlaßte ich die Bildung
eines Abwchrschwcrpunktcs an der Naht zwischen den Flügeln des X. SSKorps
und des III. SS-Panzcrkorps durch eine enge und tiefe Abwehrglie¬
derung der 5. Jägerdivision, hinter der auch die 70 Tiger sowie Artillericund
Panzcrabwehrverbändc bereitgehalten wurden. In Erwartung feind¬
licher Panzcrdurchbrüche wurde in wenigen Tagen ganz Pommern in
eine «Panzersperrzone» verwandelt. Unter Mitwirkung der Bevölkerung
wurden an allen Brücken, Ortseingängen, Eintrittsstellen in den Wald,
Sumpfübergängen, Waldschneisen und Umgehungswegen Sperren aus
schweren Baumstämmen, Erde und Stein errichtet, die von beherzten
Volkssturmmännern, die mit der Panzerfaust ausreichend geschult waren,
besetzt wurden. Außerdem wurde eine große Zahl von Soldaten der Ver¬
sorgungseinrichtungen mit der Panzerfaust ausgerüstet und ausgebildet
und für einen beweglichen Einsatz zu Rad und Kraftrad bereitgestellt. Sic
standen bei Angriffsbeginn in Panzerfaustkompagnien formiert, zur Schwer¬
punktbildung bei der Abwehr durchgebrochener feindlicher Panzercinheiten
zur Verfügung. Das ganze zivile Fernsprechnetz war in den Dienst
der Panzerwarnung gestellt. Es hatte auch die Sperrabschnitte miteinander
und mit der militärischen Führung zu verbinden. Niemals zuvor ist ein
Land in so kurzer Zeit in ein engmaschiges Panzerhindernis umgestaltet
worden, wie dies im Februar 1945 in Pommern geschah. Das Ziel dieser
Maßnahmen war, ein schnelles Vordringen durchgebrochener Panzer zu
verhindern und ihre Angriffskraft empfindlich zu schädigen. Ihre Aus¬
wirkung geht aus der Schilderung des Kampfverlaufes hervor.

2. Feindlicher Panzervorstoß an die Ostsee
Am 21. 2. mitternachts erfolgte die offizielle Übernahme der Kom¬
mandoführung durch die 3. Panzerarmee im Schloß Bismarck in Plathe.
Beide Armeeführer waren sich über den Ernst der Lage klar. Jede Stunde
konnte das Ungewitter über Pommern losbrechen.
Schon am 22. 2. gegen die Mittagsstunde traf überraschend die erste
Hiobsbotschaft ein: «Feindliche Panzer stehen vor Baldenburg!» - also
40 km hinter dem linken Flügel der eigenen Front. Meine sofortige Fahrt
an diesen Abschnitt der «Division Pommern» ergab, daß der Feind bei der
Nachbararmee durchgebrochen war, mit seinen Panzerspitzen über Stegers
unbehindert durch die Waldzone beiderseits der Zahne vorstieß und über¬
raschend vor Baldenburg erschien. Die Balkensperren an beiden Enden
des langgestreckten Ortes waren offen, wed noch der normale Zivdverkehr
durchging. Plötzlich sah der Sperrposten an der südlichen Sperre einen
russischen Panzer in voller Fahrt auf sich zukommen. Schnell versuchte er
noch den schweren Sperrbalken zu schließen, was ihm nicht mehr gelang.
Der feindliche Panzer durchfuhr feuernd die Sperre und gelangte in das
Dorf. Ein zweiter und knapp dahinter ein dritter T-34 folgten und ver¬
suchten gleichfalls die Sperre zu passieren. Im letzten Augenblick gelang es
aber noch der alarmierten Sperrbesatzung die Baumsperre zu schließen und
den vordersten Panzer, der die Sperre zu rammen versuchte, mit einer
Faustpatrone abzuschießen. Den dahinter befindlichen Panzer hat ein
Schütze durch einen zweiten Schuß so schwer beschädigt, daß er fahr¬
unfähig liegen blieb. Unterdessen hatte ein weiterer Baupionier den in Ort
eingedrungenen Panzer auf gleiche Art erledigt. Als die folgende Panzer¬
einheit das Schicksal ihrer Spitze erkannte, hielt sie in zerstreuter Ordnung
in nahen Obstgärten und Wäldchen und gab an diesem Tage ihren weiteren
Vorstoß auf. Es ist also wenigen über fünfzigjährigen Soldaten durch kalt¬
blütiges Verhalten gelungen, den ersten überraschenden Einbruch von
15 Panzern zum Stehen zu bringen, so daß die 60 Mann starke Besatzung den
Ort bis zum nächsten Tag allein zu halten vermochte. Die erfolgreichen
Panzervernichter hatten zum ersten Male feindliche Panzer gesehen und
erledigt.
Hier zeigte sich bereits der Wert der Panzersperren aber auch das Fehlen
einer Panzerreserve am Armeeflügel, die den Feind im Gegenstoß sofort
zurückwerfen konnte. Nachteilig machte sich auch der große Mangel an
Nachrichtengerät fühlbar, der die Herstellung sicher funktionierender
Querverbindungen zwischen den beiden Armecflügeln ausschloß.
Der Gegner holte nachts Verstärkungen heran und griff am 23. 2. mor¬
gens Baldenburg mit 50 Panzern und 2 Schützenbataillonen erneut an und
nahm den Ort in Besitz. Sodann durchbrach diese Panzerabteilung nördlich
des Ortes die Pommcrnstcllung und stieß vorsichtig bis in die Waldzonc
südlich des Städtchens Bublitz vor. Die Baupioniere wehrten aber das
Nachfolgen der Schützenbataillonc ab und schlössen wiederholt die von
weiteren Panzern mehrmals geöffnete Lücke. Gegen mittag traf von einem
an den Warndienst angeschlossenen Forstamt bei der Division Pommern
die Meldung ein, daß eine größere Anzahl russischer Panzer in der Nähe
des Forsthauses im Walde zerstreut halte. Schnell waren die schon am Vor¬
tag in den Raum Bublitz entsandten Panzervernichter zu Rad verständigt
und nahmen die Verfolgung der Panzer auf, denen sie nun an der Ferse
blieben. In den ersten Nachmittagsstunden hatten sie 4, später weitere
6 Panzer abgeschossen. Bei Einbruch der Dunkelheit waren es bereits
12 T-34, die den Panzervcrnichtcrn zum Opfer fielen. Die übrigen Panzer
schoben sich unsicher und zaghaft an den Nordrand der Stadt heran und
beschossen den Bahnhof. Nach Eintreffen starker motorisierter Infanterie
ist es dem Gegner gelungen, die Lücke zu erweitern und einige Kilometer
Raum zu gewinnen. Wie tapfer sich die alten Baupioniere schlugen, zeigt
nachstehende kleine Kampfepisode. Eine zur Erweiterung der Lücke bei
Baldenburg nach Südwesten eindrehende feindliche Infanterieeinheit nahm,
durch 3 Panzer unterstüztt, den Ort Bischoffthum und ging auf Kasimirhof
vor. Hier befand sich eine Gruppe von 20 Baupionieren unter Führung
eines Frontunteroffiziers, der nach schwerer Verwundung vorläufig zur
Aufsicht bei Straßenbauarbeiten eingesetzt war. Die Gruppe besaß bloß
Gewehre und 1 Maschinengewehr, der Unteroffizier selbst 2 Panzerfäuste.
Als dieser das Herannahen des Gegners beobachtete, gab er überlegt und
in voller Ruhe den Befehl: «Volle Detkung in den Panzerdeckungslöchern
hier am Ortsrand, die 3 Panzer durchrollen lassen, die erledige ich. Die
nachfolgende Infanterie ab 500 m unter Feuer nehmen und ihr Eindringen
in das Dorf verhindern. Ich begebe mich hinter dieses Haus an der Dorf¬
straße und lauere den Panzern auf.» Wenige Minuten später rollten die
Panzer einzeln mit Abstand in das Dorf ein. Der Unteroffizier ließ die
beiden ersten Panzer vorbeifahren und schoß mit der ersten Faustpatrone
den letzten Panzer ab. Daraufhin wendete sich der zweite T-34 feuernd
gegen die Häusergruppc, in der er die Abwehr vermutete. Aber schon
hatte sich der Unteroffizier an ihn herangeschlichen und schoß auch diesen
Panzer aus nächster Entfernung mit der letzten Faustpatronc ab. Als der
Spitzenpanzer die hinter ihm gefolgtcn in Flammen aufgehen sah, brach
er aus dem unheimlichen Dorf seitwärts aus und trat, in weitem Bogen um
das Dorf herumfahrend, den Rückzug an, in den er die im Abwehrfeuer
der Baupionicrc liegen gebliebene feindliche Infanterie mit hineinriß.
Sofort nahm das tapfere Häuflein die Verfolgung auf und eroberte im
Nachstoßen das früher verlorengegangene Dorf wieder. Der Unteroffizier
wurde hiebei erneut schwer verwundet, aber die Gefahr für diesen Ab¬
schnitt war beseitigt.
Hatte der erste Tag dem Gegner, trotz der gelungenen Überraschung,
bloß einen 15 km tiefen, schmalen Durchbruch auf Bublitz gebracht, so
trug der folgende Tag (23. 2.) bereits einen wesentlich ernsteren Charakter.
Aus dem Bereich der Nachbararmee brandeten auf breiter Front feindliche
Infantericmasscn gegen den Pommernriegel und brachten ihn in seiner
ganzen Breite in Gefahr. Die Lage wurde umso kritischer, als die beim
Durchbruch des Vortages von der 2. Armee abgetrennten und schwer
angeschlagenen Reste der «15. SS-Division Lettland» und der französischen
Freiwilligendivision «Charlemagne» in einer panikartigen Verfassung kurz
vorher durch diesen Abschnitt durchfluteten und die kampfungewohntc
Besatzung zu demoralisieren drohten. Nur das Eingreifen der kriegserfah¬
renen Offiziere hat dies verhindert. Die beiden Freiwilligcndivisionen
wurden aufgefangen und sofort hinter die Front verlegt. Sie hatten nur
noch die Stärke je eines Infanterieregiments, da sie starke Verluste erlitten
und die gesamte Artillerie und schweren Waffen verloren hatten. Die
2. Armee hatte diese Truppen nach dem 13.2. an diese damals ruhige Front
eingesetzt, da sie die kampferprobte 32. Division für die Kämpfe im Brenn¬
punkt benötigt, was der Gegner wahrnahm und sofort ausnützte.
Bei Bublitz hatte sich die Lage im Laufe des Tages verschärft. Feind¬
liche Panzer brachen in die Stadt ein und drängten gemeinsam mit Infan¬
terieverbänden die bloß aus örtlichem Volkssturm und einer Handvoll
Soldaten der Versorgungseinheiten unter Führung des I b der Division
Pommern stehenden Besatzung bis an den Südrand der Stadt zurück. Bei
diesem Anlaß gelang es den Panzcrvcrnichtern wieder, 6 feindliche Panzer
zu zerstören. Der an diesem Tage unternommene erste Versuch, von
Bublitz und Rummelsburg aus zwischen den beiden benachbarten Armeen
wieder eine Verbindung herzustellen, führte auf halbem Wege in dichtem
Waldgelände bloß zu einer kurzen Fühlungnahme schwacher Aufklärungs¬
einheiten, da die dort eingesetzten Verbände zum Schutze des Raumes von
Bublitz und Rummelsburg benötigt wurden. Die Mitte und der Südabschnit
der angegriffenen Front wurde an einigen Punkten durchbrochen und
mußte in den Abendstunden in die Linie Vilm See - Wurchow See zurück¬
genommen werden. An der gesamten nach Süden gerichteten Hauptfront
herrschte bisher vollkommene Ruhe.
Erst der nächste Tag (24. 2.) brachte am östlichen Eckpfeiler dieser
Front eine unerfreuliche Überraschung. Das stark befestigte und ausrei¬
chend besetzte Neustettin wurde durch einen russischen Handstreich über¬
rascht und nach harten Straßcnkämpfcn im Laufe des Tages verloren. Der
Gegner ist in Zivilklcidem mit den zurückflutenden deutschen Flüchtlingstrecks,
in deren Fahrzeuge er seine Waffen versteckt hielt, in die Stadt
eingedrungen, besetzte zunächst den Bahnhof und zuletzt die ganze Stadt.
Der auf gleiche Weise unmittelbar vorher erfolgte Durchbruch bei Lottili
und der Verlust von Neustettin zwangen die angegriffene Division «Bärwaldc
» (Gcnlt. Raithcl), eine vorwiegend aus Artilleristen der Pommerschen
Schießplätze zusammengestellte sehr gute Divisionen, zu einer kurzen
Rückverlegung ihrer Front. Am Nordflügel ging in den Morgenstunden
auch der Südrand der Stadt Bublitz verloren. Die Reste der Besatzung und
eben eingetroffene Teile der zum Einsatz frei gegebenen 12. SS-Panzergrenadierdivision «Holstein», riegelten das weitere Vorgehen der durch
Panzer unterstützten feindlichen Infanterie am Waldrand südlich und west¬
lich der Stadt ab. Die Masse der Division stieß südlich an Bublitz vorbei
gegen Osten vor. Sie sollte den Feind zurückschlagen und den von Rum¬
melsburg entgegen stoßenden Verbänden der 2. Armee nördlich von Bal¬
denburg die Hand reichen. Aber auch dieser zweite Versuch, die Lücke
zwischen den beiden Armeen zu schließen und eine Dauervcrbindung her¬
zustellen, mißlang. Er scheiterte an der bedeutenden Übermacht des Geg¬
ners, der die beiden Stoßkeile in der Front blockierte und in den Flanken
durch heftige Angriffe abzuschneiden versuchte.
Über die weiteren Absichten des von Bublitz nach Norden vorstoßen¬
den Gegners gab eine Kartenzeichnung Aufschluß, die bei einem im Kampfe
um Bublitz gefallenen russischen Panzeroffizier vorgefunden wurde. Aus
ihr war zu ersehen, daß der weitere Vorstoß in schwierigem Waldgeländc
über die Radüe nach Zanow (ostwärts Köslin) geplant war. Sofort eilten
Panzervernichter an die über den Fluß führende Eiscnbahnbrücke voraus
und lauerten im Walddickicht den nun sehr langsam vorwärts kommenden
Panzern auf. Teile des Panzervernichtungsverbandes, die die Bewegung
der Feindpanzer im Walde begleiteten, schossen 4 T-34 ab, weitere 8 fielen
den lauernden Panzervemichtern an der Radüe zum Opfer. Den Abschluß
des Tages bildete ein feinlicher Einbruch südlich Wurchow, wo die 15. SSDivision
Lettland, wegen der großen Frontbreite, die von den dort einge-
setzten Truppen nicht mehr beherrscht werden konnte, eingeschoben
wurde, aber nicht standhielt, da sie den Panzerschreck vom 22. 2. noch
nicht überwunden hatte.
In der Nacht zum 25. 2. mußte daher das Korps «Tettau» zurückver¬
legt werden, um durch Verbreiterung der 12. SS-Panzergrenadierdivision
«Holstein» die Einbruchslückc wieder schließen zu können. An der ganzen
Front gab es keine Reserven. Trotzdem war die beantragte Rückverlegung
des X. SS-Korps in die sehr starke und kürzere Seenstellung, die es ermög¬
licht hätte, namhafte Kräfte ohne Gefährdung seiner Front, frei zu machen,
von höchster Stelle nachdrücklich verboten worden. Die Folge war, daß
das sehr gut geführte Korps Tettati auch weiterhin schrittweise gegen
Westen ausweichen mußte, um seiner Vernichtung zu entgehen. Im Norden
erreichten russische Panzerspitzen ostwärts Köslin die große Straße und die
doppelgleisige Bahn nach Danzig und unterbrachen dort die letzte Ver¬
bindung mit der 2. Armee. Auch südlich der Stadt hatten Flieger eine
Einheit von 22 feindlichen Panzern festgestellt. Sie wurden nach Einbruch
der Dunkelheit von Panzervernichtern überfallen und zersprengt, wobei
der Gegner 5 Panzer und auch das Dorf verlor. Unmittelbar nachher konnte
ich von Köslin aus, wo ich zur Überprüfung der Verteidigungsmöglichkeit
der Stadt eintraf, den Panzervernichtern telephonisch neue Aufträge er¬
teilen. Köslin war in den Kampfbercich gerückt und mußte verteidigt
werden, um ein schnelles Vorstoßen des Gegners in den Rücken der Armee
zu verhindern. Für die Verteidigung standen bloß ältere, gediente Soldaten
der Wehrersatzinspektion mit 3040 Maschinengewehren, 2000 not¬
dürftig geschulte deutsche und ungarische Rekruten, sowie eine im Auftrag
der Armee zugeführte Pak-Ausbildungsabteilung in der Stärke von etwa
250 Mann zur Verfügung.
Schon am Vormittag des 25. Februar erhielt die Année die Verständi¬
gung, daß Adolf Hitler Kolberg zum «Festen Platz» bestimmt hatte, der sofort
zur Verteidigung einzurichten sei. Mein Einwand, daß dies nicht möglich
wäre, da die Stadt mit Lazaretten und Sanitätszügen überfüllt sei, weder
einen Kampfkommandanten noch eine Kampfbesatzung oder Abwchrwaffen
besitze, wurde mit dem Hinweis abgelehnt, daß ein Oberst (Ritter¬
kreuzträger) sofort zugeflogen und das Zeughaus Spandau angewiesen
werde, sogleich 12 neue Pak mit Eisenbahn zuzuschieben, obwohl es auch
dem OKH bekannt war, daß der Eisenbahnverkehr nach Kolberg durch
Räumumngszüge vollkommen blockiert war. Der Kampfkommandant traf
mit Flugzeug nach kurzer Zeit im Armeehauptquartier ein, wurde über
seine schwierige Aufgabe, Rechte und Pflichten orientiert und sodami ver¬
eidigt. Tief beeindruckt von dem ihm aufgelastcten Auftrag, eine Lazarett¬
stadt ohne Soldaten und Waffen im Handumdrehen in eine Festung zu ver¬
wandeln und ahnungslos, wie er diese Aufgabe anfassen sollte, bat er um
eine Anleitung, die er auch in einem einstündigen Vortrag aus meinen
reichen Erfahrungen mit solchen Pseudo-Festungen sofort erliielt. Sie
gipfelten im Hinweis auf die ihm verliehenen Machtbefugnisse, welche
es ihm gestatteten, auf alle in der Bannmeile der Stadt befindlichen Men¬
schen und Mittel zu greifen und sie seiner Aufgabe dienstbar zu machen.
Innerhalb von zwei Tagen hatten die Bewohner der Stadt und alle darin
befindlichen Angestellten aller Art Verschanzungcn im Umkreis von Kol¬
berg angelegt, Greifkommandos sammelten in der Stadt und auf allen
Zufahrtswegen Uniformierte jeder Art, ob Soldat, Gendarm oder Partei¬
mann, ferner Schadpanzer, leicht beschädigte Geschütze von Heer und
Luftwaffe sowie Waffen und Munition, wo man ihrer habhaft wurde.
Alles fügte sich widerspruchslos den Anordnungen des Festungskomman¬
danten, der in seinem Bereiche Herr über Leben und Tod war. Bald waren
aus diesem Kunterbunt von Menschen und Gerät sogenannte Kampfein¬
heiten entstanden, die nur über wenig Munition und Gerät und keine aus¬
reichenden Verpflegungsvorräte verfügten. Sie vermochten dem Gegner
eine Festungsbesatzung vorzutäuschen, waren aber nicht imstande, Kolberg
ernsthaft und auf längere Dauer zu verteidigen.
Aber Kolberg war nur eine der ungezählten Sorgen der Armeeführung.
Jeder folgende Tag brachte neue und größere Nöte. Das Korps Tettau,
dessen Front sich allmählich bis ans Meer erstreckte, wurde immer heftiger
angegriffen und mußte weiterhin dem Feinddruck nachgeben. Der unter
Hinweis auf die täglich schwierigere Lage beim Korps Tettau, wo am
26. 2. Köslin nach tapferer Gegenwehr fiel und der Gegner bereits vor
Kolberg stand, sowie auf das drohende Unheil, das sich beimX. SS-Korps
jede Stunde entladen konnte, gestellte Antrag, die beiden Korps sofort
hinter die Rega zurücknehmen zu können, wurde von Plimmler ohne Be¬
gründung in schärfster Form abgewiesen. Starres Festhalten überall dort,
wo nicht schon der Feind das Gesetz des Handelns diktierte, war wie immer
und überall, das eiserne Gebot, obwold es stets ein Unhed zur Folge hatte.
Noch am 27. 2. suchte ich - wie alltäglich - die kämpfende Ostfront
der Armee auf und besprach mit ihrem tapferen Führer die Möglichkeiten
der weiteren Kampfentwicklung. Er besaß mein volles Vertrauen und hatte
bereits Handlungsfreiheit für jeden Fall, der die Armee verhindern konnte,
rechtzeitige Weisungen zu erteden. Die schwersten Tage für sein schon
tagelang ringendes Korps standen erst bevor.

Durchbruchsschlacht bei Dramburg und Vorstoß des Gegners
an die Oder

Schlagartig setzte am 28. 2. die feindliche Großoffcnsivc an der bisher
ruhigen Südfront ein. Sie traf mit voller Wucht die am Westflügcl des
X. SS-Korps eingesetzte 5. Jägerdivision. Trotz schwerer Einbußen durch
den vorangegangenen Fcucrorkan, wehrte sie sich verzweifelt gegen die
vorstürmenden Panzermassen, die sie zu zermalmen drohten. Auf ihre Pak
und Artillerie sowie auf die Verteidigungsanlagen in der Tiefcnzone gestützt,
gelang es ihr noch, den Anprall des Feindes aufzufangen und einen Durch¬
bruch zu verhindern. Eine große Anzahl feindlicher Panzer blieb auf der
Walstatt. Aber eine vielfache Menge an Panzern rollte am nächsten Tage
an ihnen vorbei und holte zum entscheidenden Scldag aus, der die Front
an der Naht zum III. SS-Korps zum Bersten brachte. Diese Panzerflut ver¬
mochten auch die dahinter stehenden 70 Tiger nicht mehr einzudämmen,
obwohl sie in den Reihen der Feindpanzer arg gewütet hatten.
Zu gleicher Zeit setzte auch die Feindoffensive am Wcstflügel der
Armee ein, wo sich die russische 1. Panzerarmee vergeblich bemühte, auf
Greifenhagen durchzustoßen. Es gelang dir aber in mehrtägigem Ringen
nicht, die Waldstellung der Luftwaffenfelddivision zu durchbrechen. Zahl¬
reiche ihrer Panzer wurden das Opfer der schweren Flak. Hingegen konn¬
ten andere Panzer- und Infantcricvcrbändc den oft und heiß umstrittenen,
vorspringenden Straßenstützpunkt Pyritz durch einen Zangenangriff ab¬
quetschen und zu Fall bringen. Nur noch Resten der Besatzimg gelang es,
an der Plönc die eigenen Linien zu erreichen.
Im Laufe des 1.3. ergoß sich eine Masse von 1000 Panzern der zweiten
und dritten russischen Panzerarmee, einer Sturmflut gleich, zwischen
Falkenburg und Dramburg in den freien Raum. Vormittags erschienen
bereits 30 feindliche Panzer in Regenwalde, 8 km vor dem Armeehaupt¬
quartier und sicherten dort die sich südlich davon abwickelnden Opera¬
tionen der durchgebrochenen 7 Panzerkorps. Ein schwächerer Panzerver¬
band stieß auf Kolberg vor, um den bereits über Köslin vor der «Festung»
erschienenen Panzerspitzen der Ostgruppe die Hand zu reichen. Die Masse
der Panzer wendete sich aber gegen Westen und drehte den linken Flügel
des III. SS-Korps auf. Ihnen folgten mit kurzen Abständen die Infanterie¬
armeen. Eine weitere starke Gruppe von Panzern und Infanterie umfaßte
das X. SS-Korps und preßte es, gemeinsam mit den von Osten vorrücken¬
den Feindverbänden, südlich von Schivclbein auf engem Raum zusammen.
Das nördlich davon mit Front nach Osten kämpfende Korps Tettau wurde
von seinen Verbindungen zur Armee abgeschnitten und in weitem Räume
eingekesselt. Zu beiden Korps fehlte ab 2. 3. jede Verbindung, selbst die
mit Flugzeug, da anläßlich dieser Großoffensive die feindliche Luftwaffe so
lebhaft und überlegen war, daß die wenigen eigenen Flugzeuge nirgends
durchdringen konnten. Dennoch war der Einfluß der russischen Luftwaffe
auf die Erdkämpfe nicht von Bedeutung. Sic begnügte sich, genau so wie
beim ersten Teil der Offensive, wenngleich in wesentlich regerer Art, mit
der Bekämpfung rückwärtiger Versorgungseinheiten und Angriffen gegen
Orte und Verkehrsknotenpunkte.
Diese kritische Lage erfuhr eine fühlbare Entlastung durch das Ein¬
treffen der X. SS-Panzerdivision «Frundsberg», die als letzte aus Pommern
abgerollt war und sodann zur Umkehr befohlen wurde. Die Division wurde
der Armee mit der Weisung unterstellt, mit ihr nach Osten vorzustoßen
und die Verbindung zur 2. Armee wieder herzustellen. Dieser Auftrag war
durch die Ereignisse längst überholt. Es wäre eine Utopie gewesen zu
glauben, daß man einen Raum von mehr als 150 km Tiefe, in dem sich
bereits 3 feindliche Panzerarmeen und mehrere Infantcricarmeen befanden,
mit einer einzigen Panzerdivision durchbrechen und eine dauernde Ver¬
bindung zu einer Armee herstellen könne, die vom Feinde selbst schwer
bedrängt, im Zurückkämpfen gegen Osten war. Die 3. Panzerarmee hatte
aber angenommen, daß es im günstigsten Falle möglich sein könnte, die
eingeschlossenen Korps zu erreichen und diesen Weg nach Westen frei zu
machen. Aber auch für das Gelingen dieses Planes bestand, in Anbetracht
der mehr als zehnfachen Panzcrübcrlegenheit des Gegners an der Rega,
wenig Hoffnung. Ein etwaiger Versuch über Plathe in den weniger dicht
besetzten Raum nach Osten vorzustoßen, konnte nur mit einem Rückzug
oder einer Gefangennahme der Division enden, aus der sich vielleicht noch
Trümmer der Division hätten retten können. Ein solches Hasardspiel konnte
zur Vernichtung des schwer bedrängten III. SS-Panzerkorps und zum Ver¬
lust der Oderstellung führen. Die nachfolgenden Kämpfe haben diese An¬
sicht bestätigt.
Im Sinne dieser Erwägungen erhielt die am 2. 3. vormittags auf Naugard
anrollende 10. SS-Panzerdivision den Auftrag, den über die Rega
vorgehenden Feind anzugreifen und zurückzuwerfen, sodann auf Labes
vorzustoßen. Ihre Aufklärungsabteilung, die noch über 14 Sturmgeschütze
verfügte und gerade mit ihrem Anfange in Plathe eintraf, erhielt hier den
Befehl nach Regenwalde vorzugehen, den Ort vom Feinde zu säubern und
nach Süd und Ost aufzuklären. Sie griff schneidig an, schoß 6 Panzer ab,
drang in den Ort ein, ohne ihn aber ganz nehmen zu können. Herbei¬
geeilte feindliche Verstärkungen drängten die Aufklärungsabteilung in den
späten Abendstunden wieder gegen Plathe zurück. Die Masse der Panzer-
division warf in schwungvollem Angriff die bereits nahe an die Naugarder
Reichsstraße herangekommenen feindlichen Vorausabteüungen gegen Osten
zurück, blieb aber nach 15 km Raumgewinn, von einer feindlichen Über¬
macht an Panzern und Infanterie von 3 Seiten bedrängt, stecken. Bald nach¬
her auch im Rücken bedroht, mußte sich die Division wieder nach Naugard
zurückkämpfen. Damit war jede Hoffnung auf eine Befreiung der
eingeschlossenen Korps geschwunden. Die 12. SS-Panzerdivision hatte aber
starke Feindkräfte auf sich gezogen, die im Begriffe waren, den linken
Flügel des III. SS-Korps zu umgehen und einzudrücken.
Auch das III. SS-Panzerkorps hatte am 2. 3. einen schwarzen Tag. Sein
aufgeschwenkter linker Flügel wurde südlich Dramburg von einem feind¬
lichen Massenstoß getroffen, an einzelnen Stellen durchbrochen und mußte
rasch zurückgenommen und gestützt werden, um nicht zusammenzu¬
brechen. Die hiezu nötigen Kräfte konnten nur durch eine Frontverkürzung
frei gemacht werden. Sie wurde durch ein Ausweichen in die Linie Süd¬
ende Madü-See, Freienwalde erzielt. Um bei dieser Bewegung das beson¬
ders gefährliche überholende Nachstoßen des Gegners mit Panzerverbänden
hintanzuhalten, mußten die Einfahrten zur Reichsautobahn, alle Straßen¬
kreuzungen, Ortseingänge, Brücken, Engen und Umgehungswege an den
schon vorbereiteten Sperren hartnäckig verteidigt werden. Panzer, Pak's,
Artillerie, Panzervernichter und Panzerminen-Trupps haben bis zur Selbst¬
aufopferung gekämpft und diese im offenen Gelände besonders schwierige
Aufgabe, ohne Luftwaffenunterstützung gemeistert. Zahlreiche Rauch¬
fahnen, ausgebrannte Wracks an Sperren vorgeprellter Panzer, legten ein
beredtes Zeugnis vom Wirken der zahlreichen, auf sich selbst gestellten
Abwehrtrupps und beherzten Einzelkämpfer ab, die in ihrer Gesamtheit
entscheidend zur Überwindung einer Krise beitrugen, die zu einer Ver¬
nichtung des Korps führen konnte. So aber stand es am nächsten Tag ge¬
schlossen und neu gruppiert mit seinen Divisionen wieder zur Abwehr
bereit in der neuen Linie.
Auch der 3. 3. brachte erneut schwere Abwehrkämpfe, die sich auch
auf das Korps Hörnlein ausdehnten. Sie wurden vom Armeestab vom neuen
Gefechtsstand Gollnow aus geleitet, wohin er am Vortage verlegt wurde.
Ein konzentrischer Angriff aller in diesem Räume eingesetzten Feindkräfte
sollte die beiden Korps von den Oderübergängen abschneiden und ver¬
nichten. Im Brennpunkt der Kämpfe stand wieder das III. SS-Panzerkorps,
das durch einen frontalen Massenstoß schrittweise in die Linie Stargard-
Massow zurückgedrückt wurde. Ein feindlicher Durchbruch nördlich Star¬
gard, brachte die bisher von Süden vergeblich berannte Stadt zu Fall.
Im Norden band der Gegner die im Räume des der 3. Panzerarmee unter-
stehenden Verteidigungsbereiches Swinemünde (Genlt. Ansat, Art. Führer
der Armee) gelegenen Brückenköpfen von Stepenitz, Wollin und Dievenow
eingesetzten Verbände der Kriegsmarine und drehte mit starken
Kräften gegen Süden ein. Diese Flankenbedrohung in beweglicher Kampfführung
im weiten Bogen um Gollnow abzuwehren, war Aufgabe der
io. SS-Panzerdivision «Frundsberg», deren Gefechtsstände von 75 % beim
Kommen, durch die letzten Kämpfe schon auf 50 % abgesunken waren.
Die bei dieser Kampfführung zu weit nach Norden geratene Aufklärungs¬
abteilung der Division wurde durch überlegene Feindkräfte in weglose
Wälder abgedrängt, verlor den Anschluß an die eigene Truppe und er¬
reichte erst einige Tage später mit ihren Resten den Brückenkopf von Ste¬
penitz, von wo sie über die Odermündung nach Pölitz übersetzt werden
konnte.
Am Südflügel gelang es dem Feinde den Brückenkopf von Greifen¬
hagen zu isolieren und westlich des Madü-Sees bis zur Linie Abfluß der
Pione aus dem See, Neumarkt vorzudringen. Dort kam der gefährliche
Stoß durch den sofortigen Einsatz einer eben von Norwegen eingetrof¬
fenen voll kampfkräftigen Infanteriedivision zum Stehen. Wiederholte
Versuche des Gegners den kleinen aber lästigen Brückenkopf bei Fiddichow
zu beseitigen, scheiterten.
Abends hielt die Front in der Linie Greifenhagen - Madü See - wesdich
von Massow- Stepenitz Bach, die der Gegner am 4. 3. durch einen wuch¬
tigen General-Angriff zum Einsturz zu bringen hoffte, um sein Vernich¬
tungswerk beenden zu können.
Hiezu setzte er seine eng massierten Infanterie- und Panzerkorps beider¬
seits der großen Straße Stargard-Stettin ein und führte gleichzeitig seinen
Zangenangriff von Nord und Süd gegen die Oderübergänge fort. Hiebei
kam er im Süden wohl 23 km vorwärts, blieb aber bald am Südrande
der dicht bewaldeten Höhen stecken, die dem Gegner jede Einsicht zu den
Oderbrücken und Hauptverkehrswegen raubten. Im Osten drückte der
Gegner die Front zunächst nur bis an den Rand eines hochstämmigen
Waldes zurück, der die Straße bis nach Altdamm begleitete (2 km westlich
des Madü Sees). Nördlich davon mußten die eigenen Verbände bis hinter
die wasserreiche Pione ausweichen, deren versumpfte Ufer das Vorgehen
des Gegners aufhielten. Um Gollnow tobte ein heftiger Panzerkampf, der
sich in den Straßen der Stadt fortsetzte, wobei alle Abwehrmittel einge¬
setzt werden mußten, um einen Durchbruch des Gegners nach Süden zu
verhindern, der die Masse des III. Panzerkorps von den Oderbrücken ab¬
geschnitten hätte. Hiebei haben zwei Batterien der 10. SS-Panzerdivision
«Frundsberg» bis zur Selbstaufopferung den feindlichen Panzern Wider-
stand geleistet. Ihre zerschmetterten Geschütze bildeten noch die letzte
Barrikade, hinter der die Panzervernichter und Kanoniere ihr Werk fort¬
setzten. Gemeinsam mit den um jedes Haus ringenden Grenadieren wurden
auch alle Sturmangriffe der feindlichen Infanterie im Nahkampf abgewehrt.
Gollnow blieb in eigener Hand. Die Zugangsstraßen in das Innere der
Stadt waren durch die zahlreichen im Nahkampf erledigten Feindpanzer
gesperrt und bildeten ein willkommenes Hindernis gegen einen nächtlichen
Durchbruch der feindlichen Stahlriesen. Damit war es dem Gegner an
keiner Stelle der Front gelungen, sein schon zum Greifen nahes Ziel zu
erreichen.
Der russische Abendbericht brachte die betrübliche Nachricht von der
Gefangennahme von 20 000 Mann des X. SS-Korps, das den stählernen
Ring des Gegners südlich Schivelbcin nicht zu sprengen vermochte. Auf
seinem letzten Gefechtsstand, mitten unter seinen Soldaten und zugleich
im eigenen Heim, teilte auch Generalleutnant Krappe als Korpsführer das
Schicksal seiner Kameraden. Selbst wenn die vorstehenden Gefangenenzahlcn
nicht als übertrieben angenommen werden, mußten noch nam¬
hafte Teile dieses Korps und das ganze Korps «Tettau» hinter der Fcindfront
tätig sein. Nach wie vor scheiterten aber alle Versuche, mit den
Eingeschlossenen Verbindung aufzunehmen.
Unter Einsatz neuer Reserven setzte der Gegner auch am 5. 3. seinen
Generalangriff mit unverminderter Heftigkeit fort. Immer wieder hatte er
seine im zusammengefaßten deutschen Abwehrfeuer niedergebrochenen
Angriffswellen verstärkt und vorwärts getrieben, bis es ihm schließlich
unter großen Opfern gelang, in den Wald ostwärts Altdam einzudringen.
In den anschließenden Waldkämpfen, die sich für beide Gegner sehr ver¬
lustreich gestalteten, wurden die deutschen Linien von den russischen Mas¬
sen, die hier voll zum Tragen kamen, hart bedrängt und schrittweise zurück¬
gedrückt. Während des heftigen Kampfgetöses sickerten feindliche Panzer
auf unbegangenen Schleichwegen und durch entstandene kleine Lücken
hinter die eigene Front und tauchten plötzlich vor der gut ausgebauten
aber nur von einer schwachen Sicherheitsbesatzung verteidigten Brücken¬
kopfstellung bei Altdamm auf. Die dort eingebauten einzelnen Pak er¬
öffneten ihr Feuer, wurden aber schnell erkannt und durch das zusammen¬
gefaßte Feuer der feindlichen Panzer niedergekämpft. Aber bevor noch
der Gegner die soliden Beton- und Balkensperren zu rammen vermochte,
trafen die Anfänge der von Gollnow zurückgenommenen 10. SS-Panzer¬
division ein, deren Tiger, aus guten Deckungen heraus, nacheinander alle
Feindpanzer abschössen, die sich zuweit vorgewagt hatten. Damit war der
kritische Augenblick der Schlacht überwunden. In den Abendstunden
rückten auch die letzten Grenadiere und Panzer des III. SS-Panzcrkorps
noch rechtzeitig in den 25 km breiten Brückenkopf von Altdamm ein.
Der von den schweren Waldkämpfcn erschöpfte Gegner drängte nicht
scharf nach und hatte sein Tagesziel, die großen Brücken von Stettin, auch
heute nicht erreicht. Der Brückenkopf von Altdamm lag gcländcmäßig
sehr günstig, besaß ein gutes Schußfeld und verwehrte dem Feinde jeden
Einblick auf die Brücken und Hafenanlagcn von Stettin, wo noch zahlreiche
Handelsschiffe vor Anker lagen. Nur von Gollnow her ragte eine breite
Waldzunge ostwärts der Straße bis an den Stadtrand von Altdamm heran,
durch die der Gegner wiederholt durchzustoßen versuchte, aber jedesmal
abgewehrt werden konnte.
Die feindliche Großoffcnsivc kam an der Oder zum Stehen, die Brücken
blieben in eigener Hand, starke Brückenköpfe schützten sie vor einem feind¬
lichen Zugriff, der Kampfwillc der Verteidiger blieb ungebrochen. Das
waren die positiven Ergebnisse der Pommcrnschlacht.
Es war aber der Führung klar, daß der Gegner auch jetzt noch alle An¬
strengungen machen werde, die Brückenköpfe aus dem Wege zu räumen
und über Stettin vorzustoßen. Weitere schwere Kampftage waren daher
zu erwarten. Aber Führung und Truppe blieben zuversichtlich. Beherrsch¬
ten doch die eigenen Kräfte und Kampfmittel den wesentlich kleiner ge¬
wordenen Raum, so daß im entscheidenden Abwehrraum, ostwärts Stettin,
weder ein Durchbruch noch ein Zangenangriff des Gegners Erfolgsaussichten
besaß. Es war dem III. SS-Korps sogar möglich, örtliche Eingreifsreserven
zu bilden, obwohl die belgische Frciwilligenlegion aus der Front
gezogen und abgegeben werden mußte. Daß es nach dem Ausfall zweier
Korps noch gelungen ist, die beiden übrigen, trotz einer mehr als 10fachen
Überlegenheit des Gegners an Infanterie und Panzern und einer absoluten
feindlichen Luftherrschaft, in einer sechstägigen krisenhaften Schlacht um
90 Grad aufzuschwenken und kampffähig an die Oder zu bringen, ist der
Haltung der Truppe und der frontnahen Führung zuzuschreiben, deren
Spitzenträger untereinander und mit der Truppe ständig in persönlicher
Fühlung standen. Es gab während der Scldacht kaum ein Ferngespräch
oder einen Funkspruch. Der Brennpunkt der Kämpfe war automatisch
der Treffpunkt der verantwortlichen Führer. Dort waren sie sicher anzu¬
treffen. Jeder Entschluß konnte, auf Grund des persönlichen Einblickes,
sofort gefaßt und unverzüglich in die Tat umgesetzt werden.
Beim Übergang zur unmittelbaren Oderverteidigung befanden sich der
Armeestab und die Versorgungsbasis der Armee im Räume Stettin, die
Stäbe der Korps und Divisionen in den Brückenköpfen. Der Zuschub an
die Front funktionierte, trotz häufiger Luftangriffe, reibungslos.
Um Störungen durch die endlosen Flüchtlingskolonnen zu vermeiden,
wurden diese zur ausschließlichen Benützung der doppelbahnigen Reichs¬
autobahn angewiesen und durch eine Verkehrsregelung ständig überwacht.
Hoffnungslose Verstopfungen von Orten und Straßen durch Flüchtlings¬
trecks, wie sie bei Rückzügen in Ostpreußen und anderwärts vorkamen
und die Operationen empfindlich behinderten, traten während der Pom¬
mernschlacht nicht ein. Das rechtzeitige Räumen feindbedrohter Gebiete,
wie es südlich der Memel geschah, hätte den Flüchtlingen in Pommern
viele Nöte und Gefahren erspart. So aber hat sich der Führerbefehl, der die
Zivdbehörden und die Parteiorgane verhielt, Orte erst zu räumen, sobald
der Feind io km an sie herangekommen war, sowohl für die Bevölkerung
wie auch für die Truppenführung sehr nachteilig auswirkt.

Abwehrkämpfe an der Oder
Nach einer ruhig verlaufenen Nacht setzte am 6. 3. morgens ein wahrer
Hexensabbat ein. Der Gegner versuchte durch laufende Bombenangriffe
und stundenlanges Betrommeln, die Befestigungsanlagen in Trümmer zu
legen und sturmreif zu machen. Da die Anlagen sehr gut getarnt und daher
schwer zu erkennen waren, verteüte sich das Artdleriefeuer und der Bom¬
benbagel auf breite Flächen und erzielten nicht die beabsichtigte Wirkung.
Wesentlich unangenehmer war das direkt gezielte Feuer einzelner als Pak
verwendeter Geschütze, die aus gut getarnten Lauerstellungen schössen
und alle erkannten Ziele außer Gefecht setzten. Sie konnten nur auf die
gleiche Art wirksam bekämpft werden, da sie bei normalem Artillerie¬
beschuß meist noch Zeit fanden, unter dem Schutze des Waldes ihre Feuer¬
stellung zu wechseln, um an anderer Stelle wieder in Erscheinung zu
treten.
Dem Vorbereitungsfeuer folgten wiederholte feindliche Sturmangriffe,
die alle von der intakten Besatzung abgewiesen werden konnten. Bloß im
Nordteil des Brückenkopfes gelang es einer Gruppe von Panzern, sich im
Walde vorzuarbeiten und in die Stellung einzubrechen. Sie wurden nach
ihrem Austritt aus dem Walde im Gegenstoß durch eigene Tiger vernichtet.
Bald nachher tat sich im Süden eine neue Gefahr auf, wo es der russischen
1. Panzerarmee gelang, den Brückenkopf von Greifenhagen zusammen¬
zupressen und nach heftigen Nahkämpfen den Ort zu nehmen. Dessen Be¬
satzung wurde in der folgenden Nacht an das Westufer der Oder zurück¬
genommen und die Brücke durch Sprengung unterbrochen. Derselbe
Gegner versuchte noch am gleichen und am folgenden Tag das Ostufer der
Oder aufzurollen und kam, trotz heftiger Gegenwehr und Verlust von
1520 Panzern bis auf wenige hundert Meter an die Reichsautobahn¬
brücke heran. Aber schon waren die Spitzen der erst kürzlich der Armee
zugeführteil 25. Panzergrenadierdivision zur Stelle. Sie trat mit ihren
70 Sturmgeschützcn voran zum Gegenangriff an, warf den feindlichen
Panzerverband zurück und gewann 10 km Raum nach Südosten. Auch
um den Brückenkopf Altdamm wurde am 7. 3. noch heftig gekämpft,
wobei der Gegner eine beherrschende Höhe eroberte, von der er erst am
folgenden Tag wieder verdrängt werden konnte. Im ganzen gesehen, hatte
aber die Kampftätigkeit auch an diesem Brennpunkt nachgelassen. Seine
Kräfte waren in den letzten Tagen reichlich verbraucht worden und ließen
daher bereits Ermüdungserscheinungen erkennen.
Nachdem es dem Gegner weder bei Altdamm noch südlich davon ge¬
lang, einen cntscheidenen Erfolg zu erringen, versuchte er sein Glück an
den nördlichen Brückenköpfen. Sein Hauptziel war der Brückenkopf von
Wollin, den er am 7. 3. unter Einsatz einer Panzerbrigade zu nehmen
hoffte. Aber die mit Panzerpatronen reichlich versehenen Matrosen wiesen
nicht nur die Infanterie ab; sondern vernichteten auch sämtliche einge¬
brochenen Panzer. 33 fielen den Faustpatronenschützen zum Opfer, der
34. wurde samt einer Brücke in die Luft gesprengt, die er als vorderster
Panzer bereits erreicht hatte. Trotz dieser Schlappe gab der Gegner seinen
Versuch, über die Inseln Wollin und Usedom in den Rücken der frontal
unüberwindlichen Oderfront zu gelangen, nicht auf. Schon am nächsten
Tage griff er, unterstützt von einer neuen Panzerbrigade, den Brücken¬
kopf von Wollin wieder an. Todesmutig warfen sich aber die zahlreichen
im Gelände zerstreut und getarnten Panzervernichter, den heranstürmen¬
den Panzern entgegen und schössen alle 38 Panzer ab. Sie erlitten hiebei
durch die aus allen Waffen feuernden Panzer schwere Verluste, aber ihr
Sieg war ein vollständiger. Der Gegner gab seine Absicht, über die Inseln
vorzustoßen, auf. An der Front trat wieder Ruhe ein.
Bei Altdamm und südlich davon lebten in den folgenden Tagen die
Kämpfe wieder auf, ohne jedoch die frühere Heftigkeit zu erreichen. Der
Gegner erzielte bloß einen örtlichen Erfolg im Süden, wo die 25. Panzer¬
grenadierdivision, die am 8. 3. noch weiteren Raum gewinnen konnte und
insgesamt 85 feindliche Panzer abschoß, wieder ein Stück des genommenen
Geländes preisgeben mußte.
Dem Gegner gelang es auch in der Folge nicht, die Oderverteidigung
im Räume der 3. Panzerarmee zu überwinden.
Als Besonderheit der Pommernschlacht ist hervorzuheben, daß von den
insgesamt vernichteten 380 Feindpanzern zwei Drittel der Panzerfaust, also
dem tapferen Einzelkämpfer, zum Opfer fielen. Ein so hoher Prozentsatz
an Abschüssen mit der Panzerfaust im Rahmen einer Armee ist noch nie¬
mals zuvor erreicht worden.
Dem Gegner ist es infolge richtiger Planung und zweckmäßiger Füh¬
rung seiner überwältigenden Massen an Menschen und Panzern wohl ge¬
lungen, die 2. Armee von der Heeresgruppe abzuschneiden und im Räume
Danzig einzuschließen und auch die 3. Panzerarmee aufzuspalten und Teile
von ihr einzukesseln; aber sein wichtigstes Vorhaben, die 3. Panzerarmee
zu vernichten und über Stettin in das Herz Deutschlands vorzustoßen,
scheiterte an der Tapferkeit der Truppen und an der Oderbarriere.

Befreiung des Korps Tettau
Während noch die Schlacht um die Brückenköpfe an der Oder tobte,
traf überraschend ein Funkspruch des Korps Tettau ein, in dem es meldete,
daß es sich mit seinen Truppen bis in den Raum Plathc-Greifenberg, ohne
heftigen Feindwiderstand, durchkämpfen konnte und Richtung Stettin
durchzubrechen beabsichtige. Es erhielt darauf hin von der Armee sofort
den Funkbefchl: «Durchbruch auf Dicvenow», da es vor Stettin, ohne aus¬
reichende Kampfmittel, auf einen übermächtigen Feind gestoßen und ver¬
nichtet worden wäre. So aber gelang es dem Korps, ohne größere Kämpfe
bestellen zu müssen, bei Berntin (nördlich Greifenberg) die Rega zu über¬
schreiten und sich im bewaldeten Küstenstreifen zwischen Horst und Dic¬
venow zum Durchbruch zu gruppieren. Ein von der Armee in einem
«Fiseler Storch» sofort zum Korps entsandter Gencralstabsoffizier hatte,
den feindlichen Linien über die Ostsee ausweichend, sein Ziel erreicht und
die Weisungen für das Zusammenwirken der Brückenkopfbesatzung und
der Kriegsmarine mit dem Korps überbracht. Am 10. 3. trat das Korps,
mit seiner einzigen noch angriffsfähigen Division «Holstein» an der Spitze,
zum letzten Durchbruch an. Feindkräfte, die sich in den letzten Tagen
zwischen den Brückenkopf und dem Korps eingeschoben hatten, wurden
von den Salven der Kriesgschiffe, die die Rolle der Artillerie übernommen
hatten, gefaßt und nach wechselvollen Kämpfen von der Division «Hol¬
stein» durchbrochen. Ebenso gelang es der vereinbarungsgemäß am 11. 3.
9 Uhr 30 Min. aus dem Brückenkopf entgegenstoßenden Besatzung den
Einschließungsring zu sprengen und dem Korps die Hand zu reichen.
Schon am folgenden Tag hatte das Korps «Tettau» mit den Divisionen:
Holstein, Pommern, den Resten der Divisionen Bärwalde, Charlemagne
und der 15. Lettischen SS-Division sowie mit Teilen des X. SS-Korps die
Insel Wollin erreicht. Insgesamt hatten dadurch 50 000 Menschen, darunter
3000 Verwundete und mehrere tausend Flüchtlinge, die sich der Bewegung
des Korps mit ihren Trecks angeschlossen hatten, ihre Freiheit wieder
erlangt.
Darüber hinaus trafen über Stepenitz noch Rückkämpfer der 5. Jäger¬
division in den eigenen Linien ein.
Sic alle wären verloren gewesen, wenn nicht die russischen Kräfte im
schweren Ringen an der Oder gebunden gewesen wären oder das Korps
den Marsch auf Stettin fortgesetzt hätte. Aber den letzten Riegel, der den
Durchbruch des Korps Tettau verhindern konnte, hatten wenige Tage
vorher die tapferen Matrosen zerbrochen, als sie alle in diesem Räume ver¬
fügbaren 72 Panzer des Gegners vernichtet hatten. Letzten Endes hing
aber die Rettung der 50 000 Menschen von dem einzigen in drei Worte
gefaßten Funkspruch ab: «Durchbruch auf Dievenow».

Der Fall von Kolberg
Einige Tage nachher gelang es dem Gegner, den «Festen Platz Kolbcrg»
zu nehmen, an den er zunächst nur mit schwachen Kräften heranging, dami
aber von allen Seiten scharf zufaßte. Die Besatzung wehrte sich, so gut es
mit den geringen Mitteln möglich war. Um jede Straße und jedes Haus
wurde hart gerungen; mehrere Feindpanzer konnten dabei abgeschossen
werden. Schließlich wurde die Besatzung von der feindlichen Übermacht
an die Küste gedrängt, wo sie von der Marine geschützt und in Sicherheit
gebracht werden konnte. Der «Feste Platz» hatte erhebliche Blutopfer ge¬
kostet, der Stadt viel Schaden zugefügt, aber keinen fühlbaren Einfluß
auf die Ereignisse in Pommern gehabt.

Schlußbetrachtung
Die vorstehende Schilderung der «Abwehrschlacht in Pommern» gibt
die Ereignisse so wieder, wie ich sie als Armeeführer erlebte. Sic war eine
Schlacht am Vorabend des Kriegsendes, die deutlich den Stempel dieser
Zeit trug. Der oberste Parteiführer Himmler selbst tritt als Schlachtenlcnker
auf den Plan. Er glaubte zunächst mit einigen Panzerdivisionen die
Kriegsentscheidung herbeiführen zu können. Nach einer mehrstündigen
Aussprache von dieser Fehlanschaung bekehrt, bcharrt er dennoch auf der
Durchführung einer aussichtslosen Offensive, weil es Hitler wünschte.
Nach dem Fehlschlagen dieser Aktion sollte nun Pommern unter allen Um¬
ständen gehalten werden, aber, gleichzeitig wurden jene Divisionen, die
hiezu befähigt sein konnten, abgezogen und einer andern Front zugeführt.
Meine warnende Stimme wird gehört, aber nicht beachtet. Dennoch werde
ich wenige Stunden vor Beginn der feindlichen Gegenoffensive mit der
Leitung der Abwehr beauftragt. Eine auf 250 km Breite ausgespannte
Armee mit 50 % improvisierten Verbänden wehrt sich verzweifelt gegen
eine erdrückende feindliche Übermacht, von der sie nach einem ausge¬
zeichneten aber anerkannten Plan entzweigeschnitten und von der Ver¬
nichtung bedroht ist. Die Oberste Führung behindert daraufhin die Armee
das zu tun, was die Lage zwingend erfordert. Befehle werden erteilt, die den
Ereignissen nachhinken und ein «Fester Platz» wird erfunden, für dessen
Verteidigung es weder Soldaten noch Waffen gab. Alles Zeichen einer ner¬
vösen Obersten Führung, die an der Wirklichkeit vorbeisah und aus den
Ereignissen nicht die nötigen Folgerungen zog.
Im Gegensatz dazu steht das Verhalten der Truppe, die mit unzuläng¬
lichen Mitteln tapfer kämpfte und Heldentaten vollbrachte, die würdig an
die Seite jener zu Kriegsbeginn gestellt werden können. Sie kannte nur
das Gesetz des Gehorsams und die Pflicht, ihre Heimat bis zum letzten
Atemzug zu schützen.

Aus:
Allgemeine schweizerische
Militärzeitschrift : ASMZ Heft 3/Band 117 - 1951

http://retro.seals.ch/digbib/voltoc?rid= ... p;id=browse&id2=browse4&id3=#n47

Beste Grüße aus Berlin
GUIDO

PS:Ich gedenke heute Allen, welche in dem wahnsinnigen Krieg, der heute vor 66 Jahren durch bedingungslose Kapitulation beendet wurde, SINNLOS gelitten haben oder verheizt wurden und für NICHTS ihr Leben liessen.

"Für Manche gab´s Ritterkreuze, für Viele jedoch nur Birkenkreuze!"
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Die Tulpe
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BeitragBeitrags-Nr.: 200761 | Verfasst am: 25.12.2012 - 16:04    Titel: Antworten mit Zitat

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Gruß
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BeitragBeitrags-Nr.: 200762 | Verfasst am: 25.12.2012 - 16:17    Titel: Antworten mit Zitat

hollowhills hat Folgendes geschrieben:
Hallo-
hier ein Artikel von Generaloberst a.D. Raus, u. a. ehemaliger Kommandeur der 3. Panzerarmee in Pommern 1945

Die Pommernschlacht und Abwehrkämpfe an der Oder : 22. Februar bis
10. März 1945

Von Generaloberst a. D. Raus


ich weiß nicht .... hat sich nicht die Graf Spee schon 1939 selbst versenkt und die SS-Panzerdivision "Germania" ???
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Boomer 3
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BeitragBeitrags-Nr.: 201532 | Verfasst am: 17.03.2013 - 00:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, ich wollte auch sagen, das Die Admiral Graf Spee, unter Kapitän Hans Langsdorf sich ende 1939 vor dem Rio de La Plata selbst versenkt hat, es könnte sich eigentlich nur um das Panzerschiff Admiral Scheer gehandelt haben, das wissen aber mit sicherheit die Marine Spezialisten.

Gruß
Christian
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 204995 | Verfasst am: 18.11.2015 - 16:18    Titel: Antworten mit Zitat

Gotrick hat Folgendes geschrieben:
Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Ich suche was zu einer "Kampfgruppe Kaldrack" ...

Wurde gebildet aus Teilen der HUS f.PzGrennies Arnswalde , der KGrFhr. Major Kaldrack ist im Einsatzgebiet Hochzeit am 29.1.45 gefallen .

Hat jemand mehr dazu ??

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Jan-Hendrik


Ich suche auch mehr info über dieses einheit.
Ich habe ein Soldbuch von Feldwebel (Später Oberfeldwebel) Schwerin, die im dieses kampfgruppe war.
Später geht Schwerin zu Kampfgruppe Peinze... jemand mehr info?


Müßte Major Günter Kaldrack gewesen sein Idee

Anfang 1944 IIa beim XLVIII.PzKps.

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Jan-Hendrik
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Gotrick
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BeitragBeitrags-Nr.: 204996 | Verfasst am: 18.11.2015 - 17:16    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Gotrick hat Folgendes geschrieben:
Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Ich suche was zu einer "Kampfgruppe Kaldrack" ...

Wurde gebildet aus Teilen der HUS f.PzGrennies Arnswalde , der KGrFhr. Major Kaldrack ist im Einsatzgebiet Hochzeit am 29.1.45 gefallen .

Hat jemand mehr dazu ??

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Jan-Hendrik


Ich suche auch mehr info über dieses einheit.
Ich habe ein Soldbuch von Feldwebel (Später Oberfeldwebel) Schwerin, die im dieses kampfgruppe war.
Später geht Schwerin zu Kampfgruppe Peinze... jemand mehr info?


Müßte Major Günter Kaldrack gewesen sein Idee

Anfang 1944 IIa beim XLVIII.PzKps.

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Jan-Hendrik


Ja richtig!
Siehe:

Auszug aus Mörikes "Der Kampf um den Kreis Arnswalde im Jahre 1945"

"In der Artillerie-Kaserne von Arnswalde befand sich eine Unteroffiziersschule von Panzergrenadieren, deren Kdr. und
gleichzeitig Standortältester - bis zum 26.1.45 Mj.Kaldrack gewesen war....

27.1.1945
Die Heeres-Unteroffizierschule Arnswalde verteidigte unter ihrem Kdr. Mj- Kaldrack den Abschnitt Gramswalde - Schönow südw.
von Schloppe an der Reichsstrasse 1 (Deutsch Krone - Hochzeit - Woldenberg). Eine Komp. dieser Schule hatte in der Nähe
von Zützer Gefechtsberührung mit den vordrängenden Sowjets gehabt und hierbei blutige Verluste erlitten. Der Komandeur der
Schule und Standortälteste der Garnison Arnswalde, Mj. Kaldrack fiel bei der Verteidigung des dort liegenden und seinem
Schwiegervater gehörenden Gutes Zützer durch Kopfschuß aus einem Panzer.

28.1.45
Die über die Netze bei Scharnikau vorstoßenden sowj. Verbände waren mit 200 Panzern in Richtung Schloppe - Hochzeit weiter vorgestoßen.
Die zwischen Schloppe und Schönow stehende Unteroffiziersschule Arnswalde hatte starke Verluste erlitten.

30.1.45
Während die Anstrengungen des Kampfkommandaten von Arnswalde Gen.Mj Voigt hauptsächlich darin bestanden, die für die Verteidigung der Stadt
Arnswalde dringend erforderlichen Truppen zu erhalten, verliß die Heeres- Unteroffiziersschule, von der eine Kompanie im Abschnitt der
402. Inf.Div. ostw. der Drage kämpfte, die Stadt Arnswalde: "Am Vormittag verabschiedete sich fernmündlich der bisherige Standortoffizier,
Hauptmann Häußler, von mir. Seine Einheit, die Heeres-Unteroffiziers-Schule, wurde eilig nach Thüringen verlegt (Dr. Tuchow)..."


Ein bild: http://i64.tinypic.com/2h5ilgp.jpg
Ich denke das Peinze (oder Peine??) der neue einheitsführer war nach der tod von Kaldrack.
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 205093 | Verfasst am: 30.11.2015 - 18:20    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Hat jemand was zu einer Kampfgruppe Sachtleben ? Soll lt. Helmut Lindenblatt "Die letzten Tage des Kreises Neustettin" zur Div "Pommern" gehört haben und fast Regimentsstärke gehabt haben , ihm unterstellt waren der Panzerzug 77 und 4 Jagdpanzer . Kampfgebiet : Bublitz !

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Jan-Hendrik


Hermann Sachtleben war bei Beginn von 'Barbarossa' Kdr. der Pz.Jg.Abt.32(als Hauptmann), nach dem Njemenübergang Fhr. der Vorrausabteilung der 32.ID und hat sich als dieser das DKiG verdient( 1.12.41, da bereits Major).

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Jan-Hendrik

EDIT: den Namen der KaGr. kann ich leider auch nicht entziffern...
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 208356 | Verfasst am: 04.05.2017 - 06:28    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Steiner:
26.11.1944 - 26.01.1945 Oberbefehlshaber der Armeegruppe Steiner
bei der Heeresgruppe Nord (Ferdinand Schörner) SW Libau mit der 11. SS-Freiwilligen-Panzer-Grenadier-Division “Nordland“ (Joachim Ziegler), SS- Freiwilligen-Panzer-Grenadier-Brigade “Nederland“ (Jürgen Wagner), 14. Panzer-Division (GLt Martin Unrein), 11. Infanterie-Division (Gerhard Feyerabend), 126. Infanterie-Division (GLt Gotthard Fischer, dann Oberst Kurt Haehling) und 87. Inf.Div. (OT Haehling, dann GLt Mauritz von Strachwitz)

26.01.1945 in der Nacht Eintreffen in Stettin nach Beauftragung mit der Verteidigung Hinterpommerns.
Bildung eines Führungsstabes zur Überwachung des Eintreffens des III. (Germ.) SS-Panzer-Korps über See von der Kurlandfront, wo in der Nacht zum 28.01.1945 die Reste des Korps in Libau verladen werden.

28.01.1945 aus Teilen des Stabes Oberkommando Oberrhein wird das (Pz) AOK 11 neu aufgestellt

05.02.1945 - 25.03.1945 Oberbefehlshaber der 11. Armee, (also 11. Panzer-Armee)
zunächst mit dem X. SS-Armee-Korps (von dem Bach / GLt Günther Krappe), dem mobil gewordenen Wehrkreis II (Walter Hoernlein) und dem III. SS-PzK (GLt Martin Unrein).
Tritt am 16.02.1945 befehlsgemäß mit 7 vollen und 5 unfertigen Divisionen nach Süden an: XXIX. Panzer-Korps (Karl Decker) und III. SS-Panzer-Korps mit 10. SS- Panzer-Division “Frundsberg“ (Heinz Harmel), 4. SS-Polizei- Panzer-Grenadier-Division (Walter Harzer), 11. SS-“Nordland“, “Nederland“, 2 Bataillone “Langemarck“, 281. Infanterie-Division (Bruno Ortner), Führergrenadier-Division (FGD: Hellmuth Mäder), Führerbegleit-Division (FBD: Otto-Ernst Remer), 402. Infanterie-Division (Siegmund Frhr. von Schleinitz), 5. Jägerdivision (Friedrich Sixt), Division Bärwalde (Wilhelm Raithel) und Division Köslin (Oberst Sommer). Muss zwischen dem 16.02. und dem 20.02.1945 die Hälfte seiner Truppen wieder abgeben:
4. und 11. SS sowie FBD und FGD.
Später unterstehen ihm kurz die Korpsgruppen Munzel und Tettau.
(General der Infanterie Otto Maximilian Hitzfeld nennt den Verband in seinen Memoiren 11. Panzerarmee)

15. - 22.02.1945 Unternehmen “Sonnenwende“ zur Öffnung des Rings bei Arnswalde.
Danach muss die 11. Armee zur Verteidigung übergehen, sie wird in der Front durch das PzAOK 3 (Erhard Raus, ab 10.03.1945 Hasso von Manteuffel) ersetzt.

24.02.1945 das AOK 11 wird aus der Front herausgelöst, der Stab AOK 11 soll ohne OB in den Harz verlegt werden

25.03.1945 Befehl Hitlers zur Auflösung des Stabes AOK 11 unter gleichzeitiger Bildung eines Korpsstabes z.V. OKW und eines Stabes z.V. Steiner für einen zu befehlenden Sondereinsatz

Neuaufstellung 11. AOK an der Weser bis in den Raum Kassel (ab 08.04.1945 in der “Festung Harz“)
02.04.1945 - 09.04.1945 stellvertretender OB: Otto-Maximilian Hitzfeld (Lucht vorübergehend am Laacher See vermisst)
Walther Lucht:
08.04.1945 - 21.04.1945 OB der 11. Armee



http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=92107


Soviel zu den "Gerüchten" bezüglich einer angeblichen 11.SS-Panzerarmee Zwinkern

Winken

Jan-Hendrik


Hier

noch ein interessantes Dokument zum Befehlswechsel von Steiner zu Hitzfeld Lachen

Winken

Jan-Hendrik
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