Frankreich vs. Preußen 1870/1871
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Florian
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BeitragBeitrags-Nr.: 64901 | Verfasst am: 11.07.2005 - 19:59    Titel: Frankreich vs. Preußen 1870/1871 Antworten mit Zitat

Hoi,

wie wars möglich, dass die Preußen damals die Franzosen überrannt haben und den Kaiser Napoleon III. so gedemütigt haben.
40 Jahre später endete der Vorstoß ja in einem Desaster.

mfg
Florian
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 64902 | Verfasst am: 11.07.2005 - 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

Gib mir ein paar Tage Zeit und ich liefere Dir eine Ausarbeitung darüber !

Grins

Jan-Hendrik
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Florian
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BeitragBeitrags-Nr.: 64903 | Verfasst am: 11.07.2005 - 20:05    Titel: Antworten mit Zitat

wenns nicht zu komplex und umfangreich wird Gut gemacht!
mfg
Florian

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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 64904 | Verfasst am: 11.07.2005 - 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Wollte eh , jetzt wo i Zeit habe , mal was drüber schreiben ...

Winken

Jan-Hendrik
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 64933 | Verfasst am: 12.07.2005 - 08:07    Titel: Antworten mit Zitat

So , hier erst mal die Kurzfassung :

Napoleon III. war so überzeugt , das seine Armee die Deutschen wegfegen würde , das die Planungen seiner Armee sich darauf beschränkten , den Rhein zu gewinnen und auf Berlin zu marschieren . Also sollte der Krieg auf deutschem Boden ausgetragen werden , Pläne für eine Verteidigung Frankreichs wurden nicht für nötig befunden . Allerdings unterschätzte der Herr das Können des preussischen Generalsstabschefs von Moltke . Dieser schaffte des durch effiziente Ausnutzung des vorhandenen Eisenbahnnetzes die dt. Truppen schneller mobil zu machen und somit in die Situation zu kommen , das ER von Anfang an die Initiative besaß . Allerdings war er klug genung , seine Pläne recht grob zu halten , um sich so eine Flexibilität ggenüber den franz. Reaktionen zu bewahren ( daher stammt auch sein berühmtes Zitat : "Kein Schlachtplan übersteht das erste Treffen" ! ) . Diese Doktrin verinnerlichten sich auch die unter ihm führenden Armee-, Korps- , und Divisionskommandeure , sprich : sie hielten sich nicht starr an die von oben kommenden Befehle sondern nutzten die jeweilige Situation unter den entstehenden Lagen zu ihrem Vorteil aus .

Demgegenüber verhielten sich die franz. Armeeführer starr& unflexibel , keiner war bereit , in irgendeiner Form selbstständig die Initiative zu ergreifen . So wurden mehere , für die dt. Truppen gefährliche Lagen nicht genutzt und wurden so in umgekehrter Form für die franz. Truppen zum Desaster . Der franz. Rückzug Richtung Verdun wurde dadurch zu einer mittleren Katastrophe und endeten dann in der fatalen Niederlage von Sedan .

Nach dem Umsturz in Paris versuchte man , die deutschen Armee mit hastig aufgestellten Volkstruppen aufzuhalten , doch auch hier fehlte die koordnierende Kraft im Hintergrund . Statt die zahlenmäßige Überlegenheit dieser neuen Einheiten durch geschicktes taktieren auszunutzen und so den dt. Griff nach Paris abzuschneiden ließ man sie in endlosen , verlustreichen Frontalangriffen nach und nach verbluten . So konnte die dt. Armee ihre zahlenmäßige Unterlegenheit immer wieder mit ihrer taktischen Überlegenheit mehr als ausgleichen .

Man kann also sagen , das die franz. Armee , die damals als sehr erfahren galt ( und der fast alle zutrauten , den Deutschen eine Niederlage wie einst durch Napoleon I. beizubringen ) vor allem an der eignenen Armeeführung gescheitert ist , die sich lieber in Selbstgefälligkeit übte als sich den geänderten Verhältnissen auf dem Schlachtfeld anzu passen .

Dem geneigten Leser dürfte an dieser Stelle auffallen , das sich hier interessante Parallen zur franz. Niederlage 1940 auftun ...


Zu Rate gezogene Quelle :

Dr. Franz Uhle-Wettler , "Höhe - und Wendepunkte deutscher Militärgeschichte"

Winken

Jan-Hendrik


Zuletzt bearbeitet von Jan-Hendrik am 12.07.2005 - 18:08, insgesamt einmal bearbeitet
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Florian
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BeitragBeitrags-Nr.: 64938 | Verfasst am: 12.07.2005 - 09:40    Titel: Antworten mit Zitat

kurz und prägnant, so seh ichs gern Zwinkern

hab mal was gehört, dass die deutschen auch technologisch, durch neuartige kruppgeschütze(?) im vorteil waren. stimmt das?
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 64939 | Verfasst am: 12.07.2005 - 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Das dürfte , im Vergleich zu den franz. Führungsfehlern , eher marginal gewesen sein . In diesem Krieg war weniger die Waffentechnik entscheidend als die jeweiligen strategischen und taktischen Koordinationsfähigkeiten .

Winken

Jan-Hendrik
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Einfacher Soldat
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BeitragBeitrags-Nr.: 64960 | Verfasst am: 12.07.2005 - 12:11    Titel: Antworten mit Zitat

Zunächst war die Infanterie der Franzmänner dank des 1866 entwickelten Chassepot Gewehrs überlegen, allerdings war die Deutsche Artillerie überlegen, da der Feind noch mit Vorderladern auskommen musste, in der Infanteriebewaffnung konnte Deutschland im Verlaufe des Krieges nachrüsten.
49.400 Deutsche und 139.000 Franzosen fielen in diesem Krieg.
Damit war dieser Krieg eine ähnlich große Schande für den Franzosen wie später 1940.Den 1.WK hätte Frankreich aus eigener Kraft gegen das Deutsche Rech auch nicht durchstehen können, nur dank GB/später auch den USA, konnte ein Durchbruch verhindert werden.

Seit Napoleon war Frankreich als Millitärmacht mehr Schein als Sein!
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Jörg-Sebastian
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BeitragBeitrags-Nr.: 65025 | Verfasst am: 12.07.2005 - 17:54    Titel: Antworten mit Zitat

Klasse Beitrag Jan-Hendrik...uaf dem Thema bin ich "unterbemittelt"...

Kannst du etwas zur Belagerung der Stadt Paris schreiben? Denn dort kämpfte mein Ur-Ur-Opa...habe auch den Militärpass noch...
Wurde konsequent draufgeschossen? Wieviele Einheiten/Material war auf Deutscher und Französischer Seite?

Zitat:
Dem geneigten Leser dürfte an dieser Stelle auffallen , das sich hier interessante Parallen zur franz. Niederlage 1940 auftun ...


Sehr wohl, sehr wohl...eine freie Operationsmöglichkeit der Befehlshaber aus den Einheiten war auch da nicht vorhanden (vlt. mit ausnahme de Gaullés), auch weil die Befehlshaber meistens 20-50km hinter der Front wahren...

Jaja...die Franz(h)osen... Grins

Gruß

Jörg
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 65027 | Verfasst am: 12.07.2005 - 18:02    Titel: Antworten mit Zitat

Gib mir noch ein paar Tage Zeit , dann kann ich mich auch zu Details auslassen ...

Winken

Jan-Hendrik
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Jörg-Sebastian
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BeitragBeitrags-Nr.: 65030 | Verfasst am: 12.07.2005 - 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Alles klar, vielen Dank...

Ich warte gerne...

Gruß

Jörg
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aycaramba
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BeitragBeitrags-Nr.: 67619 | Verfasst am: 02.08.2005 - 08:03    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:

Demgegenüber verhielten sich die franz. Armeeführer starr& unflexibel , keiner war bereit , in irgendeiner Form selbstständig die Initiative zu ergreifen .
Jan-Hendrik


Das könnte evt. an der franz. Mentalität liegen. Nach einer Untersuchung von Geert Hofstede aus den späten 60er bzw. frühen 70er herrscht in Frankreich eine sehr hohe Machtdistanz,d.h. Entscheidungen werden nach oben verlagert.
Personen in niedrigen hierarchischen Positionen werden sich hüten irgendwelche Entscheidungen zu treffen.
In Deutschland herrscht eine relativ niedrige Machtdistanz.

In wieweit sich das Ergebnis der Untersuchung (Mitarbeiter von IBM weltweit) allerdings auf die damalige Zeit und das Militär übertragen lassen weiß ich nicht. Solche Verhaltensweisen sind i.d.R. tief in einer Gesellschaft verwurzelt, d.h. sie ändern sich nur langsam.

Gruß Rainer
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 67620 | Verfasst am: 02.08.2005 - 08:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke mal , das läßt sich schon übertragen ,immerhin führten quasi die gleichen Gründe zur Niederlage von 1940 .

Meine Meinung

Jan-Hendrik
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Olli
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BeitragBeitrags-Nr.: 67670 | Verfasst am: 02.08.2005 - 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ich meine mal gelesen zu haben, dass bei der "Bombardierung" von Paris mehr dt. Kanoniere durch Unfälle ums Leben kamen als Pariser (Bevölkerung).??!
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Michael1
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BeitragBeitrags-Nr.: 76559 | Verfasst am: 06.11.2005 - 22:06    Titel: Antworten mit Zitat

Cool Der Krieg von 1866 und seine Erfahrungen veranlasten den
preußischen Generalstab zu Schlußfolgerungen in bezug
auf die Taktik.
Die unteren taktischen Infanterieeinheiten sollten sich
um ständiges und festes Zusammenwirken bemühen,auch
wenn sich die Bataillone schon beim Eintrit in die Zone des
Geschützfeuers taktisch zerlegten.
Zur Führung nachhaltiger Schützengefechte sollte vor allem
die Kompaniekolonne angewandt werden.Das Schützengefecht
bildet nicht mer ein Hilfsmittel zum Erringen des Sieges,sondern
das unter Umständen allein entscheidende Kampfmittel.
Da die gesteigerte Feuerwirkung der Infanterie einen Angriff
auf die Front des Gegners fast unmöglich macht,orientierte
der Generalstab vor allem auf den Angriff in seine Flanken.
In der Verteidigung sollte aus der Tiefe gefochten,in der Front
die Kräfte nur sparsam eingesetzt werden,während gestaffelt
hinter den Flügeln starke Reserven bereitstünden.
Auch die Marschordnung der Truppen wurde verbessert.
Die größte taktische Veränderung wurde für die Artillerie
empfolen.
Sie sollte jetzt nicht mehr einen Zweikampf mit den
gegnerischen Batterien führen,sondern im engen
Zusammenwirken mit der Infanterie den entscheidenden
Angriff vorbereiten oder den gegnerischen Sturm abwehren.
Dazu wurde der Grundsatz des Zusammenwirkens aller
Waffen betont.
Auch die Kavallerie sollte sich nicht mehr wie 1866 hinter der
Armee herschleppen,sondern weit vor den eigenen Kräften
aufklären und den Gegner beunruhigen.
Allerdings trug die Orientierung auf die Kompaniekolonne
nicht der tatsächlichen Entwicklung der Feuerwaffen Rechnung.
Die Kompaniekolonne als taktische Einheit war noch zu groß
und zu starr,sie bot dem gegnerischen Feuer ein zu großes
Ziel.Diese taktische Formation mußte gegenüber einem
modern bewaffneten Gegner zu unnötigen hohen Verlusten
führen,wenn sie nicht auf dem Gefechtsfeld verändert wurden.

König Wilhelm selbst,lehnte eine offizielle Anerkennung der
Vorschläge des Generalstabes auf dem Gebiet der Taktik ab.
Nur durch die von Moltke angeregte Initiative des Truppen-
generalstabes und der Kommandoorgane der Armeekorps und
Divisionen konnten einige dieser Vorschläge in der Truppe
wirksam werden.
Erst am Vorabend des Krieges gegen Frankreich fand sich der
König bereit,der Ausarbeitung der neuen Richtlinien
zuzustimmen.
Dagegen konnte der Chef des Generalstabes seinen Stand-
punkt für eine verbesserte operative Truppenführung
durchsetzen.

Zusammensetzung der deutschen Armee:

Feldarmee:462 000 Mann Infanterie 57 000 Mann Kavallerie
Geschütze:1584
Besatzungstruppen:150 000 Mann Infanterie 8300 Kavallerie
Geschütze:180
Ersatztruppen:147 000 Mann Infanterie 17 600 Kavallerie
Geschütze:282
Die gesamte Artillerie wurde vor beginn der Kampfhandlungen
auf gezogene Geschütze ummgestellt.
Das Zündnadelgewehr wurde durch ein verbessertes Modell
ersetzt.

Georgi143
Winken


http://img388.imageshack.us/img388/2359/lastscanmitralse8jx.jpg
Französische Mitralöse und Chasepotgewehr


Zuletzt bearbeitet von Michael1 am 15.02.2010 - 16:31, insgesamt einmal bearbeitet
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