englische Seeblockade der Nordsee 1914
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Fred
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BeitragBeitrags-Nr.: 87789 | Verfasst am: 25.02.2006 - 20:45    Titel: englische Seeblockade der Nordsee 1914 Antworten mit Zitat

Hallo alle zusammen.
Gibt es zu diesem Thema Kartenmaterial, habe bei Google absolut nichts gefunden.

Gruß Fred Winken
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BeitragBeitrags-Nr.: 87828 | Verfasst am: 26.02.2006 - 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

repräsentativ für August 1914 und die Folgezeit (ausgenommen die großen Operationen) das "Alltagsgeschäft":

aus Marine-Archiv, Dere Krieg zur See 1914-1918, Nordsee Band 1:

http://i1.tinypic.com/okbs3p.jpg

Grüße
Thomas Winken
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Fred
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BeitragBeitrags-Nr.: 87832 | Verfasst am: 26.02.2006 - 11:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas, danke für den Hinweis. Jetzt weis ich zumindest wo ich nachschlagen kann. Die Karte ist auch Klasse.

Fred Winken
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Tom Heyer
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BeitragBeitrags-Nr.: 148886 | Verfasst am: 03.06.2008 - 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

War die englsiche Seeblockade eigendlich genauso wie der uneingeschränkte U-bootkrieg Völkerrechtswiedrig?
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Le Marquis
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BeitragBeitrags-Nr.: 148912 | Verfasst am: 03.06.2008 - 21:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zur damaligen Zeit galt alles als völkerrechtswidrig, was die Zivilbevölkerung in die Kriegshandlungen hineinzog. Die Politiker waren, in phänomenaler Verkennung der modernen Zeit (in der die Zivilbevölkerung für das Funktionieren der Kriegsmaschinerie von erheblicher Bedeutung war) auf dem Clausewitzschen Standpunkt, dass der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei, stehengeblieben. Man meinte, dass der Krieg immer noch ein ganz abstraktes Gebilde war welches mit dem Rest des täglichen Lebens nichts zu tun hat. Damals wie heute glauben die Menschen in ihrer Borniertheit, dass der Krieg irgendwo weit weg (praktisch in einem Paralleluniversum) stattfindet und nach fairen und klaren Regeln abgehalten wird. Etwa wie ein Fussballtunrnier. Der Mensch kann bis heute nicht begreifen, dass der Krieg ihn bis in kleine Details seines täglichen Lebens beeinflusst.

Die deutschen Eliten hatten in ihrer auf das Heer fixierten Engstirnigkeit vergessen, dass die Seeblockade eine absolut logische Nutzung der englischen Seestreitmacht ist. Die Engländer waren sich als Industrienation schließlich der Bedeutung der Arbeiterschaft und der Industrie als Ganzes für die Kriegführung bewusst. Die Blockade der Rohstoffzufuhr nach Deutschland hat ja schließlich auch zu einem erheblichen Teil zur Niederlage beigetragen. Einen Gegner ohne größere eigene Verluste zur Niederlage zu zwingen in dem man durch das Abschneiden der Rohstoffversorgung seine Kampfkraft schwächt ist so zwingend logisch, dass die Nichtanwendung der Blockade aus englischer Sicht einen strategischen Fehler ersten Ranges bedeutet hätte.

Der Deutsche U-Boot Krieg hingegen war lediglich der Versuch einer defensiv englischen Blockade eine offensiv deutsche Blockade gegenüberzustellen. Bei der Frage nach der Völkerrechtswidrigkeit ist festzustellen, dass sich beide Seiten hier prinzipiell die Waage halten und nur in der Wahl der Mittel ganz wesentliche Unterschiede festzustellen sind. Obwohl die Deutschen ein Kampfmittel (Das U-Boot) in der Offensiven Rolle verwendeten war der U-Boot Krieg vom Standpunkt des Völkerrechts wohl weniger verwerflich als die englische Seeblockade. Dem U-Boot-Krieg hätte man sich als friedliebender Mensch entziehen können indem man nicht zur See fuhr. Der Seeblockade jedoch, war jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in Deutschland ganz unterschiedslos ausgesetzt.

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Le Marquis


Zuletzt bearbeitet von Le Marquis am 11.11.2009 - 23:33, insgesamt einmal bearbeitet
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 149012 | Verfasst am: 04.06.2008 - 22:25    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Die deutschen Eliten hatten in ihrer auf das Heer fixierten Engstirnigkeit vergessen, dass die Seeblockade eine absolut logische Nutzung der englischen Seestreitmacht ist.


Das sehe ich nicht so Zwinkern

Die Problematik lag wohl eher darin, das mit dem Aufkommen von GB als aufkommenden Gegener ab spätestens 1907 ganz einfach die daraus resultierenden globale Dimension des zukünftigen Krieges vor allem von Moltke d.J. nicht realisiert wurde. Es taucht zwar als Nebensatz in seinen Denkschriften auf, aber entspechende angedachte Konsequenzen hieraus wären mir von ihm als Chef des Großen Generalstabs nicht bekannt...

Meine Meinung

Jan-Hendrik
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Gardes du Corps
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BeitragBeitrags-Nr.: 149013 | Verfasst am: 04.06.2008 - 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht haben die deutschen Eliten auch nicht mit so viel Niedertracht der eigenen Verwandten gerechnet?

Natürlich muss man als Militär sämtliche Möglichkeiten des Feindes durchgehen - aber muss man auch mit den größten Schweinereien von seiner Seite rechen?
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 149015 | Verfasst am: 04.06.2008 - 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

Spätestens ab 1907? Ja, sonst hat man seine Hausaufgaben nicht gemacht. Dafür waren die Planungen des Großen Generallstabs schließlich da Idee

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 149196 | Verfasst am: 06.06.2008 - 11:44    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Die deutschen Eliten hatten in ihrer auf das Heer fixierten Engstirnigkeit vergessen, dass die Seeblockade eine absolut logische Nutzung der englischen Seestreitmacht ist.
Das sehe ich nicht so Zwinkern

Die Problematik lag wohl eher darin, das mit dem Aufkommen von GB als aufkommenden Gegener ab spätestens 1907 ganz einfach die daraus resultierenden globale Dimension des zukünftigen Krieges vor allem von Moltke d.J. nicht realisiert wurde. Es taucht zwar als Nebensatz in seinen Denkschriften auf, aber entspechende angedachte Konsequenzen hieraus wären mir von ihm als Chef des Großen Generalstabs nicht bekannt...


Hmm, über Moltke lässt sich kaum streiten. Sicher hat Moltke die Dimension des zukünftigen Krieges nicht vorhersehen können, aber damit war er ja in bester Gesellschaft. Nicht umsonst war der Krieg ein so großer Schock für die Völker, war er doch der erste seiner Art und mit allemm bisher dagewesenen unvergleichbar. Niemand hat eine solche Dimension vorhersehen können. Das spielt aber bei der Beurteilung der Seeblockade keine Rolle.

Deswegen habe ich auch recht Grins Die maßgeblichen Instanzen in Deutschland waren (was ja für die stärkste Landmacht der damaligen Zeit in Europa nicht ungewöhnlich ist) immer auf das Heer fixiert. Eine weitgreifende Flottenstrategie hat es in Deutschland eigentlich nie gegeben (den eher unrealistischen Z-Plan klammere ich in meinen Überlegungen immer aus).

Die Überlegenheit Englands zur See ergibt sich aus der historischen Entwicklung seit der Versenkung der Heiligen Armada und der hervorragenden geographischen Lage zu Deutschland. Es ist für die Blockadestrategie praktisch prädestiniert. Ich zweifle daran, dass die englische Blockade dauerhaft und wirkungsvoll hätte durchbrochen werden können. Dazu hätte die deutsche Flotte um ein vielfaches stärker sein müssen als die englische und die deutsche Flotte hätte die englische handlungsunfähig machen müssen, d. h. vernichten. Beides war unwahrscheinlich. England hätte auch nach einem einmaligen Durchbruch der Hochseeflotte (welche nicht die erforderliche Reichweite für einen transozeanischen Krieg hatte) die Deutschen Kriegs- und Handelsschiffe sehr wirksam angreifen können.

Auch ohne die Weltkriegsdimension, bei einem Konflikt nur zwischen England und Deutschland, hätte klar sein müssen, dass das Abschneiden der Einfuhren über See ein erhebliches strategisches Problem sein würde. Diese Überlegung wurde (ähnlich wie in frankreich zu Napoleons Zeiten) deutscherseits vernachlässigt. Ein Fehler ersten Ranges.

Panzer Hurra!
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 149199 | Verfasst am: 06.06.2008 - 12:10    Titel: Antworten mit Zitat

Selbst die angedachte Vernichtungsschlacht hätte nichts gebracht, denn:

a) die Reichweite der kohlebefeuerten Schiffe damals war zu begrenzt

und

b) die nächsten für Dtl. nutzbaren Kohlenstationen zu weit weg

Ergo wäre selbst ein "glorreicher Sieg" nichts weiter als ein Pyrrhussieg geworden.

Winken

Jan-Hendrik
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Le Marquis
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BeitragBeitrags-Nr.: 167740 | Verfasst am: 22.02.2009 - 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

Interessanter Punkt, gab es eigentlich einen Plan für den Zeitpunkt nach dem Sieg über die britische Flotte? Was wollten die deutschen Marinestrategen mit Ihrer neugewonnenen Bewegungsfreiheit auf der Nordsee denn anfangen? Oder hatte man einen Landungsplan?

Gruß
Le Marquis
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BeitragBeitrags-Nr.: 176837 | Verfasst am: 16.10.2009 - 23:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe den Beitrag leider jetzt erst gelesen.

Das Problem lag meiner Meinung darin, dass niemand - am allerwenigsten Deutschland - mit einem langen Krieg gerechnet hat. 14 Tage oder 3 Wochen, o.k., aber über Jahe hinweg?

Bei einem kurzen Krieg von wenigen Wochen wäre eine Seeblockade kein Thema gewesen. Diese wurde erst wirksam durch die Dauer des Krieges und die endgültige Einschliessung, nachdem auch Italien in das Lager der Gegner eingetreten war, wodurch die Versorgungslage endgültig desolat wurde.

Ich bezweifele, dass die deutsche Marineführung so optimistisch war, wie der deutsche Kaiser und mehr als einen hinhaltenden Wiederstand gegen die verbündeten alliierten Flotten erwartet hat. Unter diesen Umständen und in Anbetracht der militärischen Lage zur See (und nicht nur in der Nordsee!) halte ich die deutschen Erfolge für bemerkenswert.

Gruss

Frank
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BeitragBeitrags-Nr.: 177748 | Verfasst am: 12.11.2009 - 00:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe Eberhard Rössler "Die Geschichte des deutschen U-Bootbaus" gelesen. Spannende Lektüre. Er führt aus, dass man sich in Sachen der U-Boot Bauplanung erst im ersten Quartal des Jahres 1915 eingestand, dass der Krieg länger dauern könnte. Da begann man dann Boote in Bau zu geben, die nicht schon innerhalb von ein paar Monaten geliefert werden konnten. Heißt, dass man sich bei der Marine (wie im Heer ja auch) erst über die neue Art dieses Krieges klar werden musste. Eine Planung für ein solch langes Kriegsereignis gab es offenbar nicht.

Dazu kommt, dass die Marineführung unangenehm überrascht war, als klar wurde, dass die Royal Navy eine Fernblockade durchzuführen gedachte und die gesamte Nordsee sowie den Kanal sperrte. Man hatte damit gerechnet, dass die Briten nahe herankommen und eine enge Blockade um die deutschen Küste legen würden. Da hat man es sich ein bisschen zu bequem gemacht und in überalterten Vorstellungen gedacht. Die Briten nahe herankommen lassen, sie mit den eigenen überlegenen und nagelneuen Schiffen in einer Seeschlacht schlagen und über die ganze Nordsee zum Teufel jagen.

Offenbar hat man nicht berücksichtigt, dass die moderne Technik, die geopolitischen Verhältnisse, der motorisierte Seehandelsverkehr bessere Logistik und eine effiziente Verwaltung andere Anforderungen stellt und - im Vergleich zu früheren Konflikten - andere Möglichkeiten bietet. Durch den Seefernhandel konnte England auf den Nahverkehr verzichten und sich über lange Handelsrouten versorgen. Durch die bessere Schiffsbautechnik konnte eine Fernblockade ebenso effizient durchgeführt werden, wie eine küstennahe. Die Navy konnte dank moderner Signaltechnik und Struktur schnell auf deutsche Flottenbewegungen reagieren und war so in der strategisch günstigeren Position.

Panzer Hurra
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