Die Ereignisse in Tschechien 1945
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wobo28
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BeitragBeitrags-Nr.: 106909 | Verfasst am: 15.10.2006 - 18:04    Titel: Die Ereignisse in Tschechien 1945 Antworten mit Zitat

Werte Leser des Forums!

Unter dem Thema "Tschechien 1945" habe ich einen neuen Thread eröffnet, um mit eurer Hilfe einige Details zu klären. Ich würde mich freuen, wenn dadurch Fragen beantwortet werden könnten, die sich aus den Memoiren meines Vaters, Jahrg. 28, ergeben. Er ist noch recht rüstig, und seit der "Grass-Debatte" haben wir uns wieder etwas stärker seinen Memoiren gewidmet, die er bereits vor ca. zehn Jahren zu schreiben begonnen hatte.

Hier mal ein Anfang:
Er wurde nach zwei Wochen RAD (Arbeit am Friesenwall) am 8. April 45 als 16jähriger in die Caspari-Kaserne in Delmenhorst eingezogen und kam als Panzergrenadier zum 65. Infanterieregiment. Wer hat Informationen über dieses möglicherweise letzte Aufgebot der Caspari-Kaserne und das 65. Inf.regiment, das ja mehrmals neu aufgestellt und auch umbenannt wurde?

Bereits am Montag, 9.4. ging der Marsch nach Bremen, anschließend auf 50 Güterwaggons und mit einem Stück Schweizer Käse und einem halben Pfund Butter als Reiseproviant, ging die Fahrt über Soltau, Salzwedel, Stendal nach Berlin. Erste Deserteure verlassen während eines Halt auf freier Strecke kurz vor Rathenow den Trupp. Weiterfahrt über Dresden nach Brüx.
In Brüx wird der Zug von Tieffliegern bombardiert, gleichzeitig wird die Truppe von Sudetendeutschen mit Applaus empfangen. Abmarsch in die Kaserne des 234. Infanterie-Regiments in Brüx. Weiß jemand etwas über diese Kaserne, in welchem damaligen oder heutigen Gebäude sie sich befand und auf welchem der beiden größeren Hügel in Brüx sie gelegen hat? Jedenfalls explodierte bei der Ankunft in der Kaserne erst einmal eine Handgranate.

Da mein Vater dort erkrankte, konnte er nicht mit seiner Einheit ausrücken. Am Mittwoch, 2.5., ging es im Nachtmarsch weiter nach Leitmeritz. Unterkunft auf einem Bauernhof, wo sie morgens um sechs Uhr ankommen und dort einen russisch sprechenden Trupp der Wlassow-Armee antreffen, die - in feldgrauer Militärhose und im Unterhemd - sich am Brunnen erfrischen.

Der nächste Nachtmarsch am 3.5. geht nach Böhmisch-Leipa, wieder auf einen Bauernhof. Nachmittags Verpflegung holen in Varnsdorf mit einer Lok und einem Waggon.

Am 7.5. Nachtmarsch nach nach Jablonne über Nimes. Hier verliert mein Vater seine Truppe, gilt als Versprengter, trifft auf eine Kolonne und fährt dort im LKW auf der Straße 13 in Richtung Heida (Navi Bor). 6 km nach Zwickau (Cvikov), am Ortsausgang von Svor, russischer Panzerbeschuß aus "14 Uhr" in die Kolonne. Der LKW biegt nach links in einen Feldweg ein und kommt nach Jungbunzlau. An der Brücke über die Iser wird die Gruppe von tschechischen Freischärlern entwaffnet. (Der deutsche Kommandant von Jungbunzlau hatte bereits am 5. Mai die Stadt an die tschechische Kommandatur übergeben. Hinweis von Detlef Brandes aus seinem Buch "Die Tschechen unter deutschem Protektorat", Bd. 2).

Die Gruppe Gefangener, etwa 80-90 Mann, werden durch die Stadt geführt, am südlichen Ende von Jungbunzlau in einem Vorort auf ein Fabrikgelände (ein paar hundert Meter nördlich des Friedhofs) gebracht. Dort mußten sie sich in Dreierreihen aufstellen und warteten auf ihre Exekution. Vor ihnen waren zwei russische MG auf Rädern (7.62mm Model 1910 Maxim mit Schutzschild), und die beiden Schützen warteten auf ihren Schießbefehl. Nach fünf oder sechs Stunden des Wartens, es war inzwischen ca. 21 Uhr geworden, flüchtete mein Vater mit einem anderen zusammen durch das rückwärtige Gebäude durch die Fenster und tauchte im Rapsfeld mit seinen hohen Blütenständen unter.
Weiß jemand, was aus dieser Truppe geworden ist, die dort zur Exekution aufgestellt wurde? Zu welcher Einheit hat sie gehört und wo wird darüber berichtet?

Ich möchte an dieser Stelle vorläufig aufhören, um den Eintrag nicht zu überlasten. Natürlich gibt es noch weitere Fragen, die ich dann im nächsten Schritt schildern möchte.

Es wäre uns ein großes Anliegen, wenn Sie zur Klärung des einen oder anderen Details beitragen könnten. Herzlichen Dank.
Harald
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 106964 | Verfasst am: 16.10.2006 - 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Erst einmal eine Anmerkung , mit den "Infantrie-Regimentern" sind allerhöchster Wahrscheinlichkeit Infantrie-Ersatz-Batallione gemeint , hier erst mal das Passende aus dem Tessin für Delmenhorst :

Zitat:
Infanterie-Ersatz-Bataillon 65

1. Aufstellung:

* 26.8.1939 in Delmenhorst, Wehrkreis X; 1.10.1942 geteilt; Grenadier-Ersatz- bzw. Ausbildungs-
Bataillon 65 seit 7. 11.1942. Beide Bataillon 7. 4.1943 vereinigt zum Grenadier-Ersatz- und
Ausbildungs-Bataillon 65; September 1944 auf "Alarm Küste" in die Niederlande verlegt und im
Oktober in die 180. Infanterie-Division eingegliedert (als I./1222), 26.9.1944 in Delmenhorst wieder
errichtet, im März an der Weser eingesetzt.


2. Unterstellung:

Division 170, 26.11.1939 Division 180, 1.11.1944 Division 480
Ersatztruppe für 22. Infanterie-Division, 1944 desgleichen; 1945 auch für die 21. Infanterie-Division
(Wehrkreis I)



Und für das zugehörige Infantrie-Eratz-Regiment :

Zitat:
Infanterie-Ersatz-Regiment 269

1. Aufstellung:

* 10.6.1940 in Delmenhorst, Wehrkreis X, durch Umbenennung aus dem Infanterie-Ersatz-Regiment
22 Nummerntausch); Grenadier-Ersatz-Regiment 269 seit 7.11.1942, jetzt in Nienburg; 1944
Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 269. Nach Landung der englischen Fallschirmjäger bei
Arnheim am 18.9.1944 mobil und in den Niederlanden eingesetzt; Oktober 1944 umgebildet in
Grenadier-Regiment 1222 (oder 1223) der 180. Infanterie-Division; Wiederaufstellung in Lüneburg;
27.3.1945 im Rahmen der Nordgotenbewegung in die Niederlande verlegt (Stab, I.-III. Bataillon).


2. Gliederung:

1940 IEB 47 Lüneburg, 65 Delmenhorst, 377 Verden
1943 GEuAB 47 Lüneburg, 65 Delmenhorst
1945 GEuAB 47 Lüneburg, 65 Delmenhorst, Landesschützen EB I./10 Lüneburg,
Ausbildungs-Bataillon I./10 Wolterdingen


3. Unterstellung:

Division 180; Oktober 1944 Division 480


Zu den beiden Divisionen Nr. :

http://www.diedeutschewehrmacht.de/DivNr%20180.htm

http://www.diedeutschewehrmacht.de/DivNr%20480.htm

Insofern tut es mich schon ein wenig Wunder daß der Herr Vater im Rahmen der "Westgoten-Bewegung" nicht an der Westfront gelandet ist ( Westgotenbewegung = Aktivierung der Ersatztruppenteile zum aktiven Einsatz an der Westfront , analog dazu Ostgotenbewegung = selbiges für die Ostfront ) , aber dies nur am Rande ...


Zum Infantrie-Ersatz-Batallion gibt der Tessin folgendes her :

Zitat:
Infanterie-Ersatz-Bataillon 234

1. Aufstellung:

* 8.9.1939 (2. Welle) in Tetschen, Wehrkreis IV; 1941 in Zeithain 3.8.1941 nach Jitschin in das
Protektorat verlegt, 15.9.1942 geteilt in Ersatz- und Reserve-Bataillon; Ersatz-Bataillon 5.10. nach
Königsbrück. Grenadier-Ersatz-Bataillon 234 am 2.11.942; am 10.2.1943 nach Brüx/Sud. verlegt;
April 1945 als Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 234 in der 404. Division (Regiment 554)
mobil.


2. Unterstellung:

Division 154; 3.8.1941 Division 174; 1.6.1942 Division 154; 1.10.1942 Division 404 Ersatztruppe für
die 56. Infanterie-Division


Zur DivNr. 404 :

http://www.diedeutschewehrmacht.de/DivNr%20404.htm

Mal so zum Einstieg Zwinkern

Winken

Jan-Hendrik
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wobo28
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BeitragBeitrags-Nr.: 106983 | Verfasst am: 16.10.2006 - 23:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jan-Hendrik,
zunächst herzlichen Dank für deine Info bzgl. Divisions- und Regimentsnummern und deren Daten. Zu deiner anbei gestellten, etwas verwunderten Frage nach der Westgotenfront kann ich folgendes hinzufügen:
Nach zwei Wochen RAD und Entlassung am 26.3. bekommt mein Vater die Einberufung in die Caspari-Kaserne zum 28.3., Ankunft 13 Uhr. Vom RAD kommen ungefähr 2 x 300 Mann in die Kaserne. Es folgen ca. zwei Wochen Wehrübungen, die in relativer Ruhe verlaufen.

„Auf dem Schießstand wird mit dem Karabiner 98 geübt, es wird in seine Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut, geputzt und dann scharf geschossen. Das Laden und Scharfmachen mit zwei Treibladungen und das Schießen mit der Panzerfaust wird geprobt. Ich werde noch als Schütze am MG-37 ausgebildet. Wir werden zu Felddienstübungen, zum Stellungsbau und Tarnen der Stellungen eingesetzt.“

Am Sonntag, 8.4., wurden Panzerangriffe südlich oder südwestlich von Delmenhorst (aus Oldenburg oder Wildeshausen) erwartet. Eine kleine Gruppe von ca. vier bis fünf Mann, darunter mein Vater, erhalten den Befehl, mit Fahrrad und Panzerfaust einige Kilometer außerhalb von Delmenhorst in Stellung zu gehen und ankommende Panzer abzuwehren. Sie buddeln Ein-Mann-Löcher und warten auf Feindberührung, gegen Abend kehren sie wieder in die Kaserne zurück. (Unter http://home.arcor.de/kriegsgefangen/deutsch/memoir/weldasinzigkoblenz.html berichtet Dr. Horst Frege von einem ähnlichen Einsatz mit Fahrrad und Panzerfaust.)

Für die Kompanie oder das Ersatzbataillon völlig überraschend und reichlich hektisch werden tags darauf, am 9.4., zweitausend Mann feldmarschmäßig ausgerüstet und nach Bremen abkommandiert.

„Es heißt, die „Ostfront“ muß gehalten werden, damit der Russe nicht das „Reich“ überrennt. Also machen wir uns auf den langen Weg nach „Osten“. An einem sonnigen Apriltag (10. April 1945) marschieren wir von Delmenhorst auf der Landstraße nach Bremen. Es sind ca. 2000 Mann auf den Beinen, mit Troß und Regimentsstab sind wir aus der Caspari-Kaserne abgerückt. Auf dem Marsch nach Bremen werden wir auf offener Straße – ohne Sicherung durch die eigene Flak – von amerikanischen Tieffliegern, den Lightnings, angegriffen.
Nach einem etwa 25 Kilometer langen Marsch kamen wir in Bremen an. In der Vorstadt lagen quer zur Straße einige umgestürzte Straßenbahnwagen und sollten als Panzersperre dienen. Wir marschieren weiter durch die fast menschenleeren Straßen in den Industriehafen zu einem dort abgestellten Güterzug mit ca. 50 Viehwaggons. Die Wagenböden sind mit Stroh gefüllt und werden für eine lange Reise unsere Schlaf- und Salonwagen sein. Tornister, Brotbeutel, Gasmaske, Koppel mit Seitengewehr und Stahlhelm werden mit Haken an Decke und Wände gehängt. In jeden Wagen kommen 40 Soldaten mit ihren Sachen hinein.
Die erste Nacht bleiben wir noch in Bremen auf dem Verladegleis stehen. Ich bin mit anderen Kameraden zum Wachdienst eingeteilt und laufe auf dem Schotter neben dem Gleis und lausche in die dunkle Nacht.“

Die Fahrt geht, wie bereits beschrieben, am 11.4. los und verläuft über Berlin und die Nacht darauf über Dresden nach Brüx (Ankunft am 14.4.). Daß dieser Transport die heranrückende russische Front unbeschadet überstanden hat, ist schon verwunderlich. Und daß zweitausend Mann aus Delmenhorst in südöstliche Richtung geschickt wurden, kann spekulativ nur so erklärt werden, daß es unter dem Stichwort „Alpenfestung“ um einen Zeitaufschub vor der heranrückenden ukrainischen Front ging, die bereits Anfang April in Wien und wenige Tage später weiter in westliche Richtung unterwegs war. Lt. Wikipedia bewirkte dieser „Bluff Alpenfestung“ die Umlenkung englischer und amerikanischer Truppen weg von Berlin in südliche Richtung.

Als mein Vater am 14.4.45 zusammen mit den 2000 Mann des Ersatzbataillons in Brüx in der Kaserne des 234. Infanterie-Regiments angekommen war, erkrankte er kurz darauf und kam in die Genesungskompanie. Am 19.4. ist dann seine Einheit abgerückt, während er zurückblieb. Wohin ist diese Kompanie gekommen, wo wurde sie eingesetzt und wer weiß etwas über ihren Verbleib?

Am 2.5. ging es dann mit ca. 300 Mann aus der Genesungskompanie des 234. IR abends um 20 Uhr nach Leitmeritz, Ankunft morgens um sechs Uhr dort auf einem Bauernhof. Vor dem Bauernhof treffen sie auf russisch sprechende Soldaten der Wlassow-Armee, die sich am Brunnen erfrischen. Am Abend Weitermarsch nach Böhmisch-Leipa, Ankunft am 4.5. um sechs Uhr morgens.

Hoffentlich blamiere ich mich jetzt nicht mit der Frage nach deiner Informationsquelle "Tessin"? Wenn es sich um ein Buch, Lexikon o.ä. handeln sollte, würde ich gerne näheres erfahren. Ansonsten bleibt's einfach, wie es ist.

Harald
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 107007 | Verfasst am: 17.10.2006 - 14:06    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Tessin, Georg. Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945.


Siehe auch :

http://www.militaria-biblio.de/Verlagsverzeichnis_11.version/MX5FtariaX5F12-453.html

Und natürlich auch die Errata von Dr.Leo Niehorster hierzu :

http://niehorster.orbat.com/011_germany/tessin/_tessin_intro.html

http://niehorster.orbat.com/011_germany/tessin/tessin_00.html

Winken

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BeitragBeitrags-Nr.: 107105 | Verfasst am: 18.10.2006 - 22:38    Titel: Georg Tessin Antworten mit Zitat

Ein umfangreiches Werk, danke für den Literaturhinweis. Vielleicht kann ich es in der Bibliothek bekommen. Aber da bin ich erst mal beschäftigt.

Zur IR 65 (bzw. GrenRgt. 65 bzw. Gren.-Ersatz- und Ausbildungsbataillon 65) gibt es selbst im Veteranenclub keine Details über die Aktivitäten vom April 1945 in der Kaserne. So weit ich herausfinden konnte, wurden die letzten Truppen von dort am 20. oder 22. April abgezogen.
Zwei weitere Details könnten noch von Interesse sein. Beim Einkleiden in der Caspari-Kaserne Anfang April gab es teilweise keine feldgrauen Uniformen mehr. Deshalb bekam mein Vater eine sog. Erste Garnitur, eine Parade-Uniform, deren Jacke mit aufgesetzten Manschetten, mit Silberlitzen und einem "Knöpfe-Kragen-Spiegel" versehen war. Er fand es etwas beschämend.
Außerdem, und das ist ebenfalls ungewöhnlich, erhielt er (oder die anderen?) keine Erkennungsmarke.
Wer weiß etwas über die Verteilung von Erkennungsmarken an Soldaten? Welche Regelung gab es für deren Verteilung - oder waren die auch schon ausgegangen?

Harald
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 107850 | Verfasst am: 29.10.2006 - 19:49    Titel: Antworten mit Zitat

Bezüglich der Delmenhorster Kaserne bin ich grade über einen interessanten Link gestolpert :

http://www.caspari-kaserne.de/

Cu

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BeitragBeitrags-Nr.: 107904 | Verfasst am: 30.10.2006 - 18:55    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für den Link, auf den ich bereits vor einigen Wochen gestoßen bin. Ich habe natürlich Kontakt aufgenommen, aber die Informationen gerade über die letzten Wochen sind sehr spärlich. Doch gibt es auf dieser Seite noch einen Link zum download, eine PDF-Datei der Beilage des Delmenhorster Kreisblattes von 1994: http://www.caspari-kaserne.de/pdf/Caspari_HuH_I.pdf

Dann gibt es noch einen Link zur Militärgeschichtlichen Sammlung Delmenhorst unter http://www.mgs-del.de/ bzw. http://www.mgs-del.de.vu/
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 107906 | Verfasst am: 30.10.2006 - 19:07    Titel: Antworten mit Zitat

Huch , das PDF hatte ich gar nicht gesehen , danke Gut gemacht!

Winken

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BeitragBeitrags-Nr.: 107962 | Verfasst am: 31.10.2006 - 13:24    Titel: Antworten mit Zitat

Bilder Tschechien 1945 :

http://www.chmelicek.cz/zdar/thumbnails.php?album=lastcom

Winken

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BeitragBeitrags-Nr.: 107988 | Verfasst am: 31.10.2006 - 18:46    Titel: Antworten mit Zitat

Du machst dich hervorragend werter JH. Da brauch ich dir ja nicht helfen. Cu , Cu , Cu
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Michal
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BeitragBeitrags-Nr.: 108032 | Verfasst am: 01.11.2006 - 17:59    Titel: Antworten mit Zitat

Kleinen Bemerkungen:

Du kannst nicht von Varnsdorf nach Jablonné v Podještědí über Niemes (Mimoň) fahren. Es ist möglich von Varnsdorf über Svor (Röhrsdorf), Cvikov (Nový Bor ist weg) nach Jablonné v Podještědí (Deutsch-Gabel) und Mimoň gefahren.

In meiner Meinung könnte es nicht Panzerbeschuss seien da 28. sowjetische Armee steht am 8. Mai 1945 zwischen Löbau und Zittau und nächste Tag, am 9. Mai 1945 an der Linie Nový Bor - Jablonné v Podještědí. Es sollte eine Luftangriff seien.

Dort waren vielen Exekution im Mladá Boleslav (Jungbunzlau) da Stadt war am 9. Mai 1945 durch sowjetische Bomber angegriffen. Diese Luftangriff getotet 500 Leute. Tschechen gedenken da diese Angriff durch deutsche Luftwaffe wird geführt. Es ist möglich da diese Soldaten aus dem 20. SS Division - estnische Nr. 1 waren. Ich habe vielen Erlebnissen den estnischen Soldaten am gleichen Tag und Situation. Aber es könnte Soldaten aus dem anderem Einheitem seien.
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wobo28
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BeitragBeitrags-Nr.: 108328 | Verfasst am: 05.11.2006 - 21:49    Titel: Antworten mit Zitat

Herzlichen Dank für den Link auf die Tschechien-Bilder, ich werde sie weiterleiten. Ich war jetzt selber mehrere Tage in Tschechien und habe einige Orte und Plätze besucht und Aufnahmen gemacht, die mein Vater in seinen Memoiren erwähnt. Ich war überrascht, wie präzise die Beschreibungen aus den frühen Erinnerungen sind. Manches läßt sich wiederum nur schwer rekonstruieren.
Den Beitrag von Michal habe ich soeben an meinen Vater durchgegeben. Michal, bei deinem ersten Absatz scheint es sich bezüglich Varnsdorf um ein Mißverständnis zu handeln. Einige Soldaten sind abends mit einer Lok und einem Waggon von Ceska Lipa nach Varnsdorf zu einem Heeresverpflegungslager gefahren, um Lebensmittel zu holen. Nachts kamen sie wieder in Ceska Lipa an.
Am anderen Tag, am Abend des 7. Mai, ist die Truppe dann in einem Nachtmarsch von Ceska Lipa in Richtung Jablonné v. Podj. marschiert. Im Übergang von der heutigen Straße Nr. 270 auf die Straße Nr. 13 hat mein Vater am 8.5. (?) morgens um drei oder vier Uhr seine Einheit verloren. Auf der Straße Nr. 13 sieht er auf einmal große gemischte Verbände aus Flüchtlingen und Militär, die westwärts zurückströmen. In Dreierreihen fließt der Strom nach Westen, auf der rechten Straßenseite bewegen sich Soldaten und Flüchtlinge mit Handgepäck und Leiterwagen. In der Mitte fahren die LKW und ganz links PKW und Motorräder.
Der gesamte Verband bewegt sich auf der Straße Nr. 13 in Richtung Nový Bor nach Westen.
Nach Cvikov, und kurz vor Svor, gibt es auf einmal Panzerbeschuß. Es sind zwei russische Panzer, die von der aufgehenden Morgensonne angestrahlt werden. Sie stehen auf einer Wiese unterhalb des Hanges von dem Berg Klic und geben mehrere Schüsse in Richtung Cvikov auf die Kolonne ab. (Beschuß aus 13 Uhr, sagte mein Vater.) Die Kolonne oder einzelne Teile davon sind dann von der Straße herunter auf Feldwege in südliche Richtung. Mit dieser südlich fliehenden Kolonne kam mein Vater dann über Zákupy und Mimon nach Mladá Boleslav.
Die beiden Panzer in Svor kamen höchstwahrscheinlich aus der Richtung Varnsdorf und waren vielleicht die ersten Panzer aus der Linie Löbau-Zittau, die dann am 9.5. die Linie Nový Bor - Jablonné v. Podj. bildeten. (Danke für diesen Hinweis! Es war jedoch kein Fliegerbeschuß, sondern es waren zwei Panzer.)

An der eisernen Bogenbrücke, die in Jungbunzlau über die Iser führt, wurde die Gruppe (80 bis 100 Mann) von einem Posten tschechischer Freischärler erwartet und nach einigen Verhandlungen entwaffnet. (Bereits am 5. Mai hatten die Deutschen die Stadt kampflos an die tschechische Stadtkommandantur übergeben.)

Da mein Vater sich evtl. im Datum nicht sicher ist (8. oder 9. Mai), wäre die Antwort auf folgende Frage sehr wichtig:
Du schreibst, daß es am 9. Mai in Mladá Boleslav einen Bombenangriff durch russische Flieger gegeben hat. Diesen Bombenangriff hat mein Vater auf dem Marktplatz von Jungbunzlau miterlebt, allerdings war er durch den Schnaps, den er getrunken hatte, nicht mehr nüchtern. Er meint, die Bombenabwürfe müßten in der Mittagszeit erfolgt sein. Stimmt diese Uhrzeitangabe und ist es wirklich Mittwoch, der 9. Mai, als die Bombenabwürfe erfolgt sind?
Anschließend mußte er und die anderen Gefangenen bei der Bergung von Verletzten und Toten helfen.
Wo gibt es nähere Informationen über diese Luftangriffe auf Mladá Boleslav am 9.5.?
Am Nachmittag, so gegen 15 Uhr, wurde alle entwaffneten Soldaten vom Marktplatz aus in westlicher Richtung durch die Stadt in den Vorort Cejetice geführt. Sie wurden in dem Innenhof eines großen Gebäudes in Dreierreihen vor einem der langen Gebäude aufgestellt, ein Fabrikgelände (wahrscheinlich) in der Straße Vodárenská. Ihnen gegenüber wurden zwei russische Maschinengewehre auf Rädern postiert, die allerdings nicht von russischen Soldaten, sondern von Tschechen bewacht waren.
Michal, wenn du etwas von dieser Exekution am 8. oder 9. Mai weißt, dann wäre das natürlich sehr wichtig und würde uns enorm weiterhelfen.
Mein Vater konnte dann abends, als es dunkel wurde, zusammen mit zwei anderen Gefangenen in ein naheliegendes Rapsfeld fliehen.
Danke für eure Hilfe.

Harald
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Michal
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BeitragBeitrags-Nr.: 108355 | Verfasst am: 06.11.2006 - 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Über Luftangriff: ja, sowjetiche Flugzeugen angegriffen flüchtlinge deutschen Kollonne am 9. Mai 1945 am Befehl des Marschalls Konjew. Letzte sowjetische Luftangriff wird angearbeitet gegen deutschen Truppen am 11. Mai 1945 im Böhmen. Vielen nord- und zentralböhmischen Städte waren am 9. Mai 1945 durch sowjetische Luftstreitkräfte angegriffen - Litoměřice, Úštěk, Mělník, Mladá Boleslav u.s.w. Ich weisse auch Erlebnisse den sowjetischen Flugzeugführern.

Pamzerbeschuss am 8. Mai 1945: ich denke, ich bin überzeugt dass es ist ein Fehlgriff. Durch Varnsdorf und Rumburk kamen ins Böhmen den Einheiten des 2. polnisches Armee und teilweise auch 28. sowjetische Armee. Erste polnisches Einheit wo ins Rumburk kamen, war 37.polnisches IR am Mittag 9. Mai 1945. Einheiten des 28. sowjetische besetzten am gleichen Tag Morgen (9. Mai 1945) Varnsdorf und abends kamen durch Cvikov nach Česká Lípa. So, das flüchtlinge Kollone könnte durch Panzer von 28. sowjetische Armee beschossen, aber nicht am 8. Mai, aber ein Tag später. Tschechische, polnische und sowjetische Dokumenten sagen nichts da Rotte Armee war im Umgebungd des Cvikov am morgens oder mittags 8. Mai 1945. Am 9. Mai 1945 morgens erste kamen sowjetische und polnische Streitkräfte ins Varnsdorf und Rumburk und im beiden Städte mussten mit SS kampfen. Die SS-Einheiten sichergestellt Positionen am Hauptlandstrassen zwecks Militäreinheiten und Zivile Flüchtlingen nach amerikanisches Bestzungzone zurücktreten. Das sowjetische Panzerbeschuss ist sehr hoch ein unwahrscheinlich am 8. Mai 1945. Panzer könnte wahrscheilnlich zu 7. mechanizierte Korps des 28. sowjetische Armee gehören.

Quellen: Osvobození Československa Rudou armádou. Band II. Praha 1965.
Jindřich Marek: Bojová činnost 2. polské armády na severu Čech v květnu 1945. Historie a vojenství 2/2005, s. 19-37.
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wobo28
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BeitragBeitrags-Nr.: 108533 | Verfasst am: 09.11.2006 - 15:06    Titel: Antworten mit Zitat

Die Erinnerung meines Vaters zu dem Fliegerangriff auf Jungbunzlau am 9. Mai in der Mittagszeit konnte Michal bestätigen. An diesem Tag gb es einen Fliegeralarm um 12:04 Uhr, bei dem ungefähr 500 Menschen durch russischen Bombenabwurf getötet wurden. Die Einwohner von Jungbunzlau verwechselten dies als einen Angriff der deutschen Luftwaffe und rächten sich anschließend durch eine Reihe von Exekutionen in Jungbunzlau und in Cejetice, einem Vorort von Jungbunzlau.
Der Volksbund hat einige Jahre später eine Umbettung der Toten auf den Marienbader Militärfriedhof vorgenommen. Einzelheiten versuche ich noch zu klären.

Ich suche noch Informationen zu dem Sammelplatz der annähernd fünftausend Gefangenen in Melnik am 10. Mai. Nach Angaben meines Vaters wurden sie zunächst in dem Wald um die Funkstation nordöstlich von Melnik gesammelt, dann auf das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik Nr. 2 gebracht und dort einige Tage lang festgehalten, bewacht durch tschechische Miliz, z.T. in Uniformen der dortigen Feuerwehr (rote Dreiecksspiegel am Revers) und durch ehemalige KZ-Gefangene aus Theresienstadt, bis die ersten russischen Panzer eintrafen.
Der erste Sammelpunkt war jedoch der Wald an der Funkstation in Melnik, dann ging es auf das Gelände der Zuckerfabrik.

Ich habe einen Link zu historischen Bildern der beiden Zuckerfabriken, kann aber nicht bestätigen, ob dies auch der Platz war:
http://www.cukrovaryttd.cz/modules.php?n ... mp;gid=7&offset=12&orderby=hitsD

Hier noch ein Link zu einem deutsch-tschechischen Ortsnamenswörterbuch:

http://www.calsky.de/lexikon/en/txt/l/li/liste_deutscher_bezeichnungen_tschechischer_orte.php
(Zeichencodierung Unicode UTF-8 für korrekte Anzeige)
und

"Amtliches Deutsches Ortsbuch für das Protektorat Böhmen und Mähren", 2. Auflage, Prag 1940:

http://www.hartau.de/PBM/Protektorat.html

Weitere interessante Links zu Literatur und Rezensionen:

Thomas Stanek: Verfolgung 1945. Die Stellung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (außerhalb der Lager und Gefängnisse)
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/ZG-2002-124

http://www.zeitgeschichte-online.de/site/40208117/default.aspx
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/geschichte/xkgdoe/forschung/publikation/brapub.html

Harald

EDIT : 2 Beiträge zu einem zusammengefaßt.Bitte die Edit-Funktion zur Erweiterung der eigenen Beiträge verwenden.Jan-Hendrik/Moderator


Zuletzt bearbeitet von wobo28 am 11.11.2006 - 11:39, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 108544 | Verfasst am: 09.11.2006 - 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Habe hierzu auch noch einen Buchtipp gefunden :

Rolf Hinze : "Letztes Aufgebot zur Verteidigung des Reichsgebietes; Kämpfe der
Heeresgruppe Nordukraine / A / Mitte"

Winken

Jan-Hendrik
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