Welche Geschütze bei Wounded Knee?
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Spähtrupp
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BeitragBeitrags-Nr.: 115440 | Verfasst am: 17.02.2007 - 20:59    Titel: Welche Geschütze bei Wounded Knee? Antworten mit Zitat

Das unselige Massaker an über 350 halb verhungerten und zerlumpten Männern, Frauen und Kindern des Sioux-Indianerstammes unter Häuptling Big Foot am 29. Dezember 1890 am Wounded Knee Creek in South Dakota ist eines der unrühmlichsten Kapitel der amerikanischen Militär-Geschichte.
Dabei setzten Einheiten der 7. US-Kavallerie unter Major Whitside und Colonel Forsyth insgesamt vier Artilleriegeschütze ein. Leider widersprechen sich in der Literatur - wie so oft - die Angaben, die sowohl das Hotchkiss 1.65 (inch) Mountain Gun als auch die U.S. 1885 3.2 (inch) Field Cannon benennen.
Weiß jemand etwas Genaueres?
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Fred
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BeitragBeitrags-Nr.: 115454 | Verfasst am: 18.02.2007 - 00:05    Titel: Antworten mit Zitat

Also das dürfte sich um das 3.2 inch Hotchkiss handeln.

Ein Corporal Paul Weinert wurde vom Congress mit der Medal of Honor für seinen Einsatz am Wounded Knee geehrt.

Corporal Weinert gehörte zur E Company , 1st U.S. Artillery, die E war ligth Artillery und führte das Hotchkis. Es gibt auch irgendwo ein Bild wo Weinert vor dem Hotchkiss steht.

Fred Winken
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Spähtrupp
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BeitragBeitrags-Nr.: 115466 | Verfasst am: 18.02.2007 - 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, Fred! Winken
Das mit der Ehrenmedaille wusste ich noch nicht. Ganz schön bizarr, wenn man bedenkt, dass diese "Schlacht" (gelegentlich wird dieser Ausdruck tatsächlich im Zusammenhang mit Wounded Knee verwendet!) statt gegen berittene Krieger gegen eine mehr oder weniger hilflose indianische Zivilbevölkerung geführt wurde, die sich bei eisiger Winterkälte in das nächste Reservat retten wollte.
Das Paradoxe: Die Schießwut der Kavalleristen geriet dermaßen außer Kontrolle, dass die wenigen getöteten US-Soldaten (ich glaube zwischen 20 und 30) zumeist durch "friendly fire" fielen.
Ob man deshalb wirklich für diese zweifelhafte "Tapferkeit" eine Medaille verleihen musste - ich weiß nicht...
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*ALEX*
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BeitragBeitrags-Nr.: 115468 | Verfasst am: 18.02.2007 - 12:16    Titel: Antworten mit Zitat

Custer wurde auch lange Zeit als Held verehrt...



mfg

alex
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Fred
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BeitragBeitrags-Nr.: 115490 | Verfasst am: 18.02.2007 - 15:36    Titel: Antworten mit Zitat

Na ja, mit dieser Historie habe ich mich noch nicht kongret auseinander gesetzt.
Das Thema scheint in den USA noch nach wie vor aktuell zu sein.

Es haben einige für Wounded Knee die Medal of Honor bekommen.

Bei Corporal Weinert war die Begründung sinngemäß so. Er hat schwer verwundet die Aufgaben seines gefallenen, vorgesetzten Offiziers übernommen und geschickt mit den Geschützen Positionswechsel durchgeführt und somit die geschütze effektiv eingesetzt.

Fred Winken
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Spähtrupp
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BeitragBeitrags-Nr.: 115492 | Verfasst am: 18.02.2007 - 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

*ALEX* hat Folgendes geschrieben:
Custer wurde auch lange Zeit als Held verehrt...

Das ist richtig, aber aus heutiger Sicht recht unverständlich, finde ich. Denn seine Berühmtheit erlangte er nicht durch Tapferkeit und Heldenmut in einer großen Schlacht, sondern durch List und Brutalität bei einem blutigen Massaker.
Im Winter 1868 lagerte eine Gruppe von Cheyenne-Indianern unter ihrem Häuptling Black Kettle am Washita River (Oklahoma). General Sheridan befahl Custer (damals noch ein Leutnant), das Lager anzugreifen.
Am frühen Morgen des 27. November 1868 näherten sich Custers Kavallerie-Soldaten im Schutze dichten Nebels (da es in der Nacht geschneit hatte) und überraschten die Cheyenne im Schlaf. Dem folgenden Blutbad fielen etwa 100 unvorbereitete Krieger zum Opfer; sämtliche Pferde der Indianer wurden getötet. Ungefähr 50 Frauen und Kinder überlebten und wurden gefangen genommen. Häuptling Black Kettle war von einem Indianer-Scout skalpiert worden.
Als Grund für diese Strafaktion benannte die Regierung das mehrfache Ausbrechen einzelner Cheyenne-Krieger aus der Reservation, obwohl sie selbst den Grundstein dafür gelegt hatte. Durch ausbleibende Lebensmittellieferungen waren die Indianer praktisch gezwungen, in ihre früheren Jagdgründe zurück zu kehren, um nicht zu verhungern.
Zu allem Überfluss ließ Custer auch nach diesem Massaker Mut und Tapferkeit vermissen, als es darum ging, die eigene Nachhut beim Kampf gegen Krieger des Arapaho-Stammes zu unterstützen. So rückte Custer mit seinen Männern nach „erfolgreicher“ Mission ab und überließ die Einheit von Major Elliot ihrem Schicksal (diese wurde schließlich aufgerieben!). Zum Dank für seine „Heldentaten“ wurde Custer dann, wie Du schon sagtest, wie ein Held gefeiert.
Wirklich komische Vorstellungen von Heldentum, die in der amerikanischen Militär-Historie so manches Mal zu Tage traten...

Fred hat Folgendes geschrieben:
Das Thema scheint in den USA noch nach wie vor aktuell zu sein.

Da hast Du recht. Mehr als acht Jahrzehnte nach dem Massaker am Wounded Knee Creek kam es im Jahre 1973 zu einer Besetzung des historischen Areals in der Pine-Ridge-Reservation in South Dakota durch Mitglieder des AIM, des American Indian Movement, also der amerikanischen Indianerbewegung, um gegen die kulturelle Unterdrückung und für Autonomierechte zu protestieren. Nach 1890 fielen wieder Schüsse bei Wounded Knee. Wieder gab es Tote.
Erst kürzlich kam eine sehr interessante Reportage zu diesem Thema im TV. Ein Kamera-Team begleitete mehrere Sioux-Nachfahren bei einem traditionellen Gedenk-Ritt zum Wounded Knee Creek. Einer von ihnen war ein Vietnam-Veteran und führte das Sternenbanner mit sich, das er dann jedoch unter Protest seiner Stammesbrüder wieder einrollen musste. Ein wirklich spannendes Thema.

Zitat:
Es haben einige für Wounded Knee die Medal of Honor bekommen.
Bei Corporal Weinert war die Begründung sinngemäß so. Er hat schwer verwundet die Aufgaben seines gefallenen, vorgesetzten Offiziers übernommen und geschickt mit den Geschützen Positionswechsel durchgeführt und somit die geschütze effektiv eingesetzt.

Nun, sein militärisches Handeln - losgelöst von den Begleitumständen - rechtfertigt gewiss diese Art der Belobigung, aber man darf halt nicht daran denken, wen man womit bekämpfte.


Zuletzt bearbeitet von Spähtrupp am 18.02.2007 - 18:00, insgesamt einmal bearbeitet
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Gepardschrauber
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BeitragBeitrags-Nr.: 115502 | Verfasst am: 18.02.2007 - 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Spähtrupp hat Folgendes geschrieben:
Im Winter 1868 lagerte eine Gruppe von Cheyenne-Indianern unter ihrem Häuptling Black Kettle am Washita River (Oklahoma). General Sheridan befahl Custer (damals noch ein Leutnant),


Das verträgt sich aber nicht wirklich mit der Tatsache, dass er bereits 1866 zum Lieutenant Colonel befördert wurde. Bereits am Ende ses Bürgerkrieges war er Cpt im 5.US-Kavallerieregiment, Generalmajor der Freiwilligen und schließlich auch Brevet-Generalmajor der regulären Armee gewesen. Er war ein Haudegen, der sich im Bürgerkrieg bewährt hatte. Das ändert allerdings in der Tat nichts an der Tatsache, dass es nach dem Krieg mit ihm bergab ging.

Zu dem von dir angeschnittenen Thema mal was aus Wikipedia (daher mit bedacht zu lesen):

Zitat:
1868 rehabilitierte sich Custer in den Augen der Öffentlichkeit, als er während des Winterfeldzuges ein Dorf der Südlichen Cheyenne unter Black Kettle an den Ufern des Washita-Flusses im Morgengrauen angriff und zerstörte. Dies sollte der einzige „Sieg“ Custers im Kampf gegen die Indianer bleiben. Ob der Angriff ein Massaker war oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fakt ist, Custer befahl vor der Attacke, Frauen und Kinder zu verschonen. Andererseits sind eine Vielzahl von Nichtkombattanten ums Leben gekommen.

Auch regimentsintern geriet Custer in die Kritik. Eine kleine Soldatengruppe unter dem Befehl von Major Joel Haworth Elliot hatte fliehende Indianer verfolgt und war nicht zurückgekommen. Obwohl Elliott auf eigene Faust handelte, die militärische Sicherheitszone ohne Autorisation verließ, und Custer, wenn auch zu spät, einen Suchtrupp losgeschickt hatte, der unverrichteter Dinge zurückkehrte, gab es nicht wenige, die ihn für das Schicksal der Elliott-Truppe, die vollständig ausgelöscht worden war, verantwortlich machten.


So hat jedes Ding eben zwei Seiten.

Jürgen Winken
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Spähtrupp
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BeitragBeitrags-Nr.: 115503 | Verfasst am: 18.02.2007 - 17:13    Titel: Antworten mit Zitat

Gepardschrauber hat Folgendes geschrieben:
Das verträgt sich aber nicht wirklich mit der Tatsache, dass er bereits 1866 zum Lieutenant Colonel befördert wurde.

Sorry, dass ich den Custer unabsichtlich gleich um vier Ränge "degradiert" habe. Haarsträubend
Aber dafür wurde er ja dann zumindest in den Augen der Öffentlichkeit durch sein Massaker "rehabilitiert".

Komische Moralvorstellung... Zwinkern
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Spähtrupp
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BeitragBeitrags-Nr.: 115529 | Verfasst am: 18.02.2007 - 20:11    Titel: Antworten mit Zitat

Spähtrupp hat Folgendes geschrieben:
(...) seine Berühmtheit erlangte er nicht durch Tapferkeit und Heldenmut in einer großen Schlacht, sondern durch List und Brutalität bei einem blutigen Massaker.

Das war übrigens nur auf die Zeit der Indianerkriege bezogen; Custers Verdienste im Sezessionskrieg stehen auf einem anderen Blatt Papier.
Winken
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Olli
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BeitragBeitrags-Nr.: 115555 | Verfasst am: 19.02.2007 - 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

ändert doch die überschrift?! was in richtung Custer oder indianerkriege?!
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Spähtrupp
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BeitragBeitrags-Nr.: 115570 | Verfasst am: 19.02.2007 - 18:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Olli,

falls Interesse besteht, könnte man ja unter der Rubrik "militärische Operationen" einen Thread über die Indianer-Feldzüge der US-Armee aufmachen. Custer allein wäre dann wohl eher ein Fall für die Personen-Rubrik, schätze ich.

Winken
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Olli
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BeitragBeitrags-Nr.: 115593 | Verfasst am: 20.02.2007 - 00:03    Titel: Antworten mit Zitat

naja - mit den geschützen am Wounded Knee hat es net mehr viel zu tun...

Winken
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