Israelische Kommandoaktion Entebbe
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 119676 | Verfasst am: 14.04.2007 - 19:15    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, die IDF nutzte etwa 700 der 1967 und 1973 erbeuteten BTR40 weiter. Sie bekamen aber einige Umbauten, wie andere Motoren, Bewaffnung, Funkanlage.

Wenigstens kurzzeitig wurden die erbeuteten T54/55/62 ungeändert genutzt, später dann zu Tiran5 und 6 umgebaut. Die meisten Tiran wurden Anfang der 80er an die südlibanesische chrsitliche Armee abgegeben oder exportiert.
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 119731 | Verfasst am: 15.04.2007 - 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Der W115 220D hatte schon immer 60 PS, der 200D hatte 55PS


Stimmt, habe mich vertan, meine Kollegen hatten damals alle wenn, dann 200D Zwinkern

Winken

Jan-Hendrik
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Andre
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BeitragBeitrags-Nr.: 119867 | Verfasst am: 16.04.2007 - 22:38    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend!

Hier nun die Fortsetzung von meiner am 14.04.2007 begonnenen Zusammenfassung:

Um Zeit zu gewinnen, gab Israel eine Regierungserkläung heraus. Diese erklärte das ein Austausch Zeit benötigte und man wünschte eine Verlängerung des Ulimatums. Die Terroristen verlängerten die Frist bis zum Nachmittag des 4. Juli. Man hatte 72 Stunden gewonnen.

Am Morgen des 3. Juli starteten die vier Hercules-Maschionen vom Flughafen Tel-Aviv. Nach einer Zwischenlandung in Sharm el Sheik startete man zu dem achtstündigen Flug nach Uganda. Man flog unterhalb des ägytischen Radars und hoffte das man von den ugandischen MIGs nicht in der Luft begrüßt wurde. Aber Fachleute u.a. auch die eingesetzten Piloten hatten bestätigt das man auch auf modernen Flughäfen unterhalb des Radars landen konnte und niemand so schnell etwas merken würde.
Die mitgeführten Handwaffen waren interessanterweise AK-47 und einige Prototypen des neuen Galil-Sturmgewehrs.
Um in dem zu erwarteten Durcheinander nicht auf die eigenen Kameraden zu schießen wurden weiße Mützen mitgeführt. Auf ein Zeichen hin sollten diese weißen Mützen aufgesetzt werden. Um die Geiseln über Verhaltensweisen zu informieren hatte man auch ein Megaphon dabei.

Als der Landeanflug begann, wurde der Mercedes besetzt. Drei Mann auf jeder Sitzbank (Lenkradschaltung oder Lenkradautomatik ermöglicht auch vorne eine durchgezogene Sitzbank). Im Auto saß auch der Kommandeur der Aktion Oberst Jonathan "Yonni" Netanjahu. Dem Aufsetzen der Räder folgte das Öffnen der Heckklappe, kurz darauf sprangen die Fallschirmjäger heraus, um die Landebahnbefeuerung auszulegen. Nach dem Ausrollen und dem Lösen der Bremsklötze und Halterungen fuhren die drei Wagen aus der Maschine. In gleichmäßigem Tempo fuhr man zum alten Terminal. Ein einzelner ugandischer Wachposten erschien, salutierte und rief "Passieren!". Der Trick gelang!

Der Kommandeur, mit den ugandischen Gepflogenheiten nicht vetraut, wollte auf Nummer sicher gehen und den Ugander ausschalten. Er wies den Fahrer in Richtung Wachposten zu fahren. Es gab Widerspruch im Auto, aber der Befehl wurde wiederholt. Trotz widerholten Widerspruchs feuerten dann aus ungefähr 10m Entfernung der Kommandeur und ein weiterer Israeli ihre schallgedämpften .22 aus dem fahrenden Wagen auf die Wache ab. Die Wache fiel zu Boden. Erleichterung machte sich breit, als auf einmal der langezogene Feuerstoß eine AK-47 durch die Nacht dröhnte. Ein Blick aus der Heckscheibe brachte Klarheit. Der Ugander war wieder aufgestanden und hatte auf den Mercedes feuern wollen. Ein Israeli hatte ihn von einem der folgenden Landrover aus erschossen.
Sechzig Meter vor dem Ziel gab es dann kein Überraschungmoment mehr. Die Ugander wurden wach und der Mercedes entwickelte sich zur Zielscheibe. Man sprang aus den Autos und legte die letzten Meter laufend und schießend zurück. 34 Angehörige der Sayeret-Matkal stürmten auf den alten Terminal zu. Ein Terrorist trat aus dem Gebäude. Doch das Magazin des ersten Israeli war fast leer und es gelang dem Terroristen sich wieder in das Gebäude zurückzuziehen.
Daraufhin stürmte man in das Gebäude. Im Inneren gab es einiges Durcheinander, weil Türen nicht da waren wo sie sein sollten bzw. in den Original-Bauplänen verzeichnet waren (Den Terminal hatte ein israelisches Unternehmen gebaut).
Letztendlich vereinigten sich die beiden Teams für die Haupthalle wieder und stürmten den Terminal, während ein drittes Team die VIP-Lounge und ein viertes Team den 1. Stock stürmte. Der erste die Haupthalle stürmende Israeli tötete einen Terroristen, hatte aber plötzlich dei beiden Deutschen im Rücken. Seinem nachfolgenden Kameraden gelang es gerade noch rechtzeitig beide auszuschalten. Dann war es im Terminal kurz ruhig. Draussen wurde immer noch geschossen. Hinter einer Säule war ein weiterer Terrorist in Deckung gegangen, sprang nun hervor und wollte das Feuer eröffnen. Er wurde von mehreren Israelis gleichzeitig ausgeschaltet. Plötzlich sprang zwischen den Geiseln ein junger Mann auf. Auch sein Leben wurde durch vier Kalschnikows beendet. Es blieb dauerhaft ruhig und man gab Anweisungen durch das Megaphon.
Inzwischen war auch die VIP-Lounge gestürmt und zwei Terroristen ausgeschaltet. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte man die beiden zivil tragenden Terroristen angesprochen und gefragt:" Wer sind sie?". Als sie als Antwort eine Handgrante warfen, war ihr Schicksal besiegelt.
Im 1. Stock sollten sich, lt. Aussage der Franzosen, die ugandischen Wachtruppen aufhalten, auch er wurde erfolgreich genommen.

Draußen war es noch immer nicht gelungen den Kontrollturm auszuschalten. Ein MG feuerte immer noch von dort. Der Kommandeur des Unternehmens wurde dadurch schwer verwundet. Es muß noch mehr Verwundete gegeben haben. Es wird erwähnt das DIE Verwundeten mit einem Landrover zum Flugzeug gebracht wurden. Obwohl man den Kontrollturm mehrfach auch mit RPGs unter Beschuss nahm, blieb das MG, wenn auch mit großen Feuerpausen, bis zum Ende der Aktion aktiv. Die Geiseln wurden in die Hercules Maschinen verfrachtet, die MIGs von den BTR aus, ohne ausdrücklichen Befehl dazu, vernichtet und der Rückzug angetreten. 59 Minuten nach der Landung der ersten Maschine hob die letzte Hercules in Entebbe wieder ab.

Vier Terroristen hatten die Nacht in Kampala verbracht und waren so entkommen. Bei der Befreiungsaktion starben drei Israelis. Einer starb als der Terrorist hinter der Säule unter Feuer genommen wurde, eine Frau wurde von Terroristen erschossen und der junge Mann, der plötzlich (wahrscheinlich freudig) aufgespungen war, war auch eine Geisel. Eine vierte Geisel, die im Krankenhaus von Kampala lag um dort behandelt zu werden, wurde dort später von Ugandern erschossen.
Die Stimmung auf dem Rückflug war gedrückt, man wußte um die schwere Verwundung des Kommandeurs. Die Nachricht von seinem Tod erreichte die Mannschaft bei einer Zwischenlandung im befreundeten Kenia.

Noch auf dem Rückflug hörte man entsetzt erste Agenturmeldung im Radio, wonach Israel die Luftwaffe Ugandas zerstört hätte. Man befand sich immer noch in Reichweite der Ägypter.

Aber es ging alles gut und es folgte nach der Landung eine ausführliche Besprechung der Ereignisse!


Gruß
Andre
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Spähtrupp
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BeitragBeitrags-Nr.: 119895 | Verfasst am: 17.04.2007 - 17:34    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr spannend, diese Details. Vielen Dank, Andre! Gut gemacht!
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 119899 | Verfasst am: 17.04.2007 - 18:59    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Zusammenfassung.

Kleine Ergänzungen noch:
Die Frau im Krankenhaus hieß Dora Bloch. Sie wurde am Nachmittag vor der Aktion von einem britischen Diplomaten (Peter Chandley) besucht. Er war der letzte Nicht-Ugandaer, der sie lebend gesehen hat. Die Leiche wurde nie an Israel zurückgegeben.

Der Rückflug war ein Husarenstück für sich:
In Nairobi landete eine El-Al-Passagiermaschine (B-707) am Abend mit der Flunummer 169. 2 Stunden nach der Landung landete eine zweite El-Al-Maschine mit der gleichen Nummer um 2.06 Uhr, zeitgleich mit der ersten Hercules aus Entebbe. Im Abstand von jewels exakt 10 Minuten landeten die anderen 3 Herecules und wurden von den Kenianern auf eine Abgelegene Landebahn (Nr. 4) geleitet.

Uri Dan berichtet von mehreren Verletzten:

Zitat:
"Eine Boeing 707, die alle Einrichtungen eines Krankenhauses an Bord hatte, übernahm die Verwundeten, die von den Hercules-Maschinen gebracht worden waren. Zehn Schwerverletzte wurden mit Krankenwagen in das Kenyatta State Hospital gebracht. Dort hörte eine kanadische Krankenschwester den Ruf nach Blutkonserven. Sie wwar überrascht, einige kräftige israelische Soldaten vor sich zu sehen, die Transfusionen erhalten sollten. Sie kannten sogar die nötige Blutgruppen. Im Fall Pakso Cohen, der die Nazi-Konzentrationslager überlebt hatte, kam jede Hilfe zu spät. Er starb kurz vor Sonnenaufgang."


Die Machinen wurden aufgetankt und flogen bei Sonnenaufgang weiter gen Israel.
dan berichtet weiter, dass 2 israelische Soldaten und eine verwundete Geisel in Keni weiter behandelt wurden und später ausgeflogen wurden.

Rein zufällig war in dieser zeit auch ein US-Aufklärer Typ P3 Orion in Kenia stationiert, die erste, die die USAF in Afrika flog. nach der Aktion wurde sie wieder nach England verlegt. Zufall?
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Andre
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BeitragBeitrags-Nr.: 119928 | Verfasst am: 17.04.2007 - 22:54    Titel: Antworten mit Zitat

Muki Betser erwähnt in seinem Buch auch das fliegende Lazarett in Nairobi und auch die fliegende Funkzentrale. Also kein Geheimnis! Nur die Herkunft der fliegenden Funkzentrale nennt nicht explizit. Übrigens war auch die vierte Hercules medizinisch ausgestattet. Wenigstens ein Arzt flog auch mit nach Entebbe! Die Landungen in Kenia hatte übrigens Ehud Barak mit den Kenianern ausgehandelt, der auch die Kommandoeinheiten persönlich begrüßte.

Gruß
Andre
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BeitragBeitrags-Nr.: 119944 | Verfasst am: 18.04.2007 - 08:19    Titel: Antworten mit Zitat

Wobei Kenia ganz zufällig nach der Aktion Militärhilfen von den USA bekam.

Zitat:
Also kein Geheimnis!

Ich wollte nur damit sagen, dass die ganze Aktion wohl doch nicht allein eine IDF-Glanzleistung war, sondern dass auch andere ihren Teil beitrugen.

Trotzdem ist es eine herausragende Aktion in der Militärgeschichte.
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James
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BeitragBeitrags-Nr.: 131812 | Verfasst am: 21.10.2007 - 10:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hoover hat Folgendes geschrieben:


... Ach ja, die BTR waren BTR 40.



Hoover,

gibt es einen Beleg dafür, dass es sich um BTR gehandelt hat? Insb. BTR 40.

Gruß
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James
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BeitragBeitrags-Nr.: 131813 | Verfasst am: 21.10.2007 - 10:42    Titel: Antworten mit Zitat

Andre hat Folgendes geschrieben:


... zweite Maschine landen. Zwei BTRs sollten ... sichern ... dritte Maschine ... zwei weiteren BTRs an Bord. ...



Andre,

welche Belege gibt es dafür, dass es sich tatsächlich um BTR Fahrzeuge gehandelt hat?

Gruß
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Andre
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BeitragBeitrags-Nr.: 131815 | Verfasst am: 21.10.2007 - 11:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo James!

Meine Quelle war das Buch von Muki Betser "In geheimem Auftrag", sonst habe ich keine weiteren Belege!

Viele Grüße
Andre
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James
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BeitragBeitrags-Nr.: 131826 | Verfasst am: 21.10.2007 - 12:39    Titel: Antworten mit Zitat

Andre hat Folgendes geschrieben:


Meine Quelle war das Buch von Muki Betser "In geheimem Auftrag", sonst habe ich keine weiteren Belege!



Alles klar. Dank für die Antwort. Das ist was ich vermutet habe, da Betser die einzige Quelle ist, die bisher dieses Detail von sich gibt. Wie Du (!) richtig erwähnst schreibt er lediglich von "BTR", nicht welchem Modell. Daher erhoffe ich mir noch eine konkrete Antwort betreffs des BTR 40 von Hoover. Interessant ist, dass er noch daruf hinweist, dass die BTR "reichlich Feuerkraft" hatten. Was nicht gerade für den BTR 40 spricht. Auch spricht Betser von einem APC (armoured pers. carrier), Der 40er war ein Aufklärungsfahrzeug mit 4-5 Mann Besatzung. Ein BTR 50 hingegen hat eben genau die APC Funktion und trägt 12 Infanteristen (plus 3 Mann Besatzung).

Übrigens:

Ein interessanter Bericht zum 30. Jahrestag der Befreiungsaktion (allerdings in Hebräisch mit engl. Untertitlen, inkl. dem damals stellv. Kommandeur der Aktion, Muki Betser. Betser saß ja im besagten schwarzen Mercedes):

http://www.youtube.com/watch?v=kONqgLYqF6I

Der aktuellste Bericht über die Operation in Entebbe (engl.), 52 Minuten! Inkl. teilnehmender Zeitzeugen (Befreier, Geiseln etc.):

http://www.youtube.com/watch?v=s3dEX4yYXts&mode=related&search=Entebbe%20Yonatan%20Netanyahu

Gruß
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