Infanteriegeschütze- Zweck & Einsatz
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aneka
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BeitragBeitrags-Nr.: 122973 | Verfasst am: 30.05.2007 - 00:31    Titel: Infanteriegeschütze- Zweck & Einsatz Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

ich interessiere mich sehr für die Geschützgattung der Infanteriegeschütze, habe dazu aber bisher leider wenig Material finden können. Daher sind bei mir einige Verständnislücken geblieben - vielleicht könnt Ihr mir ja helfen sie zu schließen. ;)

Wenn ich das richtig verstanden habe, wurden Infanteriegeschütze als Unterstützungswaffen für die Infanterie konzipiert und sollten beispielsweise feindliche MG-Nester oder gedeckte Stellungen ausschalten. Daher mussten sie in der Lage sein die Infanterie im Angriff begleiten und sollten im Vergleich zu einem "normalen" Artilleriegeschütz von leichterer Bauart sein und die Möglichkeit bieten feindliche Ziele präzise im Flachfeuer zu beschießen.

Nun führte die Reichswehr 1934 das SIG 33 ein und das führt nun zu meinen Verständnisproblemen - ein knapp 2 Tonnen schweres Geschütz, das bis zu eine Stunde braucht um gefechtsbereit zu sein, ist doch wohl kaum in der Lage einen Infanterieangriff wirksam zu begleiten? Und mir fallen recht wenige Möglichkeiten ein, bei denen die Präzision bzw. die Flachfeuereigenschaften der Waffe zum Tragen kommen könnten, denn für die Bedienmannschaft wirds wohl eher unangenehm, das Ding gefechtsbereit zu machen, wenn der Feind in direkter Sichtlinie ist. Also würde ich vermuten, dass das SIG in erster Linie aus gedeckter Stellung im Steilfeuer eingesetzt wurde, aber da bringt doch die Präzision nichts? Und die Möglichkeit die Infanterie auf mittlere Entfernung mit schwerem Steilfeuer zu unterstützen, hätte doch auch ein vermutlich weitaus billigerer und leichterer Minenwerfer geboten, oder?

So versteh ich nicht, welchen Zweck das SIG erfüllen sollte (abseits der Möglichkeit es auf Selbstfahrlafette einzusetzen, an diese Option haben 1927 vermutlich nur wenige gedacht).

Kann einer von euch ne Erklärung dafür bieten?


Threadtitel modifiziert und das Ganze ob des Inhaltes als [b]wichtig[7b] gepinnt! Jan-Hendrik/Moderator
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AG_Wittmann
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BeitragBeitrags-Nr.: 122974 | Verfasst am: 30.05.2007 - 06:33    Titel: Antworten mit Zitat

Mal überlegen ...

Infanteriegeschütze kamen im 1. Weltkrieg auf, hauptsächlich, wie du schon geschrieben hast, um die Infanterie direkt zu unterstützen ...

Nach dem 1. Weltkrieg kam die Idee des Infanteriegeschützes für viele Armeen wieder aus der Mode, da die Granatwerfer (Grabenmörser) auch unmittelbare Feuerunterstützung liefern konnte ... die Reichswehr bzw. rote Armee allerdings hielten an der Idee des Infanteriegeschützes fest ...

Exakte Gründe konnte i leider nich finden, allerdings bieten Infanteriegeschütze einige Vorteile gegenüber den Mörsern ... man kann mit Infanteriegeschützen leichter Panzer, Bunkerscharten etc. ins Visier nehmen ... vielleicht hängt auch die Entwicklung von IG und Gebirgskanonen zusammen, haben beide ungefähr die gleichen Rahmenbedingungen, abgesehen davon, dass die Gebirgsgeschütze über eine enorme Rohrerhöhung verfügen müssen ...

Vermutlich is die Entwicklung dann übergegangen zu Leichtgeschützen ...
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aneka
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BeitragBeitrags-Nr.: 122994 | Verfasst am: 30.05.2007 - 13:35    Titel: Antworten mit Zitat

AG_Wittmann hat Folgendes geschrieben:
allerdings bieten Infanteriegeschütze einige Vorteile gegenüber den Mörsern ... man kann mit Infanteriegeschützen leichter Panzer, Bunkerscharten etc. ins Visier nehmen ...


Jep, deswegen macht der Einsatz des leichten IGs meines Erachtens auch Sinn, denn dieses konnte ja mit seinen reichlich 400 kg recht gut im Mannschaftszug bewegt werden. Also kann das Geschütz in gedeckter Stellung gefechtsbereit gemacht und dann im Mannschaftszug vorgerollt werden. Mit dem SIG ist das aber wohl nur schwerlich möglich, also dürfte Präzisionsflachfeuer damit vermutlich eher flachfallen?

Jetzt wär halt die Frage, ob es möglich ist im Steilfeuer wirklich präzise zu feuern und das eigene Feuer mittels Artilleriebeobachtern genau in die Feindstellungen zu lenken? Mir fehlen die ballistischen Kenntnisse, um sowas zu beurteilen - was meint Ihr?
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 122996 | Verfasst am: 30.05.2007 - 13:43    Titel: Antworten mit Zitat

Klappte mit den richtigen VBs ausgezeichnet, nicht umsonst gehen Schätzungen davon aus das Ari die Todesursache Nr.1 bei den Verlusten im WK2 uas.

Beim sIG liegt der Ansatz wohl auf anderer Ebene, hier sollte meines Erachtens nach eine schwere Feuerunterstützung auf Regimentsebene ohne Abhängigkeit vom ArtRgt. geschaffen werden, also direkt unter der Kontrolle des RgtsKdrs.

Das lIG halte ich für eine gradezu geniale Waffe zur Feuerunterstützung, damit konnte man MG-Nester eineben, feindlich Angriffe durch Direktfeuer zusammenschießen usw. Hat doch schon so seine Vorteile gegenüber dem einfachen GrW Lachen

Meine Meinung

Jan-Hendrik
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aneka
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BeitragBeitrags-Nr.: 123072 | Verfasst am: 31.05.2007 - 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

Jan-Hendrik hat Folgendes geschrieben:
Klappte mit den richtigen VBs ausgezeichnet, nicht umsonst gehen Schätzungen davon aus das Ari die Todesursache Nr.1 bei den Verlusten im WK2 uas.


Dass die Artillerie wirkungsvoll war und ist, hat ja niemand bestritten Zwinkern, aber hier gehts ja um die genauen Einsatzmöglichkeiten. Um Trommelfeuer zu schießen, muss ein Geschütz ja nicht sonderlich präzise sein. Anders sieht es aber aus, wenn man gezielt ein feindliches MG-Nest ausschalten will, das klappt ja nur bei Streuweiten von wenigen Metern. Und da weiß ich halt nicht, ob das mit dem SIG im Steilfeuer zu bewerkstelligen war.

Zitat:

Beim sIG liegt der Ansatz wohl auf anderer Ebene, hier sollte meines Erachtens nach eine schwere Feuerunterstützung auf Regimentsebene ohne Abhängigkeit vom ArtRgt. geschaffen werden, also direkt unter der Kontrolle des RgtsKdrs.


Hm, also meinst Du, dass das SIG in erster Linie für Streufeuer ausgelegt war? Das würde natürlich meine Frage beantworten. Allerdings wäre für mich dann wiederum fraglich, ob mit 2 Geschützen im Regiment überhaupt eine ausreichende Wirkung erzielt werden kann. Bei der Ari ist ja sonst normalerweise eher Konzentration angesagt, wenn Streufeuer geschossen wird. Und für diesen Einsatzzweck hätte vermutlich auch ein schwerer Minen- oder Granatwerfer ausgereicht. Das ist zumindest meine Meinung, aber die muss ja die Reichswehrplaner von damals auch nicht weiter interessieren. *g*


Zitat:
Das lIG halte ich für eine gradezu geniale Waffe zur Feuerunterstützung, damit konnte man MG-Nester eineben, feindlich Angriffe durch Direktfeuer zusammenschießen usw. Hat doch schon so seine Vorteile gegenüber dem einfachen GrW Lachen


Da geb ich dir Recht, eine ganze ausgezeichnete Waffe. Lachen
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 123073 | Verfasst am: 31.05.2007 - 11:33    Titel: Antworten mit Zitat

Bei einer Rohrerhöhung von - 4° bis + 75° sollte das beim sIG 33 kein Problem dargestellt haben, und bei einem Geschoßgewicht von 38Kg sinkt durch die größere Splittersättigung die Notwendigkeit zum exaktem Treffer Zwinkern

Wobei der Hauptzweck doch die direkte Feuerunterstüzung gewesen sein sollte, nicht umsonst hat man die Dinger auf Panzerfahrgestell auch kettenmobil gemacht.

Granatwerfer haben natürlich auch ihre Vorteile, grade durch ihre extremen Steilfeuermöglichkeiten bei eingegrabenem Gegner, doch ist hier dann wiederum auch der Munitionsaufwand durch die geringere Präzision entsprechend höher.

Hier findet sich eine, wie ich finde, recht interessante Diskussion zum Thema Feuerunterstützung auf Btls-Ebene im AHF.

Winken

Jan-Hendrik
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PIV
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BeitragBeitrags-Nr.: 123115 | Verfasst am: 31.05.2007 - 14:38    Titel: Antworten mit Zitat

Also meines Wissens waren die lIG´s und sIG´s nicht für Streufeuer oder gar "Trommelfeuer" o. ä. vorgesehen, sondern vorrangig als direkte Unterstützungwaffe der Infanterie zur Ausschaltung von Punktzielen und zu unmittelbaren Begleitung und Unterstützung des Infanterieangriffes auf dem Gefechtsfeld. Dazu war entweder direktes oder eben auch gedecktes Zielen und Schießen möglich. Insofern war das sIG eine wirkungsvolle Waffe in der Hand des Rgt.kdr. Gerade gegen Befestigungen, Bunker, Hindernisse etc. stelle das sIG eine sehr wirksame und genaue Waffe dar.
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RockinHarry
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BeitragBeitrags-Nr.: 123923 | Verfasst am: 09.06.2007 - 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich müsste es ja Infanterie-Haubitze heissen. Techn. betrachtet waren die IG18 und IG33 es ja. Ich klammere da die späteren Entwicklungen wie IG37 und IG42 erstmal aus, obwohl diese sicherlich auch zu den Haubitzen zu zählen sind.

Das (leichte) Infanteriegeschütz 18 (IG18) wurde übrigens Anfang der 30er noch als leichter Minenwerfer bezeichnet und somit dürfte klar sein, das die Infanteriegeschütze des 1. Weltkrieges sowohl technisch als auch vom taktischen Einsatz her nicht mit denen des 2. Weltkrieges gleichzusetzen sind.

Interessant und aufschlussreich ist die Definition über die Einsatzweise und Bedeutung der Infanteriegeschütze, wie sie in den Ausbildungsvorschriften der Wehrmacht seinerzeit zu finden waren.

Beispiele:

1. K.W.Uebe, Das verstärkte Bataillon, Seite 18

Die Bedeutung der Waffen

"Die I.G Kompanie ist die Schwerpunktwaffe des Regiments-Kdr."

2. Greiner/Degener, Taktik im Rahmen des verstärkten Infanterie Bataillons, Seite 33

"Der l.I.G.Zug ist die wichtigste Steilfeuerwaffe des Bataillons-Kommandeurs. Der l.I.G.Zug ergänzt das Feuer der M.G.Kp. Er wirkt vornehmlich dorthin, wohin die s.M.G. infolge ihrer gestreckten Flugbahn und die s.Gr.W. wegen zu großer Entfernung nicht schießen können. Mit Vorteil wird er daher gegen Feind hinter Deckungen (z.B Kiesgruben) eingesetzt. Der Einsatz der l.I.G. auf Ortschaften, Waldränder und Häuser lohnt auch aus Gründen moralischer Wirkung, die erfahrungsgemäß durch die Detonation der Granaten hervorgerufen wird. Weit vorn eingeteilte und schnell schußbereite l.I.G. können schwachen feindlichen Widerstand schnell brechen."

3. Ein paar ausgewählte Punkte aus der HDV 130/4a "Die Infanterie Geschütz Kompanie", Ausgabe 1941

ALLGEMEINE GRUNDSÄTZE FÜR DEN EINSATZ

135. "Aufgabe der leichten Inf.-Geschütze ist es, einzelne, offene, besonders wichtige Ziele und solche in Deckungen im Bereich der feindlichen Infanterie zu bekämpfen. Sie sollen in erster Linie gegen Ziele eingesetzt werden, die mit gestreckter Flugbahn der Maschinengewehre nicht zu fassen sind, gegen die Granatwerfer nicht genügend wirken und die von der Artillerie nicht erkannt und infolge ihrer größeren Streuung oder ihrer Bindung durch andere Aufgaben nicht bekämpft werden können."

136. "Schwere Infanteriegeschütze sind gegen besonders wichtige oder widerstandsfähige Ziele im feindlichen Infanteriebereich zu verwenden. Sie sind die stärkste Angriffswaffe der Infanterie. Ihre seelische und tatsächliche Wirkung auf den Feind ist gross. Ihr Einsatz stärkt den Kampfgeist der eigenen Truppe. Er gibt oft den Ansporn zum sofortigen Sturm. Ihre Aufgaben sind mit Rücksicht auf die geringe Munitionsausstattung zeitlich und örtlich zu begrenzen."

137. "Bei feindlichem Panzerangriff richten die Infanteriegeschütze ihr Feuer auf die den Angriff unterstützenden schweren Waffen. Auf nahen Entfernungen können Infanteriegeschütze zur Abwehr der feindlichen Panzerkampfwagen geschützweise eingestzt werden.

Leichte Infanteriegeschütze bekämpfen Panzerkampfwagen dann von 600m abwärts mit Igr.38 aus offenen oder Randstellungen im direkten Richten.

Schwere Infanteriegeschütze sind zum bekämpfen feindlicher Panzerkampfwagen in der Versammlung oder Bereitstellung geeignet. Sie wirken seelisch stark auf die Besatzung der feindlichen Panzerkampfwagen und beschädigen Ketten und Laufwerk durch Splitter. Zur Abwehr angreifender Panzerkampfwagen sind sie nur in der Selbstverteidigung einzusetzen."

138. "Die schmiegsame Flugbahn der Infanteriegeschütze läßt die Lösung fast aller an sie herantretenden Aufgaben aus verdeckten Feuerstellungen zu.

Offene Feuerstellung kann notwenig werden, wenn das Feuer nur bei unmittelbarer Beobachtung am Geschütz die notwendige Geschwindigkeit und Biegsamkeit für die Zielbekämpfung erhalten kann, besonders also gegen Ziele in Bewegung, in der Verfolgung und bei überraschenden Zusammenstößen."

139. "Die Infanteriegeschütze bekämpfen meist Ziele, die, eingegraben und im Gelände gut versteckt, nur durch beobachtetes Feuer wirksam gefasst werden können. Das erfordert, das die Beobachtungsstellen soweit vorn wie irgend möglich eingesetzt werden, und das jeder Führer von Infanteriegeschützen in engster Verbindung mit der Truppe kämpft, die er unterstützen soll.

Beobachtetes Feuer ist auch dann anzuwenden, wenn Ziele bekämft werden müssen, die in Geländestreifen, z.b Orts- und Waldrändern, Heckenreihen, Kornfeldern usw. versteckt sind und nicht erkannt werden können. Abprallerschießen verspricht oft gute Wirkung."

140. "Unbeobachtetes Schießen auf verdeckte Ziele kommt für Infanteriegeschütze nur ausnahmsweise in Frage. Es erfordert Vermessen der Feuerstellung, Vorhandensein von Karten oder Plänen im Maßstab von mindestens 1:50.000 und genaue Berücksichtigung der besonderen und Witterungseinflüsse.

Der Zug muss in der Lage sein, sich behelfsmäßig zu vermessen. Er kann durch den Vermessungstrupp der Kompanie unterstützt werden.

Unbeobachtetes Schiessen auf vermutete Ziele und auf Geländeräume führt zur Munitionsverschwendung und ist daher unzulässig."

141. "Die Kampf- und Feuereinheit ist der Zug. Nur der Zugverband verfügt über alle die Hilfkräfte und das Gerät, die für den Einsatz und für das Schiessen aus verdeckter Stellung erforderlich sind.

142. "Besondere Verhältnisse können vorrübergehend zum Einsatz von einzelnen leichten Geschützen zwingen (s. Nr. 279, 280, 297, 300, 307, 310).

..."

143. "In der Regel werden bei Beginn des Kampfes den vorderen Bataillonen leichte Infanteriegeschützzüge unterstellt. Eine Weiterunterstellung unter eine Schützenkompanie ist notwendig, wenn die unmittelbare Zuweisung von Kampfaufträgen und Zielen durch den Bataillonskommandeur infolge unübersichtlichen Geländes oder unübersichtlicher Gefechtsverhältnisse auf Schwierigkeiten stößt."

144. "Werden an einer Stelle, z.B im Brennpunkt des Kampfes, zwei oder mehr Züge eingesetzt, dann führt meist der Kompanieführer der Infanteriegeschützkompanie die eingesetzten Teile."

145. "Der schwere Zug wird je nach Lage und verfügbarer Munition frühzeitig eingesetzt oder zur Verfügung des Regimentskommandeurs zunächst zurückgehalten. In letzterem Falle wird er dann eingesetzt, wenn der Schwerpunkt des Angriffs sich herausbildet, und dort, wo die Entscheidung erzwungen werden soll.
Er wird im allgemeinen , auch zusammen mit leichten Zügen, unter Führung des Kompanieführers entweder einem Bataillon unterstellt oder unmittelbar vom Regimentskommandeur im Schwerpunkt eingesetzt."

146. "Die Zugführer werden oft vor Aufgaben gestellt, die selbstständiges Handeln im Sinne des Kampfauftrages erfordern. ..."

KAMPFAUFTRAG

147. "Der vorgesetzte Führer erteilt den Kampfauftrag. Er muss so frühzeitig wie möglich gegeben werden. Soweit irgend möglich, sind die Kampfaufträge im Gelände an Punkten zu geben, die Einblick in das Kampfgelände gestatten."

148. "Der Kampfauftrag muß sich über Lage, Absicht des Führers, Auftrag der Truppe, die unterstützt werden soll, Aufträge der anderen schweren Waffen und über die von dem Zuge geforderte Feuerwirkung so klar aussprechen, das der Zugführer im Sinne seines Auftrages selbstständig handeln kann.

Der leichte Zug erhält in der Regel den Auftrag, einen besonders bezeichneten Teil der kämpfenden Truppe bei der Durchführung einer bestimmten, genau umrissenen Kampfhandlung zu unterstützen. Dazu muss ihm befohlen werden, welche Ziele er besonders bekämpfen soll und in welchem Raum er auf das Auftauchen für ihn in Frage kommender Ziele besonders zu achten hat, um sie sofort unter Feuer nehmen zu können.

Der Zeitpunkt der Feuereröffnung, Maßnahmen für Verbindung zum vorgesetzten Führer und dessen Gefechtsstand sind zu befehlen.

Durch gegenseitige Aufnahme der Verbindung muß auch im Verlaufe des Gefechts die Übermittlung von Aufträgen zur Bekämpfung bestimmter Ziele immer wieder angestrebt werden.

Dem schweren Zuge sind grundsätzlich einzelne bestimmte Ziele zur Bekämpfung zuzuweisen."

_____________

Soweit die Auszüge aus der Ausbildungsvorschrift, die für die Infanteriegeschütze als organischer Teil eines Infanterieregiments (Inf.Geschütz Kompanie) gilt. Infanteriegeschütze sind natürlich auch organischer Teil anderer Kampfeinheiten, wie Aufklärungseinheiten und in der Panzertruppe. Die Aufgaben und Einsatzgrundsätze sind aber dort im Prinzip auch die selben. Die größere Motorisierung, bzw. das Vorhandensein von IG auf Selbstfahrlafette ist ein anderes Merkmal.
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 123950 | Verfasst am: 09.06.2007 - 23:59    Titel: Antworten mit Zitat

Kurz und knapp: exzellenter Beitrag Gut gemacht!

Cu

Jan-Hendrik
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stefan w
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BeitragBeitrags-Nr.: 138849 | Verfasst am: 08.02.2008 - 22:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo @aneka
trotz dem klasse Post von RockinHarry möchte auch ich meinen Senf beitragen.

Das kaiserliche Heer, Reichswehr und Heer des 3.Reichs gingen - wenn möglich - vom gezielten Einzelschuß aus. Trommelfeuer wurde eher als Munitionsverschwendung angesehen, vor allem da die Feuerleitmöglichkeiten - im Vergleich zum 1.Wk - sehr viel besser geworden waren.

Die GI´s beneideten im übrigen das deutsche Heer für seine IG´s

Im Krieg, ab 1943, woll te man die Infanteriegeschütze durch Granatwerfer ersetzen; die 8,1cm Granatwerfer sollten das leichte IG, die 12cm Granatwerfer die 15cm-IG ersetzen. Das aber weniger wegen der Waffenwirkung sondern wegen der Produktionszahlen. Granatwerfer und deren Munition waren einfach leichter zu produzieren als Infanteriegeschütze.

Hat die Herstellung der Feuerbereitschaft 1 Stunde gedauert? Kann ich kaum glauben.
gruß
st
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RockinHarry
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BeitragBeitrags-Nr.: 138854 | Verfasst am: 08.02.2008 - 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

stefan w hat Folgendes geschrieben:


Hat die Herstellung der Feuerbereitschaft 1 Stunde gedauert? Kann ich kaum glauben.
gruß
st


Nabbend.

Mal kurz in meinen Greiner von 1941 reingeschaut, weil da ne schöne Tabelle drin ist:

"Zeitbedarf für Feuerbereitschaft nach Auftragserteilung"

l.Gr.W 2 Minuten (50mm)
s.Gr.W 5 Minuten (der 81mm Mörser ist gemeint, nicht der 120er)
l.I.G 30 Minuten im Verband des Zuges
s.I.G 45 Minuten im Verband des Zuges
l.F.H 45 Minuten fpr die Batterie

So, da das Greiner Buch nen Taktik Lehrbuch für Offiziere ist, kann man davon ausgehen, das das Durchschnittswerte sind, mit denen ein Kommandeur üblicherweise zu rechnen hatte, wenn beabsichtigt war die genannten Waffen einzusetzen.

Einzelgeschütze dürften dann wohl um einiges schneller feuerberet gewesen sein, vor allem für den "direkten" Schuß.
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BeitragBeitrags-Nr.: 138857 | Verfasst am: 08.02.2008 - 23:17    Titel: Antworten mit Zitat

Schon bei den Preussen gab es Bataillons- und Regimentsgeschütze und dienten der Unterstützung der jeweiligen Einheit.

Die Artillerie des oberen Befehlshabers (Divisions- oder Korpsartillerie) wurde schwerpunktmässig eingesetzt oder zur Unterstützung einzelner Einheiten,

Das schloss natürlich nicht aus, dass die IG im Feuerplan des oberen Kommandeurs eine Rolle mit spielten.

Noch eine Bemerkung zum Unterschied Geschütz - Granatwerfer.

Bin kein Artillerst, aber ich meine die Reichweite und die Genauigkeit dürfte beim Geschütz höher gewesen sein, dafür war der Transport und die Herstellung eines Granatwerfers einfacher. Für die Bedienung eines IG waren ?? (7?) Mann nötig, für einen GW nur 3

Und etwas ganz entscheidendes: Das IG konnte sowohl Flach- als auch Steilfeuer schießen. Mit einem GW konnte ich keine Schießscharten bekämpfen. Von daher ist das IG vielseitiger einsetzbar.

Mit der Zunahme der GW mussten PAK diese Aufgaben mit übernehmen. So, wie die Flak die PzAbw. ;)

Was den Zeitbedarf betrifft, so ist natürlich schon ein Unterschied, ob die Geschütze in Feuerstellung, in Bereitschaft oder auf dem Marsch sind. Hier ist wahrscheinlich von einem Vormarsch und Feuerstellung aus der Marschordnung heraus ausgegangen.

In der Verteidigung gibt es Feuerpläne, so dass die Bekämpfung von Zielen nach Feuerkommando nur wenige Minuten btragen dürfte.
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 138926 | Verfasst am: 09.02.2008 - 14:29    Titel: Antworten mit Zitat

KStN einer IG-Komapnie, Stand 1937.

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 138929 | Verfasst am: 09.02.2008 - 14:34    Titel: Antworten mit Zitat

wenn ich das richtig verstanden habe, waren für 1 lIG : 1 Offizier, 4 Unteroffiziere, 31 Mannschaften, 16 l.Zugpferde, 9 Reitpferde nötig

wie viel für einen sGrW? 4? oder 5?
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 138933 | Verfasst am: 09.02.2008 - 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
wenn ich das richtig verstanden habe, waren für 1 lIG : 1 Offizier, 4 Unteroffiziere, 31 Mannschaften, 16 l.Zugpferde, 9 Reitpferde nötig


Nein, für einen IG-Zug zu 2 lIG nebst Ausrüstung.

Winken

Jan-Hendrik
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