Gustav Rau
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 155684 | Verfasst am: 09.08.2008 - 21:36    Titel: Gustav Rau Antworten mit Zitat

Heute möchte ich den Thread zu Gustav Rau, einem der bedeutensten Hippologen des 20. Jahrhunderts und Kavallerist im Großen Krieg, eröffnen. Hier folgt eine kurze Zusammenfassung:

Geboren wurde er am 28. Februar 1880 als Sohn eines württembergischen Offiziers in Paris und starb am 5. Dezember 1954.
Ab 1901 war er in Berlin in der Redaktion Sport und Welt tätig, bis er 1913 zum Generalsekretär des damals in der Gründung befindlichen Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei ernannt wurde und publizierte während dieser Zeit zahlreiche bedeutende und bekannte hippologische Bücher.
Im Ersten Weltkrieg diente er bei den 7. Ulanen und erhielt EK2 und EK1.
Nach dieser Zeit, als der Pferdebedarf sank und die Warmblutzucht vor dem Ende stand in Deutschland, stellte er ein Konzept auf, das den Züchtern mehr Anreize lieferte, zur Steigerung der Leistungsfähigkeit ihrer Pferde und damit nicht nur der Erhaltung sondern der zielgerichteten Verbesserung der deutschen Warmblutzucht - Stichwort Gründung und Organisation der ländlichen Reit- und Fahrvereine.
1933 wurde er zum Oberlandstallmeister der Preußischen Gestütsverwaltung, ein Jahr später erfolgte der Rücktritt.
So nahm er großen Einfluss auf die deutschen Warmblutzuchten und den deutschen Reitsport - 1936 organisierte er sogar die Olympischen Reiterspiele.
Wir kennen zahlreiche Werke von diesem Herren - darunter zum Beispiel:
-Buch der Kavallerie
-Die Not der deutschen Pferdezucht
-Aufgaben und Entwicklung der deutschen Landespferdezucht im Vergleich zur Landespferdezucht in Frankreich und Ungarn
-Das Anglonormannische Pferd
-Pferdebeurteilung
-Die Konkurrenzen zu Pferde bei den Olympischen Spielen in Stockholm
-Die wichtigsten Blutströme der Hannoverschen Pferdezucht
-Über Entstehung, Vererbung und Bestimmung von Pferdetypen anhand der Hannoverschen Pferdezucht dargestellt
-Die Landespferdezucht in Preußen und die Preußische Gestütsverwaltung
-Die deutschen Pferdezuchten
-Beiträge zur Pferdezucht
-Altgold Geschichte eines Kriegspferdes
-Bestimmungen und Ratschläge für die Tätigkeit der ländlichen Reit-und Fahrvereine
-Anforderungen an das Reiten von Dressur-Prüfungen
-Das Wesen der Landespferdezucht im nationalsozialistischen Staate
-Züchtungskunde
-Die Reiterkämpfe bei den Olympischen Spielen 1912/1920/1924 und 1928
-Die Reitkunst der Welt an den Olympischen Spielen 1936
-Die Ursachen der bisherigen Vernachlässigung der Tierpsychologie in der Pferdezucht und bei der Ausbildung des Pferdes

Von 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war er als Oberstintendant und Beauftragter für Pferdezucht und Gestütswesen im Generalgouvernement Polen tätig und bringt die völlig am Boden liegendende fast zerstörte polnische Pferdezucht wieder zu neuer Blüte zurück.
Nach dem Krieg leitet er bis 1950 das in Dillenburg gelegene Hessische Landgestüt und sorgt dafür das im selben Jahr, das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei in Warendorf angesiedelt wird.

Sein Zitat: "Die Seele des Pferdes äußert sich nur denjenigen die sie suchen."

Erweiterungen, Bilder, Berichte (vorallem aus seiner Zeit als Ulan!! Grins ) sind herzlich willkommen!

Hier noch ein Verweis aus einem anderen Thread - Rau als Ulan

Horrido!

Nicole

Edit: habe die Liste seiner schriftlichen Werke noch ergänzt. Seine zahlreichen Artikel in verschiedenen Reitsport-Zeitschriften, wie zum Beispiel im St. Georg, sollten nicht vergessen werden.


Zuletzt bearbeitet von Reiter am 11.08.2008 - 07:41, insgesamt einmal bearbeitet
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 155710 | Verfasst am: 10.08.2008 - 08:37    Titel: Antworten mit Zitat

Im Zweiten Weltkrieg war Oberstintendant Landstallmeister a.D. Dr. h.c. Rau Beauftragter für Pferdezucht und Gestütswesen im ehemaligen Polen. Er unterstand damit direkt dem Befehlshaber des Ersatzwesens bzw. Chef der Heeresrüstung.

Winken

Jan-Hendrik
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 155711 | Verfasst am: 10.08.2008 - 08:46    Titel: Antworten mit Zitat

Buchempfehlung: Gustav Rau – Ein Leben für die Pferde, von Karl Schönerstedt, erschienen 1960, Brühlscher Verlag Gießen

http://i38.tinypic.com/2hhhq82.jpg

http://i35.tinypic.com/35n4mpt.jpg
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 155712 | Verfasst am: 10.08.2008 - 08:49    Titel: Antworten mit Zitat

Wußte gar nicht, das Herr Schönerstedt über Herrn Rau eine Biographie verfasst hat...ich hab nur seinen Klassiker "Pferde und Soldaten" Lachen

Winken

Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 155720 | Verfasst am: 10.08.2008 - 09:32    Titel: Antworten mit Zitat

Er hat vor dem Rau'schen Buch bereits im Jahr 1958 über "Meisterreiter Fritz Thiedemann" geschrieben. Auch dieses Buch ist für Liebhaber dieses Bereiches sehr lesenswert.
http://i35.tinypic.com/2i9moe8.jpg
Klappentext:
http://i35.tinypic.com/2usero9.jpg
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 155862 | Verfasst am: 10.08.2008 - 21:03    Titel: Antworten mit Zitat

Aber kommen wir zurück zu Gustav Rau.
Er ist nicht freiwillig von seinem Posten zurückgetreten, sondern hatte sich bei der NSDAP unbeliebt gemacht. Er hatte versucht die Gleichschaltung der ländlichen Reit- und Fahrvereine zu verhindern oder doch sie zumindest der Unterstellung der Partei zu entziehen. Das Heft "Die Ausbildung des Reiters in den ländlichen Reit- und Fahrvereinen" hieß ja nun auch "Die Ausbildung des Reiters in den S.A. und S.S. Reiterscharen und an den Reit- u. Fahrschulen".
(Bilder folgen morgen)

Auch seine Tätigkeit in Polen wirft ein typisches Bild. Das OKH wollte ihn dort als Leiter der Pferdezucht sehen, aber weder als Zivilist noch als Leutnant der Reserve hätte er sich als Vorgesetzter dort präsentieren können. Beim OKH war man daher erst ratlos und Rau soll gesagt haben: „Mir ist es ganz wurscht, was sie mir anziehen, ich kann auch im Nachthemd die polnischen Gestüte wieder in Ordnung bringen.“
Er wurde daraufhin (s.o.) als Oberstintendant losgeschickt…
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 155877 | Verfasst am: 10.08.2008 - 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Er hatte versucht die Gleichschaltung der ländlichen Reit- und Fahrvereine zu verhindern oder doch sie zumindest der Unterstellung der Partei zu entziehen

Warum denn? Was war sein Grund dafür? Keine Ahnung

Horrido!

Nicole
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 155906 | Verfasst am: 11.08.2008 - 06:35    Titel: Antworten mit Zitat

Er wollte die Vereine lieber der Wehrmacht angegliedert sehen, da es da die entsprechenden Fachleute für die Reitausbildung usw. gab.

Die Partei sah er sehr skeptisch als Pöstchenverteiler. In dieser Frühzeit wollten sich einige Parteigenossen selbst versorgen, ohne Rücksicht auf unbedingte Eignung. Man könnte sagen: KdF (Kampf dem Fachmann)
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 155911 | Verfasst am: 11.08.2008 - 07:56    Titel: Antworten mit Zitat

So, nun hier die oben versprochenen Bilder. Es ist eigentlich eine verkleinerte und abgespeckte D.V.E./H.Dv. 12 für den zivilen Bereich.
Zum Vergleich in der linken Bildhälfte immer die Ausgabe von 1925 und rechts die von 1934.
http://i37.tinypic.com/2vw9479.jpg
http://i36.tinypic.com/ake9h4.jpg
http://i33.tinypic.com/w4e13.jpg
http://i38.tinypic.com/27x136u.jpg
http://i37.tinypic.com/efnp75.jpg

Ob es nach Änderung der RV tatsächlich zu den in der alten Ausgabe angekündigten eventuellen Tekturen kam, wäre interessant zu erfahren. Ist jemandem hierüber etwas bekannt?
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 156150 | Verfasst am: 12.08.2008 - 22:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dauerwelle,

danke für die Scanns der beiden RV. Aber was genau sind "Tekturen"?

In der RV von 1925 sind die Ziele ja noch rein pferdesportlich, von 1934 dann schon aufs Militär-Reiten gerichtet.

Horrido! Winken

Nicole
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BeitragBeitrags-Nr.: 156163 | Verfasst am: 13.08.2008 - 06:44    Titel: Antworten mit Zitat

Bei Änderungen wurden die Stellen in den Vorschriften mit dem entsprechend neuen Text überklebt. Diese Deckblätter werden Tekturen genannt. Es gibt Vorschriften, die bestehen fast nur noch daraus. Aber das ist preußische Sparsamkeit... Zwinkern
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BeitragBeitrags-Nr.: 156233 | Verfasst am: 13.08.2008 - 17:54    Titel: Antworten mit Zitat

Mal ein willkürliches Beispiel (hier sogar doppelt!):

http://i37.tinypic.com/2qlbdw3.jpg

http://i34.tinypic.com/6s3syv.jpg

aus: "Turnvorschrift für die berittenen Truppen" D.V.E. 23

NS: Aber eigentlich sollten wir zu Gustav Rau zurückkehren. Hat niemand mehr etwas??
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Fred
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BeitragBeitrags-Nr.: 156241 | Verfasst am: 13.08.2008 - 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

Interessant, daruf habe ich nie so richtig geachtet.

Fred
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BeitragBeitrags-Nr.: 156255 | Verfasst am: 13.08.2008 - 19:29    Titel: Antworten mit Zitat

Worte von Gustav Rau, aktueller denn je:

„Man muß in Deutschland die Bemühungen um die Reiterei auf eine einfachere Darstellung und bessere Verständlichmachung ausrichten.

Leute, die über Reiten schreiben und die Materie vollkommen beherrschen, verfallen leicht in den Fehler, sich im Ausmalen von Schwierigkeiten zu gefallen. Wenn einmal damit angefangen ist, versucht ein Autor den anderen zu überbieten. Es gibt dann z.B. in jedem Buche Dutzende von Zeichnungen schematischer Art, wie der Reiter sitzen und wie er nicht sitzen soll. Einer sucht den andern im Ausmalen der Schwierigkeiten zu überbieten.

Predigen Sie ein geschmeidiges Pferd und einen geschmeidigen Reiter, dann brauchen Sie keine Dutzende von Sitzbildern, denn dann muß der Reiter richtig sitzen.

Ein hochstehendes Reitsystem wird immer Versuche zu Übertreibungen bringen, die sich in der Literatur in Spitzfindigkeiten einzelner Autoren äußern. Eine solche Gefahr besteht in jeder Kunst. Sie kann falsche Auffassungen hervorrufen. Es muß darüber gewacht werden, daß Übertreibungen nicht schaden.“

Aus: „Die Reitkunst der Welt an den Olympischen Spielen 1936“

Liest man heutzutage entsprechende Pferdeliteratur, so schaudert einem.

Nachtrag:
Wo wir gerade bei Olympia sind. Ohne die Siege unserer Reiter in Peking schmälern zu wollen, lasse man sich die Übersicht von 1936 auf der Zunge zergehen.
Ein Erfolg, der zu einem maßgeblichen Teile Gustav Rau zu verdanken war!

http://i36.tinypic.com/2gxkzo3.jpg
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Panzerjäger I
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BeitragBeitrags-Nr.: 156266 | Verfasst am: 13.08.2008 - 20:25    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ein hochstehendes Reitsystem wird immer Versuche zu Übertreibungen bringen, die sich in der Literatur in Spitzfindigkeiten einzelner Autoren äußern. Eine solche Gefahr besteht in jeder Kunst. Sie kann falsche Auffassungen hervorrufen. Es muß darüber gewacht werden, daß Übertreibungen nicht schaden.“


Ich bin kein Kenner der Reiterei. Aber das sind wirklich gute und wahre Worte, wie er selbst schon ausdrückt gelten sie für jede Kunst und viele Lebensbereiche. Damals wie heute!
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