Der Kavallerist und sein Pferd im Wandel der Epochen
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 157854 | Verfasst am: 27.08.2008 - 20:15    Titel: Der Kavallerist und sein Pferd im Wandel der Epochen Antworten mit Zitat

Liebe Forenmitglieder,

abseits der Großverbände sollten wir uns doch auch mal dem "Kleinen" zuwenden, also wie Pferd und Reiter ausgebildet wurden und sich auf den Kampf vorbereiteten, wie sie lebten, wie sie Schlachten durchlebten, welche Methoden sie angewandt haben und wie sich dies im Laufe der Jahzehnte und Jahrhunderte wandelte.

Fangen wir doch am Besten mit der Frühzeit des Pferdeeinsatzes im Kriege an. Xerxes, der Perserkönig, hatte zum Beispiel 80.000 Reit- und Zugpferde zur Verfügung.
Geritten wurden in der Schlacht (wie auch bei den Rittern im Mittelalter) nur die Hengste. Interessant ist hier auch, daß diese so trainiert wurden, im Schlachtgetümmel mit der Vorderhand auf das Fußvolk einzuschlagen - ebenso wurde den Pferden auch die angeborene Angst vor Blutgeruch und dem Lärm der Schlacht abtrainiert.
Es soll tatsächlich einen Bericht aus dieser Zeit dazu geben.

Weiß vielleicht jemand, wie der heißt - wo man den finden kann?

Weitere Methoden, Berichte und Anschaungsmaterial zu dem Thema, wie sich die Krieger und ihre Pferde auf die Gefechte vorbereitet und geschlagen haben, sind herzlich willkommen!

Horrido!

Nicole
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 158010 | Verfasst am: 29.08.2008 - 15:23    Titel: Antworten mit Zitat

Uiiiii, da hast Du Dir aber etwas vorgenommen!
So weit reicht meine Erinnerung gar nicht. Verrückt
Werde mal auf die Suche gehen.
Idee Spontan fällt mir nur ein Liedlein ein…. das schick ich Dir mal

Als die Römer frech geworden,
Sim serim sim sim sim sim,
Zogen sie nach Deutschlands Norden,
Sim serim sim sim sim sim,
Vorne beim Trompetenschall,
Te rä tä tä tä te rä,
Ritt der Generalfeldmarschall,
Te rä tä tä tä te rä,
Herr Quintilius Varus,

Refrain:
Wau, wau, wau, wau, wau,
Herr Quintilius Varus,
|: Schnäde räng täng :|
Schnäde räng täng, de räng täng täng

2. In dem Teutoburger Walde,
Huh! Wie pfiff der Wind so kalte,
Raben flogen durch die Luft,
Und es war ein Moderduft,
Wie von Blut und Leichen.

3. Plötzlich aus des Waldes Duster
Brachen krampfhaft die Cherusker,
Mit Gott für König und Vaterland
Stürtzten sie sich wutentbrand
Gegen die Legionen.

4. Weh! Das ward ein großes Morden,
Sie schlugen die Kohorten;
Nur die römsche Reiterei
Rettete sich in das Frei',
Denn sie war zu Pferde.


5. O! Quintili, armer Feldherr!
Dachtest Du, daß so die Welt wär?
Er geriet in einen Sumpf,
Verlor zwei Stiefel und einen Strumpf
Und blieb elend stecken.

6. Da sprach er voll Ärgernussen
Zum Centurio Titiussen:
"Kamerad, zeuch Dein Schwert hervor
Und von hinten mich durchbohr,
Weil doch alles futsch ist!"

7. In dem armen römischen Heere
Diente auch als Volontaire
Scävola, ein Rechtskandidat,
Den man schnöd' gefangen hat,
Wie die andern alle.

8. Diesem ist es schlimm ergangen,
Eh' daß man ihn aufgehangen,
Stach man ihm durch Zung' und Herz,
Nagelte ihn hinterwärts
Auf sein corpus juris.

9. Als das Morden war zu Ende,
Rieb Fürst Hermann sich die Hände,
Und um sich noch mehr zu freu'n,
Lud er die Cherusker ein
Zu 'nem großen Frühstück.

10. Wild gab's und westfäl'schen Schinken,
Bier, soviel man wollte trinken.
Auch im Zechen blieb er Held,
Doch auch seine Frau Thusneld,
Trank walkürenmäßig.

11. Nur in Rom war man nicht heiter,
Sondern kaufte Trauerkleider;
Grade als beim Mittagsmahl
Augustus saß im Kaisersaal,
Kam die Trauerbotschaft.

12. Erst blieb ihm vor jähem Schrecken
Ein Stück Pfau im Halse stecken,
Dann geriet er außer sich"
"Varus, Varus, schäme Dich,
Redde legiones!"

13. Sein deutscher Sklave, Schmidt geheißen,
Dacht: Ihn soll das Mäusle beißen,
Wenn er je sie wieder kriegt,
Denn wer einmal tot da liegt,
Wird nicht mehr lebendig.

14. Neunzehnhundert Jahr' verflossen,
Seit hier Römer Blut vergossen,
Das uns Knechtschaft zugedacht.
Hermanns Denkmal hält nun Wacht
Deutscher Kraft und Stärke.

( Und zu Ehren der Geschichten
Tat ein Denkmal man errichten,
Deutschlands Kraft und Einigkeit
Kündet es jetzt weit und breit:
"Mögen sie nur kommen!")

15. Um des Denkmals Glanz zu mehren
Laßt uns seinen Schöpfer ehren!
Deinen Namen trag die Bank
Bandel, die wir Dir zum Dank
Und zur Ehr' erbauten.

Joseph Viktor von Scheffel, 1826-1886
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 158020 | Verfasst am: 29.08.2008 - 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mal in Eile etwas herausgesucht. Hier wirst Du zu dem Thema fündig (beim einen mehr, beim anderen weniger Zwinkern ):
Das neue Reiterbuch, Dr. Anton Mayer, Stuttgart 1937
Reiterführer, Reitertum und Reitertaten, Dr. Otto Bleck, Berlin 1938
Reiter Pferd und Fahrer, Essen 1939
Unsterbliche Kavallerie, Dr. Robert Staub, Pfäffikon-Zch Schweiz 1946
Illustrierte Geschichte der Kavallerie, Herve de Weck, Stuttgart 1982
Das Pferd im Militärwesen, Karlheinz Gless, Militärverlag der Täterää 1989
Fütterung und Leistungsfähigkeit des Militärpferdes, Humburky, Hradec Kralove, CSFR, 1992

Ich stöber aber noch weiter…

Von Xenophon habe ich noch etwas Schönes gefunden, er sagt: "Der allerbeste Grundsatz ist, sich niemals einem Pferde in zorniger Stimmung zu nähern, denn der Zorn ist unberechenbar, und er tut oft etwas, was er hinterher bereuen muß." Wer kennt das nicht aus dem Alltag...

Nachtrag:
Hüstel, Haarsträubend vor lauter Geschreibsel hatte ich es vergessen zu erwähnen, ist aber wohl klar:
Über die Reitkunst, Xenophon
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 158069 | Verfasst am: 30.08.2008 - 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das Pferd im Militärwesen, Karlheinz Gless, Militärverlag der Täterää 1989


Hab ich auch...und ist damit erstmal an Nicole verborgt Zwinkern

Cu

Jan-Hendrik
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 158626 | Verfasst am: 04.09.2008 - 14:11    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hüstel, vor lauter Geschreibsel hatte ich es vergessen zu erwähnen, ist aber wohl klar:
Über die Reitkunst, Xenophon


Richtig, ein sehr gutes Werk, das bis heute nicht an seiner Gültigkeit verloren hat.

So zum Beispiel, daß die Waffengattung der Reiterei ihren Wert in der Aufklärung des Geländes, der Überraschung des Gegners, wilde Angriffe gegen seine Flanken und in der Verfolgung des Gegners, hat.
Gute Vorbereitung für den Kriegsdienst des Pferdes und des Reiters ist und bleibt die Jagd, wobei auch das Springen über Gräben und das Klettern über Wälle geübt werden soll, sowie das Wenden gegen den Feind (auch zu Pferd) und in verschärfter Gangart, um das Verfolgen oder Flüchten einzutrainieren.
Die Pferde wurden immer seitlich geführt, um dem Reiter Schutz zu bieten und schnelles aufsitzen zu ermöglichen, die Mähnen sollten lang und dicht sein, um dem Reiter guten Halt zu bieten.
Zum Einüben fürs Lanzenfechten und Speerwerfen wurden stumpfe Waffen verwendet.

Es gibt von Xenophon (430 - 354 v. Chr!!) ja noch das Buch über den "Reiterobersten".

Horrido! Winken

Nicole

Nachtrag: Xenophon war stets bemüht, das Pferd als eigenständig denkendes Wesen darzustellen und weit über seine Erhaltung zur Leistungsfähigkeit für die Arbeits- und Kriegsdienste individuelle Pflege zu sichern.
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 158710 | Verfasst am: 04.09.2008 - 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

Wollen wir doch noch weiter zurück gehen und die Anfänge kurz zusammenfassen.

Aufgrund von Abbildungen können wir davon ausgehen, daß die ersten Reitversuche auf Pferden, Halbeseln und Rindern im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. erfolgten. Zwischen dem 10. und 8. Jahrundert v. Chr. vermehren sich die Zeugnisse der Reiterei in Ost- und Mitteleuropa, Ägypten, Kaukasien und China, wobei die Pferdehirten aus den eurasischen Steppen diese Art der Fortbewegung systematisierten.

Zu Beginn saßen die Reiter noch ohne Sattel und Zaumzeug auf dem Pferd, wobei die Zäumung nicht erst für das Pferd erfunden werden mußte, da man diese schon bei anderen Tieren verwendet hatte.
Gehäuft wurde im 2. Jahrtausen v. Chr. der Kappzaum (also ohne Trense) verwendet und erst später die Zäumung auf Trense, wobei die größte Wirkung erst durch eine Kombination beider Stücke erreicht wurde, da das Pferd sich der Einwirkung der Trense durch den Nasenriemen nicht entziehen konnte. Im Orient wurde zu dieser Zeit sogar der Nüsternring verwendet. Die Römer, Gallier und Karthager verwendeten Knebeltrensen.
Neben der Zäumung war auch der richtige Sitz das Mittel zur Einwirkung auf das Pferd sowie notwendig, um Stürze vom Pferd zu vermeiden. Oft wurden übergeschnallte Sitzfelle verwendet. Bei den Griechen und Römern, sowie den Nomadenvölkern der Stuhlsitz, also stark angewinkelte Knie mit eher hinten am Rücken plaziertem Sitz. Ihre Pferde wurden stark beigezäumt, hatten also eine hohe Aufrichtung.
Im Gegensatz dazu saßen die Ritter im Mittelalter beispielsweise im Spaltsitz, also ohne Knieanwincklung.
Besonders großen Gleichgewichtssinn auf dem Pferderücken und absoluten Gehorsam des Pferdes, bildeten die Voraussetzung für die Verwendung des Bogens aus dem Sattel heraus. Die Zügel der wendigen gefährlichen Bogenreiter waren entweder verkürzt oder über dem Mähnenkamm zusammengeknotet und die Pferde reagierten auf die Gewichts- und Schenkelhilfen der Reiter, welche so ihre Konzentration voll auf den Bogen lenken konnten. Diese flotten Pferde gingen wiederum ohne Aufrichtung mit langem Hals.
Da die Pferde ohne Sattel geritten wurden, waren der Schritt und Galopp Hauptgangarten und der Trab, gerade auf kleinen Pferden, gemieden.
Erst aber die Verwendung von Sätteln und Steigbügel (ab dem 3. Jhd. n. Chr. in Asien und ab dem 8. Jhd in Europa) ermöglichten den im Gefecht festen Sitz, Halt und sich den Stößen des Trabes zu entziehen. Die Nomaden standen in den Bügeln im Trab und machten den zur Hauptfortbewegungsart.
Der Leichttrab, das Auf- und Niedersitzen, blieb lange unbekannt und in Europa wurde der erschütterungslose Tölt bevorzugt.

Horrido!

Nicole
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steffen04
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BeitragBeitrags-Nr.: 158781 | Verfasst am: 05.09.2008 - 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

Erst aber die Verwendung von Sätteln und Steigbügel (ab dem 3. Jhd. n. Chr. in Asien und ab dem 8. Jhd in Europa) ermöglichten den im Gefecht festen Sitz, Halt und sich den Stößen des Trabes zu entziehen.

Interessant ist die römische Reitweise im Hörnchensattel ohne Steigbügel.

Der Hörnchensattel hat hinten einen lehnenartigen Abschluss wie spanische Sättel. Vorne zwei "Hörnchen": überkreuzte Holzkonstruktion mit Bügelabschluß(sieht aus wie die Giebel von Wikingerlanghäusern).

Der Reiter kann sich mit den Oberschenkeln untern den Hörnchen festklemmen. Der Sitz ist sehr stabil, wenn er auch nicht die Flexibilität der Steigbügel mitbringt. Kostet auf Dauer wahrscheinlich auch mehr Kraft. Auf jeden Fall sind Manöver auf engem Raum möglich, auch Kampf mit Schwert und Lanze.

Gesehen und wahrscheinlich dieses Jahr wiederzusehen: Aalener Römertage Sept. 07, Vorführung eines Junckelmann-Studenten auf Haflinger.

ah ja, da is einer: http://www.ai-rheinland.de/201/viewtopic.php?p=5272&sid=2dc57de3377a5a0dfe8965acffa738a8

und zu Aalen: http://www.museen-aalen.de/sixcms/detail.php?id=70195&_bereich=1599. Lohnt sich.
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 159770 | Verfasst am: 17.09.2008 - 15:06    Titel: Antworten mit Zitat

In den Anfängen war das Pferd also ein bloßes Transportmittel, das den Krieger zum Schlachtfeld brachte, um so dessen Kräfte für den Fuß-Kampf aufzusparen. Erst im Laufe der Zeit, als die Reiter auf dem holprigen Pferderücken zu kämpfen erlernt hatten, wurde die Bewegung des Pferdes selbst als wirksame Waffe verwendet. Der berittene Krieger konnte sich auf dem Schlachtfeld mit all seinem Kriegsgerät fortbewegen, überblickte dank der Höhe das Kampfgeschehen und konnte den Gegner mit der Kraft und Geschwindigkeit der Pferdes rammen und überrennen.
Erst als die beiden großen Eigenschaften der Reiterei, "Beweglichkeit und Kampfkraft", erkannt wurden begannen große Feldherren diese zu verbinden. Dies ebnete die Erfolgsgeschichte der Kavallerie. “Alexander der Große, ist der erste Feldherr der Geschichte, der den Wert der Massenverwendung der Reiter in der Schlacht in seiner vollen Bedeutung erfasst hat. Fast alle seine Schlachten hat er durch richtige Massenverwendung seiner Reiter gewonnen.” Seine Reiterei lässt sich in drei Arten unterteilen: schwere gepanzerte Reiter mit Schwertern und kurzen Stoßlanzen, leichte Reiter mit weitschießendem Bogen und 4m langem Speer, und schließlich die Doppelkämpfer, welche sowohl den Kampf zu Pferde wie den Fußkampf verstanden. Alexander d. Gr. erkannte die moralische Wirkung anstürmender Reitermassen auf den Feind, war der erste, der den Gedanken zum Durchstoß der feindlichen Schlachtordnung durch berittene Kämpfer verwirklichte, ergänzte die Schwadronen von 64 auf 250 Pferde, die gebräuchliche Tiefe von 16 verminderte er auf 8 Glieder um dadurch breiter werdend den Feind besser zu überflügeln und umfallen zu können.
“Aufklärung und Sicherung, Mitwirken in der Schlacht und das Verfolgen waren die Aufgaben, vor die Alexander der Große seine Reitergeschwader stellte.”
Unterscheiden können wir über die Jahrhunderte hinweg zwei Arten der Kavallerie, die auf unterschiedliche Weise versuchen, größtmögliche Kampfkraft zu erzielen.
- leichte Reiterei: sie umschwärmt auf kleinen flinken Steppenpferden den Gegner und fügt ihm durch plötzliche unerwartete Angriffe mit Fernwaffen, also Pfeilbeschuß und Wurfspießen, schwere Verluste zu. Oft wird auch die “Scheinflucht“ simuliert, um den Gegner zu ermüden. Schließlich wird der erschöpfte Gegner erneut eingekreist und vernichtet. Im anschließenden Nahkampf werden neben dem Schwert auch noch Fangseile und Netze verwendet.
Verwendet von Völkern mit großen Pferde-Ressourcen, wie den Skyten und den Hunnen.
- schwere gepanzerte Reiterei: als taktischer Körper mit Nahkampfwaffen ausgestattet gegen eine Einheit aufprallen zu lassen und in der Geschlossenheit , durch die Beweglichkeit und Masse der Pferde den Gegner wie ein Walze niederzurennen.
Dies verlangte größere und kräftige Pferde, die auch im Unterhalt und in der Anschaffung entsprechend teurer waren, als Pferde der leichten Reiterei. Anwendung daher in den alten Kulturstaaten.
Ein frühes Beispiel wäre der Zweite Punische Krieg 218-201 v. Chr., wo Hannibals schwere karthagische Kavallerie gegen die Truppen des römischen Konsuls Publius ankommen.
Nach dem Ausgang des Altertums zerfielen auch die Infanterietaktiken, d. h. es gab nur mehr ungeordnetes Fußvolk, dem entsprechend nur noch einzelne Reiter entgegentreten konnten, was ebenso eine Vernachlässigung und ein Vergessen der Kavallerietaktiken nach sich zog. “Den Reitern fehlte es an Gegnern, denn es bedurfte keiner geschlossenen organisierten und verschmolzenen Reitermassen, wie bei Alexander, Hannibal und Cäsar, sondern artete zum Einzelkampf aus, der Reiter, die in den Feind hinein rennt und seine Standesgenossen an Kühnheit übertrifft, ohne Disziplin und Zusammenhalt.” Der Ritter war Einzelkämpfer mit Lanze, Schwert, Dolch, Panzerhaken und Schutzpanzer. Ingesamt wog eine Ausrüstung bis 90 Kilogramm! Die Pferde waren besonders geschult, dass sie schnell die Gangarten wechseln konnten und mußten nicht nur an den Umgang mit der Waffe, sondern auch an das Klappern der Rüstung und das Splittern der Lanze und das Schwertgeklirr gewöhnt sein. Oft waren die Pferde so trainiert, auf Befehl mit der Vorder- oder Hinterhand nach Fußsoldaten auszukeilen. Erst als die Heere zu Fuß wieder gelernt hatten in eng geschlossenen Massen zu manövrieren und zu kämpfen, verloren die Reiter an Durchschlagkraft, wie bei der Schlacht bei Morgarten 1315 gegen das mit Piken bewaffnete Schweizer Fußvolk, oder gegen englische Bogenschützen bei der Schlacht von Azincourt 1415.
Nicht also die Feuerwaffen vertrieben die Reiterei! Denn, um einem gepanzerten Reiterverband Schaden zuzufügen, war es ein langer Weg. Die Schüße waren lange sehr ungenau, das Zielen dauerte auch entsprechend lange.
Brandt beschreibt dies so: ” Schon im Altertum hatte die Kavallerieattacke auf die Front einer unerschütterten Phalanx wenig Aussicht auf Erfolg. Wir sehen daher schon frühzeitig das Bestreben aller großen Kavallerieführer, ihre Reitergeschwader gegen die weniger widerstandsfähigen Flanken der feindlichen Infanterieschlachtordnung attackieren zu lassen und Frontalangriffe nur dort anzusetzen, wo der Feind in seinem Zusammenhalt erschüttert ist. “ Als die Durchschlagskraft der Feuerwaffen zunahm, erkannte die Kavallerie in den Gewehren ihre größte Gefahr.
Die Kavallrie rüstete sich selber mit Schußwaffen aus, verlor durch das hohe Gewicht an Schnelligkeit und verlernte sogar die Attacke mit der blanken Waffe. 1518 urteilt Machiavelli wie folgt: “Es ist indessen durchaus richtig, einige Kavallerie zur Unterstützun der Infanterie zu haben, man darf sie aber nicht als die Hauptsächliche Waffe des Heeres ansehen. Sie hat ihre hohe und berechtigte Bedeutung zum Rekodnoszieren, zum Abpatrouillieren der Straßen, zur Ausführung von Streifzügen, zur Verwüstung des feindlichen Landes, zur Beunruhigung der Quartiere des Gegners zum beständigen Alarmieren des selbigen und zum Abschneiden seiner Zufuhren. In den Feldschlachten aber, welche über das Schicksal der Völker entscheiden, und für welche die Heere hauptsächlich bestimmt sind, ist sie mehr geeignet einen über den Haufen geworfenen und fliehenden Feind zu verfolgen als zu irgendetwas anderem.”
Erst Gustav Adolf nahm sich der Kavallerie an und führte wichtige Neuerungen ein. In der Kavallerieattacke durfte nur das erste Glied mit Pistolen feuern, die nachfolgenden Reiter hatten den Säbel zu ziehen und den Feind zu überrennen. Weiter schaffte er die Schußwaffen bei der leichten Reiterei ab und verringerte das Gewicht der Reiterausrüstung untersagte das Karakolieren und ließ die Reiter auf universell verwendbare mittelschwere Reitpferde umsattlen, die zwar ausdauernd aber von so ruhigem Temperament waren, dass sie in “dem Donner und Pulverdampf der Feuerwaffen nicht die Nerven verloren.“ (Das Pferd im Militärwesen/Gless). Durch bewegliche Artillerie, verstärkte er die Kampfkraft der Reiterei. Im Nahkampf zu Pferde bestand der Vorteil der Kavallerie.
Besondere Aufmerksamkeit wollen wir dem Mongolenheer seit Dschingis Khan geben.
Die Mongolen waren kein wilder Haufen sondern streng organisiert in Einheiten von 10, 100, 1000 und 10 000 Reitern (Tuman) - selbst wilde Scheinfluchten waren koordiniert. Jeder Reiter besaß 2 bis 3 Reservepferde, auf denen sämtliches Gerät mit transportiert wurde. Teilweise wurde sie auch zur Versorgung geschlachtet. Daher hatte der Tuman eine Stärke von 30.000 Pferden. Oft wurden Psychologische Taktiken angewandt. Einem Angriff wurde stets aus dem Weg gegangen. Der Feind wurde überrascht, mit starkem Pfeilhagel von den leichten Reitern. Dem Gegner wurde ein Fluchtweg gelassen, um ihn nicht zur Verzweiflungstat schreiten zu lassen und damit größere Kampfkraft herauf zu beschwören. Oft wurden Puppen an die Handpferde gebunden, um eine größere Anzahl von Krieger vorzutäuschen. Dem Gegenangriff wichen die leichten Reiter aus. War der Feind noch nicht erschüttert, wurde eine Scheinflucht durchgeführt, wobei sich dabei die Ordnung des Verfolgers lockerte und er schließlich von den mongolischen schweren Reitern eingekreist und vernichtet wurde. In der Schlacht bei Liegnitz (Wahlstatt) 1241 sollen die Rüstungen der schweren mongolischen Reiter, denen des Ritterheeres, das sich aus Tempelrittern, Johannitern und Polen zusammensetzte, ebenbürtig gewesen sein.

Fortsetzung folgt!

Verwendete Literatur “Moderne Kavallerie” von G. Brandt, Generalleutnant a. D., zuletzt Inspekteur der Kavallerie, 1931

Horrido! Winken

Nicole
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 159852 | Verfasst am: 18.09.2008 - 08:29    Titel: Antworten mit Zitat

Habe die Diskussion zu Azincourt in diesen Separat-Thread ausgegliedert Zwinkern

Winken

Jan-Hendrik
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Tom Muller
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BeitragBeitrags-Nr.: 161953 | Verfasst am: 23.10.2008 - 18:01    Titel: Antworten mit Zitat

Nicole,

es gibt ein sehr gutes neues Buch zu diesem Thema von unserem Military Horse Mitglied Lou DiMarco: Military Horse.

Kam im Frühjahr raus, kann ich nur empfehlen.

Leute ihr habt hier wirklich Klasse Threads und Informationen, Respekt.

Tom
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Tom Muller
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BeitragBeitrags-Nr.: 161991 | Verfasst am: 24.10.2008 - 06:41    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry,

das Buch heißt:

War Horse
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Kaiserulan
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BeitragBeitrags-Nr.: 162244 | Verfasst am: 27.10.2008 - 23:20    Titel: Antworten mit Zitat

Tom,

Guter Tipp. Habe schon ein paar Kapitel gelesen. Die waren sehr gut.
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BeitragBeitrags-Nr.: 162245 | Verfasst am: 27.10.2008 - 23:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tom, Winken

vielen Dank für den Tipp - werd mich mal danach umsehen. Bin immer auf der Suche nach derartiger Literatur!

Horrido!

Nicole
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 162964 | Verfasst am: 12.11.2008 - 21:37    Titel: Antworten mit Zitat

Für den Dressurreiter vielleicht uninteressant oder schon bekannt, für die Panzerleute aber ganz gut zu wissen:

Wir leiten ja die Klassische Reiterei von der Vollendung der Reitkünste für den Gebrauch im Kriegsdienst ab.
Bereits im alten Griechenland wurde das Reiten wissenschaftlich betrieben und die Paradegänge wie Piaffe (Trabbewegung auf der Stelle) und Passage (Trab mit verlängerter Schwebephase) waren längst bekannt; Xenophons Werke haben wir schon erwähnt. Auch die Römer beherrschten diese Lektionen.
Im Mittelalter haben die heute bekannten "Schulsprünge" ihre Wurzel, die dann in der Renaissance schließlich zu einer dem Adel vorbehaltenen und unumgänglichen Kunstform erhoben und vollendet wurden!

Es ist bekannt, daß die Pferde der mittelalterlichen Ritter nicht nur nach dem Feind mit der Vorder- und Hinterhand ausschlagen konnten, sondern auch im Rückwärtsrichten (-gehen) ausgebildet waren. Ebenso war die Levade (Steigen, auf Hinterbeine richten) und Pirouette (Drehung um die Hinterhand) eine nützliche Bewegung, Fußvolk und feindliche Reiter zurück zu drängen. Entgegen der weitläufigen Meinung waren die Ritterrösser reiterlich nach damaligen Maßstäben bestens geschult und die Gebisse weit schwächerer Wirkung als in der Renaissance oder im Barock.
So wandte der neapolitanische Edelmann Grison erstmals die Lehren von Xenophon an in Kombination mit scharfen Gebissen nach byzantinischem Vorbild. Diese Gebisse hatten erstmals eine Mechanische Hebelwirkung, um stumpfe und schwerfällige Pferde genügend beizäumen "versammeln" zu können und damit die bereits genannten Lektionen in absoluter Perfektion ausführen zu können. Unteranderem wurden unter den Nasenriemen spitze Stacheln angebracht, um das Pferd "zu korrigieren". Durch seltenen aber kräftigen Gebrauch des Hebelgebisses sowie Sporen und Peitschenschläge eines Helfers konnte das Pferd in das nötige Gleichgewicht gebracht werden um selbst schwerste Schulsprünge auszuführen, wie die Capriole (Aus dem Steigen springt das Pferd aufwärts in die Luft und schlägt dabei mit den Hinterbeinen kräftig aus). Diese Lektionen waren auf dem Schlachtfeld durch kleinste Signale abrufbar. Grison gründete die erste Reitschule für Edelleute.
Bei der Pferdeausbildung wurde mit Gewalt nicht gespart, die Arbeit war sehr roh und erst in der französischen Schule des Barocks wurden diese brutalen Methoden abgeschwächt.

Horrido!

Nicole
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Kaiserulan
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BeitragBeitrags-Nr.: 163074 | Verfasst am: 14.11.2008 - 12:54    Titel: Antworten mit Zitat

Mit der Levade hatte es im 17. und vielleicht auch noch im 18. Jahrhundert noch eine andere Bewandnis. Da die Infanterieformationen auf Grund der Musketen recht umständlich laden mussten, konnte man den Augenblick ziemlich genau abwarten, an dem sie feuerten. Die Levade sollte den Reiter vor den Musketenkugeln schützen, indem ihn der Pferdekörper abschirmte.

Wenn überhaupt, hat dies vermutlich eher für die Infanterieoffiziere eine Rolle gespielt, die ja beritten waren und dann mit ihren Kompanien schon längere Zeit im Schussbereich feindlicher Infanterie stehen konnten.
Kavallerie war gut beraten, nicht im Schussbereich der feindlichen Infanterie herumzustehen.

Ob die Levade, Cariole oder Courbette wirklich mal einen wichtigen Beitrag für das Gewinnen einer Schlacht geliefert hat, halte ich für zweifelhaft. Da war Dynamik und die Schockwirkung geschlossener Kavallerieangriffe zweifellos wichtiger.
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