Aus Illustrierte Geschichte des Krieges 1870/71
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UHF51
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BeitragBeitrags-Nr.: 162053 | Verfasst am: 24.10.2008 - 19:51    Titel: Aus Illustrierte Geschichte des Krieges 1870/71 Antworten mit Zitat

Eine andere und ältere Version von:
Der 'Todesritt' der Brigade Bredow in der Schlacht von Vionville-Mars la Tour

Ein Ehren- und Ruhmestag ist die Schlacht von Vionville-Mars la Tour in erster Linie für die preußische Kavallerie gewesen, und namentlich der "Todesritt" (chevaudrade de mort), wie die Franzosen das heldenmütige Vorbrechen der sich selbst aufopfernden schweren Kavalleriebrigade Bredow genannt haben, bildet eine der glänzendsten Heldenthaten, welche jemals eine Reiterei vollführt hat.
Es war gegen 2 Uhr nachmittags, als eine schwere Krisis den Deutschen drohte. Sämtliche Infanteriestreitkräfte standen in den Tronviller Gehölzen in hartem Kampfe; kein Geschütz, kein Bataillon war mehr in Reserve, um dem mit ganzer Kraft gegen Vionville hervorbrechenden Marschall Canrobert (VI. Corps) entgegentreten zu können. Auch die Munition war bereits nahezu verschossen, und in banger Verzweiflung harrte man der Katastrophe, da bis zum Eintreffen der nächsten Verstärkungen von der 20. Infanteriedivision noch Stunden vergehen konnten.
In diesem verhängnisvollen Augenblick griff General v. Alvensleben II, der Kommandeur des III. Armeecorps, der den ganzen Ernst der Lage erkannte, auf seine Kavallerie zurück. Um den Angriff Canroberts aufzuhalten, mußte versucht werden, was opferwillige Reiterei zu leisten vermag, aber es erschien kaum menschenmöglich, daß diese die ihr zugedachte Aufgabe zu lösen im stande sein werde.
General v. Alvensleben hatte zu seiner Verfügung für diesen Zweck nur noch die beiden schweren Regimenter der Brigade Bredow: das Magdeburgische Kürassierregiment Nr. 7 und das Altmärkische Ulanenregiment Nr. 16. Diese hatten vorher in zusammengezogenen Eskadronskolonnen nebeneinander am norwestlichen Abhange der Tronviller Höhen gehalten und sich in dieser Formation auf Veranlassung des Generals v. Rheinbaben nach dem Westausgange von Vionville in Marsch gesetzt. Ein Ordonnanzoffizier des III. Corps überbrachte während dieser Bewegung den Befehl, zwei Schwadronen durch die Waldungen nördlich des Dorfes zum Rekognoszieren vorzusenden, zu welchem Zwecke bei jeden der beiden Regimenter eine Schwadron ausgelost wurde. Diese beiden Schwadronen, die 3. des Kürassierregiments Nr. 7 (v. Wuthenau) und die 1. des Ulanenregiments Nr. 16 (v. Wulffen) gingen diesem Auftrage gemäß vor, nahmen infolgedessen nicht an der Attacke der Brigade teil und bildeten später den Kern für die Trümmer ihrer Regimenter. In der Front der beiden Regimenter blieben also nur noch sechs Schwadronen, etwa 800 Reiter.
Mittlerweile war nun die oben geschilderte Krisis in all der allgemeinen Gefechtslage (Vorwärtsbewegung des Marschalls Canrobert) eingetreten und vom General v. Alvensleben erkannt worden. Um zunächst der 6. Infanteriedivision Luft zu machen und zugleich eine schnelle Entscheidung herbeizuführen, schien es vor allem darauf anzukommen, die feindlichen Batterien an der Römerstraße zum Schweigen zu bringen. Der Chef des Generalstabes Oberst v. Voigts-Rhetz, überbrachte dem General v. Bredow den Befehl zum Angriff. "Vielleicht hängt das Schicksal der Schlacht von Ihrer Attacke ab", so lautete der Schluß des Befehls.
General v. Bredow übersah alsbald, daß unter den obwaltenden Umständen nur eine energische Attacke zum Ziele führen konnte, bei welcher die Kavallerie sich rücksichtslos einsetzen, nötigenfalls auch opfern solle und müsse. In dieser Auffassung ging der General ohne Säumen an die Ausführung des Befehls. Er ließ in der Mulde nördlich von Vionville seine sechs Schwadronen zunächst die Front gegen Osten nehmen, dann links einschwenken und im Anreiten gegen östlich vorliegenden Höhenrand Abstand nehmen und aufmarschieren.
An der Spitze dieses Reitergeschwaders ritt General v. Bredow selbst als erster in den Feind.

"Bald dröhnet der Boden vom Rossegestampf,
Es leuchten die Fähnlein wie Flammen,
Hell ruft die Trompete die Reiter zum Kampf.
Es schließen sich dichter zusammen
Halberstädter Kürassier',
Altmärkische Ulanen.

Den Pallasch erhoben zu Stich und Paré,
Fest eingelegt starrende Lanzen,
So brechen sie ein in des Feindes Carré.
Es treiben zu Paaren die Franzen
Halberstädter Kürassier',
Altmärkische Ulanen.

Und Schrecken erfaßt rings die feindlichen Reihn,
Durchbrochen zu Boden sie sinken;
Drauf weit in des Feindes Geschütze hinein
Hingetragen die Rosse, die flinken,
Halberstädter Kürassier',
Altmärkische Ulanen."
(L. Wolff)

Aus nächster Entfernung vom heftigsten Artillerie- und Gewehrfeuer empfangen, wirft sich die Brigade in entwickelter Linie, links Major Graf Schmettow mit dem Magdeburger Kürassierregiment Nr. 7 (der Regimentskommandeur v. Larisch lag schon seit Beginn des Feldzuges an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferde schwer danieder), rechts Major v. Dollen mit dem Altmärkischen Ulanenregiment Nr. 16 auf die nächststehenden Massen des Feindes. Das erste französische Treffen (Division La Font, besonders die Brigade Bequet de Sonnay vom VI. Corps) wird überritten, die Artillerielinie der Batterien des VI. Corps durchbrochen, Bespannung und Bedienungsmannschaften zusammengehauen. Der unter Hurraruf und Trompetengeschmetter vor sich gehende Ansturm der Reitermasse erfolgte so schnell, daß die gegen 1.500 Schritte betragende Entfernung bis dahin ohne erhebliche Verluste zurückgelegt wurde, und die feindlichen Batterien, von denen nur zwei Geschütze überhaupt zum Feuern gelangten, sich völlig überraschen ließen. Sie wurden ohne weiteres genommen und die Bedienungsmannschaften niedergehauen - dann ging's weiter. Nach der ausdrücklichen Weisung des Generals v. Bredow sollten sich die Reiter nicht damit aufhalten, schon im ersten feindlichen Treffen Gefangene zu machen, sondern sich gleich auf das zweite werfen. Das geschah auch, und fürchterlich wüteten Pallasch und Lanze unter den aufgelösten Reihen.
Auch das zweite französische Treffen vermag den mächtigen Reitersturm nicht aufzuhalten; die feindlichen Batterien auf den weiter rückwärts gelegenen Höhen protzen auf und wenden sich zur Flucht. Von Kampfesmut und Siegereifer fortgerissen, durchjagen die preußischen Schwadronen sogar noch jene Talmulde, welche von der Römerstraße nach Rezonville hinabzieht.
Inzwischen haben sich aber die durchrittene französische Infanterie im Rücken der preußischen Kavallerie wieder erholt und schloß diese, die von dem 3.000 Schritte langen Ritt erschöpft war, ringsum ein. Zugleich erschien jetzt auch ringsum französische Kavallerie, so daß die Lage der deutschen Schwadronen eine völlig verzweifelte wurde.
Seinen Kürassieren immer voran war Major v. Schmettow, der spätere Regimentskommandeur des Kürassierregiments v. Geßler Nr. 8, geblieben. Beim Ueberreiten einer Mitrailleusenbatterie spürte er plötzlich einen Luftzug über seinen kahlen Schädel - die erste Kugel, die durch seinen Helm und das Taschentuch, das er sich auf den Kopf zu legen pflegte, ging. Bald darauf pfiff die zweite Kugel durch den Helm, wieder dicht über seinen Kopf weg. An seiner Seite sank sein Adjutant v. Plötz schwer verwundet vom Pferde.
Die bei Beginn der Schlacht teilweise auseinander gesprengte französische Kavalleriedivision Forton war mit Marschall Bazaine nördlich von Rezonville wieder gesammelt und verdeckt aufgestellt worden. Es bot sich ihr jetzt die günstigste Gelegenheit, um die am Morgen erlittene Scharte auszuwetzen. General Forton ließ die Dragonerbrigade Murat gegen die Front, sein 7. Kürassierregiment gegen die linke Flanke der Preußen anreiten und zwei Schwadronen des 10. Kürassierregiments ihnen in den Rücken gehen. Von Rezonville her bewegte sich gleichzeitig die Kavalleriedivision Valabrègue vor.

Fortsetzung folgt.
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BeitragBeitrags-Nr.: 162213 | Verfasst am: 27.10.2008 - 13:14    Titel: Aus Illustrierte Geschichte des Krieges 1870/71 Antworten mit Zitat

Teil II

General v. Bredow läßt Appell blasen. Atemlos von dem langen Ritt, von den feindlichen Geschossen gelichtet, ohne Reserve hinter sich und auch von feindlicher Kavallerie umringt, gilt es, rückwärts sich durchzuschlagen. Jetzt erst kommt der schlimmste Teil des Ganzen, der eigentliche "Todesritt", den einer der Teilnehmer mit den Worten schildert: "Hinter uns, neben uns und zwischen uns feindliche Reiter, vor uns feindliche Infanterie, von welcher das, was beim Durchstürmen nicht niedergemacht worden, sich wieder gesammelt, beziehungsweise herangezogen hatte und nun unaufhörlich Salven in den dichten Haufen der Zurückkehrenden sandte, die, fortwährend kämpfend mit den zwischen ihnen befindlichen Reitern und Infanteristen, auf demselben Wege, den sie vorher im Siegeslauf durchmessen, zurück mußten. Hierbei haben die meisten der Tapferen, die dort in kühler Erde ruhen, ihren Tod gefunden oder sind, mit dem erschossenen Pferde zusammenstürzend, betäubt oder selbst verwundet in französische Gefangenschaft gefallen."
Nicht weniger als 23 frische französische Schwadronen warfen sich auf die ermatteten und völlig durcheinander geratenen Reste der sechs preußischen - 2.400 französische Kürassiere, Dragoner und Chasseurs gegen noch etwa 400 preußische Kürassiere und Ulanen!
Auf diesem Rückzuge ward Rittmeister v. Heister von den Kürassieren mit dreizehn Wunden bedeckt; Lieutnant v. Kalckreuth von den zweiten Dragonern, Ordonanzoffizier des Generals v. Buddenbrock, der die Attacke freiwillig mitritt, erhielt fünfzehn Wunden. Mitten im dichtesten Gewühl packte Lieutnant Campbell von den Kürassieren eine französiche Standarte, die er aber, nachdem er zweimal verwundet worden, wieder loslassen mußte. Gefreiter Hobohm von den Kürassieren erfaßte die Fahne des französischen 93. Infanterieregiments, das nach Aussage seines eigenen Kommandeurs, des späteren Generals Thibaudin, fast ganz vernichtet worden war. Von allen Seiten umringt und schwer verwundet, mußte der Wackere die Trophäe aber fahren lassen und konnte sich nur durch eilige Flucht retten.
Erwähnenswert sind auch die Erlebnisse des Unteroffiziers Kaiser von den Kürassieren. Beim Durchreiten einer französischen Infanteriekolonne hatte ihm ein Kolbenschlag das Kinn zerschmettert. Es wurde ihm schwarz vor den Augen, und er wäre vom Pferd gesunken, wenn seine Hand nicht unwillkürlich die Mähne seines Pferdes gepackt hätte. Da rief eine Stimme hinter ihm: "Kaiser, Kaiser!" Er erwacht aus seiner Betäubung, haut den Infanteristen, der ihm den Schlag versetzt hat, nieder, setzt dem Gaul die Sporen ein und sprengt weiter. Eine Kugel trifft seinen Oberschenkel, ein Stich seine Lende, um ihn herum stürzen die Kameraden. Ein wildes Handgemenge entspinnt sich, die Mehrzahl der Kürassiere und Ulanen kämpft einzeln gegen französische Kürassiere.
In diesem Augenblick sieht General v. Bredow, nachdem seine Schwadronen den Weg zwischen Villiers-aux-Bois und Rezonville inzwischen schon überschritten haben, sich - wie oben erwähnt - auch in der Front von mehreren französischen Kavallerieregimentern der Division Valabrègue angegriffen und erteilt daher den Befehl zum Rückzug. Auch Graf Schmettow winkt zurück, und über Menschen- und Pferdeleichen geht es rückwärts, immer noch im Einzelgefecht mit französischer Kavallerie.
Unter den letzten ist Unteroffizier Kaiser. Auch sein ostpreußisches Pferd blutet stark, ist aber noch kräftig und feurig. Da hört Kaiser zur Linken einen Hilferuf. Es ist sein Lieutnant, Graf Sierstorpff, der auf den Boden liegend, vergebens die an ihm vorbeistürmenden deutschen Reiter anruft. Kaiser sucht vergeblich seinen Gaul zu ihm hinzulenken, aber das Tier gehorcht nicht und drängt weiter. Kaiser hört, wie Sierstorpff ruft: "Ist das Kameradschaft?" Da haut er das Pferd mit der flachen Klinge auf den Kopf, bis es pariert und herumgeht. Dann springt er ab, hebt den schwer verwundeten Offizier, der nachher seinen Verletzungen erlag, auf das aufgeregte Pferd und führt ihn zurück.
So langte der Rest der Kürassiere und Ulanen bei Vionville wieder an. Die feindliche Kavallerie unternahm keine ernstliche Verfolgung; sie begnügte sich damit, die verwundeten und wegen Ermattung ihrer Pferde zurückbleibenden Reiter gefangen zu nehmen. Hinter Flavigny sammelte sich die Brigade Bredow wieder. "Nie werde ich es vergessen," hat Graf Schmettow später berichtet, "wie ich ungefähr an der Stelle, von der wir ausritten (ein Ritt von 1/4 deutschen Meile), dem ersten Trompeter, den ich fand, das Regimentssignal zu blasen befahl. Die Trompete war durchschossen, und es kam ein Ton heraus, der mir durch Mark und Bein ging."
[Es folgt an dieser Stelle das berühmte Gedicht/Lied von Ferdinand Freiligrath, welches wohl schon hier im Forum bekannt ist, und ich dieses daher hier nicht nochmals schreibe. Sollte doch jemand hier das Gedicht/Lied eingefügt wissen, werde ich es selbstverständlich noch tun.]
Ja, furchtbare Opfer hate der "Todesritt" gefordert: die zusammen anfangs kaum 800 Mann starken sechs Schwadronen verloren: die Kürassiere 7 Offiziere (darunter Rittmeister Meyer, der an der Spitze seiner Schwadron gefallen war), 189 Mann, 209 Pferde und die Ulanen, deren Kommandeur Major v. Dollen, unter seinem erschossenen Pferde liegend in die Hände des Feindes geraten war, 9 Offiziere, 174 Mann und 200 Pferde. Aber diese Opfer des todesmutigen Rittes waren nicht vergeblich. Die begonnene Bewegung des VI. französischen Corps war zum Stehen gebracht und wurde nun - angeblich auf Befehl des Marschalls Bazaine, welcher eben einen neuen Angriff auf seinen linken Flügel befürchtete - aufgegeben. Wenigstens unternahmen die Franzosen von Rezonville her an diesem Tage keinen neuen Angriff mehr. Der 6. Infanteriedivision war somit nach dieser Seite hin wieder vollständig Luft gemacht.

Gruß, Uwe
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Wohnort: Berlin

BeitragBeitrags-Nr.: 162239 | Verfasst am: 27.10.2008 - 21:36    Titel: Aus Illustrierte Geschichte des Krieges 1870/71 Antworten mit Zitat

Auffinden der Leiche des Prinzen Reuß am Abend der Schlacht von Vionville-Mars la Tour

Noch ein zweites Mal sollte am 16. August die Kavallerie sich opfern, um der schwer bedrohten Infanterie beizuspringen; diesmal waren es die ersten Gardedragoner, welche der 38. Infanteriebrigade gegen 6 Uhr abends nordöstlich Mars la Tour durch eine glänzende, aber blutige Attacke Luft machten.
Die Brigade Wedell war zum Zurückweichen gezwungen und es drohte ihr von der nachdrängenden französischen Uebermacht völlige Vernichtung. Da trabt auf Befehl des Generals v. Voigts-Rhetz das südöstlich von Mars la Tour zunächst bereitstehende 1. Gardedragonerregiment in Zugkolonnen über die Chaussee vor, um die rechte Flanke der französischen Infanterie zu gewinnen. Ein schwer zu überschreitendes Heckengelände nordöstlich des Dorfes und feindliches Feuer verzögern das Fortkommen und erschweren den Aufmarsch. Mit drei Schwadronen in Linie - die vierte wird bei Mars la Tour in Reserve zurückbehalten - wirft sich Oberst v. Auerwald auf den vorrückenden Feind, der Brigadekommandeur, General Graf Brandenburg, schließt sich diesem Vorgehen an. Zur Rechten der Dragoner, südlich des Weges nach St. Marcel, führt Major v. Kuylenstjerna die als Bedeckung der Batterien dort haltenden zwei Schwadronen des Kürassierregiments Nr. 4 vor, vermag aber wegen des heftigen Mitrailleusen- und Chassepotfeuers den Angriff nicht durchzuführen.
Der Stoß der Dragoner trifft vorzugsweise das 13. französische Linienregiment der Division Grenier, welches, mehrfach durchbrochen und überritten, sich um seine Adler zusammenballt. Die zurückgehende Infanterie ist aus ihrer mißlichen Lage befreit und alle diejenigen feindlichen Abteilungen, welche den östlichen Teil der Thalschlucht überschritten haben, gehen wieder über dieselbe zurück. Als sich aber nun die Gardedragoner nach kurzer, kraftvoller Attacke hinter der preußischen Artillerie wieder sammeln, fehlen ihnen fast sämtliche Führer und fast ein Drittel der braven Reiter deckt die Walstatt. Der Stabsoffizier Major v. Kleist, die Rittmeister Graf Westarp, Prinz Reuß und Graf Wesdehlen sind gefallen, noch andre 7 Offiziere, 125 Mann und 250 Pferde außer Gefecht gesetzt und der tödlich verwundete Kommandeur übergibt mit einem Hoch auf den König, die Führung seines Regiments an den Rittmeister Prinzen von Hohenzollern.
Das Ziel war jedoch erreicht; die Verfolgung der Brigade Wedell war seitens des Feindes aufgegeben und ihr Zeit gelassen, sich vor der gänzlichen Vernichtung zu retten.
Schon hatte sich das Dunkel auf das Schlachtfeld, das Preußen und Franzosen in letzter Gemeinschaft bunt durcheinander bedecken, herabgesenkt, als die Krankenträger nahten, um die Verwundeten zu bergen.
Auf der Stätte, wo der furchtbarste Zusammenstoß der Gardedragoner mit dem Feinde stattgefunden hatte, sahen sie ein Roß neben dem Leichnam seines gefallenen Herrn halten. Dadurch aufmerksam gemacht, gingen sie näher und fanden den Rittmeister Prinzen Reuß entseelt auf dem Rücken liegend. Seine Leiche wurde gleichfalls aufgehoben und zurückgebracht. Die übrigen gefallenen Offiziere lagen, als man sie am nächsten Morgen aufsuchte, um sie zu beerdigen, sämtlich mit aufgerissenen Uniformen da. Die "Hyänen des Schlachtfeldes", welche im Schutze der Nacht aus den Dörfern und Wäldern herangeschlichen kamen, hatten sie ihrer Gelder, Uhren und Ringe beraubt; einzelne schienen sogar erst getötet worden zu sein, um sie ungestört berauben zu können.

Gruß, Uwe
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Kaiserulan
Interessiertes Mitglied


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Beiträge: 129

BeitragBeitrags-Nr.: 162247 | Verfasst am: 27.10.2008 - 22:35    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist ne gute Quelle.

Bei allen Berichten, die ich zur Mars-la-Tour, Vionville habe, fehlt mir allerdings eine mehr fundierte Darstellung der französischen Seite, so dass sich ein ausgewogenes Schlachtbild ergibt.
Die Franzosen bewerteten die Gegenattacke ihrer Kürassiere bei Vionville als eine mindestens ebenso erfolgreiche Aktion wie die preußische Attacke. Die preußischen Verluste waren ja fast 50%. Aus taktischer Betrachtung ist das nicht von der Hand zu weisen. Strategisch war Vionville jedoch klar ein preußischer Sieg.

Gibt es da irgend etwas, das die französiche Seite besser beleuchtet?
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