Die Kämpfe in Deutsch-Ostafrika
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 188194 | Verfasst am: 07.09.2010 - 10:21    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Verluste bei Europäern der Schutztruppe hat es bei der Aktion von Stuemer nicht gegeben. Zumindest sind in der Namensliste der Gefallenen von Dr. Schottelius zwischen April und September 1917 in Portugiesisch-Ostafrika keine Gefallenen verzeichnet.

29. Juni 1917
Aus dem Befehlsbuch trage ich nach:
2. Am 22. Mai nachmittags war Versteigerung des Nachlasses des Feldwebels Schulz von der J-Kompanie.

Evtl. gefangen?

Hier die versprochenen KTB-Einträge
Es sind selbst komprimiert noch fast drei Seiten zusammen gekommen
Da dürftest Du noch einiges rausziehen können

http://i54.tinypic.com/2uo5gs5.jpg
http://i53.tinypic.com/34gmvig.jpg
http://i51.tinypic.com/2mevpm0.jpg

Eine „Randnotiz der Kolonialgeschichte“ ist der erwähnte Aufstand
Bedingt durch die port. Kräftekonzentration im Norden und der Zwangsrekrutierung zahlloser Träger kam es im Süden zu Aufständen
Was nun folgte, wirft ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis zwischen Portugiesen und dem Commonwealth
(und das Zivilisationsverständnis von Europäern)
Die Rhodesier hatten erst 1915 den Chilembwe-Aufstand in Nyasaland niedergeschlagen und bis 80% der
verbliebenen arbeitsfähigen Bevölkerung dort für Trägerdienste verpflichtet
In Nyasaland und Nord-West Rhodesien herrschten Arbeitskräftemangel und Hunger wegen nicht bestellter Felder
Daher wollte man sich die Sympathien der Makombe (der größten Aufstandsfraktion) erhalten
Man stellte den port. Truppen lediglich 400 Gewehre und zwei veraltete MG zur Unterstützung bereit
(Obwohl man gleichzeitig wegen Stuemer mehrere Batallione nach Ft. Johnston und Zomba verlegte)
Das Aufstandsgebiet beheimatete aber etwa 20.000 Krieger, die Portugiesen wurden in Tete belagert
Diese hatten also bei weitem nicht die Kräfte, den Aufstand niederzuschlagen
Deswegen warben sie tausende Wangoni als Hilfskrieger an und boten als Gegenleistung
freies Plündern inklusive Frauen und Kinder als Sklaven
Eine verzweifelte, aber sehr effektive Maßnahme (mit den üblichen Verheerungen)
Ende 1917 war der Aufstand völlig zusammen gebrochen, etwa 100.000 Menschen flohen u.a.
in das benachbarte Nyasaland, wo diese als billige Arbeitskräfte bereits erwartet wurden
(Ironischer Weise flohen viele Aufständische aus Nyasaland 1915 in die umgekehrte Richtung)
Das erklärt auch die große Kooperationsbereitschaft vieler Völker gegenüber Lettows Verband:
Die einen sahen ihn als Befreier von den verhassten portugiesischen Kolonialherren
die anderen waren sich nur zu bewusst, zu was Europäer in der Lage waren

Strachan, First World War
Gewald, Transformations in Transport in Zambia
unbek., A Guerra em Mocambique
Duarte, Esboço para uma leitura estratégica sobre a campanha de Moçambique
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 188216 | Verfasst am: 07.09.2010 - 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Verluste bei Europäern der Schutztruppe hat es bei der Aktion von Stuemer nicht gegeben. Zumindest sind in der Namensliste der Gefallenen von Dr. Schottelius zwischen April und September 1917 in Portugiesisch-Ostafrika keine Gefallenen verzeichnet.
29. Juni 1917: Aus dem Befehlsbuch trage ich nach: 2. Am 22. Mai nachmittags war Versteigerung des Nachlasses des Feldwebels Schulz von der J-Kompanie. Evtl. gefangen?

Da bist du mir zuvor gekommen; - ist mir auch aufgefallen, in dem Moment wo ich es lass und abschrieb.
Feldwebel Ewald Schulz (aus Hammerstein in Westpreußen / 5. Garde-Regt. zu Fuß) ist am 14. März 1917 in Tunduru verstorben.
Habe leider meine DKB-Bände 1914-1918 nicht dabei, aus denen noch eine Vielzahl, an Detailinformationen, gerade auch der Mannschaftsdienstgrade hervorgeht.

Danke für die `mundgerechte Portionierung´ der KTB Einträge und die, mir noch nicht bekannten Hintergründen in Nyasaland bzw. in POA.
Vorab schon mal ein paar Detail zu den bisher ermittelten Offiziere und Mannschaften:


KOMMANDO UND STAB DER ABTEILUNG STUEMER

Abteilungs-Führer: Major a.D. Willibald von Stuemer
Seit 8.1.1896 Schutztruppe DOA, 17.10.1914 Militärbefehlshaber Bukoba, 1.11.1914-16.3.1915 auch Militärbefehlshaber Muansa,
März 1916 Militärbefehlshaber Tabora, Februar 1917 Abteilungsführer, krank in brit. Kriegsgefangenschaft in Njambindinga.

Hauptmann Carl Willmann
Seit 29.11.1901 Schutztruppe DOA, Fhr. 1.Feldkompanie in Aruscha, 5.3.1916 Geschäftsführer Etappen Leitung in Morogoro,
November 1916 Führer O-Kompanie, Juni 1917 Stab Abteilung Stuemer, 18.11.1917 in brit. Kriegsgefangenschaft in Kitangari.

Hauptmann d.R. Ernst von Bomsdorf
Hielt sich bei Kriegsbeginn in DOA auf (?), November 1914 Führer Polizei-Abteilung Bagamojo, Führer Abteilung-Delta, 11.4.1916
Führer Abteilung-Bomsdorf, ab 10.8.1916 O-Kompanie, Mai 1917 Stab Abteilung Stuemer, 10.11.1917 krank in brit. Kriegsgefangenschaft
in Njambindinga.

Kapitänleutnant Georg Koch
I. Offizier „Königsberg“, 12.7.1915 Bergungskommando, Juni 1916 Führer Abteilung „Königsberg“, 18.11.1917 krank in brit.
Kriegsgefangenschaft in Njambindinga.

Arzt: Dr. Ludwig Deppe
Regierungs-Arzt im Gouvernements-Krankenhaus in Tanga, Februar 1916 Chefarzt Feldlazarett in Dodoma, Dezember 1916 Chefarzt
Hospital Ndanda, Februar 1917 Chefarzt Hospital Tunduru, Bei Abteilung Spangenberg bis zum Waffenstillstand am 25.11.1918.



J - KOMPANIE (Mitte November 1917 aufgelöst)

Kompanie-Führer: Hauptmann a.D. Hermann von Gellhorn (Mai 1917)
Leiter der Deutsch-Ostafrikanischen Plantagen- und Bergbau-AG in Morogoro, August 1916 Führer Landsturm-Kompanie, Januar
1917 Führer einer kleinen Abteilung, Mai 1917 Führer J-Kompanie, 18.11.1917 krank in brit. Kriegsgefangenschaft in Njambindinga.

Kompanie-Führer: Leutnant d.R. Otto Dietrich (ab Juni 1917)
Seit 26.7.1908 als Vermessungs-Techniker in DOA, 3./4. 11.1914 schwer verwundet bei Tanga (Einheit?), Linien Kommandant,
Juni 1917 Führer J-Kompanie, Ab 16.8.1918 13. Feldkompanie bis Waffenstillstand 25.11.1918.

Feldwebel Braun
Feldwebels Schulz
Sanitätsfeldwebel Pohlig
Landsturmmann Oberndörfer




V - KOMPANIE (ab 2.9.1917 aufgelöst und zur 2. und 18. Feldkompanie versetzt)

Kompanie-Führer: Leutnant d.R. Friedrich Brucker
Bei Kriegsbeginn Pflanzungsassistent in Kikwetu / Lindi, Führer 6.Schützenkompanie, 18./21.3.1916 verwundet bei Kahe, 8.12.1916
schwer verwundet bei Kibata, März 1917 Kommandant von Tunduru, April 1917 Führer V-Kompanie, Juni 1917 Führer 13. Feldkompanie,
verwundet bei Mahiwa (?),10.11.1917 in brit. Kriegsgefangenschaft in Njambindinga.

Unteroffizier Hellmeier
Gefreiter Fränkel
Gefreiter Kalina



KOMPANIE MEYER8. SCHÜTZENKOMPANIE (zu diesem Zeitpunkt nicht mehr beritten)

Kompanie-Führer: Leutnant Hermann Meyer (Rabingen)
Seit 10.5.1913 Schutztruppe DOA, 9. Feldkompanie in Usumbura, April 1915 Führer 9. (berittene) Schützenkompanie, April 1916
Führer 8. (berittene) Schützenkompanie
, Mai 1918 Führer 9. Feldkompanie, Abteilungsführer bis Waffenstillstand 25.11.1918.

Sergeant Bauer
Unteroffizier Frank
Landsturmmann Hofmann




25. FELDKOMPANIE (Reste wurden am 17.11.1917 in die 19. Feldkompanie eingegliedert)

Kompanie-Führer: Oberleutnant d.L. Hans Müller
Rechtsanwalt in Daressalam, 1.12.1914 Führer 25. Feldkompanie, 5.3.1916, 5.3.1916 und 14.10.1917 dto., 20.11.1917 krank in brit.
Kriegsgefangenschaft in Kitangari.

Leutnant d.R. Otto von Scherbening
Pflanzungsleiter in Mroweka-Mambital / Bezirk Lindi, Mai 1917 25. Feldkompanie, 14.10.1917 Führer 2. Feldkompanie, zuletzt Führer 9.
Feldkompanie, bis Waffenstillstand 25.11.1918.

Vize-Feldwebel Kühne
Vize-Feldwebel Stark
Unteroffizier d.R. Ferdinand Jacquet
(Jacquet war erfahrener Patrouillengänger, und 1916 noch bei der 29.F.K. / Boell S. 257+293)
Unteroffizier Kaufmann



5. SCHÜTZENKOMPANIE (Der Abteilung Stuemer unterstellt, aber nicht unmittelbar dort eingesetzt)

Kompanie-Führer: Leutnant d.R. Louis Freiherr von Schrötter
Pflanzungsleiter in Mlembule (Bezirk Tanga), 1914 Mobilisierung Europäer-Kompanie-Nord, März 1915 8.(berittene) Schützen
Kompanie, Juli 1916 10. Feldkompanie, Mai 1917 Führer 5. Schützenkompanie, 14.10.1917 Führer 17. Feldkompanie, April 1918
Führer 14. Feldkompanie, 30.8.1918 gefallen bei Lioma / POA.



Folgende Mannschaftsdienstgrade und Namen wurden ermittelt, können aber innerhalb der Abteilung nicht eingeordnet werden:

Gefreiter Viebrach
Landsturmmann Messer
Domke
Eisenhauer
Häckel
Hofmann
Kellermann
Kulzer
Methkessel
Mühle
Muxel
Seiler
Vieweg
Winter


Bilder von den o.g. Dienstgraden habe ich leider nicht zu Verfügung, wenn man mal von `uralten´ Fotos von Stuemer absieht.
Von Lt. Meyer, der 1917 zuerst noch die Nachhuten und später die Vorhut der Truppe bravurös leitete, gibt es Fotos nach dem
Waffenstillstand am 25.11.1918 in Daressalam.
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 188221 | Verfasst am: 08.09.2010 - 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

Wirklich fantastische Detailarbeit, Holger!! Gut gemacht!

Ich bin ab morgen mit der besten Lebensgefährtin aller Zeiten erst einmal im verlängerten Wochenende
(Zum "Landsknechtstreffen" mit lecker Wildschwein am Spieß und allerlei sonstigen Vergnügungen) Grins
Daher wird bei mir bis Mitte nächster Woche erst einmal Sendepause sein

Bin gespannt, was Du noch so alles zu Tage förderst
Ich bin echt total begeistert, was bis jetzt schon alles zusammen gekommen ist!

Hermann Meyer (Rabingen)
http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2002/8034927/original/Bild.jpg
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Andre
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BeitragBeitrags-Nr.: 188669 | Verfasst am: 23.09.2010 - 22:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden Afrika-Kenner!

Wie ich hörte trifft sich im nächsten Monat der Freundeskreis der dt. Kolonial- und Schutztruppen. Seid ihr dabei?

Viele Grüße
Andre
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 188673 | Verfasst am: 24.09.2010 - 09:36    Titel: Antworten mit Zitat

Termine, Termine, Termine Verrückt
Ich werds ganz bestimmt NICHT schaffen
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 188678 | Verfasst am: 24.09.2010 - 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andre,
Vielen Dank für den Hinweis. Würde mich sehr interessieren. Habe aber leider zu diesem Zeitpunkt nicht `dienstfrei´.Dagegen

Mit sonnigen Grüßen aus Benghazi / Libyen - Cool -
Holger
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 189149 | Verfasst am: 06.10.2010 - 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

Nach mal etwas zum Thema, Orginal und Fälschung
(oder wie ich mit; - schwupps – ein paar Pinselstrichen den Kriegsschauplatz wechsele)

Das folgende Bild hatten wir ja schon mal und feststellen müssen das die bedauernswerten Akteure, nicht nur in der absolut,
identischen Gefechtsformation bei Gallipoli angreifen mußten, sondern sie dies wahrscheinlich auch in DOA wiederholten.
http://i55.tinypic.com/6zr6op.jpg


Auf dem nächsten Foto müssen wir nun schockiert erkennen, dass diese armen Geschöpfe geradezu missbraucht wurden,
und diesen Vorgang mit neuen Uniformen 5 Jahre später während des Türkischen Krieges 1920 erneut durchlebten.
http://i55.tinypic.com/20pczko.png
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Greko-Turkish-Afyon-1920.png
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 195735 | Verfasst am: 08.07.2011 - 12:55    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr schöne port. Seite mit vielen Details zu L-Vs Feldzug in port.-Ostafrika:

http://momentosdehistoria.planetaclix.pt/MH_05_02_Exercito.htm

Gut gemacht!
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