Tarnkleidung der BW - Weiterentwicklung insgesamt?
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königstiger332
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BeitragBeitrags-Nr.: 164907 | Verfasst am: 18.12.2008 - 23:13    Titel: Tarnkleidung der BW - Weiterentwicklung insgesamt? Antworten mit Zitat

Hallo,

warum gibt es eigentlich keine wendbare Tarnkleidung bei der Bundeswehr (Frühling- Sommer; Herbst-Winter)? Zudem scheinen mir der grüne Flecktarn und der Wüstenflecktarn (es ist ja schon etwas, dass es diesen inzwischen gibt) insgesamt nicht ausreichend zu sein. Insbeondere für die Jahreszeiten Frühling und Herbst sind beide absolut ungenügend. Den "weißen" Winter kann man mit dem Schneeanzug und -hemd abdecken.

Konnte zu der Beschaffungs- und Entwicklungsstrategie diesbezüglich nichts finden. Keine Ahnung


Zuletzt bearbeitet von königstiger332 am 27.07.2010 - 21:07, insgesamt 4-mal bearbeitet
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Florian T.
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BeitragBeitrags-Nr.: 164910 | Verfasst am: 19.12.2008 - 00:19    Titel: Re: Keine wendbare Tarn-Jahreszeitenkleidung bei der BW??? Antworten mit Zitat

königstiger332 hat Folgendes geschrieben:
der Wüstenflecktarn



Wobei dieser kaum in Deutschland verwendet werden wird.

Ich hatte damals AGA im Herbst. Bei uns wurde erklärt, dass das BW Flecktarn vor allem für unsere Kiefernwälder entwickelt wurde. Und diese verlieren ja nicht ihre Farbe, also passt das.

Der Rest wird über die Helmtarnung angepasst, da der Soldat ja im Kampf vor allem am Boden liegt. Und dort sieht man dann ja vor allem den Helm und das Gesicht. Also passt das dann auch wieder, wenn man verfärbtes Gemüse am Helm hat.

Desweiteren gibt es doch eigentlich in keiner Natoarmee angepasste Tarnklamotten, oder? Mir fällt jedenfalls gerade kein Beispeil ein.

Die Amis hatten doch früher ihr Woodland Tarnmuster und jetzt ihre Digtalcamo. Da gibt es doch auch kein Fruhlings, oder Herbstversion, oder?





Gruß Florian
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 164915 | Verfasst am: 19.12.2008 - 08:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

das neue Bekleidungssystem der Bw (Tarndruck) ist vom Sinn her gut und völlig ausreichend. NUr das Material könnte haltbarer sein, auch, was die Farben betrifft.

Das "Zwiebelschalenprinzip" (welches die Amis im 2. Wk entwickelten) beruht auf die Hinzufügung weiterer KLeidungslagen, wenn es kälter wird. Mit dem Kälterunterziehhemd (gibt es in mehreren Varianten), der Feldbluse, der UNterziehjacke, Feldjacke und Nässeschutzjacke ist man gut verpackt. Ich habe jedenfalls nie übermäßig gefroreren. UNd die Schneetarnung (habe ich in 12 Jahren Bund nur 4 Mal gebraucht Gut gemacht! ) ist auch völlig ausreichend, wobei ich den Poncho dem Schneetarnanzug vorziehen würde.

Wendbare Anzüge wären unsinnig, da das Tarnfleck einigermaßen in den Jahreszeiten tarnt (es gibt keine perfekte Tarnung für alle Jahreszeiten). Die Aufteilung Flecktarn für alles, außer Wüste und Wüste halte ich für richtig, auch aus Kosten- und Logistikgründen.
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königstiger332
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BeitragBeitrags-Nr.: 164937 | Verfasst am: 19.12.2008 - 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hoover hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

(es gibt keine perfekte Tarnung für alle Jahreszeiten). Die Aufteilung Flecktarn für alles, außer Wüste und Wüste halte ich für richtig, auch aus Kosten- und Logistikgründen.


Natürlich gibt es nie "die" perfekte Tarnung für das jeweilige Gelände und die Jahreszeit (hinzu kommt immer noch das Abtarnen mit Umgebungsgewächsen etc.). Dennoch kann man mit einem einfachen Beispiel deutlich machen, wie sinnvoll mindestens eine weitere Farbvariante des Flecktarns wäre. Da ich selbst einige Reprotarnuniformen und eine übliche BW-Flecktarn besitze, habe ich vor Jahren mal optische Tests im Wald gemacht - leider noch nicht mit einer Digicam.

Auf den Punkt gebracht: Problematisch kann der BW-Flecktarn vor allem im Herbst und auch Winter sein =>

http://i40.tinypic.com/xlgi6e.jpg

http://i44.tinypic.com/s3mr88.jpg

http://i43.tinypic.com/atstbc.jpg

http://i41.tinypic.com/skvpk7.jpg

Hier wäre man mit einer Flecktarn-Variante, die sich am Farbspektrum der damaligen Rauchtarn- oder Eichenlaubtarnung orientiert, deutlich besser aufgestellt. Mein Vorschlag hier ist eine Variante mit ungefähr folgenden Farben: 1x Moosgrün (selten), 1x helles Orange (selten), 1x dunkleres Orange (normal), 1x Mittelbraun (normal), 1x Dunkelbraun (selten), ggf. noch Schwarz oder Grau (selten), Basis Hellbraun.
Die Farben kann man grundsätzlich den gezeigten Tarnhemden entnehmen.

Mir ist bis zum heutigen Tage kein Tarnmuster unter die Augen gekommen, das im Herbst besser tarnt, als das möglichst blasse Rauchtarnmuster.

Ein sehr guter Allrounder war zudem auch die Erbsentarnung, obwohl sie völlig andere Grundfarben verwendet, als der Flecktarn. Dennoch ist die Tarnwirkung sehr gut. Vielleicht auch etwas besser im Herbstzeitraum.

http://i40.tinypic.com/142gcnd.jpg


http://i40.tinypic.com/5os2n4.jpg

Den Winter kann man aufrgund des bereits genannten Schneehemdes/Schneeanzuges inzwischen vernachlässigen.

Ein weiteres Thema, das eigentlich täglich an Brisanz zunimmt, ist das der KSK bzw. Special-Forces, die immer häufiger auch in urbanem Raum eingesetzt werden. Auch hier hat die BW zurzeit absolut nichts passendes zur optischen Tarnung anzubieten.

Hier ist u.a. die USA gut ausgestattet. Das neue Digi-Camo wird es auch in "Urban" geben und so zumindest ein wenig die üblichen grundfarben in urbanem Gebiet wiedergeben.

http://i43.tinypic.com/2ujm920.jpg

Interessant wäre natürlich auch ein direkter Vergleich des BW-Flecktarns als Digi-Variante. Ich vermute, dass auch hier noch ein paar Prozent des "Verschmelzungsfaktors" zu holen wären, wenngleich er bereits so schon eine sehr gute Tarnwirkung besitzt.

Mir ist natürlich auch klar, dass aus Kostengründen alles auf möglichst einen Nenner/einen Kompromiss gebracht werden soll - das Ergebnis ist eben der Allround-Flecktarn + Wüstentarn + Schneehamd als Add-On. Dennoch muss sich jede Armee der Welt mal überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, das jeweils geeignetste Tarnprodukt für die entsprechende Jahreszeit/Situation parat zu haben, um den Soldaten den bestmöglichen Tarnschutz bieten zu können. Daher eben der alte Grundgedanke einer wenbaren Tarnkleidung, die vielleicht 50% teurer wäre - klar. So bliebe aber z.B. eine Doppelanschaffung erspart.

In welchem Verhältnis steht diese Investition aber zum Verlust eines gut ausgebildeten Soldaten bzw. Menschenlebens, der aufgrund einer solch einfach zu lösenden Schwäche kampfunfähig/getötet wird.

Man kann zudem auch nicht immer davon ausgehen, dass Eineheiten nur von vorne angegriffen werden, wo sie durch Zusatztarnung am Kopf bzw. Oberkörper am besten optisch geschützt sind - Stichworte Hinterhalt, Umgehung etc.


Zuletzt bearbeitet von königstiger332 am 19.12.2008 - 13:31, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Jagdtiger45
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BeitragBeitrags-Nr.: 164938 | Verfasst am: 19.12.2008 - 12:37    Titel: Antworten mit Zitat

Also die WH und SS Tarnmuster tarnen wirklich sehr gut Gut gemacht!
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 164941 | Verfasst am: 19.12.2008 - 13:37    Titel: Antworten mit Zitat

Die AMis sind von ihren "Digis" schon wieder weg. Heer und USMC wollen nach dem missglückten ACU das weitaus bessere Multicam einführen (Tests liefen im Irak schon).

Für unsere Breiten ist das Flecktarn ausreichend. Und das KSK hat für den urbanen Einsatz ja auch noch das kurze Schwarze Zwinkern

Die SS-Tarnung ist super, aber halt nicht universell, weil es das nicht gibt. UNd Wendeanzüge ist eher unpraktisch, weil der Fertigungsaufwanmd zu hoch wäre.

Ein Albtraum wäre die Situation wie ion Russland, wo es im Moment ca. 30 verschiedene Tarnungen in der Armee gibt. Jede Gattung hat was eigenens, und jede Spezialeinheit auch.
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königstiger332
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BeitragBeitrags-Nr.: 164948 | Verfasst am: 19.12.2008 - 16:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hoover hat Folgendes geschrieben:
Die AMis sind von ihren "Digis" schon wieder weg. Heer und USMC wollen nach dem missglückten ACU das weitaus bessere Multicam einführen (Tests liefen im Irak schon).

Für unsere Breiten ist das Flecktarn ausreichend. Und das KSK hat für den urbanen Einsatz ja auch noch das kurze Schwarze Zwinkern

Die SS-Tarnung ist super, aber halt nicht universell, weil es das nicht gibt. UNd Wendeanzüge ist eher unpraktisch, weil der Fertigungsaufwanmd zu hoch wäre.

Ein Albtraum wäre die Situation wie ion Russland, wo es im Moment ca. 30 verschiedene Tarnungen in der Armee gibt. Jede Gattung hat was eigenens, und jede Spezialeinheit auch.



Dass das Digital-Camo nur auf kurze Distanzen wirklich funktioniert, war doch wohl auch vorher klar - warum sie das jetzt erst als Problem erkennen, bleibt mir ein Rätsel. Deswegen ist z.B. auch der Flecktarn insgesamt die bessere Lösung, sowohl in der Nähe als auch auf Entfernung. Das Thema Infrarottauglichkeit habe ich mal bewußt ausgeklammert. Die Russen haben 30 aber nicht eine wirklich gute - so kann man es auch machen. Verrückt
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königstiger332
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BeitragBeitrags-Nr.: 164952 | Verfasst am: 19.12.2008 - 18:58    Titel: Antworten mit Zitat

s.u.

Zuletzt bearbeitet von königstiger332 am 21.12.2008 - 19:58, insgesamt einmal bearbeitet
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Florian T.
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BeitragBeitrags-Nr.: 164978 | Verfasst am: 20.12.2008 - 17:14    Titel: Antworten mit Zitat

Gut aber mal ehrlich, für die 2-3 Wochen im Jahr, wo der Wald so aussieht. Weil das Laub bleibt ja nicht lange an den Bäumen ist es echt utopische eine extra Tarnuniform zu produizeren. Zumal der Aufwand es in dieser kurzen Zeit dann an die Truppe auszugeben.



Und dein Argument, dass die Truppe nicht nur von Vorne angegriffen wird, ist auch nicht so ganz stichhaltig.

Sowohl bei der Umgehung, als auch beim Hinterhalt, weiß die eine Partei (der Agressor) doch ziemlich genau, wo der Gegner liegt. Da hilft diesem keine Tarnung mehr.

Vor allem beim Hinterhalt wird doch in vorbereiteten Stellungen extra auf ihn gewartet, um ihm im Feuerüberfall schlagartig, meist auf kurze Distanz, zu vernichten, bzw. ihn schwer zu treffen.
Da hilft dann auch keine Tarnung mehr. Zumal das Opfer dieser Situation ja meist total unvorbereitet und aufrecht auf den Hinterhalt zuläuft. Stichwort Patrollie.

Somit hat der Gegner alle Zeit der Welt die Ziele einzeln zu verteilen, anzuvisieren und dann schlagartig zu vernichten.

Verstehst du was ich meine? Ich sehe einfach nciht, wo einen in dieser Situation bessere Tarnung retten kann?



Gruß Florian
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königstiger332
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BeitragBeitrags-Nr.: 165005 | Verfasst am: 21.12.2008 - 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

@Florian T.

Zunächst dauert der Astronomische Herbst vom 22./23. September bis 21./22. September - also ca. 4 Monate. Der witterungsbedingte Herbst variert natürlich entsprechend der Wetterlage. Weiterhin geht es bei dieser Tarnung nicht in erster Linie um den orangenen Farbton für 3 Wochen liegendes Laub, sondern um die grundsätzliche Braunfärbung der Natur, die so aufgenommen werden könnte und zudem auch für den Winter ohne Schnee geeignet wäre - also ggf. 6 Monate! Grundgedanke ist also - entsprechend der Natur - die Farbbasis von Grün auf Braun zu verlagern.

Für den weißen Winter hat man zurecht auch nachträglich das weiße Schneehemd/den weißen Schneetarnanzug in den Bestand aufgenommen, obwohl (speziell) in Deutschland immer seltener Schnee zu finden ist - vielleicht mal 2-3 Wochen im Jahr bzw. nur wenige Tage (Stichwort steigende Erderwärmung, speziell in unseren Breiten). Was ist hier mit dem von dir genannten Ausgabe-/Kostenaufwand - man nimmt ihn bewußt in Kauf. Natürlich ist die ganze Kleidung auch für universelle Auslandseinsätze gedacht und das muss sie bei den heutigen Anforderungen an eine moderne Armee auch sein. Daher kommt ja meine Idee, diese Herbst- ggf. Wintertarnung als wendbares Add-On oder z.B. auch in Form des weißen Schneehemd/den weißen Schneetarnanzuges, also als Überzug, anzubieten.

Die Umgehung/der Hinterhalt waren nur einfache Beispiele für die Praxis - vielleicht nicht überzeugend. Mir geht es aber um die grundsätzlich bessere Tarnwirkung in allen Situationen. Wie gesagt - ich habe den Flecktarn und die speziell für den Herbst/Winter gedachten Tarnhemden in Wald und Flur gestestet und es war klar für jeden Leihen zu erkennen, dass die Tarnhemden mit der Grundfarbe Braun viel bessere Tarnwirkung besitzen, wie das grünbasiserte Flecktarn, das fast "leuchtend" Aufmerksamkeit erweckt - ist ja denke ich auch logisch. In der Regel sind ja nur noch die Nadelbäume und gewisse Kleingewächse grün. Der Bodenbereich im Wald ist braun und die Wiesen und Schilfbereiche eher beige, gelb bzw. leicht braun.

Wichtig ist letztlich möglichst blasse Farben zu verwenden.

Es ist nur ein Gedanke - ich möchte hier niemandem irgendetwas aufzwingen, der es nicht für notwendig hält. Ich bin aber davon überzeugt, dass es - wie aufgezeigt - Verbesserungsmöglichkeiten in diesem Bereich der Tarnung gibt, die noch nicht umgesetzt/ausgereizt sind.
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Kai
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BeitragBeitrags-Nr.: 165009 | Verfasst am: 21.12.2008 - 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Forum,

ich nehme mir in meiner weihnachtlichen Pause mal wieder etwas Zeit zum schreiben, weil mich das Thema Tarnung sehr interessiert.

Zum einen hat Hoover recht, dass die logistischen Schwierigkeiten von zu vielen Tarnanzügen im Kriegsfall gar nicht zu bewältigen wären, was Zulieferung, Ausgabe und Abgabe der Anzüge angeht – schon gar nicht im Feld. Dass das keine theoretische Überlegung ist, zeigt gerade das SS-Beispiel, da deren Tarnungen wild durcheinander getragen wurden, zu allen Jahreszeiten. Man versuche doch einmal Photos aus der Normandieschlacht (Sommer) von denen aus Arnheim (Herbst) nur anhand der Tarnungen zu datieren. Geht nicht.
Die Schneetarnung der Bw sind reine Überzüge, die sehr leicht sind und auch nur an bestimmte Truppenteile überhaupt ausgegeben werden. Ich hab nie so was getragen, allerdings war ich auch nicht annähernd solange Soldat wie Hoover...

Ich möchte auch was die reine Tarnwirkung angeht etwas zu bedenken geben. Der Braunanteil ist selten so dermaßen hoch, dass er eine eigene Tarnung rechtfertigen würde. Das trifft sowohl den Zeitraum zu, als auch auf die Topographie. Dänemark bspw. verzichtet komplett auf Braun in ihren Anzügen.
Mal ein paar winterliche Bilder mit Flecktarn:

http://img376.imageshack.us/img376/611/flecklwsw8nb7.jpg

http://img376.imageshack.us/img376/3500/flecklwstandw8xa4.jpg

http://img376.imageshack.us/img376/9945/fleckvorbuschw8gx0.jpg


Die Bilder zeigen übrigens keine realistischen Kampfdistanzen, sie sind viel zu nah. Die Bilder von königstiger332 haben dann gar nichts mehr damit zu tun, wie ein Soldat das Gefechtsfeld sieht – auf die Distanzen nützt gar keine Tarnung mehr, nicht mal die vom Predator ;)

Man darf auch nicht unterschätzen, dass sich Kleidung ziemlich automatisch dem Gelände anpasst, wenn man lang genug rödelt. Mit anderen Worten, die Abnutzung und Verschmutzung mit dem lokalen Dreck sorgt schon so für einige Tarnung. Solche fabrikneuen, wahrscheinlich nicht mal gewaschenen Feldblusen, wie der oben gezeigte Airsofter, der sich abhockt, mit den knalligen Farben, wird man selbst beim Bund in Friedenszeiten nicht finden.

Zuletzt, aber auch sehr wichtig: Tarnung basiert nicht allein auf Mimesis, also der Anpassung an das Gelände. Das Verwirren des Auges, das Verwischen von Konturen bzw. das direkte Zerstören derselben und Herstellen von neuen Konturen gehören ebenso dazu. Das erschwert nämlich das korrekte Anvisieren, wenn auch nicht das Aufnehmen des Ziels. Man muss zwar einem der beiden Konzepte den Vorzug geben – und bei Tarnanzügen ist das klar Mimese – aber Tarnanzüge wirken auch dann, wenn sie der Farbgebung des Geländes nicht entsprechen.

Ich halte deswegen herbstliche Tarnanzüge für Geldverschwendung, theoretisch gar nicht übel, praktisch aber fast unnütz. ... erinnert an so manches Wehrtechnische der NS-Zeit (Raketenjäger z.B.)... Die Bw bräuchte 1000 andere Sachen viel dringender.


PS: die Seite hier ist für unsere Diskussion ganz nett.

http://www.camotest.de/gallery/index.php
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königstiger332
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BeitragBeitrags-Nr.: 165017 | Verfasst am: 21.12.2008 - 19:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kai,

um eines gleich vorab nochmal anzusprechen - die BW hätte in der Tat sehr viele andere Baustellen, wo dringender Handlungsbedarf besteht (z.B. "sprengstoffsichere" Ausrüstung und Fahrzeuge, Versehrtenversorgung nach Verletzungen etc., modernes Gerät usw.). Übrigens auch verständliche Gründe, warum viele zurecht heute nicht mehr ihr Leben in einer Armee mit teilweise ungenügendem Ausrüstungszustand riskieren wollen. Die aktiven könnten hier sicher ein Lied von singen...

Danke für deine interessanten Ausführungen und Bilder. Die oben gezeigten WSS-Tarnungen habe ich nur angefügt, um die Ideengeber meiner theoretischen Gedanken deutlich zu machen. Natürlich haben diese auch deutliche Schwächen - wie bereits genannt.

Kai hat Folgendes geschrieben:

Die Schneetarnung der Bw sind reine Überzüge, die sehr leicht sind und auch nur an bestimmte Truppenteile überhaupt ausgegeben werden. Ich hab nie so was getragen, allerdings war ich auch nicht annähernd solange Soldat wie Hoover...


Das würde mich genauer interessieren - kann man diese als einfacher Soldat im Winter nicht einfordern? Wer bekommt diese dann und wann?

Wenn man über die beste optische Tarnung sprechen möchte, kommt man am einsatzoptimierten Ghilie Suit - wie er i.d.R. von Scharfschützen getragen wird - sowieso nicht herum. Mir geht es aber um eine Verbesserung der witterungsbedingten/jahreszeitanhängigen Standardtarnung für jeden Soldaten. Verwaschung, Abnutzung, Staub und Dreck sowie Zusatztarnung ist natürlich immer nötig und setze ich auch bei meiner Idee voraus. Auch der inzwischen zwingend zu beachtende Faktor Infrarottauglichkeit müsste natürlich berücksichtigt werden - das kann ich als Laie mangels Fachwissen aber nicht leisten.

Das Problem mit der Kampfdistanz und der damit zusammenhängenden Tarnwirkung bekommen die USA mit ihrem All-Terrain-Digital gerade schmerzlich zu spüren. Genau auf weitere Distanzen (+ 800m) versagt diese Tarnung leider völlig.

In diesem Thread soll es ja auch darum gehen, möglichst viele Ideen, (Praxis-)Erfahrungen und Gedanken diesbezüglich auszutauschen.

Hier noch die aktualisierten Farbideen:

http://i44.tinypic.com/2hqb6l0.jpg

Neutralste und ausgewogenste Version: Hellbraun, Beige/Schilf, Olivgrün, Mittelbraun, Dunkelbraun, Schwarzgrün

http://i41.tinypic.com/1568u2t.jpg

Hautpsächlich Herbsttöne: Hellbraun, Lichtorange, Beige/Schilf, Mittelbraun, Dunkelbraun, Schwarzgrün

Zum Vergleich in etwa der Original-Flecktarn:

http://i40.tinypic.com/5oxhc7.jpg

EDIT:

Unglaublich aber wahr - die Chinesen waren wohl hier auch schon wieder schneller - das geht doch schon sehr stark in meine Richtung; gleiches Druckmuster - abgeänderte Farben:

http://i40.tinypic.com/s30a6t.jpg

http://i43.tinypic.com/n2iuef.jpg

http://i42.tinypic.com/8wh7wp.jpg

Wenn dort jetzt noch die gräulich wirkenden Flächen mit einem blassen Olivton ersetzt werden, würde das für meinen Geschmack passen.

http://camo.henrikc.dk/index.asp

http://www.kamouflage.net/camouflage/00257.php


Zuletzt bearbeitet von königstiger332 am 22.12.2008 - 10:19, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 165042 | Verfasst am: 22.12.2008 - 09:28    Titel: Antworten mit Zitat

Bei dem Thema werden wir uns wahrscheinlich totdiskutieren. Grins

Schneetarnung gibt es bei der Bundeswehr 2, einmal den Ponche und einmal den 2-teiligen Abzug.
Der Anzug wird an Gebrigsjäger und Teilen der Kampftruppen ausgegeben, die naturgemäß eher mit Schnee konfrontiert werden. Sprich: Hier im Norden der BRD werden meist nur Ponchos ausgegeben bei Winterübungen etc. Sie sind hier bei den Standortverwaltungen eingelagert, oder besser, dem zivilien Nachfolgeschwachsinn.

In Bayern bekommen die Soldaten dann teils den Anzug ausgegeben, was auch Sinnmacht.

Da der Schnee eh immer seltener wird (von Wetterkapriolen abgesehen) ist diese Regelung nur logisch. Warum soll ich Tausende von € hier im Norden einlagern mit der geringsten Wahrscheinlichkeit, diese Teile zu nutzen?

Tarnung ist immer ein Kompromiss aus dem häufigsten Umfeldbewuchs. Ich finde das britische DPM zwar besser in unseren Wäldern, aber Flecktarn erfüllt auchs einen Zweck. Und: Sobald man in Bewegung ist nützt keine Tarnung.
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königstiger332
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BeitragBeitrags-Nr.: 165045 | Verfasst am: 22.12.2008 - 11:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hoover hat Folgendes geschrieben:
Bei dem Thema werden wir uns wahrscheinlich totdiskutieren. Grins


Das hoffe ich doch nicht - interessant genug ist es ja. Jedoch bedeutet jeder Stillstand auf Dauer Rückschritt - auch beim Thema Tarnung. Verrückt

Hoover hat Folgendes geschrieben:

Ich finde das britische DPM zwar besser in unseren Wäldern, aber Flecktarn erfüllt auchs einen Zweck.


Du findest, dass das DPM bei uns besser funktioniert? Hätte ich zumindest rein optisch mal nicht vermutet, aber ich bin auch kein Freund von großflächigen Tarnmustern mit weniger als 5 Farben. Ich finde vor allem das Beige viel zu leuchtend.

Hoover hat Folgendes geschrieben:
Und: Sobald man in Bewegung ist nützt keine Tarnung.


Damit hast du natürlich auf eine Art und Weise Recht, aber dann könnten ja auch alle mit einem pinken Strickpullover durch den Wald rennen Lachen. Aber mal im Ernst, selbst in Bewegung wirst du mit einem Flecktarn deutlich schwieriger ausgemacht, als mit einem oliven, schwarzen oder gar pinken Anzug. Meine Meinung

Hier findet sich übrigens ein interessanter Hinweis zur Zukunfstgestaltung der BW-Tarnung:

"Seit seiner Einführung fand das Flecktarn B (groß) der Bundeswehr in Militärkreisen große Zustimmung, so war es bis zum Jahrtausendwechsel unangefochtener Vergleichssieger der Nato-Partner in puncto Tarnwirkung im bewaldeten Gelände.

Mittlerweile steht das in die Jahre gekommene „Europamuster“ jedoch in der Kritik. Experten für Wehrtechnik kritisieren Flecktarn oftmals als „unangemessen für die Schlachtfelder der Zukunft“ und „lebensbedrohlich, wenn am falschen Ort eingesetzt“. Sie bemängelten wie schon viele Soldaten des Zweiten Weltkriegs die unzureichende Universalität der Flecktarnmuster im wechselnden Gelände und – speziell für Bekleidung – die noch unterentwickelte Nachtsichttarnung. Neuste Versuche zur "Signalunterdrückung" mit verschiedenen Stoffen verliefen jedoch erfolgreich und werden derzeit auf ihre Einsatzfähigkeit getestet.

Die Zukunft der Tarnmuster wird im Bereich der Nano-Technologie liegen und diese einbinden. Ziel ist die Entwicklung wandelbarer, langlebiger Tarnung, die dem Geländehintergrund und der Lichtsituation angepasst werden kann und Wärmeabstrahlung fast völlig unterdrückt. Industrie und Forschung halten eine Marktreife derartiger Projekte in Deutschland innerhalb der nächsten zehn Jahre für möglich.

Derzeit entwickelt die Bundeswehr neben neuen Flecktarnvarianten noch komplett neue Tarnmuster für Meer, sowie für Städte."


Leider gibt es keine Quellenagabe dafür...

http://de.wikipedia.org/wiki/Flecktarn_(Bundeswehr)#Kritik.2C_Ausblick_in_die_Zukunft


Zuletzt bearbeitet von königstiger332 am 22.12.2008 - 15:20, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 165049 | Verfasst am: 22.12.2008 - 12:34    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Derzeit entwickelt die Bundeswehr neben neuen Flecktarnvarianten noch komplett neue Tarnmuster für Meer, sowie für Städte."


Was wäre denn das avisierte Einführungsdatum? 2099??

Horrido!

Nicole
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