Holger Kotthaus Engagiertes Mitglied
Anmeldedatum: 27.07.2009 Beiträge: 188 Wohnort: Benghazi / Libya
|
Beitrags-Nr.: 186213 | Verfasst am: 18.06.2010 - 13:11 Titel: |
|
|
Hmm… scheint nicht so bekannt zu sein. Das Foto ist auch ziemlich unbekannt. Also hier die Auflösung:
SM „NACHTIGAL“
Der Dampfer wurde 1895 in Deutschland gebaut und 1914 in Kamerun an der Küste versenkt.
Technische Daten:
Größe: 249 BRT / 440 Tonnen
Länge: 42,88m / Breite: 7,02 m / Tiefgang: 2,60m
Bewaffnung: 1 x 5-cm-SK und 1 x 3,7-cm-RK (1914)
Lebenslauf:
30.03.1895 Stapellauf
25.05.1895 Indienststellung
14.06.1895 Regierungsdampfer beim Kaiserlichen Gouvernement Kamerun
16.09.1914 Versenkt beim rammen brit. Kanonenboot Dwarf im Tircio Creek / Kamerun.
Besatzungsstärke am 16.09.1914: 37
Kapitän Oberleutnant zur See Peter Wendling
7 Europäer der Stammbesatzung, 5 Soldaten der Schutztruppe und 24 einheimische Matrosen.
Gefechtsbericht
Der Dampfer „Nachtigal“ wurde noch kurz nach Kriegsbeginn im Trockendock des Hafens von Duala überholt, ausgerüstet, bewaffnet und feldgrau gestrichen. Am 5.9.1914 erhielt der neue Kapitän, Oblt. z.S. Wendling, vom Kommandeur der Schutztruppe Oberstlt. Zimmermann Befehl mit der „Nachtigal“ zum Bimbiafluss, zu fahren um das Eindringen feindlicher Schiffe nach Tiko zu verhindern. Tiko lag westlich, noch innerhalb der 16 km langen Bucht von Duala. Der Befehl beinhaltete schon deutlich den Begriff des `Rammens´ als taktisches Manöver da durch Meldungen der Motorbarkasse „Prinz Udo“ bekannt war, daß das englische Kanonenboot „Dwarf“ vor Victoria und Bimbia an der Küste lag. Bekannt war ebenfalls das die „Dwarf“, im Gegensatz zum Panzerkreuzer „Cumberland“ sehr wohl in der Lage war in diesen Creek einzufahren und es durch die überlegene Bewaffnung von zwei x 10-cm und vier x 7,62-cm-Kanonen zu keinem Artillerieduell kommen durfte. Am Spätnachmittag des 16. Septembers 1914 wurde über Tiko die Mitteilung an Oblt. z.S. Wendling überbracht das „Dwarf“ den eigentlichen Kamerunfluß verlassen habe und auf dem Wege nach Bimbia sei. Seit 20:00 Uhr befand sich die „Nachtigal“ im Tiko-Creek auf der Suche nach der „Dwarf“, als gegen 22:30 Uhr hinter einer Biegung das brit. Kanonenboot plötzlich auftaucht. Obwohl doch überrascht, reagieren die Mannschaften auf beiden Schiffen unverzüglich. Die Engländer leuchten mit Scheinwerfern und beginnen ihre überlegene Artillerie einzusetzen; - die Deutschen dampfen, gemäß des Befehls, mit Höchstfahrt auf das feindliche Schiff zu; - bereit zu rammen. Bei der, auf dem Bug der „Nachtigal“ aufgestellten 5-cm-SK fällt die fünfköpfige Bedienungsmannschaft bis auf einen und die Bereitschaftsmunition explodiert. Beim Zusammenprall rammt sich der Bug der „Nachtigal“ rechtwinklig direkt hinter der Kommandobrücke mit voller Wucht in die „Dwarf“. Nachdem sich der deutsche Dampfer wieder langsam vom Gegner löst, feuern die Engländer auf eine Distanz von unter 50 Metern weiter, da die Deutschen sich weigern die Flagge zu streichen. Da das englische Kanonenboot mit 800 BRT mehr als dreimal so groß und stärker gebaut ist, beginnt die „Nachtigal“ nun langsam zu sinken. Auch nachdem der überwiegende Teil der Mannschaft das Schiff verlässt und ins Wasser springt oder den Kutter benutzt, wird das Feuer von englischer Seite nicht eingestellt. Hierbei fällt der größte Teil der Besatzung. Von der „Dwarf“ werden die letzen Überlebenden; drei Europäer und neun einheimische Matrosen im Laufe der Nacht, geborgen. Oblt. z.S. Wendling wird vom englischen Kapitän Commander Strong, später der Schaden auf der „Dwarf“ gezeigt:
Dem Umstand, daß „Nachtigal“ auf ein Spant, eine Verstärkung im Schiffsverband lief, hatte „Dwarf“ es zu verdanken, daß sie nicht gesunken war. Einen Meter weiter nach hinten und das Kanonenboot wäre unrettbar verloren gewesen. So hatte „Dwarf“ unter der Wasserlinie ein Leck erhalten. Über Wasser klaffte ein tiefer Einschnitt in der Schiffseite. Die Verschanzung war eingerammt. Gebrochene und verbogene Stützen und Eisenteile lagen an Deck. Wasser drang in die Abteilungen, so daß dort lagernde Lazarett- und Proviantvorräte verdarben. Durch fortgesetztes Pumpen ließ sich das Schiff flott halten und so konnte „Dwarf“ am folgenden Tage mit ganz langsamer Fahrt nach dem Kamerunfluß dampfen, wo sie mit heftiger Schlageseite ankam und eine Menge Ingenieure und Arbeiter 14 Tage lang zu tun hatten, um sie wieder zurechtzuflicken.
Später wurde der zweite Mast der „Nachtigal“ geborgen, 1931 nach Deutschland gebracht und
in Frankfurt a.d. Oder, im Garten der Traditionskompanie der Schutztruppe für Kamerun aufgestellt.
Foto von der HMS „Dwarf“ 1898 - 1926: (knapp überhalb der Mitte)
http://www.battleships-cruisers.co.uk/r_n_gunboats.htm
Ein kurzer englischer Bericht:
http://www.naval-history.net/WW1Battle1409Cameroons.htm
Der Namensgeber sowie der nach Ihm benannte Dampfer „Nachtigal“ wurden wohl damals wirklich nur
mit einem L geschrieben.
Quellen:
Peter Wendling „Befehl zum Rammen“
In: „Deutsche Flagge über Sand und Palmen“; Verlag C. Bertelsmann; Gütersloh 1942; S.187-199
Peter Wendling „Die letzte Fahrt der „Nachtigal“
Erlebnisbericht über den Einsatz des dt. Regierungsdampfers auf dem Kamerunfluß zu Beginn des Weltkrieges;
Kolonialbücherei; Steiniger Verlag; Berlin 1942, http://trivialitas.tr.ohost.de/kolonial/kolo-64.jpg
Charles Dobell „The Campaign in the Cameroons, 1914-1916“; The RUSI Journal 67; 468, 697-716 |
|