Der Einsatz von Gaskampfstoffen
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steffen04
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BeitragBeitrags-Nr.: 146450 | Verfasst am: 27.04.2008 - 18:09    Titel: Antworten mit Zitat

Gas und Kavallerie sind sich nie begegnet. Als das Gas den Weg an die Front gefunden hatte, war der Angriff längst im Grabenkrieg erstarrt und die Kavallerie entweder abgesattelt oder an offenere Fronten verlegt.

Bilder von Pferden mit Masken entstanden entweder bei Übungen oder sie betrafen einzelne, wenig wertvolle Zug- und Tragtiere. Und die sind entweder verreckt oder halt nicht. Ich bezweifle stark, daß dieses seltsamen Konstruktionen jemals ernsthaft getestet wurden. Gilt analog für Hundemasken. M.E. ist ein Hund mit abgeschnürter Nase soviel Wert wie ein Mensch mit Augenbinde.
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BeitragBeitrags-Nr.: 146456 | Verfasst am: 27.04.2008 - 19:31    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist mir schon klar - ich habe auch nichts von Kavallerie-Schwadronen geschrieben Zwinkern

Die Frage bezog sich unteranderem auch auf bespannte Einheiten, wie die Munitionskolonnen, ebenso Meldereiter oder tatsächlich kleinere Gruppen von aufgesessenen Kämpfern.

Einfach: rückte man mit den Pferden bei Gas weiter vor, oder verschwand man so schnell man konnte...

Ich gehe schon von Letzterem aus, da die Pferde-Gasmasken wohl das Einatmen des Giftgases Phosgen "verzögerten" aber wohl nicht ganz verhinderten; außerdem griff das Senfgas ( kenn ich auch unter dem Namen Yperit ) ja auch die Haut an!

Horrido!

Nicole
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steffen04
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BeitragBeitrags-Nr.: 146496 | Verfasst am: 28.04.2008 - 12:51    Titel: Antworten mit Zitat

Reiter hat Folgendes geschrieben:
Überflüssiges Vollzitat entfernt! Jan-Hendrik/Moderator


Seh ich wie du. Ergänzend ist zu berücksichtigen, daß Gas von der Offensive eingesetzt wurde und nach Erstarren der Fronten keine Pferde mehr offensiv eingesetzt wurden. Da das Gas nie bis zu den rückwärtigen Linien gelangte, waren Pferde wohl höchst selten mit Gas in Kontakt. Wenn überhaupt, dann Zugpferde auf der Defensiv-Seite. Die in Sicherheit zu bringen war aber wahrscheinlich immer unmöglich, da ja nie nur Gasgranaten eingesetzt wurden und retierierende Pferde den normalen Granaten zum Opfer gefallen wären. Wenn du mich fragst, waren die Pferdegasmasken ein blöder Propagandatrick.
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 146520 | Verfasst am: 28.04.2008 - 15:36    Titel: Antworten mit Zitat

Sicher war der Gaskampfstoff im ersten Weltkrieg ein typisches Mittel des Stellungskrieges. Trotzdem muß man davon ausgehen, daß auch Pferde einmal in diese verseuchten Bereiche geraten konnten.
http://i29.tinypic.com/2qcpnwj.jpg

Ich glaube nicht, daß die Pferdegasmasken rein zu Propagandazwecken hergestellt wurden. Dazu war die Rohstoff- und Fertigungslage des Kaiserreiches zu angespannt. Ob sie sonderlich effektiv waren, lassen wir mal dahingestellt. Aber das ist eigentlich der Knackpunkt: Weiß darüber jemand näheres und kann das auch belegt werden?

Auch in einem Brief des Mathematikstudenten Hans Foerster, geboren am 6. Oktober 1890, gefallen am 29. November 1916 bei St. Mihiel kommt ein Pferd -wenn auch herrenlos- vor:

http://www.wir-rheinlaender.lvr.de/erster_weltkrieg/krieg_propaganda_realitaet.htm
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 146596 | Verfasst am: 29.04.2008 - 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Winken

genau das suche ich auch, aber wie gesagt, leider erfolglos. Bis auf wenige Bilder, von denen ich nicht glaube, das sie nur "gestellt" waren, habe ich nichts.
So habe ich aber hier und da dt. Berichte gelesen aus dem WK1, wo eben die Gespannpferde bei Munitionskolonnen Gasmasken trugen, sie wohl als sehr unangenehm empfanden und durch starkes Kopfschütteln unbedingt loswerden wollten...soviel dazu.
Propaganda war das also sicher nicht...

Hier habe ich noch einen interessanten Link zu deutschen Pferdegasmasken aus der Zeit um den Zweiten Weltkrieg herum gefunden :
http://www.gasmasklexikon.com/Page/Germ-Mil-Pferd-38.htm
http://www.gasmasklexikon.com/Page/Germ-Mil-Pferd.htm
http://www.gasmasklexikon.com/Page/Germ-Mil-Pferd-41.htm

und noch dies:
http://www.gasmasklexikon.com/Page/Swiss-Pferde.GM.htm

und hier noch ein Bild - leider nur US-Soldat
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Gasmask_for_man_and_horse.jpeg

Horrido! Winken

Nicole
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PIV
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BeitragBeitrags-Nr.: 146598 | Verfasst am: 29.04.2008 - 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

steffen04 hat Folgendes geschrieben:
Reiter hat Folgendes geschrieben:
Überflüssiges Vollzitat entfernt! Jan-Hendrik/Moderator


Seh ich wie du. Ergänzend ist zu berücksichtigen, daß Gas von der Offensive eingesetzt wurde und nach Erstarren der Fronten keine Pferde mehr offensiv eingesetzt wurden. Da das Gas nie bis zu den rückwärtigen Linien gelangte, waren Pferde wohl höchst selten mit Gas in Kontakt. Wenn überhaupt, dann Zugpferde auf der Defensiv-Seite. Die in Sicherheit zu bringen war aber wahrscheinlich immer unmöglich, da ja nie nur Gasgranaten eingesetzt wurden und retierierende Pferde den normalen Granaten zum Opfer gefallen wären. Wenn du mich fragst, waren die Pferdegasmasken ein blöder Propagandatrick.


Weshalb sollte Gas nie bis zu den rückwärtigen Linien gelangt sein? Gas wurde bei entsprechendem Windzug zum Gegner eingesetzt, daß heißt, das Gas wurde mit dem Wind natürlich auch nach hinten getragen, selbst wenn man "nur" die beiden vordersten Linien mit Gas beschoß. Natürlich in verdünnter Menge, aber zumindest so, daß man wohl in dem vom Gasangriff betroffenen Abschnitten die Maske bis hinten aufsetzte. Und wenn es nur zur "Restsicherheit" ist und um die Nebenwirkungen selbst kleinster Giftgaskonzentrationen in der Luft zu vermeiden.

Der Idealfall sollte sein, daß das Gas massiert die vorderste Linie des Gegners trifft, ideal kurz vor bzw. während des Vorrückens der eigenen Kräfte, dort aber nicht "stehenbleibt" um die eigenen Soldaten nicht zu gefährden bzw. ihnen möglichst bessere Bedingungen als dem Feind beim Kampf zu gewährleisten, und dann, während der Kampf vorn noch anhält, weiter zu den gegn. rückwärtigen Linien zieht, um dort wenigstens noch mäßigen Schaden bzw. Verzögerungen usw. zu verursachen.

Deshalb wählte man im Idealfall so eine Windgeschwindigkeit, daß der Gasstrom wie eine Art.walze wirkt und immer weit genug vor den vorrückenden Kräften ist um beim Feind zu wirken und die eigenen Truppen nicht zu gefährden.

Wenn man also bedenkt, daß es auch Fotos gibt, auf denen Artilleristen mit Gasmaske "arbeiten" die nun wirklich zumeist weit hinten, zumindest hinter den Grabenlinien standen, dann kann man nicht nur das o.g. nachvollziehen, sondern auch, daß entsprechend Pferden diese Masken angelegt worden sein müssen, denn diese Zugpferde für die Art. dürften sich in der Nähe der Battr. zwecks Stellungswechsel etc. befunden haben.
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 146608 | Verfasst am: 29.04.2008 - 15:17    Titel: Antworten mit Zitat

Bin doch noch fündig geworden.
Ich denke, das hilft schon mal weiter. Jetzt müßte sich nur noch jemand finden, der das Buch „Der chemische Krieg“ hat. Lachen

http://i29.tinypic.com/2yl9puq.jpg
Zitiert aus: Die deutsche Kavallerie im Ersten Weltkrieg, von Alfred Satter
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 146609 | Verfasst am: 29.04.2008 - 15:40    Titel: Antworten mit Zitat

Ah, perfekt, danke! Gut gemacht! Das ist wirklich sehr hilfreich!

Und so wurden also doch noch große Reiterformationen vom Gas vernichtet - von diesem Zwischenfall habe ich noch nie etwas gehört.
Auch zu den Augen und zu den Öffnungen am Gebiss hat sich die Frage so fast beantwortet...

Super Arbeit, dauerwelle!

Das Buch "Der chemische Krieg" hab ich leider nicht...

Horrido!

Nicole


Zuletzt bearbeitet von Reiter am 29.04.2008 - 15:48, insgesamt 2-mal bearbeitet
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dauerwelle
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BeitragBeitrags-Nr.: 146610 | Verfasst am: 29.04.2008 - 15:47    Titel: Antworten mit Zitat

Reiter hat Folgendes geschrieben:

Das Buch "Der chemische Krieg" hab ich leider nicht...

Horrido!

Nicole


Schade. Zwinkern
Antiquariate wollen da nämlich um die 250 Eurotaler dafür.... Ärgerlich
Das ist ein wenig viel, finde ich...
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 146611 | Verfasst am: 29.04.2008 - 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

Habe grade beim guugln diese Dissertation als PDF-Datei gefunden:

Giftgas im Ersten Weltkrieg- Was konnte die deutsche Öffentlichkeit wissen?

Von Wolfgang Wietzker, ca. 3,3 Mb, 332 Seiten

Winken

Jan-Hendrik
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Harry64
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BeitragBeitrags-Nr.: 146655 | Verfasst am: 30.04.2008 - 19:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nicole,

hier mal ein paar Anmerkungen aus der Bibel des Heeresveterinärwesens von Fontane "Das Deutsche Heeresveterinärwesen" leider nicht meins, nur von meinem Onkelchen geliehen.

"Als ganz neuartige Vergiftungen sind die Kampfstoffvergiftungen zu nennen. Beim Pferde waren Erkrankungen und Verluste jedoch verhältnismäßig gering. Die Ursache dafür ist darin zu suchen, daß im Gegensatz zu den im Schützengraben befindlichen oder im Gelände liegenden Soldaen und zum Hund, das Pferd im allgemeinen weniger konzentrierten Kampfstoff einatmet, weil es mit der Nase höher über dem Boden steht und bei der ausschließlichen Nasenatmung durch die langen und engen Wege der Nasengänge die Wirkung mancher Kampfstoffe abgeschwächt wurde. Hinzukommt, daß das Pferd sich meist nur kurze Zeit in vergasten Zonen aufhielt und entfernter von der vordersten Linie war. Nach Entfernen der Pferde aus dem Gasbereich kamen Sauerstoffbehandlungen, ergiebiger Aderlaß und Herzmittel zur Anwendung. Bei Erkrankungen durch Gelbkreuzstoffe wurden die Haut mit Chlorkalk oder Kaliumpermanganat, die Augen mit Borwasser und alkalischer Augensalbe, Lungenerkrankungen oder Herzschwäche ähnlich wie beid den anderen Kampfgaserkrankungen behandelt. Größte Vorsicht war bei der Verwendung von Wasser und Futter geboten, das mit Kampfstoffen in Berührung gekommen war."

Harry Winken
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Reiter
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BeitragBeitrags-Nr.: 146656 | Verfasst am: 30.04.2008 - 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Harry, Winken

oh super!! Das ist ein sehr interessanter und aufschlussreicher Ausschnitt Gut gemacht!
Ich danke dir vielmals dafür! Zwinkern

Warum war denn Aderlaß nötig? Wurde das auch mit Soldaten so gemacht, wenn sie Gas eingeatmet haben?

Horrido!

Nicole
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 146657 | Verfasst am: 30.04.2008 - 20:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ist das zufällig jener Generalstabsveterinär Prof. Dr. Hans Fontaine, der auch ab 1943 Kdr. der Heeres-Veterinärakademie war Fragend

Winken

Jan-Hendrik
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Harry64
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BeitragBeitrags-Nr.: 146658 | Verfasst am: 30.04.2008 - 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich Dich nicht hätte Zwinkern

Fontane ist Blödsinn.
Generalstabsveterinär Professor Dr. Hans Fontaine. Genau jener welcher.
Herausgegeben und redigiert im Auftrage des Veterinärinspekteurs im Oberkommando des Heeres. So stehts auf dem Vorblatt.

Harry Winken
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 146659 | Verfasst am: 30.04.2008 - 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

hier noch ein Bild von ihm, wenn auch kein sonderlich tolles Winken

Winken

Jan-Hendrik
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