Identifizierung Königsberg Geschütze im Landeinsatz DOA
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 175081 | Verfasst am: 27.08.2009 - 08:44    Titel: Identifizierung Königsberg Geschütze im Landeinsatz DOA Antworten mit Zitat

Als kurze Einleitung für interessierte Mitleser:
Neben der Schutztruppe in DOA war 1914 der kleine Kreuzer „S.M.S. Königsberg“ als Stationsschiff in Dar-es-Salaam stationiert

Nach Kriegsausbruch verschlug es das Schiff nach erfolgreicher Feindfahrt in das Rufiji-Delta, wo es nach einer monatelangen Blockade zerstört wurde
(Die ganze Geschichte wäre einen eigenen Thread wert)
Nach der Selbstversenkung wurde das Schiff ausgeschlachtet, die Hauptarmierung von zehn 10,5 cm SK geborgen und in das Arsenal der Schutztruppe eingereiht
Diese Geschütze waren die schwersten eingesetzten Landgeschütze des Ostafrika-Feldzuges auf beiden Seiten

Bagamojo, Kahe, Goetzen und DeS konnte ich zuordnen
Jetzt zu den Bildern, für die ich weder Ort noch Zeit kenne:

1
http://i32.tinypic.com/w0ouxg.jpg
Könnte Tanga sein

2
http://i29.tinypic.com/5mk5e8.jpg
unbekannt
3
http://i25.tinypic.com/2dubfh5.jpg
4
http://i26.tinypic.com/2jfzm8n.jpg
Ich vermute ein und dasselbe Geschütz aus versch. Perspektiven

5
http://i28.tinypic.com/s338yo.jpg
unbekannt

6
http://i26.tinypic.com/254zz0z.jpg
Die traurigen Reste (Eigenbaulafette?)

(Die jeweiligen Bildquellen editiere ich nach, sobald ich den entsprechenden Ordner wiedergefunden habe, mittlerweile stapeln sich 1,4 GB Texte auf meiner Platte)

So, Holger
Für Dich sind das sicher alte Hüte, aber ich habe da eben noch so meine Defizite

Olav
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 175084 | Verfasst am: 27.08.2009 - 10:22    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nach Kriegsausbruch verschlug es das Schiff nach erfolgreicher Feindfahrt in das Rufiji-Delta, wo es nach einer monatelangen Blockade zerstört wurde
(Die ganze Geschichte wäre einen eigenen Thread wert)


Sehr lesenswert dargebracht in

Reinhard Karl Lochner Kampf im Rufiji-Delta- Das Ende des Kleinen Kreuzers Königsberg

Meine Meinung

Jan-Hendrik
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175089 | Verfasst am: 27.08.2009 - 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

@Jan Hendrik

Stimmt! Ein absolutes Muß. Sehr lesenswertes Buch.
Damit habe ich vor 20 Jahren angefangen mich überhaupt näher mit dem Thema zu beschäftigen.


@Olav
Nun mal nicht so bescheiden!

Zu deinem Bild 1
Die gegossene Betonbettung könnte aus Tanga oder Daressalam stammen.
(Ich vermute Daressalam) Warum? – In Tanga gab es ein Geschütz, in Daressalam fünf Geschütze.
Hat also nur etwas mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun.

Kevin Patience schreibt in seinem Buch das dieses Geschütz auf dem Foto in Daressalam stand!?!
KONIGSBERG – A German East African Raider
http://zanzibar.net/zanzibar/zanzibar_books/kevin_patience_series

Bild 7 zeigt mal den Standort der ersten 5 Geschütze (Hat R. K. Lochner dann ja später auch verwendet)
http://i32.tinypic.com/mljmlj.jpg


Zu deinem Bild 2
Zeigt die Mittelpivotlafette und den umgestürzten Schutzschild auf dem sogenannten Elefantenfuß
2,5 km Südwestlich von Kigoma am Tanganjika-See nach dem 22. Juli 1916. Auf dem belgischen
Orginalfoto ist zu mindestens dieser Hinweis vorhanden.
Stammt ebenfalls von: http://www.ub.bildarchiv-dkg.uni-frankfurt.de
Siehe auch: http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=9654.0

Zu deinem Bild 3 + 4
Würde ich ebenfalls sagen daß dies das gleiche Geschütz darstellt.
Völlige Übereinstimmung in der Konstruktion der Räder, der Formgebung des Lafettenholms,
der Lage und Aufbau der Protze und natürlich der Landschaft (siehe auch Kommentar zu Bild 6 + 7)

zu deinem Bild 5
Meinen Recherchen zufolge ist dies, das Geschützrohr mit einer selbstgebauten Lafette, welches vorher
Auf der Lafette in Bild 2 montiert war. Warum?
http://www.geocities.com/cdferree/tanganjikasee/tangan.html, ein Beitrag über die Kämpfe auf dem Tanganjika See: By Dennis L. Bishop and Holger Dobold: A Gunboat War in Deutsch-Ostafrika 1914 – 1916.

a) Eindeutig eine 10,5-cm-Königsberg-Kanone mit selbstgebauter, vernietender Lafette, also keiner serienmäßigen Krupp-Lafette, wie sie mit dem Hilfsschiff ,,Marie´´ ankam.
b) Veröffentlichung aus Belgischen Archiv; in unzerstörtem Zustand erbeutet, – wie es, nachgewiesener Aufstellung zufolge, eigentlich nur im Raum Tabora, durch die Belgier geschehen konnte.
c) Der sehr detaillierte und sachliche Bericht handelt von Kampfhandlungen um den Tanganjika See, wozu Tabora ja noch gehören könnte.
d) Soweit vom Erkennen einer Landschaft gesprochen werden kann, zeigt diese kein Grün und sehr steinigen Untergrund, - passend zum Ende der Trockenzeit im September im Raum Tabora.
e) Die abgebildete Person ist wahrscheinlich ein belgischer Askari, mit einer dunkelblauen Uniformjacke/Tunika wie sie bis Mitte 1916 noch häufiger von Streitkräften der Force Publik getragen wurde, sowie mit kurzen Hosen, ebenfalls bei belgischen, aber auch englischen Askaris üblich.
f) Die von Hans Apel erwähnte Verbringung einer serienmäßigen Krupp-Lafette nach Kigoma, und dieser photographische Beleg, dass dies keine dieser Lafetten ist, also die Krupp-Lafette in Korogwe (siehe 6. Korogwe) gesprengt wurde, lässt die Vermutung zu, das dieses Foto, das 10,5-cm-Geschütz der hier abgehandelten Kanone auf dem Ngerukahügel (7. Tabora) darstellt.

Zu deinem Bild 6
Sehr schön! Ist für mich neu! Warum aber sollte jemand die Räder abbauen?
Ich gehe jetzt mal davon aus, daß diese Aufnahme von den Briten stammt. Dann gibt es doch nur
eine Möglichkeiten wenn dieses Geschütz als Trophäe oder sogar noch für einen Einsatz bei den eigenen Einheiten gebraucht werden soll.
Die Räder oder die Achse sind beschädigt oder defekt, und man will diese reparieren oder austauschen.
Oder fällt jemanden sonst etwas Plausibles dazu ein?

(Gute Idee mit der Durch-Nummerierung der Fotos; werde ich auch weiter fortführen)
Bei diesem Bild 8 vermute ich mal, das es das gleiche Geschütz vor der Demontage der Räder handelt!
http://i27.tinypic.com/2ep5b39.jpg


Zusammenfassend: Bild 3, 4, 6 + 8 zeigen für mich das gleiche Geschütz. Warum?
Landschaftliche Ähnlichkeit und; endscheidend der identische Detailaufbau der Radlafette.

Oberleutnant z. S. Hans Apel gibt sich auf diesem Bild 9 selber (und im Text seiner Abhandlung)
als Geschützführer zu erkennen.
http://i25.tinypic.com/2v1rur5.jpg

Das folgende Bild 10 zeigt die bekannteste Abbildung eines Königsberggeschützes. Bei genauer
Betrachtung ist die genaue Übereinstimmung in allen Aufbaudetails zu den o.g. Bildern 3, 4, 6 + 7
Erkennbar. Diese Geschütz ging nachweislich am 15. Januar 1917 bei Kibata verloren. Es gab auch
nur 3 bzw. 4 selbstgebaute Lafetten (später mehr) Andere Detailfotos zeigen sehr deutliche Unter-
schiede in dem Aufbau der selbstgebauten Lafetten. Aus Urheberrechtlichen Gründen können wir
diese, aus dem Buch von Kevin Patience hier natürlich nicht abbilden.
http://i30.tinypic.com/2eq4c3a.jpg

Gruß Holger
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 175105 | Verfasst am: 28.08.2009 - 13:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Holger

wegen knapper Zeit erstmal nur
Gut gemacht!
Ich melde mich dann nächste Woche wieder, wenn ich zurück bin

Olav
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175194 | Verfasst am: 30.08.2009 - 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Na dann versuche ich die Zeit zu nutzen . . .

Um eine ansatzmäßige Struktur in die Diskussionen dieses Threads zu bekommen
schlage ich einfach mal folgende Gliederung vor:

I. Geschützliste
II. Lafetten-Aufstellung
III. Lafetten-Differenzierung
IV. Einzelschicksale und Fotozugehörigkeit


I. a) Geschützliste
Beigefügt ist nochmal eine Liste mit den 10,5-cm-SK L/40 Geschützen und einer Nummerierung.
Nicht weil sie das Maß aller Dinge ist, sondern damit überhaupt eine Diskussionsgrundlage besteht.


1.)21. März 1916Kahe – Bezirk XVII Moshi – Auf Mittelpivotlafette
Daressalam - Tanga - Korogwe (Usambara) - Kahe
Artillerieführer: Korvetten-Kapitän a.D. Werner Schönfeld
bei Abteilung Stemmermann / Nordtruppen unter Hauptmann Kraut

2.)18. Mai 1916Kondoa-Irangi – Bezirk XVI Kondoa-Irangi – Auf Krupp Lafette
Daressalam - Dodoma - Kondoa-Irangi
Geschützführer: Leutnant z.S. Reinhold Kohtz
bei Abteilung v. Chappuis / Kommando unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck

3.)14. Juli 1916Muansa – Bezirk XIX Muansa – Auf Mittelpivotlafette
Daressalam - Tabora - Muansa
Artillerieführer: Oberleutnant d.R. Dr. Alfred Vogel
bei Abteilung Muansa - / v. Oppen / Westtruppen unter Generalmajor Wahle

4.)15. August 1916Bagamojo – Bezirk IV Bagamojo – Auf Krupp Lafette
Daressalam - Bagamojo
Geschützführer: Leutnant d.R. d. Matr.Art. Dr. Paul Friedrich
bei Abteilung von Bock / Osttruppen unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck

5.)30. August 1916Mkuyuni – Bezirk V Morogoro – Auf selbstgebauter Lafette
Daressalam - Lembeni - Korogwe - Handeni - Mlembule - Kanga - Kwedihombo - Morogoro - Mkuyuni
Geschützführer: Leutnant z.S. a.D. Udo v. Eucken-Addenhausen
bei Abteilung Stemmermann / Osttruppen unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck

6.)2. September 1916Korogwe – Bezirk XIV Tabora – Auf Krupp Lafette
Daressalam - Kigoma - ,,Götzen´´ - Dodoma - Kondoa-Irangi - Tabora - Korogwe (Kahama)
Geschützführer: Leutnant z.S. Reinhold Kohtz
bei Abteilung v. Linde-Suden / Westtruppen unter Generalmajor Wahle

7.)18. September 1916Tabora – Bezirk XIV Tabora – Auf selbstgebauter Lafette
Daressalam - Kigoma - ,,Elefantenfuß´´- Gottorp - Ussoke - Lulanguru - Tabora (Itaga / Ngeruka Hügel)
Geschützführer: Leutnant z.S. Reinhold Kohtz
beim Kommando der Westtruppen unter Generalmajor Wahle

8.)15. Januar 1917Kibata – Bezirk VIII Kilwa – Auf selbstgebauter Lafette
Daressalam - Kissidju - Utete - Rufidji - Mohoro - Kibata (Mbwara)
Geschützführer: Oberleutnant z.S. Hans Apel
bei Abteilung Schulz / Osttruppen unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck

9.)27. Oktober 1917Mahiwa – Bezirk IX Lindi – Auf selbstgebauter Lafette
Daressalam - Utete - Liwale - Lukuledi - Newala - Mpotora - Lindi - Narunju - Mahiwa
Artillerie- und Geschützführer: Oberleutnant z.S. Richard Wenig
bei Abteilung Wahle / Osttruppen unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck

10.)28. Oktober 1917Massassi – Bezirk IX Lindi – Auf Krupp Lafette
Daressalam - Tanga - Pangani - Mlembule - Kwedihombo - Kilossa - Kidodi - Ifakara - Saidi - Liwale - Massassi
Geschützführer: Leutnant z.S. d.R. Wilhelm Frankenberg
bei Abteilung Kraut / Osttruppen unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck

Gruß Holger
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 175196 | Verfasst am: 30.08.2009 - 13:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ich geh mal davon aus, das Ihr beide die Publikationen auf dieser Webseite schon kennt Zwinkern

Winken

Jan-Hendrik
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175221 | Verfasst am: 31.08.2009 - 08:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jan-Hendrik

Vielen Dank für den Hinweis. In den folgenden Artikeln finden sich Hinweise zu diesem Thema.
Der I. Weltkrieg auf den Seen von Deutsch-Ostafrika
SMS Königsberg
Tarnkappen-Blockadebrecher Kurs Sansibar


In diesem Beitrag findet sich u.a. ein Hinweis eines Fundes in einem Hamburger Keller:
Die Schlachten am Ostkilimandscharo und bei Bagamojo im Jahre 1916
und die Geschichte der 10,5 cm-Königsberg-Geschütze

Der Autor dieses Artikels war so freundlich einige Seiten aus diesem einzigartigen Fund zu Verfügung
zu stellen. Zwei Seiten will ich hier mal zeigen. Es handelt sich um eine Aufstellung der Artillerieverbände
der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika im 1.WK.

Bei näherem Hinsehen bestätigt diese folgende Liste, die obere I. a) Geschützliste, bis auf eine
Ausnahme, vor allem in Bezug auf die Verlustorte und Daten.

I. b) Geschützliste

http://i29.tinypic.com/rbw0zo.jpg
http://i32.tinypic.com/11kds1c.jpg

Gruß Holger
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 175247 | Verfasst am: 01.09.2009 - 07:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jan-Hendrik
Ja, vielen Dank
Damit habe ich seinerzeit angefangen
Leider hat mir das bei der Bild-Identifizierung nicht weitergeholfen Zwinkern


Hallo Holger

Du bringst wirklich Kracher!

Das sind ergänzend die Daten zu den 10,5cm SK, wie sie von Smuts notiert wurden

14. Juli Muansa
15. August Bagamojo
??. August O Uluguru/Ruwu * *
25. August W Uluguru/ N Kisagale Hill **

Damit es besser verständlich ist, hier der O-Text:
* (41)
http://i28.tinypic.com/2jg57ok.jpg

**(42)
http://i31.tinypic.com/2l95etu.jpg

Muansa und Bagamojo sind klar, aus den beiden anderen werde
ich aber nicht so recht schlau
Die in (41) beschriebene geht ja aus der obigen Liste hervor,
aber die andere?

Olav
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175254 | Verfasst am: 01.09.2009 - 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Olav,

also gehen wir erst mal den ersten Verlust durch:
Zitat:
??. August O Uluguru/Ruwu * * (41) S. 378 Appendix VII

Die Ortsangabe des Flusses Ruvu hinter Morogoro in den Uluguru Bergen, ist noch der genaueste Hinweis
in der englischen Quelle. Dies ist unser 5. Geschütz Mkuyuni, verloren am 30. August 1916. Da schon
alles digitalisiert ist, im Folgenden nur die Textsequenzen aus deutschen Quellen zum Verlust des Geschützes.

Kriegserinnerungen aus DOA 1914 – 1917, Privatdruck o. J.
Hermann J. Müller , Heft I Blatt 36 + 37 , Heft II Blatt 1.

. . . Weiter ging es durch Sandwege über Hügel und die fruchtbare Ebene bis zum Schnittpunkt der Strasse Mikesse – Kissaki – eine im Kriege hergestellte Strasse von ca. 6 m Breite, als Autostrasse gebaut, daher waren die Steigungen mit wenigen Ausnahmen gering und das Geschütz rollte verhältnismassig leicht dahin. Die Strasse führte durch herrliche Gegenden west. der Strasse das Uluguru-Gebirge, östl. die Ausläufer des Gebirges, teilweise schon Ebenen. . . . Am anderen Morgen zogen wir nach Mkuyuni und sollten hier dem Geschütz das Grab bereiten. . . . Das Geschütz war auf einem Hügel aufgebaut, um davor liegende Hügel überschießen zu können. Nach Aufnahme der nach Norden und Nordwesten gehenden Strassen und Anfertigung der Karten waren wir ,,bereit´´, und brauchten nicht lange zuwarten! Am 30. August (1916) wurde früh bereits von Seiten des Feindes angegriffen, wir erhielten Befehl – einzugreifen und nach Abschuss der Munition das Geschütz zu sprengen. Ein trauriger Befehl! Aber was half es? Ein Führer gleich Schoenfeld welcher dem Abteilungsführer entgegentreten konnte, hatten wir in Eucken nicht – also hiess es nur: Befehl ausführen. Abends gegen 6 Uhr hatten wir unsere Munition verschossen und gegen 7 Uhr ging das Geschütz in Stücke. Die Sprengung war aber nicht so gut wie bei Kahe, ob es am Regen lag? Die Züge des Rohrs waren herausgesprengt und der Mantel gerissen, sodass ich noch zwei weitere Sprengungen am Rad vornahm, um das Geschütz fahrunfähig zu machen. Die Kartuschen [Hülsen 111 Stck. ca. 5 kg Messing] wurden in einer der Höhlen versteckt, die letzten Sachen und Werkzeuge gerettet und wir zogen in die Nacht hinaus - stellungslose Kanoniere!
Am 30. August 1916 abends gegen 11 Uhr verliessen wir den uns so stets in so traurigem Gedächtnis verbleibenden Ort Mkuyuni, um uns der Abt. Stemmermann in Chimbosa anzuschliessen. . . . Nach 2 stündigem Marsch durch teilweise Urwald erreichten wir Chimbosa – es war ein seltener Anblick, bei Fackelschein den Übergang der Haubitz-Batterie mit ihren vielen Wagen über die Ruvubrücke (Oberlauf des Kingani) sehen zu können. Es hiess, wir hätten mit unserem 10,5 Geschütz diese Brücke nicht passieren können und daher der Befehl zu Sprengung; doch wären wir bei Tage mit dem Geschütz weitergezogen, wir hätten das Geschütz durchgebracht – aber was nützt es, jetzt reden – es ist gewesen! . . .


Mit Lettow-Vorbeck durch Afrika, August Scherl Verlag, Berlin 1919.
Ludwig Deppe , Anhang , Unsere Artillerie , S. 477.

. . . Nach Vernichtung des Kahe-Geschützes wurde Kapitän Schönfeld ein fahrbares 10,5-Geschütz von Daressalam geschickt, das bei Kanga (Mlembule) und Tuliania schoß und im August 1916 hinter Morogoro vernichtet wurde. . .

Die Operationen in Ostafrika im Weltkrieg 1914 – 1918, Verlag Walter Dachert, Hamburg 1951.
Ludwig Boell , S. 225 + 226.

. . . Nachdem am 27. (August 1916) und 28. die bei Kikundi und Kiroka stehenden Kampfpatrouillen zurück-gedrängt worden waren, wurde die Stellung der Abteilung Stemmermann am 29. (August 1916) durch die von Mikesse kommende Brigade Hannyngton angegriffen. Die Brigade Sheppard und die Divisionstruppen sammelten sich bei Kiroka. Hauptmann Stemmermann musste in der Nacht, da östlich umgangen, hinter den Ruvu zurückgehen, durch das Gefecht war jedoch erreicht worden, daß die im Magazin Cimboza; am Ruvu noch liegenden 2000 Lasten Verpflegung hatten abtransportiert werden können. Da ein Transport der 10,5-cm-Kanone über den Ruvu nicht möglich war, hatte sie ihre ganze Munition verschossen und war nachts gesprengt worden. . . (30. August 1916)

Kampf um Deutsch – Ostafrika, Verlag Gebrüder Jänecke, o. J.
Wilhelm Arning , S.196 + 197.

. . . In Duthumi, 20 Kilometer vor Kisaki, trafen v. Boemcken und Stemmermann zusammen; beide hatten eine ganze Reihe kleinerer Gefechte zu bestehen gehabt, in deren einem das bei letzterem befindliche 10,5-cm-Geschütz hatte gesprengt werden müssen, weil es nicht möglich gewesen war, die schwere Last auf den ungenügend vorbereiteten Wegen fortzubringen. . .

Deutsch Ostafrika , Kriegserlebnisse 1914 – 1920, Privatdruck, Erfurt 1925 / 1927.
Karl Ernst Göring , S. 68.

. . . Der Gegner schien hauptsächlich auf der Ost-Uluguru-Strasse nachzudrängen. Hauptmann Stemmermann, der das 10,5 cm Königsberg-Geschütz sprengen musste, durfte auf der östlichen Uluguru-Strasse nur langsam unter ständigen Kämpfen zurückgehen, damit wir für den Abtransport der Kissaki-Bestände und zur Bergung der Hirse-Ernte Zeit gewannen. . .


Bewertung:
Die Beschreibungen von WA, LB, LD, KG und besonders HM, lassen eigentlich keinen Zweifel aufkommen, daß dieses Geschütz am
30. August 1916 um 19 00 Uhr in Mkuyuni, 46 km südöstlich von Morogoro gesprengt wurde und damit verloren ging. HM beschreibt
auch die persönliche Übernahme des Geschützes aus Tanga (siehe 10. Massassi) durch Schoenfeld selber, so dass hier eine Verwechslung
ausgeschlossen werden kann.

R. K. Lochner gibt in seiner Lageskizze auf S. 372 dieses Geschütz weder mit Datum noch als graphische Darstellung an. Bis auf seine unter Nummer 6 angegebenen Darstellungen und der Zeitangabe sind seine Positionierungen aber sonst belegbar.

Bei Kevin Patience taucht diese Geschütz ebenfalls nicht auf, dafür zwei nicht nachweisbare am 28.7.1917 in Kigoma und am 3.9.1916 in Daressalam.

HM war vielfach eingesetzter Artillerist bei der Schutztruppe. Er gehörte zur Geschützbedienung von zwei ,,Königsberg´´ - Kanonen: (1. Kahe und 5. Mkuyuni) und zwei ,,Marie´´ - Haubitzen (3. Kiderengwa und 4. Njambindinga) und war unmittelbarer Augenzeuge der genannten Vorgänge.

Fotonachweis:
Einen direkten Fotonachweis für dieses Geschütz kann bisher nicht erbracht werden.

Kurzfassung:
Das Geschützrohr wurde mit der originalen Mittelpivotlafette und dem Schutzschild nach Bergung aus der Königsberg Ende Juli 1915
nach Dar es Salaam verbracht.
Als erstes Geschütz aus Dar es Salaam wurde es im März 1916 abgebaut, mit einer, in der Kolonie selbstgebauten, vernieteten Lafette
versehen und an die Nordfront geschickt.
Das Geschütz machte unter dem Korvettenkapitän a.D. Schoenfeld als Artillerieführer der Nordtruppen die Rückzugskämpfe von Lembeni
über Same, Mkomasi / Buiko, Mkumbara, Mombo bis Korogwe, entlang der Nordbahn von April bis Anfang Juni 1916 mit. Danach über
Land gezogen waren die weiteren Stationen; Handeni, Kwediboma und Pongwe. Bei Mlembule an der Kanga-Stellung fand mit einer
weiteren 10,5-cm-Kanone (siehe 10. Massassi) ein längerer Einsatz statt. Nach Transport über Morogoro wurde das Geschütz am
30. August 1916 in Mkuyuni gesprengt.

Gruß Holger


Zuletzt bearbeitet von Holger Kotthaus am 01.09.2009 - 13:35, insgesamt einmal bearbeitet
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175257 | Verfasst am: 01.09.2009 - 13:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Olav,

Da es sich meiner Ansicht nicht um ein 10,5-cm-Königsberggeschütz handelt; nur ganz kurz:

Zitat:
25. August W Uluguru/ N Kisagale Hill ** (42)

. . . As already stated, General Enslin´s Mounted Brigade reached Mlali on the 24th August . . .
Am 24. August 1916 ging am Mlali-Pass die erste 8,8-cm-SK L/30 der Schutztruppe verloren;
26 km Südwestlich von Morogoro. Geschützführer war Oblt. z.S. Ernst Wunderlich in der Abteilung Otto
Bei den Osttruppen unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck
Die Kaliberangabe mit 3.4-inch kommt ja auch ansatzweise bei 8,8-cm hin.

. . . On the 10th September Tulo was occupied, and Hannyngton´s brigade, which was leading the
advance, moved on towards Dutumi, . . .

Am 11. September 1916 ging bei Dutumi die achte C 73 Feldkanone der Schutztruppe verloren.
Artillerie- und Geschützführer: Oblt. d.R. d. Matr.Art. Dr. Hermann Hengstenberg (Batterie Hengstenberg)
im Bataillon `Tanga´ (spätere Abteilung von Boemcken);Osttruppen unter Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck
Das Geschütz wurde durch die 2. Ostafrikanische Brigade unter Brig. Gen. Hannyngton aufgefunden.

Hier mal eine Übersichtsskizze:
http://i32.tinypic.com/2ijht07.jpg

Gruß Holger
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BeitragBeitrags-Nr.: 175275 | Verfasst am: 02.09.2009 - 08:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Holger

Zu Bild 6 habe ich mittlerweile auch die Quelle wiedergefunden:
Illustrated War News, Vol.07, Dezember 1917
Lt. Bildtext wurde sie in diesem Zustand aufgefunden
Dann hätten wir auf Bild 3,4 und 8 eine andere Kanone
Vorausgesetzt, der Bildtext ist zutreffend

Hermann J. Müller beschreibt, das er die Räder seines Geschützes zusätzlich gesprengt hat, um es bewegungsunfähig zu machen
Das könnte hier ja auch geschehen sein

Olav
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175279 | Verfasst am: 02.09.2009 - 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Olav,

Toll; Bei dem Bildtext und deinem Hinweis mit der Sprengung der Räder, stimme ich dir absolut zu,
daß es sich höchstwahrscheinlich um das Geschütz 5. Mkuyuni, ebenfalls mit einer selbstgebaute
Lafette handelt und nicht 8. Kibata.

Zur II. Lafetten-Aufstellung

Ausgangspunkt ist:
Es wurden für die zehn 10,5-cm-SK des Kreuzers Königsberg drei Lafetten-Typen benutzt.

a) 2 Stück serienmäßige Mittel Pivot Lafetten C/1906
b) 4 Stück serienmäßige Rad Lafetten von Krupp
c) 4 Stück selbstgebaute Rad Lafetten

Anbei mal zwei hilfreiche Textpassagen, zum Thema Lafetten Identifizierung:

Kreuzer Königsberg, 1.WK, DOA, Lebensbericht, 5. Die Schiffsgeschütze als Artillerie der Kaiserlichen Schutztruppe, Privatdruck o.J.
Hans Apel , S. 40.

. . . Ende März 1916 (Tagesanbruch 16. März) war im Südlichen Teil der Kolonie der zweite Hilfsdampfer
`Marie´ unter Kapitän Sörensen, in einer Bucht nahe Lindi (Ssudi) eingelaufen und konnte
ungehindert vom Gegner seine Ladung von Bord geben. . . . Die an Land gegebene Ladung bestand
aus vier Lafetten für unsere 10,5 cm Geschütze, . . . Diese aus der Heimat gesandten neuen
Lafetten waren schwere Fahrzeuge mit Schutzschilden, wohlgeeignet für feste europäische
Landstraßen und kräftige Zugtieren. Für die Wegeverhältnisse im Busch erwiesen sie sich jedoch
zunächst als wenig geeignet. Es wurden die Schutzschilde abgenommen und aus ihnen die dringend
notwendigen Schutzschilde für Maschinengewehre angefertigt. Über die sehr schmalen Räder zogen
wir 25 cm breite Eisenbänder. Sie boten eine gewisse Gewähr dafür, daß die Fahrzeuge bei
sandigen und aufgeweichten Wegen nicht zu tief einsanken. Zwei dieser Lafetten gingen sofort
nach Umbau mit zwei Daressalamer Geschützen an die Front, eine dritte ohne Geschütz nach Kigoma. . .

Verwendung von Schiffsgeschützen im ostafrikanischen Feldzug 1914 – 1918 , Marine – Rundschau, JG. 1927 , Heft 3.
Anton Ruhland , S. 104.

. . . Gleich nach der Ankunft der ,,Königsberg´´-Geschütze in Daressalam hatte man mit dem Bau von
vier fahrbaren Geschützlafetten begonnen. Die Konstruktion und den Bau der ausgezeichnet
bewährten fahrbaren Lafetten leitenden der Artillerieoffizier der ,,Königsberg´´, Kapitänleutnant
Apel, der Oberleutnant der Fußartillerie Häuser und der Betriebsleiter der Flottillenwerft in
Daressalam, Müller. Sehr gelegen kam für den Bau der Umstand, daß zu einer für den August 1914
in Daressalam geplanten Kolonialausstellung eine Anzahl von Pflanzungslokomobilen noch eben vor
Kriegsausbruch in Daressalam angekommen war. Die Fahrgestelle dieser Maschinen wurden zum
Bau der Geschützlafetten verwandt. Das im April in der Sudi-Bucht im Süden der Kolonie
eingelaufene zweite Hilfsschiff, ,,Marie´´, brachte noch vier Kruppsche Lafetten für die 10,5 cm-S.K.
aus der Heimat mit, so daß später die damals noch vorhandenen acht ,,Königsberg´´-Geschütze
fahrbar gemacht werden konnten. Die Krupp-Lafetten waren mit Protze zur Aufnahme einer
geringen Menge Bereitschaftsmunition versehen und waren sehr schwer. Sie hatten das ansehnliche

Gewicht von 2,5 t [Rohr 2 t], eigneten sich daher nicht so gut für den Buschkrieg wie die von uns in
der Kolonie selbst gebauten leichteren Lafetten. Bis zur Räumung Daressalams im September 1916
waren bereits drei (siehe 5. Mkuyuni, 2. Kondoa-Irangi und 4. Bagamojo) von den fünf fahrbar
gemachten ,,Königsberg´´-Geschützen an andere Stellen der Front befehlsgemäß abgegeben
worden. Die beiden letzten Daressalamer Geschütze (siehe 8. Kibata und 9. Mahiwa) traten mit
dem Rest der Truppe den Marsch entlang der Küste nach Süden an. . .


Im Folgenden mal eine erste Aufstellungsliste in der nur M.P.L zum Einsatz kamen:

Erste Standorte - Geschütz - Zeitraum des Standortes

1. Geschütz in Tanga (1. Kahe) vom 17. August 1915 bis 10. März 1916
2. Geschütz in Tanga (10. Massassi) von Ende Oktober 1915 bis 7. Juni 1916

1. Geschütz in Daressalam (5. Mkuyuni) von Ende Juli 1915 bis 10. März 1916
2. Geschütz in Daressalam (2. Kondoa-Irangi) von Ende Juli 1915 bis Ende April 1916
3. Geschütz in Daressalam (4. Bagamojo) von Ende Juli 1915 bis Anfang August 1916
4. Geschütz in Daressalam (8. Kibata) von Ende Juli 1915 bis 26. August 1916
5. Geschütz in Daressalam (9. Mahiwa) von Ende Juli 1915 bis 26. August 1916

Geschütz in Muansa (3. Muansa) vom 12. September 1915 bis 14. Juli 1916

1. Geschütz in Kigoma (6. Korogwe) von August 1915 bis 18. Mai 1916
2. Geschütz in Kigoma (7. Tabora) von August 1915 bis 22. Juli 1916

Gruß Holger
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175407 | Verfasst am: 06.09.2009 - 12:08    Titel: Antworten mit Zitat

Im Folgenden soll noch mal näher auf die Lafettentypen der einzelnen Geschütze eingegangen werden.
Die Mittelpivotlafetten M.P.L. sind wahrscheinlich noch am unstrittigsten, und zu den selbstgebauten
Lafetten
soll später noch etwas detailierter eingegangen werden.

Es geht hier mal um die vier serienmäßigen Krupplafetten welche mit dem Hilfsschiff / Blockadebrecher
„ Marie ” am 16. März 1916 angeliefert wurden.

Ist jemanden bekannt um welchen genauen Lafettentyp es sich gehandelt hat?

Da es deutliche Unterschiede zu den beiden Lafetten in Mombasa / Kenia und Pretoria / Südafrika gibt,
hier erst mal ein paar kommentarlose Fotos als Vergleich zu dem Geschütz in Mombasa / Kenia mit
alten Geschütz- bzw. Lafettentypen im Kaliber 10,5-cm, die in geringen Stückzahlen produziert wurden.

Bild 11 und Bild 12
http://i30.tinypic.com/358290g.jpg. http://i28.tinypic.com/zo6txv.jpg

Bild 13 und Bild 14
http://i32.tinypic.com/qs1am8.jpg. http://i27.tinypic.com/qn9p2u.jpg

Meinem Wissen nach, wurde dieses Marinerohr 10,5-cm-SK L/40 in Deutschland nicht serienmäßig
mit eine Radlafette ausgestattet. Daher kann es sich mit der Lieferung der vier Krupplafetten nach
DOA nur um eine `individuelle Anpassung´ gehandelt haben. Die oberen Bilder können daher auch nur
als optischer Vergleich, ohne den geringsten Beweis gewertet werden.

Vielleicht gibt es ja einen Spezialisten unter euch, der sich damit besser auskennt.

Gruß Holger
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 175917 | Verfasst am: 19.09.2009 - 13:24    Titel: Antworten mit Zitat

Anbei; vielleicht schon bekannte Bilder, als Fotonachweis des Geschützes welches als erstes der `Zehn´,
am 21. März 1916 bei Kahe an der Nordbahn, unweit des Kilimandjaro verlorenging.

Das Foto stammt aus dem Magazin von http://www.traditionsverband.de/ aus einem Artikel von Olav Halle
Über die Kämpfe am Kilimandjaro und an der Küste im Jahr 1916.
http://i34.tinypic.com/11wcbk5.jpg

Das folgende Foto zeigt das selber Rohr beim Aufladen auf einen Wagen durch Südafrikanische Truppen.
http://i37.tinypic.com/148ptgw.jpg
Es stammt aus dem GWF von http://1914-1918.invisionzone.com/forums/lofiversion/index.php/t65037-0.html
Über die Geschichte der Loyal North Lancashires in East Africa 1914 - 1918

Ein drittes Foto dieses gesprengten Geschützrohres befindet sich in dem Buch von Kevin Patience:
KONIGSBERG – A German East African Raider
http://zanzibar.net/zanzibar/zanzibar_books/kevin_patience_series
Er zeigt hier das Geschütz welches mit M.P.L. auf einem Betonsockel im Park des Gouverneurpalastes
In Daressalam steht. Das Foto wurde dort in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgenommen.


Dazu mal zwei passende Textpassagen von zwei Augenzeugen aus alten Quellen:

Kriegserinnerungen aus DOA 1914 – 1917, Privatdruck o. J.
Hermann J. Müller , Heft I Blatt 25 - 27

. . . So kam der 21. März heran, Frühlingsanfang, früh 5 Uhr begann das Gefecht, gegen 6 Uhr eröffneten wir das Feuer, es ging heiss her. Zweimal mussten wir den Stand verlassen, weil wir durch Schrapnells eingedeckt wurden, doch verlief alles gut. Die feindlichen Anmarschlinien waren gut sichtbar, besonders die Reiterei machte sich durch die Staubentwicklung erkennbar, daher brauchten wir nur eine Kreuzpeilung der Staubwolke zu nehmen, um den Feind wirksam befeuern zu können. Es ging, wie gesagt, heiss her, Flieger mit Bomben kreisten den ganzen Tag. Kurz nach Mittag hiess es, der Feind griffe auch am Kahehügel im Süden an; durch ca. 20 Schuss konnten wir auch hier den Feind vertreiben, welcher schon mit dem Bau einer Behelfsbrücke über den Pangani begonnen hatte. Mittags war eine Feuerpause, doch nachmittags ging es um so kräftiger los, hing doch die Entscheidung des Tages hiervon ab. Einen sehr guten Treffer konnte ich vormittags beobachten wie nach verschiedenen Schüssen von uns auf die Stellung einer feindlichen Batterie eine ganz gewaltige Staubwolke und Rauch hochstieg; wir müssen da feindliche Munition zerstört haben oder das Geschütz, den die Batterie stellte das Feuern ein. So verging der Tag. 168 Schuss wurden von unserem 10,5 gefeuert, dann kam der Kommando-Befehl, das Geschütz zu sprengen, da es an Mannschaften, besonders Trägern fehlte, um das Geschütz abzubauen. Gegen 8 Uhr ging das Geschütz in Trümmer – es wurde einem weh ums Herz, so das erste Geschütz verloren gehen zu sehen. Die Sprengung war gut, Rohr geplatzt, aus dem drehbaren Unterbau herausgeschleudert, Schildzapfen abgeschoren – ein Bild der vollsten Zerstörung! Es war gute Arbeit.

Geraubtes Land
Werner Schoenfeld , Alster Verlag, Hamburg 1927, Seite 174 - 177

. . . Meine in Daressalam gewonnen Eindrücke waren nicht günstig. Die zu deutschen Zeiten sorgsam gepflegten Gärten in dem so reizvoll ausgebauten Villenviertel sahen vernachlässigt aus, ebenso die Anlagen um das von den Engländern neuerbaute Gouverneurshaus. . . . Nach der Rückkehr wurde meine Aufmerksamkeit in einer der Gartenanlagen unmittelbar vor der Landfront des Gouverneurshauses – die andere Front wendet sich dem Meere zu – von einem dort aufgestellten Geschützrohr angezogen. Näherkommend begrüßte ich in diesem langen, schlanken Rohr einen lieben, alten Bekannten.
In der Kaheschlacht – bald nach dem Einbruch der Südafrikaner unter Smuts am Kilimandjaro – hatte dies Geschütz unter meinem Kommando gestanden. Am Abend jenes Tages war es nach getaner Arbeit auf Befehl des General von Lettow gesprengt worden. Diesem braven Rohr war es an jenem denkwürdigen Tage beschieden gewesen, den schon am frühen Morgen durch die Brigade Deventer umfassten linken Flügel unserer Stellung zu retten. Durch ununterbrochenes Schnellfeuer gegen den von dort herandrängenden starken Gegner wurde nicht nur seine gesamte dort eingesetzte Feldartillerie außer Gefecht gesetzt, sondern auch der beabsichtigte Stoß in den Rücken unserer Stellung zurückgewiesen, während sich die bis zum späten Abend gegen unsere Mitte unter Einsatz der letzten Reserven ausgeführten Angriffe des General Smuts blutig totlief.
Als die Sonne sank war der Tag unser, aber auch die vorläufig letzte Granate verfeuert. Da für jene vom Wrack des Kreuzers Königsberg von meiner Abteilung im Rufijidelta abmontierten und hunderte von Kilometern über Land durch mehrere tausend Eingeborene auf Wagen gezogenen Schiffsgeschütze zunächst keine schweren Radlafetten verfügbar waren, war jenes in aller Eile von der mir unterstehenden Tangahafenverteidigung mit der Usambarabahn zum Kilimandjaro geschaffte Geschütz, auf seinem Schiffspivot ruhend, auf einen aus starken Doppel-T-Trägern erbauten viereckigen Unterbau in derselben Weise montiert worden, wie es auf dem Kriegsschiff gestanden hatte. Es konnte daher ohne jede Schwierigkeit nach allen Seiten, also 360 Grad in der Runde, feuern, wodurch seine Wirksamkeit sehr erhöht wurde. Das Feuer leitete ich damals von dem, Nashornhügel genannten, nördlichsten hohen Ausläufer des Paregebirges. Von dort ließ sich das durch hohe Wälder und durch mehrfach eingestreute Hügel sehr unübersichtliche große Gefechtsfeld vollkommen übersehen. Das Geschütz selbst feuerte, hinter dem hohen Uferwald des Ruwuflusses stehend, indirekt. Alle feindlichen Versuche, es durch zwei, über Mombasa-Voi herangeschaffte, 10,2 Zentimeter Pegasusgeschütze und dauernde Fliegerbombenangriffe unschädlich zu machen, misslangen. Als in der diesem Schlachttage folgenden Nacht die deutschen Truppen in die günstigere Stellung bei Lembeni verlegt wurden, gab General von Lettow den Befehl zur Sprengung, weil das Herunternehmen des schweren Rohres und Pivots mit einem Dreibeinbock und die Verfrachtung auf den – als einziges Transportmittel verfügbaren – von Menschen gezogenen Dampfpflugwasserwagen zu zeitraubend gewesen wäre. Mit einer für alle Fälle vorbereiteten, von der Mündung bis zum Bodenstück reichenden, in ein Blechrohr eingelöteten Dynamitsprengladung wurde die Sprengung so wirkungsvoll ausgeführt, daß das ganze Rohr an seiner stärksten Stelle, vom Verschluß bis etwa 1 ½ Meter nach vorne, weit klaffend aufgerissen und über 4 Meter weit weggeschleudert wurde . . .



Eines der, bis heute nachweisbar, noch vorhanden drei Geschütze befindet sich im Park der Union Buildings in Pretoria. Schöne Detailfotos von M.C. Heunis gibt es hier:
http://www.sacktrick.com/igu/germancolonialuniforms/militaria/koenigsberggun.htm

Merkwürdigerweise steht aber auf dem Mesingschild:

German Navy Gun
Kalibre 10,5 cm = 4,1 Inch
Captured by the S.A. 1st.
Mounted brigade and 2nd. S.A. Infanterie Brigade
at Kahe East Africa 21st. March 1916


Da heißt, das hier das Geschütz, welches am 21. 3. 1916, so markant zerstört wurde, in tadellosem
Zustand, und auch noch mit einer Radlafette präsentiert wird, obwohl es nachweislich auf einer Mittelpivotlafette eingesetzt wurde.
Auch ohne metallurgische Spezialkenntnisse; behaupte ich einfach mal; ein, wie auf den Bildern,
derart zerstörtes Rohr ist nicht mehr reparabel, wie auf den heutigen Museumsfotos gezeigt wird.
Meiner Ansicht stammt weder das Rohr, noch die Lafette von dem bezeichneten Geschütz.

Will einfach nur sagen: Nichts ist in Stein eingemeißelt! (oder in Messing in einem Militärmuseum)
und Papier ist geduldig! (Gilt natürlich auch für diese Zeilen)

Gruß Holger
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BeitragBeitrags-Nr.: 175944 | Verfasst am: 20.09.2009 - 11:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Zu der Lafette:
dieses Lay-Out war fast schon Standard für die diversen Marinerohre, die in Radlafetten eingelegt wurden. Gabs ja mehrere 15 und 10,5cm Kanonen, die so beweglich gemacht wurden.

Zu der Kanone:
Kann mich irren, aber auf dem rechten Bild sieht es so aus, als ob eine Schweissnaht quer durchs Rohr geht.
Bei solchen Beschädigungen kannst du die Kanone nie wieder schiessbereit machen, als Ausstellungsstück herrichten sollte aber noch gehen.

mfg

alex
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