1. WK / Dt. Aktivitäten am Roten Meer / Kämpfe im Jemen
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 198814 | Verfasst am: 13.03.2012 - 12:21    Titel: Antworten mit Zitat

Bilde ich mir das nur ein, oder erkenne ich außergewöhnlich viele Paralellen zwischen
Oberst Ali Sáid Beys autonomen Feldzug und dem eines gewissen deutschen Oberstleutnants etwas
weiter südlich auf dem afrikanischen Kontinent?? Grins
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 198818 | Verfasst am: 13.03.2012 - 19:28    Titel: Antworten mit Zitat

Stimmt; - Die Liste der Dinge, die sich bei beiden Personen und Kriegsschauplätzen der Zentralmächte unterscheiden, ist sicher sehr
viel kürzer, als eine Aufstellung mit den Gemeinsamkeiten. Mit einer der Gründe warum ich das neue Thema auch so interessant finde.

Im nächsten Jahr (1916) werde ich unter dem Thema: Versorgung und Nachschub des VII. Armeekorps mal näher darauf eingehen,
und anhand von Zahlen die aus DOA zu Verfügung stehen, mal ein Vergleich mit dem Jemen aufstellen. Dauert aber alles noch etwas;-
da ich es derzeit gerade schaffe die Zeitabläufe, 1:1 zu bearbeiten, wird das Kriegsende auch erst Ende August 2015 abgearbeitet sein. - Zunge rausstrecken -
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 198853 | Verfasst am: 20.03.2012 - 15:44    Titel: Antworten mit Zitat

Die isolierten Kämpfe im südlichen Jemen bei Aden zwischen Türken und Briten im 1. WK




Kapitel IV......... Die Kämpfe 1915 (TEIL 7)

11.) Die Kämpfe 1915 / Details / Die Kämpfe um Lahej und Sheikh Othman




11.) G. Die Kämpfe um Lahej und Sheikh Othman – BRITISCHER GEGENANGRIFF AUF SHEIKH OTHMAN AM 21. JULI 1915




Karte 11. Türkische Detailkarte des britischen Gegenangriffs am 21. Juli 1915 auf Sheikh Othman.
http://i39.tinypic.com/k55ohh.jpg
Bildquelle: Die Geschichte der Türkischen Streitkräfte, Band 6, Die Kriegsschauplätze im Hedschas, Asir, Jemen und Libyen 1914-1918




Mittwoch, der 21. Juli 1915
Nachdem von indischen Dienststellen festgelegt wurde, dass Brigadier-General Charles Henry Uvedale Price vorerst das Kommando über die gesamten Streitkräfte der
Aden Field Force übernehmen soll, wird Lieutenant-Colonel A. M. S. Elsmie noch am 19. Juli 1915, kurzfristig mit der Leitung der Angriffseinheiten der 28. Frontier Force
Inf.-Brigade
beauftragt. Elsmie ist auch gleichzeitig Kommandeur der 56. Punjabi Rifles Inf.-Bataillons, welches am Angriff beteiligt ist. Der Vormarsch wird unter gleichen
Bedingungen, wie bereits bei Lahej vor 2 ½ Wochen, angetreten. Die Munitionsausstattung ist mit: 600 Schuss für jedes Geschütz: 30.000 Schuss für jedes MG, und mit
1.000 Schuss bei jedem Infanterie-Gewehr, vorzüglich. Die Transportkapazitäten für diese und andere Versorgungsgüter hingegen völlig ungenügend. Dieser Vormarsch
ist, ebenfalls aus Zeitgründen, noch schlechter vorbereitet worden als der Marsch nach Lahej, und jedem der damals Beteiligten ist klar, dass das Ziel diese Stadt zurück-
zu erobern in großer Ferne liegt. Der eigentliche Angriff wird dann zu einem unspektakulären Vormarsch, der sämtlichen Quellen nur wenige Zeilen abringt. Nach den nicht
zu verbergenden Anzeichen der britischen Gegenmaßnahmen in den letzten Tagen und der Meldung am Vorabend, sind die Expeditionsstreitkräfte vorbereitet. Daher fällt
es den marscherprobten Türken und besonders beweglichen Nordjemeniten leicht, den schwerfälligen britischen Kolonnen auszuweichen. Auch hier bietet sich wieder ein
Vergleich zu den Handlungen in DOA an, als es den marschierenden deutschen Einheiten mehrfach gelingt den berittenen südafrikanischen Einheiten auszuweichen, weil
diese Truppen unter Versorgungsschwierigkeiten und klimatischen Bedingungen zu leiden haben, und mit Land und Leuten nicht vertraut sind. Für die, in oberflächlichen
britischen Meldungen auftauchende Behauptung, die gegnerischen Einheiten wären überrumpelt worden, finden sich in seriösen Quellen keine Belege. Weder türkische,
noch englische Quellen erwähnen ernsthafte Kampfhandlungen, wenn man von dem einzigen kurzen türkischen Gegenangriff gegen 06:00 Uhr in Sheikh Othman absieht.


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Auch Sir Mark Sykes, der in einem geheimen Papier auf mehreren Seiten über die Situation in Aden
berichtet, erwähnt die Rückeroberung von Sheikh Othman, zwei Tage später nur mit einem Zweizeiler:

23.7.15; No. 16.SECRET; April to December 1915; DDSY (2) /11/7)

“ Sir,
I have the honour to inform you that I arrived at Aden on July 21st; the day on which Shaikh Othman
was re-occupied, and the Turks and dis-affected Arabs driven back in the direction of Lehej.”

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Gemäß War Diary Eintrag verlässt um 04:00 Uhr das Inf.- Btl. des 62. Punjabi Rifles Regimentes, dicht gefolgt vom 109. Indischen Inf.- Btl. und von sechs Geschützen
der Camel Battery RGA begleitet, die erste britische Verteidigungslinie vor Aden. Erst danach folgen die berittenen Einheiten mit dem Aden Camel Troop, der Imperial
Service Cavalry
, sowie Teilen des Somaliland- und Bikaner Camel Corps. Als letztes marschieren die drei Kolonnen, des 56. Punjabi Rifles, 51.- und 53. Sikh Bataillons
Richtung Norden. Bis auf das Überwinden des, durch die eigene Schiffsartillerie verursachten Trichterfeldes, unmittelbar hinter der Stadtgrenze, welches aus zeitlichen
Gründen auch nur teilweise von den Pionieren der Sappers and Miners eingeebnet wird, sind keine weiteren Schwierigkeiten, bis nach Sheikh Othman zu verzeichnen.

Britische Einheiten die am unmittelbaren Vormarsch des 21. Juli 1915 auf Sheikh Othman beteiligt sind:

Inf.- Bataillon des 62. Punjabi Rifles Regimentes
Inf.- Bataillon des 109. Indischen Regimentes
• 6 x 7,62-cm-Feldkanonen M 1907 MK I der Camel Battery der RGA (siehe unten)

Abteilung des Aden Camel Troop
Abteilung der Imperial Service Cavalry
Abteilung des Somaliland Camel Corps
Abteilung des Bikaner Camel Corps

Inf.- Bataillon des 56. Punjabi Rifles The Prince of Wales's Own Regimentes
Inf.- Bataillon des 51. Sikhs (Frontier Force) Regimentes
Inf.- Bataillon des 53. Sikhs (Frontier Force) Regimentes

Britischen Quellen zufolge, treten 3.500 Mann, einschließlich 74 englischen und 80 indischen
Offizieren mit 567 Maultieren und 532 Pferden, sowie acht (?) 7.62-cm-Feldgeschütze an.



Indische Truppen in Aden :
Unter dem derzeitigen Generalgouverneur und Vizekönig von Indien, Lord Charles Hardinge, werden zwischen 1910 und 1914, die politischen Belange der Inder
durch Verwaltungsreformen (Indian Relief Act) entscheidend verbessert. Es gelingt ihm, die kulturellen und religiösen Forderungen der unterschiedlichen Gruppier
ungen auf dem indischen Subkontinent besonders vorsichtig und mit der notwendigen Sensibilität, zu berücksichtigen. Der Einsatz bringt ihm große Sympathien;
u.a. von Mahatma Gandhi ein, löst aber gleichzeitig heftige Kontroversen mit dem englischen Kolonialministerium in London aus, dem diese Schritte zu weit gehen.
Hardinges ganz besonderer Verdienst ist, die Situation soweit stabilisiert zu haben, dass die Engländer bei Beginn des 1. WK fast ihre gesamten eigenen Einheiten
der `Britischen Armee in Indien´ abziehen, - und anschließend sogar große Kontingente der `Britisch-Indischen Armee´ auf den Schlachtfeldern in Europa, Afrika
und Arabien einsetzen können. Diese indischen Einheiten schlagen sich für ihre Kolonialherren auf sämtlichen Schlachtfeldern des 1. WK, besonders aber auf den
Nebenkriegsschauplätzen mit großer Bravour, obwohl ihre Verwendungsfähigkeit von den Engländern, schon im Vorfeld ganz bewusst eingeschränkt worden ist.

”Moreover, the Indian division at full strength was only equal to about two - thirds of a British division, it had only one brigade of field artillery as against four, it
had no field howitzers or heavy guns, its infantry battalions had a war establishment only three quarters of that of the battalions of a British division, and if it had
a pioneer battalion, which British divisions at the outset of the war did not possess, two mountain batteries armed with10 - pounders, and a regiment of divisional
cavalry in place of one squadron, these were little compensation for its weakness in artillery. It soon became clear, however, that Indian troops were very poorly
prepared for modern industrialised warfare. As British policy since the 1857 mutiny had been to keep the Indian army always one generation behind in weaponry.“


Gemäß Statistik haben indische Einheiten unter gleichen Einsatzbedingungen eine Verlustrate von 20%, Einheiten mit europäischen Engländern hingegen nur 14,8%.


Englische Offiziere einer britisch-indischen Einheit bei einer Einsatzbesprechung.
http://i43.tinypic.com/9iu006.jpg
Bildquelle: http://www.king-emperor.com/officers.htm




Türkischer Gegenangriff in Sheikh Othman
Nachdem gegen 06:00 Uhr das Bataillon der 62. Punjabi Rifles die Stadtgrenze von Sheikh Othman erreicht, startet die in der Stadt, verbliebene 3. Kompanie des III. Btl.
Inf.-Regiment 117, einen kurzen und erfolglosen Gegenangriff. Der Kompanieführer handelt dabei wohl gegen den Befehl seines Bataillonskommandeurs, Major Huseyin
Bey
, weil im Vorfeld schon allgemeine Instruktionen an die Offiziere ausgegeben wurden. Da eine großangelegte Offensive der Briten zu erwarten ist, sollen die Einheiten
ausweichen und erst in den Auffangpositionen bei Waht und Fiyush länger anhaltenden Wiederstand leisten. Bei stärkerem Druck des Gegners sollen die Stellungen aber
aufgegeben werden um sich anschließend auf Lahej zurückzuziehen. Eine feste Frontenbildung soll langfristig auf jeden Fall vermieden werden. Oberst Ali Sáid Pasha hat
zwar die britischen Schwierigkeiten beim Vormarsch großer Verbände miterlebt, rechnet aber mit einem großangelegten Angriff auf Lahej. Die angreifende Kompanie des
117. Inf.-Regt. wird von dem indischen Bataillon verlustreich zurückgeschlagen. Die Verwundeten können nicht geborgen werden und geraten in britische Gefangenschaft.
Bei diesem einzigen Zusammenstoß, erleiden die Kompanie, 32 Mann an Toten und Verwundeten und die Inder verlieren 23 Männer, einschließlich der beiden gefallenen
Lieutenants G.C. Sintheem und V.K. Mackinnon (?) Die Britischen Einheiten verfolgen die sich zurückziehenden Türken bis kurz hinter der zweiten Gabelung der Straße in
Richtung Lahej, 8 km nordwestlich von Sheikh Othman. Es ist anzunehmen, dass ein weiterer britischer Vormarsch aus den aufgeführten Gründen hier eingestellt werden
muß. Als die türkischen Nachhuten melden, dass die Briten nicht folgen, bleibt Oberstleutnant Şevket Bey ebenfalls stehen und verteilt die beiden Kolonnen des 117. und
119. Inf.-Rgt. rechts und links der Straße. Nach Bekanntwerden des britischen Vormarschs beginnt für die beiden Verbände der Nordjemeniten der Rückzug bereits in den
Morgenstunden. Abdulah ibn Muhain weicht nördlich in Richtung Bir Jabir aus und Mohammed bin-Nāsir Múqbil zieht sich auf das westlicher gelegene Bir Ahmed zurück.
So ist am Ende dieses Tages wieder die gleiche Situation wie fünf Tage zuvor, am 16. Juli 1915 eingetreten; Die Expeditionsstreitkräfte liegen mit ihren Einheiten um den
Zugang der Halbinsel und die Briten haben Verteidigungspositionen um Sheikh Othman belegt; nur im Gegensatz zu den Türken sind die Briten jetzt sogar doppelt so stark.




Auch die folgenden, bisher unveröffentlichten Fotos stammen aus dem Album des englischen Soldaten,
der von 1915 bis 1917 in Aden stationiert war, dessen Namen und Einheit aber leider nicht bekannt sind.


Beide Fotos zeigen britische Truppen nach der Wiedereinnahmen von Sheikh Othman in den Sanddünen nordwestlich der Stadt.
http://i39.tinypic.com/104rdc8.jpg . http://i41.tinypic.com/2zgc5sh.jpg
Bildquelle: Privates Fotoalbum


Auf dem linken Foto: Der Aden Camel Troop beim Ausritt zur Patrouille und rechts, bereitgestellte Pferde und Maultiere britischer Truppen.
http://i42.tinypic.com/69gcuw.jpg . http://i41.tinypic.com/2nqfj3a.jpg
Bildquelle: Privates Fotoalbum


Die drei folgenden Bilder zeigen eine englische Einheit nach der Wiedereinnahme von Sheikh Othman in ihren alten Stellungen.
http://i44.tinypic.com/2u9n47o.jpg . http://i44.tinypic.com/2n87d75.jpg . http://i43.tinypic.com/tz58z.jpg
Bildquelle: Privates Fotoalbum


Die beiden unteren Aufnahmen aus Sheikh Othman, sind in der Zeit nach dem 21. Juli 1915 durch die Briten entstanden,
und zeigen, links, ein wohl durch die Kämpfe zerstörtes Gebäude der Vorstadt, sowie rechts den Marktplatz im Zentrum.
http://i43.tinypic.com/2cesqrn.jpg . http://i40.tinypic.com/2yyv89f.jpg
Bildquelle: Privates Fotoalbum


Auf dem linken Bild ist ein, von Stacheldraht gesicherter und erhöhter Beobachtungsposten im Vorfeld von Sheikh Othman erkennbar.
Solche Beobachtungstürme haben in den flachen Wüstenregionen des Südjemens auf beiden Seiten bei der Überwachung schon immer
eine große Rolle gespielt, wie auch das rechte Foto zeigt, welches nicht aus dem Fotoalbum stammt und Jahre zuvor aufgenommen wurde.
http://i41.tinypic.com/54cg0i.jpg . http://i39.tinypic.com/2nvxrhu.jpg
Bildquelle: Privates Fotoalbum + http://www.archive.org/details/secondbattalion00maingoog


Hier ein Photo, welches aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und aus dem Nordostjemen stammt: Ataq Upper Aulaqi State
Auch 50 Jahre nach dem 1.WK hat sich in Bezug auf Verteidigungsanlagen mit Stacheldraht so gut wie gar nicht geändert.
Beide Fotos könnten vom gleichen Tag stammen: http://www.flickr.com/photos/41490240@N06/5478887555/in/photostream/



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Pressemitteilungen
Erst vier Wochen später meldet der türkische Heeresbericht in Konstantinopel den Erfolg zwei Wochen zuvor bei Lahej:

Türkischer Erfolg vor Aden
“Unsere Truppen im Yemen nahmen nach örtlichen Gefechten die Stadt Lahadsch (Lahej) und ihre Umgebung
ein, die bis dahin einige Zeit in der Hand der Engländer war. Während des heftigen, 15 Stunden währenden
Kampfes hatten die Engländer Hunderte Tote und Verwundete. Wir erbeuteten 4 Geschütze und 5 Maschinen-
gewehre und eine Menge Kriegsmaterial. Der Feind wurde geschlagen und schloß sich in Aden ein . . . . . . . .“

Textquelle: http://www.stahlgewitter.com/15_08_21.htm

Wenn man denn geneigt ist, die Verluste aller Gegner zusammenzuzählen, so entsprechen die Zahlenangaben sogar
der Realität. In späteren türkischen Aufstellungen werden die Materialverluste sogar noch wesentlich höher angegeben.


Die Nachricht über die Rückeroberung von Sheikh Othman durch britische Streitkräfte, erscheint in den türkischen Medien
dann sogar erst fünf Monate später, Mitte Dezember 1915. Der Inhalt dieser Meldung wurde wohl bereits aus einer über-
treibenden britischen Pressemitteilung entnommen, da britische Streitkräfte in Wahrheit gar nicht bis Lahej gelangt waren.
http://i42.tinypic.com/29usthy.jpg . http://i40.tinypic.com/epn7cx.jpg
Bild / Textquelle: Der Kampf um Arabien zwischen der Türkei und England, F. Stuhlmann, April 1916.


Diese beiden verspäteten Meldungen zeigen deutlich, wie abgeschnitten die eigenen Organe schon jetzt, von aktuellen
Ereignissen von diesem entferntesten, ihrer Kriegsschauplätze sind, obwohl die beiden, einander angrenzenden Gebiete
des Hedschas und des Osmanischer Jemens noch `relativ feindfrei´ sind. Nach Ausbruch der Haschemitischen Revolte
des Großscherifen Husain ibn-Ali im Hedschas, dringen dann ab Mitte 1916 kaum mehr Nachrichten aus dem Jemen bis
nach Konstantinopel und man ist nur noch auf gefilterten Meldungen des Gegners oder die äußerst spärlichen Nachrichten
angewiesen, die die wenigen eigenen Geheimkuriere auf dem gefahrvollen Landweg mit großen Zeitverzögerungen, liefern.


Die Briten können ihren Erfolg erwartungsgemäß schon nach drei Tagen der Öffentlichkeit präsentieren:
British win in Arabia; Sheikh Othman, Abandoned in the Retreat to Aden, Reoccupied. LONDON, July 24. 1915
http://query.nytimes.com/mem/archive-free/pdf?res=9403E3DA1739E233A25756C2A9619C946496D6CF
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Sir Mark Sykes unterhält sich an diesem Mittwoch auch mit den fünf türkischen Kriegsgefangenen im Adener Stadtteil Crater:

Turkish Prisoners at Aden. I visited the Turkish prisoners and deserters at the prison in the crater, and interviewed the
four Syrian privates, and Rauf Bey, the battalion commander captured at Lahej. The talk of the Syrians was interesting
and instructive. Two who were deserters from the neighborhood of Jerusalem complained of the brutal treatment accorded
to them by the Turkish officers, and described the bulk of the Southern Syrians as only anxious to escape from service.
They were piteously apprehensive of being handed back to the Ottoman authorities, and complained of the menaces they
were subjected to by the Turkish and Albanian prisoners of war. The two others from Nablus were (as indeed are all the
Moslems of that region) intensely fanatical; one of them said “We done six years in the Yemen, and our discharges were
made out, but thank God the war came before we left.” It is obvious that they had nothing to gain by talking in this way, and
this remark should be remembered when considering optimistic statements concerning the attitude of Moslem Syrian Arabs.

Rauf Bey, a major in the Turkish Army, captured at Lahej just before our retirement, is a Baghdadi of the Jebebi house, a
powerful family of Turkish origin, comprising about 400 members in Baghdad, and owing considerable estates. In the course
of Conversation he said that if Constantinople fell, the people of Baghdad would probably declare themselves independent,
under a Caliph who would probably be a member of the Koraish. He suggested, however; that the Turks might appoint Ibn
Rashid as Ruler of Irak, and leave matters at that. He considered that this would be but a prelude to a state of anarchy, which
would extend as far North to Mosul, if not Diarbakir. He said that he could not imagine the Imperial Ottoman regime surviving
the fall of Constantinople owing to the dis-affecting of the Arabs. . . . . . . . I venture to suggest that if it is not already done that
Christians, Syrians, Baghdadis, and Kurds should be separated from those who are of pure Turkish stock, and those who are
natives of region which may someday come under the influence of Great Britain might be accorded specially favorable treatment,
and kept away from the influence of the Turks who may intimidate the anti-Turkish elements and confirm the fanaticism of other.”





Britische Geschütze nach dem 21.Juli 1915 im Vorfeld von Sheikh Othman:
Unten; zwei Fotos der 7,62-cm-Feldkanone M 1901 (Ordnance QF 15 pdr / 3-inch Field Gun), die im Jemen erstmalig beim Gegenangriff auf Sheikh Othman, am 21. Juli
1915 von britischen Einheiten der 28th Frontier Force Brigade eingesetzt wird. Es handelt hierbei sich um eine Entwicklung des deutschen Konstrukteurs Heinrich Ehrhardt,
Mitbegründer der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik, die um die Jahrhundertwende federführend in der Entwicklung von Geschützen mit Rohrrücklaufbremse
sind. 1901, noch Erfahrungen des zweiten Burenkrieges in Südafrika kaufen die Engländer 108 Exemplare mit Zubehör und bauen diesen Typ später mit Schutzschild und
anderen geringfügigen Änderungen als MK 1 nach, womit 5 bis 10 Jahre Entwicklungszeit eingespart werden können. Ab Sommer 1915 sind vor Aden acht Geschütze bei
der 1st /B-Battery der Honourable Artillery Company und der 1/1 Berkshire-Battery der Royal Horse Artillery im Einsatz. Auf dem unteren, linken Bild ist im Vordergrund ein
Kamel an dem Schachtbrunnen im Zentrum Sheikh Othman zu sehen sowie die Connaugh-Hauptstraße mit der El-Othmani Moschee, im Hintergrund. Auf der rechten Auf-
nahme, sind vermutlich das gleiche Geschütz und die Protze mit einem vielfarbigen und schachbrettartigen Tarnanstrich erkennbar. Warum das ausgerechnet für das recht
einfarbige und wüstenähnliche Gebiet des Jemens geschah ist nicht nachvollziehbar. Auch der vorherige Einsatzort der beiden Geschütz-Batterien, in der Wüste der Sinai-
halbinsel
bot ebenfalls keine wirklich farbige Abwechslung. Ebenfalls zu sehen; im Gegensatz zu den Geschützrädern erhielt nur die Protze breitere geriffelte Eisenbänder.

http://i44.tinypic.com/344bij9.jpg . http://i40.tinypic.com/11se2yq.jpg
Bildquellen: http://en.wikipedia.org/wiki/File:HAC_guns_at_Sheik_Othman.jpg + http://en.wikipedia.org/wiki/File:HAC_gunners_at_Sheik_Othman.jpg




Auch das Foto, unten links, zeigt erstmalig zwei Geschütze vom Typ 7,62-cm-Feldkanone M 1907 (Ordnance BLC 15 pdr / 3-inch) mit Protzen nach der Rückeroberung
von Sheikh Othman am 21. Juli 1915 in den Sanddünen nordöstlich der Stadt. Während des Krieges sind von 1915 bis 1919 in Aden die Batterien der Royal Field Artillery
und Royal Garrison Artillery damit ausgestattet. Dieser Geschütztyp wurde als Provisorium durch den Umbau, der in großen Stückzahlen noch vorhandenen, aber bereits
veralteten 7,62-cm-Feldkanone M 1892 (Ordnance BL 15 pdr / 3-inch) in eine Geschütz mit einer Rohrrücklaufbremse vom Breech Laoding, in Breech Laoding Converted
erweitert. Die englische Firma Vickers hat hierbei erstmalig das Geschützrohr in hängender Führung unterhalb des Rohrschlittens und der Rohrücklaufbremse verlegt und
dieses Konstruktionsmerkmal auch bei den späteren Geschütztypen 7,62-cm-Feldkanone M 1904 MK I-II (Ordnance QF 13 pdr / 3-inch Field Gun) und der 8,38-cm-Feld
kanone M 1903 MK I
(Ordnance QF 18 pdr / 3,3-inch Field Gun) verwendet, weicht aber bei dem Folgemodell, der 18 pdr Feldkanone MK.III/IV, ab 1918 wieder davon ab.
Auf dem rechten Foto unten, taucht der gleiche Geschütztyp, ebenfalls nördlich von Sheikh Othman, bei Wikipedia mit einer umfassenden und stimmigen Erläuterung, auf.
“British Camel Battery of BLC 15 pounder guns after the capture of Hatum on 5 January 1918, Aden campaign. Teams of 4 camels in 2 pairs are seen towing a gun and
limber at left and right of picture. In the centre appears to be an ammunition limber towed by 3 camels. The guns are identified as BLC 15 pounders by the large shroud
housing the recuperator above the barrel, with its peculiar backward-sloping front end. Number one, 15 Pounder Camel Battery RGA served with 6 guns with the Indian
Expeditionary Force in the Aden hinterland from 1915–1918 during the South Arabia campaign, to defend the important port at Aden against any Turkish advance. In July
1915 actions were fought in initially losing and then regaining the British advanced post at Sheik Othman controlling the water supply to Aden. Sgt Curtis was awarded the
distinguished Conduct Medal for saving his gun in these actions (presumably the first, in which two guns were lost). The Camel Battery was present when the British
captured Hatum in January 1918. "History of the Royal Regiment of Artillery. The Forgotten Fronts and the Home Base, 1914-18". by Martin Farndale. London, 1988.“

(Der gesamte Wikipedia Artikel ist allerdings nicht sehr stimmig, und in vielen seiner Angaben, falsch. http://en.wikipedia.org/wiki/South_Arabia_during_World_War_I)

http://i40.tinypic.com/29qo61d.jpg . http://i41.tinypic.com/1fwkut.jpg
Bildquelle: Privates Fotoalbum + http://en.wikipedia.org/wiki/File:BLC15pounderCamelBatteryHatum5Jan1918.jpg

Weitere Fotos und ein Seitenriss des Geschütztyps gibt es hier: http://www.chakoten.dk/cgi-bin/fm.cgi?lang=dk&n=813

Zwei dieser Geschütztypen in Südafrika heute: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Graaff-Reinet_-_BLC_15_pounder_-_002.JPG



Hier ebenfalls eine bisher unveröffentlichte Aufnahme einer 6,99-cm-Gebirgskanone M 1901 MK I (Ordnance BL 10 pounder / 2.75-inch / Mountain gun) aufgenommen
nördlich von Sheikh Othman. Auf der Rückseite wurde, fälschlicherweise, vermerkt:`Captured Turkish Gun ´. Es hätte aber vielmehr heißen müssen: `Recaptured British
Gun
´. Schließlich handelt sich um eine, der vier, bereits beschrieben englischen Kanonen, die von den Türken vor Lahej erbeutet,- und dann vor Sheikh Othman wieder
zurückgelassen, wurden. Aufgrund der, auf dem Bild erkennbaren, positiven Winkelstellung der Geschützräder handelt es sich vermutlich um einen Achsbruch. Damalige
Geschützräder wiesen eine, sich nach unten hin verjüngende Winkelstellung der Räder auf, um im Lastfall und bei Abnutzung eine parallele Stellung der Räder zu erreichen.

http://i40.tinypic.com/r02xya.jpg
Bildquelle: Privates Fotoalbum




Weitere Kurzmeldungen anhand der War Diary Einträge bis Ende Juli 1915 für den Raum Aden :


Donnerstag, der 22. Juli 1915
• Arabische Sheikhs melden den Briten, dass sie Lahej bis zum Ende des Ramadan verlassen haben. (?)
• Die 28. Inf.-Brigade und die ihr unterstellten Truppen sollen die Stellungen um Sheikh Othman
besetzen, und die Aden Brigade die Positionen am Isthmus zwischen Khormaksar und Aden. (?)
• Meldung von Sejjid Idrísi, dass vom Hedschas keine (!) türkischen Truppen über Land unterwegs seien; - aber eventuell
in Dhows auf dem Seeweg, da es an Küste des Asir zu wenig Überwachung (durch die Red Sea Patrol der Alliierten) gibt.

Freitag, der 23. Juli 1915
• Die MG-Abt. des Egyptian Camel Corps und die `15 Pfünder´ der Royal Horse- und Royal Field Artillery werden nach Sheikh Othman vorgezogen.
• Die britischen Behörden ordnen die Rückkehr der Flüchtlinge, die sich in Aden aufhalten, nach Sheikh Othman, an.
• Die, für Aden vorgesehene Einheit des Somaliland Camel Corps befindet sich nur noch 40 Meilen von der Küste
bei Berbera entfernt und wird voraussichtlich in einer Woche British-Somaliland verlassen können.

Samstag, der 24. Juli 1915
• Die Dienststellen in Kairo bitten um Information, wann Lahej eingenommen werden wird, und wann die Einheiten der 28. Inf.-Brigade
wieder nach Ägypten zurückkehren können. Aden antwortet, dass dies noch einige Wochen dauern kann und es beabsichtigt ist, die
Positionen bei Sheikh Othman durch Einheiten der Aden Brigade zu ersetzen, wenn neue Verstärkungen eingetroffen sind. (?)
Aden telegrafiert nach Bombay, und fordert erneut, weitere berittene Kamelreiter-Einheiten und Flugzeuge.

Sonntag, der 25. Juli 1915
Bombay fragt an wann beabsichtigt ist, den weiteren Vormarsch anzutreten. Dort hält man es für nötig, schnellstens eine Position vor Lahej zu erreichen.
Major Bradshaw, der sich in Khormaksar befindet, fragt bei Younghusband persönlich an und bittet um die Erlaubnis, mit seiner Einheit
am Vormarsch auf Lahej beteiligt zu werden. (!)

Montag, der 26. Juli 1915
• Eine Kompanie Pioniere, der Sappers and Miners beginnen mit dem Instandsetzen des von den Türken zerstörten Brunnes in Sheikh Othman.
• Zwei Kompanien des 108. Indischen Inf.-Rgt. werden auf die Insel Perim versetzt. Dafür werden die zwei Kompanien der 23. Sikh Pioneers von der Insel
zurück nach Aden beordert.

Dienstag, der 27. Juli 1915
• Die Briten erhalten die Meldung; Ein türkischer Pasha (?) sei in Lahej verstorben, allerdings handelt es sich nicht um Ali Sáid Pasha.
Price ist irritiert, weil er die Meldung aus Sheikh Othman erhält, die Ortschaft Bir Amir sei von eigenen Einheiten eingenommen worden. (Falschmeldung)

Mittwoch, der 28. Juli 1915
• Die 23. Sikh Pioneers beginnen mit intensiven Arbeiten um die bestehenden Verteidigungsstellungen um Sheikh Othman zu verstärken.
• Der indische Generalstab fragt an, ob mit einer weiteren Haubitzen- und Gebirgsgeschütz- Batterie, Lahej kurzfristig zurückerobert werden kann.

Donnerstag, der 29. Juli 1915
Lieutenant Steedall wird in das Krankenhaus geliefert und im Büro der Brecknockshires durch Lieutenant Butcher ersetzt. (?)
• Eine Patrouille der Imperial Service Cavalry gerät 5 Meilen westlich von Sheikh Othman in einen Hinterhalt und kehrt mit 5 Verwundeten zurück.

Freitag, der 30. Juli 1915
• In Aden gehen Berichte über große Aktivitäten der Türken und Araber im Hinterland von Lahej ein.
• Die Einheiten die 8 km nördlich auf der Anmarschstraße liegen, werden nach Sheikh Othman zurückgezogen weil dort die Versorgung besser ist. (!)

Samstag, der 31. Juli 1915
Younghusband macht den Vorschlag die beiden großen Schiffe der Empress-Class durch kleinere Einheiten, mit geringerem Kohleverbrauch zu ersetzen.
• Meldungen über die türkischen Kräfte im Raum Lahej, die mit 2.400 Türken, 20 Geschützen und mehreren Tausend Arabern angegeben werden.
• Mitteilungen, über die beabsichtigte Planungen zur Rückeroberungen von Lahej sollen nicht an die verbündeten Araber weitergeleitet werden,
da, dies eine weitere Schädigung des britischen Ansehens bedeutet, wenn die Operationen erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. (!)




Karte 12. Die Situation zwischen dem 21. und 31. Juli 1915 nördlich von Aden.
http://i43.tinypic.com/fax0d2.jpg
Bildquelle: The Armed Forces of Aden 1839-1967.




Bei der letzten türkischen Meldung über den Südjemen im Juli 1915, kann es sich inhaltlich nur um einen `Irrläufer´ handeln.
http://i40.tinypic.com/33tnsef.jpg
Bild / Textquelle: Der Kampf um Arabien zwischen der Türkei und England, F. Stuhlmann, April 1916.




(Aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades dieses Kriegsschauplatzes; - damals wie heute, sind Fotos von 1914-1919 aus dem Jemen natürlich als absolute Raritäten
einzustufen. Die, zu 2/3 in diesem Gesamtbeitrag eingestellten Fotos stammen natürlich aus anderen Regionen; - dies sollten aber eigentlich schon die Bildquellennach-
weise erläutern. Die Aufnahmen dienen aber als Beispiel und geben zumindest einen Überblick und Eindruck der damaligen Situation von diesem entfernten Nebenkriegs-
schauplatz. Wenn Fotos und Bilder wirklich aus dieser Epoche und von dieser Örtlichkeit stammen, so wird immer separat darauf hingewiesen. Da dies nur ein Hobby ist
und kein Geld damit verdient wird, unterliegen die erworbenen und hier eingestellten, seltenen Fotos auch keinem Copyright! Geld verdienen ist sicher legitim und nützlich,
selber halte ich aber nicht allzuviel davon wenn seltene Fotoalben anschließend, einzeln meistbietend verscherbelt werden. Die Existenz dieses Forums basiert auch nicht
auf Kommerz und kostet den/die Betreiber neben viel Enthusiasmus, Zeit und Geld und wir wären wohl alle ein Stück ärmer wenn es das Panzerforum nicht mehr gäbe!!!)


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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 199220 | Verfasst am: 05.05.2012 - 16:36    Titel: Antworten mit Zitat

.

Linkhinweis

Auf dieser französischen Seite tauchen die Namen von Kptlt. Helmuth v. Mücke und Kptlt. Erwin v. Möller
ebenso auf, wie die von Ali Sáid Pasha und Imām Yahyā, sowie Younghusband und des Sultans von Lahej.

Auch passen die Örtlichkeiten, Hadramaut, Jemen, Asir und Städtenamen wie Massawa, Aden und Jeddah.
Nicht unbedingt Neues, aber eine gute Zusammenfassung aller Ereignisse. Lediglich ein paar Details über
die französischen Panzerkreuzer DESAIX und DUPLEX als Blockadeschiffe vor Hodeïda, sind neu für mich.

http://www.stratisc.org/pub_LabrousseMROC_15.html

.
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 199548 | Verfasst am: 18.06.2012 - 18:53    Titel: Antworten mit Zitat

Die isolierten Kämpfe im südlichen Jemen bei Aden zwischen Türken und Briten im 1. WK




Kapitel IV......... Die Kämpfe 1915 (TEIL 8)

11.) H. Die Kämpfe um Lahej und Sheikh Othman – DIE EREIGNISSE IM AUGUST 1915




Karte 13. Türkische Detailkarte der Vorgänge zwischen dem 5. Juli und 28. August 1915 nördlich von Aden
http://i48.tinypic.com/2ldeko6.jpg
Bildquelle: Die Geschichte der Türkischen Streitkräfte, Band 6, Die Kriegsschauplätze im Hedschas, Asir,
Jemen und Libyen 1914-1918 (Diese türkische Kartenbeilage, ist die einzig mir bekannte graphische Über-
sicht zwischen Aden und Lahej für den Zeitraum, August 1915. Die weitere Karte in diesem Teil 8 über die
Kämpfe 1915, wurde anhand der textlichen Positionsbeschreibung in den vorhandenen Quellen aufgestellt.)





Die Ereignisse im August splitten sich in eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Handlungen auf. Die übersetzten
Kriegstagebucheintragungen des GSO (= General Staff Officer von Aden) werden dazu chronologisch aufgeführt.
(Einträge sind kommentarlos übersetzt worden und nur durch Hinweise ergänzt; Anmerkungen erfolgen separat.)




( WAR DIARY OF THE GENERAL STAFF OFFICER, ADEN – FROM 1st AUGUST 1915 TO 31st AUGUST 1915 )
Einträge vom 1. bis 31. August 1915 mit Auswirkungen auf den Großraum Aden:
http://i47.tinypic.com/34p1b3q.jpg
Bild- und Original Textquelle: British National Archiv in London: http://www.nationalarchives.gov.uk/visit/




Sonntag, der 01. August 1915
• Das 1/1 Brecknockshire Bataillon übernimmt in der Sektion I und IV 40 (?) eine Bewachungsaufgabe an der Front.




Montag, der 02. August 1915
• 3.000 Türken und Araber mit 5 Gebirgsgeschützen, unter Muhammad Ahmed Noman, haben
von Hujeria kommend, am 1. August, Lahej als Verstärkung erreicht, und beabsichtigen weiter vorzudringen.
____________________________________________________________________________________________________________
Anmerkung zur oberen Meldung

Die Größenordnung von 3.000 Mann als zusätzliche Verstärkung türkisch-arabischer Streitkräfte, scheint mir zu hoch gegriffen. Unter Muhammad
Ahmed Noman
ist der sunnitische Sheikh der Schafiiten und türk. Kaymakam Ahmad Nu´mān von Hujariya zu verstehen. [Südlichster Distrikt in der
Provinz Taiz (türk. Ta´azz Sancaği) um die Stadt Turbah (türk. Türbe) herum.] Eine andere Quelle bestätigt zwar, dass Ahmad Nu´mān im Sommer
1915 weitere Verstärkung aus seinem Distrikt Hujariya (türk. Hicriye merkez) erhalten hat, spätere Stärkemeldungen führen dann aber im November
gesamtheitlich über 3.000 Mann auf, die unter seinem Kommando stehen, womit abzüglich der bereits vor Lahej stehenden 1.000 Mann, es sich um
2.000 handeln dürfte, die im August 1915 als Verstärkung vor Lahej eintreffen. Außerdem haben Jemenitische Generäle während des 1.WK, nie rein
türkische oder auch nur gemischte Truppenteile befehligt. Von daher ist die Angabe, dass Muhammad Ahmed Noman, eine türkisch-arabischen Ein-
heit anführte, nicht korrekt. Er befand sich darüber hinaus auch schon vor Lahej. Im Military Handbook of Yemen 1917, findet sich eine Passage, die
eine Erklärung für diese Mißverständnisse aufführt:“ He . . . (Ahmad Nu´mān). . . was reported killed (June 1915) and succeeded by his son Mohammed,
who was formally A.D.C. to Ali Sáid Pasha at Ta´iz, and is energetic and strong anti-British. But from later communications it appears that Ahmad Nu´mān
himself is still alive and active on the Turkish side, working with Mohammed Nāsir Múqbil.
“ Als die, am längsten mit den Osmanen verbündeten Gruppen,
sind die Schafiiten, zeitgleich auch im westlichen Jemen, an der Küste des Roten Meeres in Kämpfe eingebunden. Ahmad Nu´mān agiert nicht nur
als militärischer Führer, sondern arbeitet auch als Oppositionspolitiker für seine Gruppe nach 1919. Einer seiner Söhne, Ahmad Muhammad Noman
führt seine Arbeit später, als Premierminister des Jemens weiter fort; ebenso wie ein Enkel, Ahmed Mohammed Noman heute in der Politik tätig ist.
Vergleiche hierzu auch:
Contemporary Yemen: Politics and Historical Background, Centre for Arabic Gulf Studies, P. R. Pridham, University of Exeter 1984
A Tribal Order: Politics and Law in the Mountains of Yemen, Middle East Studies, Shelagh Weir, University of Texas 2007
Tribes, Government and History in Yemen, Paul Dresch, Oxford University Press 1993
Sowie digitale Hinweise:
http://yemenpost.net/Detail123456789.aspx?ID=100&SubID=3457&MainCat=5
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/ausland/panah677.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Abdallah_ibn_Husain_al-Ahmar

(Muhammad bin Ahmad Nu´mān hatte 1965 eine Abhandlung unter dem arabischen Titel; ``Al-Atrāf al-ma´niyyah fi l-yaman, Mu´assasat al-Dabbān, Beirut´´,
herausgebracht, in dem er auch auf die Ereignisse zwischen 1916 bis 1919 im Südlichen Jemen und das militärische Zusammenspiel mit der 39. Inf.- Division
unter Oberst Ali Sáid Bey und den Schiiten des Imām Yahyā, vor Lahej eingeht. Diese Primärquelle wird für Kapitel V / 1916 hoffentlich zu Verfügung stehen.)

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Dienstag, der 03. August 1915
• Eine türkische Patrouille fängt eine Karawane mit Versorgungsgütern ab, welche Aden auf dem Landweg von Osten erreichen sollte.




Mittwoch, der 04. August 1915
OC der 28. Inf.-Brigade will Patrouillen westlich Richtung Bir Ahmed entsenden, um den dort freundlich gesinnten Sheikh zu unterstützen.
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Anmerkung zur oberen Meldung

Bei dem als freundlich gesinnten Sheikh in Bir Ahmed handelt es sich um Sultan Al-Fadl ben Abd Allah al-Akrabi. Die Briten hatten
ihm nur den Rang eines Sheikhs zugestanden, obwohl er und seine Vorfahren bereits Herrscher eines Sultanats waren. Nachdem
er von den Türken in Schutzhaft genommen worden war, gehen die Briten davon aus, in Ihm noch einen Verbündeten zu besitzen.
[Ausführliche Hintergründe und Zusammenhänge, siehe später: Kapitel V / Die Kämpfe 1916 / Komplizierte Bündnisse im Jemen und Hadramaut]
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Donnerstag, der 05. August 1915
• Das Bataillon der 1/4 Buffs des East Kent Regimentes erreicht an diesem Morgen Aden und löst das 1/1 Brecknockshire ab.
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Anmerkung zur oberen Meldung

1.Brecknockshire Bataillon des South Wales Borderers Regiments in Aden: 16. Dezember 1914 – 5. August 1915 (Aufenthalt: 8 Monate)
Am 5. August 1915 verlässt das 1. Brecknockshire Inf.- Bataillon, Aden auf dem Seeweg Richtung Indien. Nachdem Bombay erreicht ist, wird die
Einheit der Mhow Brigade unterstellt und anschließend nach Calcutta verschickt. Das Bataillon ist während des ganzen Krieges in Indien stationiert
und wird nicht mehr eingesetzt. Obwohl die Einheit vor Lahej an keinen Gefechten teilnimmt, wird ihm diese Ehre später in der Bataillonschronik zuteil.
“As a battalion, the only action seen by the Brecknocks would be that at the walled garden in Lahej. This gaining for the Battalion, the battle honour of Aden.”
In beiden Quellen jeweils unten: http://www.hellfirecorner.co.uk/westlake/Westlake24.htm + http://www.hellfirecorner.co.uk/westlake/Westlake23.htm

1/4th Bataillon The Buffs des Royal East Kent Regimentes in Aden: 4./5. August 1915 – 28. Januar 1916 (Aufenthalt: 6 Monate)
(Obwohl der GSO War Diary Eintrag die Ankunft erst auf den 5. August verlegt, nennen alle anderen Quellen den 4. August 1915 als Ankunftsdatum.)
Das Bataillon The Buffs; ebenfalls Teil der englischen Territorial Armee in Indien, trifft als Ablösung, aus Bombay kommend mit dem gleichen Truppen-
transporter ein, mit dem die Brecknockshires Aden verlassen und nimmt dessen Platz bei der späteren 5. (Mhow) Division auf dem indischen Subkontinent ein.
Auch wenn die Buffs durch ihren kurzen Aufenthalt in Indien besser vorbereitet sind als ihre Vorgänger, leiden auch sie unter den klimatischen Verhältnissen,
und ihr Einsatz bleibt überwiegend auf den Kasernendienst in der Adener Garnison beschränkt. Die Kriegstagebucheintragungen des GSO Aden erwähnen
jedenfalls keine weiteren Einsätze des Bataillons. Trotzdem erhält es dafür ebenfalls das battle honour of Aden. Der letzte Einsatz dieser Teileinheit des East
Kent
Regimentes findet dann Anfang April 1958 nochmals im Protektorat Aden, in der nördlichen Bergregion bei Dahla statt, bevor es endgültig aufgelöst wird.
(Siehe auch:)
http://www.northeastmedals.co.uk/british_regiment/buffs_royal_east_kent_regiment.htm
http://www.scribd.com/doc/73771844/Osprey-Men-At-Arms-010-the-Buffs-1972-OCR-8-12
http://www.kentfallen.com/PDF%20reports/ADEN%20PLAQUE%20THE%20BUFFS.pdf
http://www.genealogyforum.co.uk/forum/viewtopic.php?f=71&t=6359
Englische Einheiten während des 1. WK in der Aden Brigade: http://www.warpath.orbat.com/indian_divs/aden_bde.htm
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• Es trifft ein Stärkemeldung über die türkische Kräfte in Fiyush ein: 200 Mann mit zwei Geschützen
• Einer berittenen Patrouille der Briten gelingt es bis auf 3 Meilen an Bir Amir vorzudringen




Freitag, der 06. August 1915
• Die Movable Column der Aden Brigade verlässt unter Price, Aden und bewegt sich außerhalb von Khormaksar weiter vor (!?)
• Die Siedlung Bir Muhammad, 3 Meilen von Bir Amir entfernt, wird von 50 Reitern der Somaliland- und Bikaner Camel Corps besetzt.
Younghusband beantragt in Bombay erneut zwei Flugzeuge zur Feindaufklärung über Sheikh Othman.




Samstag, der 07. August 1915
• Die Movable Column der Aden Brigade kehrt in ihre Unterkünfte in Aden zurück.
• Indische Dienststellen erklären, sie hätten keine Informationen über den Kriegszustand zwischen Italien und der Türkei.
• Es gehen Berichte ein, dass in Lahej türkische 5 inch guns (?) eingetroffen sind.
• Angeblich ist eine Krankheit bei den türkischen Streitkräften in Lahej ausgebrochen.
• Die Royal Navy soll ein ständiges Stations-Schiff südlich von Bir Ahmed entsenden,
um mit weittragenden Geschützen bis in dieses nördliche Gebiet eventuell eingreifen zu können.




Sonntag, der 08. August 1915
• Der OC in Perim telegrafiert, dass Mohammed ed ibn-Narif bin Uripant (?), Führer einer der größten und einflußreichsten Stämme,
(im Hedschas) die Insel mit einem Brief des Scherifen von Mekka erreicht hat und umgehend den british Agent in Aden zu sprechen wünscht.




Montag, der 09. August 1915
• Die Kompanien des 109. Indischen Inf.-Regt., der Aden Brigadeersuchen um Maschinengewehre, da sie selber keine mehr besitzen.
• Teile der 28. Inf.-Brigade vor Sheikh Othman in Sektion IV, weigern sich ihre 450er MGs an die Aden Brigade in Khormaksar abzugeben (!)
• Erneute Meldung über vermehrte Aktivitäten feindlicher Patrouillen und die Ankunft türkischer Verstärkung aus Hujeria in Lahej.
Younghusband erwähnt Price gegenüber, dass er so bald wie möglich mit der Offensive gegen Lahej beginnen
solle, da nicht abzusehen ist, wie lange die 28. Inf.- Brigade noch in Aden verbleiben werde und damit zu Verfügung stände.




Dienstag, der 10. August 1915
• Die berittenen Einheiten fordern eine größere Wasserzuteilung für die Kamele, um die Patrouillentätigkeit aufrecht erhalten zu können.
Younghusband entscheidet, die 450er Maschinengewehre bei der 28. Inf.- Brigade vor Sheikh Othman zu belassen.




Mittwoch, der 11. August 1915
• (Erneute) Berichte über die Ankunft türkischer und arabischer Verstärkung für Lahej.
Mahmud Nadim, türkischer General-Gouverneur des Jemens hat eine wichtige Depesche aus Konstantinopel erhalten. (!)
• Die Red Sea Patrol wird in eine nördliche und südliche Sektion unterteilt. Die Southern Section besteht aus: LAMA, LUNKA und SUVA.




Donnerstag, der 12. August 1915
• Die HMS PHILOMEL erhält erstmals eine direkte Kabelverbindung nach Sheikh Othman um indirektes Feuer führen zu können.
• Das Post Office in Aden berichtet dem Hauptquartier, dass Fotos der britischen Verteidigungspositionen
um Sheikh Othman an anonyme Adressaten in Schweden, Dänemark und Holland versendet worden sind (???)




Freitag, der 13. August 1915
• Meldung: Die Türken werden um 16:00 Uhr losmarschieren, um Sheikh Othman bei Tageslicht am nächsten Morgen anzugreifen (!)
• Die HMS EMPRESS OF ASIA gibt zwei Maschinengewehre für den Landeinsatz ab, um die Verteidigung der 28. Inf.-Brigade zu verstärken.
• An der Brücke bei Khormaksar wird ein spezieller Militärposten aufgestellt, der den zivilen Verkehr von, und nach Aden kontrollieren soll.
• Die Bedienungen der 15 Pfünder Geschütze bei Sheikh Othman soll durch Mannschaften der Royal Garrison Artillery verstärkt werden.
• Der letzte Eintrag an diesem Tag vermerkt das Ende des Ramadan und einen besonders heißen Tag.




Samstag, der 14. August 1915
• Die Camel Battery wird von Khormaksar nach Sheikh Othman vorgezogen.




Sonntag, der 15. August 1915
• Es wird beschlossen die Kondensatoren bei Maala wieder in Betrieb zu nehmen, um Trinkwasser zu produzieren.




Montag, der 16. August 1915
• Die Royal Engineers haben die neue Eisenbahnlinie vom Stadtteil Tawahi über Maala und Khormaksar bis nach Sheikh Othman vermessen.




Dienstag, der 17. August 1915
• Es gibt Experimente mit einer neuen wirkungsvolleren `Sandbereifung´ für die Räder der Geschütze und der Wassertransportwagen.
• Die MG-Landungs-Abteilungen der H.M.S. PHILOMEL und EMPRESS OF ASIA werden abberufen und kehren auf ihre Schiffe zurück.
Younghusband wehrt sich gegen Vorschläge des Colonial Office, Indische Infanterie aus Aden abzuziehen und nach British-Somaliland zu entsenden. (?)




Mittwoch, der 18. August 1915
Oberst Ali Sáid Bey hat an diesem Tag einen Report über die militärische Lage im Südjemen per Geheimkurier nach Konstantinopel gesendet. (! )
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Anmerkung zur oberen Meldung

Man muß sich hier mal die die Brisanz dieser Meldung vor Augen führen; Die Briten erhalten eine Meldung, dass der Oberkommandierende
der feindlichen Streitkräfte vor Aden einen militärischen Situationsbericht per Geheimkurier an das Hauptquartier in Konstantinopel sendet;-
und zwar noch am gleichen Tag. Die Briten scheinen nach wie vor über ein ausgewöhnlich gut funktionierendes Spionagenetz zu verfügen!
Durch solche und ähnliche Meldungen, die den Briten jederzeit einen Überblick über die Stärke und Truppenverschiebungen der Türken geben,
werden Behauptungen eindeutig wiederlegt, dass Versagen der Briten wäre unter anderem auf mangelnde Feindinformationen zurückzuführen.
____________________________________________________________________________________________________________

• Erneuter Hinweis vom S.N.O. dass Sejjid Idrísi seine Truppen, seit dem Ende des Ramadan (13. August) in Bewegung gesetzt hat.
• Am gleichen Tag werden 10 Geschütze und Geld an Sejjid Idrísi geliefert.
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Anmerkung zur den oberen Meldungen

Dank `britischer Güte´ sind die Truppen Sejjid Idrísi unter General Mehmed Tahir hier erstmals in der Lage, Türken und Jemeniten in der ersten Septemberwoche
1915 in der Hafenstadt Loheija anzugreifen. Der Angriff mißlingt, Mehmed Tahir fällt während der Kämpfe und die Truppen Sejjid Idrísi müssen sich zurückziehen.
[Siehe hierzu später auch : Kapitel V / Die Kämpfe 1916 / Die Situation der 21. Inf.- Division im Asir und: Die Kämpfe der 40. Inf.- Division im westlichen Jemen ]
____________________________________________________________________________________________________________

• Ein interner Bericht von Lieutenant-Colonel Elsmie besagt, dass seine und auch die anderen Einheiten der
28.Inf.-Brigade noch nicht in der Lage sind eine Offensive auf Lahej oder die weiter nördlichen Bergregionen, zu starten.




Donnerstag, der 19. August 1915
• Es erfolgt eine erneute Stärkemeldung des Gegners im Raum Lahej. Diese beinhaltet: 2.500 Türken, 1.500 Araber und 20 Geschütze.
• Report über besorgniserregende Konsolidierungsmaßnahmen zwischen Türken, Arabern und den Bewohnern des Sultanats von Lahej (!)




Freitag, der 20. August 1915
• Es geht ein Bericht ein, dass die Türken ihren weiteren Vormarsch von Lahej aus noch nicht an-
getreten haben, weil Engpässe in der Wasserversorgung zu ihren Stützpunkte in Fiyush und Waht bestehen.




Samstag, der 21. August 1915
• Das Indian Office drängt auf einer Fortführung der Offensive zur Rückeroberung von Lahej innerhalb von drei Tagen.
• Ein Überläufer meldet vermehrte Krankheitsfälle unter den türkischen Truppen in Lahej.
• Ein Bericht besagt, dass Oberst Ali Sáid Bey den noch offenen Landkorridor an der Küste zwischen Aden und Abyan
(heutiges Gouvernement; Ost-nordöstlich von Aden) unterbrechen will, um diese Versorgungsmöglichkeit der Briten zu unterbinden.
______________________________________________________________________________________________________________________
Anmerkung zur oberen Meldung

Der südliche Jemen ist ab diesem Zeitpunkt, im Sommer 1915, mehr oder weniger in drei, sich teils überschneidende Einflußsphären unterteilt.
Die Türken und Nordjemeniten haben den größten Teil des Westlichen Protektorats Aden erobert und unter ihre Kontrolle gebracht. Eine kleine,
wenige hundert Quadratkilometer große Restfläche, welche die eigentliche Kolonie Aden umfaßt, verbleibt während des Krieges unter britischem
Einfluss. Im Osten des Westlichen Protektorats Aden, sowie im größten Anteil des Östlichen Protektorats Aden, dem Hadramaut haben die Briten
1915 ebenfalls die Kontrolle verloren. Aber auch türkische oder nordjemenitische Interessen können dort nicht recht durchgesetzt werden, da hier-
zu letztendlich die Machtmittel fehlen. Das Gebiet ist von 1915 bis 1919, mehr oder weniger; “NO MAN´S LAND“. Die lokalen Sheikhs und Sultane
gehen, ihren jeweiligen Interessen nach und verkaufen ihre Dienste und auch Versorgungsgüter an den Meistbietenden. Da Nordjemeniten und
Türken nicht bis hier vordrangen, besteht, auch unter dem Schutz der Royal Navy ein Landkorridor an der Küste zwischen Aden, über Zinjibar,
Shuqra, Arqah bis nach Mukkala und Sahir. Obwohl zwischen Briten und Fadlí im Juli 1915 noch Kämpfe östlich von Sheikh Othman stattfanden
verkaufen die Fadlí und auch Awlaqí Versorgungsgüter an die Briten und auch an alle anderen Kontrahenten während des ganzen Krieges. Am
Anfang versucht Oberst Ali Sáid Bey noch diese britische Landverbindung zu unterbinden. Nachdem sich jedoch herausstellt, das dort für seine
Truppen mehr an Versorgunggütern jeder Art `abfällt´, wird dieser Versuch schnell wieder eingestellt. Dieser und auch weiter nördlich liegende
Versorgungswege stellen sich im weiteren Verlauf des Krieges als ein wichtiger Überlebensfaktor des ganzen VII. Armeekorps im Jemen heraus.
[Siehe später auch: Kapitel V / Versorgung und Nachschub des VII. Armeekorps im Jemen und Komplizierte Bündnisse im Jemen und Hadramaut]
______________________________________________________________________________________________________________________




Sonntag, der 22. August 1915
• Das ehemalige Keith-Falconer Hospital in Sheikh Othman wird als Offizierskasino wiedereröffnet.




Montag, der 23. August 1915
• Es gehen mehrere Petitionen bei Oberst Ali Sáid Bey ein, mit der Bitte um Weiterleitung an die türkische Regierung in Sana (?)
• Eine Meldung besagt, die Türken hätten einen neuen ergiebigen Brunnen im Wadi Kabir, bei Waht erschlossen.




Dienstag, der 24. August 1915
• Zwischen Sheikh Othman und Khormaksar ist eine Telefonverbindung installiert worden. Allerdings sind keine Telefone vorhanden.
• Das Kriegsministerium in London erklärt, dass Indien nicht in der Lage ist, Aufklärungsflugzeuge nach Aden zu entsenden




Mittwoch, der 25. August 1915
• Erfolgreicher Vorstoß nach Fiyush durch die 56. und 62. Punjabi Rifles. Der Gegner verliert 20 Tote und 16 Gefangene.
Eigene Verluste 2 Tote und 7 Verwundete. Beim Rückmarsch erfolgen zwei Angriffe arabischer Reiter, die abgewehrt werden.
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Anmerkung zur oberen Meldung

Britischer Angriff auf Fiyush am 25. August 1915
Vor vier Wochen, am 21. Juli 1915 hatten die Briten bereits versucht, nach der Rückeroberung von Sheikh Othman, gleich in Richtung Lahej weiter vorzustoßen.
Dieser Vormarsch war 8 km nordwestlich Sheikh Othmans zum Erliegen gekommen, und die Einheiten mußten sich bereits eine Woche später, am 30.Juli 1915
aus Versorgungstechnischen Gründen wieder auf die Verteidigungspositionen unmittelbar um die Stadt zurückziehen. Da die Militärs in Indien und England aber
weiterhin auf einer Offensive bestehen um das verlorengegangene Prestige des Empire im Südwesten der Arabischen Halbinsel wiederherzustellen, wird Ende
August 1915 ein erneuter Versuch gestartet. In einer Zangenbewegung sollen die, auf den beiden äußeren Anmarschwegen nach Lahej liegenden Ortschaften,
Fiyush und das westlich davon liegende Waht (siehe Meldung vom 28. August) eingenommen werden. Die weitere Planung sieht eine Eroberung von Lahej vor.
Nach türkischen Angaben erhält der Kommandant in Waht, Major Rahib Bey bereits am 23. August 1915 abends eine Meldung von Hauptmann Ahmet, der mit
den beiden Eskadronen des 26. Kav.-Regimentes, südöstlich bei Bir Jabir steht, dass sich feindliche Truppen für einen Vormarsch in Richtung Mansur sammeln.
Der obere GSO Eintrag vermittelt durchaus ein erfolgreiches Gefecht für die Briten an diesem Tag. Türkische Meldungen sprechen ihrerseits von einem Abwehr-
erfolg, welche durch den Rückzug der 56. und 62. Punjabi Rifles auf ihre Stellung vor Sheikh Othman im Grunde bestätigt wird. Die Angaben über eigene und
gegnerische Verluste sind erwartungsgemäß in den verschiedenen Quellen unterschiedlich. Beide Gegner sind mit je 1.200 Mann gleichstark. Der türkische Ein-
trag spricht von einem `schwachen´ Angriff, der vormittags leicht abgewehrt werden kann. General Abdullah Ibn Muhain, Führer des schiitischen Kampfgruppe
bei Bir Jabir, befindet sich an diesem Tag im Hauptquartier bei Oberst Ali Sáid Bey in Lahej. Die berittene Abteilung der Bakil die den Flankenangriff gegen die
Briten schon beim Anmarsch ausführen soll, ist mit der `Beute´ einer Karawane beschäftigt, sodaß ihr Angriff zu spät und verzettelt erfolgt. Bei seiner Rückkehr
läßt Muhain den dafür verantwortlichen Offizier der Bakil sofort standrechtlich hinrichten. Die damalige Hinrichtungsmethode der Jemeniten erfolgt nicht durch
das übliche Enthaupten des Verurteilten mit einem schweren Schwert, das den Kopf vom Rumpf trennt, sondern mittels eines leichteren jemenitischen Nimchā
und einem langen tiefen Schnitt zwischen den oberen Nackenwirbeln. Anschließend läßt man den dann bewußtlosen Delinquenten am Boden liegend verbluten.
____________________________________________________________________________________________________________




Donnerstag, der 26. August 1915
• Die ersten zwei Kompanien der Somaliland Camel Corps treffen, aus Berbera kommend in Aden ein, und werden der Aden Brigade unterstellt.




Freitag, der 27. August 1915
• Es wird eine Patrouille Richtung Fiyush ausgesendet, um zu erfahren was mit den britischen Vermißten des Gefechtes am 25. August
geschehen ist. Ein begleitender Abdali hat die Vollmacht und die Mittel erhalten, die eventuell Gefangenen gegen ein Lösegeld freizukaufen.




Samstag, der 28. August 1915
• Die Movable Column der Aden Brigade stößt nach Waht vor und trifft auf einen vorbereiteteden Gegner von 2.000 (?) Türken und Arabern mit 14
Geschützen. Schon im Anmarsch finden Gefechte mit Arabern unter türkischer Führung statt. Der Angriff ist nicht erfolgreich und die eigenen Verluste betragen
9 Tote und 20 Verwundete, einschließlich Major J.F. Finnis, 2nd Lieutenant P.F. Durand und Captain Stoehr. Anschließend Rückmarsch nach Sheikh Othman.
____________________________________________________________________________________________________________
Anmerkung zur oberen Meldung

Britischer Angriff auf Waht am 28. August 1915
Hier treten erstmals wieder Einheiten der Movable Column als Hauptverband der Aden Brigade in den Kampf. Nach der Eroberung von Lahej, Sheikh Othman
und Khormaksar durch türkisch-arabische Streitkräfte Anfang Juli, war die Aden Brigade als Kampfverband komplett aus der Front herausgezogen worden, und
durch Einheiten der, neu hinzugekommenen 28. Inf.-Brigade ersetzt worden. Auch die Rückeroberung von Sheikh Othman wurde nur durch Einheiten der 28.Inf.
Brigade
durchgeführt. Bis Mitte August 1915 sind die Truppenteile der Aden Brigade dann nur noch zu Sicherungsdiensten vor Khormaksar eingesetzt worden.
Die Stärkemeldung der feindlichen Kräfte ist überhöht. In Waht stehen zum Zeitpunkt des britischen Angriffes keine 2.000 Gegner mit 14 Geschützen, sondern
725 Türken mit drei MG´s und drei 7,5-cm-Gebirgs-Geschützen! Die genauen Einheiten der Briten werden nicht genannt. Türkischen Quellen zufolge, erfolgte
der Anmarsch des Gegners schon am Vortag. Am Freitagnachmittag greift der sunnitische Kampfverband unter Ahmad Nu´mān und Mohammed Nāsir Múqbil
die Infanteriekräfte der Briten so heftig in der südwestlichen Flanke an, dass der vorausgeeilte, britische berittene Verband wieder umkehren muß, um die eigene
Infanterie aus dieser Bedrängnis zu befreien, und nun seinerzeit den Gegner von Norden attackiert. Der britische Gegenangriff glückt, da sich die Einheit unter
Ahmad Nu´māns nun auf diesen neuen Gegner konzentriert und die britische Infanterie sich vom Gegner lösen kann, da der Verband Mohammed Nāsir Múqbil
auch nicht weiter vorstößt. Als Resultat dieser Gefechte, sind die Türken in Waht vorbereitet, nachdem die Movable Column weitermarschiert und am Samstag-
vormittag die Höhenstellungen südlich um die Ortschaft angreift. Auch dieser britische Angriff wird abgewiesen und die Movable Column muss sich wieder nach
Sheikh Othman zurückziehen. Oberst Ali Sáid Bey, der sich in Waht befindet, aktiviert nicht mal eigene Reserven in Lahej, um den britischen Angriff abzuwehren.
Es ist wohl zu offensichtlich, dass die Briten mit den vorhanden Einheiten die Ortschaft weder erobern noch halten können. Die Kriegstagebucheintragungen des
GSO in Aden und auch die GSI Aufzeichnungen des Indian Army Headquarters lassen die Frage unbeantwortet, warum die Angriffe auf Fiyush und Waht nicht
zeitgleich und mit wesentlich mehr Kräften angesetzt werden. Die Gründe können eigentlich nur mangelnde Koordination und fehlende Transportkapazitäten sein.
Ein massiver Angriff der Aden Brigade und der 28. Inf.-Brigade, hätte diese beiden Flügelstellungen der Türken vor Lahej mit Sicherheit aus den Angeln gehoben.
____________________________________________________________________________________________________________




Sonntag, der 29. August 1915
• Am frühen Morgen findet um 03:00 ein Patrouillengefecht bei Bir Amir zwischen dem Bikaner Camel Corps und unbekannten Gegnern statt.
• Es werde mehrere Deserteure bei den 56. und 62. Punjabi Rifles gemeldet.
• Die Bataillonskommandeure der 28. Inf.- Brigade bei Khormaksar melden gravierende Probleme bei der Wasserversorgung ihrer Einheiten.
• Der letzte Eintrag vermerkt einen sehr heißen Tag.




Montag, der 30. August 1915
• Die Pferdeberittenen Einheiten melden Probleme mit der Akklamation ihrer Tiere. 52 Pferde seien an Hitzschlag eingegangen.
• Die Vorpostenstellungen, Bir Amir und Bir Muhammad, 3 und 5 km nördlich von Sheikh Othman werden wieder aufgegeben.
• Es geht eine Meldung ein, dass sich die Türken innerhalb von zwei Wochen ebenfalls aus Bir Ahmad zurückziehen wollen.



Dienstag, der 31. August 1915
• Der Gegner bei Waht wird auf 600 bis 800 Türken, 1.000 Araber, 8 bis 10 Geschütze und 4 MGs geschätzt.
• Die Verluste des Gegners beim Kampf um Waht am 28. August werden mit 123 angegeben. (?)
• Es wird ein zusammenfassender Bericht über die Kämpfe vor Fiyush und Waht für das India Office in Bombay verlangt.




Karte 14. Die Situation zwischen dem 1. und 31. August 1915 zwischen Lahej und Sheikh Othman.
http://i45.tinypic.com/2hn9cic.jpg
Bildquelle: The Armed Forces of Aden 1839-1967.




Die drei Stadtteile Adens auf Postkarten

Hier drei Motive um den Steamer Point im westlichen Stadtteil Tawahi
http://i47.tinypic.com/x287y8.jpg . http://i49.tinypic.com/21462dj.jpg . http://i45.tinypic.com/2uyk384.jpg
Bildquellen: Eigene Postkarten



Links unten ein Foto vom nördlichen Stadtteil Maala und rechts vom östlichen Stadteil Crater
http://i50.tinypic.com/2d6lkbq.jpg . http://i49.tinypic.com/dx1el4.jpg
Bildquellen: Eigene Postkarten




Türkisch-Nordjemenitische Kräfteverteilung im Raum LahejBir AhmadBir Jabir, Ende August 1915

Bei Lahej:
Divisionshauptquartier der 39 Inf.- Div. unter Oberst Ali Sáid Akbaytugan Bey
Als Stab- und Verbindungoffiziere: Oberst İsmail Ismet Bey und Major Huseyin Husnu Bey
Stab des 117. Inf. Rgt. unter Oberstleutnant Şevket Bey
I. II. + III. Bataillon des 117. Inf.- Rgt.
Stab des 40. Art.- Rgt. unter Oberstleutnant İsmail Sehavi
Kampfgruppe der Schafiiten unter Mohammed Ahmad Nu´mān (Im August als Verstärkung aus Hujariya)
2 x 10,5-cm Feld-Geschützen (Im August als Verstärkung aus Sana)
4 x 7,5-cm Feld-Geschütze des 40. Art.-Rgt.
3 x 7,5-cm Gebirgs-Geschütze des 40. Art.-Rgt.


Bei Waht:
II. Bataillon des 115. Inf.- Rgt. unter Major Rahib Bey
III. Bataillon des 119. Inf.- Rgt. (Im Juli erstmals als Verstärkung Teile der 40. Inf.- Div. aus Zohrā)
1 Kompanie des 120. Inf.- Rgt. (Im August als Verstärkung der 40. Inf.- Div. aus Hajjur)
3 x 7,5-cm Gebirgs-Geschütze des 40. Art.-Rgt.
3 x MG (Davon ein Beute MG)


Bei Fiyush :
III. Bataillon des 116. Inf.-Rgt. unter Major Hüsnü
III. Bataillon des 115. Inf.- Rgt.
5 x 7,5-cm Gebirgs-Geschütze des 40. Art.-Rgt.
4 x MG


Bei Bir Ahmad:
• Sunnitisches Inf.- Bataillon der Māwíyah und Shurman unter Mohammed bin-Nāsir Múqbil aus Qamāírah
• Sunnitische Kampfgruppe (gemischt Kav. und Inf.) unter Sheikh Ahmad Nu´mān aus Hujariya
2 x Gebirgs-Geschütze (Typ ?)
2 x (Beute) MG


Bei Bir Jabir:
3 Schiitische Bataillone (gemischt Kav. und Inf.) der Hashidi und Bakil unter General Abdullah Ibn Muhain
2 Eskadronen des 26. Kav.-Regimentes unter Hauptmann Ahmet
3 Gebirgs-Geschütze (Typ ?)




Britische Kräfteverteilung im Raum Sheikh OthmanKhormaksarAden, Ende August 1915

Bei Sheikh Othman:
Stab der 28. Inf.-Brigade unter Brigadier-General Charles H. U. Price
Inf.- Bataillon des 51. Sikhs (Frontier Force) Rgt.
Inf.- Bataillon des 53. Sikhs (Frontier Force) Rgt.
Inf.- Bataillon des 56. Punjabi Rifles The Prince of Wales's Own Rgt.
Inf.- Bataillon des 62. Punjabi Rifles Rgt.
1 Eskadron der Imperial Service Cavalry
2 ½ Kompanien des Bikaner Camel Corps
5. Kompanie des 1st Sappers and Miners Pionier-Bataillon
MG-Abteilung des Egyptian Camel Corps

4 x 7,62-cm-Feld-Kanonen der 1st/B-Battery der Honourable Artillery
4 x 7,62-cm-Feld-Kanonen der Berkshire Batterie der Royal Horse Artillery
4 x 7,62-cm-Feld-Kanonen der 1st Battery der Royal Field Artillery
6 x 6,99-cm-Gebirgs-Geschütze der Indian Mountain Artillery


Bei Khormaksar:
Stab der Aden Brigade unter General-Major Georg J. Younghusband
Stellvertreter und Verbindungsoffizier Lieutenant-Colonel Pearson
Inf.- Bataillon des 9. Ghurkha Inf.-Rgt.
Inf.- Bataillon des 23. Sikh-Pioneers Inf.-Rgt.
Inf.- Bataillon des 108. Indic Inf.-Rgt.
Inf.- Bataillon des 109. Indic Inf.-Rgt.
Inf.- Bataillon des 126. Baluchistan Inf.-Rgt.
2 Kompanien des Somaliland Camel Corps
2 Kompanien des Aden Camel Troop
1 Kompanie der Royal Engineers
5 x 7,62-cm-Feld-Kanonen der Camel Battery der Royal Garrison Artillery
3 x 7,62-cm-Feld-Kanonen Royal Field Artillery
4 x 7,62-cm-Feld-Kanonen Indian Coast Artillery


Bei Aden:
Inf.- Bataillon 1/4th Battalion The Buffs des Royal East Kent Rgt. (seit dem 5. August in Aden)
2 Kompanie der Aden Territorial Forces
2 Kompanien der Royal Garrison Artillery




Hier ein späteres Detailbeispiel für die im Jemen hergestellte Munitionsgurte (Bandoliers) der Infanteriegewehre.
(Soweit erkennbar; - Links ein Türkisches Mauser Modell 1887 und rechts; ein Mauser Modell 1890 oder 1893.)

Darüber hinaus zeigt das Foto auch recht deutlich; - Kat kauen, heißt im Jemen; – “Den Verstand verdichten“
http://i49.tinypic.com/52f14o.jpg
Bildquelle: Auf unbekannten Wegen durch Hadramaut und Jemen.


.
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 199555 | Verfasst am: 19.06.2012 - 10:32    Titel: Antworten mit Zitat

Lange erwartet und nicht enttäuscht worden!
Ich ahne in Ansätzen, was das wieder für eine Ameisenarbeit war

احترام عميق امتناني
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 199568 | Verfasst am: 20.06.2012 - 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich ahne in Ansätzen, was das wieder für eine Ameisenarbeit war
Was der eine sich hart erarbeiten muß, (weil er es nicht von der Pieke auf gelernt hat), fällt dem anderen . . . halt leichter.
Deine Recherche-Qualitäten werde ich wohl nicht mehr erreichen, aber immerhin könnte man mir unterstellen: Er hat sich ständig bemüht. - Zwinkern -

شبه الجزيرة ترحيب
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 199571 | Verfasst am: 21.06.2012 - 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Er hat sich ständig bemüht.

...und dadurch großartiges geleistet (Boell und Stuhlmann lassen grüßen) Zwinkern
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 200280 | Verfasst am: 11.10.2012 - 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Die isolierten Kämpfe im südlichen Jemen bei Aden zwischen Türken und Briten im 1. WK





Kapitel IV......... Die Kämpfe 1915 (TEIL 9)

11.) I. Die Kämpfe um Lahej und Sheikh Othman – DIE EREIGNISSE IM SEPTEMBER 1915





“Gesichter nordjemenitischer Stammeskämpfer“

http://i47.tinypic.com/nee0k1.jpg . http://i47.tinypic.com/2afajpt.jpg

Bildquellen: http://www.vikingsword.com/vb/showthread.php?t=15325 + Arabien Sands, Wilfred Thesiger



Auch diese, für die damalige Zeit exotisch anmutenden muslimischen Kämpfer sind während des 1. WK Verbündete des deutschen Kaiserreiches!
Diese seltene Zusammenarbeit geschieht aber mehr aus Zufall und der Notwendigkeit der Situation heraus, und vollzieht sich unter der Devise:

“ Der Feind meines Feindes muß mein Freund sein “



Das militante Element und kämpferische Selbstverständnis innerhalb dieser archaischen Stammesgesellschaften
ließe sich noch am ehesten mit der übersetzten Textpassage eines alten jemenitischen Gedichtes umschreiben:

“ ich, – gegen mein brüder; –
mit meinen brüdern, – gegen meine familie; –
mit meiner familie, – gegen meinen klan; –
mit meinem klan, – gegen die übrige welt “


Textquelle: Im Norden des Jemen, Dietmar Quist.





Karte 15. Türkische Detailkarte der Situation zwischen Lahej und Aden Anfang September 1915.

http://i49.tinypic.com/1ymg8.jpg

Bildquelle: Die Geschichte der Türkischen Streitkräfte, Band 6, Die Kriegsschauplätze im Hedschas, Asir, Jemen und Libyen 1914-1918
(Die Karte ist in dem oben aufgeführten Werk ohne Datum oder einen Zeitraum versehen. Aufgrund der Einordnung und
chronologischen Abfolge, der über 100 Karten und aufgrund der Positionierung der dargestellten Einheiten im Vergleich
mit Textpassagen, kann man aber davon ausgehen, dass es ich um die ersten beiden Septemberwochen 1915 handelt.)






WAR DIARY OF THE GENERAL STAFF OFFICER, ADEN – FROM 1st SEPTEMBER 1915 TO 30th SEPTEMBER 1915
Einträge vom 1. bis 30. September 1915 mit Auswirkungen auf den Großraum Aden:

http://i48.tinypic.com/scx1t3.jpg

Bild- und Original Textquelle: British National Archiv in London: http://www.nationalarchives.gov.uk/visit/
(Auch für den Monat September 1915 wurden die Eintragungen chronologisch aufgeführt und nur durch
separate Anmerkungen ergänzt. Alle Namen wurden so wiedergegeben wie im War Diary aufgeführt,
auch wenn sie an anderen Stellen anders geschrieben wurden. Textpassagen sind; soweit lesbar und
zu übersetzen, aufgeführt; auch wenn der genaue Sinn im Zusammenhang nicht immer ganz klar wurde.)






Mittwoch, der 1. September 1915
• Das indische Armeehauptquartier in Bombay teilt mit, dass Teile der 28. Inf.-Brigade im Laufe des Septembers abgezogen werden.
Eine Meldung besagt, dass Sheikh Ilias Bey, Kaymakam von Ibb, während der Kämpfe am 28. August um Waht getötet wurde. ( s.u. )
• In Waht bauen Türken und Araber ihre Verteidigungsstellungen südlich um die Stadt im Halbkreis von einer Meile Durchmesser weiter aus.
• Weitere Kamele und Mulis werden im Hafen entladen und sofort auf die neuen Transportkolonnen in Khormaksar und Sheikh Othman verteilt.
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Anmerkung zur oberen Meldung

Ein Ilias (Elias?) Bey findet sich in keiner der übrigen Aufzeichnungen. Dieser Name ist für Südarabien ungewöhnlich, und taucht mehr im
Syrisch-libanesischen Raum auf, was deutlich für einen Türken bzw. Osmanen sprechen würde. Kaymakam von Ibb ist zu diesem Zeitpunkt
aber der Jemenite; Sheikh `Abdullah Ibn Ghazeilán Bey. Er ist Führer des schiitischen Klans der Ghazeilán, welche eine Unterabteilung der
Bekíl bildet und im Raum Ibb, Jibla und Taiz siedelt. Die Konföderation der Háshid wa Bekíl stellt die mächtigste militärische und politische
Kraft im Jemen dar, und kämpft auf Seiten der Türken mit einem regimentsstarken Verband unter General Abdullah Ibn Muhain bei Bir Jabir.
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Donnerstag, der 2. September 1915
• Die Telefonleitungen zwischen Aden und Sheikh Othman sind alle in Betrieb und können nun von allen Einheiten genutzt werden.
• Die 28.Inf.-Brigade befindet sich noch vor Sheikh Othman und die Aden Brigade hält die Verteidigungslinie vor Khormaksar besetzt.
• Es trifft eine Nachricht ein, dass zuerst zwei Squadrons des 26. King George’s Own light Cavalry Regimentes und das Bataillon
der Malayan States Guides, Bombay am 11. September verlassen werden und voraussichtlich am 17., Aden als Verstärkung erreichen.
• Der Intelligence Summary des O.C. der Insel Perim enthält folgende Aussagen:
o Vermehrter Dhow-Verkehr und eine erhöhte Agententätigkeit des Gegners in der Straße von Bab el Mandeb.
o Stärke des Gegners auf der Halbinsel Sheikh Saíd: 600 Türken und 100 Araber mit 6 Feldgeschützen.
o Der Gegner erhält folgende Verstärkung: 2 Feldgeschütze sind mit einer Munitionskolonne von Moza aus,
auf dem Weg. Weitere 100 Türken und 100 Araber sind mit einem `großem´ Geschütz von Taiz aus unterwegs.
o Die Türken und Araber planen von der Halbinsel Sheikh Saíd aus einen neuen Angriff auf die Insel Perim.
o (Die Meldung enthält auch folgenden Kommentar:) “He will paid for any good information in this subject“ ( s.u. )
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Anmerkung zur oberen Meldung

Mit der Bemerkung, dass `jede wichtige Information über den Gegner auch gut bezahlt wird´, wird die Konsequenz daraus auch sofort ersichtlich.
Die Briten setzen mit ihren Geldmitteln eine Inflation von `echten´ und auch `vermeintlichen´ Spionagemeldungen aus der lokalen Bevölkerung
in Gang, weil für Meldungen; mit vielen Gegnern auch mehr bezahlt wird. Das erklärt zum Teil auch die Flut der vielen widersprüchlichen Aussagen.
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Freitag, der 3. September 1915
• Die Einheiten die vor Dar Al Amir liegen, können dort nicht länger als zwei Wochen stationiert werden.
• Der Artilleriekommandeur meldet an diesem Tag, dass keine rauchlose Munition mehr für die 15 Pfünder- (7,62-cm-Feldkanonen)
und 10 Pfünder-Geschütze (6,99-cm-Gebirgskanonen) vorhanden ist, und nun die älteren Lyddite-Granaten verteilt werden müßten.
• Nachdem Türken und Araber sich zurückgezogen haben, besetzen (eigene) Streitkräfte der Section IV erfolgreich Bir Ahmad. (s.u. )
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Anmerkung zur oberen Meldung

Das türkische Generalstabswerk widmet der eigenen Situation in diesen Tagen mehr Aufmerksamkeit als englische Quellen. In den vergangen Tagen
gab es einige Truppenverschiebung auf beiden Seiten. Die Vereinten Expeditionsstreitkräfte haben am 2. September die, westlich von Sheikh Othman
gelegene Ortschaft Bir Ahmad aufgegeben. Angaben, warum dies geschah, finden sich in keiner der Quellen. Ob es das Artilleriefeuer von einem, der
nur 6 Km entfernt liegenden britischen Schiffe, südlich von Haswa war, oder die exponierte Lage, bleibt offen. Nachdem Türken und Jemeniten ihre
rechte Flanke verkürzten und der Gegner die Ortschaft an diesem Freitag besetzt, rücken die Expeditionsstreitkräfte zwischen 5. und 7. September
nun auf allen drei südlichen Anmarschwegen nach Sheikh Othman weiter vor. Die Briten rücken zeitgleich ebenfalls vor, und errichten vorgeschobene
Posten auf diesen drei Wegen. Dadurch ergibt sich eine gerade, parallele und dichtere Front von Bir Ahmad im Westen, nach Bir Jabir im Nordosten.



Karte 16. Die “Verdichtung der Fronten“ in den ersten zwei Septemberwochen 1915 nördlich von Aden.

http://i49.tinypic.com/r9l5p4.jpg

Bildquelle: The Armed Forces of Aden 1839-1967.
(Die türkischen Kartenbeilagen des o.g. Generalstabswerkes beinhalten zwar immer sehr viele Detailinformationen, haben
aber den Nachteil, dass die geographischen Proportionen oft sehr verzerrt wiedergegeben wurden. Deshalb wurde die Aus-
gangssituation für September auf eine detailliertere Karte übertragen und durch Positionen aus textlichen Angaben ergänzt.)

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Samstag, der 4. September 1915
• Eine Meldung besagt, dass Türken und Araber in Lahej konstant Verstärkungen aus dem Hinterland erhalten.
• Gemäß eingehenden Berichten hat sich die Gesamtlage der Türkischen Truppen im Jemen nicht wesentlich verändert.
• Die drei Kompanien der 51. Sikhs und der 53. Sikhs (Frontier Force) kehren von den Inseln Hanish und Zoukar nach Aden zurück.
• Eine Einheit der 62. Punjabi Rifles bereitet sich vor, nach Norden zu marschieren.




Sonntag, der 5. September 1915
• Das Inf.-Bataillon der 51. Sikhs beginnt mittags im Stadtteil Maala mit dem Einschiffen auf dem Transportschiff S.S. ELLENGAH
• Eine Einheit der 109. Infantry (Indisches Inf.-Bataillon) hält vorrückende Türken und Araber, 2 Meilen (?) hinter As Sela auf.






Montag, der 6. September 1915
• Der G.O.C. (Brigadier-General Charles H. Price) bestimmt Colonel Baldock zum O.C. der 108. Infantry.
Lieutenant-Colonel Elsmie bestimmt Captain Gunter und Captain Chapman als seine neuen Verbindungsoffiziere.
• Die 51. Sikhs verlassen um 10:00 Uhr den Hafen Aden auf der S.S. ELLENGAH Richtung Rotem Meer nach Suez.
• Zwei weitere Kompanien, des 126. Baluchistan unter Major Barrett erreichen Aden und besetzen Stellungen bei Khormaksar.
• Der G.O.C. befiehlt keine weitere Telefonleitung vom Hauptquartier am Steamer Point nach Sheikh Othman zu verlegen.
• Der Aden Camel Troop stößt von Khormaksar vor und drängt eine Araber Patrouille erfolgreich zurück,
die aus Abyan kam. Sofort wird Imad besetzt und Stellung bezogen und die Versorgungkolonne folgt unmittelbar nach.
• Es treffen weitere Berichte ein, dass die türkischen Truppen bei Waht laufend verstärkt werden, und
die dortige Garnison eine ergiebige Wasserquelle im Wadi Kabir, 4 Meilen südlich der Siedlung gefunden habe.




Dienstag, der 7. September 1915
• Kein Wechsel in der Situation. (???)
• Die ersten Teile der 53. Sikhs begeben sich an Bord des Transportschiffes, der S.S. CHILKA im Hafen von Aden.
• Der G.O.C. macht gegenüber dem Indischen Armeehauptquartiers in Bombay erstmals den Vorschlag, die grundsätzlichen
Angriffsabsichten `Seiner Majestät Streitkräfte´ in Aden abzuändern und in Zukunft von der Kolonie Aden nur eine offensive Ver-
teidigung zu betreiben, dessen Hauptaufgabe im Schutz des Adener Hafens und der Kabelstation besteht. Das Indische Armee-
Hauptquartier geht aber nicht darauf ein und besteht weiterhin auf einer Wiedereinnahme von Lahej und im zweiten Schritt einer
Rückeroberung des gesamten Protektorats Aden um das britische Ansehen auf der Arabischen Halbinsel wiederherzustellen. Im
letzten Schritt soll die Planung für eine Eroberung des Osmanischen Jemens weiter untersucht, und alle notwenigen Maßnahmen
unternommen werden, um zu gegebener Zeit auch an dieser Stelle der Arabischen Halbinsel eine Offensive beginnen zu können.




Mittwoch, der 8. September 1915
• Die Türken haben die Telefonverbindung von Lahej nach Waht erweitert.
• Die 53. Sikhs und die 105. Field Ambulance verlassen Aden und fahren nach Suez ab.
• Die Admiralität gibt die Anweisung; ein Schiff (?) nach Mokka im Roten Meer zu entsenden.
• Der G.O.C. (General-Major Younghusband) läßt die 5 inch guns von Khormaksar nach Sheikh Othman vorziehen.
• Der G.O.C. erhält Informationen, dass Türken und Araber von Nubar (?) und Fiyush aus, versuchen Patrouillen vorzuschicken.




Donnerstag, der 9. September 1915
• Einheiten der 56. und 62. Punjabi dringen über Dar Al Amir hinaus, weiter in Richtung Fiyush vor und errichten dort Stellungen.




Freitag, der 10. September 1915
• Eine weitere Türkische Infanterieeinheit hat Lahej verlassen und befindet sich auf dem Weg nach Waht.
• Aus Kairo kommt die Information, dass das Bataillon der 62. Punjabis, permanent in Aden verbleiben soll.
General-Major Younghusband verläßt die Kolonie Aden endgültig an Bord der S.S. MOOLTAN, in Richtung Ägypten.
(Brigadier-General Price ist damit nun Oberbefehlshaber aller Streitkräfte, Kommandeur der Aden Brigade und Gouverneur der Kolonie!)
• Die Türkische Garnison in Sheikh Said ist auf 80 Türken, 170 Araber und 4 Gebirgsgeschütze reduziert worden. (?)
Der Türkisch-Arabische Führer der den Einheiten von Sejjid Idrísi gegenübersteht, ist angeblich getötet worden. (s.u. )
______________________________________________________________________________________________________________________
Anmerkung zur oberen Meldung

Hier ist die Rede von, Sayidd Hādi Ibn Ahmed El-Heij (Pasha); Führer des mit den Osmanen verbündeten Klans der sunnitischen Wa´āzāt. Er ist ein
erfahrener Kämpfer und, `Alter Feind´ von Sejjid Idrísi, seit dieser am 18. Dezember 1910 einen Aufstand gegen die osmanische Herrschaft beginnt,
und seit 1912 seinen Bruder Sheikh `Abdullah in Gefangenschaft hält. Sejjid Idrísi hatte die Kämpfe zwischen den Osmanen und Zaiditen ausgenutzt,
und große Teile des Nordjemens geplündert. Hinzu kommt, dass er sich während des Italienisch-türkischen Krieges 1911 - 1912, noch zusätzlich mit
den `ungläubigen´ Italienern verbündet. All diese Ereignisse machen ihn bei Osmanen und dem Großteil der Schiiten und Sunniten im Osmanischen
Jemen
gleichermaßen zu einem Erzfeind, auch wenn sich einige der Stämme im Norden anfangs auf die Seite von Sejjid Idrísi schlagen, weil sie sich
Vorteile aus dieser Allianz versprechen. Anfang September 1915 greift Sejjid Idrísi den Nordjemen wieder mit ausländischer Unterstützung an, und so
stehen sich die beiden Gegner an der Küste des Roten Meeres bei Loheija erneut gegenüber. Mit türkischer Unterstützung der 40. Inf.-Div. gelingt es
nun Sayidd Hādi Ibn Ahmed, die Truppen von Sejjid Idrísi zurückzuschlagen, wobei er selber während der Kämpfe durch einen komplizierten Schulter-
schuß schwer verletzt wird. Entgegen der Vermutung im G.S.O. Eintrag überlebt er aber, und wird für bisherige Verdienste von Mahmúd Nazim Pasha;
Türkischem Gouverneur im Jemen, zum Pasha ernannt. Sayidd Hādi Ibn Ahmed El-Heij ist auch der erste sunnitische Führer im Osmanischen Jemen,
der ab 1909 von seiner Hauptsiedlung Mu´luk in der Tihāmah aus, Einheiten seines Stammes mit Unterstützung von osmanischen Instrukteuren, nach
westlichen Militärmethoden ausbildet, ausrüstet, gliedert und auch beginnt, einheitlich zu uniformieren. Nach seiner Genesung wird er zum Kaymakam
von Loheija und Mudir des Distrikts Jarb und Deirāmahumah ernannt. Der Nächste, in der Rangfolge stehende Führer Sheikh `Ali Ibrāhím wird nun der
militärische Befehlshaber der Wa´āzāt und verbündeten Beni Jāmi´ und kämpft die nächsten Jahre an der nördlichen Front zum Asir gegen Sejjid Idrísi.
Vergleiche hierzu auch:
The Turkish-Italian War in the Yemen 1911 - 1912, Seite 55-64.
In:
Arabian Studies Volume III, John Baldry 1976, Serjeant & Bidwell.
The Turco-Italian War of 1911 - 12, The Implications for `Asír, Seite 99-106
In:
The Idrísí State in `Asír 1906 - 1934, Anne K. Bang, Bergen Studies, 1996
Personalities, Chapter X., Volume II, Handbook of Yemen 1917, Seite 47 & 92.
In:
Near & Middle East Titles: Military Handbooks of Arabia 1913 - 1917 , Cairo 1917.
Military Recruitment in Ottoman Yemen and the Quest for Native Uniforms 1872 - 1914, Seite 119-142.
In:
Ottoman Costumes. From Textile to Identity, Suraiya Faroqhi & Christoph K. Neumann (!!! ), Istanbul 2004.
”All was not quite on the southern front”: Yemen´s social hierarchies and the role of the Ottoman State 1911 - 1918, Seite 57-81.
In:
Rethinking the late Ottoman Empire, A comparative social and political history of Albania and Yemen 1878 - 1918, Isa Blumi, Istanbul 2003.

[ Weitere, ausführlichere Details und Hintergründe, siehe später: Kapitel V / Die Kämpfe 1916 / Die Kämpfe der 40. Inf.- Division im westlichen Jemen ]
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Samstag, der 11. September 1915
• Der erste Eintrag an diesem Samstag vermerkt, dass es ein besonders heißer Tag ist.
• Der O.C.auf Perim berichtet, dass von Taiz aus, große Kontingente Arabischer Truppen nach Lahej aufgebrochen seien. (?)
• Der S.N.O. berichtet, dass die MINTO gemeinsam mit der ENTERPRISE und einem bewaffneten Schlepper
von der Insel Kamaran aus, bei Ras Khatib einen feindlichen Dampf-Schlepper und drei Leichter mit 500 Tonnen Kohle
• sowie einigen Ersatzteilen zerstört, und ungefähr 50 Türken mit einem Verlust von 20 Mann zurückgeschlagen haben.
. (s.u.)
______________________________________________________________________________________________________________________
Anmerkung zur oberen Meldung

Der Inhalt der Nachricht ist etwas merkwürdig. Die drei erwähnten Schiffe hat es zwar zweifelsfrei bei der britischen Marine zu diesem Zeitpunkt gegeben.
Auch können sich diese an dem Tag durchaus vor der Insel Kamaran im Roten Meer befunden haben. Ebenfalls gibt es ein Ras Ketib vor Hodeïda. Dass
aber ein Schlepper mit drei Kohleleichtern und Ersatzteilen zerstört wurde, ist schwer nachzuvollziehen, da die Osmanen im ersten Weltkrieg keinerlei Ein-
heiten mehr im Roten Meer oder dem Indischen Ozean stationiert hatten; wenn man jetzt mal von den nicht motorisierten Dhows absieht. Dies wäre bei der
erdrückenden Übermacht der Royal Navy auch ein ziemlich sinnloses Unterfangen geworden irgendwelche Schiffe oder auch Motorboote dort zum Einsatz
bringen zu wollen. Das Thema wurde hier schon mal angesprochen: Ottoman vessels in the Red Sea? Auch hätte ein Verschieben von 500 Tonnen Kohle,
der Küste entlang, nur Sinn gemacht, wenn der Kohlebedarf für weitere Schiffe vorhanden gewesen wäre. Ein Schlepper der in der Lage ist, drei beladene
Leichter auf die offene See an der Küste entlang zu bewegen, hätte auch mindestens 20 Meter lang sein müssen. Auch bei intensiver Suche ergeben sich
keine weiteren türkischen Schiffe, die Kohle benötigt hätten. Im Türkischen Generalstabswerk sind zwar detaillierte Angaben zu den Kämpfen um Hodeïda
aufgeführt, nicht aber über diesen oder einen ähnliche Vorfall. Kptlt. Hellmuth v. Mücke, I. Offizier auf der EMDEN und Führer des Landungszuges, erwähnt
zwar im Frühjahr 1915 noch einen alten französischen Frachter, nördlich von Hodeïda, nahe der Bucht Jabana; dieser ist jedoch in einem derart desolaten
Zustand, dass schon damals eine weitere Nutzung unmöglich erscheint, und man auf zwei einheimische Segel - Dhows angewiesen ist, um weiterzureisen.
Es handelt sich hierbei wahrscheinlich um den französischen Dampfer AFRIQUE, der schon 1905 für die Firma “Barbier, Rénard & Turenne“ Material für den
Ausbau der Leuchttürme auf den Inseln im Roten Meer transportierte und noch 1913 für die Firma, “Compagnie ottomane du Chemin der fer Hodeidah Sana et
embranchements“
Eisenbahnmaterial nach Hodeidah lieferte. Kurz vor Beginn des 1.WK soll dieser Dampfer dann im Roten Meer aufgegeben worden sein.
Vergleiche hierzu auch:
Ayesha, Hellmuth v. Mücke, Verlag August Scherl, Berlin 1915
The Ottoman Steam Navy, 1828-1923, A. Guleryuz & B. Langensiepen, Naval Institute Press 1995
Der Kampf um Arabien zwischen der Türkei und England, Franz Stuhlmann, Verlag von G. Westermann 1916
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Sonntag, der 12. September 1915
• Der G.O.C. gibt dem O.C. der No. V Section vor Sheikh Othman Anweisung, Türken und Araber nördlich von Dar Al Amir zurückzuweisen.
• Der S.N.O. erhält vom Kapitän der HMS MINTO, Commander C. Crawford den Vorschlag mit der MINTO und ENTERPRISE die türkische
Garnison in Hodeïda anzugreifen. Der G.O.C. lehnt, aufgrund unklarer Verhältnisse mit dem dort siedelnden Clan der Zarāniq, den Vorschlag ab.




Montag, der 13. September 1915
• Der Kommandeur auf Perim erhält weitere Verteidigungsinstruktionen vom G.O.C.aus Aden.
• Der G.O.C. (Brigadier-General Charles H. Price) begibt sich nach Sheikh Othman um die dortigen Truppen zu inspizieren.
• Das Adener Hauptquartier teilt die Verteidigungsabschnitte vor Sheikh Othman neu auf, wodurch eine neue, V Section entsteht.
• Es gibt Gerüchte, nach denen die Türken einen Angriff auf Dar Al Amir planen. (Wichtige Wegkreuzung 2 Km vor Sheikh Othman)




Dienstag, der 14. September 1915
• Die 1/4st Hampshire Battery der HAC marschiert von Aden nach Sheikh Othman, welches sie um 06:00 Uhr erreicht.
• Zeitgleich hat die Berkshire Batterie der RHA, Sheikh Othman verlassen und kommt um 06:00 Uhr im Stadtteil Maala an.
• Es sind keine weiteren wichtigen Nachrichten über den Gegner in Waht oder Lahej eingetroffen.




Mittwoch, der 15. September 1915
• Der G.O.C. befragt Lieutenant-Colonel Elsmie, Kommandeur der Aden Brigade und der 56. Punjabis, und informiert ihn über die neue
Verteidigungsposition der V. Section vor Sheikh Othman und dass noch nicht alle notwendigen Truppenverschiebungen abgeschlossen seien.
______________________________________________________________________________________________________________________
Ergänzungen zu diesem Tag

Hier zwei deutliche Detailfotos, die das Entladen von Kamelen im Hafen von Aden zeigen. Gemäß Bildunterschrift stammen beide
Fotos von diesem Mittwoch, dem 15. September 1915. (Bei der geringen Schattenbildung; wahrscheinlich um die Mittagszeit herum.)
Der Import von Kamelen nach Aden kann zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur bedeuten, daß diese aus Britisch- Somaliland stammen.

http://www.flickr.com/photos/palladwyr/1168383601/ + http://www.flickr.com/photos/palladwyr/1182017512/

Hier ein Vergleich, zwischen indischen und arabischen Kamel. Beide Arten werden im Protektorat Aden und Britisch-Somaliland eingesetzt.
Arabische Kamele sind genügsamer und brauchen weniger Wasser als Indische Kamele. Dafür können die Tiere von der Arabischen Halb-
Insel
, aufgrund ihres zierlicheren Körperbaus auch weniger tragen oder ziehen, als ihre Verwandten vom Indischen Subkontinent. Bei den
britischen Einheiten werden die Indischen Kamele für den Transport von Geschützen und innerhalb der Versorgungskolonnen genutzt, und
die einheimischen; also Tiere arabischen Ursprungs, aus dem Protektorat Aden und Britisch-Somaliland im Regelfall als Reittiere verwendet.

Das Kamel wird im Jemen während des 1.WK neben der Nutzung als Reit- und Transporttier, auch sicher als Fleischlieferant herangezogen.
Ob es allerdings jemals zur Zubereitung, wie in der Anleitung kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. “Gebackenes Kamel für 400 Personen“ - Zunge rausstrecken -
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Donnerstag, der 16. September 1915
• Meldung; Es wird angenommen das die Türkischen Kräfte vor Waht, auf 1.700 Mann, 12 Geschütze und 4 Maschinengewehre
angestiegen sind. Die Reserven des Gegners werden bei Lahej, auf 700 Mann, 4 Geschütze und 4 schwere Geschütze geschätzt. ( s.u.)
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Anmerkung zur oberen Meldung

An diesem Tag stehen bei Lahej nur zwei, statt vier schweren 10,5-cm Feld-Geschütze in Reserve. Sonst stimmen die Angaben über die Feindstärke
der oberen Meldung, exakt mit den Angaben des türkischen Generalstabswerk überein. Am 22. September 1915 erhält das türkische Hauptquartier in
Lahej, von einem muslimischen Überläufer einer Indischen Einheit vor Sheikh Othman die Meldung, dass ein feindlicher Angriff auf Waht unmittelbar
bevorsteht. Daraufhin wird ein großer Teil der eigenen Truppen im Raum Waht zusammengezogen. Ferner wird eine Eingreifreserve bei Lahej gebildet.
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Freitag, der 17. September 1915
• Das Ausladen des 56. “Camel Corps (?) wird heute abgeschlossen werden.
• Die letzten Offiziere vom Stab der 28. Inf.-Brigade werden in die Movable Column der Aden Brigade übernommen.
• Es ist ein sehr heißer Tag und die Truppen bei Sheikh Othman sind noch nicht losmarschiert. (?)
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Anmerkung zur oberen Meldung

Der Stab der 28. Inf.-Brigade hat Aden an diesem Tag zwar offiziell verlassen, ein großer Anteil der Offiziere sind aber von der Aden Brigade über-
nommen worden. Mit dem Abzug der 51. und 53. Sikhs, haben zwar zwei Bataillone Aden verlassen, dafür erreichen aber im Laufe des Monats die
26. King George’s Own light Cavalry und das Inf.- Bataillon der Malayan States Guides die Kolonie als Ausgleich. Damit hat sich die Anzahl der reinen
Kampfverbände sogar auf fast 9.000 Mann erhöht. Die Aden Brigade besteht nunmehr aus neun Infanteriebataillonen: 126. Baluchistan, 108. Indic Rifles,
109. Indic Rifles, 23. Sikhs Pioneers, 9. Ghurkha Rifles, 56. Punjabi Rifles, 62. Punjabi Rifles, 1/4 The Buffs und Malayan States Guides, sowie drei weiteren
berittenen Verbände in Bataillonsgröße: 26. King George’s Own light Cavalry, Somaliland Camel Corps, das Bikaner Camel Corps und der Aden Camel Troop.
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Samstag, der 18. September 1915
• Der G.O.C. in Ägypten fragt an, ob die Aufteilung der Einflußgebiete zwischen Indischen- und
Ägyptischen Hauptquartier weiterhin bei der Stadt Kunfudah (am Roten Meer) beibehalten werden soll.
• Der Secretary state berichtet, dass die Italiener Vetterli (Ital. Inf.-Gewehr)-Munition an Sejjid Idrísi geliefert hätten. Er erwähnt
weiterhin den Bedarf für die Le Gras (Franz. Inf.-Gewehr) und die großen Mengen an Italienischen Gewehren und Geschützen. (?)




Sonntag, der 19. September 1915
Keine Eintragungen für den Großraum Aden an diesem Tag




Montag, der 20. September 1915
• Eine (eigene) Einheit dringt bis As Sela vor, erhält dort Gewehr- und Geschützfeuer und kehrt um. Keine eigenen Verluste.
• Zwei weitere Squadrons des 26. King George’s Own light Cavalry haben das Ausschiffen beendet und kampieren in Maala.
• Es wird berichtet, dass Mohamed Nasir Mukbil am 17. September in Waht erschienen ist. (s. Anm. am 21. Sept. 1915)




Dienstag, der 21. September 1915
• Der G.O.C. ermahnt die Einheiten der Section I und II vor Sheikh Othman an ihre Pflichten. (!)
• Der O.C. der RGA und der C.X.O. (?) warnen davor, dass die HMS LUNKA vielleicht nicht
in der Lage sein wird, die geheimen Signale an den vereinbarten und vorbereiteten Orten abzugeben. (?)
• Der Kommandeur der 26. light Cavalry erhält Befehl am 23. September nach Sheikh Othman abzurücken.
• Es gehen Informationen ein, dass die Türken am 20. September den Sheikh der Akrabi nach Waht eingeladen haben. ( s.u.)
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Anmerkung zur oberen Meldung

An diesem Dienstag findet im Hauptquartier der vereinten Expeditionsstreitkräfte in Lahej eine der wichtigsten Konferenzen während des gesamten Krieges auf
türkischer Seite statt. Mahmúd Názim Pasha, Gouverneur des Jemens und General-Major Ali Sáid Pasha (*), Kommandeur der 39. Inf.-Division, hatten dazu ein-
geladen. Neben den türkischen Kommandeuren, wie General Ahmet Tevfik Pasha und General-Major Ragheb Bey und den Führern der schiitische Zaiditen und
sunnitischen Schafiiten des Osmanischen Jemens, nehmen auch die neuen Verbündeten aus dem Britischen Protektorat Aden teil. Besonders Ali Sáid Pasha
schwebt eine Fortführung des Vertrages von Da´ān vom 20. Oktober 1911 vor. (Einige Quellen sprechen vom 9. Oktober 1911) Auch wenn diese Gesetzesvorlage
damals noch nicht vom türkischen Parlament ratifiziert worden war, so hatte die praktische Umsetzung des Vertrages bereits schon weitreichende Folgen in der
Zusammenarbeit zwischen Osmanen und Jemeniten im Nordjemen. Die Dezentralisierung der Machtverhältnisse ermöglicht erstmalig eine Koexistenz zwischen
sunnitischen Osmanen und schiitischen Zaiditen und sogar eine erfolgreiche militärische Zusammenarbeit während des Italienisch-türkischen Krieges von 1911-12.
Ziel der Konferenz von Lahej, ist es festzustellen, wer sich, unter welchen Bedingungen in Zukunft an einer osmanisch-arabischen Konföderation im Jemen beteiligt.
[Über Einzelheiten der Konferenz und deren Konsequenzen im 1.WK, siehe später: Kapitel V / Die Kämpfe 1916 / Komplizierte Bündnisse im Jemen und Hadramaut]

[(*)Oberst (türk. =Miralay) Ali Sáid Bey ist im Laufe des Septembers 1915 zum General-Major (türk. =Mirliva) befördert worden und erhält zusätzlich den Titel Pasha]
Hier eine Auflistung und Gegenüberstellung der Militärischen Dienstgrade der beteiligten Nationen während des 1.WK: Comparative military ranks of World War I
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Mittwoch, der 22. September 1915
Bericht (nicht bestätigt), dass sich nun alle Türken in Waht befinden. (???)
• Der G.O.C. reicht Namen von Offizieren ein, die neue Positionen erhalten (Innerhalb der Movable Column):
Captain Page als permanenten als G.S.O. 3 (Stabsoffizier), Captain Marshal 62. Punjabi, Captain Jones als O.C. der RGA,
Brigade-Major (?) Captain Bannatyne 109. Infantry, Staff Captain (Stabsoffizier?) Captain Gunther, Major Bradshaw wird temporär
als Lieutenant-Colonel und Captain Gwyer zum Major berufen, Captain Lake der Königlichen Signaltruppen wird nach Sheikh Othman
zur No. Section V versetzt. Captain Seeker der 1/4th The Buffs soll sich die Bereitstellungen in Sheikh Othman für seine Einheit ansehen.
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 200281 | Verfasst am: 11.10.2012 - 20:51    Titel: Antworten mit Zitat

Donnerstag, der 23. September 1915
• Der O.C. von Perim berichtet, dass die Türken und Araber einen Angriff vorbereiten. (?)
• Die Vorbereitungen sind abgeschlossen und es gibt keine Änderung in der Situation. (?!?)
• Die Einheiten der No. V Section sind darauf vorzubereiten Munition für Pistolen, Geschütze und Gewehre zu empfangen,
und sich mit den Munitions Kolonnen der Versorgungsabteilung abzustimmen, welche Mengen übernommen werden müssen.
• Der G.O.C.teilt dem C.G.S. (?) mit, dass Armee und Marine einen gemeinsamen Kodeschlüssel für den Empfang von Nachrichten erhalten müssen.
• Der G.O.C. gibt an den kommandierenden Offizier der No. V Section die Anweisung, er solle sicherstellen, dass keine türkischen Geschütze
südlich der Linie, zwischen Küste und westlich von Bir Ahmad vorhanden sind und sich auf Hiswa oder Little Aden zubewegen, ohne ihn zu informieren (!)




Freitag, der 24. September 1915
• Türkische Patrouillen sind heute vor Bir Ahmad gesichtet worden.
• Der G.O.C. empfängt heute Sultan Karim mit seiner neuen Zivilverwaltung für Lahej. (!!!)
• Der G.O.C. übergibt eine Änderung für die Offiziere des Stabes (der Movable Column) mit:
Mobile Artillerie: Captain Gunter RGA, Brigade-Major (?) Captain Hutchinson: 23. Sikh-Pioneers, Captain Bannatyne: 109. Infantry.
• Der G.O.C .begibt sich nach Sheikh Othman zur No. V Section und besichtigt die Truppen für die Operation am nächsten Tag.
Er gibt den Befehl nach Waht zu marschieren und es zu besetzen. Das nächste Ziel ist die wichtige Stellung des Gegners bei Lahej, (!!!)
anschließend sucht er die Truppen der zweiten Kolonne bei Khormaksar auf, und gibt Befehl, die Vorbereitungen für den 27. ( !!!) abzuschließen.
Der O.C. der No.V Section informiert den G.O.C; er verfüge über Informationen nach denen die Türken Waht verlassen und Lahej vielleicht aufgeben. (???)




Samstag, der 25. und Sonntag, der 26. September 1915
• Der Verband der No I Section vor Sheikh Othman verläßt um 04:00 Uhr seine Stellungen und marschiert nordwestlich, über As Sela, auf Waht zu.
(Die zwei Squadrons des 26. King George’s Own light Cavalry Regimentes befinden sich nicht darunter, weil ihre Pferde große Schwierigkeiten haben sich an
die klimatischen Bedingungen zu gewöhnen) Der Vormarsch geht bis 08:00 Uhr, nur gegen leichten gegnerischen Wiederstand zügig voran und um 10:00 Uhr
erreicht die Kolonne Waht. Die Türken und Araber weichen bis hierhin zurück und beginnen aus ihren Verteidigungsstellungen um die Stadt herum ein heftiges
Artilleriefeuer auf unsere Truppen zu eröffnen. Um 14:00 Uhr erreicht türkische Verstärkung aus Lahej den Kampfplatz. Unsere Einheiten ziehen sich um 00:30
Uhr zurück und erreichen As Sela um 04:00 Uhr (Sonntagmorgen) Der Oberkommandierende, der sich in Dar Amir befindet, erhält Nachricht, dass die zu Fuß
marschierenden Soldaten unter Wassermangel leiden, weil der Vortag extrem heiß war. Es treten Fälle von Hitzschlag bei den Einheiten auf. 20 Meilen südlich
von Waht (?) werden die Verwundeten von den 126. Baluchistan aufgenommen, die ihre Stellungen bei Khormaksar verlassen haben um den zurückkehrenden
Truppen entgegenzumarschieren. Die türkischen Verluste werden auf 94 geschätzt, die der gegnerischen Araber auf 152. Weiterhin wurde ein türkischer Soldat
gefangengenommen und ein Batterieoffizier getötet. Der Kommandeur machte sich auf den Weg und beglückwünscht unsere Truppen für die geleistete Arbeit.
Die Truppen kehren um 22:00 Uhr zurück und nehmen wieder ihre Verteidigungsstellungen der Section No I und IV um Sheikh Othman und vor Khormaksar ein.

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Anmerkung zur oberen Meldung

10 Monate später, am 4. Juli 1916 erscheint in der `The Gazette of India´ eine Zusammenfassung des Indischen Armeehauptquartiers, von General Sir Beauchamp Duff,
Commander in Chief of India an den Secretary to the Government of India. In dem gesamten Bericht taucht die Meldung auf, die Briten hätten am 25. September 1915,
Waht mit nur einem Bataillon der 56. Punjabi Rifles angegriffen und erobert. Bis auf das Datum stimmen die anderen Angaben nicht mit den historischen Fakten überein.

http://i47.tinypic.com/34gau11.jpg

(Ähnliche) Bild- und Textquelle: http://www.london-gazette.co.uk/issues/29652/supplements/6696/page.pdf



Auf Seiten der Mittelmächte können die Medien in Konstantinopel dagegen erst am 17. Dezember 1915 in der „Neue freien Presse“ von diesen Geschehnissen berichten,
und dass wahrscheinlich auch nur aus einem gefilterten Englischen Zeitungsbericht, der eine, wenn auch nur kurzfristige, Eroberung von Waht angibt, als Angriffeinheit
allerdings schon ein Regiment und weitere Unterstützungen, und nicht nur ein Bataillon erwähnt. Hier waren schon wohl weitere Informationen aus Arabien durchgesickert.

http://i45.tinypic.com/15r1bo9.png

Bild- und Textquelle: Der Kampf um Arabien zwischen der Türkei und England, Seite 140, Franz Stuhlmann, 1916,



Die Doppelschlacht von Waht und As Sela am 25. & 26. September 1915
An diesen zwei Tagen werden über 13.000 Mann beider Parteien in Kämpfe verwickelt, womit diese Schlacht zur größten, während des ganzen Krieges an der Adener
Front wird! Da diese schweren Kämpfe aber im Grunde unentschieden enden, und die Parteien anschließend wieder in ihre Ausgangsstellungen zurückkehren, kommt
es auch zu keiner Veränderung der militärischen Situation an der Adener Front. Dies mag der Grund sein, warum diese Vorgänge in vielen Zusammenfassungen über
diesen entfernten Nebenkriegsschauplatz im äußersten Südwesten der Arabischen Halbinsel kaum eine Erwähnung finden. Selbst die hier aufgeführten G.S.O. Kriegs-
tagebucheintragungen in Aden sind diesbezüglich nicht sehr aufschlußreich. Einige wenige Primärquellen machen hingegen sehr detaillierte Angaben zu den Kämpfen.
Vergleiche hierzu auch:
War diary, Army Headquarters India, Aden Force. Vol. 10, Sep.1915 IOR/L/MIL/17/5/3963
Birinci Dünya Harbinde Turk Harbi - Hicaz, Asir, Yemen Cepheleri ve Libya Harekatı 1914-1918
Military Report on the Aden Protectorate General Staff, India Catalogue No-A 1915, Chapter II - VIII
Casualty appendix to war diary, Army Headquarters India, Aden, Vol. 10 Sep 1915 IOR/L/MIL/17/5/4011



Hintergründe
Am 24. September erhalten die Briten die Information; “Der Gegner werde Waht, und eventuell sogar noch Lahej aufgeben“, und dass, obwohl Tage zuvor noch mehrere
Meldungen eingingen; “Die Streitkräfte der Türken und Araber werden in diesem Raum ständig verstärkt.“ Auch hier wieder ein Indiz, dass zu viele Spionagemeldungen
letztendlich keine konkreten Ergebnisse bringen. Das indische G.S.I. Kriegstagebuch gibt folgende Einheiten der Movable Column an, die an dem Unternehmen am 25. &
26. September 1915 beteiligt sind: Drei Inf.- Bataillone; die 56. Punjabi Rifles, die 62. Punjabi Rifles sowie den 1/4th The Buffs. Drei weitere Inf.- Kompanien der 109.
Infantry
und der 23. Sikh-Pioneers sind ebenso Bestandteil der Movable Column, wie zwei Kompanien des Aden Camel Troop. Die drei Geschützbatterien der Camel
Battery
der R.G.A., die Berkshire Batterie der R.H.A. und die 1st Battery der R.F.A. bilden die artilleristische Unterstützung. Diese `Erste Welle´ in Stärke von 3.200 Mann,
steht unter dem Kommando von Lieutenant-Colonel A. Elsmie. Die `Zweite Welle´, mit weiteren 2.200 Soldaten, besteht ebenfalls aus drei Inf.- Bataillonen. Die 108.- und
109. Infantry und 126. Baluchistan stehen unter dem Befehl von Lieutenant-Colonel Bradshaw und sollen zwei Tage später, ab dem 27. September vorrücken und die
Offensive weiterführen. Die dritte Gruppe; die aus den Malayan States Guides und der King’s Own light Cavalry, mit 1.400 Mann besteht; kommt als Eingreifreserve
nicht mehr zum Einsatz. Es handelt sich also durchaus nicht um einen begrenzten Angriff wie der obere Bericht vorgibt, sondern um eine großangelegte Offensive, die
eine Rückeroberung von Lahej zum Ziel hat. Der G.O.C. War Diary Eintrag am 24. September läßt ebenfalls vermuten, dass die Briten fest mit einer Eroberung von Lahej
rechnen, und beabsichtigen den von ihnen gewählten Sultan Karim von Lahej mit einer neuen Zivilverwaltung einzusetzen. Oberbefehlshaber der gesamten Operation ist
Brigadier-General Price, obwohl dieser dem Indischen Hauptquartier in Bombay gegenüber bereits abriet, in Zukunft weiterhin an einer offensiven Strategie festzuhalten.



Samstag, der 25. September 1915, morgens
Der Aden Camel Troop hatte bereits am Abend zuvor die vorgeschobene Stellung nordwestlich der Straßengabelung von Dar Al Amir mit zwei Kompanien besetzt. Der
eigentliche Vormarsch der Movable Column beginnt am Mittwochmorgen um 04:00, nachdem die Einheiten ihre Stellungen der Section No.V bei Khormaksar verlassen.
Lieutenant-Colonel Pearson führt als stellvertretender Bataillonskommandeur die 56. Punjabi Rifles an, dicht gefolgt von den fünf Kompanien der 62. Punjabi Rifles. Die
beiden Kompanien der 23. Sikh-Pioneers begleiten unter Captain Hutchinson die folgenden Kolonnen der 1/4th The Buffs. Gemäß türkischem Generalstabswerk wird
dieser Angriff auf Waht von den vereinten Streitkräften erwartet. Trotzdem wird ihr Vorposten an der Stadtgrenze von As Sela überrascht, als um 06:00 Uhr die beiden
Kompanien des Aden Camel Troop plötzlich auftauchen. Bei der kurzen Schießerei wird ein türkischer Infanterist schwer verletzt. Zwei Soldaten, die den Verwundeten
zurückbringen wollen, geraten hierbei ebenfalls in britische Gefangenschaft. Der Rest des 14 Mann starken Vorpostens weicht zurück und überbringt diese Meldung an
einen weiteren Infanteriezug, der in Ad Darp liegt, und sich daraufhin nach Waht zurückzieht. Aufgrund des hohen Marschtempos der 56.- und 62. Punjabis erreicht der
britische Hauptverband As Sela bereits gegen 08:00 Uhr. Schon zu diesem Zeitpunkt stellt sich heraus, dass das Bataillon, 1/4th The Buffs diese Geschwindigkeit nicht
halten kann und sich hinter Dar Al Amir befindet. Durch die Telefonverbindung zwischen Waht und Lahej ist das türkische Hauptquartier mittlerweile über den britischen
Vormarsch informiert. Major Huseyin Husnu Bey, Führer der Eingreifreserve, marschiert daraufhin sofort mit den beiden Bataillonen III./115.Inf.-Rgt. und III./116.Inf.-Rgt.
los. Vormittags treffen weitere Meldungen von Hauptmann Ahmet ein und bestätigen einen Großangriff des Gegners. Ahmet steht mit den zwei Kamelreiter Eskadronen
und weiteren 500 berittenen Hashidi auf dem Anmarschweg, nördlich von Mansur. General Abdullah Ibn Muhain bleibt mit dem Großteil des Verbandes vereinbarungs-
gemäß bei Bir Jabir stehen. Lieutenant-Colonel Elsmie hat mittlerweile mit den beiden Punjabi Bataillonen um 10:30 Uhr die Verteidigungsstellungen vor Waht erreicht.
Zeitgleich ist Major Huseyin Husnu Bey von Lahej aus, mit seiner Reserve am nördlichen Stadtrand von Waht angekommen und geht dort in Bereitstellung. Unterdessen
hat sich die Kampfgruppe unter Major Rahib Bey, die bei Bir Muhammad mit dem III./119. Inf.- Rgt. und der 1./120. Inf.- Rgt. stand, auf den Weg in Richtung Südwesten
gemacht. Durch die, vor As Sela liegenden hohen Sanddünen erreichen sie ihre Position östlich der Siedlung aber erst gegen 14:00 Uhr. Zwei Kompanien, der 23. Sikh-
Pioneers
haben als Vortrupp der 1/4th The Buffs As Sela bereits erreicht und dort Stellung bezogen. Meldereiter des Aden Camel Troop hatten Captain Hutchinson vom
herannahen dieses unbekannten Gegners berichtet. Die westlich des Wadi Kabir stehenden Einheiten von Mohammed bin-Nāsir Múqbil und Ahmad Nu´mān sind durch
zwischenzeitliche Verstärkungen mittlerweile auf über 3.300 Mann angewachsen und bewegen sich ebenfalls auf As Sela zu. Auch hier verhindern, die nur langsam zu
passierenden Sanddünen, ein rasches Vorwärtskommen in Ost-westlicher Richtung. Sämtliche Hauptwege führen in erster Linie von Norden nach Süden. Damit ergibt
sich für die Gesamtlage die Situation, dass neben dem sich abzuzeichnenden Schwerpunkt bei Waht, ein zweiter Schauplatz weiter südlich, bei As Sela entstehen wird.



Samstag, der 25. September 1915, nachmittags und abends
Das 117. Inf.-Regiment liegt mit seinen drei Bataillonen und dem II./115. Inf.-Rgt. unter Oberstleutnant Şevket Bey in den gut ausgebauten Stellungen südlich von Waht.
Lieutenant-Colonel A. Elsmie hatte anfangs wohl noch auf die 1/4th The Buffs gewartet, entschließt sich aber gegen 15:00 Uhr zum Angriff, nachdem seine Artillerie und
auch die Versorgungkolonnen ebenfalls alle die vorgesehenen Positionen erreicht haben. Elsmie weiß, dass er mit seinen Kräften dem Gegner überlegen ist, besitzt aber
keine Information über die türkische Reserve bei Waht. Seine beiden kampferprobten indischen Bataillone sind mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut und be-
sitzen genügend Kampfkraft die feindlichen Stellungen zu bezwingen. Die türkischen Bataillone im Jemen bestehen aus 250 bis 400 Mann, und besitzen damit nicht mal
die Hälfte ihres planmäßigen Mannschaftsbestandes. Das gesamte 117. Inf.-Regiment kann mit 816 Soldaten gerade mal die gleiche Stärke aufweisen wie das indische
Inf.- Bataillon der 56. Punjabi Rifles. Den Briten ist zwar bekannt, dass der Gegner fast seine gesamte Artillerie bei Waht zusammengezogen hat, gehen aber wohl davon
aus, dass die geringe Munitionsausstattung ein wirkungsvolles Abwehrfeuer nicht zulassen wird. Diese Erwartung wird nicht erfüllt, als der türkische Artilleriekommandeur
Oberstleutnant İsmail Sehavi mit seinen dreizehn 7,5-cm-Gebirgsgeschützen und zwei 10,5-cm-Feldkanonen nachmittags wieder erwarten ein sehr heftiges Feuer auf die
britischen Verbände eröffnet, nachdem diese auf breiter Front angreifen. Zwei Kompanien der 56. Punjabi Rifles gelingt es beim zweiten Angriffsversuch in die vorderen
Stellungen des II./ 117. Inf.-Rgt. einzudringen und das besonders schwache türkische Bataillon, welches nur noch aus 192 Mann besteht, zurückzuwerfen. Sowohl Briten
als auch Türken werfen weitere Verstärkungen in das Zentrum der Kämpfe, welche mittlerweile auch zwei Batteriestellungen der Verteidiger erreicht hat. Unterdessen ist
gegen 17:00 Uhr die türkische Reserve unter Major Huseyin Husnu Bey mit dem III./115.Inf.-Rgt. und III./116.Inf.-Rgt. erschienen und greifen erfolgreich die linke Flanke
der indischen Einheit an. Hierauf wird das 62. Punjabi Rifles, welches bisher vom MG Feuer der Verteidiger auf der rechten Flanke niedergehalten wurde, herausgezogen
und beginnt nach einem Gewaltmarsch gegen 21:00 Uhr die türkische Eingreifreserve von Süden zu attackieren. Als die Kämpfe um die Stellungen vor Waht ihren Höhe-
punkt erreichen, erhält Lieutenant-Colonel A. Elsmie, Kommandeur der Movable Column die Meldung, dass weitere Kämpfe, tief in seinem Rücken bei As Sela stattfinden.
Hier hatte das völlig erschöpfte Bataillon der 1/4th The Buffs zwischenzeitlich gegen 15:00 Uhr die Ortschaft As Sela erreicht, und dort Rast gemacht. Der Kommandeur,
Lieutenant-Colonel F. Pattenson, lässt gegen 19:00 Uhr die noch marschfähigen Teile seines Verbandes weitermarschieren. Unter Captain Hutchinson beginnen die A-
und C Kompanie sowie die drei Kompanien der 109. Infantry und der 23. Sikh-Pioneers den Nachtmarsch, als sie gegen 20:00 Uhr aus östlicher Richtung vom III./119.
Inf.- Rgt. unter Major Rahib Bey überraschend angegriffen werden. Die am Ende marschierende C-Kompanie wird hierbei von der 1./120. Inf.- Rgt. zersprengt. Captain
Bannatyne
überbringt, aus As Sela kommend, den Befehl an Captain Hutchinson sich zurückzuziehen, da ein unbekannter Gegner, aus westlicher Richtung kommend
gemeldet wurde. Daraufhin zieht sich der britische Verband kämpfend auf As Sela zurück, wo ebenfalls heftige Gefechte mit Einheiten der Māwíyah und Shurman unter
Mohammed bin-Nāsir Múqbil ausgebrochen sind. Da eine Verbindung nach Norden zu Elsmie unterbrochen scheint, läßt Pattenson eine Meldung zu den eigenen Vor-
posten nach Dar Al Amir überbringen. Auch hier hatte es um Mitternacht ein Gefecht mit einem weiteren Gegner gegeben. Hauptmann Ahmet hatte den aus westlicher
Richtung kommenden Gefechtslärm gehört und mit seinem türkisch-jemenitischen Kamelreiterverband gegen Süden und Westen aufgeklärt. Als Brigadier-General Price
diese Meldungen erhält, läßt er Lieutenant-Colonel Harold Jacob umgehend mit der zweiten Kompanie des Bikaner Camel Corps zur Aufklärung losreiten. Ebenso soll
Lieutenant-Colonel Bradshaw mit dem Verband, den 108.- und 109. Infantry und 126. Baluchistan noch in der Nacht ausrücken und die anderen Einheiten unterstützen.





Karte 17. Die Doppelschlacht von Waht und As Sela – Die Situation am 25. September 1915

http://i49.tinypic.com/2645hs5.jpg

Original Bildquelle: American Geographical Society Library, Digital Map Collection, Aden, Yemen 1914





Samstag auf Sonntag, der 25./ 26. September 1915, nachts
General-Major Ali Sáid Pasha hatte unterdessen Waht erreicht um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Der britische Einbruch in die Verteidigungslinie konnte
zwischenzeitlich durch zwei Kompanien des I./ 117. Inf.-Rgt. gestoppt werden, da der linke Flügel durch den Abzug der 62. Punjabi Rifles entlastet wurde. Als man sich
auf britischer Seite langsam darüber klar wird, dass im Süden bereits Kämpfe mit weiteren Gegnern stattfinden und man damit abgeschnitten ist, läßt Lieutenant-Colonel
A. Elsmie
um 23:00 Uhr die Artillerie mit der D-Kompanie der 62. Punjabi Rifles als Erste abrücken. Oberstleutnant Şevket Bey und Major Huseyin Husnu Bey haben sich
darauf verständigt, sich im Westen vom Gegner zu lösen, und mit dem weiter südlich stehenden starken Verband unter Ahmad Nu´mān Kontakt aufzunehmen. Über den
genauen Standort ist man sich auf türkischer Seite zu diesem Zeitpunkt aber auch noch nicht ganz im Klaren. Gegen Mitternacht flauen die Kämpfe ab. Beide Parteien
haben nicht unerhebliche Verluste erlitten, und benötigen eine Kampfpause um die Verwundeten zu bergen. Elsmie verläßt um 00:30 Uhr an der Spitze der 62. Punjabi
Rifles
mit der Versorgungskolonne den Kampfplatz um Waht. Die 56. Punjabi Rifles folgen eine halbe Stunde später unter Leitung von Lieutenant-Colonel Pearson. Der,
die Nachhut führende Captain Chapman, meldet um 03:00 Uhr einen unbekannten Gegner der sich westlich, in einer halben Meile Abstand, ebenfalls parallel nach Süden
bewegt. Hierbei handelt es sich um den Verband von Major Huseyin Husnu Bey mit dem III./115.Inf.-Rgt. und III./116.Inf.-Rgt, der die Briten ebenfalls bemerkt. Den Wett-
lauf nach As Sela verliert diese türkische Einheit aber, da sie sich in den schwerer passierbaren Dünen bewegen. In Waht gibt Ali Sáid PashaBefehl an Major Hüsnü den
Gegner mit dem III./117. Inf.-Rgt. ebenfalls zu verfolgen. Obwohl die Einheit durch die vorangegangenen Kämpfe erschöpft ist, gelingt es Major Hüsnü dem Gegner dicht
auf den Fersen zu bleiben, da sie ebenfalls auf der dem besseren Hauptweg marschieren. Sowohl das türkische Generalstabswerk als auch die indischen G.S.I.- Kriegs-
tagebucheintragungen erwähnen die nun folgenden Bewegungen größeren Stils von allen Parteien in diesen frühen Morgenstunden, bei denen alle auf As Sela zustreben.



Sonntag, der 26. September 1915, morgens
Lieutenant-Colonel Bradshaw konnte Khormaksar um 06:00 Uhr mit der 108. Infantry und den 126. Baluchistan überhastet verlassen, obwohl die Munitionierung noch
nicht abgeschlossen ist, und auch keinerlei Versorgungsgüter mitgenommen werden können. Weder MG, noch Artillerie begleiten den Verband, da der Abmarsch der
beiden Bataillone frühestens in 36 Stunden erfolgen sollte. Nachdem auch noch aus nordöstlicher Richtung vor Imad Bewegungen feindlicher Kräfte gemeldet werden,
läßt Brigadier-General Price als letzte Eingreifreserve die 109. Infantry und die Malayan States Guides mit zwei Schwadronen der King George’s Own light Cavalry nörd-
lich von Khormaksar in Bereitschaft gehen, um auf diesen neuen Gegner reagieren zu können. Unterdessen spitzt sich die Lage bei As Sela weiter zu. Das erschöpfte
und unerfahrene Bataillon der 1/4th The Buffs hat an diesem Tag und an diesem Ort sein erstes Gefecht während des Krieges zu bestehen. Der Führer und die Mann-
schaften kennen weder Land noch Leute, und sind auch dem Klima nicht gewachsen. Dadurch treten erneute Fälle von Hitzschlag und Herzinfarkten mit Todesfolge auf.
Gegen 03:00 Uhr tritt Major Rahib Bey mit dem III./119. Inf.- Rgt. und 1./120. Inf.- Rgt. aus nordöstlicher Richtung erneut zum Angriff gegen As Sela an und wirft die fünf
Kompanien 1/4th The Buffs zurück, wobei innerhalb diese Bataillons ein heilloses Durcheinander entsteht. Die beiden Kompanien der 23. Sikh-Pioneers, müssen einen
Angriff des Verbandes unter Mohammed bin-Nāsir Múqbil aus südwestlicher Richtung abwehren und können den Engländern nicht zu Hilfe kommen. Lieutenant-Colonel
Pattenson
, Kommandeur der 1/4th The Buffs versucht im Zentrum der Ortschaft mit der A- und D-Kompanie eine neue Verteidigungsposition zu beziehen. Die B- und C-
Kompanie wird hierbei in der Dunkelheit völlig zersprengt; Reste finden sich später bei der E-Kompanie wieder ein. Um 04:15 Uhr ist aus nördlicher Richtung Kampflärm
zu hören. Hier hatte das III./117. Inf.-Rgt. unter Major Hüsnü die Nachhut von Lieutenant-Colonel Pearsons 56. Punjabi Rifles eingeholt. Die letzte Kompanie versucht den
verfolgenden Gegner aufzuhalten und bezieht Stellung. Als in der Linken Flanke der Inder, von Westen kommend plötzlich noch das III./115.Inf.-Rgt. und III./116.Inf.-Rgt.
unter Major Huseyin Husnu Bey angreift, wird die indische Stellung überrannt und mehrere Dutzend Gefangene gemacht. Durch diese Unterbrechungen ist der Abstand
zwischen den 56. Punjabi Rifles und den vorausmarschierenden 62. Punjabi Rifles immer größer geworden. Als Lieutenant-Colonel A. Elsmie von Norden kommend den
Stadtrand von As Sela erreicht, stößt er mitten in die zweiten Angriffsvorbereitungen der 2./119. Inf.- Rgt. und 1./120. Inf.- Rgt. des Major Rahib Bey hinein und sprengt
diese auseinander. Nicht viel anders geht es zuerst auch der Nachhut der 62. Punjabi Rifles, als die Schafiitischen Kampfgruppe unter Mohammed Ahmad Nu´mān kurz
vor Sonnenaufgang von Westen kommend, plötzlich die Flanke der britischen Kolonne attackiert. Diese sunnitischen Verstärkungen sind erst vor sechs Wochen in Lahej
erschienen und noch unerfahren in der Wirkung moderner Kampfmitteln. Ihr ungestümer Angriff bricht im Feuer von zwei indischen MG´s zusammen. Trotzdem gelingt es
Ihnen, auch unter großen Verlusten aufgrund Ihrer erdrückenden Übermacht bei weiteren Angriffen, das indische Bataillon in die Siedlung As Sela zurückzudrängen. Die
Schafiiten erhalten weitere Verstärkung von den erfahrenen Einheiten unter dem Vater Ahmad Nu´māns. Diese gehen wesentlich professionellere vor und kreisen As Sela
vollständig ein. Zusätzlich droht den Indern die Munition auszugehen, da sich der größte Teil der Versorgungskolonnen noch bei den weiter nördlich stehenden Teil, den
56. Punjabi Rifles befindet. Die Kämpfe werden nun völlig unübersichtlich, als gegen 10:00 Uhr auch noch die 108. Infantry unter Colonel Baldock von Südosten auftaucht.
Major Barrett hatte sich mit den126. Baluchistan vom gemeinsamen Verband, der zu Hilfe eilenden `Zweiten Welle´, auf Befehl von Lieutenant-Colonel Bradshaw getrennt,
um einen anderen Gegner zu verfolgen, der die Einheit auf dem Anmarsch mehrmals attackierte. Hauptmann Ahmet hatte den großen Verband der Briten noch rechtzeitig
anrücken sehen und seine Reiter rechts und links der Anmarschrichtung zwischen Dar Al Amir und As Sela verteilt. Dort gelingt es ihm den Gegner so aufzuhalten, dass
Lieutenant-Colonel Bradshaw zwei wertvolle Stunden verliert, als seine Kolonne immer wieder von beiden Seiten beschossen wird und dabei, wenn auch geringe Verluste
erleidet. Türken und Jemeniten können immer wieder ausweichen und neue Feuerüberfälle unternehmen, da der Gegner keinerlei berittene Flankendeckung mit sich führt.
Während Türken und Briten, schon erste Feldtelefone bei den Kampfhandlungen nutzen, greifen die Jemeniten noch auf die klassische Trompete, als Signalmittel zurück.

Der englische Kommentar über einen Gefallenen des 1st/4th (Territorial Force) Battalion; `The Buffs´ an diesem Tag lautet:
"When he died they had done ten miles with the sand of the desert up to their knees, and the blazing sun and the enemy's fire to contend with. . .What more could a man do?”



Sonntag, der 26. September 1915, mittags und nachmittags
Nachdem Major Barrett feststellt, dass der Gegner den er anfangs noch versucht zu verfolgen und gegen den er Stellung bezogen hatte, keine weitere Bedrohung dar-
stellt, folgt er mit den126. Baluchistan wieder, der inzwischen abgerückten Kolonne der 108. Infantry unter Colonel Baldock. An der Spitze dieser `Zweiten Welle´ hatte
Lieutenant-Colonel Bradshaw gegen Mittag As Sela erreicht, und greift die Umklammerung der jemenitischen Einheiten unter Ahmad Nu´mān von Süden an. Dieser ist
jedoch durch eigene Späher über den feindlichen Vormarsch informiert worden und errichtet, mit zwei Beute-MG und seinen drei alten Gebirgskanonen, Stellung nach
Süden. Wiedererwarten halten die Jemeniten diese Position wohl länger als von den Briten gedacht. Keine Quelle macht hierzu nähere Angaben. Sämtliche Einheiten
sind sowohl auf britischer Seite, als auch bei den Türken und Jemeniten völlig durcheinander geraten. Besonders im Osten haben sich die feste Fronten aufgelöst und
auf viele kleine Einzelgefechte selbständiger Gruppen verlagert. Eine Einheitliche Führung scheint für die Befehlshaber beider Parteien kaum noch möglich. Brigadier-
General Price
hat zwischen zeitlich seine leidlich mitgenommenen drei Bataillone in As Sela versammelt, als ein letzter schwerer Angriff, der beiden türkischen Gruppen
unter Major Huseyin Husnu Bey und Major Rahib Bey von Nord-Westen und dem jemenitischen Verband unter Mohammed bin-Nāsir Múqbil aus Südwestlicher Richtung
erfolgt, und mit Mühe zurückgewiesen wird. Aber auch die türkisch-jemenitischen Einheiten sind am Ende ihrer Kräfte und Möglichkeiten. Die 3. Kompanie des III./115.Inf.
-Rgt. besitzt noch eine Gefechtsbereitschaft von 7 Mann. Am besten geht es noch der 1. Kompanie /120. Inf.- Rgt, die aus 95 Mann besteht. Lieutenant-Colonel H. Jacob
versucht noch auf dem Schlachtfeld einen Austausch der verwundeten Gefangen zu arrangieren, welcher aber von den Türken abgelehnt wird. Gegen 17:00 Uhr trennen
sich die Gegner langsam voneinander, ohne das es zu weiteren größeren Kampfhandlungen kommt, und die britischen Kolonnen ziehen Richtung Dar Al Amir. Lieutenant-
Colonel A. Elsmie
hat mittlerweile die Information erhalten, dass sich im Süd-Westen kein Gegner mehr befindet und gibt Lieutenant-Colonel Bradshaw Befehl mit den
108. Infantry unter Colonel Baldock und den126. Baluchistan unter Major Barrett den Rückzug zu decken. Ein letzter Schußwechsel findet bei As Sela zwischen dem III.
/117. Inf.-Rgt. unter Major Hüsnü und den beiden Kompanien der 23. Sikh-Pioneers, um 18:00 Uhr statt, als die Briten die Türken an einer weiteren Verfolgung hindern.



Sonntag, der 26. September 1915, abends
Der letzte Feindkontakt entsteht gegen 19:00 Uhr, als Hauptmann Ahmet mit seinen Arabischen Kamelreitern ungefähr einen Kilometer vor Dar Al Amir nochmals auf die
beiden Kompanien des Bikaner Camel Corps und des Aden Camel Troop stoßen. Lieutenant-Colonel Harold Jacob war mit dieser nördlichsten Nachhut stehengeblieben
und auf die nachfolgenden Türken getroffen. Nach einem kurzen Feuerwechsel trennen sich die beiden Kamelreiterverbände ergebnislos wieder gegen 20:00 Uhr. Türken
und Briten ziehen sich nun endgültig auf ihre Ausgangsstellungen zurück. Die bei Khormaksar als Eingreifreserve gehaltene dritte Gruppe; mit Teilen der 109. Infantry und
die Malayan States Guides waren weiter in Bereitschaft geblieben, kommen aber letztendlich nicht mehr zum Einsatz. Lediglich die beiden, mit ihren Tieren einsatzbereiten
Schwadronen der King George’s Own light Cavalry waren gegen 17:00 Uhr nach Imad vorgerückt, weil der dortige Infanterie Vorposten mehrere feindliche Patrouillen ge-
meldet hatte und es auch zu Schießereien gekommen war. General Abdullah Ibn Muhain hatte von seiner nördlichen Position bei Bir Jabir Richtung Süden aufgeklärt. Die
Patrouillen waren aber gegen Abend wieder umgekehrt als sie Imad besetzt fanden. Die britische Kavallerieeinheit verbleibt noch bis zu nächsten Morgen, dem 27.9.1915
bei Imad und zieht sich dann ebenfalls wieder auf die Rückwärtigen Stellungen bei Khormaksar zurück. Die letzten Einheiten der Movable Column erreichen gegen 22:00
Uhr wieder ihre alten Stellungen bei Khormaksar. Die Krankenhäuser in Lahej und Aden; in Waht und Sheikh Othman haben sich zu diesem Zeitpunkt aber schon gefüllt.





Karte 18. Die Doppelschlacht von Waht und As Sela – Die Situation am 26. September 1915

http://i47.tinypic.com/2wlwo47.jpg

Original Bildquelle: American Geographical Society Library, Digital Map Collection, Aden, Yemen 1914
Zwecks besserer Darstellung der örtlichen Situation, wurde hier erstmals eine neue, `Alte Karte´ verwendet, die
eine höhere Auflösung, wesentlich detailliertere Geländeverhältnisse und eine genauere Lage von Städten und
Ortschaften bietet. Um den Wechsel besser nachvollziehen zu können, wurde das bisherige Format der Karten-
grundlage `The Armed Forces of Aden 1839-1967´ beibehalten. Die Schreibweise der Örtlichkeiten weicht auch
hier, bei Kriegsbeginn im Jahr 1914 wieder geringfügig von anderen englischen; und erst recht von türkischen
Quellen ab. Diese und auch die zukünftigen Karten wurden ordnungsgemäß bei der oben aufgeführten Quelle
erworben; mit der Auflage, sie nicht kommerziell weiter zu verwenden. (Auch hier Dank an LTDAN für die Info.)






Gemäß der folgenden Aufstellung hat das Bataillon The Buffs, an den beiden Tagen 8 Tote zu beklagen. In dem, ebenfalls darin erwähnten Buch zur Bataillonsgeschichte
sind wohl schon allein 14 Opfer, nur durch Hitzschlag und Herzversagen verzeichnet worden, ohne die weiteren Tote, Verletze und Vermißte aufzulisten die durch Kampf-
handlungen entstanden sind http://www.kentfallen.com/PDF%20reports/ADEN%20PLAQUE%20THE%20BUFFS.pdf , und in den Aufzeichnungen des Casualty appendix
to war diary, Aden Force
, IOR/L/MIL/17/5/4011 vom Indischen Armeehauptquartier für den September 1915, werden für beide Tage sogar 21 Tote, 36 Verwundete und 12
Vermißte des Bataillons aufgeführt. Ich erwähne diese Hintergründe auch nur, um mal darzulegen wie unterschiedlich, selbst englische Textquellen die eigenen Verluste
wiedergeben und wie schwierig es ist, sich in solchen Fall an Fakten halten zu wollen. Das türkische Generalstabswerk ist dagegen die einzig mir bekannte Primärquelle
der gegnerischen Seite, und soweit ich es zu beurteilen vermag, sind die Zahlen als durchaus glaubwürdig einzustufen; ohne die übliche `Beschönigung´ eigener Verluste.



Mit diesem Angriff haben die britischen Streitkräfte gezeigt, dass sie nach dem Verlust von Lahej am 5. Juni 1915 erstmalig wieder in der Lage sind, ihre befestigten
Stellungen vor Aden zu verlassen und einen Vormarsch mit der Movable Column zu unternehmen. Auch wenn die großen Versorgungsprobleme der Vergangenheit
nicht vollständig gelöst sind, ist man bei den Transport- und Versorgungskolonnen besser gerüstet. Diesmal wieder eine unerfahrene und nicht akklimatisierte Einheit
der englischen Territorial Forces (1/4thThe Buffs) einzusetzen, hat sich hingegen als schwerwiegender Fehler erwiesen. Das Bataillon wird zu Belastung und läßt die
Operation letztendlich scheitern, weil sogar die indischen Einheiten der zweiten Welle aus Khormaksar zur Rettung eingesetzt werden müssen. Weder die Eroberung
und Besetzung von Waht, noch der Angriff auf die gegnerischen Schlüsselpositionen vor Lahej, werden erreicht. Die türkischen und jemenitischen Einheiten können
diesen Angriff abwehren und das Konzept der flexiblen Vornewegverteidigung des türkischen Befehlshabers General-Major Ali Sáid Pasha erweist sich als erfolgreich.
Sowohl die britischen Angriffsvorbereitungen, als auch die türkischen Verteidigungsanstrengungen laufen unter Aufbietung aller zu Verfügung stehen Möglichkeiten ab.

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Montag, der 27. September 1915
• Es wird berichtet, dass die Türken Ad Darb (6 km südlich von Waht) wieder besetzt haben.
• Zwei schwere Geschütze haben Lahej am 25. September um ungefähr 5“ erreicht. (???)
• Der G.O.C. fragt bei die Admiralität in Port Said nach, wie es sich mit dem Erhalt einer weiteren Funkstation verhält.




Dienstag, der 28. September 1915
• Die Türken haben As Sela (9 km südlich von Waht) mit ungefähr zwei Bataillonen und 4 x 6 Geschützen besetzt. (???)
• Der O.C. auf Perim berichtet, dass drei türkische Bataillone Zabid verlassen haben und sich auf dem Weg nach Taiz und Lahej befinden.
• Um den 10. September (?) seien zwei türkische Bataillone und vier schwere Geschütze ebenfalls vom Zabid Distrikt nach Sheikh Said aufgebrochen. (?)




Mittwoch, der 29. September 1915
• Kein Wechsel in der Situation. (?)
• Die Admiralität in Port Said gibt an, dass die neue Marine Funkstation nur für militärische
Nachrichten zwischen Aden und den Seychellen und Aden und Bombay verwendet werden soll.
• Die Marine-Maschinengewehr-Abteilung kehrt von der No. V Section auf ihre Schiff, die HMS PHILOMEL zurück.
Second Lieutenant B. S. J. Smith der 108. Infantry wir mit Wirkung vom 24. September befördert und nach Perim versetzt.




Donnerstag, der 30. September 1915
• Es wird berichtet, dass 200 bis 300 Türken von Mansur aus, weiter nach Süden vorgestoßen sind.
Said Pasha und Ibn Nasir Mukbil und weitere Arabische Führer seien für Erfolge vor Aden befördert worden.




Hier noch drei Abbildungen von Lahej (oder Howta) vor, und während des Krieges:


Um 1860 ist diese Stadt noch unter dem Namen Howta, im Sultanat von Lahej, bekannt.
Nachdem die Briten am 16. Dezember 1875 das Alte Howta bei einer Strafaktion nieder-
brennen, wird die Stadt nach dem Wiederaufbau, wie auch das Sultanat; Lahej genannt.

http://i48.tinypic.com/xfax4y.jpg

Bildquelle: http://archive.org/details/journeythroughye00harruoft


Diese Aufnahme des Sultanspalasts in Lahej muß noch aus der Zeit vor 1893 stammen.

http://i48.tinypic.com/2qv9h1t.jpg

Bildquelle: http://archive.org/details/journeythroughye00harruoft


Das nächste Foto stammt aus der Kriegszeit. Die Herkunft ist allerdings ungewöhnlich, wenn
man der englischen Beschreibung Glauben schenken mag: Sultans palace in Lahej 1916.
Da die Engländer Lahej erst nach Kriegsende wieder betreten konnten, kann dies eigentlich
nur bedeuten; dass Foto stammt von einem Türken der nach 1916 in britische Gefangenschaft
geriet oder ein, in türkische Gefangenschaft geratener Brite hat diese Aufnahme 1916 gemacht.

http://i50.tinypic.com/2lv1x0j.jpg

Bildquelle: Private Fotosammlung




____________________________________________________________________________________________________________________________________
”Day by day and almost minute by minute the past was brought up to date. . . All History was a palimpsest, scraped clean and reinscribed exactly as often as was necessary”
GEORG ORWELL 1984

.
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 200287 | Verfasst am: 12.10.2012 - 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

Das entwickelt sich langsam aber sicher zur Dissertation Zwinkern

Hast Du das schon im Bestand?

http://de.scribd.com/doc/56817383/ANGLO- ... AND-DURING-THE-FIRST-WORLD-WAR-1906-1919

Und hier mag er sich auch noch kundig machen:

http://trove.nla.gov.au/newspaper/
("advanced search" nutzen)
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 200294 | Verfasst am: 13.10.2012 - 11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das entwickelt sich langsam aber sicher zur Dissertation

Nun mach hier bloß keinen Rückzieher, und behaupte ich hätte das Thema nicht rechtzeitig bei Dir eingereicht. - Lachen -


Zitat:
Hast Du das schon im Bestand?
http://de.scribd.com/doc/56817383/ANGLO- ... AND-DURING-THE-FIRST-WORLD-WAR-1906-1919

Der Autor, Dr. Abdol Rauh bin Yaccob, mittlerweile Professor für islamische Geschichte an der `Sultan Sharif Ali´ Universität in Brunei,
hat auch noch einige andere interessante Werke verfaßt, die zu unserem Thema passen könnten; leider alle in Arabisch oder Farsi(?)
Das Thema Übersetzungen hat aber mittlerweile, zeitlich und finanzielle Dimensionen angenommen, dass ich wohl doch auf dein Türkisch-Englisches
Übersetzungsprogramm zurückgreifen muß. Zeitlich bedeutet das aber auch keine Einsparung, da ja dann alles manuell eingegeben werden muß.


Zitat:
Und hier mag er sich auch noch kundig machen:
http://trove.nla.gov.au/newspaper/
("advanced search" nutzen)

Toll, es gibt also immer noch Neues auszuwerten. Gut gemacht!
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 200317 | Verfasst am: 16.10.2012 - 10:05    Titel: Antworten mit Zitat

Holger Kotthaus hat Folgendes geschrieben:

Der Autor, Dr. Abdol Rauh bin Yaccob, mittlerweile Professor für islamische Geschichte an der `Sultan Sharif Ali´ Universität in Brunei,
hat auch noch einige andere interessante Werke verfaßt, die zu unserem Thema passen könnten; leider alle in Arabisch oder Farsi(?)
Das Thema Übersetzungen hat aber mittlerweile, zeitlich und finanzielle Dimensionen angenommen, dass ich wohl doch auf dein Türkisch-Englisches
Übersetzungsprogramm zurückgreifen muß. Zeitlich bedeutet das aber auch keine Einsparung, da ja dann alles manuell eingegeben werden muß.


Diese Publikation ist in englischer Sprache abgefasst - und das Quellenverzeichnis hat es in sich

Hatte mir Deine beiden neuen Beiträge am Wochenende komplett durchgelesen - Du wirst tatsächlich immer noch etwas besser Gut gemacht!
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 200374 | Verfasst am: 02.11.2012 - 18:48    Titel: Antworten mit Zitat

DAS SCHICKSAL DER BESATZUNGEN DEUTSCHER HANDELSSCHIFFE IN MASSAWA WÄHREND DES 1.WK





Wir müssen an dieser Stelle unseren Monatlichen Report über die Kämpfe im Jemen kurz unterbrechen. Nach 2 ½-tägigen Nachforschungen im Politischen Archiv des
Auswärtigen Amtes in Berlin
ergeben sich Neuigkeiten zu dem Thema, welchen diesen Thread überhaupt erst entstehen ließ, und auf die wir hier kurz eingehen wollen.
Die Archivbestände über die Zeit des 1. WK gliedern sich in zwei Hauptkategorien. Die als Vertraulich eingestuften Akten sind noch als Originaldokumente vorhanden.
Die Geheim - Unterlagen, wurden nach dem 2.WK von den Siegern erbeutet und ausgelagert; `durften´ aber später von der BRD auf Mikrofilmen zurückgekauft werden.
Ferner wurden im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, in der Abteilung IV des Kriegsarchivs vom Februar 1915, weitere sehr interessante Dokumente gesichtet.



Die Suche konzentrierte sich im PA / AA auf fünf Themenbereiche, die hier im P A schon mal erwähnt wurden.

1.) Das Schicksal der Besatzung deutscher Handelsschiffe in Massawa (1914 -1919)
2.) Die Expedition von Frobenius auf dem Weg von Syrien nach Abessinien (1915)
3.) Das Unternehmen unter Stotzingen & Neufeld von Syrien in den Jemen (1916)
4.) Die Gruppe unter Möller und ihre Reise vom Hadramaut in den Hedschaz (1916)
5.) Deutsche Botschaftsangehörige auf dem Weg von Abessinien in den Jemen (1917)

Darüber hinaus ergaben sich weitere Neuigkeiten, auf die wir zu gegebener Zeit noch näher eingehen müssen!



Da es sich als nötig erweisen wird die Handlungen der einzelnen Jahre in sich geschlossen wiederzugeben um die Zusammenhänge zwischen den Vorgängen auf dem
Afrikanischen Kontinent und der Arabischen Halbinsel besser zu verdeutlichen, `muß noch einiges nachgeholt werden´, was sich bis Oktober 1915 auf der anderen Seite
des Roten Meeres in Eritrea, Abessinien und dem Sudan ereignete, bevor wir uns wieder dem Jemen widmen. Allein nur die Ergebnisse in Berlin zum Thema 1.) und 2.)
können als außergewöhnlich bezeichnet werden und umfassen über 300 Schriftseiten, die deutlich aufführen, daß nicht nur das Geheimunternehmen des Leo Frobenius
im engen Zusammenhang mit Aktivitäten der Besatzungsmitglieder deutscher Handelsschiffe im Hafen von Massawa, steht. Fernab der großen Schlachtfelder in Europa
wurden besonders in der Anfangsphase des Krieges eine wahre Flut (* ) von abenteuerlichen Einzelaktionen, verwegenen Kommandounternehmen sowie Spionage- und
Propaganda-Raids rund um das Rote Meer geplant, die auch heute noch weitgehend unbekannt sind. Für das Thema Nummer 3.) Stotzingen & Neufeld gibt es ja bereits
einen eigenen Thread im Panzer Forum, ebenso für die Nummer 4.) Die Gruppe von Möller. Schließlich wird das Thema Nummer 5.) wieder in diesem Thread erscheinen.
Die Vorgänge um den Suez-Kanal, 1914 bis 1916 gehören ebenso dazu, bilden aber ein eigenes Thema: 1.WK / Deutsche Einzelaktionen am Suez-Kanal und dem Sinai

(* ) = Vergleiche auch hierzu:
WAR BY REVOLUTION , Germany and Great Britain in the Middle East in the Era of World War I, Donald M. Mc Kale, Kent State University, Ohio 1998





Gliederung & Inhalt weiterer Beiträge dieses Themas (deutscher Besatzungen innerhalb der gesamten Operationen am Roten Meer 1914 -1919)

Da es sich bei dem Schicksal der Besatzungsmitglieder der deutschen Handelsschiffe nicht nur um eine Gruppe, und einen einmaligen Vorgang handelt, sondern
sich in sieben verschiedene Aktionen gliedert, werden diese in den folgenden Kapiteln der jeweiligen Jahre untergebracht. Das geschieht weil, wie Eingangs schon
vermutet, sich die beiden Themenbereiche: Die Besatzung deutscher Handelsschiffe aus Massawa und Die Kämpfe im Jemen , wirklich überschneiden werden.


INDEX

TEIL 1 in Kapitel IV / Die Kämpfe 1915 – Die erste Gruppe von Marineangehörigen verlässt Massawa und beteiligt sich an den Kämpfen auf dem Sinai
(Zweiteilige Gliederung)

TEIL 2 in Kapitel IV / Die Kämpfe 1915 – Die Zusammenhänge mit dem Geheim-Unternehmen des Leo Frobenius von Eritrea nach Abessinien und Asír
(Dreiteilige Gliederung)

TEIL 3 in Kapitel IV / Die Kämpfe 1915 – Türkisch-Arabisch-Deutsche`Jihad´-Propaganda & Sabotageunternehmen nach Kassala und Suakin im Sudan
(Zweiteilige Gliederung)

TEIL 4 in Kapitel IV / Die Kämpfe 1915 – Weitere Besatzungsmitglieder deutscher Handelsschiffe verlassen Massawa in Richtung Arabische Halbinsel
(Fünfteilige Gliederung)

TEIL 5 in Kapitel V / Die Kämpfe 1916
(Mehrteilige Gliederung)

TEIL 6 in Kapitel VI / Die Kämpfe 1917
(Mehrteilige Gliederung)

TEIL 7 in Kapitel VII / Die Kämpfe 1918-1919
(Mehrteilige Gliederung)


_____________________________________________________________________________________________________________________


TEIL 1 (von 7) – Die erste Gruppe von Marineangehörigen verlässt Massawa und beteiligt sich an den Kämpfen auf dem Sinai





DIE ERSTEN ZWÖLF

Das untere Originalschreiben ist am 6. März 1915 vom Vizekonsul Dr. Julius Loytved-Hardegg im Deutschen Konsulat in Damaskus aufgegeben
worden, und erreichte den Botschafter Hans Freiherr von Wangenheim, im Deutschen General - Konsulat in Konstantinopel drei Wochen später.

http://i50.tinypic.com/2igy88z.jpg

Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung des PA / AA Berlin der Bundesrepublik Deutschland.
(Aus rechtlichen Gründen darf der Schriftwechsel aber nur auszugsweise veröffentlicht werden)

Schon dieses eine Schriftstück führt ein paar sehr bemerkenswerte Details über eine Gruppe deutscher Seeleute auf. Der weitere Schriftwechsel
zwischen den deutschen Botschaften und Konsulaten in Damaskus, Beirut, Aleppo und Konstantinopel und den heimatlichen Dienststellen zieht
sich noch über etliche Seiten hinweg. Neben der, für die Behörden wichtigen Frage nach der Bezahlung bzw. Rückerstattung der Besoldung und
Reisekosten, ergibt sich ein recht deutliches Bild was “ DIE ERSTEN ZWÖLF “ Besatzungsmitglieder der, mittlerweile 8 deutschen Handelsschiffe
erlebt hatten: Den unten aufgeführten, elf deutschen und einem österreichischen Matrosen war es gelungen von Massawa aus daß, von britischen
und französischen Seestreitkräften beherrschte Rote Meer zu überqueren und anschließend auf dem langen und gefahrvollen Landweg die Sinai-
Halbinsel
zu erreichen, um als Freiwillige in dem noch sehr kleinen deutschen Militärkontingent am ersten Angriff auf den Suezkanal teilzunehmen.





Paul Hermann Longino , Ingenieur Aspirant auf dem Frachtdampfer SEGOVIA der Hapag (seit 6. August 1914 in Massawa)
Geboren. 08.11.1894 in Berlin, legitimiert durch: Seefahrtsbuch No. 1920, Hamburg 19.02.1913

Alfred Wierheim , Matrose auf dem Frachtdampfer PERSEPOLIS der Hapag (seit ? in Massawa)
Geboren: 13.11.1891 in Königszelt, (z.D. beurlaubt), legitimiert durch: Militärpaß der I. Matrosen Division Kiel, November 1913

Friedrich Ludwig Wächter , Matrose auf dem Frachtdampfer PERSEPOLIS der Hapag (seit ? in Massawa)
Geboren: 13.07.1892 in Mannheim (Marine Ersatz Reservist), legitimiert durch: Marine Ersatz-Reservisten-Paß, Bezirks Kommando, Hamburg 21.03.1913

Peter Röper , Matrose auf dem Motorschiff CHRISTIAN X der Hapag (seit 2. August 1914 in Massawa)
Geboren: 08.04.1896 in Altona, (1916 wehrpflichtig), legitimiert durch: Seefahrtsbuch No. 5869, Hamburg 30.05.1912

Johann Auer , Matrose auf dem Motorschiff CHRISTIAN X der Hapag (seit 2. August 1914 in Massawa)
Geboren: 12.11.1895 in Brunnenthal, (Kohlenzieher) Österreicher, legitimiert durch: Bescheinigung Seemannsamt, Bremerhaven 22.05.1914

Wilhelm Keiluweit, Obermatrose auf dem Motorschiff CHRISTIAN X der Hapag (seit 2. August 1914 in Massawa)
Geboren: 30.08.1880 in Szargillen (Bergmann), legitimiert durch: Militärpaß der 6. Kompanie II. Matrosen Division, Wilhelmshaven 21.09.1911

Hans Johann Bartenschläger , Matrose auf dem Motorschiff CHRISTIAN X der Hapag (seit 2. August 1914 in Massawa)
Geboren: 16.06.1889 in Eggelhausen, (Landsturm m.W. ), legitimiert durch: Landsturm Schein No. 575 Ob. Ersatz Kommando, Berlin 07.05.1911

Karl Kaefer , Matrose, (Schiff ?) Norddeutscher Lloyd (seit ? in Massawa)
Geboren: 26.09.1894 in Radebeul, (wehrpflichtig 1914), legitimiert durch: (Ersatzbeschaffung) Seefahrtsbuch No. 232, Bremerhaven 09.01.1913

Walter Kuhring, Matrose, (Schiff ?) Norddeutscher Lloyd (seit ? in Massawa)
Geboren: 31.12.1891 in Rixdorf, (zurückgestellt), legitimiert durch: Seefahrtsbuch No. 3560, Bremerhaven 02.09.1909

Georg Lenz, Matrose, (Schiff ?) Norddeutscher Lloyd (seit ? in Massawa)
Geboren: 05.05.1894 in Ober-Ostern, (Aufwäscher) legitimiert durch: Seefahrtsbuch No. 2766, Bremerhaven 08.05.1913

Heinrich Priegge, Obermatrose, (Schiff ?) Norddeutscher Lloyd (seit ? in Massawa[/color])
Geboren: 25.10.1888 in Lehe, (Schiffszimmermann), legitimiert durch: Militär Paß der 6. Kompanie II. Matrosen Division, Wilhelmshaven 21.09.1911

August Schützenmeister, Telegraphist, (Schiff ?) Norddeutscher Lloyd (seit ? in Massawa)
Geboren: 20.01.1885 in Mittelhof, (Huf & Wagenschmied), legitimiert durch: Militär Paß, Elsässisches Infanterie Regiment No. 143, Straßburg 25.09.1907





WEITERE DETAILS & HINTERGRÜNDE


I. Das Vorhandensein eines achten deutschen Handelsdampfers in Massawa

Neben unseren bisherigen sieben Frachtschiffen, (1.) CHOISING, (2.) AXENFELS, (3.) STURMFELS, (4.) ELLEN RICKMERS, (5.) CHRISTIAN X, (6.) SEGOVIA und
(7.) OSTMARK, taucht hier ein achtes Schiff, die PERSEPOLIS, auf. 1905 unter dem Namen GORJISTAN mit 4.508 Tonnen für die englisch-französische Strick Line
erbaut, wurde sie 1910 an die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt Aktien-Gesellschaft (HAPAG) verkauft und im Südamerika Dienst eingesetzt; 1916 dann von den
Italienern in Massawa beschlagnahmt und anschließend in BELLUNO umbenannt. Hier gibt es zwar noch einige widersprüchliche Diskussionen bezüglich des Schiffs-
namens; die Ausweispapiere der beiden Matrosen Alfred Wierheim und Friedrich L.Wächter, belegen aber meiner Ansicht nach die einwandfreie Identität des Schiffes.





MASSAWA EINST UND JETZT
Hier vier Aufnahmen dieser Hafenstadt am südlichen Ausgang des Roten Meeres, aufgenommen zwischen 1911 - 1920. (Bildquellen: Eigene Postkarten)

http://i46.tinypic.com/1zcmmu9.jpg . http://i45.tinypic.com/29v12li.jpg . http://i47.tinypic.com/19o9z9.jpg . http://i48.tinypic.com/2ypb055.jpg

Link mit außergewöhnlichen Fotos aus Massawa. `Morbider Charme einer untergegangen Zeit´: http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=578745





II. Die Größenordnung / Anzahl der Besatzungsmitglieder

Für die Besatzungsstärken dieser acht Schiffe liegen derzeit nur Zahlen der, CHOISING (28 Mann / 3.150 Tonnen), der SEGOVIA (44 Mann / 7.988 Tonnen) der
AXENFELS (55 Mann / 6.420 Tonnen) und der STURMFELS (70 Mann / 8.700 Tonnen), vor. Dies sind für die vier Frachtdampfer 197 Personen. Wenn man jetzt
die Größe der übrigen vier Schiffe, in Relation zu den vorhandenen Zahlen nimmt, so kommt man auf eine durchschnittliche Personenanzahl von 53 pro übrigem
Schiff, und eine Gesamtzahl von 212 Besatzungsmitgliedern. Hier kommen wir also auf einen theoretischen Wert von 409 Personen, die sich ab dem 12.1.1915,
dem Ankunftsdatum der CHOISING in Massawa, auf diesen acht deutschen Frachtschiffen befunden haben könnten. Außer der CHRISTIAN X waren die anderen
sieben Schiffe noch kohlebefeuerte Dampfer und werden ein ähnliches Verhältnis von Deck- und Unterdeckpersonal in den Maschinenräumen aufgewiesen haben.
Für einen vergleichbaren Dampfer aus dieser Epoche liegen hier Zahlen vor: Die ALTENFELS (26 Europäer an Deck sowie 7 Europäer+37 Inder an der Maschine)
wies also ein Verhältnis von 47% an Europäern zu 53% an Indern im Mannschaftsbestand auf. Wenn man das Verhältnis auf unsere acht Frachtschiffe überträgt,
so müßten es sich um überschlägig, 192 Europäer gehandelt haben. Der nächste Rechenansatz ist natürlich pure Spekulation: Um eine Zahl von Besatzungsmit-
gliedern aus dem Deutschsprachigen Raum zu erhalten, ziehen wir nochmals 33% ab und kommen auf einen Endwert von 128 Personen nach denen wir suchen!
Einige der digitalen Quellen:
http://www.ddghansa-shipsphotos.de/
http://www.marpetmenus.de/page_1199041510984.html
http://www.dsm.museum/DBSchiff/pdf_files/kiedel_dampf_oder_diesel.pdf





_____________________________________________________________________________________________________________________
2010 fing alles nur mit einer schlichten Frage an, und vor einem Jahr konnte ich noch behaupten; - `Ich habe das Thema voll im Griff´; . . . . . . heute ist es umgekehrt!

.


Zuletzt bearbeitet von Holger Kotthaus am 02.11.2012 - 18:52, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 200375 | Verfasst am: 02.11.2012 - 18:48    Titel: Antworten mit Zitat

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