1. WK / Dt. Aktivitäten am Roten Meer / Kämpfe im Jemen
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 200401 | Verfasst am: 06.11.2012 - 18:02    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Darüber hinaus ergaben sich weitere Neuigkeiten, auf die wir zu gegebener Zeit noch näher eingehen müssen!


Ich dreh schon unrund vor Neugier!! Grins
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Holger Kotthaus
Erfahrenes Mitglied


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BeitragBeitrags-Nr.: 200402 | Verfasst am: 06.11.2012 - 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Sitz hier z. Z. mit ner Schirmchenbrause am Bloubergstrand und bringe die knapp 1500 Fotos auf ein `lesbares´ Format.
Jedes Foto muß einzeln bearbeitet werden. Es wäre ja ziemlich unsinnig wenn wir uns beide diese Arbeit machen müßten.
Danach bekommst du deinen Teil. (Eine Mondlandung ist natürlich nicht dabei. - Grins - )
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 201109 | Verfasst am: 01.02.2013 - 06:11    Titel: Antworten mit Zitat

DAS SCHICKSAL DER BESATZUNG DEUTSCHER HANDELSSCHIFFE IN MASSAWA WÄHREND DES 1.WK





TEIL 1 (von 7) – Die erste Gruppe von Marineangehörigen verlässt Massawa und beteiligt sich an den Kämpfen auf dem Sinai





WEITERE DETAILS & HINTERGRÜNDE


TEIL 1 - III. Der Weg der deutschen Seeleute vom Südende des Roten Meeres zum Sinai


TEIL 1 - III. a.) Die strategische Situation im Roten Meer

Hierzu müssen wir uns nochmal die politisch-militärische Situation vor Augen führen. Verlegen wir also unsere “Zeit-Kapsel“ zurück in die zweite Hälfte des Jahres 1914:
Heute, am 8. August 1914 hat England dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Frankreich und Deutschland befinden sich bereits seit fünf Tagen im Kriegszustand. Alle
Parteien sind aber durch die, den Kriegserklärungen vorausgegangenen Ereignisse vorbereitet. Die deutsche Handelsschiffahrt erhält Instruktionen, soweit möglich, neu-
trale Häfen anzulaufen und die beiden Flotten der Entente Befehl; dies zu verhindern. Die zwei schmalen Zugänge des Roten Meeres werden im Norden von den Briten
durch den Suez-Kanal und im Süden durch ihren Stützpunkt in Aden, sowie der französischen Marinebasis von Dschibuti aus, kontrolliert. Von den beiden verbliebenen
neutralen Anrainerstaaten, Italien und dem Osmanischen Reich, besitzt das italienische Massawa den einzigen Tiefwasserhafen im Roten Meer. Zwischen dem 1. – 11.
August 1914 können die sieben Handelsschiffe Italienisch - Eritrea erreichen und werden dort aufgelegt. Aber nicht allen deutschen Schiffen gelingt es, sich rechtzeitig
dem Zugriff des Feindes zu entziehen: Die ISTRIA (4.200 Tonnen) wird am 14. August 1914, und die SÜDMARK (5.100 Tonnen), am 15. August vom britischen Panzer-
kreuzer HMS BLACK PRINCE im Norden des Roten Meeres gestellt, anschließend nach Suez gebracht und zu Prisen erklärt. Beide Schiffe gehören ebenso der Hapag.

(Für die deutsche Handelsschifffahrt entstehen auch noch weitere Verluste in Ägypten. Das Kaiserliche Konsulat in Neapel listet am 27. August 1914, 22
beschlagnahmte deutsche Handelsschiffe auf
: GUTENFELS, BÄRENFELS, RABENFELS, LAUTERFELS, WERDENFELS, DERFFLINGER, LÜTZOW, ROSTOCK, KOERBER,
MARQUIS BAEGUENHEIM, ANNABERG, ARCHAIE (?), HELGOLAND, EMIL, ISTRIA, HAIDAR PASCHA, PINDOS, PAROS, LUDMARKA, ANNE RICKMERS, GOSLAR, ALTAIR )

Noch ist das Königreich Italien offiziell ein Mitglied des Dreibundes mit Deutschland und Österreich-Ungarn. Der Vertrag tritt als Defensivbündnis aber nicht in Kraft, wenn
die Kriegserklärung von einem der drei Mitgliedstaaten an einen anderen erfolgt. (Wie im Falle Österreich-Ungarn an Serbien) Bis zur Unterzeichnung des Londoner Ver-
trages am 26. April 1915
verhält sich Italien noch neutral. Auch der andere große Anrainerstaat des Roten Meeres, das Osmanische Reich ist während der ersten Monate
des 1. WK noch nicht in das Kriegsgeschehen involviert und bis zum 20. August 1915 verhalten sich die Italiener den Osmanen gegenüber in dieser Region offiziell noch
neutral. (Italien erklärt Deutschland sogar erst am 28. August 1916 den Krieg). Nach drei Monaten der Untätigkeit ändert sich am 5. November 1914 die Lage für die, weit
von der Heimat abgeschnittenen deutschen Handelsschiffbesatzungen nun schlagartig, als die Engländer den Osmanen den Krieg erklären; zwei Tage später folgen auch
die Franzosen. Damit ergibt sich für die Deutschen in Massawa nun die Situation, daß auf der anderen Seite des Roten Meeres plötzlich ein neuer Verbündeter auftaucht!
Vergleiche hierzu auch:
Die Lage der Mittelmächte im Mai 1915, I. Das Eingreifen Italiens. In: Der Weltkrieg 1914-1918, Reichsarchiv Potsdam 8. Band, Mittler & Sohn, Berlin 1932, 731 Seiten.
Italien - Dissonanzen der Verbündeten, Seite 41-120, In: Die Krisen der Mittelmächte im Frühjahr 1915, Harald Fiedler, Diplomarbeit Uni. Wien, 2010, pdf. 220 Seiten.






TEIL 1 - III. b.) Die Nachrichtenübermittlung durch Funksprüche, Telegramme und Kuriere

Im Jahre 1914 verfügt das Deutsche Reich nicht über ein weltumspannendes Kolonialreich mit seinem dichten Netz von Großfunkstationen, wie seine Gegner. Die eigenen
Handelsschiffe und Auslandskreuzer sind daher darauf angewiesen von entfernteren eigenen Stationen erreicht zu werden und im Regelfall mit leistungsstärkeren Funkan-
lagen ausgerüstet, als die Schiffe der englischen und französischen Marine. (Auch wenn, wie in diesem Fall, die sieben Schiffe der Hapag und des Norddeutschen Lloyds
in Massawa mit englischen Geräten vom Typ, Marconi–Marine–Communication & Co., und nicht von Telefunken ausgerüstet sind.) In der ersten Augustwoche 1914 können
zwar etliche Frachter durch direkte Funksprüche der Großfunksende- und Empfangsanlage in Nauen, im Atlantik gewarnt werden, man ist aber noch `weit davon entfernt´
den Schiffsverkehr im Roten Meer oder dem Indischen Ozean zu erreichen. Selbst CHRISTIAN X und STURMFELS sind mit den neuen und leistungsstarken Funkanlagen
nicht in der Lage eine direkte, dauerhafte Kommunikation aufzubauen. Eine Möglichkeit besteht allerdings durch die Weitergabe von Funksprüchen deutscher Kriegsschiffe.
Vergleiche hierzu auch:
Telefunken und der deutsche Schiffsfunk 1903–1914 , Michael Friedewald, 33 Seiten.
Funkentelegrafie und deutsche Kolonien - Technik als Mittel imperialistischer Politik , Michael Friedewald, 13 Seiten.
Telefunken-Gesellschaft für drahtlose Telegraphie Telefunken-Zeitung Nr. 17 “Nauen-Nummer“ 3. Jahrgang, August 1919, 119 Seiten.
Historisches rund um die Telegraphie - Seefunktechnik der deutschen Handelsmarine 1910 bis 1919 , Hans-Georg Korth (Detaillierte Internetpublikation)



Karte 1
Die Karte zeigt das deutsche Weltfunknetz bei Kriegsbeginn im August 1914 und seinen Wirkungsbereich.
http://i50.tinypic.com/2rxtvo9.jpg
Bildquelle:
Kampf im Rufiji-Delta – Das Ende des Kleinen Kreuzers Königsberg, S. 23, R. K. Lochner, München 1987



Die Frage, WIE und durch WEN die Frachtschiffe im Roten Meer und Indischen Ozean die Nachrichten erhalten, ist damit aber gerade mal definiert, und nicht beantwortet.
Bisher konnte die genaue Herkunft jedes Schiffes nicht ermittelt werden, bevor es Massawa anläuft. Damit ist auch der Weg der Nachrichtenübermittlung noch nicht nach-
zu vollziehen. Der größte Teil wird hierbei aus dem Indischen Ozean kommend, das Rote Meer erreicht haben. Diese Vermutung beruht auf folgenden Fakten: Aufgrund
der eskalierenden politisch-militärischen Gesamtsituation, rechnen alle Partei mit unmittelbar bevorstehenden Kriegserklärung von der einen oder anderen Seite. Die Briten
haben in der ersten Augustwoche nachweislich Schiffen der Mittelmächte vermehrt Schwierigkeiten bereitet, den Suez-Kanal zu durchqueren, um für den Fall einer Kriegs-
erklärung sofort Zugriff auf die, in Port Said in Warteposition liegenden Schiffe zu erhalten und diese zu Beschlagnahmen oder als Priesen zu erklären. (siehe obere Liste)
Der nördliche Zugang des Roten Meeres; vom Mittelmeer über Port Said, den Suez-Kanal und die Stadt Suez wird damit zu Falle etlicher Handelsschiffe der beiden Mittel-
mächte Deutschland und Österreich-Ungarn. Aus diesem Grund wird davon ausgegangen das der größte Teil der Frachter, vom Indischen Ozean kommend, Massawa er-
reicht oder sich bereits im Roten Meer befindet, als die Kriegerklärungen am 3. August; Deutschland an Frankreich, und am 8. August von England an Deutschland erfolgt.

Die nächsten deutschen Funkstationen befinden sich in der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Die Anlagen in der Hauptstadt Daressalam am Indischen Ozean und den zwei, im
Landesinneren, am Viktoria-See liegenden Hafenstädten Bukoba und Mwansa sind zwar in der Lage, Funksprüche der beiden Großfunkanlagen in Windhuk in DSWA und
Kamina in Togo zu empfangen, die Sendeleistung reicht allerdings nicht aus, Nachrichten an die entfernteren Schiffe auf den Weiten des Indischen Ozeans weiterzuleiten.
Die deutsche Kolonie besitzt zwar auch eine Kabelverbindung, aber das letzte chiffrierte Telegramm wird am 31. Juli1914 in Daressalam, auch nur verstümmelt empfangen.
Anschließend unterbrechen die Briten, die Leitungsverbindung, die über Bagamojo nach Sansibar und damit an das Kabel Bombay - Perim weiterführt. Die nächste wichtige
Nachricht aus der Heimat läßt aber nicht lange auf sich warten. Bereits am nächsten Morgen, dem 1. August 1914 kann wiedererwarten ein Funkspruch aus Nauen mit den
neusten Berichten über die bedrohliche Situation in Europa von der Funkstation in Daressalam empfangen werden. Diese Informationen und weitere Instruktionen werden
umgehend an den Kleinen Kreuzer S.M.S. KÖNIGSBERG weitergeleitet. Der Kreuzer hatte am Vorabend Daressalam verlassen und befindet sich zwischen dem 1. und 5.
August 1914 vor der Küste von Britisch-Ostafrika und Italienisch-Somaliland. Am 6. August 1914 wird Kap Guardafui umrundet und in den Golf von Aden eingelaufen. Die
KÖNIGSBERG und die Handelsschiffe, die sich im Indischen Ozean und dem Roten Meer aufhalten, sind damit in gegenseitiger Funkreichweite. Durch diese häufig durch-
geführten Warnmeldungen der KÖNIGSBERG an die in der Nähe befindlichen Frachter werden sogar die englischen Funkstellen in Aden und auf der Insel Perim alarmiert.

Damit ist eine Möglichkeit aufgewiesen, wie die Frachter Informationen über die drohende Kriegsgefahr und die Anweisung, zum Anlaufen neutraler Häfen erhalten haben.
Eindeutig nachgewiesen sind zumindest die Funksprüche zwischen der KÖNIGSBERG und dem Frachter OSTMARK. Kapitän B. Peter ist mit seinem Schiff, von Hamburg
kommend, auf dem Weg nach Karachi, als ihn die Nachricht der KÖNIGSBERG erreicht. Beide Schiffe treffen sich am Freitagnachmittag, den 7. August 1914 um 16:00 Uhr
in der Bucht vor Burum am Südende der Arabischen Halbinsel. Dort liegt bereits der Frachter ZIETEN vor Anker der ebenfalls durch Funk informiert wurde. Kapitän B. Peter
wird auf eigenen Wunsch mit der OSTMARK noch am gleichen Abend vom Kapitän der KÖNIGSBERG, Max Looff wieder entlassen. 24 Stunden später passiert sein Schiff
die Straße von Bab al-Mandab und läuft anschließend in das Rote Meer ein, bevor er am frühen Morgen des 11. August 1914, die schützende Hafenstadt Massawa erreicht.
Vergleiche hierzu auch:
Eine Verstärkerröhre vom Kreuzer KÖNIGSBERG“, In: Pionierjahre der kolonialen Telegrafie-Verbindungen, Seite 12 u.f., Golf Dornseif, pdf. 17 Seiten.
Das Ende der City of Winchester“, In: Kampf im Rufiji-Delta - Das Ende des Kleinen Kreuzers Königsberg , Kapitel 11, S. 106-110, R. K. Lochner, München 1987




Karte 2
Die Karte zeigt die Fahrt und Positionen des Kleinen Kreuzers S.M.S. KÖNIGSBERG im August 1914 an der
Ostafrikanischen Küste und im Golf von Aden. Am 7. August 1914 ankert die KÖNIGSBERG, dabei sogar an
der Küste des Jemens in der Bucht von Burum; unmittelbar südlich des englisch kontrollierten Hafen Mukalla.
http://i46.tinypic.com/szev0l.jpg
Bildquelle:
Kampf im Rufiji-Delta – Das Ende des Kleinen Kreuzers Königsberg , S. 114, R. K. Lochner, München 1987



Die italienische Kolonie Eritrea ist bei Kriegsbeginn ebenfalls in der Lage, Neuigkeiten aus aller Welt aufzufangen und auch weiterzugeben. Seit 1912 besteht direkte Funk-
verbindung zwischen der Station in Massawa, mit ihren deutlich sichtbaren Sendemasten, und der italienischen Großfunkanlage in Coltano bei Pisa. Ebenfalls können mit
Assab, der zweiten Hafenstadt im Süden der Kolonie und der Hauptstadt Mogadischu in Italienisch-Somaliland, Funksprüche ausgetauscht werden. Massawa besitzt dar-
über hinaus seit 1900 eine Telegrafenverbindung
nach Assab welche durch das Rote Meer zur Insel Perim weiterführt und damit an das weltumspannende, britische Netz
angeschlossen ist. Im Landesinneren führt das Kabel weiter über Asmara nach Addis Abeba, im benachbarten Abessinien. Dort befinden sich auch die Vertretungen der
drei Mittelmächte; Der deutsche General-Konsul Friedrich Wilhelm von Syburg, der Gesandte Lorenz Jensen, der österreichisch-ungarische Honorar-Konsul Wilhelm Karl
Schwimmer
und der türkischen General-Konsul (Büyükelçi) Edhem Bey und ihre jeweiligen Mitarbeiterstäbe. Auch halten sich noch weitere Personen aller drei Nationen in
Addis Abeba auf, die aus dem Anglo-Ägyptischen Sudan bereits ausgewiesen wurden oder geflohen sind, bevor sie von den dortigen Behörden verhaftet werden konnten.
(Auf diese Verbindungen, Hintergründe und Situation der deutschen `Kolonie´ in Abessinien, zu Beginn des 1. WK werden wir im übernächsten Beitrag detailliert eingehen)



Die Deutschen und Österreicher die sich in Massawa und Addis Abeba befinden, dürfen zwar offiziell die Italienischen Kommunikationsmittel benutzen, unterliegen aber der
strengen Überwachung der Italienischen Behörden bezüglich der Einhaltung internationaler Neutralitätsbestimmungen. Damit kann, und will man, von deutscher Seite auch
keine geheimen Informationen und militärischen Nachrichten, weitergeben oder empfangen. Erst nachdem die Sendeleistung der deutschen Großfunkanlage in Nauen ver-
stärkt wurde, sind die Funkanlagen der Handelsschiffe im Hafen später in der Lage, verschlüsselte Nachrichten der heimatlichen Dienststellen des Auswärtigen Amtes, des
Kolonialministeriums, des Marineamtes und weiterer Behörden zu empfangen. Antworten kann man allerdings nicht, und ist auf das Entsenden von Kurieren angewiesen.
(Über Begriffe wie; Auflegen, Internierung und Beschlagnahmung von zivilen Handelsschiffen, dessen Internationaler Rechtmäßigkeit und Zuwiderhandlung im Kriegsfall,
unter besonderer Berücksichtigung der Situation deutscher Handelsschiffe in Italienisch-Eritrea während des 1. WK, werden wir in den nächsten Beiträgen mehr erfahren.)

“During World War I, the German Legation in Addis Ababa was cut off from the outside world. No official communication with the authorities in Germany was possible.
Although Ethiopia styed neutral in the war, she was a landlocked country, all territories surrounding her being in possession of Germany´s enemies, the allied powers:
Great Britain, Italy and France, who had established a blockade keeping the posts and means of telecommunication under tight control. Wireless stations had, in their
early technological stage, a short range; the Turkish Government had failed to construct any in Southern Arabia, and Ethiopia was out of reach of the existing more
distant wireless stations in the hands of Turkey, Germany and her allies. The only chance for the German Government to communicate with their representatives in
Addis Ababa was to use irregular means: among these, sending ciphered letters by a messenger, who had to travel from Berlin to South Arabian coast, to cross the
Red Sea, which was controlled by the British fleet, then to pass in disguise through enemy territory into Ethiopia.”

Textquelle:
Chapter C, German World War Aims in Ethiopia, I. The situation of the Germans in Ethiopia at the beginning of World War I, Seite 45-46,
In:
Recht und Politik in Äthiopien, Von der traditionellen Monarchie zum modernen Staat, Band 2, Heinrich Scholler, Universität München 2008.



Die letzte, langwierigste und schwierigste Möglichkeit des Nachrichtenaustausches wurde oben bereits angedeutet. Von Massawa als auch von Addis Ababa aus, werden
während des Krieges Nachrichten, speziell mit Geheimkurieren versendet oder aber durch vertrauenswürdige Personen mitgenommen die sowieso schon auf dem Weg in
Richtung Hedschaz oder Syrien aufbrechen. Dabei werden in Einzelfällen sogar lange Umwege über Dschibuti und den Jemen in Kauf genommen. Besonders der Süden
von Eritrea ist hierbei Ausgangspunkt regelmäßiger Passagen über das Rote Meer; und zwar in beide Richtungen. Dies hat zweierlei Gründe: Zum einen weil hier der ge-
ringste Abstand zwischen der Afrikanischen- und Asiatischen Küste besteht und zum anderen weil sich beide Gebiete nicht unter dem Einfluß der Entente befinden. Weder
Briten, Franzosen oder Italiener (ab Sommer 1915) sind in der Lage diese Gebiete zu kontrollieren. Auf der östlichen und der westlichen Küste des Roten Meeres sind die
Gebiete unter der Herrschaft lokaler islamischer Stammes-Fürsten und Gruppierungen. Besonders die Danakil Region im Süden ihrer Colonia Eritrea ist für Italien ein Un-
ruheherd geblieben. Bereits 1869 gekauft, verlieren die Italiener das Gebiet 1870 wieder an die Ägypter, versuchen aber nach der Eröffnung des Suez Kanal, 1880 hier er-
neut Fuß zu fassen. Seit dieser Zeit ist nur der Küstenstreifen um die Hafenstadt Assab unter ihrer Herrschaft. Erst nach dem Krieg können die Italiener hier ihre Position
festigen. Der, auf der anderen Seite des Roten Meeres, gegenüberliegende Jemen steht hingegen durchaus unter Kontrolle der Mittelmächte. Das Osmanische Reich teilt
sich hier die Herrschaft mit verschiedenen islamischen Herrschern und Stämmen, und kann sogar große Gebiete im Südjemen bis über das Kriegsende hinaus besetzen.
Vergleiche hierzu auch:
Italian Colonialism in Eritrea, 1882-1941: Policies, Praxis and Impact, Tekeste Negash, Studia Historica, Uppsala University 1987,
The Seen, the Unseen, the Invented, – Misrepresentations of African “Otherness”, In:
The Making of a Colony Eritrea, 1885-1896, Silvana Palma, 2005, pdf. 43 Seiten.




“. . . . . .The German Ministry of Foreign Affairs got impatient and meanwhile tried still other ways to dispatch copies of the same documents
to Addis Ababa. Second copies of the secret documents in code were given to Ethiopian priests returning to Ethiopia from Jerusalem. . . . . .
Several (German) patriots had offered their service to act as messengers, among the travellers and explorers who had been in Ethiopia be-
fore, even one serious scholar knowing some of the local languages. They were turned down, since the Political Department of the German
General Staff in consulting the Ministry of Foreign Affairs rated the chance of passing in distingue through Eritrea as very low for any German.”

Textquelle:
Chapter C, German World War Aims in Ethiopia, II. The failure of Hall´s mission, Seite 47-48, In:
Recht und Politik in Äthiopien, Von der traditionellen Monarchie zum modernen Staat, Heinrich Scholler, Universität München 2008.




Das Spektrum dieser Kuriere ist breitgefächert; vom christlichen Priester, über Auslandsdeutsche die sich in Eritrea und Abessinien befinden oder bereits aus dem Sudan
geflohen sind, verbündeten Türken sowie jüdischen Emigranten deutscher Abstammung, über Abenteurer aus der neutralen Schweiz und Mitarbeiter deutscher Firmen, bis
hin zu französischen Waffen-Schmugglern, dem Personal der Delegationen der Mittelmächte selber, und letztendlich auch die recht große Zahl wehrfähiger Deutscher, die
sich auf den Frachtschiffen in Massawa befinden. Besonders die letzte Gruppe von Landsleuten erregt nun zunehmend das Interesse heimischer Politiker und Strategen.
(Wie schon erläutert, werden wir auf die entsprechenden Einzelaktionen dieser Personen in den kommenden Abschnitten der Kapitel IV -1915 - Kapitel VII -1918 eingehen.)
Vergleiche hierzu auch:
Chapter 7, “Parting the Red Sea”, Seite 141-165, In: The Berlin-Baghdad Express, Sean McMeekin, Penguin books 2011.
Chapter XII., “The Spy”, Seite 149-171, In: Gun running in the Red Sea, Francis A. Waterhouse, Sampson, Low, Marston, 1936.
Running the Blockade”, Seite 226- 246, In: Pearls, Arms and Hashish - Pages from the Life of a Red Sea Navigator, Henry de Monfreid, 1930.
Chapter Nineteen, “The Crescent Flag” Seite 212-223, In: Tip and Run - The untold tragedy of the Great War in Africa , Edward Price, Weidenfels & Nicolson 2007.
Am Tor der Tränen“, - Afrikanische Erlebnisse eines deutschen Kuriers, (“At the gate of Tears”, - African experiences of a German Courier) Arnold Holtz, Berlin 1929.
Chapter 4, The Sudan and the First World War, Seite 158-171, In: Empire on the Nile, The Anglo-Egyptian Sudan 1898-1934 , M. W. Daly, Cambridge University Press 1986.






TEIL 1 - III. c.) Persönliche Aspekte und strategische Hintergründe

Der Gedanke und das Vorhaben der ersten zwölf Besatzungsmitglieder Massawa zu verlassen, wird nicht ohne Zustimmung der Vorgesetzten; - in diesem Fall der zivilen
Schiffskapitäne, geschehen sein. Bei der 1914 weltweit vorherrschenden Kriegsbegeisterung gelingt es sicher auch sofort Freiwillige unter den Mannschaften der Fracht-
schiffe zu finden. Als gegen Ende des Jahres die Planung feste Formen annimmt, diese ganzjährig, drückendheiße und feuchtschwüle Hafenstadt zu verlassen, haben die
Besatzungen dort bereits fünf lange Monate verbracht und die Motivation, diesen von Malaria verseuchten Aufenthaltsort hinter sich zu lassen, ist unweigerlich sehr groß.
Der Italiener Leonardo Pennazzi beschreibt schon im Mai des Jahres 1880 die klimatischen Verhältnisse in Massawa so: “ Had Dante known Massawa, his Inferno would
have surely included one more pit into which great poet would have sent the guiltiest of his damned. . . Pondichery is a warm bath; Aden is an oven, and Massawa the hell.

Für diesen Wunsch schnellstens in die Heimat zu gelangen um sich, auch aus selbstverständlichem Patriotismus und Pflichtgefühl heraus den dortigen Aufgaben zu stellen
lassen sich, besonders in der Anfangsphase des Krieges etliche Beispiele finden. Weltweit machen sich auf die eine oder andere Weise Einzelpersonen oder Gruppen auf
den Weg. Diese Empfindungen sind auch Antriebskraft der beiden Gruppen unter Kptlt. Hellmuth v. Mücke / S.M.S. EMDEN und Kptlt. Erwin v. Möller / S.M.S. TSINGTAU.

Neben den persönlichen Motiven des Einzelnen solch eine gefahrvolle Reise anzutreten, steht das Interesse deutscher Politiker und Militärs im Hintergrund, Informationen
über die Verhältnisse vor Ort einzuholen. Das Gebiet am Horn von Afrika und der Süden der Arabischen Halbinsel sind bisher nicht in den planerischen Überlegungen und
Szenarien eines zukünftigen Krieges berücksichtigt worden, sodaß deutsche Strategen und Militärs kaum vorbereitet sind und wenig relevante Nachrichten aus diesen Ge-
bieten besitzen. Zu entfernt war der Gedanke, dass diese Gebiete je Gegenstand von Militärstrategischen Überlegungen sein könnten. Der ganze afrikanische Kontinent ist
seit der Berliner Kongokonferenz im Jahre 1884, vertraglich aus zukünftigen militärischen Auseinandersetzungen, der Kolonien besitzenden europäischen Nationalstaaten,
herauszuhalten. Afrika und die Arabische Halbinsel sind dadurch zum planerischen `Terra incognita´ geworden. Zwei Faktoren ändern im Herbst 1914 diese Situation ganz
entscheidend: Der Kriegseintritt des Osmanischen Reiches und die Angriffe von Briten und Franzosen auf deutsche Kolonien in Afrika. Dadurch bekommt der militärische
Planungshorizont und Entscheidungsspielraum des deutschen Generalstabs völlig andere Dimensionen. Nun können auf einmal auch der Besitz des Suez-Kanals und die
Kontrolle über die angrenzenden Gebiete auf dem Afrikanischen Kontinent und der Arabischen Halbinsel zum entscheidenden Indikator über Sieg und Niederlage werden.
In diesem Zusammenhang tauchen selbst kontinentale Operationen, wie die `Zentralafrikanische Offensive´(, auf die wir noch eingehen werden) als Planung in den Schub-
laden der Strategen auf. Dazu benötigt man aber Informationen die man noch nicht besitzt und erklärt die Notwendigkeit einer ersten Kontaktaufnahme und dem weiteren
Verbindungsaufbau von, und nach Massawa und Addis Abeba. Dies alles, läßt eine kleine Gruppe von Matrosen auf einmal in das `geheimdienstliche Rampenlicht´ treten.



Karte 3 & Karte 4
Links; eine alte Karte des Hafens von Massawa von 1905 und seiner unmittelbaren Umgebung im Golf von Arkiko,
Nord-westlich der Bucht von Adulis ; wie auf der rechten Karte von 1857, von Theodor von Heuglin ersichtlich ist.
Vergleiche hierzu auch:
Mittheilungen über meine Reise in der Colonia Eritrea und nach Nord - Abyssenien , Max Schoeller, 1895
http://i47.tinypic.com/s1nm1d.jpg . http://i45.tinypic.com/2uykupv.jpg
Bildquellen: http://images.zeno.org/Meyers-1905/I/big/130404a.jpg + http://128.83.63.101/maps/historical/red_sea_1860.jpg



Heinrich Scholler (Professor für Politik und Öffentliches Recht an der Uni München) führt in der folgenden Textpassage seines Buches Beweggründe auf, und benennt die
strategischen Dimensionen, die in einer Nachrichtenverbindung zwischen Massawa bzw. Addis Ababa einerseits, und Berlin, Wien und Istanbul andererseits zu sehen sind.
Die, von Ihm erwähnten Experten kamen in ihrer Bewertung sogar zu dem Schluß, daß in der Konsequenz, der 1. Weltkrieg einen anderen Ausgang hätte nehmen können.
(Diese Passagen dienen aber nur als erklärende Einleitung zu diesem Thema. Detaillierte Hintergründe werden in den weiteren Abschnitten dieses Kapitels aufgeführt.)

“But in retrospect it is easy to see why the German authorities had spared no effort to re-establish the connection with Addis Ababa by any means. Apparently it was
the duty of the German Minister of Legation in Addis Ababa, von Syburg, to frustrate the efforts of Germany´s enemies, and to try to win over the Ethiopian Emperor
to enter the war on the side of the Central powers: this he could do at his own discretion. Especially of the major task to introduce Ethiopia to enter the war - he had
lead negotiations. Due the technological gap in the means of telecommunication, he could not negotiate in steady consultation with his government - but in any case
he had to know how far Germany would be prepared to commit herself towards Ethiopia, and what Germany had to offer in case Ethiopia decided to join forces with
the Central powers. He needed at the very least some basic instructions delimiting a frame within which he was authorized to act at his own discretion. It was the
purpose of the mission of Salomon Hall to let the German Minister of Legation in Addis Ababa to have such basic instructions. Still one may wonder why the German
Minister of Legation needed instruction at all. The common interest of Germany and landlocked Ethiopia in forcing out the allied colonial powers from the Horn of Africa
was self-evident. So were the strategic concepts of the German General Staff:
To force the enemy to commit large forces in defending their colonies on the Horn of Africa, thus weakening their European front and relieving the German forces
fighting in German East Africa. To strike against the Sudan, simultaneously causing the insurrection of the Sudan against their British masters. There was a strong
popular anti-British movement in the Sudan, and strike against the Sudan could be based on an alliance between the attacking military force and the freedom move-
ment within the country, to cause the toppling of the British rule in the Sudan. The colonial Italian and French possessions on the shore of the Red Sea were difficult
even impossible to defend without commitment of large forces: chances were that an Ethiopian blow against the shores of the Red Sea and the Suez-Canal would
either succeed at once, or that Italy and France would voluntarily withdraw in view of the critical situation of the European front, where all men and rifles were badly
needed after the initial military successes of the Central powers. A fast Ethiopian success, be it by military victory, be it by voluntary withdrawal of the colonial powers,
would have given Ethiopian an opportunity to throw its full force against the Sudan - and the Sudan was the focal point in all German strategic considerations. Against
the double threat of military attack and internal insurrection, the Sudan could not be held, and England would have been forced to concentrate very large forces in de-
fending the core land of Egypt and, most of all, the Suez Canal, given the Central powers a chance to organize a Turkish attack on the Canal from the North supported
by a German expeditionary force. The possession of the Canal would have decided the issues of the war, and it is interesting to know in this context that
several German experts have held the view, even long afterwards, that in this war fought in near military equilibrium for four years, the comparatively
small contribution which Ethiopia could have made would have sufficed to shift the balance towards a victory of the Central powers
.”

Textquelle:
Chapter C, German World War Aims in Ethiopia, IV. The reasons of the German plan to establish contact with the Central Powers, Seite 51-52,
In: Recht und Politik in Äthiopien, Von der traditionellen Monarchie zum modernen Staat, Band 2, Heinrich Scholler, Universität München 2008.




Im Zusammenhang mit den oben aufgeführten militärstrategischen Hintergründen stehen propagandistische Aktivitäten mit der Deutschland den Ausgang des zukünftiges
Krieges zu beeinflußen glaubt, und weißt damit ebenfalls auf das Interesse heimischer Dienststellen an den Besatzungen der Frachter in diesem Teil des Roten Meeres hin.
Dies geschieht mit dem Hintergrund und den Vorstellungen, den auch von Kaiser Wilhelm II persönlich unterstützten Bestrebungen durch einen Heiligen Krieg, große Teile
der muslimischen Bevölkerung in den Britischen Kolonien zu militarisieren und Aufstandsbestrebungen zu unterstützen. Wie bereits aufgeführt startet das Auswärtige Amt,
das Kolonialministerium, neben weiteren halbstaatlichen Institutionen und privaten Organisationen zu Beginn des Krieges eine wahre Flut von geheimen Unternehmungen
in Nordafrika, der Arabischen Halbinsel und in östliche Richtung nach Persien und Indien. Schon bevor das Osmanische Reich Anfang November 1914 in den Krieg eintritt,
gibt es auf deutscher und osmanischer Seite eine Zusammenarbeit und bereits auch konkrete Planungen, daß von den Briten besetzte Ägypten, über den Suez-Kanal hin-
weg zu attackieren. Zweifelsohne gibt es unter der ägyptischen Bevölkerung nationalistische und religiöse Tendenzen die unliebsamen Kolonialherren wieder loszuwerden.
Vergleiche hierzu auch:
Der Heilige Krieg, In: Gegenspieler des Obersten Lawrence , Seite 10-21 , Hans Lührs, Berlin 1936.
Djihad »Made in Germany«: Der Streit um den Heiligen Krieg 1914–1915, Wolfgang G. Schwanitz 2003, pdf. 28 Seiten
Die Berliner Djihadisierung des Islam, Wie Max von Oppenheim die islamische Revolution schürte, Wolfgang G. Schwanitz, pdf. 21 Seiten.
Dschihad : Der Heilige Krieg des Islams und seine Bedeutung im Weltkriege unter besonderer Berücksichtigung der Interessen Deutschlands, Gottfried Galli 1915
“Zum wilden Aufstande entflammen“ Die deutsche Ägyptenpolitik 1914 bis 1918, Ein Beitrag zur Propagandageschichte des Ersten Weltkrieges, Salvator Oberhaus 2006



“Das Deutsche Reich in seiner verzweifelten Suche nach Verbündeten überschätzte damals gewaltig die Kraft des Islam und die Möglichkeiten, den Djihad
gegen England zu lenken und die Moslems im britischen Empire, vor allem in Ägypten und Indien, zu insugerieren. England wiederum unterschätzte die
trotz allem nicht unbeträchtliche Kampfstärke des Ottomanischen Imperiums sowie dessen nationale Kohäsionskräfte und irrte zugleich bei der Bewertung
des aufkommenden arabischen Nationalismus und der eigenen Möglichkeiten diesen zuverlässig zu lenken. Der Kampf wurde jedoch nicht nur mit Waffen,
sondern auch mit geheimdienstlichen Mitteln und vor allem mit Propagandamaßnahmen ausgefochten, wobei Lüdke herausstellt, daß die Ausrufung des
Djihad seitens des türkischen Sultans in seiner Eigenschaft als Kalif der sunnitischen Muslime unter beträchtlichem Einfluß des Deutschen Reiches erfolgte.“

Textquelle:
Rezession von Jürgen W. Schmidt zur Dissertation von Tilman Lüdke: Ottoman and German Propaganda and Intelligence Operations in the First World War, Oxford 2006.



Die folgenden drei Luftbild - Nahaufnahmen geben einen sehr guten Überblick über die Inselartige Lage von Massawa.
Die linke Aufnahme zeigt die Insel Taulud und die beiden folgenden Fotos, die Altstadt und den Hafen auf der Insel Batsi.
http://i50.tinypic.com/9v8ieq.jpg . http://i46.tinypic.com/246vuqw.jpg . http://i48.tinypic.com/10e555i.jpg
Bildquellen:
http://www.eritrea-chat.com/wp-content/u ... wa-Mitsiwa-Keyh-Bahri-e1335866093212.jpg
http://www.ethiopianreview.com/album/displayimage.php?album=30&pos=41
http://www.ethiopianreview.com/album/albums/files/Panaroma/Port_of_Massawa.jpg






TEIL 1 - III. d.) Vorbereitungen und Aufbruch

Unter den gegebenen Umständen bringen die Besatzungen der deutschen Frachtschiffe die besten Grundvoraussetzungen mit, um solch eine abenteuerliche Reise an-
zutreten. Durch ihr bisheriges Arbeitsfeld besitzen sie die notwendigen seemännischen Kenntnisse um eine Fahrt auf dem Roten Meer zu bewältigen. Als Seeleute sind
sie auch durch ständige Kontakte mit anderen Nationalitäten, Kulturen und Religionen generell besser geeignet als manch andere Berufsgruppe und dadurch mit fremden
Gebräuchen, Gepflogenheiten und Verhaltensweisen in ungewohnter Umgebung vertraut. Daß, zu den Auswahlkriterien der zwölf Besatzungsmitglieder auch Erfahrungen
und Sprachkenntnisse aus den Regionen am Roten Meer eine Rolle spielen, ist ebenfalls naheliegend. Ebenso kommt der hohe militärische Ausbildungsgrad der männ-
lichen Bevölkerung im Vorkriegsdeutschland dem Reisevorhaben und weiteren Aufgaben der Matrosen zugute. Unter den Deutschen die sich auf den sieben aufgelegten
Frachtschiffen im Hafen befinden, hat sich Kapitän Julius Tutt von der CHRISTIAN X, als Sprecher und inoffizieller Führer seiner Landsleute gegenüber den italienischen
Behörden herauskristallisiert. Tutt widmet sich mit Begeisterung der selbstauferlegten Aufgabe und kann die anderen Kapitäne davon überzeugen, sich auch an diesem
entfernten Ort für ihr Vaterland einzusetzen. Um den ganzen Besatzungsangehörigen ordnende Tagesabläufe zu verschaffen, werden gemeinsam verschiedene Trainings-
programme aufgestellt und die Mannschaften im regelmäßigen Turnus mit verschiedenen, unauffällig aussehenden Aufgaben betraut. So wird Hassan Abu Tajef, ein ehe-
maliger Mitarbeiter und Dragoman der Türkischen Vertretung in Dschibuti aus Französisch-Somaliland kurzerhand rekrutiert, und gibt ausgesuchten Mannschaften, neben
anfänglichem Türkisch, auch Grundkurse in Arabisch. Tutt hat indes beim Stellvertreter des Italienischen Gouverneurs Giuseppe Salvago Raggi in Massawa die Erlaubnis
erhalten, abwechselnd, und mit kleinen Gruppen, kulturelle Exkursionen in die nähere Umgebung unternehmen zu dürfen. Als Tarnung werden die antiken Überreste in der
Zula Bucht und auf der Halbinsel Bari aufgesucht, allerdings mit dem wahren Hintergrund die Küstenverhältnisse im Umfeld zu erkunden und weiterführende Informationen
zu sammeln. Auch werden, öffentliche Ruderbootwettkämpfe ausgetragen (wahrscheinlich aber nur an bewölkten Tagen) und sogar Segel-Regatten mit den Beibooten der
Dampfer innerhalb des Hafens veranstaltet. So erhalten nach außen hin, die Mannschaften, eine für die Italiener nachvollziehbare und glaubwürdige Freizeitbeschäftigung,
und werden damit gleichzeitig auf zukünftige Aufgaben vorbereitet. Tutt hat indes begonnen einige Besatzungsangehörigen auf eine eventuelle Verwendbarkeit einer ersten
Mission zu überprüfen. Mit den ausgesuchten Kandidaten werden nun, zeitgleich zu den unverdächtig, draußen im Hafenbecken stattfindenden Aktivitäten der anderen
Mannschaften, auf der CHRISTIAN X und STURMFELS geheime Lehrgänge im Waffen- und Sprengstoffgebrauch, sowie der Landeskunde und Kartographie abgehalten.
Auch die Ausrüstung wie, nautische und andere seemännisch notwendigen Gerätschaften, Verpflegung und auch Waffen stehen in ausreichender Zahl auf den Dampfern
zu Verfügung. Die Ausstattung mit länger haltbaren Lebensmitteln, in Form von Frachtgut, ist auf einigen der Handelsschiffe sogar derart umfangreich, daß noch Wochen
später etliche Ladungen an die einheimische Bevölkerung verteilt werden können. Dies wird aber in Zukunft erstmalig Mißtrauen bei den italienischen Behörden auslösen.
Ferner haben sich die Deutschen in Eritrea und Abessinien einen guten Ruf verschaffen können. Das Deutsche Reich hatte in der Vergangenheit und auch während des 1.
WK, keine kolonialen Ambitionen in diesem Teil Afrikas und Namen wie: Werner Munzinger, Gustav Adolf Haggenmacher, Alfred Ilg, Eduard Vogel, Heinrich Barth, Ludwig
Enno Littmann
und anderer, werden mit dazu beigetragen haben im Herbst des Jahres 1914, die Suche nach einem einheimischen Kapitän mit einer Dhow zu erleichtern.

Über den Zeitpunkt der Abreise von Massawa geben die Unterlagen keine Auskunft; wird aber aller Wahrscheinlichkeit Anfang Dezember gewesen sein. Erst die Ankunft in
Dschidda läßt sich relativ genau, auf die letzte Woche im Dezember 1914 festlegen, da der türkische Dragoman Sami Bey (* s.u. ) am 23. Dezember 1914 von Medina aus,
einen, in Deutsch verfaßtes Telegramm an seinen deutschen Verbindungsmann Kurt Prüfer in Damaskus verfaßt, in dem er mitteilt, sich mit deutschen Seeleuten, die aus
Italienisch-Eritrea kommend, in Janbo treffen zu wollen um von dort aus unmittelbar zur Hedschaz-Bahn zu reisen. Die Mitteilung über die Reiseabsichten und den Termin-
plan der zwölf Seeleute wird Sami Bey zweifelsfrei ebenfalls durch ein Telegramm aus Damaskus erhalten haben. Ob für diese Nachrichtenübermittlung von Massawa nach
Damaskus bereits ein Kurier eingesetzt wurde, ist nicht schlüssig. Unbeantwortet bleibt auch die Frage warum Sami Bey diesen landesunkundigen Besatzungsangehörigen
nicht schon an der Küste des Roten Meeres auf der Arabischen Seite in südlicher Richtung, nach Lith oder Kunfudah entgegengereiste, wenn er sich dort sowieso aufhielt.

(Auf Sami Bey werden wir in Zukunft noch häufiger treffen. Mit seinen deutsch-türkisch-arabischen Sprach- und Orts- Kenntnissen entwickelt er sich zum `unverzichtbaren´
Reisebegleiter. Als er nach Abschluß dieser Mission das deutsche Konsulat in Damaskus erreicht, bringt er Leo Frobenius und seine Mannschaft sechs Wochen später über
das Rote Meer nach Massawa zurück und geleitet Kptlt. Helmuth v. Mücke und den Landungszug der S.M.S. EMDEN unmittelbar im Anschluß der Frobeniusmission wieder
von Kunfudah nach Damaskus. Er ist später noch an weiteren deutsch-türkischen Geheimmissionen auf der Arabischen Halbinsel und dem Afrikanischen Festland beteiligt.)
Vergleiche hierzu auch:
Curt Prüfer: German Diplomat from the Kaiser to Hitler, Donald M. McKale, Kent State University Press 1987



Leutnant zur See der Reserve Wellmann, vom Landungszug der S.M.S. EMDEN gibt in seinen Aufzeichnungen eine kurze Personenbeschreibung über Sami Bey ab:
“Sami Bey – nach Lith
Noch während wir dabei waren, unsere Sambuck festzumachen, trafen aus dem nahe Orte
(Kunfudah) der Kaimakan und der beiläufig deutsch sprechende Major und
Platzkommandant ein. Er war in Begleitung eines Herrn, der uns für das weitere Gelingen unserer abenteuerlichen Fahrt noch viele unschätzbare Dienste leisten sollte.
Er war die der türkische Mutessariff (Gouverneur) Samy Bey. Als glühender Patriot und Mitbegründer der Jungtürkischen Vereinigung war er vor dem türkisch-italienischen
Kriege Mutessariff in Tripolis gewesen. Der Krieg zwang ihn zur Flucht, auf der er mit seiner Gattin in langer Karawanenreise quer durch Afrika über den Tschadsee bis
nach der atlantischen Küste in der Nähe von Kamerun kam. Über London kehrte er von dort aus in die Heimat zurück und wurde bald darauf in besonderem Auftrage nach
den Vereinten Staaten geschickt. Bei Ausbruch des Weltkrieges, bevor noch die Türken sich den Mittelmächten angeschlossen hatten, befand er sich in geheimer Mission
in Indien, kehrte aber noch zu rechter Zeit zurück, und wurde der deutschen Expedition Leo Frobenius als Berater und türkischer Bevollmächtigter beigegeben.
Mit Frobenius, der, soweit mir bekannt, die unterbrochene Verbindung nach Abessynien wieder anknüpfen sollte, kam er während des Krieges bis nach Kunida
(Keren,
west-
lich Asmara?
) , wo er selbst mit seiner Gattin, die ihn begleitet hatte, blieb, um von hieraus die Verbindung mit Frobenius über Massana (Massawa) aufrecht zu halten.
Schon seit Wochen hatte Sami Bey keine Nachrichten mehr von Frobenius erhalten. Im Vergleich mit seinen sonst recht ruhigen, beinah phlegmatischen Landsleuten war
Sami Bey ein lebendiger, unternehmungslustiger Mann, den die Schilderung unserer bisherigen Erlebnisse sofort packte und zu dem Entschluss brachte, seine jetzt doch
brachliegende Energie und Erfahrung, ganz der glücklichen Beendigung unserer Fahrt zu widmen. . . . Sami Bey bat den Kommandanten, sich uns anschließen zu dürfen,
was dieser natürlich mit Freuden annahm. Wir haben es auch nie zu bereuen brauchen, diesen energischen und intelligenten Mann, der Arabien und die Araber vor allem
genau kannte, getroffen zu haben. . . . . . “

Textquelle:
Die legendäre Rückkehr des Landungszuges der "S.M.S. Emden" im Kriegsjahr 1915 , Seite 115-116, Leutnant Wellmann, Herausgeber Addi Dreier 2005.


Zuletzt bearbeitet von Holger Kotthaus am 01.02.2013 - 06:20, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 201110 | Verfasst am: 01.02.2013 - 06:11    Titel: Antworten mit Zitat

(*) Das Foto zeigt Dragoman Sami Bey, Leutnant z.S. d.R. Wellmann, Kapitänleutnant H. v. Mücke
und Leutnant z.S. d.R. Gerds am 6. Mai 1915 vor der Eisenbahnstation El Ulla der Hedschaz-Bahn.
http://i50.tinypic.com/6iwdvl.jpg
Bildquelle: ( ?)



(Gestern, Donnerstag, 31. Januar 2013 lief der deutsche Spielfilm, die DMDE - Die Männer der Emden in den Kinos an. Eigentlich sollte die obere Szene bei der Ankunft an
der Hedschaz-Bahn auch darin vorkommen. Etwas irritierend ist dabei nur die Aussage des Regisseurs Berengar Pfahl: “Zusätzlich habe ich den handelnden Hauptfiguren
(außer `Hellmuth von Mücke´) fiktionale Namen und Charaktere zugeordnet, denn hier war die Quellenlage dürftig.“
(Seite 4/28, links) Das sehe ich nicht so. Selbst bei
einer oberflächlichen Recherche ist jede einzelne Person des Landungszuges zu ermitteln und historisch verbürgt. Technische Details auf den Bildern, lassen zumindest
vermuten, daß es einen militärischen Berater für diese Produktion gegeben hat. Auch die AYESHA scheint verteufelt echt auszusehen, und dafür, daß nicht das `echte´
Hodeïda im Jemen für die Filmszenen verwendet werden konnte, habe ich Verständnis; - Einfach viel zu gefährlich für ein Filmteam. Soweit es der Trailer erkennen ließ,
handelt es sich hierbei um die alte portugiesische Festung Essaouira in Marokko. Leider läuft der Film hier in KSA derzeit nicht. http://www.die-maenner-der-emden.de/)





TEIL 1 - III. e.) Auf der afrikanischen Seite des Roten Meeres

In dem Bericht an Kurt Prüfer erwähnt Sami Bey den Aufbruch der deutschen Seeleute von einem Ras Rarattakli aus; führt aber hierzu keine weiteren Örtlichkeiten auf.
Ein Kap (Ras) mit diesem Namen findet sich aber weder an der Arabischen, noch an der Afrikanischen Küste des Roten Meeres. Auf einer alten Italienischen Kolonial-
Karte aus dem Jahr 1896 (s.u. ) ist noch auf italienisch-eritreischem Gebiet nördlich von Massawa und kurz vor der Grenze zum Anglo-Ägyptischen Sudan, die Ortschaft
Rarat-Taclai
aufgeführt worden (Ras Rarat takli?) Das heute, im Mündungsbereich des Wadi Falkat als Mersa Teklay bezeichnete Gebiet, ist nur noch auf alten Karten
als Siedlung vermerkt und heutzutage unbewohnt. Diese Position ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Stelle, von der aus die deutschen Besatzungen aus Massawa das
Rote Meer überqueren. Ein weiteres Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, daß das Rote Meer bei Massawa bis zur gegenüberliegenden Küste bei Jezán im Asír die
breiteste Stelle mit 350 Kilometern erreicht. Von dem weiter nördlich gelegenen Rarat-Taclai aus reduziert sich die Distanz bis zum gegenüberliegenden Arabischen Ufer
bereits um mehr als 120 Kilometer. Weiterhin können die Reisenden von dieser Stelle aus, das Risiko erheblich reduzieren, durch englisch-französische Patrouillen ent-
deckt zu werden, indem sie so lange wie möglich an der Westküste des Roten Meeres innerhalb neutralem Italienischen Hoheitsgebietes entlangsegeln, bis sie wieder
auf englisches Territorium im nördlicheren Anglo-Ägyptischen Sudan stoßen. Ebenso findet die Trennung der Patrouillenbezirke zwischen englischer Marine von Suez;-
und der indischen Marine von Aden aus, genau bei Kunfudah statt. Das Konkurrenzdenken innerhalb des Commonwealth und Uneinigkeit zwischen den verschiedenen
Institutionen des Empire machen eine Koordination der gerade erst begonnenen gemeinsamen Seepatrouillen, an dieser Stelle des Roten Meeres besonders uneffektiv,
sodaß schon allein aus diesem Grunde, hier eine Überquerung sehr günstig ist. Genau den gleichen Seeweg nimmt in umgekehrter Richtung, sechs Wochen später auch
Leo Frobenius und die Mitglieder seiner Geheimmission nach Massawa. Unabhängig davon machen die, zu dieser Jahreszeit aufkommenden Herbst- und Winterstürme,
sowie die ständig starke Strömung im Roten Meer, eine Überfahrt in einer motorlosen Dhow zu diesem Zeitpunkt aber auf jeden Fall zu einem gefährlichen Unterfangen.



Karte 5
Hier der Kartenausschnitt mit der Reiseroute, von Massawa bis (Ras) Rarat-Taclai an der Afrikanischen Küste.
http://i50.tinypic.com/2ztldt1.jpg
Bildquelle: http://128.83.63.101/maps/historical/history_africa.html?p=print (Original: 22 MB / 11.122 x 7.980 pixel !)



Um eine Vorstellung zu erhalten welche Landschaft die deutschen Matrosen hinter sich lassen; - hier ein Link mit sehr seltenen Aufnahmen dieser, nicht gerade als
`Touristenhochburg verschrieenen´ Küste des Roten Meeres im Sudan und Eritrea aus heutiger Zeit: http://www.sailblogs.com/member/saraoni/?xjMsgID=124138






TEIL 1 - III. f.) Auf der arabischen Seite des Roten Meeres

Über den Ankunftsort der Gruppe an der Küste der Arabischen Halbinsel finden sich keine Berichte oder anderwärtigen Aufzeichnungen. Hier kann nur vermutet werden,
daß die deutsche Gruppe die kürzeste Strecke von Rarat-Taclai zur gegenüberliegenden Küste wählt. Auf der Ostseite des Roten Meeres bieten die 84 Inseln der Farsan
Bank
mit seinen vielen Untiefen und Riffs, einigermaßen Sicherheit vor den Patrouillen der Royal Navy. Auch wenn die Briten auf den Kamaran Inseln eine Kontrollstation
eingerichtet haben, gelingt es ihnen während des Krieges nicht, auch nur einen der Transporte mit deutschen Seeleuten anzuhalten. In Kunfudah, einer kleinen türkischen
Garnison und Hafenstadt wird diese erste Gruppe deutscher Matrosen erstmalig die Arabische Halbinsel, und damit das Gebiet des neuen Verbündeten, betretten haben.
Der weitere Weg Richtung Norden, wird mit Sicherheit auch nicht über Land, in der Nähe der heiligen Stadt Mekka geführt haben. Hierbei wäre es höchstwahrscheinlich
ebenfalls zu einem ähnlichen Vorfall gekommen, der drei Monate später Kptlt. Hellmuth v. Mücke und dem Landungszug der S.M.S. EMDEN wiederfahren ist, und der mit
Sicherheit dann auch Aktenkundig geworden wäre. Der Seeweg entlang der Küste, über Lith, Dschidda und Rabigh nach Janbo, ist für die Matrosen auch unkomplizierter.



Karte 6
Die folgende Übersicht zeigt den Weg der Gruppe von Massawa auf die Arabische Halbinsel und basiert
auf der Karte mit der Reise des Landungszuges der S.M.S. EMDEN von Hodeïda in Richtung Damaskus.
http://i50.tinypic.com/azhpnk.jpg
Originale Bildquelle: Ayesha, Kptlt. Helmuth v. Mücke, Anlagen, August Scherl Verlag GmbH, Berlin 1926



Sami Bey berichtet ferner davon; Mit den deutschen Seeleuten, von Janbo aus, auf kürzestem Wege die Eisenbahn hinter Medina erreicht zu haben. Auf einer Karte ist
ein alter Karawanenweg von Janbo, Richtung Ost-nordost auf die Ortschaft Bir Násif (Hyeir Nássir ) verzeichnet. Dieser Ort ist gleichzeitig auch eine der ersten Bahn-
höfe der Hedschaz-Bahn nördlich von Medina, und liegt auch weit genug außerhalb des Heiligen Bezirks der Stadt, den die deutschen Matrosen nicht betretten dürfen.



Karte 7
Dieser Kartenausschnitt zeigt die ersten Haltestellen der Hedschaz-Bahn nördlich von Medina bis Medáin-Sálih mit der Station Bir Násif.
http://i45.tinypic.com/120rzgw.jpg
Bildquelle: http://www.rogersstudy.co.uk/hejaz/large_map_of_arabia.jpg (Original: 3,31MB / 3.218 x 4.198 pixel )






TEIL 1 - III. g.) Die Weiterreise Richtung Damaskus

Auch hier führen weniger informative Details im geheimdienstlichen Schriftverkehr, sondern deutsche Gründlichkeit bei der Reiskostenabrechnung dazu, den Reiseweg
nachvollziehbar werden zu lassen. Der Satz: “ Für die freie Eisenbahnfahrt und Verpflegung bis Damaskus ist von Türkischer Seite aus gesorgt worden.“ macht deutlich,
daß die Hedjaz-Eisenbahn für die Weiterfahrt bis Damaskus genutzt wurde. Sami Bey hatte hier mit seinen vielen Kontakten, und immer in Begleitung seiner Frau, die
notwendigen Formalitäten bei den türkischen Institutionen klären können. Bei der späteren Weiterreise nach Konstantinopel zieht sich die Frage über ordnungsgemäße
Abrechnungsmodalitäten zwischen Auswärtigem Amt in Berlin, dem Kaiserlichen Konsulat in Damaskus und der Militärmission in Jerusalem, sogar bis Frühjahr 1916 hin.






(Der IV. Abschnitt von TEIL 1, wird sich mit der Beteiligung der Gruppe am ersten türkisch-deutschen Angriff auf den Suez-Kanal Anfang Februar 1915 befassen)


Mit sonnigen Grüßen (und milden 28 Grad – Cool –) vom Roten Meer

Winken
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BeitragBeitrags-Nr.: 201320 | Verfasst am: 01.03.2013 - 11:27    Titel: Antworten mit Zitat

DAS SCHICKSAL DER BESATZUNG DEUTSCHER HANDELSSCHIFFE IN MASSAWA WÄHREND DES 1.WK





TEIL 1 (von 7) – Die erste Gruppe von Marineangehörigen verlässt Massawa und beteiligt sich an den Kämpfen auf dem Sinai





WEITERE DETAILS & HINTERGRÜNDE


TEIL 1 - IV. Die Beteiligung der Gruppe am ersten Türkisch-Deutschen Angriff auf den Suez-Kanal Anfang Februar 1915


TEIL 1 - IV. a.) Angriffsvorbereitungen und Marsch in die Bereitstellungsräume

Die ersten Maßnahmen für eine gemeinsame Operation gegen Ägypten werden schon ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Angriffsdatum am 2. Februar 1915 festgelegt.
Bereits drei Tage nach dem deutsch-türkischen Geheim- und Bündnisvertrag vom 2. August 1914 in Konstantinopel ersucht Generaloberst Helmuth von Moltke als Chef
des Generalstabes, das Auswärtige Amt in Berlin, den `Islamischen Fanatismus´ durch einen Angriff auf Ägypten auszulösen, und ebenfalls am 5. August 1914 beauftragt
Kriegsminister Enver Pascha die in Syrien stehende 4. Armee mit den Vorbereitungen zu beginnen. Dies alles geschieht drei Monate bevor die Türkei in den Krieg eintritt!
Vergleiche hierzu auch:
Germany as Wartime “Revolutionary” Fall 1914, Seite 46-68, In: War by revolution, Germany and Great Britain in the Middle East in the Era of WW I, McKale, 1998

Eine Teilnahme der zwölf Besatzungsmitglieder an der Expedition gegen den Suez-Kanal wird in den Geheimdokumenten im PA / AA in Berlin aufgeführt. Den genauen
Ablauf der Ereignisse, zwischen der Ankunft der Matrosen in Damaskus und der nachgewiesenen Abreise nach Konstantinopel, geben die Unterlagen derzeit allerdings
nicht her. Dieser Beitrag versucht mit weiteren historischen Fakten und Hintergründen, den möglichen Hergang der Ereignisse darzustellen und diese Lücke zu schließen.
Da es über den eigentlichen Angriff auf den Suez-Kanal mittlerweile genügend Berichte und Abhandlungen gibt, wollen wir hier auch verzichten näher darauf einzugehen.
Hier trotzdem ein Link mit einer guten Zusammenfassung vom `Grandmaster der Nebenkriegsschauplätze´, – Harry: http://www.kaiserscross.com/188001/279622.html

Es war ursprünglich nicht beabsichtigt, sich überhaupt mit dem Angriff auf den Suez-Kanal zu beschäftigen. Aber auch hier kommt man nicht umhin in das Thema tiefer
einzusteigen, um überhaupt den Hauch einer Chance zu erhalten, an weitere Angaben zu gelangen. Um einen Überblick zu bekommen und um weitere Rückschlüsse zu
ermöglichen, die im Zusammenhang mit den Mannschaftmitgliedern aus Massawa stehen, muß man sich zuerst auf die Suche nach den, wenn auch wenigen deutschen
Offizieren machen, die nachweislich an diesem ersten Angriff auf den Suez-Kanal beteiligt sind, da diesen höheren Dienstgraden in der gesamten Literatur schon immer
mehr Aufmerksam gewidmet worden,- und damit mehr an Informationen vorhanden, ist. (. . . als zu zwölf unbekannten Seeleuten der Handelsmarine). Für die Zuordnung
der Offiziere ist auch eine Auflistung der beteiligten Einheiten unabdingbar! Das VIII. türkische Korps, daß den Angriff auf den Kanal ausführen soll, besteht aus der 8., 10.,
23., 25. und 27 Inf.- Division, sowie Teilen der 22. Inf.- Division aus dem Hedschaz, mit zusammen weit über 50.000 Mann. Die Einheiten werden zuvor in zwei Angriffs-
Kolonnen gegliedert. Die erste Welle besteht aus der verstärkten 25. Inf.- Division mit Freiwilligen der 23. und 27. Inf.- Division sowie arabischen Beduinen und 8 Batterien
Feldartillerie. Die zweite Welle umfaßt die 10. Inf.- Division mit den übrigen Teilen der 23. Inf.- Division als Flankendeckung. Ferner ist das 8. Pionierbataillon mit Pontons
und Booten unmittelbar beim Übersetzen des Suez-Kanals eingebunden. Dadurch ist das VIII. Armeekorps auf die Hälfte reduziert worden, und besteht aus 2 ½ Divisionen.




Karte 8
Das Operationsgebiet auf der Sinai Halbinsel im Januar / Februar 1915
http://i48.tinypic.com/5oi7l.jpg
Bildquelle: Mit den Türken zum Suez Kanal, Anlagen, Freiherr Kreß von Kressenstein, Vorhut Verlag Otto Schlegel, Berlin 1938
Mit den Türken zum Suez Kanal




“ As finally constituted, the VIII Corps assembled an first echelon of about thirteen thousand men with to force passage across the Suez Canal. The heart
of the force was the reinforced 25th Infantry Division, augmented by volunteers from the 23rd and 27th Infantry Division, fifteen hundred Arabs, and eight
batteries of field artillery. Accompanying this forces across the Sinai were about one thousand horses, twelve thousand camels, and about three hundred
oxen. The second echelon comprised the 10th Infantry Division with twelve thousand men. Flank guards were provided by the 23rd Infantry Division. Thus,
before it have begun the projected five-division attack was scaled back to a mere three, although somewhat stronger than normal, Turkish infantry divisions.”

Textquelle:
The Early Offensives, November 1914 - March 1915, Seite 70, In: Ordered to Die, A History of the Ottoman Army in the First World War, E.J.Erickson, 2001




Karte 9
Die folgende Karte stammt aus dem türkischen Generalstabswerk der Kämpfe auf dem Sinai, Palästina, Syrien und Mesopotamien 1914-1918, und
zeigt den Anmarsch der drei Angriffsgruppen von El Arisch, Birserba und Maan, bis in die Bereitstellungsräume östlich des Suez-Kanals. Aufgrund
der unten aufgeführten Hinweise werden sich die zwölf deutschen Matrosen aus Massawa bei der mittleren, und größten Angriffskolonne befinden.
http://i47.tinypic.com/b5qluq.jpg
Bildquelle: http://alh-research.tripod.com/Light_Hor ... attack-egypt-january-28-february-3-1915/




“ Die erste Staffel wurde vom Kommandierenden General des VIII. Armeekorps befehligt. Sie marschierte mit ihren Hauptkräften (acht Bataillonen, einem Kamelreiter
Regiment zu drei Eskadrons, vier Feldbatterien, einer schweren 15-cm Haubitzbatterien, fünf Pionierkompanien, fünf Divisionsbrückentrains, zwei Sanitätskompanien
und drei Feldlazaretten unter Kommando des Kommandeurs der 25. Division, Oberstleutnant Ali Fuad Bey) von Biserba über Hafir el Addja-Ibni auf Ismāilia. Eine
Nebenkolonne von fünf Kompanien, zwei Batterien, einer halben Sanitätskompanie und etwa tausend berittenen freiwilligen Beduinen ging von Gaza über El Arisch
auf Kantara vor, und ein Detachment von vier Kompanien, einer Batterie, einer halben Sanitätskompanie und sechshundert Freiwilligen unter einem berüchtigten
mazedonischen Bandenchef
(* s.u. )sollte über En Nachl auf Suez marschieren. Der mittleren Kolonne waren sieben mit Munition, eine mit Material, zehn mit Material
und fünfzig mit Wasser beladene Kamelkolonnen, den auf Kantara und Suez angesetzten Nebenabteilungen je zehn Kamelkolonnen zugeteilt. Mit mehreren Tagen
Abstand folgten der auf Ismāilia marschierenden Kolonne als zweite Staffel zwei Infanterieregimenter und eine Artillerieabteilung der türkischen 10. Division unter
Befehl des deutschen Obersten Trommer. Ein mehrtägiger Abstand zwischen den beiden Staffeln war notwendig, damit sich die von der ersten Staffel geleerten
Wasserstellen bis zum Eintreffen der zweiten Staffel wieder füllen konnten. Die Verpflegungsstärke der ersten Staffel betrug 9886 Mann, 801 Pferde, 1792 Kamele
und 328 Büffel, jene der zweiten Staffel etwa 8000 Mann. Die Mannschaften und die rund 7500 Kamele der Kolonnen sind in diesen Zahlen nicht inbegriffen.“

Textquelle:
Ismāilia - Die Schlacht am Suezkanal, Seite 85-86, In: Mit den Türken zum Suez Kanal , Freiherr Kreß von Kressenstein, Berlin 1938




________________________________________________________________________________________________________________________

(*) Anmerkung zum oberen Textauszug
Bei dem von, von Kressenstein, als: “ berüchtigten mazedonischen Bandenchef “ bezeichneten Führer der südlichsten Angriffsgruppe, handelt es sich um den, 1873 in
Konstantinopel geborenen Tscherkessen, Eşref Sencer Kuşcubaşcı Bey. Dieser ist Angehöriger der türkischen Geheim- und Guerilla-Organisation Teskilât-ı Mahsusa.
Wir werden dieser schillernden und widersprüchlichen Persönlichkeit auch noch zwei Jahre später, im Kapitel VI 1917 begegnen, als es einer seiner Einheiten gelingt,
sich, vom Hedschaz aus, in den Jemen durchzuschlagen. Für einen adeligen Militär, wie, von Kressenstein, ist der Führer einer irregulären Einheit; ohne Offiziersrang;
der nur eine dürftige militärische Ausbildung absolvierte und lange Jahre im Hedschaz als Guerillaführer gegen die eigene Obrigkeit kämpfte, natürlich äußerst suspekt.
Beide, doch sehr unterschiedliche Persönlichkeiten werden sich auch mit Sicherheit bei Einsatzbesprechungen im Hauptquartier des VIII. Armee Korps begegnet sein.
Vergleiche hierzu auch:
Die Teşkіlât-i-Mahsusa Enver Paschas, S. 180 - Der Guerilla-Krieg im Sinai, S. 227 - Die Mission Gondos-Simon und weitere Sabotageaktionen, S. 234, - In:
Die deutsche Ägyptenpolitik 1914 bis 1918, Ein Beitrag zur Propagandageschichte des Ersten Weltkrieges, Salvador Oberhaus, Dissertation Universität Düsseldorf 2006.
Chapter Two, A., The Mission of the Teşkilat-i Mahsusa during the 1st Canal Campaign, S. 39-42, In: The Ottoman special organization Teşkilat-i Mahsusa:
A historical assessment with particular reference to its operations against British occupied Egypt (1914 - 1916)
, Polat Safí, Dissertation Universität Ankara 2006.
Vertraulicher Bericht des Obersten Freiherrn Kreß von Kressenstein an den Chef der Militärmission über die erste Expedition gegen den Suez-Kanal
vom 21. Februar 1915, Seite 23-32, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abteilung IV des Kriegsarchivs vom Februar 1915 , Aktennummer MKr.: 1782 / 2.
Chapter III, Part 2, Eşref Kuşcubaşı and the Role of the Teşki̇lât-i-Mahsusa in the Campaign against Egypt, S.102-118, In: The Ottoman government
and the Arabs, 1911 to 1918: a preliminary study of the Teşki̇lât-i-Mahsusa
, Phillip Hendrick Stoddard, Dissertation Princeton Universität 1963.
The Live of Eşref Sencer Kuşcubaşizade, S. 21-32, In: The Turkish Battle at Khaybar, Eşref Sencer Kuşcubaşcı / Philip Hendrick Stoddard, Arba 1997.

(Auf die Geheimoperationen am Suez-Kanal werden wir hier nicht weiter eingehen, weil keine Besatzungsmitglieder aus Massawa daran beteiligt sind und das Thema
sprengen würden. In den nächsten Beiträgen wird aber über Verbindungen der Teskilât-ı-Mahsusa mit einer weiteren Gruppe deutscher Matrosen im Sudan berichtet.)
________________________________________________________________________________________________________________________




Hier drei Seiten einer Bilderreihe über Ägypten, den Suez-Kanal und den türkisch-deutschen Angriff
http://i47.tinypic.com/332tt80.jpg + http://i45.tinypic.com/353a5xy.jpg + http://i49.tinypic.com/18dk3t.jpg
Bildquellen: Hinweis hier im Panzer Forum: Linkliste für die Zeit von vor 1918Grosser Bilderatlas des Weltkrieges (Band 1-3)
http://digicoll.library.wisc.edu/cgi-bin ... 403&id=History.gbatlasv1&isize=M




Die folgende Aufstellung des VIII. Armee-Korps zeigt die Gliederung der Einheiten nach
dem Angriff auf den Suez-Kanal im Februar 1915, aber schon ohne die 10. Inf.- Division.
http://i48.tinypic.com/260ttus.jpg
Bildquelle: Handbook of the Turkish Army 1916, Intelligence Section, Cairo 10th February 1916






TEIL 1 - IV. b.) Der Angriff

“In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar erfolgte unser Angriff. Wir wollten auf dem westlichen Ufer des Kanals eine brückenkopfartige Stellung gewinnen und uns in ihr
festsetzen. In einer flachen Mulde, die etwa drei Kilometer östlich des Kanals und parallel mit ihm verlief, sollten sich unsere Truppen zum Angriff bereitstellen. Für die
schwere Batterie war am rechten Flügel eine Stellung erkundet, aus der sie die auf dem Timsahsee liegenden Schiffe unter Feuer nehmen konnte. Der Angriff war in
acht Kolonnen gegliedert, die an acht verschiedenen, einige hundert Meter voneinander entfernten Stellen den Übergang erzwingen sollten. Jeder Kolonne waren eine
halbe Kompanie Pioniere, drei Pontons und mehrere Flöße zugeteilt. Bis in die Bereitstellung konnten die Pontons gefahren werden; von hier aus bis an den Kanal
mußten die Mannschaften tragen. Kein Gewehr durfte geladen sein, damit nicht das vorzeitige Losgehen eines Schusses unseren Gegner warnte. Dieser Befehl sollte
sich später als verhängnisvoll erweisen; denn als die englische Abwehr einsetzte, weigerten sich die türkischen Offiziere unter Berufung auf diesen Befehl, das Feuer
zu eröffnen. Bis der Befehl des Kommandierenden Generals zur Feuereröffnung durchdrang, hatten die Engländer längst Verstärkung herangeführt.

Als am 2. Februar bei Sonnenuntergang die Truppen im Begriffe waren, ihre Lager zu verlassen und in die Bereitstellung abzurücken, setzte ein Sandsturm von un-
gewöhnlicher Heftigkeit und langer Dauer ein. Nur mit den größten Schwierigkeiten gelang es, die Truppen in die Bereitstellung zu führen und sie dort, nachdem sich
der Sandsturm gelegt hatte, befehlsgemäß zum Angriff zu gliedern. Unglücklicherweise hatten die Brückentrains im Sandsturm die Orientierung verloren und waren
von der Kolonne abgekommen. Erst nach stundenlangen Suchen gelang es, sie wieder aufzufinden und in die Bereitstellung zu führen. Darüber hinaus war die wert-
vollste verlorengegangen, und statt wie geplant um 10:30 abends, konnten die Angriffskolonnen erst nach 2 Uhr morgens – also kurz vor Sonnenaufgang – aus der
Bereitstellung den Vormarsch gegen den Kanal beginnen.

Das Vorgehen vollzog sich planmäßig in größter Stille und unbemerkt vom Feinde. Kein Schuß fiel, die englischen Scheinwerfer, die das Vorgelände ableuchteten,
entdeckten keine unserer Kolonnen. Fast gleichzeitig erreichten diese das Ufer des Kanals. Die Überraschung des Gegners schien gelungen zu sein. Schon war ein
Teil der Pontons zu Wasser gebracht und bemannt worden. Drei Pontons mit drei Offizieren und sechzig Mann hatten bereits das jenseitige Ufer erreicht, als die
schwachen englischen Postierungen am westlichen Kanalufer unseren Angriff bemerkten und die ersten Schüsse abgaben. Sie gingen ausnahmslos zu hoch und
richteten keinen Schaden an. Trotzdem lösten sie bei den kriegsungewohnten und schlecht ausgebildeten Arabern
(?) einen panikartigen Schrecken aus. Die Pontons
und Flöße die noch zu Wasser gebracht werden sollten, wurden von den Trägern
(?) zu Boden geworfen; die bereits eingeschifften Leute sprangen aus den Pontons
wieder ans Land und überrannten die sich ihnen entgegenwerfenden Offiziere. Alles eilte hinter die schützenden Kanaldämme zurück und nahm hier volle Deckung.
Inzwischen wurde es hell, und die Engländer führten ihre Bereitschaften heran. Die schwachen türkischen Kräfte am westlichen Kanalufer wurden mit dem Bajonett
erledigt. Mit ihren sehr geschickt eingebauten Maschinengewehren bestrichen die Engländer den Kanal der Länge nach, und binnen kürzester Zeit hatten ihre Kugeln
unsere Pontons und Flöße durchlöchert, so daß sie untergingen oder unbrauchbar wurden. Im Laufe des Nachmittags fuhr überdies ein englisches Torpedoboot den
Kanal entlang und zerstörte die noch am Kanalufer liegenden Pontons durch Geschützfeuer.“




Die beiden unteren zwei Fotos zeigen den türkischen Anmarsch auf den Suez-Kanal, während der ersten Angriffsoperation im Februar 1915.
http://i48.tinypic.com/33a8ep5.jpg + http://i46.tinypic.com/kf1isw.jpg
Bildquellen:
http://www.amazon.de/Deutsche-Soldatengr ... tinafront-Grabst%C3%A4tten/dp/3402002310
http://books.google.de/books/about/Mit_d ... nal.html?id=i9tmAAAAMAAJ&redir_esc=y



“ Der überraschende Übergangsversuch war gescheitert – einmal infolge der durch den Sandsturm hervorgerufenen Verspätung, vor allem aber, weil die zum Angriff
angesetzten Truppen weder ihrer Ausbildung noch ihrem inneren Halt nach für ein so schwieriges Unternehmen wie die Überwindung eines hundert Meter breiten
Wasserlaufes angesichts des Feindes vorbereitet waren. Dran konnte auch die Tatsache nichts ändern, daß der Divisionskommandeur Ali Fuad vor und während des
Gefechtes, Energie und Geschicklichkeit an den Tag legte, die über jedes Lob erhaben war. Vortrefflich waren auch Haltung und Leitung der Pioniere und der Artilleristen.
An eine Zurückführung der Truppe über die deckungslose Ebene war vor Einbruch der Dunkelheit nicht zu denken. Nach Tagesanbruch hatten die auf den Seen liegenden
Kriegsschiffe ein lebhaftes Feuer gegen die wenigen, sich bietenden Ziele eröffnet. Trotzdem das Feuer zeitweise von Fliegern geleitet wurde, hatte es keine materielle
und nur geringfügige moralische Wirkung. Dagegen gelang es Hauptman Heibey mit unserer schweren Feldhaubitzbatterie, einen Volltreffer auf dem im Timsahsee
liegenden englischen Kriegsschiff „Hardings“ zu erzielen und das Schiff zum Aufgeben seiner Stellung zu zwingen. Leider reichten die Schußweiten unserer alten
Haubitzen nicht aus, um auch die anderen im Timsahsee liegenden Schiffe unter Feuer nehmen zu können. An einen Stellungswechsel bei Tag war in dem offenen
Gelände nicht zu denken. Es rächte sich nun bitter, daß die türkische Heeresleitung unseren Anträgen auf Zuweisung einer weiteren, moderneren Haubitzbatterie
keine Folge geleistet hatte gebe können oder wollen.

Schon am frühen Morgen hatten die Engländer aus dem Brückenkopf bei Tussum mehrere Gegenstöße gemacht und dabei sieben türkische Offiziere und zweihundert
Mann teils getötet, teils gefangengenommen. Gegen Mittag landeten sie am Nordende des Großen Bittersees mehrere Kompanien auf dem östlichen Kanalufer und
versuchten mit ihnen gegen die linke Flanke unseres Angriffes vorzustoßen. Die noch wenig ausgebildeten indischen Truppen zeigten nur geringe Angriffslust; wir
konnten beobachten, wie die englischen Offiziere ihre Leute mit Peitsch und Revolver vorwärtstrieben. Als zwei Bataillone der etwa drei Kilometer hinter der Mitte
unseres Angriffs in Reserve stehenden 10. Division gegen die Flanke des englischen Vorstoßes entwickelt wurden, brachen die Engländer das Gefecht ab und zogen
sich an den Kanal zurück.“




Auf dem unteren linken Foto sehen wir die Stelle, an der der Suez-Kanal bei Ismāilia, heute in den Timsah-See mündet, sowie; auf der
rechten Aufnahme, daß südlich des Sees hinter der Kurve bei Tussum, erbaute Denkmal für die dortigen Kämpfe während des 1.WK.
http://i50.tinypic.com/513nsn.jpg + http://i49.tinypic.com/20j2u1j.jpg
Bildquellen: Eigene Fotos 03/2011



“ Der Gedanke, mit 20000 Mann durch die Wüste vorzustoßen, ein Hindernis wie den Suezkanal überwinden und ohne genügende Sicherung der eigenen rückwärtigen
Verbindungen dem mächtigen England ein Land von der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Bedeutung Ägyptens entreißen zu wollen, mag auf den ersten
Blick befremdend erscheinen und lebhaftes Erstaunen auslösen. Und doch, wenn wir heute in der englischen Kriegsliteratur über die Lage in Ägypten zu Beginn des
Weltkrieges lesen, so scheint es keineswegs ausgeschlossen, daß die Türken wenigstens vorübergehende Erfolge hätten erzielen können, wenn es damals im Sudan
und in Ägypten zu den Aufständen und der antienglischen Bewegung gekommen wäre, die in den Nachkriegsjahren den Engländern so große Sorgen bereiteten. Selbst
das englische Generalstabswerk gibt zu, daß ein vorübergehender Erfolg und eine zeitweise Sperrung des Kanals im Bereich des Möglichen lag.
Ich konnte niemals ergründen, ob Djemal Pascha
(* s.u. ) ernstlich an die Möglichkeit einer Eroberung Ägyptens glaubte oder ob er bei der Propagierung dieses
Gedankens lediglich die Absicht verfolgte, seinen arabischen Truppen ein sie begeisterndes und ihnen verständliches Kriegsziel zu geben – die Befreiung ihrer
mohammedanischen Glaubensbrüder in Ägypten vom Joch der Ungläubigen.
Die für unser Erscheinen am Kanal in Aussicht gestellte Erhebung der Ägypter blieb aus. Die Engländer hatten im Dezember 1914 den türkenfreundlichen Khediven
Abbas Hilmi
durch seinen Onkel Hussein Pascha ersetzt. Damit beseitigten sie die großen Schwierigkeiten, die für die Kriegsführung aus dem komplizierten Völker-
rechtlichen Verhältnis Ägyptens zu England erwachsen mußte. Der neue Khedive und seine Regierung standen auf seiten der Engländer und unterstützten sie in jeder
Weise bei der energischen Unterdrückung der türkenfreundlichen nationalistischen Elemente. Tatsächlich rührte sich beim Eintreffen der Türken am Kanal keine Hand.

Es war uns nicht gelungen, den Kanal zu überschreiten oder ihn auch nur längere Zeit für den Verkehr zu sperren. Trotzdem wäre es unrichtig, den ersten türkischen
Vorstoß gegen den Kanal als ein Fehlschlag zu bezeichnen. Allein die Tatsache, daß es den Türken möglich gewesen war, eine größere Truppenmacht und insbesondere
schwere Artillerie durch die Wüste zu führen und daß die Türken gewagt hatten, die englische Stellung am Kanal anzugreifen, löste in London und in Kairo und in den
neutralen Schiffahrtskreisen eine sehr erhebliches Maß von Überraschung und Besorgnis aus. Der türkische Angriff auf den Kanal hatte jedenfalls zur Folge, daß von
nun ab die Sorge um die Sicherheit des Kanals und Ägyptens in den Überlegungen der britischen Staatsmänner und Generäle eine gewichtige Rolle spielte und sie
zum dauernden Einsatz verhältnismäßig starker Kräfte in Ägypten veranlaßte. Die Verfasser des englischen Generalstabswerk sind sogar der Meinung, daß der
türkische Vorstoß gegen den Kanal Anfang 1915 dazu beigetragen hat, den für England so verhängnisvollen Entschluß zum Dardanellenunternehmen auszulösen.“

Textquelle:
Ismāilia - Die Schlacht am Suezkanal, Seite 91-95, In: Mit den Türken zum Suez Kanal , Freiherr Kreß von Kressenstein, Berlin 1938
Vergleiche hierzu auch:

Chapter V. Our preparations for the Expedition against the Suez Canal, Seite 147-159, In: Memories of a Turkish Statesman 1913-1919, Djemal Pasha, 1922
Chapter III, First attack against Egypt, The German-Turkish Offensives, Seite 42-45, In: British Campaigns in the Near East Vol.1, Edmund Dane, London, 1919
The Abortive Attack on the Canal, The “Holy War” that Failed 1914-15, Seite 33-38, In: Curt Prüfer, German Diplomat from the Kaiser to Hitler, D. M. McKale, 1987



Der englische Generalmajor Sir M.G.E. Bowman-Manifold schreibt dazu:
“ Die türkische Leistung verdient Respekt. Tausende von Männern, Artillerie und Pontons 140 Meilen durch die Wüste zu bringen, war lobenswert,
eine Front anzugreifen, die von Potentiell 70 000 Mann und dem Stahl schwerer Schiffseinheiten verteidigt wurde, war kühn; und sich mit der Artillerie
und dem Train bei nur 10% Verlusten der Infanterie zurückzuziehen, war ein klarer Sieg und läßt den Verteidigern kaum die Möglichkeit zum Prahlen.“

Textquelle:
Kapitel V, Die Vorstöße zum Suezkanal, Seite 69, In: Feldgrau in Jerusalem, Das Levantekorps des kaiserlichen Deutschland, H. W. Neulen, Universitas 1991

Originale Textpassage in: An Outline of the Egyptian and Palestine Campaigns, 1914 to 1918 , Major-General Sir M. G. E. Bowman Manifold, London 1922
A contemporary British military commentator, Major General Sir MGE Bowman-Manifold, made an objective assessment of the enemy's achievement:
"The Turkish effort deserves admiration. To bring thousands of men, artillery and a pontoon train across one hundred and forty miles (225 kms) of
desert was creditable. To assault a front defended potentially by seventy-thousand men and the heavy metal of ships' armament was audacious. To
depart again with artillery and baggage intact and with a loss of not ten per cent of infantry was clear gain and left the defenders with little to boast of."

Textquelle:
Battlefield Review – Suez 1915
(Die sachliche und durchaus positive Bewertung der gegnerischen Leistung mag ein Grund sein warum das Werk des englischen
Generalmajors auch auf internationaler Ebene nicht weiter beachtet wurde, und Nachfrage und Auflage entsprechend gering war.)





Hier noch zwei englische Artikel aus der damaligen Zeit über den Angriff auf den Suez-Kanal:
SUEZ CANAL ATTACK, DESCRIPTION OF THE FIGHTING
CHAPTER VII, THE TURKISH EXPEDITION AGAINST EGYPT




Karte 10
Die folgende Karte stammt ebenfalls aus dem türkischen Generalstabswerk über die Kämpfe auf dem Sinai, Palästina, Syrien und Mesopotamien
1914-1918 und zeigt den Schwerpunkt des Angriffes am 2. Februar 1915, südlich von Ismāilia, zwischen dem Timsah- und Großen Bitter-See auf.
Hier hat auch, mit großer Wahrscheinlichkeit der Einsatz der deutschen Matrosen aus Massawa, innerhalb des 8. Pionier-Bataillon stattgefunden.
http://i46.tinypic.com/29vhxj4.jpg
Bildquelle: http://alh-research.tripod.com/AV/suez/attack.htm


.



TEIL 1 - IV. c.) Fakten und Indizien

Fakten (. . . die die Teilnahme der deutschen Seeleute an der Angriffsoperation belegen.)
In dem gesamten Schriftwechsel zwischen dem Kaiserlichen Konsulat in Damaskus und den anderen Dienststellen des Auswärtigen Amtes in Jerusalem, Aleppo und
Konstantinopel gibt es fünf deutliche Hinweise, die unverkennbar eine Beteiligung dieser Marinemannschaft aus Massawa an dem Angriff auf den Suez-Kanal belegen.

1.) Das oben aufgeführte Schriftstück erwähnt: “. . . in das Ägyptische Expeditionscorps eingestellt worden. Sie sind nunmehr vom Suezkanal zurückgekehrt.“ .
Siehe hierzu: PA / AA - Geheime Akten - Krieg 1915 - Nr.11g / R 21149 - Vorgang Jr. 8 128 - Damaskus 06.03.1915

2.) “ Sie sind schon vor längerer Zeit in Palästina angekommen und in die 4., gegen den Sueskanal operierende Armee als Freiwillige unter dem Kommando
des Oberst Trommer eingestellt worden.“

Siehe hierzu: PA / AA - Geheime Akten - Krieg 1915 - Nr.11g / R 21149 - Vorgang J. No. 531 - Aleppo 10.03.1915

3.) “Nach Ende des Einsatzes der Kanalexpedition“ müssen sie Ihre “ zuvor erhaltenen Uniformen in der Intendantur der Division Trommer wieder abgeben. “
Siehe hierzu: PA / AA - Geheime Akten - Krieg 1915 - Nr.11g / R 21148 - Vorgang J. No. 97 - Jerusalem 16.02.1915

4.) Der Matrose Wächter, L ist nach der Genesung seiner erhaltenen Verwundung.“ (Im Feldlazarett Hafir) erst 9 Tage später in der Lage, den Anderen zu folgen.
Siehe hierzu: PA / AA - Geheime Akten - Krieg 1915 - Nr.11g / R 21148 - Vorgang J. No. 530 - Jerusalem 10.02.1915 und Vorgang Jr. 135 - Aleppo 09.03.1915

5.) Dem “Wehrpflichtigen Käfer, Karl aus Bremerhaven sind beim Angriff sämtliche Ausweisdokumente verlorengegangen“ . Sein VorgesetzterHauptmann
Gerlach
wird höflichst ersucht, den Vorgang zu bestätigen“
. Der dazu gehörige Schriftwechsel geht von Damaskus über Aleppo bis an das Auswärtige Amt in Berlin.
Siehe hierzu: PA / AA - Geheime Akten - Krieg 1915 - Nr.11g / R 21148–R 21150 - Vorgang J. No. 109 - Damaskus 12.02.1915 bis Vorgang J. No. 1073 - Berlin 28.03.1915





Indizien (. . . die weitere Rückschlüsse zulassen.)
Beim Angriff auf den Suez-Kanal treffen zuvor, zwei grundsätzlich sehr konträre Faktoren zusammen; Die Überwindung einer Wüste und einer Wasserstraße. Die Reihen-
folge dieser beiden natürlichen Hindernisse erfordert bereits bei der Planung detaillierte Vorbereitungen für den Transport der notwendigen Übersetzmittel über den Kanal.
Neben der materialen Ausstattung mit Booten und Pontons sowie dessen Transport zum Kanalufer ist eine Ausbildung der Mannschaften dafür Grundvoraussetzung. Von
Kressenstein
weist in seinen Aufzeichnungen darauf hin, daß noch Anfang Januar 1915 keinerlei Vorbereitungen getroffen wurden, daß in Damaskus stehende 8. türkische
Pionier-Bataillon auszubilden. Die Mannschaften seien zwar in guter körperlicher Verfassung, hätten aber keinerlei Möglichkeiten, daß Überwinden eines Wasserlaufes zu
üben. Eine Einweisung und das anschließend notwendige Training für die Bedienung der Boote und Pontons kann auch bis Angriffsbeginn nicht mehr nachgeholt werden.
Hauptmann Gerlach (s.u. ) ist zu diesem Zweck als Pionierinstrukteur in das Türkische Heer überstellt worden und wird dann auch Kommandeur des 8. türkischen Pionier-
Bataillons. Aufgrund fehlender Ressourcen und Übungsmöglichkeiten sind ihm aber die Hände gebunden die Truppe auf solch eine Amphibische Operation vorzubereiten.

Nachdem die zwölf Matrosen der deutschen Frachter, Damaskus mit der Hejaz-Eisenbahn, erreicht haben, müssen sie sich um weitere Papiere und Geldmittel zu erhalten,
beim kaiserlichen deutschen Konsulat in der Stadt melden. Bei der, noch relativ kleinen Gruppe von Landsleuten, die sich zu diesem Zeitpunkt in Damaskus aufhalten, ist
es nicht verwunderlich, daß sich die Ankunft schnell herumspricht. So werden sicher auch die wenigen Offiziere der, noch kleinen deutschen Militärmission von dem außer-
gewöhnlichen Ereignis Kenntnis erlangen, wenn nicht sogar automatisch informiert worden sein. Es fällt nicht schwer eine Verbindung zwischen dem Bedarf nach technisch
geschultem Personal mit seemännischen Kenntnissen, und dem Auftauchen deutscher Seeleute herzustellen. “DIE ERSTEN ZWÖLF“ erfüllen einige dieser Vorgaben und
sind in der Lage, zumindest einen kleinen Teil dieser Lücke schließen; - nämlich die Grundlage für die Bedienung der Boote und Pontons zum Übersetzen am Suez-Kanal
zu schaffen. Darüber hinaus können die Matrosen die Beaufsichtigung und Kontrolle des Materials bei dem 400 km langen Überlandtransport durch die Wüste übernehmen.
Die Informationen über die Expedition gegen den Suez-Kanal wird man ihnen sicher erst nach einer Befragung, und nachdem sie sich freiwillige gemeldet haben, mitteilen.
Ob in dieser Phase, allerdings noch genügen Zeit bleibt, auch weitere türkische Unteroffiziere und Mannschaften einzuweisen, bleibt zweifelhaft. Selbst wenn die Matrosen
in Massawa, rudimentäre Türkisch Kenntnisse erlangt haben sollten, so sind und bleiben Verständigungsprobleme eine der Hauptursachen für mangelnde Vorbereitungen.

Die im Schriftverkehr des PA / AA aufgeführten Textpassagen; daß die zwölf Matrosen ihre türkischen Uniformen erhalten, und auch später wieder bei der Intendantur der
10. Division abgeben müssen, erklärt zumindest ansatzweise warum sich selbst in englischen Quellen keine weiteren Hinweise auf deutsche Mannschaften finden lassen,
da ein Erkennen der Nationalität während des Gefechtes auf mittlere Distanz, mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann. Im Falle einer Gefangenschaft
wäre eine Teilnahme Deutscher; selbst wenn es sich `nur´ um Mannschaftdienstgrade gehandelt hätte, auch mit Sicherheit durch die Briten aktenkundig geworden. Dem
bestens informierten britischen Geheimdienst war die Anwesenheit der wenigen deutschen Offiziere bei dem Unternehmen durchaus bekannt. Hier, wie auch in der übrigen
Literatur wird zwar die nachweisliche Anwesenheit auch weiterer deutscher Mannschaften (s.u.) durchaus registriert, aber es werden keine weiteren Details dazu aufgeführt.
Vergleiche hierzu auch:
Chapter 2, The Attack on the Suez Canal, Seite 42-47, In: British military intelligence in the Palestine campaign 1914-1918, Yigal Sheffy, Tel Aviv University, London 1998.



Bei dem 30 km weiter nördlich, schon östlich des Suez-Kanal, und bereits auf der Sinai Halbinsel gelegenem Kantara,
sind auf dem dortigen Friedhof zwar etliche Deutsche Gräber vorhanden, aber keine von 1915 mit Marineangehörigen.
http://i48.tinypic.com/21d7i0.jpg + http://i45.tinypic.com/mww3ep.jpg
Bildquellen: Eigene Fotos 03/2011
Die Gräber mit 39 deutschen Namen sind hierverzeichnet:
http://www.weltkriegsopfer.de/Namensregi ... ara-Kantara_Friedhofdetails_1_11616.html



Karte 11
Hier ein vergrößerter Detailausschnitt der oberen Karte. Von Kressenstein beschreibt die Angriffsgliederung in acht parallel angeordneten
Kolonnen. Von den sechs Bataillonen aus den drei Regimentern der 25. Infanterie Division, treten allerdings nur vier zum eigentlichen
Angriff auf den Kanal an: Das II.Btl./ 75. Inf.-Regiment, I.Btl./ 74. Inf.-Regiment, II.Btl./ 74. Inf.-Regiment und I.Btl./ 73. Inf.-Regiment.
Das 8. Pionier Bataillon ist hierbei, mit je einer halben Kompanie, drei Pontons und mehreren Flößen auf die acht Kolonnen verteilt.
Aber auch diese Situation läßt keine weiteren Rückschlüsse, über den genauen Einsatz und die Örtlichkeit der deutschen Matrosen zu.
http://i47.tinypic.com/350ncdf.jpg
Bildquelle: http://alh-research.tripod.com/AV/suez/attack.htm
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 201327 | Verfasst am: 01.03.2013 - 18:51    Titel: Antworten mit Zitat

Harry ist längst nicht mehr der alleinige "Grandmaster der Nebenkriegsschauplätze", werter Holger Zwinkern

Immer wieder ein Fest, Deine Beiträge !
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 202015 | Verfasst am: 24.05.2013 - 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

TEIL 1 - IV. d.) Hinweise über die Teilnahme weiterer deutscher Mannschaften beim Angriff

Die wenigen, aufgeführten Einzelfälle sollen im Grunde belegen, daß auch für die Einsätze weiterer deutscher Mannschaften, die nur im indirekten Zusammenhang
mit den hier thematisierten Besatzungen aus Massawa stehen, die Aktenlage sehr dürftig ist und detaillierte Schilderungen dieser Vorgänge die Ausnahme bilden.





Am 15. Februar 1915 taucht in der englischen Presse folgender Artikel auf, der im direkten Zusammenhang mit dem Angriff auf den Suez-Kanal steht:

“Early on February 7 the Germans advanced on the canal bank, shouting, ``Don´t shoot. We are engineers´´ The British waited
until the enemy were only a few yards distant, and then opened fire with machine-guns. The enemy fled, leaving 30 dead.”
(???)


Als erstes verwirrt das Datum, da am 7. Februar keine Einheiten mehr gegen den Kanal vordringen, sondern sich zurückziehen. (Es kann sich hier wohl-
gemerkt, nicht um die Kämpfe mit der Nachhut unter Hauptmann Maschmeyer handeln.) Weiterhin tauchen in der Textpassage (nur) Deutsche auf und
geben sich als Ingenieure aus, von denen anschließend auch noch 30 erschossen werden. Der vorangegangene Teil des Artikels spricht ja nur von
Turkish troops und einigen German senior officers oder auch advisors. Warum sollte hier auf einmal, und auch nur an dieser Stelle des Artikels,
ohne Grund nur von Deutschen die Rede sein? Daß es sich hierbei um Besatzungsangehörige aus Massawa handelt, ist aber sicherlich auszuschließen.





Überhaupt ist in der gesamten Literatur fast ausnahmslos die Rede von einem Deutsch-türkischen Angriff auf den Suez-Kanal, und nicht umgekehrt. Für die ersten Planungs-
ansätze mag dies oberflächlich zunächst auch stimmen; der Angriff war vom deutschen Generalstab seit Anfang August 1914 mehrmals gefordert worden. Für Vorbereitung
und die weitere Ausarbeitung ist aber der türkische Generalstab verantwortlich. Sowohl Colmar von der Goltz als auch Liman von Sanders weisen darauf hin, daß nicht nur in
der Anfangsphase des Krieges die Mitsprache durch deutsche Offiziere wesentlich geringer ist, als allgemein angenommen wurde. Obwohl die deutsche Militärmission schon
1913 weitreichende schriftliche Befugnisse erhalten hatte, werden diese Eingriffe vom Verbündeten in der Praxis immer häufiger als Bevormundung kritisiert. Unabhängig da-
von handelt es sich bei den, etwa 30 namentlich bekannten deutschen Militärangehörigen, und einer weiteren, nicht näher zu ermittelnden Anzahl von Adjutanten, Burschen,
Schreibern, Übersetzern sowie Korrespondenten, damit um höchsten 0,3% der gesamten Streitmacht von 25.000 Mann, die operativ gegen den Suez-Kanal aufgeboten wird.

Darin inbegriffen ist die vergleichsweise hohe Zahl von weiteren 30 kriegsfreiwilligen Palästina-Deutschen, die aus den Reihen der dortigen Templerkolonie stammen und an
dem ersten Angriff auf den Suez-Kanal und anderen Operationen auf der Sinai Halbinsel beteiligt sind. Bei Kriegsbeginn bestehen die deutschen Gemeinschaften im Heiligen
Land aus 2.200 Mitgliedern. Um diesen, die Örtlichkeiten kennenden und die Sprache beherrschenden Personenkreis in zukünftige Aufgabengebiete mit einzubeziehen, ent-
sendet der deutsche Marine Attaché Korvettenkapitän Hans Humann in Konstantinopel den Physiker Dr. Heinrich Hoffmann nach Palästina und Syrien. Hoffmann ist nun seit
dem 30. September 1914 in geheimer Mission unterwegs um die Bevölkerung dieser Gemeinde für das deutsch-türkische Bündnisabkommen zu gewinnen und Freiwillige für
zukünftige militärische Einsätze zu finden. Die beiden einzigen Namen die durch spätere Aufzeichnungen bekannt werden, sind die von Fritz (Friedrich) Frank und Theophil
Wagner
aus Nazareth. Beide sind Ende 1914 / Anfang 1915 als Beduinen verkleidet, und verdeckt operierend unterwegs, um bei mehreren Einsätzen, die für einen späteren
Vormarsch notwendigen Wasserquellen ausfindig zu machen und topographischen Geländeverhältnisse der Wüsten im Sinai zu erkunden und kartographisch festzuhalten.
Vergleiche hierzu auch:
Chapter 3: Collecting and Using Intelligence - Case Studies of German and Ottoman Attempts to Promote Jihad, A Fact-finding Mission-Dr. Hoffmann, Seite 84-85,
In: `Jihad made in Germany´,
Ottoman and German Propaganda and Intelligence Operations in the First World War , Tilman Lüdke, Dissertation Universität Oxford 2006.
Kapitel 5, Der ägyptische Kriegsschauplatz, Seite 90, Das Deutsch-Türkische Waffenbündnis im Weltkriege , Carl Mühlmann, Verlag Koehler & Amelang, Leipzig 1940
1. Kapitel, Mit den Türken zum Suezkanal, Seite 20, In: Der Einsatz deutscher Soldaten an der Palästinafront im Ersten Weltkrieg, Norbert Schwake, Münster 2009
Vertraulicher Bericht des Obersten Freiherrn Kreß von Kressenstein an den Chef der Militär-Mission über die erste Expedition gegen den Suez-Kanal
vom 21. Februar 1915, Seite 3,
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abteilung IV des Kriegsarchivs vom Februar 1915, Aktennummer MKr.: 1782 / 2.
Nachwort (Haifa in der Zeit des Krieges), Seite 147, In: Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 , Alex Carmel, 1975
Die deutschen TEMPLERKOLONIEN in PALÄSTINA (Internetforum zu diesem Thema)



“ Fig. 3. Fritz Frank ‘The German Lawrence’ (centre) in the Sinai desert in the 1920s ”
http://i43.tinypic.com/3t2lh.png
Bildquelle: Bulletin of the Anglo-Israel Archaeological Society, Vol. 24 (Siehe unten)



Wie groß die allgemeine Tendenz zur krampfhaft bemühten Legendenbildung und der geradezu bewußten Verdrehung der Fakten auf britischer Seite geht, zeigt das Beispiel
des zum deutschen `Superspion´ hochstilisierten Fritz (Friedrich) Frank. Der renommierte Autor, Yigal Sheffy führt in seiner unten genannten Arbeit, eindrucksvoll den Selbst-
läufereffekt, selbst in seriösen Werken auf. Hierzu gehören auch die dubiosen Tagebuchaufzeichnungen und offensichtlichen Fälschungen des Briten Richard Meinertzhagen.
(Ich würde es so formulieren wollen: `Überhöhe einen Gegner den du besiegt hast und attestiere dir damit gleichzeitig den Grad der eigenen Leistung die du vollbracht hast. ´)

“ THE CHRONOLOGY OF THE POST-WAR FRITZ FRANK MYTH
Frank was first mentioned in post-war literature in 1920, when Captain Ferdinand Tuohy published a book titled The Secret Corps. Tuohy had served in wireless intelligence
during the war, and in that capacity toured the Palestine front in 1917. His book, therefore, was assumed to be a documentary account of the secret war within the Great War.
The truth is that the author was somewhat carried away by his own stories. Among the non-existent daring men and attractive women spies whom he depicted as operating in
the Middle East was a German, 'Major Francks', who 'had spent nearly all his life in the British colonies and would have passed for an Englishman in any society'. According to
Tuohy, Francks, wearing the uniform of a British or Australian officer, crossed the lines in Egypt and Palestine many times, penetrating headquarters and collecting operational
data. He became well known and caused the 'Frank Scare', resulting in the detention of many genuine officers. Tuohy concluded: 'Despite the real danger this man presented
and the hundreds of casualties he must have caused . . . . . a general hope prevailed that so brave a sportsman would never be caught'. . . . .
. . . . . and no Germans was ever sent behind enemy lines in Palestine for espionage. The Germans preferred using technical means of collection, such as air reconnaissance
air photography and wireless interception. Yet, British CE never realized the true state of affairs, and their spy mania continued to proliferate, reaching a zenith in the summer
of 1917 when the legend of Fritz Frank also assumed mythical proportions . . . . .
An ex-German officer, intrigued by the Cavalry Journal article, requested the help of General Friedrich Kress von Kressenstein (the chief of staff of the Ottoman 8th Corps
during the early part of the war and later commander of the 8th Army in Palestine) in locating the mysterious officer spy. Von Kressenstein denied in no uncertain terms
that a German or Ottoman officer had ever been sent behind British lines for espionage, disguised or undisguised. He also labeled as absurd the stories about Fritz Frank.
According to the German general, Frank, a German citizen living in Palestine, had volunteered to assist the military effort after the outbreak of the war by conducting topo-
graphical surveys in Sinai. Unable to speak a word of English, Frank had never even come close to the British lines, let alone crossed them. Kress von Kressenstein's
statement was the most reliable evidence a historian could wish to obtain, especially when the German general reiterated it in his memoirs published three years later. “

Textquelle:
Intelligence and National Security, Vol.14, No. 3, Seite 125/129,
The spy who never was: An intelligence myth in Palestine, 1914-18 , Yigal Sheffy, Tel Aviv University 1999

In Deutschland gerät die Angelegenheit erst in die Schlagzeilen, als Frank;- wohl während eines langen Interviews im Jahre 1938; seine direkte Beteiligung an dem Angriff
auf den Suez-Kanal erwähnt. (Nach Yigal Sheffy in: “ Der Mann, der den Suez-Kanal angriff “, Der Führer (?), 13, 14, 15,16 Jan. 1938.) Frank taucht in der Presse noch ein
letztes Mal im Nachkriegsdeutschland der 70erJahre, in folgendem mysteriösen Artikel auf: “ Allah ma es sabrin: Nachruf auf Fritz Frank “, Heilbronner Stimme 20. Juli 1968.
Bei den wenigen Dutzend Deutschen die sich Anfang 1915 bei dem Angriffsverband befinden, ist ein, durch Weitergabe von Informationen, vermitteltes `Zusammentreffen´
unter eigenen Landsleuten wesentlich wahrscheinlicher, als wenn es `Tausende´ gewesen wären. Eine unmittelbare Kontaktaufnahme zwischen Fritz (Friedrich) Frank und
den deutschen Matrosen aus Massawa, unter Marine Ingenieur Aspirant Paul Hermann Longino, kann zwar nicht ausgeschlossen werden, wird aber nirgendwo aufgeführt.
Vergleiche hierzu auch:
Fritz Frank, a Templar, Surveyor of the Arava Valley and Cucumber Grower, In:
Bulletin of the Anglo-Israel Archaeological Society, Vol. 24, G. Hadas 2006, (pdf. 7 Seiten)




Hier zwei Fotos aus dem Buch von, von Kressenstein die unter dem Titel aufgeführt werden: (deutsch-türkische) `Patrouillen in der Sinai-Sandwüste´
http://i40.tinypic.com/f9ffk1.jpg . http://i41.tinypic.com/2wqsrvm.jpg
Bildquelle: Mit den Türken zum Suez Kanal, Freiherr Kreß von Kressenstein, Seite 177 und 240, Vorhut Verlag Otto Schlegel, Berlin 1938




Ein weiterer deutscher Freiwilliger taucht namentlich in den Aufzeichnungen Kress von Kressensteins und Herbert Fischers (s.u.) während des Angriffes auf.
Bei dem deutschen kriegsfreiwilligen Hauptmann a.D. (?) Hall handelt es sich aber nicht um Friedrich Solomon Hall, auf den wir später noch eingehen werden.

“. . . . . . . Der Angriff, den das Detachment Magdal gleichzeitig gegen Jsmailiah hätte ausführen sollen, war unterblieben. Der Detachementführer, ein Regiments-
kommandeur, der bis dorthin auffallend gut gearbeitet und eine ungewöhnliche Verantwortungsfreudigkeit an den Tag gelegt hatte, verlor angesichts des feind-
lichen Feuer vollständig Herz und Kopf. Alle Bemühungen des Majors Fischer und eines deutschen Kriegsfreiwilligen Hall, die Infanterie aus den Stellungen
heraus zu bringen, in denen sie sich auf 2 bis 3km vor dem Kanal verschanzt hatten, waren vergeblich; man beschränkte sich auf eine wirkungslose Kanonade
gegen feindliche Schiffe; Infanterie hat der Feind bei Jsmailiah überhaupt nicht gezeigt. . . . . . “

Textquelle:
Vertraulicher Bericht des Obersten Freiherrn Kreß von Kressenstein an den Herrn Chef der Militär-Mission über die erste Expedition gegen den Suez-Kanal
vom 21. Februar 1915, Seite 19, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abteilung IV des Kriegsarchivs vom Februar 1915, Aktennummer MKr.: 1782 / 2.


“. . . . . . . Erst 10° Nachts wurde, nunmehr ungeladen und mit aufgepflanzten Seitengewehr der Vormarsch angetreten; vorn 3 Kompanieen in dichter Schützen-
linie, je 1 Kompanie hinter rechten und linken Flügel, Maschinen Gewehr Kompanie und 6 Geschütze hinter der Mitte. Trotz des Zeitversäumnisses fehlte auch
jetzt der Eifer. Fortgesetzt traten Stockungen und Verzögerungen ein, die durch festes Eingreifen Kemal Beys hätten verhindert werden können. Von seiner
Führung war nichts zu merken. Er überliess mir die Ordnung seiner Truppen und die Festhaltung des Marschzieles nach dem Kompass und ritt selbst bei der
Maschinen Gewehr Kompanie. Sein Verhalten löste die gleiche Teilnahmlosigkeit seiner Offiziere aus. Es war mir, trotz der Mithilfe des Hauptmannes Hall
nicht möglich, die Truppen vorwärts zu bringen. Wir beide deutschen Offiziere gingen allein zu Fuß vor der Front und versuchten durch Kommandos und das
eigene Beispiel die Truppen anzuspornen. . . . . . .“

Textquelle:
Abschrift des Berichtes von Major Herbert Fischer, Seite 2 + 3, Jerusalem, den 17. Februar 1915 an den Kaiserlich Ottomanischen Oberst und Chef des Stabes
des VIII. A. K. Herrn Freiherrn Kreß von Kressenstein, Bayerisches Hauptstaatsarchiv in München, Abteilung IV Kriegsarchiv, Akte MKr. 1782/2 vom 25. 2. 1915.






In dem folgenden, technisch sehr interessanten Beitrag taucht einleitend die Angabe auf, daß eine deutsche Funker- und Fernsprechabteilung
am ersten Angriff auf den Suez-Kanal teilgenommen hat. Für diese Aussage konnten keine weiteren Hinweise gefunden werden. Gleichzeitig
wird erwähnt, daß es sich um die PASCHA 1 Mission handelt. Die Einheiten der Pascha 1 Mission erreichten Palästina ja erst im Frühjahr 1916.


Ägypten, Türkei und Mesopotamien
An der türkischen Ersten Expedition gegen den Suez-Kanal nahm die Funker- und Fernsprechabteilung 105 (PASCHA 1) unter eigenem Kommando teil.
Es waren zwei Züge mit vier tragbaren Funken-Stationen (System Siemens & Halske, Wien), ausgestattet für den Kameltransport in Form von Traglasten.
Der Transport von Berlin nach Birseba dauerte 10 Wochen. Cholera und Malaria drohten, Taurus und Armanus mussten im Fussmarsch überquert werden.

Die Fernsprechabteilung wurde in der vordersten Linie eingesetzt. Als Verbindungslinie zum Expeditionskorps diente die ehemalige britische
Telegraphenlinie längs der Küste bis zum Oberkommando in Jerusalem. Eine Funkstelle wurde beim Korps, eine bei der Fliegerabteilung und
eine bei der vorgeschobenen Division sowie eine im Etappenort Birseba eingesetzt. Nach dem missglückten Angriff auf die britische Kanal-
truppe zog sich das Expeditionskorps langsam durch die Wüste zurück und richtete Anfang August eine Stellung bei Bir Mezar und El Arisch ein.

Die Briten bauten alsbald eine eingleisige Bahn sowie eine Wasserleitung durch die Einöde als Operationsbasis.
Die Etappenlinie der Türken erwies sich als zu lang und zu beschwerlich, und eine Blockade des Kanals musste
utopisch erscheinen. Man wollte - so hiess es - die deutsche Front an der Somme (Frankreich) entlasten. . . . . . .“

Textquelle: http://www.golf-dornseif.de/uploads/Mili ... e%20in%20Suedwest%20und%20Mesopotam.pdf, Seite 18





Hier ein paar weitere Fotos von der Sinai-Halbinsel von Günter Hartnagel, die aber höchstwahrscheinlich alle von 1916 stammen. Es gilt als erwiesen, daß die ersten
deutschen Einheiten der `Pascha 1 Mission´ ab Frühjahr 1916 auch deutsche Uniformen tragen. Ob allerdings, die beteiligten Offiziere und Mannschaften beim ersten
Angriff auf den Suez-Kanal im Januar / Februar 1915, nur osmanische, oder auch schon deutsche Uniformen tragen, konnte bisher noch nicht restlos geklärt werden.

“ Sinai desert, Ammunition column “ http://www.flickr.com/photos/39631091@N03/8493813620
“ Sinai desert, German camel riders “ http://www.flickr.com/photos/39631091@N03/8495718106/in/photostream/
“ Be'er Sheva, German soldiers group photo “ http://www.flickr.com/photos/39631091@N03/8027933008/in/set-72157632777984585

Auf der Webpage von Chris Dales finden sich ausführliche Informationen zum Thema Uniformen:
Tropical Uniforms of the Pascha I and II Expeditions
http://s400910952.websitehome.co.uk/germancolonialuniforms/ottoman%20fronts%20tropical.htm

German Officers and NCOs in the Ottoman Army 1913-18
http://s400910952.websitehome.co.uk/germancolonialuniforms/ottoman%20fronts%20turkish%20unforms.htm

The German Army in Field Grey Uniforms on Ottoman Fronts 1914-18
http://s400910952.websitehome.co.uk/germ ... toman%20fronts%20european%20uniforms.htm






TEIL 1 - IV. e.) Deutsche Offiziere als direkte Befehlshaber der Marinemannschaften beim Angriff !?

Bei dieser ersten, noch kleinen deutschen Militärmission in Syrien und Palästina ab 1914 und den aufgeführten Dienstgraden, muß man sich vergegenwärtigen, daß deutsche
Militärangehörige beim Eintritt in die Osmanische Armee, einen Dienstgrad höher eingestuft werden. Daher ist es nicht verwunderlich wenn z.B. Werner von Frankenberg und
Proschlitz
, in deutschen Akten als Oberstleutnant
, und in den türkischen Stellenbesetzungen bereits als Oberst geführt wird. Bei Beginn des Krieges in Europa 1914 sind in der
ersten Augustwoche im gesamten Osmanischen Reich, noch 71 Personen im Offiziersrang bei der Militärmission unterstellt. Bei Kriegsende ist diese Zahl bereits auf über 800
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte mit türkischen Diensträngen angestiegen, die von der Militärmission verwaltet werden. Daß die temporäre Erhöhung des Dienstgrades
auch auf “ DIE ERSTEN ZWÖLF “ Matrosen aus Massawa zutrifft, ist zwar eine logische Schlußfolgerung, kann aber nicht belegt werden. Die in den Akten des PA / AA aufge-
führten Besoldungsaufstellungen lassen hierzu auch keine Rückschlüsse zu, da Nachzahlungen und Auslandszulagen nur als Gesamtsumme, und in T£ ausgewiesen werden.
Vergleiche hierzu auch:
3. Kapitel, Die Militärmission bis zum Beginn des Weltkrieges, Seite 30-33, In:
Fünf Jahre Türkei , Liman von Sanders, Berlin 1919, (pdf. 418 Seiten)



“Neben Oberst Kreß von Kreßenstein als Generalstabschef des VIII. Armeekorps, der die 1. Staffel der Truppe führte, waren noch mindestens ein halbes Dutzend andere
deutsche Offiziere an der Durchführung und Planung beteiligt. Ob weitere Deutsche bei diesem Unternehmen eingesetzt waren, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden.
. . . . . . . . . .Bekannt sind (mit türkischen Dienstgraden): Oberst von Frankenberg und Proschlitz als Chef des Stabes der IV. Armee unter Marineminister Djemal Pascha,
Oberst Frommer als Kommandeur der 2. Staffel des „Expeditionskorps“, Hauptmann Gerlach als Kommandeur des Pionierbataillons 8. Außerdem noch Major Welsch und
Hauptmann Fischer, die jeweils Offiziere eines Infanterie-Regimentes waren und während des Kampfes de facto, die Führung der Einheiten übernahmen, obwohl diese
nominell bei türkischen Offizieren lag, die jedoch entweder die Führung freiwillig den Deutschen überließen oder durch „Abwesenheit“ auf die Ausübung der Befehlsgewalt
verzichteten. Zudem wird ein gewisser Hauptmann von dem Hagen erwähnt, der bei dem Angriff fiel, über dessen Dienststellung aber nichts gesagt wird.“
gesagt wird.“

Textquelle:
III. Die deutschen Soldaten und ihre türkischen „Waffenbrüder“ im Ersten Weltkrieg, c) Der Krieg in Syrien, Palästina und Mesopotamien, Seite 180, In: „Tapfere Askers“ und
Feige Araber
Der osmanische Verbündete aus der Sicht deutscher Soldaten im Orient 1914-1918, Jan C. Reichmann, Dissertation Universität Münster 2009, pdf. 450 Seiten




Dieses, zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommenes Foto zeigt u.a. Oberst Kress von Kressenstein als Chef des Stabes beim VIII. Armee Korps,
Ahmed Djemal Pascha, Oberkommandierender der 4. Armee und Oberstleutnant Ali Fuad Bey (Erden) noch als Kommandeur der 25. Inf.- Division.
http://i39.tinypic.com/dno7br.jpg
Bildquelle: Mit den Türken zum Suez Kanal, Freiherr Kreß von Kressenstein, Seite 193, Vorhut Verlag Otto Schlegel, Berlin 1938




Bei den folgenden dreizehn Offizieren und Beamten mit türkischen Dienstgraden wird eine Beteiligung am ersten Angriff auf den Suez-Kanal am 3. Februar 1915 erwähnt.

Oberst Friedrich Freiherr Kress von Kressenstein, seit 21.09.1914 Chef des Stabes des VIII. türkischen Armeekorps

Oberst Werner von Frankenberg und Proschlitz, Chef des Stabes der IV. Armee.

Oberst Bruno Traugott Karl Trommer/Frommer , Kommandeur der 10. Inf.- Division, (Ergänzung 1* s.u.)

Major Wilhelm von dem Hagen, (stellvertr.) Kommandeur des 73. Inf.- Regiment (?) der 25. Inf.- Division (Ergänzung 2* s.u.)

Major Herbert Fischer, (stellvertr.) Kommandeur des 86. Inf.- Regiment

Major Hunger, (stellvertr.) Kommandeur des 30. Inf.- Regiment der 10. türkischen Inf.- Division in der II. Staffel.

Major Welsch, (stellvertr.) Kommandeur des 80. Inf.- Regiment der 27. Inf.- Division, (Ergänzung 3* s.u.)

Hauptmann Adolf Fischer, führender Offizier der Pionier-Vorausabteilung

Hauptmann Gerlach, Pionier-Instrukteur und Kommandeur des 8. Pionier- Bataillon (Ergänzung 4* s.u.)

Hauptmann Heibey, Artillerie-Instrukteur und Kommandeur der 15-cm-Feldhaubitzen-Batterie

Hauptmann Maschmeyer, Kommandeur der Nachhut (bis zum März 1915)

Leutnant Erich Heiden, Artillerie-Instrukteur und Kommandeur einer (7,5-cm ?) Feldkanonen-Batterie

Vizekonsul Dr. Max Curt Prüfer, politischer Berater und nachrichtendienstlicher Mitarbeiter des AA beim VIII. Armeekorps (Ergänzung 5* s.u.)

Ein Major Laufen wird wohl noch in dem Band; Der Weltkrieg, Band 9, in der Fußnote auf Seite 15 aufgeführt. Das Werk steht aber derzeit hier nicht zu Verfügung.

Einige der genannten Personen lassen sich in diesem Namensverzeichnis finden: http://www.deutschesfachbuch.de/info/detail.php?isbn=3402002310&part=4&words=#F





ERGÄNZUNGEN

Ergänzung 1* zu: Oberst Bruno Traugott Karl Trommer Pascha, Kommandeur der 10. Inf.- Division
(Frommer ist zuvor Oberstleutnant beim Stabe des Inf.- Reg. 140. Selbst in deutschen Akten tauchen, sowohl der Name Frommer als auch Trommer auf.)

Frommer wird in den Akten des AA / PA mehrmals als Vorgesetzter und Bezugsperson der Matrosen aus Massawa aufgeführt. Damit ist auch ein unmittel-
bares Treffen zwischen ihm und den “ DIE ERSTEN ZWÖLF “ sehr wahrscheinlich. Es gilt hingegen als erwiesen, daß Oberst Frommer die 10. Inf.- Division
kommandiert hat. Bei dem Versuch weitere Namen und Details zu erfahren, stößt man jedoch auf eine Vielzahl von Angaben und Funktionen; als da wären:

Bruno von Trommer Pasha, 10th Turkish Division
Oberst August Nicolai Bruno Trommer, X. Division
Oberstleutnant z. D. Trommer (Pascha) 1914-1918
Brigadegeneral Trommer , Kommandeur XIV. Korps
Oberst Frommer Bey, Kommandeur der 10. Inf.- Division
Generalmajor Bruno Traugott Karl Trommer, Kommandeur der 8. Division

Die verschiedenen Dienstgrade und Stellenbesetzungen mögen in Anbetracht der zeitlichen Abfolge und den damit verbundenen Veränderungen ja nachvoll-
ziehbar sein; die unterschiedlichen Namen hingegen nicht mehr. Da die Existenz des Offiziers beim Angriff als erwiesen gilt, wurde die Suche hier abgebrochen.



Unten zwei Aufnahmen von Oberst Trommer in Palästina 1915/16 (Der allzu `Freudsche´ Versprecher; Trümmer Pascha stammt sicher von einem `Gegner´)
http://i39.tinypic.com/30wmoh3.jpg . http://i39.tinypic.com/icu4o6.jpg
Bildquellen: http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=80&t=102804&start=15 + http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=80&t=107127&start=75



Hier ein seltenes Originalfoto mit Djemal Pascha und Trommer Pascha, sowie eine Vergrößerung davon.
Dieses Foto entstand allerdings zu einem späteren Zeitpunkt und wahrscheinlich in Palästina oder Syrien.
http://i40.tinypic.com/20rvbyo.jpg . http://i42.tinypic.com/2zrzz1t.jpg
Bildquelle: http://www.encore-editions.com/djemal-pach-i-e-pasha-with-trommer-pacha-staff/zoom





Ergänzung2* zu: Major Karl Wilhelm von dem Hagen
Über die genaue Funktion und Stellenbesetzung von, von dem Hagen geben die Quellen keine Auskunft. Die Begleitumstände lassen eigentlich
nur den Schluß zu, daß von dem Hagen, genau wie seine militärisch gleichrangigen, deutschen Amtskollegen als stellvertretender Regiments-
Kommandeur bei den türkischen Einheiten eingesetzt worden ist. Der Hinweis Kressensteins auf seinen Einsatz am linken Flügel und das Auf-
finden seiner Leiche durch britische Truppen gegenüber von Serapeum im südlichen Angriffsabschnitt, läßt ebenfalls vermuten, daß von dem
Hagen
stellvertretender Kommandeur bzw. Berater des 73. Inf.- Regimentes gewesen ist, und er sich beim Angriff unmittelbar beim 1. Bataillon
befunden hat. Es ist ferner auch nicht auszuschließen, daß zwischen ihm und der Matrosengruppe aus Massawa ein Treffen stattgefunden hat.

“Unter den Toten hatten wir leider auch den Hauptmann von dem Hagen zu beklagen; einen jungen, frischen, tüchtigen und hervorragend tapferen
Offizier. Ich hatte ihn damit beauftragt, das Übersetzen am linken Flügel zu leiten; er fiel, von einem Kopfschuß getroffen, als er versuchte, die
türkischen Infanteristen aus der Deckung in eine Feuerstellung am Kanal vorzuführen. Die Engländer haben ihn am Ufer des Kanals begraben.“

Textquelle: Ismāilia - Die Schlacht am Suezkanal, Seite 94, In: Mit den Türken zum Suez Kanal, Freiherr Kreß von Kressenstein, Berlin 1938



Hier zwei Aufnahmen seines ersten Grabstelle auf der östlichen Seite des Kanalufers.
http://i43.tinypic.com/2a18r7.jpg . http://i44.tinypic.com/2wewg9k.jpg
Bildquellen: http://forum.axishistory.com/viewtopic.p ... hilit=wilhelm+von+den+hagen&start=30
http://www.amazon.de/Deutsche-Soldatengr ... tinafront-Grabst%C3%A4tten/dp/3402002310



Englische Quellen behaupten bei Major von dem Hagen eine weiße Flagge gefunden zu haben!?
“A German major, who was shot during the fight near Serapeum, was found to be carrying
a white flag in a specially designed khaki wallet. There has been no fighting to-day, February 5.”
Notes:
1. – Hagen’s position was south on the Canal bank providing cover to the pontoon force.
2. – This was the force which launched the pontoons into the Canal.

Textquelle:
Suez Canal Attack, Egypt, January 28 - February 3, 1915, The Times Account, 8 February 1915.

http://alh-research.tripod.com/Light_Hor ... egypt-the-times-account-8-february-1915/

``The only German officer left on the field was found shot through the head in this trench. Major von Hagen must have been a brave
man, but it was of him that the Illustrated London News said, “He was prepared for any eventuality except the one that befel him,”
referring to the contents of his pockets, where, among other things useful in Egypt, was a white flag carefully folded in a khaki case.´´

Textquelle:
Fighting on the Suez Canal, 1915: A New Zealand perspective,
http://www.anzacs.org/nz_suez.html


“ . . . . . . . Ein Mal handelt es sich um ein großes, um 1930 ursprünglich für die ev. Michaeliskirche in Groß-Schneen/Friedland gefertigtes
Glasfenster, Andenken für den im Ersten Weltkrieg am Suez-Kanal getöteten Wilhelm von dem Hagen. . . . . . . In den 80er Jahren wurde
das Fenster aus der Kirche entfernt. Die darin enthaltene Verherrlichung des Krieges wurde als für ein Kirchengebäude unpassend angesehen.
Zwischenzeitlich wurde das Werk restauriert und hat als historisches Dokument seinen Platz im Heimatmuseum von Groß-Schneen gefunden.“

Textquelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lina_von_Schauroth





Ergänzung 3* zu: Major Welsch, (stellvertr.) Kommandeur des 80. Inf.- Regimentes der 27. Inf.- Division
Major Welsch befindet sich als inoffizieller Stellvertreter für Major Rufad Bey (Rifaat Bey Kemal?), während der Operation mit dem 80. Inf.- Regiment bei der nördlichsten,
auf Kantara vorrückenden Kolonne. Auch in seinem Gefechtsbericht taucht, teils sehr harsche Kritik an einigen türkischen Offizieren und arabischen Mannschaften auf.

“. . . . . . . Von den anderen Offizieren sind mir 3 – 4 als tüchtig und später auch als schneidig im feindlichen Feuer bekannt geworden, einer von ihnen ist gefallen. Die
Mehrzahl jedoch ist faul und untätig, in der Schützenlinie sah ich einige hinter ihren Zügen gehen und im Allgemeinen ließen sie im Feuer jede Selbstbeherrschung und
moralische Kraft vermissen. Die Stimmung der Mannschaften war nicht schlecht, es dürfte hauptsächlich nur an ihrer Ausbildung und Instruktion fehlen, um sie zu brauch-
baren Soldaten zu machen. Eine große Schwierigkeit besteht noch in dem Mangel an arabisch sprechenden Offizieren, (knapp 1 pro Kopf) und der Notwendigkeit, je- den
Befehl etc. türkisch und arabisch geben zu müssen. . . . . .
Vorteilhaft heben sich aus ihrem Kreiss hervor Eschreff Bey, der sofort den Eindruck eines sehr energischen und verlässigen Menschen macht und Oberleutnant Mehmed
Ali Bey
, ein Adjutant des Großveziers, der am 3./II. mit seinen freiwilligen Afghanen sich an dem allgemeinen Angriff beteiligte. . . . . .
Das Generalkommando verlangte von dem Detachement keinen Übergang bei Kantara sondern lediglich ein energisches Zupacken und Festhalten. Ich schlug daher vor, in
Anbetracht der unzureichenden Kräfte und der schwierigen Situation, auf welche wegen des Alles beherrschenden Kreuzers absolut kein Konzept unseres Reglements
passen wollte, von vorneherein auf eine besondere taktische Gliederung des Angriffes zu verzichten und einfach mit allem was wir hatten, geradeaus den Stier bei den
Hörnern zu packen. Das hätte wenigstens die Geschlossenheit des Angriffes und die vollständige Entwicklung aller Kräfte garantiert . . . . . .“

Textquelle:
Abschrift des Berichtes; Orientierung über die Ereignisse bei der rechten Kolonne, Seite 2 / 10, Jerusalem, den 25. Februar 1915, von Major Welsch
an Herrn Oberst Freiherrn Kreß von Kressenstein, Bayerisches Hauptstaatsarchiv in München, Abteilung IV Kriegsarchiv, Akte MKr. 1782/2 vom 25.2.1915.






Ergänzung 4* zu: Hauptmann Gerlach, Kommandeur des 8. Pionier- Bataillons
Hauptmann Gerlach ist, bevor er zur deutschen Militärmission in die Türkei abkommandiert wird, zuvor Oberleutnant im 1. Elsässischen Pionier-Bataillon Nr.15 in Straßburg.
Eine intensivere Einweisung in die Logistik und den Transport der Übersetzmittel bei einem Flußübergang, scheint möglich, da der Divisionsbrückentrain Nr. 26 ebenfalls in
Lothringen stationiert ist. In Syrien und Palästina angekommen wird Gerlach dann wohl kurzfristig als Kommandeur des 8. Pionier-Bataillons eingesetzt und mit dessen Aus-
bildung betraut. Dem 8. Pionier-Bataillon sind, die ebenfalls von Kressenstein erwähnten “ Brückentrains “ unterstellt, welche für den Transport der “ Pontons und Flöße
(siehe unten; TEIL 1 - IV. g. ) durch die Wüste zuständig sind, um den Kanalübergang zu ermöglich. Die Brückentrains werden hierbei, ebenso wie die Pioniere während des
Angriffes auf die acht Kolonnen der Infanterie-Bataillone verteilt. Auch die Bemerkung von Kressenstein, “ Trotzdem lösten sie bei den kriegsungewohnten und schlecht aus-
gebildeten Arabern einen panikartigen Schrecken aus. Die Pontons und Flöße die noch zu Wasser gebracht werden sollten, wurden von den Trägern zu Boden geworfen
.“ und
andererseits der Hinweis; “ Vortrefflich waren auch Haltung und Leitung der Pioniere . . . . . . “, zeigt deutlich den qualitativen Unterschied zwischen arabischen und türkischen
Mannschaften innerhalb des Angriffsverbandes. Auch Gerlachs, unten aufgeführter Gefechtsbericht des 8. Pionier Bataillons, erwähnt unverblümt die Leistungen `seiner´
türkischen Pioniere und das Versagen der arabischen Infanteristen. Der ausschlaggebende Hinweis über die Verbindung zwischen Gerlach und der Matrosengruppe aus
Massawa findet sich schließlich sich in den Akten des PA / AA. Gerlach wird hier als Vorgesetzter des wehrpflichtigen Matrosen Karl Käfer erwähnt. Damit hat auch, `mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit´ eine Dienstunterstellung der Matrosen aus Massawa, unter dem Kommando von Gerlach während des Gefechtes stattgefunden.
Gerlachs taktischer und analytischer Bericht gibt allerdings wenig personenbezogene Daten preis und erwähnt auch keine Freiwillige deutscher Handelsschiffe aus Massawa.


“. . . . . . . Der erste Schuss fiel, als 5 Pontons im Kanal bereits mit den Truppen besetzt waren; über zwei Stunden war nur schwaches Infanteriefeuer, das erst allmählich
sich verstärkte; die feindliche Artillerie konnte erst nach Tagesanbruch ihr Feuer beginnen. Am 2. II. nachm. Sollten die Nebenabteilungen das Feuer eröffnen; um 6 Uhr
nachm. verließ die Hauptabteilung ihr Lager. Trotzdem der Weg vorher genau festgelegt war, wurde er infolge eines um 6:15 abends ausbrechenden Sandsturmes verfehlt.
Das mit seinen Ochsenwagen langsamer marschierende Pionierbataillon konnte nur schwer zusammengehallten werden. Als ich zur Überwachung des Zusammenhalts
längs meiner Kolonne zurückgeritten war, riß der Anfang ab, kam auf eine falsche Wagenspur und marschierte in Richtung auf das Lager vom 1.II. Erst nach mehr als 1 ½
Stunden Suchens konnte der geordnete Weitermarsch angetreten werden. Um 12:10 mitternachts erreichten die Wagen die Bereitstellung; sofort wurde mit den Vorbereit-
ungen begonnen, die gegen 2 Uhr morgens beendet waren. Die Einteilung des Bataillons zeigt die Anlage 1.

Das Vorgehen begann um 2 Uhr morg. aus der Bereitstellung und ging so flott von statten, daß der Kanal 2:45 morg. erreicht war. Die Pontons wurden von Pionieren und
Infanterie getragen, hinter denen eine Trägerablösung mit den Gewehren der Träger folgte. Danach kam je eine doppelte Fahrmannschaft mit Fahrgerät (Rudern usw.) wo-
rauf die übrige Infanterie folgte. Bemerkenswert war die kindliche Art, mit der die Soldaten sich trotz mehrfachen Verbotes laut unterhielten, ja sogar zankten und rauchten.
Ich erreichte mit den ersten Pontons den Kanal, etwa in der Mitte der Sturmkolone. Dort hielt ich es im Schutze der Sanddünen an, bis ich sah, daß etwa 5 andere Pontons
in unsere Höhe gekommen waren, Darauf gingen auch wir vor, brachten das Ponton ins Wasser und begannen mit dem Einsteigen.

Da fielen einige Schüsse an verschiedenen Stellen. Panikartig stürzte die Infanterie zurück, über mich hinweg, in die Deckung, wie Kinder, die auf einem dummen Streich
ertappt werden. Ich ging mit meinen Pionieren nun gleichfalls zurück und versuchte durch Bedrohung mit dem Revolver die Infanterie zum Einsteigen zu zwingen. Als sich
dies als ergebnislos erwies, befahl ich das Feuer zu eröffnen, um wenigstens die wenigen feindlichen Posten niederzuhalten und unseren Truppen durch das eigene Feuer
Mut einzuflößen. Denn auch aus den anderen Pontons sah ich die Truppen zurückfluten. Hartnäckig weigerte man sich jedoch, das Feuer zu eröffnen, weil es vom Regiment
strengstens verboten war zu schießen. Ich sagte, daß ich im Auftrag des Generalkommandos als Deutscher da sei und das Feuer befehle, auch selbst die Verantwortung
übernehme. Nichts nützte. Nun riß ich einem Mann das Gewehr weg, lud es und wollte schießen. Aber der Sandsturm hatte die bis dahin sorgsam geschützten Gewehre so
versandet, daß es versagte und selbst längere Reinigungsversuche nichts nutzten. Das Gleiche geschah mit noch zwei anderen Gewehren. Erst das 4. Gewehr schoß. Aber
mein Beispiel nutzte nichts; die Infanterie blieb untätig zusammengeballt am unteren Dammteil völlig gedeckt liegen. Nun suchte ich die Offiziere. Auch sie weigerten sich, das
Feuer zu eröffnen. Da meine Anwesenheit vorne nichts ausrichtete und sich auch allmählich der Gegner verstärkte, hielt ich es für richtig, vom Generalkommando den Befehl
zur Feuereröffnung zu verlange, unter klarer Schilderung der Verhältnisse am Wasser. Aufgrund meiner Meldung wurde dieser Befehl erlassen und nun gelang es einigen
Pontons, abzustossen und teilweise auch das andere Ufer zu erreichen. Sie waren fast nur mit Pionieren besetzt. Einzelne waren bei der vorhergehenden stundenlangen
Beschießung so durchlöchert, daß sie untergingen und einige Leute ertranken. Wäre man sofort übergegangen, so hätte man nur wenige Löcher gehabt, die leicht mit extra
dazu mitgeführten Holzstöpseln hätten geschlossen werden können.

Die Pontons, die den Kanal nicht erreicht hatten, ließ die tragende Infanterie beim ersten Schuß fallen, sodaß einige dabei mitten entzweibrachen. Die anderen wurden von
gesammelten Pioniertrupps allmählich bis ans Wasser. Auch sonst haben immer wieder Pioniertrupps versucht, überzusetzen, was auch 2 Offiziere (Ali Riza Eff. und Fuad
Eff.
) und etwa 40 Pioniere mit einigen Infanteristen gelungen ist. Da aber kein Nachschub erfolgte, sind sie nicht mehr zurückgekehrt.
Mit Tagesanbruch begann allmählich das Artilleriefeuer, an dem sich später auch die Schiffgeschütze beteiligten. Das gesamte Artilleriefeuer wirkte mehr moralisch, da die
Engländer meist nur mit AZ schossen und der Sand die Geschosse verschluckte. Auch kann man das Infanteriefeuer, wenigstens zu Anfang, nur als schlecht gezieltes be-
zeichnen. Schon vor Tagesanbruch flüchteten zahlreiche Infanteristen zurück. Sie wurden gesammelt und bauten auf einer rückwärtigen Dünenwelle zusammen mit der
Reserve eine befestigte Feldstellung. Anfangs lag diese wieder zu tief im Tal ohne jedes Schussfeld. Erst allmählich trieben energische Offiziere die Leute bis zur Höhe vor.
Der Einsatz unserer Feldartillerie ließ bald die feindlichen Feldgeschütze vorübergehend verstummen. Auch dieser Augenblick ist wieder zu Übergangsversuchen der Pioniere
ausgenützt. Gegen Mittag erschien das Regiment Hunger der 10. Inf. Div. Es wurde gegen einen englischen, von Serapeum ausgeführten Flankenangriff eingesetzt und
konnte ihn zurückwerfen. Major Hunger selbst brachte die Auffassung von Oberst Trommer, den Angriff am anderen Morgen an anderer Stelle zu wiederholen. Dazu standen
als Übersetzmittel zu Verfügung:

1. Die am Kanal liegenden, teilweise stark beschädigten Pontons;
2. Flösse aus Tennekes
(?) , die wegen ihres unhandlichen Transportes nur bis etwa zur Hälfte zwischen Bereitstellung und Kanal gelangt waren;
3. Fünf Pontons der 10. Inf. Div., die als Wasserbehälter zurückgeblieben waren.

Da an ein seitliches, weiteres Verschieben der Mittel 1. und 2. nicht zu denken war, schlug ich vor an der alten Übergangsstelle die Feuerüberlegenheit zu erringen und da-
nach gewaltsam überzugehen. Nach dieser Beratung ging ich mit Major Hunger zum Armee-Oberkommando zurück. Dort war gerade Major Fischer von Magdal her einge-
troffen mit Nachricht, daß die dortigen türkische Abteilungen sich nicht halten können. Ich schilderte nun Herrn Oberst Frankenberg die Lage bei uns: Die Feigheit unserer
Infanterie, das schwächliche Verhalten der Engländer und die Güte unserer Pioniere und Artillerie.
Darauf fragt er; `` Halten Sie als Pionier eine Wiederholung des Übergangsversuches nach Erringen der Feuerüberlegenheit für ausführbar?´´ Ich antwortete: `` Jawohl, aber
mit anderer Infanterie. Ich habe gehört die Division Trommer bedeutend besser sei, doch kenne ich sie nicht.´´ Bald darauf traf das Generalkommando ein. Eine Beratung er-
gab: Rückzug! Es wurde geordnet angetreten. Meine leeren Pontonwagen wurden zum Krankentransport verwendet. Bei Anbruch der Dunkelheit konnten die Truppen unge-
hindert vom Kanal zurück ins alte Lager gehen.
(gez.) Gerlach Hauptmann“

Textquelle:
Geheimer Kampfbericht des Pionierbataillons 8, Seite 1 - 4,von Hauptmann Gerlach an Herrn Oberst Freiherrn Kreß
von Kressenstein, Bayerisches Hauptstaatsarchiv in München, Abteilung IV Kriegsarchiv, Akte MKr. 1782/ 2 ohne Datum.






Ergänzung 5* zu: Vizekonsul Dr. Max Curt Prüfer
Er erweist sich als einer der am besten und realitätsnah informierten deutschen Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes vor und während des Krieges. Sein Arabistik Studium
beendet Prüfer1907 an der Universität in Erlangen-Nürnberg mit einem Philosophie Abschluß und beginnt seine diplomatische Laufbahn als Dragoman (Übersetzer) beim
Auswärtigen Amt, 1907 in Ägypten. Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Islamkunde dessen 147stes Mitglied er ist, lautet seine Adresse bis 1913: Ägypten, Cairo,
Gezieh Gardens, wo er bis 1919 auch noch akkreditiert ist. Da er keinen offiziellen militärischen Rang bekleidet taucht er auch in keinen Aufzeichnungen über den ersten
Angriff auf den Suez-Kanal im Februar 1915 auf. Lediglich von Kressenstein erwähnt in seinem vertraulichen Bericht an Liman von Sanders, daß er den Verbleib von Prüfer
bei der deutschen Militärmission im Sinai nach dem Angriff für unbedingt nötig erachtet. Die unmittelbare Anwesenheit von Prüfer an dem Angriffsunternehmen, belegt im
Grunde nur das folgende Foto und die darauf befindliche, handschriftliche Notiz: “ Ismāilia – Feb.1915 “. Eine direkte Anwesenheit von Prüfer in Ismāilia wird damit aber
nicht gemeint sein, da die Stadt ja auf der gegnerischen Seite des Kanals liegt. Hier kann nur das östliche Ufer, gegenüber von Ismāilia mit gemeint sein. Dies ist wohl eben-
falls die einzige Aufnahme welche ihn in türkischer Uniform; allerdings ohne Dienstgrad zeigt, da er auch keinen offiziellen militärischen Rang bekleidet. Prüfer erwähnt zwar
mehrmals, die Anwesenheit von deutschen Kriegsfreiwilligen während des Angriffes in seinen Aufzeichnungen, jedoch ohne konkrete Personen oder Namen zu benennen.
Vergleiche hierzu auch:
Curt Prüfer, German Diplomat from the Kaiser to Hitler , D. M. McKale, Kent State University 1987
Ein ägyptisches Schattenspiel (German Edition), Max Curt Prüfer, Dissertation Universität Erlangen, E. T. Jacob, 1906
“From shadow theatre to the empire of shadows”, Seite 369-378, The career of Curt Prüfer, Arabist and Diplomat, Arnoud Vrolijk, 2006.
Band 1, Seite 19 und 27, Die Welt des Islams, Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Islamkunde, D. Reimer, Berlin 1913, (pdf. 752 Seiten)
Krieg 1914-1918, Kriegstagebücher, Heft 2 und 3, Nachlaß Curt Prüfer, Hoover Institute on War, Revolution and Peace, Stanford University , Paolo Alto, California
“Dragomane und andere Regionale“, Seite 3, In: Rezession von W. G. Schwanitz, Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes, 1871-1945, Band 1


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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 202084 | Verfasst am: 01.06.2013 - 21:14    Titel: Antworten mit Zitat

TEIL 1 - IV. f.) Der Suez-Kanal als Barriere; – I. Die Geländebeschaffenheit

Karte 12
Dieser Kartenausschnitt zeigt den damaligen Kanalabschnitt zwischen Ismāilia und Serapeum mit einigen Geländedetails.
http://i42.tinypic.com/w4ubk.jpg
Originale Bildquelle: http://www.lib.utexas.edu/maps/historical/baedeker_indien_1914/txu-pclmaps-suez_canal_1914.jpg



Gemäß diesem Querschnitt besitzt der Suez-Kanal vor seiner Vergrößerung im Jahr 1925 eine Breite von; 345 Fuß = 105,16 Meter bei einer Tiefe von 31 Fuß = 9,45 Meter.
Die Einfassung des Kanals ist auch 1914 eine unbefestigte, aus losem Sand bestehende Uferböschung mit unterschiedlichen Steigungen und Höhenanschlüssen geblieben,
und die Kanalbehörde versucht durch ständiges Ausbaggern der Sohle ein Versanden des Kanals, durch den besonders im Juni, aus Südwesten wehenden trockend-heißen
Sandwind Chamsin zu verhindern. Untere Aufnahmen zeigen, daß am eigentlichen Angriffsabschnitt zwischen Ismāilia und Serapeum, die Uferböschung relativ flach ansteigt
bzw. abfällt. Da die türkischen Einheiten aus Osten angreifen, zeichnen sie sich während der Morgendämmerung des 3. Februar 1915 besonders klar gegen den Himmel ab.
Im Laufe des Vormittags wandelt sich die östliche Angriffsrichtung kurzfristig zum Vorteil, da die britischen Verteidiger durch die intensiven Sonnenstrahlen in diesem Wüsten
Gebiet geblendet werden. Auch ist auf mehreren der Fotos ein Baumbestand auf dem östlichen Ufer zu erkennen, was den Angreifern ebenfalls den Vorteil einer unbemerkten
Annäherung verschafft hätte. Merkwürdigerweise gibt es hierzu keine Hinweise, obwohl die türkischen Pioniere unter großer Materialknappheit für einen Brückenschlag leiden.
Vergleiche hierzu auch:
Querschnitt des Suezkanals , Port Said - Suez, 1900, Universität Dresden
Der Suezkanal im Jahre 1915 , Hauptmann a.D. Richard Förster, Leipzig 1916, (pdf. 104 Seiten)
Progress in enlarging the Suez Canal in 1925 , Source: "The Literary Digest" September 12th , 1925
The Suez Canal, Its Past, Present, and Future , A. T. Wilson, Oxford University, 1933, (pdf. 257 Seiten)
Beschreibung des Kanals, Ceylonfahrt von Dr. Konrad Guenther, Expedition von Hendschels Telegraph, 1913
Chapter II, Suez Canal, Seite 44-54, In: The Red Sea and Gulf of Aden Pilot: Containing Descriptions of the Suez Canal, 1900, (570 Seiten)


Die unteren drei Postkarten zeigen den Suez-Kanal und seine Uferböschung vor dem 1.WK; Aufgrund der Schifftypen wahrscheinlich zwischen den Jahren
1890 und 1910. Links, der Kanal bei Al Kantara; Mitte bei Ismāilia, und Rechts der eigentliche Angriffsabschnitt südlich davon, hinter der Kurve bei Tussum.
http://i40.tinypic.com/2rxyyv5.jpg . http://i41.tinypic.com/309inn5.jpg . http://i41.tinypic.com/2w6gc95.jpg
Bildquelle: Eigene Postkarten.


Die beiden folgenden Aufnahmen zeigen das östliche Ufer des Suez-Kanal kurz nach dem Angriff der türkischen Verbände im Februar 1915. Das rechte
Foto zeigt ebenfalls einen Baumbestand auf dem gegenüberliegenden Ufer im südlichsten Angriffsabschnitt bei Serapeum und wurde unter anderem von
zwei Zügen des “ 12th Nelson Regiment Company “ unter Major Brereton verteidigt. Hier der Detailbericht dazu: http://www.anzacs.org/nz_suez.html
http://i44.tinypic.com/2v9vrtg.jpg . http://i40.tinypic.com/2lanbt.jpg
Bildquellen: http://www.theprow.org.nz/private-william-arthur-ham/#.UU_sM1J3uCl + (siehe unten)


Diese beiden Fotos wurden im November 1914 an Bord des britischen Truppentransporters SS KENILWORTH CASTLE aufgenommen. Der Suez-Kanal
wurde von dem Schiff hierbei, von Indien kommend, Richtung Norden durchquert. Da auf dem rechten Foto weder aufgewirbeltes Heckwasser, noch eine
Bugwelle, bzw. deren, von der Uferböschung reflektierten Verwirbelungen zu erkennen sind, wird davon ausgegangen, daß das Foto auch in Fahrtrichtung
aufgenommen worden ist. Damit wäre der, auf dem Foto zu erkennende, durchgehende Baumbestand auch zwangsläufig auf dem östlichen Ufer vorhanden.
http://i44.tinypic.com/2rnct3k.jpg . http://i42.tinypic.com/2pyvv46.jpg
Bildquelle: http://www.kingsownmuseum.plus.com/ko0860-01.htm


Auch diese Luftaufnahme zeigt das Vorhandensein eines Baumstreifens auf einer Seite des Kanals, sowie englische Befestigungsanlagen auf dem gegen-
überliegendem Ufer. Es könnte sich hierbei um die Fährstelle bei Serapeum zu handeln. Die Funktion der langgezogenen, mit großen Kurvenradien ver-
bundenen Linien ist allerdings nicht eindeutig. Dies könnten durchaus, die in Ufernähe vorbeiführende Eisenbahnlinie darstellen, die sich allerdings auf der
westlichen Kanalseite befindet. Das Foto stammt vom Luftschiff L 59 während seines legendären Fluges in Richtung Deutsch- Ostafrika im November 1917.
http://i43.tinypic.com/kf5jrk.jpg
Bildquelle: Afrika zu unseren Füßen, – Lettow-Vorbeck entgegen; http://de.scribd.com/doc/122622342/1925-40-000km-Zeppelin-Kriegsfahrten


Diese drei Zeichnungen stammen aus der indischen Publikation: “ When the 62nd Punjabis along with Allied Warships saved the Suez Canal “, Agha
H. Amin, 1999, THE BATTLE OF SUEZ CANAL FEBRUARY 1915; und stellt den Angriff der türkischen Truppen am 2./3. Februar 1915, sowie die Abwehr
durch indischer Einheiten dar. Das Bataillon der 62nd Punjabi ist hierbei im Brennpunkt der Kämpfe zwischen Tussum und Serapeum eingesetzt. Der Artikel
erläutert den Einsatz der indischen Soldaten Naik Safdar Ali, Sepoy Sher Khan und Halvadar Mohammed Azeem innerhalb des Bataillons. Naik Safdar Ali
wird hierbei unmittelbar am Ufer von den angreifenden Türken tödlich verwundet. Die Akten im PA / AA erwähnen ebenfalls eine Verwundung des Matrosen
Friedrich Ludwig Wächter
(1892–?), vom Frachtdampfer PERSEPOLIS, und das der Matrose Karl Kaefer (1894–?) aus Bremerhaven seine Ausweispapiere
beim Angriff verloren hat. Inwieweit die beiden deutschen Matrosen und die übrigen zehn Besatzungsangehörigen der Frachter aus Massawa an dem Angriff
und dem Übersetzen am Suez-Kanal an diesem Morgen wirklich beteiligt sind, läßt sich nur vermuten und wird heute wahrscheinlich nicht mehr zu klären sein.
http://i43.tinypic.com/220rid.jpg . http://i44.tinypic.com/2lar6mw.jpg . http://i43.tinypic.com/2u8gsn4.jpg
Bildquelle: http://low-intensity-conflict-review.blogspot.com/2009_03_17_archive.html


Diese Darstellung zeigt den beabsichtigten Brückenbau während des Angriffes aus britischer Sicht dar.
http://i42.tinypic.com/2s9yn86.jpg
Bildquelle: THE WAR, Illustrated, No 27, Vol.2, 20 February 1915, page 1


Karte 13 und Karte 14 zeigen die Positionierung der Einheiten am 3. Februar 1915 nochmals im Detail; jeweils aus britischer und deutscher Sicht.






TEIL 1 - IV. g.) Der Suez-Kanal als Barriere; – II. Übersetzen mittels Booten oder Brückenschlag?

Wir werden versuchen in diesem Absatz näher auf die von Oberst Kress von Kressenstein und Hauptmann Gerlach erwähnten 30 Pontons und 20 Flöße einzugehen.

Die schwere Artillerie war mit Pferden und Büffeln, die Pontonwagen waren nur mit Büffeln bespannt. Das übrige Brückengerät wurde von den Kamelen getragen.
Major Fischer zog die Pontonwagen vor und stellte sie an den Etappenpunkten als Wasserbehälter auf, eine Massnahme, die sich als außerordentlich praktisch erwies. “
“ . . . . . Die vorhanden Brunnen waren gereinigt und mit Vorrichtungen zur Wasserentnahme versehen worden; in 6 Pontons hatte man Wasser aufgestapelt, . . . . . “
“ Die Gliederung des Angriffes ist aus Anlage vier ersichtlich. Jeder der 8 Angriffskolonnen wurden 3 Pontons mit einer Anzahl von Pionieren zugeteilt. Die Pontons
sollten bis in die Bereitstellung gefahren und von dort aus bis an den Kanal durch Mannschaften getragen werden. Dem ersten Treffen folgten 20 Flösse, die aus Brettern
und leeren Wassertanks zusammengesetzt worden waren. . . . . . .“

Textquelle:
Vertraulicher Bericht des Obersten Freiherrn Kreß von Kressenstein an den Chef der Militär-Mission über die erste Expedition gegen den Suez-Kanal vom
21. Februar 1915, Seite 4, 7, 14, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abteilung IV des Kriegsarchivs vom Februar 1915, Aktennummer MKr.: 1782 / 2.




TEIL 1 - IV. g.) 1) Übersetzen mittels Booten und Flößen
Die Textpassagen der unterschiedlichen Quellen sprechen überwiegend vom `Übersetzen mittels Pontons´. Während der Gefechte wurden alle der bootsähnlichen Pontons
so schwer beschädigt, daß keiner davon von den türkischen Pionieren zurückgebrachte wurde. Die Briten haben sich dieser Beute ausgiebig gewidmet und später einige der
Trophäen ausgestellt. Aufgrund dieser photographischen Belege, bekommt man eine recht gute Vorstellung über diese Pontons. Es handelt sich hierbei um einen Bootkörper
von circa 14,00 Metern Länge mit einem quadratischen Querschnitt von 1,20mx1,20m. Die dünnwandigen, verzinkten Stahlbleche der Außenhaut werden hierbei durch Nieten
miteinander zusammengehalten und mit den Spanten verbunden. Beidseitige Griffleisten und Ösen ermöglichen die Handhabung an Land und Befestigung auf dem Wasser.
In den Akten fällt auch sofort der krasse Unterschied auf, daß für die acht Angriffskolonnen in Bataillonsstärke, nur je drei Pontons für den Übergang zu Verfügung stehen.

Die beim Angriff am 2. / 3. Februar 1915 von den türkischen Pionieren verwendeten Pontons sind aller Wahrscheinlichkeit schon vor dem Kriege von Deutschland an das
Osmanische Reich geliefert worden. Erst mit dem Kriegseintritt Bulgariens auf der Seite der Mittelmächte besteht eine Landverbindung von Deutschland über Österreich-
Ungarn
in das Osmanische Reich. Damit sind erstmalig ab Oktober 1915 auch Materiallieferungen und der Austausch von Rohstoffen zwischen den Verbündeten möglich.

“The firm Stahlbau Hilgers AG also constructed metal pontoons for the Imperial Army, and for export to the Netherlands, Iberia, Denmark,
Nordmark and Turkey. From the 1890s the firm began the construction of complete bridges, many for the expanding German rail network.”

Textquelle: http://www.jk-clan.de/wbblite/thread.php?postid=120755


Hier eines dieser beim Angriff verwendeten Pontons.
http://i41.tinypic.com/29p9rug.jpg
Bildquelle: http://low-intensity-conflict-review.blogspot.com/2013/03/when-indian-army-saved-suez-canal.html


Die beiden folgenden Fotos zeigen ebenfalls die bei dem Angriff verwendeten beiden Übersetzmittel der türkischen Verbände.
Das rechte Foto ist hierbei von besonderem Interesse, da es meiner Ansicht nach der einzige fotographische Beleg der Flöße ist.
A captured pontoon boat on display “ und “ Two remaining pontoon craft used in the attack at the Australian War Memorial
Bildquelle: Australian Light Horse Studies Centre http://alh-research.tripod.com/Light_Hor ... attack-egypt-the-launching-of-the-boats/


In dem folgenden Artikel ist die detaillierte Geschichte eines dieser am Suez-Kanal erbeuteten Pontons mit vielen seltenen Fotos aufgeführt.
Nelson's Turkish Pontoon“, In: Nelson Historical Society Journal, Volume 6, Issue 6, 2008 http://nzetc.victoria.ac.nz/tm/scholarly/tei-NHSJ06_06-t1-body1-d1.html
http://i42.tinypic.com/6eq81k.jpg
Bildquelle: http://landships.activeboard.com/t39052621/pontoon-bridges-and-other-water-ferrying/


Ein weiterer Artikel, “ The Defence of the Suez Canal “ befaßt sich ebenfalls mit dem Thema und führt weitere detaillierte Originalfotos dazu auf.
http://i39.tinypic.com/a9lru0.jpg . http://i42.tinypic.com/erfpdu.jpg . http://i43.tinypic.com/2qvxoq1.jpg
Bildquelle: http://nzetc.victoria.ac.nz/tm/scholarly/tei-WaiNewZ-c4.html


“ Bei kleineren Übergängen haben sich die deutschen Pontons im allgemeinen bewährt. Die vorgeschriebene Belastung von 18 Mann konnte stellen-
weise infolge starken Ausfalles von Pontons erheblich überschritten werden, ohne daß es zu Unglücksfällen kam. Zu erwägen wäre, ob die Pontons
durch eine für solche Fälle anzubringende Körperpanzerung gegen Versacken widerstandsfähiger gemacht werden könnten. Ein Schnell-Lötgerät
würde die Pontons für alle Zwecke leistungsfähiger machen. Die Tragfähigkeit der Pontonbrücken hat sich allgemein als außerordentlich groß erwiesen.“

Textquelle:
Taktische und pioniertechnische Erfahrungen bei Flußübergängen im Weltkriege, Seite 69
In: Schweizerische Vierteljahreszeitschrift für Kriegswirtschaft, III. Jahrgang, 1922, Heft 1.






TEIL 1 - IV. g.) 2) Übergang durch eine Pontonbrücke
Von Kressenstein und Gerlach erwähnen in ihren vertraulichen Berichten, daß eine Überquerung des Suez-Kanal mittels einer Pontonbrücke geplant war. Wie sah
es nun mit dem mitgeführten Material der Brückentrains dazu aus? Die unteren Fotos weisen einen Achsabstand der Pontons von annähernd 3 Metern auf, die bei
damaligen Brückenübergängen verwendet wurden. Bei einer Breite von 100 Metern wären für den Suez-Kanal mehr als 30 Pontons nötig gewesen. Die daraus re-
sultierende Anzahl von 240 Pontons; für acht Brückenabschnitte der acht Angriffskolonnen steht dabei aber in keiner Relation zu den tatsächlich Mitteln, da Gerlach
und von Kressenstein nur von 3 Pontons je Kolonne sprechen. Damit konnte nicht mal eine Pontonbrücke errichtet werden, da die vorhandenen 24 Pontons auf dem
mehrere hundert Meter breiten Angriffsabschnitt verteilt wurden. Britischen Quellen zufolge werden später 23 der 24 Pontons auf beiden Seiten des Kanals erbeutet.
Bei der schiffsgestützten artilleristischen Überlegenheit der Briten auf dem Suez-Kanal hätte solch eine anfällige und sensible Brückenkonstruktion auch nur durch ein
massives Artillerieaufgebot der türkischen Streitkräfte geschützt werden können. Andernfalls wäre jedes kleine Motorboot in der Lage, diese Verbindung zu zerstören.
Hier, eine Vorkriegsaufnahme des Württembergischen Pionier-Bataillon Nr. 13, das eine identische Ausführung der bootsähnlichen Pontons für den Brückenbau zeigt.
http://sphotos-b.xx.fbcdn.net/hphotos-snc7/405315_10151174356575337_645825648_n.jpg


Das nächste Foto zeigt die australischen 9th Light Horse beim Überqueren des Suez-Kanals auf einer Pontonbrücke. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als sich
die türkisch- deutschen Streitkräfte längst vom Suez Kanal zurückgezogen hatten. Neben den bereits oben aufgeführten Gründen, wird dies aber der Ausnahmefall
gewesen sein, da sonst der eigene Schiffsverkehr blockiert würde. Auch diese Aufnahme zeigt das gegenüberliegende Ufer ebenfalls mit Bäumen im Hintergrund.
Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/61/9th_Light_Horse_crossing_the_Suez_canal.jpg


Die folgende Filmsequenz von British Pathe´ zeigt den Bau einer Pontonbrücke durch australische Anzac Truppen während zwischen 1914 und 1918 in Ägypten. Die dabei
überwundene Wasserfläche beträgt allerdings höchsten 25 Meter. Aufgrund der Pyramiden im Hintergrund handelt sich hierbei aber um einen Seitenarm des Nils bei Kalyub.
http://www.britishpathe.com/video/pontoon-bridges/query/transport





TEIL 1 - IV. g.) 3) Übersetzen durch ein Fähre
Die dritte Möglichkeit des Suez-Kanal zu überqueren besteht darin eine Fähre zu bauen und zu nutzen. In Anbetracht des offensichtlichen Materialmangels der türkischen
Einheiten, wäre dies die naheliegendste Möglichkeit, schweres Gerät wie Artillerie und andere Versorgungsgüter und deren Transporttiere über den Kanal zu setzen; auch
wenn dies in keiner der Quellen so aufgeführt wird. Mit den wenigen vorhandenen Pontons und Brückenelementen war es durchaus möglich eine, oder mehrere solcher
Fähren zu bauen. Die Türken hätte damit eine Option offengestanden um den Mangel an Pontons auszugleichen. Das untere Foto zeigt eine solche Fähre, die während
des 1. WK auf dem Suez-Kanal durch Australische Truppen betrieben wird. Die britischen Streitkräfte taten dies, um auch den eigenen Schiffsverkehr nicht zu behindern.
Bildquelle: http://museumvictoria.com.au/collections/itemimages/195/869/195869_large.jpg





TEIL 1 - IV. g.) 4) Transportmittel der Pontons
In den oben aufgeführten Aufzeichnungen wird erwähnt, daß die 30 Pontons und deren Transportwagen während des Marsches durch die Sinai-Wüste nur von Büffeln ge-
zogen werden. Die ebenfalls aufgeführte Gesamtzahl von 328 mitgeführten Büffeln in der mittleren Kolonne, ließe eine Bespannung von vier Büffeln je Transportwagen zu.
Der unten aufgeführte Internetbeitrag beschäftigt sich mehr allgenmein mit “ Pontoon bridges and other water ferrying “ während des 1. Weltkrieges. In dieser Quelle sind
erläuternde Details der bei der Operation verwendeten Pontons, sowie weitere Hintergründe aufgeführt. Der heutzutage, in einem holländischen Museum ausgestellte
Transportwagen mit Ponton könnte deswegen als Beispiel dienen, da die obere Textpassage den Export von Pontons und eventuell auch der Transportwagen an Holland
vor dem 1.Weltkrieg erwähnt. Auch fällt sofort die große Ähnlichkeit dieses Museumsexemplars, mit den beim Kanalübergang verwendeten Pontons auf den Photos auf.
http://landships.activeboard.com/t39052621/pontoon-bridges-and-other-water-ferrying/


Hier drei weitere Bilder, die recht deutlich den Transport von Pontons durch Brückentrains während des Krieges auf deutscher Seite veranschaulichen.
Brückentrain auf dem Marsche+=6]Ein Divisions-Brückentrain bringt Pontons nach vorn+Deutscher Brückentrain auf dem Marsch nach Warschau


“The Turkish military had been supplied with senior German officers who assisted with training and military planning. Their attack orders were to cross the canal at its
narrowest point at three locations between Serapeum and Tussum, establishing bridges, to attack any forces on the Western bank and to disrupt shipping for up to three
days. There was also hope that the Egyptians might turn on their British rulers. Little has been recorded in New Zealand of the epic journey by 25,000 Turkish troops across
the Sinai Desert in three separate groups, enduring considerable hardship from fatigue and thirst. They were top quality regular troops and arrived at the canal in fit condition.”

Textquelle: http://nzetc.victoria.ac.nz/tm/scholarly/tei-NHSJ06_06-t1-body1-d1.html





TEIL 1 - IV. g.) 5) Anzahl der übergesetzten Pontons und Besatzungen
Interessant sind die unterschiedlichen Angaben über Anzahl der Pontons mit türkischen Ponieren und Infanteristen die das gegnerische Ufer erreicht haben. Kressenstein
erwähnt in seinem ersten Bericht 1915, 4 Offiziere und 4 Pontons mit 80 Mann. Dreiundzwanzig Jahre später reduziert er die Anzahl in seinem Buch auf, 3 Offiziere und 3
Pontons mit 60 Mann. Gerlach spricht hingegen in seinem Report von einer ersten Gruppe von ebenfalls von 4 Offiziere und 4 Pontons mit 80 Mann, die gegen 02:45 Uhr
das gegnerische Ufer erreicht und weiteren 2 Offizieren und etwa 40 Pionieren und Infanteristen denen ebenfalls das Übersetzen zu einem späteren Zeitpunkt gelang.

“ Das Vorgehen vollzog sich planmäßig in größter Stille und unbemerkt vom Feinde. Kein Schuß fiel, die englischen Scheinwerfer, die das Vorgelände ableuchteten,
entdeckten keine unserer Kolonnen. Fast gleichzeitig erreichten diese das Ufer des Kanals. Die Überraschung des Gegners schien gelungen zu sein. Schon war ein
Teil der Pontons zu Wasser gebracht und bemannt worden. Drei Pontons mit drei Offizieren und sechzig Mann hatten bereits das jenseitige Ufer erreicht,
als die schwachen englischen Postierungen am westlichen Kanalufer unseren Angriff bemerkten und die ersten Schüsse abgaben. . . . . “

Ismāilia - Die Schlacht am Suezkanal, Seite 94, In: Mit den Türken zum Suez Kanal, Freiherr Kreß von Kressenstein, Berlin 1938

“ Der türkische Übersetzungsversuch begann – durch einen Sandsturm verzögert – im Morgengrauen des 3. Februar. Zwischen den etwa 5 km voneinander ent-
fernten feindlichen Brückenköpfen gegenüber Tussum und Serapeum wurden an 8 verschiedenen Stellen die Pontons sowie Holzflösse durch Senken, die zwischen
den Uferdünen vorhanden waren, zu dem tiefer gelegenen Kanal heruntergeschafft. Der Lärm alarmierte die gegenüberliegenden englisch-indischen Postierungen.
Sie eröffneten mit Maschinengewehren das Feuer. Ein über den Kanal hinweg geführtes Gefecht begann. Auf der englischen Seite griff die ägyptische Batterie ein,
die gerade gegenüber dem Übergangsabschnitt auf der Höhe des Kanalufers Aufstellung gefunden hatte. Das Feuer rief eine Panik bei den mit dem Antransport der
Pontons beschäftigten türkischen Truppen hervor. Nur wenige Fahrzeuge gelangten ins Wasser. Nur vier erreichten, mit Pionieren besetzt, das westliche Ufer.
Die Landungskommandos wurden hier rasch überwältigt. Der Übersetzversuch, bei dem man mit einer Überraschung der Engländer gerechnet hatte, war gescheitert. “

Textquelle:
I. Kapitel, Der Vormarsch gegen den Suez-Kanal Anfang 1915, Die deutsch-türkischen Operationen gegen den Suez-Kanal und im Sinai-Gebiet
während des Ersten Weltkrieges, Seite 158, In: Wehr-Wissenschaftliche Rundschau, Rudolf H. J. Holzhausen, 7. Jahrgang, Heft 3, März 1957


“ Etwa um 3 Uhr 15 morgens langte das vordere Treffen am Ufer des Kanals an. Noch kein Schuss war beim Feind gefallen. Die feindlichen Scheinwerfer hatten uns
nicht entdeckt. Schon war es gelungen, eine Anzahl von Pontons ins Wasser zu setzen und zu bemannen, 4 Pontons mit 4 Offizieren und 80 Mann hatten
sogar das jenseitige Ufer erreicht
, als die feindlichen Posten die am jenseitigen Ufer etwa alle 50 Meter aufgestellt waren, die ersten Schüsse abgaben. . . . . “

Textquelle:
Vertraulicher Bericht des Obersten Freiherrn Kreß von Kressenstein an den Chef der Militär-Mission über die erste Expedition gegen den Suez-Kanal
vom 21. Februar 1915, Seite 15, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abteilung IV des Kriegsarchivs vom Februar 1915, Aktennummer MKr.: 1782 / 2.


“ Aufgrund meiner Meldung wurde dieser Befehl erlassen und nun gelang es einigen Pontons, abzustossen und teilweise auch das andere Ufer zu erreichen.
Sie waren fast nur mit Pionieren besetzt. Einzelne waren bei der vorhergehenden stundenlangen Beschießung so durchlöchert, daß sie untergingen und einige Leute
ertranken. Wäre man sofort übergegangen, so hätte man nur wenige Löcher gehabt, die leicht mit extra dazu mitgeführten Holzstöpseln hätten geschlossen werden
können. Die Pontons, die den Kanal nicht erreicht hatten, ließ die tragende Infanterie beim ersten Schuß fallen, sodaß einige dabei mitten entzweibrachen. Die anderen
wurden von gesammelten Pioniertrupps allmählich bis ans Wassergetragen. Auch sonst haben immer wieder Pioniertrupps versucht, überzusetzen, was auch 2
Offiziere
(Ali Riza Eff. und Fuad Eff.) und etwa 40 Pioniere mit einigen Infanteristen gelungen ist. Da aber kein Nachschub erfolgte, sind sie nicht mehr zurückgekehrt.“

Textquelle:
Geheimer Kampfbericht des Pionierbataillons 8, Seite 3,von Hauptmann Gerlach an Herrn Oberst Freiherrn Kreß von
Kressenstein, Bayerisches Hauptstaatsarchiv in München, Abteilung IV Kriegsarchiv, Akte MKr. 1782/ 2 ohne Datum.



Abschließend noch drei Fotos der Übersetzmittel die 1916 / 17 von deutsch-türkischen Pionieren in Palästina beim Überqueren des Jordan verwendet wurden.
http://i43.tinypic.com/6rsvvn.jpg . http://i42.tinypic.com/7130ra.jpg . http://i39.tinypic.com/6xupn8.jpg
Bildquellen:
http://katalog.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/titel.cgi?katkey=2169096
http://www.amazon.de/Deutsche-Soldatengr ... tinafront-Grabst%C3%A4tten/dp/3402002310






TEIL 1 - IV. h.) Eroberung Ägyptens oder Ablenkungsmanöver?
Schon allein die oben aufgeführten Detailmängel in der technischen und materiellen Ausstattung der türkischen Übersetzmittel machen deutlich, daß eine Überquerung des
Suez-Kanals auch unter günstigsten Bedingungen dauerhaft nicht möglich gewesen ist. Zumindest nicht, bis die zweite Welle mit der 10. Inf.- Division das gegenüberliegende
Ufer erreichte und eine erfolgversprechende Sicherung eines Brückenkopfes hätte gewährleisten können. Weder die Anzahl der transportierten Pontons, Brückenelemente
und Flöße noch die weiteren Nachschubmittel einer kämpfenden Truppe von 25.000 Mann reichten hierzu aus. Die Entscheidung Djemal Pascha am Ende des ersten Tages
den Rückzug einzuleiten, beruhte nicht zuletzt aufgrund des drohenden Wassermangels und der strategischen Überlegung sein VIII. Armee Korps nicht der Vernichtung
preiszugeben. Das strategische Ziel war erreicht; das britische Empire war mehr als nur beunruhigt worden und stationierte fortan eine beträchtliche Streitkraft in Ägypten.


“ In jüngster Zeit sind Vermutungen angestellt worden, nach denen die Kanaloperation keineswegs eine Überquerung des
Suezkanals und einen damit verbundenen Aufstand in Ägypten zum Ziel hatte, sondern eher eine Demonstration darstellte,
die das britische Militär in Unsicherheit versetzen sollte, um es zu bewegen, weiterer Truppen nach Ägypten zu verlegen.“

Textquelle:
Kapitel 2, Geheimdienste und Propaganda. Asymmetrische Herausforderung im symmetrischen Krieg, “ Dynamit und Pamphlete “:
Verdeckte Operationen der Mittelmächte und Britische Abwehr, Seite 51, In:
Kein Griff nach der Weltmacht, Geheime Dienste und
Propaganda im deutsch-österreichischen-türkischen Bündnis 1914-1918
, Alexander Will, Dissertation Universität Saarbrücken 2010.


Was der Autor Dr. Will in seiner o.g. wissenschaftlichen Arbeit vor zwei Jahren noch vorsichtig als Frage ausformuliert, kommt in der unteren Zusammenfassung von
Mühlmann bereits 70 Jahre zuvor, schon sehr deutlich zum Ausdruck und läßt eigentlich gar keinen anderen Rückschluß mehr zu; als das die Eroberung Ägyptens von
deutscher und türkischer Seite zwar nach außen hin durchaus geplant und beabsichtigt war. Intern war sich die Führung der beiden Verbündeten durchaus darüber im
Klaren, daß aufgrund unzureichender militärischer Machtmittel es letztendlich nur bei einem Ablenkungsmanöver bleiben würde, und man angenehm überrascht gewesen
wäre, wenn ein gewaltsamer Übergang unter den Bedingungen dauerhaft gelungen wäre. (An dem auch die “ ERSTEN ZWÖLF“ Matrosen aus Massawa beteiligt waren.)


“. . . . . . . Gern hätte die deutsche Kriegsführung den Bundesgenossen für die ägyptische Unternehmung mit allem Nötigen versehen, aber die Abschließung der Türkei
von den Mittelmächten machte dies unmöglich. Nur durch Überweisung von Geld und Offizieren konnte Deutschland seine Unterstützungsbereitschaft beweisen. Im Laufe
des Winters 1914 / 1915 wurden weitere 13 Offiziere und mehrere Millionen Mark in Gold zur Verfügung gestellt. Infolge der Unzulänglichkeit der türkischen Angriffsmittel
regte der deutsche stellvertretende Generalstab Mitte Dezember Mitte Dezember 1914 eine Verschiebung des Unternehmens an, bis eine größere Leistungsfähigkeit des
Nachschubs erreicht wäre. Aber General von Falkenhayn lehnte jeden Aufschub ab, weil die damit verbundenen Nachteile ihm größer zu sein schienen als die Vorteile.
Doch glaubte er unter dem Eindruck der vom kaukasischen Kriegsschauplatz Mitte Januar 1915 anlangenden ungünstigen Nachrichten vor einer Überspannung der Ziele
auf dem ägyptischen Kriegsschauplatz warnen zu sollen. Am 22. Januar ließ er General von Liman bitten, sich dafür einzusetzen, daß ein schwerer Rückschlag bei der 4.
Armee vermieden würde. ``Es wird diese möglich sein´´ erklärte er, ``weil es sich bei den gegenwärtig für die Unternehmungen verfügbaren Kräften im Endzweck, soweit
zu übersehen, nicht um einen durchschlagenden Erfolg, sondern mehr um eine Bedrohung der englischen Stellung am Kanal handelt. ´´ Als ein Telegramm Enver Paschas
vom 31. Januar ähnliche Gedanken aussprach, suchte General von Falkenhayn ihn in dieser Auffassung zu bestärken. Am 3. Februar drahtete er an Ihn hierüber: ``Mit allen
Mitteln müßte besonders die Operation am Suezkanal gefördert werden. Großes würde erreicht sein, auch wenn sie zunächst nur zu dauernden Bedrohung der englischen
Kanalstellungen führen sollte.´´ Zur weiteren Erklärung führte er hinzu: `` Für die 4. Armee liegt . . . keine Veranlassung vor, sich einem ernsten Rückschlag auszusetzen,
wenn sie des Erfolges nicht sicher zu sein glaubt. Es empfiehlt sich auch eine gewisse Vorsicht bei den Bewegungen dieser Armee mit Rücksicht auf die Wirkung, die ein
Fehlschlag dort auf die aufflammende Mohammedanerbewegung bei den Senussis, im Sudan und in Afghanistan haben müßte.´´

Bei Abgang dieses Telegrammes war die Entscheidung schon zuungunsten der türkischen Waffen gefallen. Der Kanal war zwar nach zehntägigem Marsch in den ersten
Februartagen erreicht, die Kanalstellungen an drei Stellen angegriffen und auch mit Übergang zwischen Tussum und Serapeum (südlich von Ismailije) begonnen worden.
Der Versuch, sich auf dem Westufer des Kanals festzusetzen, schlug aber fehl. Ausbildung und Gefechtsdisziplin der arabischen Truppen waren den hohen Anforderungen
nicht gewachsen, die das Überschreiten eines derartigen Hindernisses angesichts des Feindes an sie stellten. Panzerzüge und Kriegsschiffe griffen in den Kampf ein. Sich
dauernd verstärkender englischer Wiederstand machte die Fortführung des Angriffes wenig aussichtsreich. Am Kanal stehenzubleiben, verboten die Schwierigkeiten des
Nachschubs. So traten die Türken, unbelästigt vom Gegner, den Rückmarsch nach dem südlichen Palästina an. Schwächere Kräfte blieben in der Wüste mit der Aufgabe,
durch gelegentliche Streifzüge bis an den Kanal den Feind in dauernder Unruhe zu halten. Major von Kreß erhielt die Leitung dieser Unternehmungen. Außer ihm vertraten
noch einige Offiziere und etwa 30 Kriegsfreiwillige, Kolonisten in Palästina, die deutsche Armee.

Die Unternehmung hatte noch insofern enttäuscht, als die türkischen Operationen weder die erhoffte Aufstandsbewegung in Ägypten noch einen Einfall der Senussi in
Westägypten ausgelöst hatten. Trotz des taktischen Fehlschlages waren aber die operativen Auswirkungen der Unternehmung im Rahmen der Gesamtkriegsführung nicht
ungünstig. Der Vorstoß hatte die Verwundbarkeit der englischen Kanalstellung bewiesen und nötigte den Feind, dauernd hier starke den Türken um ein Vielfaches überlegene
Kräfte zu belassen. Damit nicht genug, erhielt nun die Strömung in London die Oberhand, die die beste Sicherung Ägyptens in einem britischen Angriff auf Dardanellen und
Konstantinopel sah. Ägypten und Dardanellen beanspruchten 1915 rund 500 000 Mann britischer Truppen, die sonst zum großen Teil für den Kriegsschauplatz in Flandern
verfügbar gewesen wären. Aus dem Erscheinen türkischer Truppen am Suezkanal zog also die deutsche Kriegsführung für die Front im Westen erheblichen Nutzen. “

Textquelle:
Kapitel 5, Der ägyptische Kriegsschauplatz, Seite 89-91, Das Deutsch-Türkische Waffenbündnis im Weltkriege, Carl Mühlmann, Verlag Koehler & Amelang, Leipzig 1940.



“ Mit Ernennung Dschemal Paschas zum Oberkommandierenden der IV. Armee erhielt die Expedition einen anderen Charakter. Wenn auch schon vorher auf türkischer Seite
mit der Eroberung Ägyptens geliebäugelt worden war, so war ich mir für meine Person doch vollständig darüber klar, daß es sich mit den völlig unzureichenden Kräften, die
uns zur Verfügung standen, niemals um eine Eroberung Ägyptens handeln konnte. Ich hatte mir als erreichbares Ziel gesteckt durch eine rasche, handstreichartige Unter-
nehmung vorübergehend einen Übergang über den Kanal in Besitz zu nehmen und diesen solange zu halten, bis der Kanal mit Sandsäcken verschüttet und nachhaltig ge-
sperrt war. Ich durfte von dieser meiner persönlichen Auffassung nichts verlauten lassen, um die an sich sehr geringe Begeisterung für die ägyptische Expedition nicht völlig
zu ertöten und um eine Stärkung der sehr bedeutenden Widerstände, die in Syrien und in Palästina – auch bei der Armee – gegen die Expedition bestanden, zu vermeiden.
Aus dem gleichen Grunde habe ich auch unterlassen, eine nennenswerte Verstärkung des Expeditionskorps zu beantragen. Es bestand also die Gefahr, daß die ganze
Expedition aufgegeben wurde, wenn ich mein Bedenken gegen die Durchführbarkeit des geplanten Unternehmens laut werden ließ. Außerdem war aber auch eine nennens-
werte Verstärkung des Expeditionskorps vor Dschemal Paschas Eintreffen deshalb unmöglich, weil die Beschaffung der nötigen Anzahl von Kamelen auf die größten
Schwierigkeiten stieß. . . . .
. . . . . Trotzdem die Expedition nicht den gewünschten Erfolg hatte, ist sie meiner Ansicht nach doch nicht völlig ergebnislos gewesen. Sie hatte den Engländern den Beweis
geliefert, daß die Wüste sie nicht gegen einen Angriff der Türken sichert und wird die Engländer wohl dauernd davon abhalten, Ägypten von den Truppen entblößen die sich
zur Zeit dort befinden. Außerdem hat die Expedition Gelegenheit gegeben, Erfahrungen zu sammeln, die die Aussichten für den Erfolg einer zweiten Expedition ganz wesen-
tlich verbessern dürften. “
Frh. Von Kreß.

Textquelle:
Vertraulicher Bericht des Obersten Freiherrn Kreß von Kressenstein an den Chef der Militär-Mission über die erste Expedition gegen den Suez-Kanal vom
21. Februar 1915, Seite 1,2+20, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abteilung IV des Kriegsarchivs vom Februar 1915, Aktennummer MKr.: 1782 / 2.







TEIL 1 - IV. i.) Zusammenfassung
Kurz nach Ausbruch des 1. Weltkrieges suchen in der ersten Augustwoche 1914 sieben (später acht) deutsche Handelschiffe, Zuflucht in dem neutralen Hafen Massawa
des italienischen Verbündeten in der Kolonie Italienisch-Eritrea. Neben den vordergründigen Motiven diesen ungesunden Aufenthaltsort am Roten Meer zu verlassen und
schnellsten die Heimat zu erreichen, steht der strategische Wunsch einheimischer Behörden dahinter, Informationen aus dieser Region zu sammeln und Erfahrungen über
zukünftige Kurierrouten zu erhalten. Nachdem eine erste Gruppe von 12 Matrosen ausgesucht und an Bord der Frachter vorbereitet wurde, brechen sie Anfang Dezember
1914 mit einer einheimischen Dhow an der Westküste des Roten Meeres Richtung Norden auf. Kurz vor der Grenze zum Anglo-Ägyptischen Sudan wird das Rote Meer
überquert. An der Küste des nun verbündeten Osmanischen Reiches segelt die Gruppe weiter über Lith, Dschidda und Rabigh nach Janbo. Von dort geht die Reise, wahr-
scheinlich auf dem Rücken von Kamelen landeinwärts zum nächstgelegenen Bahnhof der Hedschaz-Eisenbahn Bir Násif. Anfang Januar 1915 in Damaskus angekommen,
erfahren sie von den dortigen Landsleuten von der bevorstehenden türkisch-deutschen Expedition gegen den Suez-Kanal und melden sich als Kriegsfreiwillige für dieses
Unternehmen. In Begleitung weiterer deutschstämmiger kriegsfreiwilligen Kolonisten aus Palästina, nimmt die Gruppe innerhalb des 8. Türkischen Pionierbataillon an dem
Angriff am 2./3. Februar 1915 unter der Führung einiger deutscher Offiziere teil. Nachdem man das eigentliche Angriffsziel nicht erreicht, wird der Rückzug durch die Sinai
Wüste
nach Jerusalem und Damaskus angetreten. Nach Abschluß der Operation begeben sich die Matrosen mit der Eisenbahn Anfang März 1915 nach Konstantinopel.



Hier ein Foto einer der vielen unbekannt gebliebenen, deutschen Matrosen, die im 1. Weltkrieg auf dem asiatischen und arabischen Kriegsschauplatz kämpften.
Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c9/Hello_Sailor_!_Matroos_met_IJzeren_Halve_Maan-2.jpg


Vielleicht findet sich ja noch irgendwo ein Tagebuch oder sogar Fotos, von einem dieser “ ERSTEN ZWÖLF“ Matrosen aus Massawa.





(Der V. Abschnitt von TEIL 1, befaßt sich mit dem Thema: Weitere Besatzungsangehörige deutscher Frachter verlassen Massawa und überqueren das Rote Meer)

.


Zuletzt bearbeitet von Holger Kotthaus am 01.06.2013 - 21:34, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 202085 | Verfasst am: 01.06.2013 - 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

DAS SCHICKSAL DER BESATZUNG DEUTSCHER HANDELSSCHIFFE IN MASSAWA WÄHREND DES 1.WK





TEIL 1 (von 7) – Weitere Besatzungsangehörige deutscher Frachter verlassen Massawa und überqueren das Rote Meer





TEIL 1 - V. a.) Quellenlage und Hintergrund

Im Gegensatz zur I. Gruppe von deutschen Matrosen, die während des Krieges vom Roten Meer aus, in verschiedene Richtungen aufbrechen, stammen Hinweise über die
Reise einer II. und III. Gruppe, nur von einer Seite der Geheimdokumente aus dem PA / AA in Berlin. Zwar tauchen in den Unterlagen noch etliche Detailhinweise der Mann-
schaften der Frachter aus Massawa auf, doch ohne einen direkten Bezug zu diesen beiden Gruppen. Der Forscher und Afrikanist Leo Frobenius verfasst seit Kriegsbeginn,
im Laufe von knapp 16 Monaten mehrere Dutzend Einzelschreiben und Telegramme sowie neun, mit bis zu einunddreißig Seiten umfassende Berichte seiner DIAFE Unter-
nehmungen (Deutsche Inner-Afrikanische Forschungs-Expedition). Dieser umfangreiche Schriftverkehr mit verschiedenen Dienststellen des Auswärtigen Amtes im In - und
Ausland geht nicht nur auf Details seiner Reise ein, sondern gewährt auch Überblick über andere Personengruppen und Namen die in unmittelbaren Zusammenhang mit der
Anwesenheit Deutscher in dieser Region stehen. Die 4. Seite des V. Berichtes wird am 6. Februar 1915 von Frobenius bei Kunfudah ( “Rotes Meer, 6.II.15 / 19° nördl. Breite“)
erstellt, anschließend vom deutschen Konsulat in Damaskus als Telegramm weitergeleitet und geht als entschlüsselter Vorgang; A 873 / Pera 231, am 10. März 1915, beim
Kaiserlichen Generalkonsulat in Konstantinopel ein. Auf dieser einen Seite erwähnt Frobenius beiläufig die Kontaktaufnahme auf seinem bisherigen Reiseweg mit deutschen
Seeleuten in Janbo und El-Weg. Wir werden dazu in den nächsten Beiträgen intensiver auf das Unternehmen des Leo Frobenius am Roten Meer und die weiteren Aktionen
mit den Besatzungen der deutschen Handelsschiffe in Massawa im Frühjahr 1915 eingehen. Neben der bereits geschilderten Reise der I. Gruppe `` DIE ERSTEN ZWÖLF ´´,
bleiben wir bei dieser Suggestivbezeichnung und benennen die nächsten beiden Gruppen: II. Gruppe ``WEITERE FÜNFZEHN ´´ und, III. Gruppe ``DIE NÄCHSTEN ZEHN ´´.




Im Folgenden; die Abschrift des chiffrierten Textinhaltes der 4. Seite im V. Bericht, erstellt am 6. Februar 1915 in Kunfudah von Leo Frobenius als handschriftliches Original.


“ II. Diplomatische Aktionsmöglichkeiten und Personalfragen der arabischen Küste

1) erwähne ich, dass ich in Jambo Vizesteuermann Schäfer mit 9 Matrosen aus Massaua traf
( 1* s.u.). Ich gab ihnen die notwendigen arabischen und
türkischen Empfehlungsbriefe für die Etappenstrasse sowie einige Gewehre und Munition mit. Sie werden sich in El Ula, wohin Soliman Pascha
(2* s.u.)
sie bringen soll, telegraphisch mit Direktor Diekmann
(3* s.u.) v. der Hedjazbahn in Verbindung setzen und sich in Damaskus beim Konsulat melden.

2) Dringend notwendig ist für die arabische Küste eine patrouillierende intellektuelle Oberleitung
(?). Da es anzunehmen ist, dass die Türkei derzeit
nicht über einen entsprechenden Überfluss an geübten höher stehenden Leuten verfügt, ist es ihr vielleicht nur angenehm, wenn Deutschland einen
entsprechenden tüchtigen Mann stellt. Ich habe lange nachgedacht, wer etwa für solche Stellung in Betracht kommen könnte. Vor allen Dingen warne
ich vor einem Herrn, der etwa vom Schlage des Dr. Sami
(4* s.u.) ist, der im türkisch-deutschen Auftrage eine Zeitlang diese Küste bereiste, aber
nirgends etwas anderes als die Verbitterung zurückgelassen hat, die er selbst in das Land hineingetragen hat. Es ist derselbe Dr. Sami, der die 15
Deutschen Matrosen zur Zeit meines Aufenthaltes
(5* s.u.) nach Damaskus brachte und offenbar identisch mit Geheimrat Moritz. Es liegt mir nichts
ferner, als irgend etwas gegen Herrn Geh. Rat Moritz
( 6* s.u.) sagen zu wollen, den ich als Arabisten und Gelehrten ungemein schätze und der frag-
los über anderwärtig hoch einzuschätzende Eigenschaften verfügt. Er hat aber zwei sehr gefährliche und für diese Art Aufgaben so gut wie unmöglich
machende Schattenseiten. Zum ersten versteht er es nicht, zu organisieren. Ich habe keine von ihm angeregte oder durchgeführte Organisationsanlage
angetroffen. Zum zweiten ist er im Grunde seines Herzens ein Orientalverächter, der keine Ahnung hat, dass man diese Leute hier immer nur durch ein
potenziertes Höflichkeitsverfahren fesseln kann und muss. Er schüttet überall Hindernisse aus und hinterlässt bittere Gefühle. Seine Reise in diesem
Gebiet hat dem Deutschtum weder Anerkennung noch Achtung verschafft. “







TEIL 1 - V. b.) Die III. Gruppe ``DIE NÄCHSTEN ZEHN´´ (“ . . . dass ich in Jambo Vizesteuermann Schäfer mit 9 Matrosen aus Massaua traf.“ )

Ergänzung zu 1*
Diese III. Gruppe der Matrosen wird zwar in der oberen Textpassage zuerst aufgeführt, tritt in der chronologischen Abfolge die Reise aber zu einem späteren Zeitpunkt an.
Frobenius verfasst seinen Bericht in Kunfudah und erwähnt, daß er Schäfer und seine Gruppe zuvor, weiter nördlich in Janbo getroffen habe, ohne allerdings ein Datum
für diesen Vorgang aufzuführen. Für einen Zeitvergleich der Reisdauer dieser Wegstrecke stehen zwei Aufzeichnungen zu Verfügung. Von Kunfudah nach Janbo benötigt
Kptlt. Hellmuth von Mücke mit seinem Landungszug, vom 21. März bis zum 30. April 1915, zusammen vierzig Tage; - also fast sechs Wochen. Darin enthalten ist auch der
siebentägige Reiseabschnitt von Lidd nach Dschidda mit Kamelen. Der größte Teil der Wegstrecke wird hierbei aber durch eine Seereise mit einer Dhow an der Küste ent-
lang zurückgelegt. Der Überfall durch die Harb und Utaiba auf die Kolonne, vom 1. bis 3. April bei Ras el Aswad, südlich von Dschidda, geschieht, unter anderem Aufgrund
der Nähe zu Heiligen Stadt Mecca auf die; für Muslime Ungläubigen. Der gleiche Umstand wird einer anderen Gruppe von Deutschen, unter Kptlt. Erwin von Möller ein Jahr
später, nördlich von Dschidda zum Verhängnis. Sehr wahrscheinlich wäre dies auch auch der Gruppe unter Vizesteuermann Schäfer wiederfahren, wenn sie Dschidda über
den Landweg erreicht hätten. Da aber über einen solchen Vorfall keinerlei Aufzeichnungen bekannt sind, kann man davon ausgehen, daß die “ DIE NÄCHSTEN ZEHN “ die
ganze Wegstrecke an der Küste entlangsegeln. Als zweites Beispiel für die Zeitspanne des Reiseweges stehen die Aufzeichnungen von Leo Frobenius selber zu Verfügung.
Bei den von ihm aufgeführten Daten ergeben sich für seine Reise von Janbo (25. Januar) nach Kunfudah (6. Februar), also in umgekehrter Richtung von Norden nach Süden,
insgesamt nur zwei Wochen (13 Tage). Für die Weitereise von Kunfudah (13. Februar) nach Massawa (15. Februar) und dem Überqueren des Roten Meeres benötigt die
Gruppe sogar nur 2 Tage. Wenn man nun diese Vergleichswerte als Eckdaten auf die Reiseroute der ``DIE NÄCHSTEN ZEHN ´´überträgt, beginnt Ihre Reise am 10. Januar
1915 in Massawa und am 25. Januar treffen sie in Janbo auf Frobenius. Weiterhin müßten sie am 1. Februar El Weg erreicht haben und bis zum 6. Februar in El Ula, bzw. mit
der der Bahn sogar schon in Damaskus angekommen sein. Damit enden aber auch schon die Verdachtsmomente; denn weitere Akten sind beim PA/AA dazu nicht vorhanden.




Ergänzung zu 2*
Soliman Pascha (Suleimán Pasha Afnan Rufádah) ist seit seiner Ernennung 1908, der oberste Anführer des Billí Klans in El Weg und ein enger Verbündeter der Türken im
Hedschaz. Sein Cousin ist òmda (Dorfvorsteher) des gleichen Klans in Al - Balyana in Oberägypten am Nil. Die Engländer versuchen die in Ägypten siedelten Billí, ihre, auf
osmanischem Territorium lebende Klanmitglieder dahingehend zu überzeugen gegen die Türken zu arbeiten und senden Suleimán Pashas Cousin nach El Weg. Dieser ist
ebenso erfolglos, wie der umgekehrte Versuch der Türken die ägyptischen Angehörigen der Billí zu einem offenen Wiederstand gegen die Engländer während des Angriffes
auf den Suez-Kanal am 2. / 3. Februar 1915 zu überzeugen. Die beiden Söhne Suleimán Pashas dienen in der der türkischen Armee als Offiziere, wobei einer von Ihnen an
dem Angriff auf den Suez-Kanal am 2. / 3. Februar innerhalb des 128. Regimentes der 22. türkischen Inf.-Division teilnimmt. Die Engländer haben mit ihren See-Patrouillen
während des ganzen Krieges große Probleme den häufigen Dhow-Verkehr an dieser Stelle des Roten Meeres zwischen der westlichen und östlichen Küste zu kontrollieren.
Diese Transporte werden in erster Linie von den Billí in El Weg aus betrieben. Während des Jahres 1915 hält Suleimán Pasha engen Kontakt mit Türken und verbündeten
Deutschen. Hierbei unterstützt er Vizesteuermann Schäfer, Leo Frobenius, Sami Bey, Dr. Bernhard Moritz, Kptlt. Hellmuth von Mücke, Max v. Oppenheim und viele andere.
Vergleiche hierzu auch:
Personalities, Chapter VIII, Volume II, Handbook of Hejaz 1917, Seite 84, In: Near & Middle East Titles: Military Handbooks of Arabia 1913 - 1917 , Cairo 1916
2. Seite, V. Bericht, Vorgang A 873 / Pera 231, Konstantinopel 10.03.1915, Nr.11g / R 21149, Krieg 1915, Geheime Akten, Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes
Kapitel 5, Seite 289, In: Band II. Die Beduinenstämme in Palästina, Transjordanien, Sinai, Hedjaz , Max von Oppenheim, Erich Bräunlich, Werner Caskel, Wiesbaden 1943
Principle tribes, Appendix Seite 277, In: The role of the Ikhwan under 'Abdul-'Aziz Al Sa'ud 1916-1934, Talal Sha'yfan Muslat Al-Azma', Dissertation Universität Durham 1999




Ergänzung zu 3*
Heinrich Diekmann ist zu diesem Zeitpunkt, Anfang 1915, der Direktor und Baudezernent der Hedschasbahn in Damaskus. Um Konflikte mit lokalen islamischen Autoritäten in
Medina zu vermeiden, haben türkische Behörden in der Stadt die Anordnung herausgegeben, daß Nicht-Muslime fortan nur bis zum Bahnhof der Station Al Ula reisen dürfen.
Vergleiche hierzu auch:
Der Bedeutungswandel der Hedschasbahn , S. 117, Eine Historisch-Geographische Untersuchung, U. Fiedler, Dissertation Universität Freiburg, 1984
III. Die Eisenbahnlinien, 1. Literatur, Die Hedschasbahn, Seite 390, In: SYRIEN als Wirtschaftsgebiet, Dr. Arthur Ruppin, Verlag B. Harz, Berlin/Wien, 1920
The Hijaz Railway, Kapitel 6,Meissner Pasha and the construction of railways in Palestine and neighboring countries , Ottoman Palestine 1800-1914,G. Brill, 1990.






TEIL 1 - V. c.) Die II. Gruppe ``WEITERE FÜNFZEHN´´ (“ . . . der die 15 Deutschen Matrosen zur Zeit meines Aufenthaltes nach Damaskus brachte . . .“ )

Ergänzung zu 4*
Dr. Sami (Geheimrat Dr. Moritz) ist hier nicht zu verwechseln mit Dragoman Sami Bey (Der Link dient nur als Bildnachweis!), von dem wir schon weiter oben berichteten. Der ehemalige
Bibliothekar der khedivischen Bibliothek in Kairo und Orientalist, Professor Dr. Bernhard Moritz ist seit Ende Oktober 1914 auf einer `Revolutions- und Aufklärungsmission´ im
Hedschaz unterwegs, dessen Endziel die Hafenstadt Dschidda ist. Moritz ist von seinem Berufskollegen Max von Oppenheim vorerst nur entsendet worden um in Medina ein
Propagandabüro zu errichten. Oppenheim tat dies noch nicht in seiner späteren Rolle (ab November 1914) als Leiter der Nachrichtenstelle für den Orient. (Über Hintergründe
und Struktur des NfO in Berlin und NSO in Konstantinopel; siehe unten). Anschließend soll Moritz von Janbo im Hedschaz aus, an der gegenüberliegenden Küste des Anglo-
Ägyptischen Sudan
an Land gehen, und dort seine Propagandatätigkeiten; nun verdeckt und tief im Feindesland, weiter fortsetzen. Kress von Kressenstein beauftragt ihn zu-
sätzlich mit der spionagedienstlichen Aufgabe, Informationen über Truppenbewegungen zu sammeln und die Standorte der gegnerischen Einheiten im Sudan durch Kuriere
weiterzuleiten. Da es ich nicht um Indiana Jones handelte, stellt sich die Frage ob ein guter Orientalist mit einem Lehrstuhl; auch gleichzeitig ein guter, militärisch denkender
und agierender Agent sein muß? Sein Bildband über diese Reise 1915: “ Bilder aus Palästina, Nord-Arabien und dem Sinai. 1916 “, ist heutzutage eine antiquarische Rarität
und wird für € 14.400,- angeboten; hier die Übersicht: http://www.loc.gov/pictures/search/?q=LOT%203704&fi=number&op=PHRASE&va=exact&co!=coll&sg=true&st=gallery
Vergleiche hierzu auch:
Der Anglo-Ägyptische Sudan, Seite 65-72, In: Wie Ägypten englisch wurde , Geheimrat Professor Bernhard Moritz, Herausgegeben von Ernst Jäckh, Weimar 1915
File 21, Seite 12, “ Some notes on German agents and their methods ” IOR/R/20/A/2935 1916, Confidential files 1912 - 1939, British Library – The National Archives
4. Methoden der Propaganda, Seite 15, In: Die Feder als Waffe, Deutsche und britische Propaganda im Ersten Weltkrieg, Studienarbeit, Universität Hannover, 2007
Die Nachrichtenstelle für den Orient: Fallstudie einer Propagandainstitution im Ersten Weltkrieg , Maren Meyer zur Capellen, Magisterarbeit Universität Berlin, 2011
Kapitel 5. 2. Die Organisationsstruktur der Nachrichtenstelle für den Orient, Seite 46-69, und Kapitel 5. 4. Die Nachrichtensaal-Organisation (NSO), Seite 72-75,
In:
Deutsche Propaganda im Orient während des Ersten Weltkrieges , Salvador Oberhaus, unveröffentlichte Magisterarbeit, Universität Düsseldorf 2002, (pdf. 91 Seiten)
Kapitel IV, Militärische Propaganda, Seite 237-269, In: Die deutsche Auslandsaufklärung und das Bild der Ententemächte im Spiegel zeitgenössischer Propagandaver-
öffentlichungen während des Ersten Weltkrieges
, Stefan Kestler, Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 589, Dissertation Universität Bamberg 1992




Ergänzung zu 5*
Wie der einleitende, hier aber nicht dargestellte Text der ersten Seite des V. Berichtes erläutert, erreichte Frobenius El Weg, als er den Passus auf der vierten Seite aufführt:
“ . . . zur Zeit meines Aufenthaltes nach Damaskus brachte . . . “ Frobenius und Moritz treffen am 19. Januar 1915 in El Weg aufeinander; also sechs Tage bevor Frobenius
auf seiner Weiterreise Richtung Süden, der II. Matrosengruppe unter Vizesteuermann Schäfer in Janbo begegnet. Moritz sendet noch am 15. Januar 1915 einen 8-seitigen
Bericht von Medina aus, an das Kaiserliche Generalkonsulat in Konstantinopel und beschreibt die dortige politische Situation; geht aber nicht darauf ein warum er die Reise
in den Sudan nicht antritt. Er hatte aber davon berichtet, daß er bereits mehrere Sendungen mit Propagandamaterial durch türkisch-arabische Agenten von Janbo aus, in den
Sudan geschickt hat. Dies sind aber auch die einzigen Anhaltspunkte. Weder der Aufbruch in Massawa, noch die Ankunft und Weiterreise dieser II. Matrosengruppe, an der
Küste des Hedschaz entlang, oder die Bahnfahrt über Damaskus nach Konstantinopel können hier im Detail belegt werden. Aufgrund der zeitlichen Abfolge, kann die I. und II.
Gruppe der Matrosen auch deutlich voneinander unterschieden werden; d.h. eine Verwechslung ist eigentlich auszuschließen, da ``DIE ERSTEN ZWÖLF´´ sich zu diesem
Zeitpunkt, am 1. Februar, bei Ismāilia auf der Sinai-Halbinsel in Bereitstellung befinden, während Moritz zeitgleich mit ``WEITEREN FÜNFZEHN ´´Damaskus erreicht. Im An-
schluß muß Moritz wieder nach Medina gereist sein, da er den nächsten Bericht in einem chiffrierten Telegramm von dort aus am 28. Februar 1915 nach Damaskus sendet.
Interessanterweise gilt hier noch zu bemerken, daß vor oder während des Krieges einige deutsche Persönlichkeiten zum Islam übergetreten sind, wozu unter anderem auch
Leo Frobenius, Bernhard Moritz, Karl Neufeld, Max von Oppenheim und einige andere gehören. In späteren Aufzeichnungen und Biographien wird dies allerdings nicht er-
wähnt oder bewußt verschwiegen. Die vor und während des Krieges vorherrschende `Turkomanie´ ebbte nach 1918 ab, und es war nicht mehr opportun darauf zu verweisen.




Ergänzung zu 6*
Die Abneigung von Leo Frobenius gegenüber Bernhard Moritz beruht auf Gegenseitigkeit. Auch Moritz schreibt recht abwertend in seinen Berichten an das Auswärtige Amt
und Konsulat in Damaskus. Die Hintergründe der Animositäten zwischen den beiden Gelehrten sind aber akademischer Natur und sollen uns hier nicht weiter interessieren.






TEIL 1 - V. d.) Deutsche Aktivitäten am Roten Meer für den 1. Februar 1915

Wenn wir nun das Erstellungsdatum des oben aufgeführten V. Berichts von Frobenius als ungefähren Zeitpunkt fixieren und die Standorte der anderen Gruppen am 1.
Februar 1915 auf eine Übersichtskarte projetzieren, so ergibt sich schon bis zu diesem Zeitpunkt ein recht deutliches Bild über Deutsche Aktivitäten am Roten Meer.



I. Matrosengruppe ``DIE ERSTEN ZWÖLF´´ unter Marine Ingenieur Aspirant Paul Hermann Longino
Diese Matrosen sind Anfang Dezember 1914 von Massawa aufgebrochen und haben Jerusalem Mitte Januar 1915 erreicht. An diesem Montag dem 1. Februar 1915
haben die Matrosen innerhalb des 8. Pionier-Bataillons die Bereitstellungsräume östlich von Ismāilia erreicht und bereiten sich auf den Angriff in der nächsten Nacht vor.


II. Matrosengruppe ``DIE NÄCHSTEN FÜNFZEHN´´ mit Professor Dr. Bernhard Moritz
Ein einziger Nebensatz erwähnt die Existenz dieser 15 deutschen Matrosen. Begleitumstände lassen vermuten, daß diese II. Matrosengruppe am 1. Januar 1915 Massawa
verlassen hat, am 15.Januar Janbo erreicht und am 18. Januar in El Weg auf Professor Moritz trifft. Am 1. Februar müßten sie sich auf dem Weg nach Damaskus befinden.


III. Matrosengruppe ``WEITERE ZEHN´´ unter Vizesteuermann Schäfer
Gemäß der oben genannten Erläuterung haben diese zehn Matrosen Massawa am 10. Januar mit einer Dhow verlassen und werden am 25. Januar den Küstenort Janbo
erreicht haben. An diesem 1. Februar sind sie noch auf dem Weg, oder haben bereits El Weg erreicht um anschließend auf dem Landweg zur Station El Ula weiterzureisen.


IV. Matrosengruppe unter den beiden Schiffsoffizieren Hausschild und Kleinert
Zwei Schiffsoffiziere der, mittlerweile acht deutschen Frachtdampfer bereiten sich an diesem Tag in Massawa auf den Aufbruch mit der nächsten Gruppe vor. Der dritte
Schiffsoffizier Schulz, der ebenfalls den Weg über das Rote Meer antreten sollte, führt eine V. Matrosengruppe an, die später in Richtung Sudan aufbricht. (siehe Teil 2)


Landungszug der S.M.S. EMDEN unter Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke
Am 1. Februar bereitet sich die Gruppe unter Mücke in Hodeïda darauf vor, am nächsten Morgen, mit Kamelen nach Sanaa, aufzubrechen. Die Hauptstadt des Osmanischen
Jemen
erreichen sie auch am 6. Februar und verweilen dort vier Wochen bis zum 2. März 1915 als Gäste der türkischen Verbündeten bei Gouverneur Mahmúd Názim Pasha.


VII. Deutsche Inner-Afrikanische Forschungs-Expedition unter Leo Frobenius
Entgegen der Marschrichtung der oberen Gruppen, befinden sich Frobenius und seine 17 Reisebegleiter auf dem Weg von Norden nach Süden und erreichen in der Nacht
Dschidda, wo zwei Kuriere für Port Sudan abgesetzt werden. Am 6. Februar erreichen sie Kunfudah und steigen auf eine größere, seegehende Sambuk über. (siehe Teil 2)



Karte 15
Auf der folgenden Übersichtskarte des Roten Meeres sind die Standorte der oben genannten sechs deutschen Unternehmungen am 1. Februar 1915 grob veranschaulicht.

http://i41.tinypic.com/ezek36.jpg

Originale Bildquelle: http://www.lib.utexas.edu/maps/historical/baedeker_indien_1914/txu-pclmaps-red_sea_1914.jpg


Die weiteren Unternehmungen der Matrosen und Kuriere, sowie Propaganda- Spionage- und Sabotageaktionen der Monate März bis Dezember 1915; siehe später Teil 2 + 3






TEIL 1 - V. e.) Zusammenfassung

Schon jetzt macht die Aussage des Political Resident, Major-General D.L.B. Shaw vom 3. März 1915 in Aden, endlich Sinn:

“. . . . . it was desirable that German should be prevented from crossing to Arabia.“

“ . . . News then reached Aden that a group of Germans was leaving Massawa for Arabia and it was, in the
Resident´s view, Imperative that Britain occupied Kamaran for use as a base to observe Turkish ports nearby.”

Textquelle:
British Naval operations in the Red Sea 1914-1919 , Seite 160, American Institute for Yemeni Studies, John Baldry, 1978




So haben den letztendlich die Aktivitäten der Deutschen und ihrer Verbündeten am Roten Meer die militärische Besetzung der Inseln vor der Küste des Osmanischen Jemens
zur Folge. Die Briten müssen hierzu ihre ohnehin, zu diesem Zeitpunkt schwache Garnison in Aden weiter entblößen. (siehe hierzu: 03.- Die Kämpfe 1915 / Details / Blockade
der Küste und die Besetzung der Inseln im Roten Meer
) Das geschieht genau während des Angriffes türkisch-jemenitischer Truppen unter General-Major Ali Sáid Pasha von
Februar bis Juni 1915, ohne daß sich die Briten dessen zunächst bewußt werden. Es wäre nun sicher übertrieben behaupten zu wollen; die Aktionen der Verbündeten sind
ein ausschlaggebender Faktor für die Eroberung des Südjemens durch die vereinten Expeditionsstreitkräfte gewesen; zumindest muß hier aber eine indirekte Einflußnahmen
eingeräumt werden. Umgekehrt haben die Deutschen nur deshalb die Möglichkeit auf der östlichen Seite des Roten Meeres an Land zu gehen, weil die verbündeten Türken,
`die Äußerste Position ihrer linken Flanke . . .´ im Nordjemen, nicht nur behaupten, sondern wiedererwarten sogar bis in den Südjemen `. . . verlängern können´. Dies sichert
wiederum ihre schwache zentrale Position im Hedschaz; zumindest bis zur Mitte des Jahres 1916. So entsteht hier durchaus gegenseitige Unterstützung und Einflußnahme.






(Der nächste Beitrag beginnt mit Teil 2 und erläutert Die Zusammenhänge mit dem Geheim-Unternehmen des Leo Frobenius von Eritrea nach Abessinien und Asír)
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 202392 | Verfasst am: 12.07.2013 - 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Auch wenn längere Passagen in dem gesamten Thema mehr einen monologartigen Charakter aufweisen, handelt es sich nach wie vor
um einen Living Thread, und keine abgeschlossene Gesamtrecherche; - und wenn auch die ganze Untersuchung oberflächig gegliedert
wurde; ist, und bleibt es eine Momentrecherche, da von Beitrag zu Beitrag immer wieder Ergebnisse neuer Quellen und Dokumente ein-
fließen. Daher tauchen von Zeit zu Zeit natürlicherweise; wie auch in diesem Fall, Korrekturen / Ergänzungen zu bereits Erwähntem auf.





KORREKTUREN / ERGÄNZUNGEN




Namen und Anzahl der deutschen Frachtschiffe in Massawa während des Zeitraumes 1914 - 1919

Auf der Suche nach Namenslisten der Besatzungsmitglieder der Frachtschiffe, gab es eine Ungereimtheit in der Namensgebung eines Frachters. Nach erneuter Durch-
sicht der Akten vom AA / PA, tauchte der Name eines deutschen Handelsschiffes in Massawa auf, der bisher nicht vermerkt wurde. Kapitänleutnant d.R. Julius Tutt von
der CHRISTIAN X sendet am 24. Februar 1915 per Kurier einen Rapport an seine Dienststelle, der Hamburg Amerika Linie (HAPAG) in Deutschland, welcher unter der
Vorgangsnummer A 9748 am 17. März 1915 bei der Kaiserlichen Botschaft in Konstantinopel eingeht und später auch an das Auswärtige Amt in Berlin weitergeleitet wird.
Dieser Bericht enthält ebenfalls eine Frachtliste der Schiffe in Massawa, sowie den Namen des Dampfers BORKUM (ex. ELLEN RICKMERS!) des Norddeutschen Lloyds.



ELLEN RICKMERS / BORKUM / ASTI 1896 -1917
The BORKUM was built by J.L.Thompson & Sons, Sunderland (engines by J. Dickinson & Sons, Sunderland) as the ELLEN RICKMERS for the Rickmers
Line. She was a 5,350 gross ton ship, length 409ft x beam 50.5ft, straight stem, one funnel, two masts, single screw and a speed of 10 knots. There was
capacity for 18-2nd and 950-3rd class passengers. Launched on 27/2/1896, she was chartered to North German Lloyd and commenced the first of six round
voyages between Bremen and Baltimore on 24/9/1897, the last starting on 5/1/1900. In 1900 she was purchased by NGL and renamed BORKUM. She
commenced her first Bremen - Baltimore - Galveston voyage on 13/9/1900 and made the last of three voyages on this service in February 1905. Between
1905-1913 she sailed between Bremen and South America and in 1914 sailed between Bremen and the Far East. Seized by Italy in 1915 and renamed ASTI,
she was torpedoed and sunk by a German submarine, 220 miles SW of the Scilly Isles on 13/8/1917. [North Atlantic Seaway by N.R.P.Bonsor, vol.2,p.560-561]

Textquelle: http://www.theshipslist.com/ships/descriptions/ShipsB.shtml



(1.) Frachtdampfer CHOISING (1901 - 1917)
Größe: 1657 BRT / 3.150 Tonnen
Länge: 81,50 m / Breite: 11,35 m / Tiefgang: 5,98 m

(2.) Frachtdampfer AXENFELS (I) (1904 -1933)
Größe: 4.464 Tonnen
Länge: 114,48 m / Breite: 15,42 m / Tiefgang: 8,41 m

(3.) Frachtdampfer STURMFELS (I) (1912 - 1958)
Größe: 5.660 Tonnen
Länge: 128,38 m / Breite: 16,92 m / Tiefgang: 8,72 m

(4.) Frachtdampfer BORKUM ex. ELLEN RICKMERS (1896 - 1917)
5.350 BRT
Länge: 122,20 m / Breite: 16,20 m

(5.) Frachtschiff CHRISTIAN X (1912 - 1939)
Größe: 4.956 BRT / 7.518 Tonnen
Länge: 112,00 m / Breite: 16,15 m / Tiefgang: 9,14 m

(6.) Frachtdampfer SEGOVIA (1900 - 1929)
Größe: 5.872 BRT / 7.988 Tonnen
Länge: 122,20 m / Breite: 16,20 m / Besatzung: 44

(7.) Frachtdampfer OSTMARK (1911 - 1916)
Größe: 4.570 BRT

(8.) Frachtdampfer PERSEPOLIS (1910 - ?)
Größe: 4.508 Tonnen

(9.) Frachtdampfer – ? – (s.u. )



Weiterhin ergab die Durchsicht der Akten, daß sich im Frühjahr 1915 (nicht acht, sondern) neun deutsche Frachtschiffe im Hafen von Massawa befinden! Am 11. Januar
1915 geht ein, von Frobenius verfaßter Bericht als entschlüsseltes Telegramm unter der Vorgangsnummer A 2715 bei der deutschen Botschaft in Konstantinopel mit
folgenden Inhalt ein: “. . . Ferner werden auf ihm die 50 deutschen Marineoffiziere und Mannschaften der 9 in Massaua liegenden Schiffe nach Norden zu bringen suchen. . . “


Es bleibt also nach wie vor die Frage unbeantwortet, welches das neunte deutsche Schiff im Hafen von Massawa sein könnte. Vielleicht weiß einer von euch mehr?

.
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 203233 | Verfasst am: 09.12.2013 - 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

(Doppelter Eintrag gelöscht! - Fragend -)

Zuletzt bearbeitet von Holger Kotthaus am 11.12.2013 - 18:56, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragBeitrags-Nr.: 203234 | Verfasst am: 09.12.2013 - 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

DAS SCHICKSAL DER BESATZUNG DEUTSCHER HANDELSSCHIFFE IN MASSAWA WÄHREND DES 1.WK





Teil 2 (von 7) – Die Zusammenhänge mit dem Geheim-Unternehmen des Leo Frobenius von Eritrea nach Abessinien und Asír





TEIL 2 - I. a.) Die QUELLENLAGE (I. – Primärquellen)

Wer heute nach Frobenius recherchiert, erhält eine Vielzahl von Informationen über die Person und alle damit zusammenhängenden wissenschaftlichen Arbeiten
damaliger und heutiger Personen und Institutionen. Die politische Geheimmission die im Frühjahr 1915 stattfand, wird hierbei aber kaum, oder gar nicht erwähnt.
Das hat zweierlei Gründe. Zum ersten spielte der wissenschaftliche Aspekt dieses Unternehmens nur eine marginale Rolle und zweitens wurde das angestrebte
politische Endziel nicht erreicht. Der Misserfolg und der natürliche Verdrängungsaspekt ließen später auch kaum einen Grund zu auf Ursachen und Hintergründe
einzugehen oder detailliertere Aufzeichnungen zu hinterlassen. Ganz in der Tradition bisheriger Expeditionen, (Aus Sicht der Forschung, waren seine bisherigen
Forschungsmissionen durchaus erfolgreich) stellte sowohl Frobenius als auch der ihn auf dieser Mission begleitende deutsch-italienische Philosophie Professor
Dr. Mario Passarge
, diese Reise ebenfalls als Erfolg dar. Passarge veröffentlichte in der Berliner Abendpost vom 11. Mai bis 5. Juni 1915 den Reiseverlauf in 5
Artikeln unter dem Titel: >>Mit Frobenius in Afrika<<. Diese Primärquelle war nur als Kopie in der Pressemappe beim Frobenius-Institut in der Akte `Rote Meer-
Reise´ aufzufinden. Der Völkerkundler Ulrich Braukämper bezeichnet in seiner Arbeit den Bericht (s.u.) als: “Sehr tendenziös und dem offensichtlichen Bestreben
geschrieben, die Unternehmung in ein positives Licht zu rücken. “
Es fällt schwer damalige Berichte oder Abhandlungen auf deutscher, wie auch auf Seiten der
Gegner ohne jede `national-subjektive Nuancierungen´ aufzufinden. Sämtliche am Kriegsverlauf involvierten Parteien waren natürlich bestrebt, ihre Aktionen in
einem positiven Licht darzustellen. Historische Beispiele belegen auch, daß sich nach militärischen Konflikten in erster Linie Aufzeichnungen der Sieger durch-
setzen und sich in der Geschichtsschreibung mit der `Realität der Sieger´ im Bewußtsein nachfolgender Generationen als Faktum manifestieren. Deshalb sollten
Unterlagen mit Vorsicht interpretiert und mit gleichem Maßstab analysiert werden. Dies bezieht sich auf Braukämpers unkritischer Bewertung über historische
Aktivitäten und Veröffentlichungen des britischen Ethnoarchäologen Thomas Edward Lawrence: “der als >>Lawrence of Arabia<< im Ersten Weltkrieg erheblich
zum Sieg der arabischen Stammesverbände über die Türken beitrug.“
(Vergleiche hierzu als Gegendarstellung: `Der falsche Ruhm´ ) Im Tagebuch eines weiteren
Missionsteilnehmers werden einige persönliche Aufzeichnungen zu dieser Reise aufgeführt. Auch diese Primärquelle, von Hieronymus Kistenfeger (s.u.) ist unter
der Bezeichnungen: >>H. Kistenfeger, Notizbuch I+II (Tagebuch) Rumänien-Türkei IV.1+IV.2<< in den Akten des Institutes vorhanden. Frobenius war Zeit seines
Lebens als besessener und schreibwütiger Expeditionsleiter bekannt. Seine 195 Tagebücher sind bis heute nicht komplett ausgewertet worden. Auch aufgrund der
vielseitigen Ausprägung wurden die Ergebnisse seiner Reisen von ihm auch meistens aus unterschiedlichen Perspektiven intensiv beleuchtet und in umfangreichen
Arbeiten publiziert. Trotzdem hat er über die gesamte Reise im Frühjahr 1915 zum Roten Meer nur einen 4-Seitigen Bericht hinterlassen, welcher hier aber nicht zu
Verfügung steht: >> Verlauf der vierten Reise-Periode der Deutschen Inner-Afrikanischen Forschungsexpedition<< Seite 98 - 100, In: Petermanns Geographische
Mitteilungen 62 (1916). “ . . . Ein Großteil des Textes befaßt sich mit deskriptiven Schilderungen bereits bekannter Monumente auf der Arabischen Halbinsel ” (4.)
Ebensowenig sind hier italienische Originalquellen ausgewertet worden, sondern nur Kopien in den Akten des PA / AA. Die digitalen Dokumente sind im dortigen
Archiv allerdings recht umfangreich. Alleine die von Frobenius verfaßten Reiseberichte Nummer I. bis IX. der D.I.A.F.E. der IV. Reiseperiode umfassen über 150
Seiten. Frobenius bezeichnet diese Reise als VI. Reiseperiode; im Frobenius-Institut wird sie aber unter der Akte (Alpha) VII aufgeführt und bei Auflistung aller
Expeditionen
so durchnumeriert. Das ist darauf zurückzuführen, daß Frobenius seine Expeditionen 1910-1912 mit den Zielen Nordwest-Afrika, Nigeria, Süd-Sudan
und Kordofan als III. Reiseperiode zusammengefaßt darstellt und das Frobenius-Institut diese separiert aufführt. Britische Quellen der National Archives liegen zu
diesem Thema hier wiederum nur auszugsweise vor. Entsprechende Unterlagen aus türkischen Archiven konnten hingegen von keinem der Autoren eingesehen
werden, da diese wohl noch unter Verschluß liegen. Wissenschaftlich fast irrelevant und politisch erfolglos, ist die Quellenlage also eher als dürftig zu bezeichnen.
Primärquellen:
Frobenius Institut an der Universität in Frankfurt a.M.: Dokumente des Leo Frobenius Nachlass und Unterlagen zur Expedition ans Rote Meer.
Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin: Geheime Akten betreffend Krieg 1914, 1915 + 1916, , Nr.11g / R 21148 - R 21150.
British National Archives Kew / London, UK: Dokumente des British War (WO)-, Foreign (FO)- und Colonial Office (CO).





TEIL 2 - I. a.) DIE QUELLENLAGE (II. – Sekundärquellen)

Einige Wissenschaftler, die aus unterschiedlichsten Disziplinen stammen, haben sich mit dieser Expedition, den Hintergründen und Teilnehmern intensiver befaßt.
Zwangsläufig sind diese Arbeiten der Sekundärliteratur zuzuordnen, da sie auf den oben aufgeführten Dokumenten basieren. 1974 hatte der äthiopische Historiker
Aleme Eshete in seiner Abhandlungen über >>Politische Abenteurer in Äthiopien<< berichtet, worunter auch Frobenius fällt (s.u.). Eshete wertet aber in erster Linie
nur die Korrespondenz des britischen Foreign Office (FO) aus. Weiterhin muß bei seiner Arbeit die politische Umbruchsituation berücksichtigt werden, in welchem
sich Äthiopien zur Zeit der Buch Veröffentlichung befand. 1974 wurde durch die Revolution, der bis dahin amtierende Kaiser von Abessinien (Neguse Negest) Haile
Selassie I.
als letzter amtierender Regent gestürzt. Da Selassie Zeit seines Lebens versteckter Kritik über die Rechtmäßigkeit seines Salomonischen Anspruchs auf
den Thron ausgesetzt war, wurden während seiner Herrschaft alle Arbeiten und Forschungen bezüglich seines legitimen, und von ihm mit gestürzten Vorgängers
Lij Iyasu V.
, und der zeitgleichen Wirren im Land 1915 /16, (in der Zeit in der Frobenius im Land einreisen wollte) unterdrückt. Viele der Forschungen wurden daher
erst nach 1974 möglich und womit die Ergebnisse Eshete noch nicht zu Verfügung standen. 1980 brachte dann der Orientalist Peter Heine einen 5-Seitigen Artikel
über: >>Frobenius als Politischer Agent<< heraus, in dem er auch die Akten des PA / AA in Berlin, auswertet (s.u.) Braukämper folgte dann zuerst 1994 mit seinem
Beitrag: >>Journey to Eritrea in 1915, Frobenius as Political Agent<< und 2006, die mit Ergänzungen versehene und umfangreichere Arbeit: >>Leo Frobenius als
politischer Agent<< in dem erstmalig alle zu diesem Zeitpunkt zugängliche Quellen berücksichtigt werden (s.u.) Hinzu kommt 2008 der Jurist Heinrich Scholler mit
seiner Buchveröffentlichung und dem Kapitel >>The Frobenius-Hall Mission<< In: German World War I Aims in Ethiopia. Teile davon waren schon 1980 in seinem
Werk: >>Modern Ethiopia, From Accession of Menelik II to the Present<< erschienen. (s.u.) Scholler hatte hier erstmalig auch italienische Dokumente ausgewertet.
Schließlich faßte ein weiterer Historiker, der Spanier Rocío de Riva, 2009 alle vorherigen oben genannte Erkenntnisse in seiner 83-Seitigen Arbeit unter dem Titel:
>>The bizarre Enterprise of Leo Frobenius, aka Abdul Kerim Pasha, in Arabia and Eritrea<< (s.u.), zusammen. Hinzuzufügen ist noch die Arbeit des Historikers
Christoph Franzen, der die intensive Beziehung zwischen Frobenius und Kaiser Wilhelm II. anhand der 234 vorhandenen Briefe auswertet. 2006 noch als Beitrag:
>>Eine Symbiose zwischen Wissenschaft und Politik, – Leo Frobenius und Wilhelm II<< begonnen, widmet Franzen dem Thema im Jahr 2011 ein eigenes Buch:
>>Der Kaiser und sein Forscher, Der Briefwechsel zwischen Wilhelm II. und Leo Frobenius<< (s.u.) Frobenius Expedition wird darüber hinaus noch in den themen-
bezogenen Werken über Äthiopische Geschichte einiger Autoren kurz genannt. Hierzu gehören zum Beispiel die Arbeiten der beiden äthiopischen Historiker Bahru
Zewde
und Bairu Tafla, des amerikanischen Diplomaten und CIA Mitarbeiters in Äthiopien, Paul B. Henze, des Kultur-Wissenschaftlers Wolbert G. C. Smidt, sowie
die des Philosophen Harold G. Marcus. Die wohl umfangreichsten Beiträge auf dem Gebiet der militärischen, historischen, kulturellen, ökonomischen und sozialen
Aspekte hat hier sicher der Brite Richard Pankhurst geleistet. Die oben genannten und weitere spezifischere Quellen werden in den jeweiligen Beiträgen aufgeführt.

Keiner der Autoren geht hingegen auf den genaueren Inhalt oder Verbleib der Geheimdepeschen ein, die Frobenius der deutschen Gesandtschaft in Addis Ababa
zu überbringen hatte. Bei Recherchen konnten auch keine Abschriften ermittelt werden. Es besteht die Möglichkeit, daß sich die Originale noch in britischen oder
italienischen Archiven befinden oder von Frobenius später vernichtet wurden. Der Inhalt der Depeschen die Friedrich Solomon Hall beim zweiten Versuch, im Herbst
1915 in Addis Ababa übergeben sollte, liegen hingegen als Abschriften vor. Die Dokumente, die Major d. R. Othmar Freiherr von Stotzingen und Karl Neufeld dann
beim dritten Versuch im Frühjahr 1916 mit sich führten, sind ebenfalls auszugsweise bekannt. Die eigentliche Mission im Frühjahr 1915 betreffend, werden mit großer
Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten Beiträgen dieses Threads keine neuen Quellen, außer den unten aufgeführten zu erwarten sein. Es handelt sich also mehr
oder weniger um eine Zusammenstellung der vorhandenen Werke der oben genannten Autoren. Die Ausgangssituation in diesem Thread ist hingegen neu und wird
geprägt durch die militär-strategischen Aspekte der deutschen Aktivitäten am Roten Meer während des 1. Weltkrieges. In diesem Zusammenhang ist das Schicksal
der Besatzung deutscher Handelsschiffe in Massawa ein weiteres Kernthema. Lediglich Heine erwähnt überhaupt deutsche Handelsschiffe im Hafen von Massawa
zu diesem Zeitpunkt. Anderen Autoren lassen diesen Aspekt, sowie die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der Geheimmission und den Mannschaften der
deutschen Frachter gänzlich aus. Spezifischere politische Verhältnisse in Äthiopien und die deutschen Beziehungen zu diesem Land werden bereits von Scholler
intensiv beleuchtet und die weiteren Geheimmissionen und Einzelaktionen schon 1998 von McKale in seiner Arbeit: >>War by Revolution<<, oberflächig angerissen.
In den folgenden Beiträgen sollen die politischen und militärischen Machtfaktoren und weitere historische Hintergründe in der politischen Ausgangssituation und Ziel-
setzungen der Alliierten und Mittelmächte sowie deren Aktivitäten und Gegenaktionen in diesem Nördlich- und Östlichen Teil des afrikanischen Kontinents dargelegt
werden. Hierbei sind neue Forschungsergebnisse einiger Wissenschaftler mit eingeflossen. Hilfreich bei dieser Arbeit, ist die bereits in diesem Thread begonnene
Aufstellung der militär-strategischen Situation (derzeit bis September 1915) an der gegenüberliegenden Küste des Roten Meeres, im Hedschaz, Asir und im Jemen.
Sekundärquellen:
1) “ European Political Adventures in Ethiopia at the Turn of the 20th Century “,Aleme Eshete In: Journal of Ethiopian Studies, Volume 12, Part 1 , 1974.
2) “ Leo Frobenius als politischer Agent“ , Ein Beitrag zu seiner Biographie, Peter Heine, In: Paideuma, Band 26, Seite 1 - 5, Cambridge University 1980.
3) “Journey to Eritrea in 1915” – Frobenius as Political Agent, Ulrich Braukämper, Seite 553 - 561, In: New Trends in Ethiopian Studies, Papers of the
12th International Conference of Ethiopian Studies
, Humanities and Human Resources, Harold G. Marcus, Red Sea Press, Michigan State University 1994.
4) “ Im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und politischem Aktivismus – Leo Frobenius als Geheimagent in Nordost-Afrika “, Ulrich Braukämper,
Seite 167-186, In:
Gestalter und Gestalten, 100 Jahre Ethnologie in Frankfurt am Main, K.-H. Kohl, E. Platte, Stroemfeld Verlag, Frankfurt /Basel 2006.
5) “The Frobenius-Hall Mission“ – Chapter C. German World War I Aims in Ethiopia, Seite 42 - 65, In: Recht und Politik in Äthiopien, Von der
Traditionellen Monarchie zum modernen Staat
, Recht und Politik in Afrika, Band 2, Heinrich Scholler, Universität München, Lit Verlag Berlin 2008.
6) “ Lawrence of Arabia's forerunner ” – The bizarre Enterprise of Leo Frobenius, aka Abdul Kerim Pasha, in Arabia and Eritrea (1914 - 1915),
Aufsatz in der `Wiener Zeitschrift für Kunde des Morgenlandes´, Seite 29 -111, Institut für Orientalistik, Rocío de Riva, Wien / Istanbul 2009.

7) “ Eine Symbiose zwischen Wissenschaft und Politik “, Leo Frobenius und Wilhelm II, Christoph Franzen, Seite 21 - 45, In:
Gestalter und Gestalten, 100 Jahre Ethnologie in Frankfurt am Main, K.-H. Kohl, E. Platte, Stroemfeld Verlag, Frankfurt /Basel 2006.
8) “ Der Kaiser und sein Forscher“ – Der Briefwechsel zwischen Wilhelm II. und Leo Frobenius (1924 - 1938), Franzen, Kohl, Recker , Stuttgart 2011.





TEIL 2 - I. b.) DIE PERSON FROBENIUS – Hintergründe britischer Aversion

Wer war dieser Mensch, über den der Dichter und Politiker, Leopold Sedar Senghor äußerte: “Er hat Afrika seine Würde und Identität wiedergegeben“ und über den
Djemal Pascha 50 Jahre zuvor geschrieben haben soll: “ Ich habe die Eigenschaften von Abd el Kerim Pascha und seinen Offizieren erforscht und Ihre Ansichten und
geheimsten Gedanken erkundet. Ich fand was ich suchte: Leute von bester Gesinnung, von edler Abstammung, hohen Zielen und hervorragenden Leistungen.
“ (6.)

Die Briten schrieben hingegen: “He (Frobenius) is one of those scientific Germans to whom the word ``Hun´´ can be applied without raising any controversy “. . . “a
thieving scoundrel “. . .“typical looting German“. . .“charlatan and a dare-devil.
“ (6.) Hintergrund dieser Bemerkungen die Jahre nach dem 1. Weltkrieg von offiziellen
britischen Stellen geäußert wurden, sind die Aktivitäten von Frobenius während der IV. Deutschen-Inner-Afrikanischen-Forschungs-Expedition zwischen 1910-1912;
u.a. in der britischen Kolonie und Protektorat Süd-Nigeria. Hier kommt er mit dem Assistent Resident Captain Charles Partridge in Konflikt. Frobenius gräbt in Ife den
Bronzekopf des Meeresgottes Ori Olokun und mehrere Terrakottaköpfe aus, die er den jeweiligen einheimischen Besitzern des Landes, auf denen er die Grabungen
vornimmt, auch abkauft. Nachträglich fühlen sich diese jedoch übervorteilt und verlangen höhere Preise die Frobenius nicht bereit ist zu zahlen. Nun schalten sich die
Briten ein und setzten sämtliche Expeditions-Mitglieder fest; das Gepäck wird durchsucht, alle Fundstücke konfisziert und Frobenius als “Raubkäufer“ öffentlich vor
Gericht angeklagt. Auch die englische Presse weitet den Vorfall zu einem internationalen Skandal auf und bezeichnet Frobenius als “typisch plündernder Deutscher“.
Zweifelslos geschah der Erwerb unter Ausübung, des für Frobenius typisch martialischem Auftretens; und zweifellos wurde nicht der, soweit überhaupt erfaßbare,
nominelle Wert der Artefakte an die einheimischen Besitzer bezahlt; - ein Diebstahl, den die Engländer daraus zu machen versuchten, - war es aber nicht. (Für den
Bronzekopf hatte Frobenius 6 £ bezahlt.) Die Briten erstatten sogar finanziell sämtliche beschlagnahmten Antiquitäten; trotzdem blieb der von Ihnen einbehaltene
Bronzekopf des Meeresgottes über Jahre hinweg verschollen. Einem Artikel der London News zufolge taucht dieser aber 1948 wieder im britischen Museum auf;
drei Jahre nach dem Ende des II. WK interessierte sich aber hierfür keiner mehr. “. . .Dieser (Partridge) hat dann selbst einige Kisten mit archäologischen Funden
mitgenommen, hat also die Forschung
(von Frobenius) auf seine Weise fortgesetzt, obgleich die Ausfuhr von Altertümern nach seiner (Partridge) Angabe verboten war.“
Textquelle:
Die Suche nach Atlantis, Seite 148, In:
“Leo Frobenius, Ethnologe, Forschungsreisender, Abenteurer“, H.- J. Heinrichs, Wuppertal 1998.

Es war für die Briten unbedenklich, wenn schon Jahre zuvor afrikanische Altertümer vom eigenen Militär erbeutet und anschließend verkauft wurden; daß aber
Ausländer Gegenstände aus ihrem Einflußgebiet entwendet haben sollten, konnte man nicht akzeptieren. Die Fragwürdigkeit des Verhaltens lag britischer An-
sicht nach nicht in dem durch Krieg und Plünderung hervorgegangenem Raub von Antiquitäten durch ihre Landsleute, sondern im vergleichsweise friedlichen
Erwerbsversuch des deutschen Forschers! Selbst Frobenius erwähnt zwar beiläufig, die Eroberung Benins, beschwert sich aber mehr über die dadurch erzeugte
Preissteigerung durch britische Offiziere und Kaufleute.“ Bei einer Strafexpedition, die die Briten 1897 gegen das Königreich Benin im heutigen Westnigeria durch-
führten, gelangte auch der ca. 2.000 Objekte umfassende Staatsschatz in ihre Hand. Als diese Gegenstände zur Deckung der Kosten an Museen und Privat-
sammlungen verkauft wurden, erregten insbesondere mit größter handwerklicher Fertigkeit hergestellte Bronzeskulpturen, denen man die Bezeichnung ``Kunst´´
nicht absprechen konnte, deren Herstellung aber man den Afrikanern nicht zutraute, die Aufmerksamkeit der mit ``primitiver Kultur beschäftigten Experten. Um
seine Variante der Diffusionstheorie zu untermauern, machte sich der deutsche Ethnologe Leo Frobenius in Nigeria auf die Suche nach weiteren solchen Alter-
tümern. Frobenius nahm in
Ile Ife, der traditionellen heiligen Stadt der Yoruba, Ausgrabungen vor und wurde mit mehreren Terrakottaköpfen und einem kunst-
vollen gegossenen Bronzekopf fündig, in denen er einen Beleg für seine aus Ähnlichkeiten zwischen west-afrikanischen und alten mediterranen Mythologien
hergeleitete Theorie von einer atlantischen Kultur sah: Die Kulturträger, durch die auch die künstlerische Fähigkeiten nach Südnigeria gelangt sein sollten,
waren demnach Phönizier gewesen. Trotz des spekulativen Bezugsrahmens seiner Interpretation und obwohl er sich beim Aufspüren und Erwerb der Arte-
fakte wohl recht fragwürdiger Mittel bediente, war Frobenius damit einer der ersten Europäer, die afrikanische Kunst überhaupt Bedeutung zumaßen. In erster
Linie aber zeigte seine ``Entdeckung´´, daß Westafrika zukünftig ein lohnender Gegenstand für archäologische Forschung sein würde. . . . .

Textquelle:
Akademische Geschichtsschreibung in Nigeria, Historiographische Entwicklung und politisch-soziale Hintergründe , Seite 117+118, W. Kaese, Lit-Verlag 2000.

Die beiden Protektorate Nord- und Süd-Nigeria grenzten im Osten an die deutsche Kolonie Kamerun und England war durchaus bereit seine Territorien, deren
exakter Grenzverlauf im Norden nach wie vor nicht komplett vermessen und festgelegt war, eventuell auch auf Kosten der Deutschen zu vergrößern. Erst 25
Jahre zuvor hatte Bismarck zugunsten britischer Ansprüche auf das in Entstehung begriffene deutsche Gebiet Mahinland, östlich von Lagos verzichtet um keine
Konfrontation mit dem übermächtigen British Empire heraufzubeschwören und um mittels Tauschobjekten deutsche Gebietsansprüche in Togo und Kamerun
kompensieren zu können. Auch wenn Frobenius für Südwest-Nigeria eine Grabungs-Lizenz durch Vermittlung erhalten hatte, wurde ein längerer Aufenthalt von
Ausländern von der britischen Kolonial-Administration in Nigeria generell mit großem Misstrauen beobachtet. Die Briten waren gerade dabei, Teile dieser Gebiete
von einem Protektorat-Status in den einer Kronkolonie umzuwandeln. Das vom britischen Hochkommissar und Gouverneur Frederick Lugard erstmalig ins Leben
gerufene System der Indirect rule, versprach zu Beginn eines Herrschaftsanspruchs Erfolge mit dem geringstmöglichen Aufwand. In den Jahren vor dem 1. WW
aber, als Anspruch und Mittel über zukünftige Kolonien konsolidiert worden waren, ist man nun bestrebt diese Machtansprüche endgültig zu festigen. In dieser
Phase konnte man keine, wohlmöglichen Spione im Land gebrauchen. Die Hysterie über tatsächliche; größtenteils aber vermeintlich deutsche Agenten startet auf
britischer Seite nicht erst mit Beginn des 1. Weltkrieges auch in Westafrika. “. . . . . It was just such a concern which had led to the rehabilitation of Abd al-Rahman
al-Mahdi
in the First World War; while in Northern Nigeria trouble with various Islamic groups in the same period was ascribed in part to the work of German agents
from the neighboring Cameroons. (The Sudan government exchanged information with British colonial governments on Islamic matters, mainly with Nigeria.)

Textquelle:
The establishment of Neo-Mahdism in the Western Sudan, 1920-1936 , Seite 387, In: African Affairs, Vol.86, No.344, Awad Al-Sid Al-Karsani, Oxford University 1987.

Frobenius hatte ferner Fehler begangen, indem er die Verhältnisse in der britischen Kolonie Lagos und Protektorat Nigeria aus seiner; ideologisch-ethnologischen,
aber keinesfalls politischen Sichtweise zu kritisieren; und zwar nicht nur in späteren Abhandlungen, sondern schon während seiner Anwesenheit in Nigeria gegen-
über den örtlichen Behörden. Das Britische Empire befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Höhepunkt seiner Macht und kontrollierten ein Gebiet `in
dem die Sonne wirklich niemals unterging´. Die Aktivitäten des britischen Parlamentariers William Wilberforce zur Abschaffung der Sklaverei erbrachten auch die
`moralische Legitimation gegenüber der übrigen Welt mit sich´. Die ökonomischen Hintergründe, der zweifellos von sozialem Engagement und moralisch-ethischem
Anspruch ins Leben gerufenen britischen Abolitionsbewegung, wurden von der englischen Politik als `evolutionären Entwicklung des kapitalistischen Systems´ er-
kannt und global, tatkräftig mit militärischen Mitteln durchgesetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen, daß Entscheidungen des englischen Parlaments
von 1807 und 1833 die Sklaverei abzuschaffen, getragen wurden von der Argumentation; `Der Sklavenhandel und letztendlich die Sklaverei seien für britische
Kapitalisten nicht mehr von ökonomischem Nutzen
´. Der Kampf gegen die menschenunwürdige Sklaverei `im Zeichen der Humanität´ wurde hingegen von allen
Mächten als vorgeschobene Begründung für kolonialistische Expansion besonders auf dem afrikanischen Kontinent vorangetrieben. Die exklusiven Ansprüche der
Briten als elitärer Vorreiter philanthropischer Ideologien äußerten sich u.a. in pathetischen Formulierungen des irischen Historikers William Lecky: “ The unwearied,
unostentatious, and inglorious crusade of England against slavery may probably be regarded as among the three or four perfectly virtuous acts recorded in the history
of nations
”. Frobenius war aber beileibe kein Feind des Kolonialismus an sich; - ihm ging es vielmehr um die verlorene Ursprünglichkeit afrikanischer Kulturen:
Obwohl Frobenius im allgemeinen ein gutes Verhältnis zu den Kolonialbeamten hatte, nahm er ihre Unkenntnis und ihr Desinteresse an den afrikanischen Kulturen
mit Mißbilligung zur Kenntnis. Er erkannte zudem mit erstaunlicher Klarheit, welche Zerstörung der Kolonialismus in der afrikanischen Gesellschaft anrichtete. Mit
Bedauern vermerkte er die zunehmende >>Entsittlichung<<, worunter er die Auflösung der traditionellen gesellschaftlichen Verhältnisse unter dem europäischen
Einfluß verstand. Er prangerte die Zerstörung des hochentwickelten afrikanischen Handwerks an und kritisierte die Minderwertigkeit der europäischen Waren, die
die Handelskompanien nach Afrika importierten. Diese Kritik an der kulturellen Vernichtung führte bei ihm jedoch nicht dazu, daß er das Kolonialsystem insgesamt
in Frage stellte: Er bejahte im Gegenteil den Kolonialismus als politisches und ökonomisches System ausdrücklich.

Textquelle:
“ Leo Frobenius – Vom Schreibtisch zum Äquator “, Afrikanische Reisen, 1. Kapitel – Einleitung, Seite 15, Ute Luig, Frankfurter Societät-Verlag 1982.

Aus heutiger Perspektive bestehen bei Frobenius kolonialistischer Sichtweise wohl keine Kontroversen mehr über deren anachronistische Inhalte. In der damaligen
Epoche und dem herrschenden Zeitgeist, aber mußten seine deutlich publizierten Werke sogar als liberale Einstellung und Kritik an der Kolonialpolitik aller Nationen
verstanden werden. Ob tatsächlich vorhandene Unterschiede zwischen den britischen und deutschen Kolonialpraktiken allerdings mit dem Begriff Britischer Toleranz
erklärt werden können, wie es Suzanne Marchand formuliert, bleibt dahingestellt. (s.u.) Frobenius interpretiert dies in dem genannten Werk: >>Und Afrika sprach<<,
weniger mit britischer Toleranz; – sondern Ignoranz. Britische Wirtschaftspolitik konnte in den Kolonien, seiner Ansicht nach keinem Vergleich mit der wirtschaftlichen
Effizienz deutscher Methoden standhalten, wobei Frobenius aber selber nie als kolonialistischer Aktivist in Erscheinung trat. Ausschlaggebend aber waren seine, nicht
nur in wissenschaftlichen Kreisen aufsehenerregenden, evolutionären Theorien einer eigenständischen Afrikanität und in der Konsequenz, damit verbundenen sozial
notwendigen Reformen. Seine Kritik an den westafrikanischen Verhältnissen mußte damit natürlich mehr an der Glaubwürdigkeit britischer Kolonialpolitik und ihrer
global-moralischen Führungsrolle und ihrem einhergehend, ausgeprägtem imperialistischen Selbstverständnis rütteln, als dies das bei anderen Nationen der Fall war.
Similarly, in his 1912 account of his travels in what is now Nigeria, he offered a long polemical discussion on the evils of indirect colonialism and the cultural mixing
of blacks and whites that occurred in cities like Lagos and Ibadan; British tolerance, he argued, in a section entitled `The serious side of pants-wearing Negrodom
[Hosen-negertum]´, would end in tears; at best it would bring on only economic cataclysm; at worst, we would see `the whole ruling class swamped and negrified´. It
would be better to capitalize on indigenous African industries like wood- and metal-working than to introduce European forms of production and consumer goods into
this alien world. Having traveled through some Africa´s hottest spots, and seen grotesque examples of European arrogance and cruelty, Frobenius simply concluded
that shouldering the white man´s burden would be a trickier proposition - and require more ethnological expertise - than his contemporaries had foreseen. Frobenius´s
horror of English-style Hosennegertum was not at all irrelevant to the sort of African history he wrote. In fact, as he explained in `Und Afrika sprach´, he found the
process of `negrification´ very interesting. For this may have been typical African conditions in earlier times. In this book, which is devoted to [uncovering] the traces of
other cultures, we often speak about the problem of colony-formation. Here we will also be interested in the question, how did older colonial cultures, which were once
established here, collapse, or disappear? He is a bad ethnologist who doesn´t understand how to formulate laws of the phenomena of the present. Thus, Frobenius´s
picture of the Yoruba Atlantis - traces of which remained in the `degenerate´ black cultures of his day - was based on a pessimistic, but not oppositional, theory of
colonization which emphasized the eternal return of imported power of African sloth. . . . .

Textquelle:
Leo Frobenius and the Revolt against the West, Seite 162+163, In:
Journal of Contemporary History, Volume 32, No.2 , S. Marchand, Cambridge University 1997.



Die IV. Deutschen -Inner-Afrikanischen-Forschungs-Expedition als Aquarel von Carl Arriens der diese Reise begleitete.
Original Titel: “ Rückkehr der Expedition aus Kamerun in Eingeborenen-Booten auf dem Tarabba-Benue .“
Bildquelle:
http://palabrasdelaceiba.files.wordpress ... -institut-francfort-alemania-nigeria.jpg



Karte 16
Hier eine graphische Übersicht der Reisen von Frobenius in West- und Zentral-Afrika der Jahre 1904-1912
http://i42.tinypic.com/j0irrn.png
Bildquelle:
Und Afrika sprach . . ., Bericht über den Verlauf der dritten Reise-Periode der D.I.A.F.E. in den Jahren 1910 bis 1912, Seite 30/31, Leo Frobenius 1912 (s.u.)




Nach dem Vorfall in Nigeria war es für das britische Außenministerium ebenfalls `unverzeihlich´, daß das Ziel der von Frobenius geführten Geheimmission im Früh-
Jahr 1915 war: Aufstandsbewegungen im Anglo-Ägyptischen Sudan neu zu entfachen. `Der Horror´ über den Aufstand der Mahdisten und die enorme Anstrengung
zu seiner Niederschlagung von 1884-1899, saß noch tief im Bewußtsein der Briten. Um auch hier das `Prestige und Ansehen seiner Majestät Regierung´ wieder-
herzustellen wurde der 15-jährige Feldzug, nach den beiden Buren-Kriegen im Süden des afrikanischen Kontinents der zweitteuerste in der Geschichte des Britischen
Empire
vor dem 1.Weltkrieg. Und das sollte sich nun nach Vorstellung des Deutschen im Sudan wiederholen? Der folgende Weltkrieg `der alle Kriege beenden sollte´
hatte nicht nur mehrere europäische Großmächte gänzlich, sondern auch das Empire an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Es spielte für die Briten hierbei
keine Rolle, daß diese geheimdienstlichen Tätigkeiten in Verbindung mit Aufstandsbewegungen auf gegnerischem Gebiet auch von ihrer Seite, mit ganz anderen
Mitteln betrieben wurden und dies zum gängigen Repertoire aller kriegsführenden Mächte gehörte. ``Soweit ging der britische Sportsgeist dann nun doch nicht! ´´
Frobenius erhielt hierfür noch Jahre später die Quittung, als er im Juni 1926 bei Behörden in London beantragte, für eine erneute Forschungsreise über Kairo in
den Sudan einzureisen. In dem darauf folgenden geheimen Communiqué (FO 141/787/ 19) des Residenten in Kairo soll angefragt worden sein: “ . . . I think the time
has come when Mr. Frobenius may definitely be placed on the Black List. . . ”
(6.) In der handschriftlichen Fußnote der internen Aktennotiz war dann zu lesen: “ Yes,
on the black list please.
“ [Dies wiederfuhr einem Großteil deutscher Agenten nach dem Krieg die gegen das British Empire tätig waren. In Persien wurden “sie samt
und sonders auf britisches Betreiben auf eine schwarze Liste der unerwünschten Personen gesetzt.
“ (Siehe hierzu: Mitteilungen des Bundes der Asienkämpfer, Nr. 9,
Berlin, 1. September 1921
)] Ein Jahr später erging es Frobenius ähnlich als er zwecks Forschung beabsichtigte über den Belgischen-Congo und Britisch-Tanganjika
als Endziel Uganda zu erreichen. Auch diese Einreise wurde vom Foreign Officeb v kategorisch abgelehnt. – Nein! – Frobenius war wirklich kein Freund der Engländer!
Vergleiche hierzu auch:
Professor Frobenius and the lost Atlantis, THE PRESS, 8. Juli 1911
Frobenius in West African History, In: Journal of African History, Volume 13, No.4, Seite 673-688, J. M. Ita, Cambridge University 1972.
Nigeria 100 Years Ago – Through the Eyes of Leo Frobenius and his Expedition Team , R.Kuba und M.Hambolu, Frobenius-Institut 2010.
Public Expenditure and Development in Southern Nigeria 1900-1912, Seite 108-110, In: The Colonial Office and Nigeria, 1898-1914 , Stanford University 1985.
Frobenius und die atlantische Götterlehre, In: Die Auseinandersetzung mit dem Glaubenssystem der Yorùbá Südwestnigerias im historischen Prozeß, Wien 2012.
Vierzehntes Kapitel, Die archäologischen Funde, Seite 294-322, In: Und Afrika sprach . . ., Bericht über den Verlauf der dritten Reise-Periode der DIAFE in
den Jahren1910 bis 1912
, Leo Frobenius, Chef der Deutschen Inner-Afrikanischen Forschungs-Expedition, Deutsches Verlagshaus Berlin 1912. (pdf. 842 Seiten)
Subsequent enterprises and the terrible reputation of Frobenius in the Foreign Office, S. 99+100, In: Lawrence of Arabia's forerunner, The bizarre Enterprise of
Leo Frobenius, aka Abdul Kerim Pasha, in Arabia and Eritrea (1914-1915)
, Aufsatz in der Wiener Zeitschrift für Kunde des Morgenlandes, Rocío de Riva, Wien 2009.
Von der kolonialistischen Ideologie zur Theorie der Afrikanität, und Die Bedeutung von Frobenius innerhalb der Neubegründung einer Kulturwissenschaft, In:
Eine kritische Untersuchung zur Bedeutung der Kulturmorphologie von Leo Frobenius innerhalb der Neubegründung einer Kulturwissenschaft, Universität Bern 2000.

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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 203667 | Verfasst am: 25.03.2014 - 17:35    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Es bleibt also nach wie vor die Frage unbeantwortet, welches das neunte deutsche Schiff im Hafen von Massawa sein könnte. Vielleicht weiß einer von euch mehr?

Zwei Schiffe der österr. Navigazione Libera Triestina schafften es ebenfalls nach Massaua: Die "Ambra" und die "Moravia". Letztere fuhr bis 1910 beim österr. Lloyd (Lloyd Austriaco). Besteht evtl. die Möglichkeit, das es irrtümlich mit dem Norddt. Lloyd in Verbindung gebracht wurde?

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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 203670 | Verfasst am: 26.03.2014 - 09:21    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Zwei Schiffe der österr. Navigazione Libera Triestina schafften es ebenfalls nach Massaua:
Die "Ambra" und die "Moravia". Letztere fuhr bis 1910 beim österr. Lloyd (Lloyd Austriaco).
Besteht evtl. die Möglichkeit, das es irrtümlich mit dem Norddt. Lloyd in Verbindung gebracht wurde?

Gut gemacht!

Dein Hinweis wäre eine plausible Erklärung, denn weitere Frachtschiffe, die unter deutscher Flagge fuhren habe
ich bisher auch noch nicht gefunden. Zumindest tauchen in den Akten des AA / PA keine weiteren Schiffsnamen auf.
Deinem hilfreichen Hinweis bin ich noch nicht weiter nach gegangen, aber wenn diese beiden Schiffe auch noch im Hafen
von Massawa gelegen hätten, wären wir ja schon bei 10 Frachtern der Mittelmächte während der Zeit von 1914 - 1918(!)

Bei den Italienischen Archiven bin ich auch noch nicht weitergekommen, wie der untere, von Italienisch in Deutsch, übersetzte
Schriftverkehr mit dem sehr freundlichen und hilfsbereiten Besitzer eines Privaten Archives über Italienisch-Eritrea in Ravenna zeigt.
Bisher hatte ich auch noch leider keine Zeit in Begleitung, einer der italienischen Sprache mächtigen Person, mal nach Rom zu fahren.


Zitat:
Sehr geehrter Herr Holger Kotthaus,
ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, daß Sie solange von mir nichts gehört haben, aber ich wollte die Unterlagen in meinem Besitze –
dies verlief nicht ohne Schwierigkeiten - mit den Angaben und Informationen bezüglich der beschlagnahmten Schiffe, welche während des
Weltkrieges 1915-1918 durch die Italiener im Roten Meer nach Massaua geleitet wurden, einer Überprüfung unterziehen.
Ich habe somit nicht nur die Abhandlungen, sondern auch die veröffentlichten Zeitungsartikel in den Tageszeitungen und Zeitschriften vom
Jahre 1915 aufwärts, sowie auch in den bestehenden Aufzeichnungen der Marine, die ich aufbewahre, nichts gefunden.
Ich habe auch die in meinem Besitz befindliche bibliographische Kartei per Hand durchgeblättert (20.000 Karteikarten), aber auch hier konnte ich nichts finden.
An diesem Punkt angelangt stellte ich im Jahre 1991-1992 bei meinen Nachforschungen, die ich im historischen Archivbüro der italienischen
Marine in Rom gemacht habe, dieselbe Situation fest.
Nachdem die Marine in Eritrea per Gesetz verpflichtet war für jede vollzogene Handlung eine Kopie von den Aufzeichnungen davon nach Rom
zu senden.
In Rom müssen die ganzen Unterlagen mit den jeweiligen Berichten über das Aufbringen der Schiffe, der Einvernahme des Schiffspersonals
und alles was die Schiffe und deren Besatzung betraf, vorliegen.
Suchen Sie nicht nach dem Archiv der Marine in Massaua, dasselbe ist während des 2. Weltkrieges verloren gegangen.
Daher rate ich Ihnen sich an das "Ufficio Storico della Marina Militare" (Dienststelle über die historischen Begebenheiten der Marine)
Via Taormina 4, I - 00100 Roma, Telefon/Fax:0039/06/3680-7220,
E-Mail: ufficio storico@marina.difesa.it , zu wenden.
Diese Dienststelle führt aber keine Recherchen für dritte Personen durch, daher muß man persönlich vorsprechen oder einen Fachmann mit
den Nachforschungen beauftragen.
Die Dienststelle für historische Begebenheiten ist zur Einsichtnahme der kompletten Dokumentation für das Publikum von Montag bis Freitag,
nach vorheriger Vereinbarung unter Telefon 0039/06/36807233 oder 0039/06/36807226(für das historische Archiv) 0039/06/36807234 (für das
Bildarchiv), geöffnet.
Bis hierher bin ich gekommen, bedauere, daß ich nicht für Sie mehr tun konnte.
Ich wäre Ihnen unendlich dankbar, wenn Sie bei Ihren weiteren Nachforschungen mir Ihre Ergebnisse mir mitteilen könnten.
Ich bedanke mich auch für den Brief und den darin befindlichen schönen Postkarten aus Eritrea.
Stehe Ihnen, soweit es mir möglich ist, zur Verfügung und würde mich geehrt freuen, wenn ich mich mit Ihnen noch einmal treffen könnte.
Mit freundlichen Grüßen
(XXXXX)



Wo gab es den den Hinweis mit den Schiffen in Massawa?
.
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LTDAN
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BeitragBeitrags-Nr.: 203671 | Verfasst am: 26.03.2014 - 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

GOOGLE: schiffe massaua 1915
ergibt:
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=20974.0

cross-reference:

http://www.theshipslist.com/ships/lines/nlt.shtml

GOOGLE: Ambra Moravia Massaua

ergibt:
http://books.google.de/books?id=1fay3hvF ... ;q=ambra%20moravia%20massaua&f=false
(Von Kaisern, Konsuln und Kaufleuten Band 2: Die k. (u.) k. Konsulate ..., Band 2)

Das Buch könnte über die Quellenverweise weiter bringen. Aden und Ähnliches kommt auch drin vor......
Bin terminlich wg. Ausgrabung stark eingespannt, deswegen die Antwort diesmal kurz und knackig Lachen

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