Mpi-Schützen
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Herman
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BeitragBeitrags-Nr.: 186570 | Verfasst am: 05.07.2010 - 14:34    Titel: Mpi-Schützen Antworten mit Zitat

Hi hab nochma ne Frage: In verschiedenen russischen Publikationen insbesondere (z.B. Popjel: "Aus schwerer Zeit") aus der Zeit vor 1990 wird erwähnt, dass innerhalb der sowjetischen Streitkräfte in den Jahren 1941/42 eine vehemente Furcht vor deutschen Mpi-Schützen (also vermutlich mit Mp 40 ausgerüstete Soldaten) vorherrschte. Dass es auf der erhöhten Feuerkraft beruhte, ist in soweit verständlich. Auch Kalaschnikow erwähnt diesen Sachverhalt als Inspiration seines berühmte Sturmgewehrs.
Nun zu meiner Frage: Wurden an der deutsch-sowjetischen Front 1941/42 denn wirklich konzentriert Mpi-Einheiten (Panzergrenadiere) eingesetzt? Bei einer laut Wikipedia Gesamtproduktion von einer Million Mpi 40 über den den gesamten Kriegszeitraum erscheint mir das unwahrscheinlich. Zumal nach Dienstvorschrift zumindest bis 1942 die Mpi 40 eine sog Zugführerwaffe darstellte.
Desweiteren habe ich russische Gefechtsberichte gelesen, wo lapidar vermerkt wurde: "Keine Gefangene, waren Mpi-Schützen..."
Könnte man eventuell davon ausgehen, dass die Stoßtrupptaktik aus dem ersten Weltrkrieg an der Ostfront fortgesetzt wurde?
Ich bin echt ma auf eure Antworten gespannt.

VG Herman
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PIV
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BeitragBeitrags-Nr.: 186571 | Verfasst am: 05.07.2010 - 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe zwar das Buch von Popjel nicht gelesen und kann daher nichts zum Thema Glaubwürdigkeit sagen, kann mir aber vorstellen, daß man zum einen hier MG-Schützen mit MPi-Schützen verwechselt oder entsprechend falsch übersetzt oder eben beide vermischt hat.

Denn diese Waffe hat ja praktisch seit den ersten Kriegstagen große Opfer unter den Sowjets verursacht, wohl deutlich mehr, als die nicht umfangreich vorhandenen MPi.

Und zum anderen hat man wohl MP-Schützen dann offensichtlich deshalb ebenfalls erschossen, weil man eben hier zwangsläufig eine höhere Todesrate bei den Besitzern solcher automatischen Waffen unterstellte und vielleicht auch annahm, diese nicht so häufig vorkommenden Waffenträger sind hochrangig oder haben einen besonderen Status etc.

Das zumindest dt. MG-Schützen praktisch den ganzen Krieg hindurch kaum Gnade im Falle der Gefangennahme zu erwarten hatten habe ich auch schon mal irgendwo gelesen, daß dies auch auf MPi-Schützen zutraf ist mir neu, aber wäre nicht verwunderlich.

Mal davon abgesehen, daß 1941/42 ja wohl kaum ein dt. Soldat eine Gefangennahme (lange) überlebt hat.


Zuletzt bearbeitet von PIV am 05.07.2010 - 18:16, insgesamt einmal bearbeitet
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Herman
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BeitragBeitrags-Nr.: 186576 | Verfasst am: 05.07.2010 - 18:05    Titel: Vertiefung Antworten mit Zitat

Also Popjels Buch wird hier im Forum unter dem Thread "Dubno" (Suchwort) zerpflückt und dem Autor eine ganze Reihe von Unwahrheiten nachgewiesen. Bemerkenswert erscheint mir, dass ein hoher Politkommissar solch Schwächen unumwunden zugibt, denn sonst hat er ja angeblich mit Teilkräften des 8. Mech. Korps Ende Juni 41 die 16. PD förmlich zerlegt Zwinkern Ich zitiere mal:

"Doch trotz allem, langsam und allmählich begannen die Kämpfer, sich von der Furcht vor den dröhnenden Feuer und Blei spendenden deutschen Panzern frei zu machen. Genauso langsam gewöhnten sich die Soldaten die Angst vor den deutschen MPi-Schützen ab. Aber auch hier musste das Vorbild der Offiziere, vor allem der Politarbeiter, weiterhelfen."

(Popjel, S. 332)

In mehreren Passagen dieses Buches kommt diese Furcht zum Tragen. Das nur zur Ergänzung, thx für die schnelle Antwort! VG Herman
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PIV
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BeitragBeitrags-Nr.: 186578 | Verfasst am: 05.07.2010 - 18:24    Titel: Antworten mit Zitat

Nun ja, wie schon gesagt, ich denke, da verwuselt Popjel MG und MPi, und grundsätzlich kann er damit auch die sicher ganz normale Kriegspsychose gemeint und beschrieben haben, wenn eine kriegs-und kampfunerfahrene Armee in auch noch äußerst verlustreiche und sich sehr schnell verändernde Kämpfe und Situationen verwickelt wird, zumal gegen eine ings. recht gut mit automatischen Waffen ausgerüstete Armee (MG, MPi, Flak, Bordwaffen der gepz. Fahrzeuge usw.)
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Christian
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BeitragBeitrags-Nr.: 186587 | Verfasst am: 05.07.2010 - 23:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Diese "Mpi-Schützen-Frage" habe ich mir auch schon einmal gestellt. Und zwar nach der Lektüre von Konstantin Simonows "Die Lebenden und die Toten". Da wird 1941 auch ständig von deutschen Mpi-Schützen gesprochen, welche von LKW abspringen Verrückt

Grüße,
Christian
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Achim61
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BeitragBeitrags-Nr.: 186590 | Verfasst am: 06.07.2010 - 08:09    Titel: Sonstige Waffen Antworten mit Zitat

Hallo - Also ich kann mir das in der geschriebenen Art nicht vorstellen. Seht Euch doch mal die Bewaffnung in den ID s der Wehrmacht an. Die Hauptbewaffnung war der Karabiner und meist hatten nur Gruppen- oder Zugführer eine MPi. Selbst bei den Aufklärungseinheiten - Kradschützen war der Stand 1941 so. MG und lMG ja aber eine durchgehende Bewaffnung einer Kompanie mit MPi s ?????

Gruß - Achim61
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 186591 | Verfasst am: 06.07.2010 - 08:36    Titel: Antworten mit Zitat

Leute, wir brauchen uns doch hinsichtlich des Inhalts der Sowjet-Memoiren-Literatur wohl kaum Illusionen machen...oft genug ist ja nicht mal sicher, ob das Geschriebene von der Person stammt Zwinkern

Laut Molotov hat die Wehrmacht ja auch russische Kinder als lebende Zielscheiben benutzt...

Winken

Jan-Hendrik
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Herman
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BeitragBeitrags-Nr.: 186592 | Verfasst am: 06.07.2010 - 09:21    Titel: Antworten mit Zitat

Jan Hendrik, irgendwas muss da aber dran sein, deswegen stellte ich diese Frage zur Diskussion. Die Beiträge der Kollegen haben meine Zweifel ja weitgehend bestätigt. Über den Wahrheits-Wert sowjetischer Memoiren-Literatur brauchen wir net diskutieren, das ist klar. Aber dieser Sachverhalt betreffs massivem Einsatz von MPi-Schützen wird dort in vielen Fällen geschildert, was eine Ursache haben muss. Wäre schön, wenn wir das ergründen könnten.

VG
Herman
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Jan-Hendrik
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BeitragBeitrags-Nr.: 186593 | Verfasst am: 06.07.2010 - 09:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe das eher als eine Art Vorwand, der vor der Veröffentlichung vorgegeben wurde, um halt das mannigfache (und damit wohl kaum unbekannt gebliebene) Abschlachten deutscher Kriegsgefangener ein wenig zu rechtfertigen Zwinkern

Meine Meinung

Jan-Hendrik
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Achim61
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BeitragBeitrags-Nr.: 186594 | Verfasst am: 06.07.2010 - 09:40    Titel: Sonstige Waffen Antworten mit Zitat

Na ich sehe es eigentlich mehr als Begründung für die riesigen Verluste der RA zu Beginn des Krieges.

Gruß - Achim61 :winken:
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Herman
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BeitragBeitrags-Nr.: 186598 | Verfasst am: 06.07.2010 - 12:03    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, wenn ich weiter nerve Zwinkern Aber meine Frage beruht letztlich net nur auf Memoiren/Roman-Literatur, sondern auch oben genannten Gefechtsberichten (leider muss ich hier einen konkreten Beleg schuldig bleiben). Ich denke mal net, dass dort eine Verwechslung MG/MPi vorlag. Irgendwie scheinen die Sowjets ihre mit dieser Waffe ausgerüsteten Gegner net sonderlich gemocht zu haben Zwinkern. Die spätere breite Verwendung von selbstkonstruierten Modellen (Schpagin etc.) spricht aus meiner Sicht ebenfalls für eine gewisse deutsche Vorbildwirkung. Weiß jemand, in welchem Umfang die RA mit solchen Waffen ausgestattet war?

VG
Herman
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Achim61
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BeitragBeitrags-Nr.: 186599 | Verfasst am: 06.07.2010 - 12:31    Titel: Sonstige Waffen Antworten mit Zitat

Also Du nervst überhaupt nicht. Lt. meinen Unterlagen wurde die PPSch-41 rund 5,5 Millionen mal hergestellt. Interesant ist vielleicht das diese Waffe schon 1940 von Schpagin konstruiert wurde - ihren Masseneinsatz aber erst ab 1941 begann.

Gruß - Achim61
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Hoover
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BeitragBeitrags-Nr.: 186600 | Verfasst am: 06.07.2010 - 12:45    Titel: Antworten mit Zitat

Es gab Vorläufer der PPSh 41, wie die PPd 1940.
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Achim61
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BeitragBeitrags-Nr.: 186602 | Verfasst am: 06.07.2010 - 13:02    Titel: Sonstige Waffen Antworten mit Zitat

Das ist absolut richtig. Bitte aber beachten das der "Masseneinsatz " erst 1941 begann. Soweit ich gelesen habe wurden vorher diese Waffen nur an Spezialeinheiten des damaligen NKWD s gegeben.
Vielleicht sollte hier auch das Buch "Iwans Krieg " von Catherine Merridale mal wieder genannt werden was sich ja sehr ausführlich mit der RA beschäftigt

Achim61
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PIV
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BeitragBeitrags-Nr.: 186622 | Verfasst am: 07.07.2010 - 09:14    Titel: Re: Sonstige Waffen Antworten mit Zitat

Achim61 hat Folgendes geschrieben:
Na ich sehe es eigentlich mehr als Begründung für die riesigen Verluste der RA zu Beginn des Krieges.

Gruß - Achim61 Winken


Sehe ich auch so. Da suggeriert man eine materielle "Übermacht" des Gegners um die hohen Verluste zu rechtfertigen, und schon tauchen dann überall dt. MPi-Schützen auf. Und dann begründet man damit und einer angeblichen Wut darüber den Fakt, daß 1941/42 die RA vom ersten Kriegstag an praktisch keine (über)lebenden Gefangenen gemacht hat.

Man sollte auch nicht vergessen, daß das Buch von Popjel ein klares Produkt der sowj. Heldenmärchenzeit ist und schon in den 60-igern geschrieben wurde.


Zuletzt bearbeitet von PIV am 07.07.2010 - 11:37, insgesamt einmal bearbeitet
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