1.WK / Einsatz von SM U 35 vor der Libyschen Küste
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 186780 | Verfasst am: 12.07.2010 - 16:25    Titel: 1.WK / Einsatz von SM U 35 vor der Libyschen Küste Antworten mit Zitat

(Da mich besonders die etwas unbekannteren Geschehnisse an etwas exotischeren Orten während des 1.WK faszinieren,
hier eine weitere Randepisode. Da darüber aber schon ausreichend geschrieben wurde, werde ich den Vorgang nur kurz
umschreiben und Aussagen nur zusammenstellen. Weitere Details kann man den sehr detailierten Links zu diesem Thema
entnehmen. Das Ganze hat für mich auch immer einen gewissen Lerneffekt, da ich sonst auch nur ein paar Bruchstücke über
ein Thema lese und erst im Laufe der Zeit durch das Zusammentragen und schriftliche `Festhalten´ von Informationen dazulerne.)



1.WK / Einsatz von SM U 35 vor der Libyschen Küste


Hintergrund

Das deutsche U-Boot SM U 35 unter Korvettenkapitän Waldemar Kophamel wird im Frühjahr 1915 in das Mittelmeer verlegt.
Ende Oktober 1915 werden zehn türkische Offiziere und Kriegsmaterial übernommen und in Bardia an der Libyschen Küste
abgesetzt. Einige Tage später, am 5. November 1915 wird östlich im ägyptischen Hafen Sollum der englische Frachter TARA
topediert und die beiden ägyptischen Küstenschutz-Dampfer NUHR-EL-BAHR und ABBAS durch Geschützfeuer versenkt.
Am nächsten Tag beschießt SM U 35 noch die Hafenbefestigungen von Sollum.

Der Grund der Geheimaktion ist es die im Land befindlichen Libyschen Guerillakämpfer der Senussi und Türkischen Verbände
zu unterstützen und somit Italienische Kräfte in Nordafrika zu binden. Der weitere Strategische Wert dieser Maßnahme ist in einer
auch von Westen gegen den Suez Kanal im Britisch besetzten Ägypten Zangenbewegung zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt versuchen
die Türkischen Verbände über die Sinai Halbinsel Ebenfalls ein Offensive von Osten voranzutreiben. Der Aufstand der Senussi gegen
Italienische und Britische Kolonialherrschaft wird trotz Mangelhafter Unterstützung von Seiten der Türkei begonnen.



Türkische Soldaten und Libysche Senussi während des 1.WK in der östlichen Cyreneika

http://i25.tinypic.com/2j6a05u.jpg http://i25.tinypic.com/2cniekx.jpg



Quellen:

SM U 35 in Wikipedia (dt. Beitrag)
http://de.wikipedia.org/wiki/SM_U_35

LIBIA E NEL SAHARA 1914-1918 (ital. Beitrag mit vielen Detailfotos)
http://www.arsmilitaris.org/pubblicazioni/Libia.pdf

The Western Desert / Agagia Campaign (engl. Beitrag der Kämpfe gegen die Senussi)
http://www.keepmilitarymuseum.org/middleeast/agagia.php?&page=1

Senussi Opstanden (1915-1917) (dän. Beitrag der Kämpfe gegen die Senussi)
http://www.chakoten.dk/cgi-bin/fm.cgi?n=942

`The Senussi´ (engl. detail story)
http://www.greatwardifferent.com/Great_War/Turks/Senussi_01.htm

The dessert Column 1884-5 (Ägyptisches Kamel-Korps)
http://www.savageandsoldier.com/sudan/DesertColumn.html



Kennen andere vielleicht noch weitere Links oder Hinweise zu dem Thema?

Gruß Holger


Zuletzt bearbeitet von Holger Kotthaus am 03.08.2010 - 18:41, insgesamt einmal bearbeitet
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 187095 | Verfasst am: 26.07.2010 - 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hier noch ein paar Links zu diesem Thema:

Fotos von SM U 35 im Einsatz:
http://www.worldwar1.com/arm012a.htm

Hintergründe und Fotos zur Versenkung der HMS „TARA“ am 5.11.1915 vor Sollum:
http://www.anglesey.info/HMS%20_Tara.htm
http://www.gtj.org.uk/index.php?id=4796&L=0

The campaign in the Western Desert:
http://www.1914-1918.net/wff.htm
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 187276 | Verfasst am: 03.08.2010 - 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

Auch wenn wir uns damit immer mehr vom ursprünglichen, `Maritimen Grundcharakter´ des Threads entfernen;

Die Geschichte geht auch hier weiter. Nachdem die Türken nach dem ersten Weltkrieg das Land verlassen,
führen die Einheimischen in Libyen einen jahrelangen Kleinkrieg gegen die Italienischen Kolonisten fort.

Dies geschieht in erster Linie von der Oase Kufra aus. Dies ist das Wiederstandzentrum der Senussi und liegt
1200 km tief in der Südöstlichen Libyschen Sahara. Darüber ist übrigen ein Hollywood Film mit Antony Quinn
und Oliver Reed gedreht worden: Omar Mukhtar - Der Löwe der Wüste
Ausschnitt: http://www.youtube.com/watch?v=MLXawKC9-vM
http://www.amazon.de/Omar-Mukhtar-Anthony-Cinema-Classic/dp/B001DIXAO6


Der Webmaster der Forums Deutsches Afrika-Korps, der selber seit Jahren in Libyen lebt, wird hierzu im
Dezember ein Buch veröffentlichen. http://www.deutsches-afrika-korps.de/viewtopic.php?f=151&t=5695

Gruß Holger
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 187907 | Verfasst am: 28.08.2010 - 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

Das Thema SM U 35 und die Kämpfe in Libyen 1914 - 1918 werden auch hier besprochen:

„Senussi War German U-Boot U-35“
http://www.deutsches-afrika-korps.de/viewtopic.php?f=73&t=3799


Hier auch noch mal die Frage; kennt einer von euch einen weiteren Einsatz eines deutschen U-Bootes vor der
Libyschen Küste bei Sabratah (200 km östlich von Tripoli) im 1.WK. Kann es sich ebenfalls um SM U 35 handeln?

Der nachgewiesene Einsatz von SM U 35 bei Sollum und Bardia, im Oktober 1915 an der ägyptischen Grenze fand ja
2000 km weiter östlich statt. Es scheint sich in beiden Fällen hierbei um eine Art Kommandounternehmen der kaiserlichen
Marine gehandelt zu haben, bei dem verbündete Türkische Offiziere und Nachschub für die Libyer abgesetzt wurden.

Übrigens bin ich nicht davon überzeugt dass es sich auf der Sete von Wikipedia, oben rechts, um SM U 35 handelt.
Was meinen die Fachleute dazu? (Kann z.Z. den Link nicht angeben, da ich keine Verbindung aufbauen kann)

Gruß Holger
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BeitragBeitrags-Nr.: 187964 | Verfasst am: 30.08.2010 - 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
kennt einer von euch einen weiteren Einsatz eines deutschen U-Bootes vor der Libyschen Küste bei Sabratah


Folgendes gibts es im Zusammenhang Dt. U-Boote/Senussi noch so im Netz:

http://www.roll-of-honour.com/RoyalNavy/SubmarinesWW1.html
The German Navy occasionally used Mediterranean U-boats to supply Senussi forces in North Africa, and submarines on all sides dropped or rescued agents behind enemy lines.

http://www.1911encyclopedia.org/Senussi_And_Senussites
By Aug. 1915 the Germans were using the landing places between Sollum and Tobruk as submarine bases.

Könnten also mehrere Einsätze stattgefunden haben

Mit dem Quellenverzeichnis (despatches of Sir John Maxwell, Sir Archibald Murray and Sir Reginald Wingate) gelangt man recht präzise an die Archiveinträge der London Gazette
Habe Dir mal repräsentativ einen davon rausgesucht:
http://www.london-gazette.co.uk/issues/30102/supplements/5327

(The Times History of the War, vol. IX gibt es bei archive.org nicht)

Vielleicht bringt das noch weiter

http://www.vlib.us/wwi/resources/egyptiancampaign.html
A Summary of the Strategy and Tactics of the Egyptian and Palestine Campaign
With Details Of The 1917-18 Operations Illustrating The Principles Of War
by Lieut. Colonel A. Kearsey


Zu guter letzt vielleicht noch aus der New York Times vom 23. 02. 1916
http://query.nytimes.com/mem/archive-free/pdf?_r=1&res=9D03E5D9103FE233A25750C2A9649C946796D6CF

Viel Erfolg!

NACHTRAG
auf deutsch suchen hilft auch Lachen

http://de.wikipedia.org/wiki/SM_U_38

Zitat:
Die siebente Fahrt (20. Oktober - 11. November 1915) führte U 38, auf einen Antrag des Kommandanten, ins Mittelmeer. Diesmal wurden 14 Schiffe mit 47.460 BRT versenkt. Die nächsten Operationen erfolgten von den Stützpunkten Cattaro und Pola aus. Darunter war ein ungewöhnlicher Auftrag: Am 9. Dezember 1915 verließ U 38 Cattaro zur Versorgung des islamischen Senussi-Ordens mit Material und Personal. Die Senussi kämpften in der libyschen Wüste gegen die britische und italienische Kolonialmacht, was im Interesse der Mittelmächte lag. Dazu nahm U 38 das mit Fracht beladene, kleinere U-Boot UC 12 in Schlepp. In der Straße von Otranto musste das Schlepptau aufgrund von feindlichen Überwasserstreitkräften gelöst werden. Die beiden Boote konnten sich danach nicht mehr wiederfinden, so dass U 38 seine Fahrt allein fortsetzte, um schließlich Bardia an der libyschen Küste zu erreichen.
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 187967 | Verfasst am: 30.08.2010 - 20:11    Titel: Antworten mit Zitat

Wow. . . - Krank -

Bin ja auch kein fauler Mensch und suche auch immer erst im Net, bevor ich andere die Arbeit machen lasse,
aber soweit bin ich die letzten Tage nicht gekommen. Irgendwas mache ich wohl falsch.
Hab´s halt nicht `Von der Picke auf gelernt´. Geadelt bist du ja schon per PIN. - Gut gemacht! -

Das mit SM U 38 und sogar fast mit UC 12, habe ich aber sonst noch nirgendwo im Zusammenhang mit der
Unterstützung der Libyer und Türken im 1. WK gelesen. Da ganze muß ja dann im unmittelbaren Anschluss
der Aktion von SM U 35 vor Bardia geschehen sein. Wirklich interessant. Die anderen Links muß ich mir noch
In Ruhe durchlesen. Wird´s dann hier zusammenfassen . . . (aber erst wenn ich in DOA weiter bin, - versprochen!)

Gruß Holger Winken
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BeitragBeitrags-Nr.: 187984 | Verfasst am: 31.08.2010 - 11:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Bin ja auch kein fauler Mensch und suche auch immer erst im Net, bevor ich andere die Arbeit machen lasse


karibu rafiki yangu: Sisi sote tunasaidiana Zwinkern
(Für vernünftiges swahili langt es bei mir nicht ganz, aber verständliches KiKAR bekomme ich gerade noch hin)

Das Ganze ist ja auch ein hoch interessanter Themenkomplex
Und das Buch ist übrigens wirklich ein Schatzkästchen Gut gemacht!
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 188084 | Verfasst am: 03.09.2010 - 12:56    Titel: Antworten mit Zitat

Wieso Kisuaheli? – Wir sind doch jetzt im arabischen Raum, Mishh muschkellah = (Alles kein Problem)
Zitat:
Und das Buch ist übrigens wirklich ein Schatzkästchen

Stimmt!!!! Wusste übrigens gar nicht dass Wilhelm Canaris -vom 16. September bis 15. November 1917 bei diesen Aktionen Kommandant auf U 38 war.



Der folgende Textauszug stellt die gesamte Thematik umfassend zusammen und zeigt erstmalig auf, daß es sich bei den Tätigkeiten der deutschen
U-Boote im Mittelmeer zwischen österreichischen und türkischen Häfen im Norden und der nordafrikanischen Küste in Libyen während des 1. WK nicht
nur um eine oder zwei Einzelfahrten handelte. Vielmehr wurde versucht, eine ständige Versorgung der türkisch-libyschen Kräfte mittels U-Booten auf-
zubauen. Hierbei gelang es, neben dem Munitionsnachschub, ganze Infanterie-Kompanien, Feldgeschütze und Maschinengewehre zu transportieren.



(Kapitel) VIII. Nachschub für Libyen

Deutsche U-Boote führten nicht nur Kampfaufträge aus, sie unternahmen auch wichtige Versorgungsfahrten für die Unterstützung
der türkischen Positionen in Libyen, daß seit mehreren Jahren Kriegsgebiet war. Ende September 1911 hatten die Italiener den
Kampf gegen des Osmanische Reich eröffnet, nachdem sich der Sultan weigerte, Tripolis und die Cyreneika an Rom abzutreten.


Den Ambitionen des italienischen Königreiches kam entgegen, daß die Pforte die Provinz von Tripolis über Jahre hinaus vernachlässigt
und den Schutz des Gebietes allein einer schwachen Nazimdivision anvertraut hatte. Nur 13 Bataillone konnten die Türken gegen die
Invasoren ins Feld führen
. Zudem bestand in Tripolis keine allgemeine Dienstpflicht, so daß es weder Reservisten noch Rekruten gab,
um die türkischen Verluste auszugleichen.


Auch vermochte es die schwache osmanische Flotte nicht, Ersatz über See heranzuschaffen. Aber immerhin konnte Enver,
damals noch Bey, zusammen mit Mustafa Kemal den Wiederstand der einheimischen Bevölkerung erfolgreich organisieren.
Enver berichtete hierüber in einem Schreiben vom 28. November 1911:

>> Alle Araberstämme schicken mir Krieger. In kleinen Trupps kommen sie an. Jeder hat ein altes Gewehr auf der Schulter, die
Patronen sorgsam eingewickelt und einige Kilo Mehl mit sich. 10 Kriegern folgt gewöhnlich immer ein Kamel. Es ist mit einem Zelt
beladen, das ihnen gemeinsam dient. Zwei Frauen ihres Stammes begleiten Sie, um das Brot zu backen, die Kleider zu nähen und
die Waffen zu reinigen. Sie folgen ihnen aber auch in den Kampf, feuern sie an, schaffen die Verwundeten weg und verbinden sie;
sie stimmen die Klagelieder für die Gefallenen an. Unter den Neuankommenden sind auch Greise mit weißen Bärten und 15-jährige
Knaben. Ihr Alter hindert sie nicht, mit den anderen in Todesverachtung zu wetteifern.
<<



Nach dem Frieden von Lausanne vom 18. Oktober 1912 fand der Konflikt sein vorläufiges Ende. Der Sultan erkannte die Autonomie von Libyen an
und verpflichtete sich, Tripolis und Benghazi zu räumen. Die Italiener, die der Krieg 1432 Gefallene, 1948 an Krankheit Verstorbene und 4220
Verwundete gekostet hatte, sollten ihres Sieges nicht recht froh werden, denn sie konnten die neue Kolonie erst 1932 endgültig >>befrieden<<.

Die Türken spielten vorerst auf Zeit, ihre Truppen und treue Senussi zogen sich in den Süden zurück und warteten auf eine Wiederaufnahme des
Kampfes gegen die Italiener
. Außer ihrer bescheidenen militärischen Macht verfügten die Türken noch über eine politisch-religiöse Trumpfkarte:
Der Sultan war zwar nicht mehr Souverän von Libyen, ihm verblieb aber als Kalif die religiöse Oberhoheit. Nach dem Kriegseintritt an der Seite
der Mittelmächte proklamierte die Türken in der Oase Kufra den Heiligen Krieg gegen die Engländer und Italiener. Ende 1914 brach in Südwest-
Tripolitanien
ein Aufstand aus, der sich rasch ausbreitete und die Italiener zur Aufgabe des gesamten inneren Tripolitaniens zwang.

Allerdings scheiterte der Plan, durch einen koordinierten Angriff der Senussi auf Westägypten und den gleichzeitigen Vorstoß türkischer Verbände
gegen den Suezkanal die britische Position in Ägypten zum Einsturz zu bringen und das Land für die Pforte zurückzuerobern. Die Leitung der arabisch-
türkischen Operationen
in Nordafrika übernahm im Februar 1915 Nuri Bey, der jüngere Bruder Enver Paschas. Schließlich erklärte Rom der Türkei am
20. August 1915 den Krieg, beschränkte sich in Libyen aber praktisch auf die Verteidigung von einigen Küstenpunkten. Bei ihrem Feldzug gegen die
Engländer hatten die Senussi anfangs durchaus Erfolge. Im November 1915 räumten die Briten Sollum und Sidi Barrani in der westlichen Wüste und
zogen sich nach Marsa Matruk zurück. Im Februar 1916 besetzten die Beduinen die Oase Bahariya 200 Meilen südwestlich von Kairo. Die Engländer
gingen zum Gegenstoß über und eroberten Sollum am 14. März 1916 zurück. Es sollte jedoch noch bis zum Februar 1917 dauern, bis die Senussi-
Truppen
unter Sayidd Ahmed in Westägypten besiegt waren und die Oase Siwa aufgeben mußten.

Die Senussi stellten auch eine Bedrohung für die französische Garnison in der Oase Djanet dar und nahmen die gesamte Truppe nach neuntägigen
Kämpfen gefangen. Unterstützung fanden die libyschen Beduinen bei einigen Tuareg-Stämmen, die sich gegen die Pariser Kolonialherrschaft auflehnten.
Die Versorgung der Truppen in Afrika stellte die Türkei vor nicht unerhebliche Probleme. Nur gelegentlich kämpften sich Blockadebrecher aus
Konstantinopel bis zur libyschen Küste durch. Das deutsche Kaiserreich sprang auch hier helfend für den Verbündeten ein. Zwar mißlang der Plan
der Sektion Politik des Generalstabes des Feldheeres, den anti-italienischen Freiheitskampf der Senussi durch einen deutschen Agenten koordinieren
zu lassen, denn der Unruhestifter, der Reserveoffizier Dr. Otto Mannesmann von den Württemberger Ulanen, wurde bereits 1916 in Tripolis von
Einheimischen erschossen. Wirksame Hilfe für die Insurgenten aber brachte die kaiserliche Marine. Deutsche Unterseeboote beförderten Nachschubgüter.



Enver Pascha hatte die Deutschen bereits Ende Oktober 1915 um den Einsatz eines Versorgungs-Unterseebootes gebeten, das Munition,
Geschenke und einen Brief des Kalifen an die von den Senussi kontrollierte Küste bringen sollte. U 35 (Korvettenkapitän Kophamel) war das
erste U-Boot, das Kriegsgerät und Soldaten nach Bardia transportierte. Auf der Orak-Insel in der Nähe von Bodrum übernahm Kophamel zehn
türkische Offiziere sowie Munition und machte sich auf den Weg nach Nordafrika. Soweit die Wetterverhältnisse es zuließen, nahm er zwei türkische
Schoner, beladen mit 120 Soldaten und Munition, in Schlepp
. Der Konvoi erreichte wohlbehalten Bardia, wo U 35 seine Ladung löschte. Am 5.
November versenkte Kophamel im Golf von Sollum den bewaffneten britischen Dampfer Tara und drang anschließend in den Hafen von Sollum ein,
wo er ein Kanonenboot zerstörte und ein anders beschädigte. Weitere Versuche, durch U-Boote Segelschiffe ziehen zu lassen, sollte es nicht mehr
geben. Ein derartiger Konvoi war zu gefährdet, sollten feindliche Seestreitkräfte auftauchen.

Aber auch die nächste Aktion der Marine zur Versorgung der Senussi war ausgefallen genug: Am 9.12.1915 verließ U 38 (Korvettenkapitän Max
Valentiner
) Cattaro mit dem schmalen Transport-U-Boot UC 12 im Schlepp. In der Otranto-Straße zwangen feindliche Überwasserstreitkräfte
die Boote, die Trosse zu lösen. Die beiden Unterseeboote konnten sich anschließen nicht wiederfinden und U 38 setzte die Fahrt alleine nach
Bardia fort. Am 13. Dezember 1915 nahm U 39 das kleine UC 12 in Schlepp und brachte es glücklich zur nordafrikanischen Küste.

Eine Woche später entschied der Admiralstab, daß auch U 34 als Munitionstransporter eingesetzt werden sollte. U 34 erhielt weiter den Auftrag,
dem auf dem Rückmarsch befindlichen UC 12 zu Hilfe zu kommen. Die Boote trafen sich im Ionischen Meer, aber eine Inschleppnahme erwies sich
in dem von der Entente kontrollierten Seegebiet als unmöglich. Die beiden grauen Wölfe mußten die Fahrt getrennt fortsetzen.

Für die nächsten Monate stockte der Nachschubverkehr mit Unterseebooten. Er hatte einen großen Teil der deutschen U-Boot-Präsenz im Mittelmeer
gebunden und die Unterwasserstreitkräfte von ihrer eigentlichen Aufgabe, der Führung des Handelskrieges, abgehalten. Nun sollten die Österreicher
den Senussi zu Hilfe kommen
. Der türkische Botschafter in Wien bat dringend um die Entsendung eines kleinen Adriadampfers oder eines Schoners
nach Nordafrika. Das in Aussicht genommene schiff, die 952 BRT große Graf Wurmhold, schied jedoch aus, weil es zu langsam und sein Aktionsradius
zu gering war.

Damit war die U-Bootwaffe wieder gefordert. Am 10. April 1916 verließ U 21 unter Kapitänleutnant Otto Hersing Pola. An Bord war eine kleine
Landungsgruppe mit Oberleutnant Freiherr von Todenwarth und vier türkische Offizieren und Unteroffizieren. U 21 hatte weiter Munition, Waffen
und ein drahtloses Funkgerät geladen. Aber es gelang Hersing nicht, die Operation abzuschließen und die Passagiere an Land zu setzen. Die
Todenwarth-Gruppe wurde schließlich von U 39, das am 5. Juli auslief, nach Nordafrika gebracht. U 39 transportierte auch im Oktober neue Nach-
Schubgüter in die umkämpften Provinzen. Im Sommer war U 21 ebenfalls erfolgreich gewesen. Der hochdekorierte Kommandant Hersing, der nach
seinen Gallipoli-Erfolgen am 8. Februar 1916 vor Beirut noch den französischen Panzerkreuzer Admiral Charner versenkte, hatte Karabiner und
Gewehrmunition an Bord. U 21 ging hinter Korallenriffen vor Anker und löschte die Ladung mit Hilfe eines handgezimmerten Floßes, ein langwieriges
und schwieriges Unternehmen, das drei Tage dauerte.

Im Februar 1917 operierten 10 deutsche U-Boote im Mittelmeer, im April 14 und im Mai sogar 28. Aber eine dauernde gesicherte Verbindung mit
Nordafrika, wo für die deutschen Boote keine Hafeneinrichtungen zur Verfügung standen, war nicht zu erreichen, zumal nicht während der Winter-
stürme. 1917 hielten UC 20 und UC 73 die lose Verbindung zwischen Nordafrika und den Adriahäfen aufrecht.

UC 20 war eigentlich als Minenleger konzipiert, wurde aber zum U-Transporter umgebaut. Es verdrängte bei Überwasserfahrt 400 Tonnen und lief
mit seinen beiden 500 PS MAN-Dieselmotoren 11,5 Knoten. Unter Wasser reichten die beiden 460 PS starken Brown, Boverie & Cie. Elektromotoren
aber nur für eine Fahrleistung von 6,5 sm. Am 29. März verließ UC 20 mit 20 Tonnen Fracht an Bord, darunter vier kleinen Feldgeschützen und fünf
Maschinen-Gewehren
, den sicheren Hafen Pola. Kommandant war Oberleutnant zur See Franz Becker. In der Großen Syrte südlich von Ras Khara
wurde die Ladung gelöscht. Becker nahm Kontakt zu General Nuri Pascha auf, der ihm die militärische Situation schilderte:

Die Italiener hatten sich in die Küstenregion zurückgezogen und behaupteten nur noch die Städte Benghasi, Tripolis, Homs mit der antiken römischen
Ruinenstadt Leptis Magna und die Oase Suara unweit der tunesischen Grenze. Bis 1921 sollte sich an dieser für Rom ungünstigen strategischen Lage
kaum etwas ändern. Becker mußte auf Depeschen des türkischen Generals warten und nutzte die Zeit für Operationen an der tripolitanischen Küste.
UC 20 versenkte die Dau Abd Razik und nahm deren Besatzung und Passagiere, darunter ein Säugling, an Bord. Die Mannschaft kümmerte sich rührend
um das Baby und am Turm flatterten bald Windeln wie Siegeswimpel. Als Becker ein auf Reede von Suara ankendes Schiff angriff, erteilte er den wohl
ungewöhnlichsten Befehl der kaiserlichen Marine während des Krieges: >> Klar zum Tauchen! Windeln von Deck! << Obwohl das Boot auf Grund lief,
konnte der englische Frachter Candia (1045 BRT), der Munition geladen hatte, torpediert und versenkt werden. Anschließend nahm UC 20 mit der
Bordkanone eine feindliche Landbatterie und Kasernen in Homs unter Beschuß
.

Auf der Rückreise, die Becker mit sechs lebenden Hammeln an Bord antrat, versenkte er noch die italienischen Segler Cinque Ottobre, Alessio Cocco und
den Schlepper Progresso mit einem Munitionsleichter. Am 27. April machte UC 20 nach einer Fahrt von 3102 Seemeilen wieder in Pola fest.

Die zweite Tripolis fahrt unternahm UC 20 im Mai 1917 unter einem neuen Kommandanten, Oskar von der Lühe. Im Ionischen Meer versenkte er den 3563
BRT großen britischen Dampfer Milicent Knight. In der Großen Syrte traf das Boot auf einen weiteren deutschen Versorger, UC 73. Nach dem Löschen der
Ladung führten beide Unterseeboote Handelskrieg durch und schickten einige Segler mit Bannware auf den Grund des Meeres.

Am 27. Mai stand UC 20 vor dem Golf von Hammamet und griff einen gesicherten Gleitzug an. Der 3118 BRT große Frachtdampfer Bladwell aus London
wurde auf 36° 12‘ Nord und 13° 24‘ Ost ein Opfer von Lühes Torpedos und Granaten. Nach 36 Seetagen lief UC 20 schließlich wieder in Pola ein.


UC 20 und UC 73 wurden zu Tramdampfern. Sie mußten die Durchführung des Handelskrieges zurückstellen und sich fast ausschließlich der Aufgabe
widmen, die Verbindung zwischen dem türkisch-arabischen Heer und den Mittelmächten aufrechtzuerhalten. Es war weniger der Feind, der den deutschen
Matrosen zusetzte, als die Hitze, denn im Sommer fiel das Thermometer an Bord kaum unter 55°. Exotische >>Passagiere<< brachten Kurzweil in den
Bordalltag. Auf den Rückfahrten nahmen die Boote lebende Fettschwanzschafe mit, einmal sogar ein junges Reitkamel, das ein hoher arabischer
Würdenträger dem deutschen Kaiser schenken wollte. Das Tier gelangte aber nie bis nach Berlin, sondern wurde im Tierpark von Brioni untergebracht.


Im Oktober 1918 unternahm UC 20 und UC 73 ihre letzte Fahrt zur Versorgung der tripolitanischen Mudjaeddins. Da die beiden Boote von italienischen
Bewachern angegriffen wurden, mußten sie beschleunigt wegtauchen und ließen Vizesteuermann Paul Kutzner an Land zurück. Kutzner erhielt keine
Nachricht vom Kriegsende. Er avancierte zum Führer einer Maschinengewehrabteilung der Beduinen und geriet erst im Herbst 1919 in italienische
Gefangenschaft
. Im Herbst 1920 wurde er in die Heimat entlassen.


Insgesamt hatte sich die Unterstützung der libyschen Kämpfer für die Zentralmächte mehr als ausgezahlt. Obwohl nur unzureichend ausgerüstet und
bescheiden bewaffnet, war es den Senussi gelungen, 35000 Mann britische und Empire-Truppen, 15000 Franzosen und zeitweilig sogar 60000
italienische Soldaten zu binden.


Als UC 20 und UC 73 von ihrer letzten Versorgungsfahr nach Triest zurückkehrten, hatte die österreichische flotte rote Fahnen gesetzt und meuterte.
Die vierzehn verbliebenen Boote der U-Boot-Flottille im Mittelmeer wagten schließlich den Durchbruch in die Heimat. Am 9.November 1918, als Phillip
Scheidemann vom Balkon des Reichstages die Republik ausrief, passierten die U-Boote die Enge von Gibraltar. U 34 ging verloren und UB 50
(Oberleutnant zur See Heinrich Kukat) versenkte vor Kap Trafalgar das letzte Schiff der Royal Navy in diesem Krieg, das 16350 BRT große Linienschiff
HMS Britannia.


Quelle:
Feldgrau in Jerusalem, Das Levantekorps des kaiserlichen Deutschland, Hans Werner Neulen, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, Univeritas Verlag, München 1991, S. 100 - 105



Liste der eingesetzten U-Boote und Übersichtskarte des Einsatzgebietes an der Nordafrikanischen Küste:

SM UC 12 In Dienst vom 2. Mai 1915 - 16. März 1916 während des Verminens des Hafen von Tarent durch eigene Mine versenkt
SM UC 20 In Dienst vom 7. September 1916 - 16. Januar 1919, Ausgeliefert an Großbritannien.
SM UC 73 In Dienst vom 24. Dezember 1916 - 6. Januar 1919, Ausgeliefert an Großbritannien.

SM U 21 In Dienst vom 22. Oktober 1913 - 22. Februar 1919, Bei der Überführung nach Großbritannien gesunken
SM U 34 In Dienst vom 5. Oktober 1914 - vermutlich am 9. November 1918 vor Gibraltar verschollen
SM U 35 In Dienst vom 3. November 1914 - 26. November 1918, Ausgeliefert an Großbritannien.
SM U 38 In Dienst vom 15. Dezember 1914 - 23. Februar 1919, Ausgeliefert an Frankreich.
SM U 39 In Dienst vom 13. Januar 1915 - 18. Mai 1918, In Cartagena interniert, An Frankreich ausgeliefert.

http://i53.tinypic.com/ncm6x2.gif
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Auf diesen Artikel bin ich zufällig gestossen:

Die Jungs hatten zwar keine Großbaustelle Deines Kalibers, dafür war die Anfahrt weitaus exklusiver
Falls Du in der Ecke bist, kannst Du Dich ja mal auf Spurensuche der „Kollegen“ begeben Zwinkern

Im U-Boot auf Montage nach Tripolis (Auszug Telefunken-Zeitung Nr.16, Juni 1919 )
Im Januar 1917 wurde von der Obersten Heeresleitung eine Expedition ausgerüstet zu dem Zweck, die in Tripolis gegen die Italiener kämpfenden Araber und Türken durch Nachrichtenübermittlung zu unterstützen. Zur Erreichung dieses Zieles war die Errichtung von zwei Funkenstationen ins Auge gefaßt worden, die eine Verbindung zwischen dem türkischen Oberkommando in Tripolis und den militärischen Stellen in Konstantinopel und Berlin schaffen sollten, um die Türken und Araber laufend mit Nachrichten von den europäischen und asiatischen Kriegsschauplätzen zu versorgen.

Die Expedition traf am 25. Mai 1917, von Pola mit U-Boot kommend, an der tripolitanischen Küste ein. Das türkische Hauptquartier in der Oase Misrata wurde am nächsten Tag erreicht. Dort sollte eine Empfangsstation erreicht werden.
In dem Ort Misrata hatten die Italiener, als das Land noch in ihren Händen war, eine Funkenstation in Betrieb. Von dieser standen noch die beiden 36 m-Holzmaste, die ebenso wie das von den Italienern vergrabene Erdnetz für die zu errichtende Empfangsanlage benutzt wurden.
Der Stand der Mäste zum Stationshaus zwang zur Anlage einer L-Antenne, und das auf die italienische Großstation Coltano weisende Erdnetz begünstigte einen Richtungsempfang auf die übrigen europäischen Großstationen.
Die aus einem Empfänger E 5 und einem Dreifachverstärker bestehende Empfangseinrichtung konnte bereits nach dreitägiger Montage in Betrieb genommen werden.
Zum Laden der Heizbatterie des Verstärkers wurde das von Telefunken mitgelieferte Tandem-Tretgestell benutzt, dessen Bedienung bei einer gewöhnlichen Tagestemperatur bis zu 60 Grad uns manchen Schweißtropfen kostete. Als große Erleichterung wurde es deshalb empfunden, daß für den Nachtempfang der Station Nauen auf die Verwendung des Verstärkers verzichtet werden konnte.
Ab und zu war Nauen sogar am Tage ohne Verstärker aufnehmbar. Die Entfernung zwischen Nauen und Misrata beträgt rund 2500 km.
Bei der Vertreibung der Italiener aus Orfella fiel den Arabern ein zerstörter Marconi-Sender in die Hände. Er wurde nach Misrata gebracht, von uns repariert und in Betrieb genommen. Im wesentlichen bestand er aus dem Wechselstrom-Aggregat mit rotierender Funkenstrecke, angetrieben durch einen Benzinmotor; weiter aus einem Induktor, einer Kapazität von 25 000 cm, die aus 22 kleinen Leydener Flaschen mit galvanischem Kupferbezug zusammengesetzt war, einer Primärspule und den üblichen Luftdrahtverlängerungsspulen.
Dieser Sender hat uns späterhin noch sehr wertvolle Dienste geleistet.

Aus Gründen der militärischen Sicherheit wurde im März 1918 eine zweite Funkenstation im Innern des Landes errichtet, und zwar in dem oben bereits erwähnten etwa 3 Tagereisen von Misrata entfernt liegenden Ort Orfella in der Oase Beni Ulid. Dort fanden sich ebenfalls zwei von den Italienern errichtete 36 m-Holzmaste vor. Die Lage des Stationshauses zwang auch in Orfella zum Bau einer L-Antenne.
Die Empfangseinrichtung bestand aus den gleichen Teilen, wie die der Station Misrata; der Sender von 2,5 kW-Antennenleistung war von Telefunken mitgeliefert worden. Der Antrieb des Umformeraggregats geschah durch einen Rohölmotor von 16 bis 18 PS Leistung. Er setzte uns in die Lage, mit der etwa 1500 km entfernt liegenden Station Osmanie regelmäßig in Verbindung zu treten.
Der Verkehr hat zu jeder Zeit einwandsfrei stattgefunden; er wurde nur durch häufig auftretende Luftstörungen erschwert.
Der Empfang der Station Nauen war in Orfella noch günstiger als in Misrata. Nauen war zu jeder Tageszeit ohne Verstärker gut aufnehmbar und nachts meist so laut, daß noch von einem auf dem Tisch liegenden Telephon die Zeichen hörbar waren. Obgleich die Lautstärke der auf Welle 3000 von Nauen gesendeten Zeichen stärker ist als die auf der höhern Welle von 5500 gesendeten, sind diese besser aufnehmbar gewesen, weil auf den hohen Wellen die Luftstörungen geringer waren.
Beide Orte, Misrata und Ortella, standen durch eine von den Türken gelegte Telephonleitung in Verbindung, doch war diese fast täglich gestört, die Nachrichtenübermittlung zwischen Misrata und Orfella geschah daher ausschließlich auf funkentelegraphischem Wege.

Um auch diese Verbindung zu unterbrechen, wurden beide Stationen im Sommer und Herbst 1918 fast täglich durch feindliche Flieger mit dem schließlichen Erfolg bombardiert, daß am 7. September 1918 die Station Misrata von zwei französischen Fliegern durch Abwurf schwerer Bomben außer Betrieb gesetzt wurde. Die Station wäre trotz der angerichteten Zerstörung wieder herstellbar gewesen, die täglich sich wiederholenden Fliegerangriffe ließen dies jedoch nicht ratsam erscheinen.
Da nun aber den Türken an einem regelmäßigen Empfang der Nachrichten aus Berlin oder Konstantinopel viel gelegen war, entschlossen wir uns, die Empfangseinrichtung außerhalb des Ortes in eine versteckt liegende Erdhöhle einzubauen.
Die etwa 300 m lange aus drei Drähten bestehende Antenne wurde zwischen Palmen ausgespannt und so für Flieger unsichtbar.
Ihre Fertigstellung ist nach mühevoller Arbeit gerade noch rechtzeitig erfolgt, um den von allen Kämpfern seit zwei Jahren heiß ersehnten Funkspruch aufzunehmen, daß die Expedition ihre Zelte abbrechen und mit den beiden in den nächsten Tagen zu erwartenden U-Booten zurückkehren solle.
Leider gelang es aber nur den beiden Verfassern dieses Berichts, die Heimreise anzutreten.
(---)

Station Orfella vom Tal aus gesehen
http://i55.tinypic.com/121y5g6.jpg
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 189146 | Verfasst am: 06.10.2010 - 20:56    Titel: Antworten mit Zitat

Auch hier wieder ein Paradebeispiel guter Detailrecherche, und dessen Ergebnisse natürlich direkt weitere Detailfragen aufwirft;
Als da zum Beispiel wäre:
Zitat:
7. September 1918 die Station Misrata von zwei französischen Fliegern durch Abwurf schwerer Bomben außer Betrieb gesetzt wurde



Zitat:
Falls Du in der Ecke bist, kannst Du Dich ja mal auf Spurensuche der „Kollegen“ begeben

Liegt nur leider um die 1000 Kilometer weiter westlich. Werde erst mal ein paar Bilder zu diesem Thema aus dieser Ecke demnächst hier reinstellen.

Außerdem gibt es da ein paar interessante Dinge zu berichten, die allerdings 30 Jahre später geschahen.

Gruß Holger Winken
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BeitragBeitrags-Nr.: 192251 | Verfasst am: 06.02.2011 - 22:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hier übrigens die Karte zu Olav´s schöner Detailgeschichte, auf der ich den deutlichen Hinweis für die Landung eines
oder mehrere deutscher U-Boote, ca. 200 km östlich von Tripoli, also Misrata an der Libyschen Küste gefunden habe.

http://i54.tinypic.com/2uggxar.jpg
Quelle: http://ottomanmilitary.devhub.com/
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BeitragBeitrags-Nr.: 196146 | Verfasst am: 06.08.2011 - 14:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hier fast 45 Minuten seltener Filmaufnahmen von SM U 35 im Mittelmeer

Der `magische´ Titel sagt mir allerdings nicht allzu viel.

Der magische Gürtel - 1917 - German Propaganda in WW1
http://www.youtube.com/watch?v=KrP5WSGcxZ8
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BeitragBeitrags-Nr.: 196182 | Verfasst am: 09.08.2011 - 11:05    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
»Hinter dem merkwürdigen Titel DER MAGISCHE GÜRTEL verbirgt sich der authentische Filmbericht einer Feindfahrt des U-Boots U 35 zu einem entscheidenden Zeitpunkt des von der Kaiserlichen Marine geführten uneingeschränkten U-Boot-Kriegs. U 35 stand unter dem Kommando von Kapitänleutnant Lothar von Arnauld de la Perrière, einem »Ass« der U-Boot-Waffe, dessen Ruhm dem des »Roten Barons«, Manfred von Richthofen, bei der deutschen Luftwaffe entsprach. Auf der einen Feindfahrt im März–Mai 1917, über die der Film berichtet, versenkte de la Perrière mit U 35 23 alliierte Schiffe im Mittelmeer und im Ost-Atlantik. Die Aufnahmen dieses Films waren so erstaunlich, dass nach dem Krieg Fassungen des Films auf dem britischen, amerikanischen und französischen Markt herauskamen.«

[Roger Smither, Imperial War Museum Film and Video Archive, London 2000]

Zitat:
Der englische Titel, The Enchanted Circle, klingt überraschend für einen Kriegsfilm. Er leitet sich aus einer ziemlich freien Übersetzung eines Ausdrucks von Winston Churchill (1874-1965) ab. Churchill war der Ansicht, dass innerhalb eines eingegrenzten Kreises böse Mächte, die stärker sind als die Menschen selbst, walten und über ihr Schicksal bestimmen (das Bild der Dornenhecke, die sich in Dornröschen vor dem Prinzen aufbäumt, im Hinterkopf). Der deutsche Titel Der magische Gürtel ist eine freie Übersetzung von Churchills Begriff enchanted circle und weckt ganz andere Assoziationen: die eines verzauberten Talismans, der die Kraft desjenigen, der ihn trägt, vervielfacht. Obwohl für das deutsche Publikum bestimmt, wurde dieser Film auch im gegnerischen Lager vorgeführt.


http://www.europafilmtreasures.de/PL/269/libretto-der_magische_gurtel
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Holger Kotthaus
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BeitragBeitrags-Nr.: 196186 | Verfasst am: 09.08.2011 - 12:40    Titel: Antworten mit Zitat

Dank dir. - Gut gemacht! -

http://www.europafilmtreasures.de/PL/269/libretto-der_magische_gurtel
Zitat:
Der Film ist eine echte Reportage über die Mittelmeerblockade im Ersten Weltkrieg.
Er zeigt jedoch die scheinbar heiteren Seiten einer Seeschlacht.
Auf dem Wasser schaffen es nur wenige Frachtschiffe dem U 35 standzuhalten.
Der Einsatzbefehl des deutschen U-Bootes lautet alle Handelsschiffe auf dem Mittelmeer abzufangen und zu versenken.
In der Regel lässt es der Mannschaft des Feindbootes gerade mal Zeit, sich aus dem Staub zu machen.
Der Kommandant Lothar von Arnauld de la Périère (1874-1941) übernimmt von Januar 1916 bis März 1918 das Kommando
über das U 35, danach wird er einem anderen U-Boot zugeteilt. Mit seiner 35 Mann starken Truppe zerstört er in drei Jahren 194 Gebäude. . .

Hat da jemand mit einem Übersetzerprogramm gearbeitet oder warum kommt da so ein Unsinn zusammen? - Müde -
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BeitragBeitrags-Nr.: 196189 | Verfasst am: 09.08.2011 - 14:46    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hat da jemand mit einem Übersetzerprogramm gearbeitet oder warum kommt da so ein Unsinn zusammen?


Ganz offensichtlich! Verrückt
Hier ist erläutert, wie es tatsächlich zu diesem Titel kam:
http://i51.tinypic.com/4fuall.jpg

Und hier ist ein Abdruck der betreffenden Rede Churchills:
http://query.nytimes.com/mem/archive-free/pdf?res=F10712FC385F1B7A93C7AB178DD85F438185F9
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