Die Fallschirminfanterie der Wehrmacht
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Foren-Übersicht » Militärgeschichte 2. Weltkrieg (1919 - 1945) » Einheiten
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
UHF51
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 10.05.2007
Beiträge: 1623
Wohnort: Berlin

BeitragBeitrags-Nr.: 187258 | Verfasst am: 02.08.2010 - 13:52    Titel: Die Fallschirminfanterie der Wehrmacht Antworten mit Zitat

Als am 01.04.1937 die Freiwilligen der Fallschirminfanteriekompanie (F.I.K.) in Stendal im Barackenlager der Albrecht der Bär Kaserne erstmalig vor ihrem Kp.Chef angetreten waren, wussten sie nicht, was ihnen die Zukunft in einer neuen Einheit der Wehrmacht bringen würde. Natürlich ahnten sie, dass sie sehr bald ein fliegendes Flugzeug per Fallschirm verlassen würden, was das aber bedeutet, sein Leben an ein paar Fangleinen und einigen m² Fallschirmseide anzuvertrauen, das wussten sie jedoch nicht! Und dass die Einheit keine 2 Jahre bestehen sollte, das konnten sie sich zu diesem Zeitpunkt im Werden der Wehrmacht nicht vorstellen. Die Zeit der Fallschirminfanterie der Wehrmacht war äußerst kurz gewesen, aber es ist es wert, dass diese als Teil der Geschichte der dt. Fallschirmtruppe wiedergegeben wird.

Die Entwicklung der Luftfahrt war im 1. Weltkrieg bei den kriegsführenden Parteien rasant und brachte zahlreiche technische Neuerungen, zu denen u.a. auch der Fallschirm als "Rettungsring der Lüfte" gehörte. Den Gedanken, Soldaten mit Hilfe von Fallschirmen und Bombern hinter den erstarrten und unüberwindlichen Stellungen abzusetzen, hatte 1918 der US-Fliegergeneral William Mitchell. Der Waffenstillstand im Nov. 1918 machte den Plan jadoch gegenstandslos.; und bedingt durch die Abrüstung der US-Armee geriet er hier, aber auch bei den anderen Militärmächten, sehr schnell in Vergessenheit.
Das Deutsche Kaiserreich, das während des 1. Weltkrieges das Flugzeug u.a. auch dazu genutzt hatte, um hinter den feindlichen Linien zu landen, Saboteure abzusetzen und diese nach ihrem Einsatz wieder aufzunehmen, musste gemäß dem "Friedensdiktat" von Versailles seine Flugzeuge abgeben und die junge Luftwaffe auflösen. Damit war jede militärtechnische Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Luftfahrttechnik verboten. Doch insgeheim begann die Reichswehr (Rw) ab Mitte der 20er Jahre mit Hilfe der "Roten Armee", eigene Flugzeuge zu entwickeln und fliegendes Personal auszubilden. Den Gedanken, den 1918 der US-General Mitchell in der vertikalen Umfassung durch "Fallschirm-Soldaten" hatte, nahm die ansonsten so entwicklungsfreudige Rw jedoch nicht auf.
Anders in der UdSSR! Hier entwickelte man sowohl den Gedanken des Lufttransportes mit Hilfe von Großflugzeugen und Lastenseglern auch den des Schaffens von selbständigen Fallschirm- und Luftlandetruppen. Die Entwicklungen waren Anfang der 30er Jahre soweit vorangeschritten, dass man 1935 im Rahmen eines Großmanövers bei Kiew 1.200 Fallschirmjäger aus der Luft absetzen und diese mit weiteren 2.500 Luftlandesoldaten durch Anlandung per Transportflugzeugen verstärken konnte. Für die damalige Zeit eine herausragende Leistung.
Die Fallschirminfanteriekompanie:
Die Entwicklung eigenständiger Fallschirm- und Luftlandetruppen in der "Roten Armee" wurde im Deutschen Reich von der Wehrmacht 1935 zwar auch aufgegriffen, doch dieser Gedanke wurde sehr heftig und kontrovers diskutiert. Während man in der neuen dt. Luftwaffe seine eigenen Weltkriegserfahrungen mit "Zerstörtrupps" auswertete und hierin den Wert von Fallschirmtruppen sah, konnte sich das Heer Fallschirm-Infanterie nur in Stärke einer Kompanie oder höchstens Bataillon vorstellen, welches in der Rolle der taktischen Unterstützung im Luftlandeangriff einzusetzen wäre.
Mit der Realisierung des Aufstellens der ersten Fallschirmjägerverbände und der entsprechenden Fallschirmsprungschule begann in der Tat zunächst am Januar 1936 die Luftwaffe. Das Heer entschloß sich erst Anfang 1937 zur Aufstellung einer "Fallschirminfanteriekompanie" ( F.I.K.)" in Stendal und begann mit der Werbung geeigneter "Sprungwilliger" in den Infanterie-Regimentern. Fast alle zur F.I.K. versetzten Infanteristen waren vorher weder mit einem Flugzeug geflogen, noch hatten sie einen Fallschirmabsprung gesehen oder gar selbst erlebt. Aber sie suchten das Besondere und den Reiz des Außergewöhnlichen. Schon am 01.04.1937 stand die neue Fallschirminfanteriekompanie, wie sie offiziell genannt wurde, vor ihrem neuen Kp.Chef, Hauptmann Zahn. Gemäß Entscheidung des OKH vom 20.02.1937 gehörte die Kompanie zu den Lehr- und Versuchstruppen der Infanterie. Alle Angehörigen trugen deshalb die weiße Waffenfarbe der Infanterie und auf den Schulterstücken (Schulterklappen) ein "L" http://www.bilder-hochladen.net/files/2dwr-e5.jpg wie die der Lehrtruppen. Die Mannschaften trugen zur Unterscheidung zu den anderen Einheiten des Inf.Lehrregiments die Troddel der 15. Kp. am Seitengewehr. Im übrigen war die Kompanie dem Inspizienten der Infanterie direkt unterstellt. Diese neue Sondereinheit war gegliedert in Kompanietrupp, Nachrichtentrupp, 3 Infanteriezüge, 1 schwerer Zug mit 1 sMG-Gruppe, 1 Pioniergruppe und 1 s.Granatwerfergruppe. Alle Soldaten wurden an der Luftwaffen-Fallschirmschule in Stendal im Fallschirmsprung ausgebildet und bekamen nach erfolgreicher Sprungausbildung das "Fallschirmschützenabzeichen des Heeres". Die Fsch.Sprungbekleidung der Fsch.Inf. war identisch mit der ihrer Fsch.Jg.Kameraden der Luftwaffe, wenn man vom unterschiedlichen Hoheitsadler http://www.bilder-hochladen.net/files/2dwr-e7.jpg und von anderen, marineähnlichen Dienstgradabzeichen an der Sprungkombination absah.

Quelle: DSJB 1998, Beitrag von Klaus J. Peters, S. 333-340


Zuletzt bearbeitet von UHF51 am 11.08.2010 - 15:07, insgesamt 4-mal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
UHF51
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 10.05.2007
Beiträge: 1623
Wohnort: Berlin

BeitragBeitrags-Nr.: 187263 | Verfasst am: 02.08.2010 - 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

Sowohl bei der Taktik- und Gefechtsausbildung der Kompanie als auch bei den Sprungübungen, Vorführungen oder Heeresübungen wurde die Rolle der Fallschirminfanterie immer wieder verdeutlicht: der taktische Sprung dicht hinter den feindlichen Linien zur Inbesitznahme und Halten wichtiger Geländeabschnitte oder zur Ausschaltung sowie Binden feindlicher Reserven. Dies geschah so auch bei der Wehrmachtsvorführung "Erntedankfest" am Bückeberg bei Hameln a.d. Weser (LL-Angriff gegen Reserven), beim Herbstmanöver 1937 in Mecklenburg (Nehmen und Halten einer Enge) und beim Flottenmanöver 1938 auf der Insel Borkum (Nehmen und Halten eines Schlüsselgeländes).
Das Fallschirminfanteriebataillon:
Die taktische Aufgabenstellung - LL-Angriff als Vorhut angreifender Heeresverbände - erlaubte ab Mitte 1938 die schrittweise Vergrößerung zum Fallschirminfanteriebataillon (F.I.B.). Mit Wirkung vom 23.07.1938 trugen die Angehörigen des F.I.B. nicht mehr das "L" der Lehrtruppen, sondern das verschlungene gotische "FI" http://www.bilder-hochladen.net/files/2dwr-e6.jpg auf den Schulterstücken (Schulterklappen). Die Unterstellung unter dem Inspizienten der Infanterie blieb weiterhin bestehen. Der neue Bataillonskommandeur wurde Major Heidrich, der mit größtem Elan sein Bataillon hervorragend und vielseitig ausbildete, formte und nachhaltig prägte. Er bereitete seine Soldaten auf die schlimmste Situation vor, in die ein Infanterist nur kommen kann, nämlich allein auf sich gestellt im unbekannten Gelände kämpfen zu müssen, ohne Unterstützung schwerer Waffen, ohne gesicherte Versorgung, ohne Anschluss an Nachbarn und ohne genaue Kenntnis der Feindlage. Dieses verlangte in der täglichen Ausbildung der Führer, Unterführer und Mannschaften größte Vielseitigkeit, Selbständigkeit im Rahmen der Auftragstaktik, körperliche Härte und bedingungslose Kameradschaft. "Können, Kameradschaft, Korpsgeist" waren seine Maxime, die er mit großer Strenge, aber mit Herz gegenüber seinen Fallschirminfanteristen stest vermittelte. Seinem taktischen Können - Maj. Heidrich war vorher lange Taktiklehrer in Potsdam gewesen - war es zu verdanken, dass das F.I.B. zu einem Eliteverband heranwuchs und sich deshalb später auch bestens bewährte. Er selbst besuchte noch mit 42 Jahren den Fallschirmspringerlehrgang und trug voller Stolz noch jahrelang in der Luftwaffe das Fallschirmschützenabzeichen des Heeres.
Durch seine Zeit in Potsdam hatte Heidrich Verbindung zum dortigen Oberbürgermeister, dem ehem. General Friedrich, der im 1. Weltkrieg Kdr. des Sturmbataillon 7 gewesen war. Dadurch wird heute auch verständlich, warum Maj. Heidrich als Kp.Chef bzw. Btl.Kdr. der Fallschirminfanterie die Tradition des Sturmbataillon 7 übernahm. Dieser Verband, der Ende 1916 aufgestellt wurde, hatte im 1. Weltkrieg ähnliche Aufgaben wie die Fallschirminfanterie, nämlich als Speerspitze überraschend in feindliche Stellungen einzudringen, jene zu durchstossen und somit die Voraussetzung zum Durchbruch für die angreifenden Heeresverbände zu schaffen. Wenn auch die Kampfmittel des Sturmbataillon 7 damals auch andere als die der Fallschirminfanteristen waren, der Geist beider Verbände sollte der gleichen sein: der Geist des Stolzes, zur Elite des deutschen Heeres gehören zu dürfen! Damit hatte auch die junge Waffengattung der Fsch.Inf. an die Tradition der preußischen Armee des Deutschen Reiches angeknüpft.
Obwohl manchem fortschrittlich denkenden Stabsoffizier und General im OKH klar geworden war, welche Möglichkeiten die Fsch.Inf. durch Schnelligkeit des Lufttransportes und welch hoher Kampfwert sie im Gefecht haben würden, fehlte ein Verantwortlicher im Heer vom Schlage und Profil eines General Guderian, der den Mut zur Formung der Fallschirminfanterie zu einer selbständigen Truppengattung mit operativem Charakter gehabt hätte. Major Heidrich hatte zu diesem Zeitpunkt noch einen zu niedrigen Dienstgrad, um in dieser Frage Einfluss auf das OKH nehmen zu können. Dieses konnte er erst später im Krieg als Divisionskommandeur der 1. Fallschirmjäger-Division und Kom.Gen. I. Fsch.Korps tun, doch da war es zu spät. Die Chance, dem Heer die Fsch.Truppe zuzuschlagen, wurde 1938 vertan. Die Luftwaffe unter Göring gewann mehr und mehr Einfluss auf die Fsch.Inf. des Heeres.


Zuletzt bearbeitet von UHF51 am 04.08.2010 - 11:38, insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
UHF51
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 10.05.2007
Beiträge: 1623
Wohnort: Berlin

BeitragBeitrags-Nr.: 187272 | Verfasst am: 03.08.2010 - 14:03    Titel: Antworten mit Zitat

Anfang November 1938 musste das F.I.B. in den neuen Standort Braunschweig in die Rosalie-Kaserne verlegt werden, weil der Fliegerhorst Stendal und die dort stationierte Fallschirmschule immer mehr Platz für die anwachsende Fsch.Truppe der Luftwaffe benötigten.
Bewährung und Ende der Fallschirminfanterie:
Gen.Maj. Kurt Student, der zunächst bei den "Yorckschen Jägern" in Ostpreussen gedient hatte, dann 1913 freiwilig zu den Fliegern ging und den 1. Weltkrieg als Jagdflieger erlebte, hatte u.a. in der Reichswehr und zu Beginn der Wehrmachtszeit den Geheimauftrag, sich um die flugtechnische Entwicklung zu kümmern. Mit Aufstellung der neuen Luftwaffe wurde Student nach zahlreichen Verwendungen, u.a. zu Rw.Zeiten auch bei der Infanterie, am 01.04.1938 Kommandeur der 3. Fliegerdivision. Doch Mitte 1938 brauchte man dringend einen verantwortlichen Truppenführer, der sich um die Fallschirmjäger der Luftwaffe und die Fallschirminfanterie des Heeres kümmern sollte. Student war verfügbar, hatte fliegerische und infanteristische Erfahrungen und die Phantasie, in der Fsch.Truppe eine neue zu sehen. Weder in den "Zerstörtrupps" noch im taktisch begrenzten Einsatz sah er die Zukunft und das Besondere der deutschen Fallschirmtruppe. Er wollte eine selbständige und operativ einsetzbare Truppe Truppengattung aufbauen. So entstand zum 01.07.1938 die 7. Fliegerdivision, eine Tarnbezeichnung für die Fsch.Truppe unter Führung von Gen.Maj. Student auch das F.I.B. des Heeres wurde in allen Fragen der Organisation, der Ausbildung und des Einsatzes der Luftwaffendivision unterstellt. Der erste Einsatz sollte die Besetzung des Sudetenlandes sein. Die politische Lageentwicklung machte den Einsatz "im scharfen Schuss" zwar nicht notwändig, trotzdem beantragte Student, den Einsatz "Fall grün" manövermässig mit Teilen der 7. Fliegerdivision durchüben zu dürfen. Der Lufttransport und die Anlandung wurde mit Ju 52 Transportfliegerkräften bei Freudenthal praktisch und ohne Verluste durchgeführt, die äußerst geschickt und gut getarnten Grenzbefestigungen wurden von hinten von den Fallschirmjägern und Fallschirminfanteristen genommen und ausgeschaltet. Dieser erste Einsatz - vom 07.10. bis 17.10.1938 - war ein großer Erfolg und ein eindrucksvoller Beweis für Students Konzept moderner Fallschirmtruppen. Die Grenzanlagen und Befestigungen waren im übrigen stärker als angenommen. Der Einsatz der Fallschirmjäger hinter diesen befestigten Linien hätte dem Heer viel Blut und Opfer erspart!
Diese LL-Operation hatte auch zur Folge, dass die eigentlich nur für die Besetzung des Sudetenlands aufgestellte 7. Fliegerdivision bestehen blieb und das Heer des Fallschirminfanteriebataillon an die Luftwaffe abzugeben hatte. Diese Entscheidung des OKW wurde von keinem der Fallschirminfanteristen verstanden oder sogar begrüsst. Ein geringer Trost war vielleicht, dass man dem F.I.B. trotzdem am 04.11.1938 die Heeresstandarte der motorisierten Infanterie feierlich in Braunschweig überreichte. Doch mit Wirkung vom 01.01.1939 wurde aus dem alten F.I.B. des neue II. Bataillon des Fsch.Jg.Rgt. 1. Der alte Kommandeur Major Heidrich ging zum Stab 7. Fliegerdivision nach Berlin; sein Nachfolger wurde der beliebte und verehrte Hauptmann Prager, der leider viel zu früh Ende 1940 verstarb.
Damit ist eigentlich die kurze Geschichte des Fsch.Inf. des Heeres beendet, wenn nicht Oberst Heidrich im August 1940 das II./Fsch.Jg.Rgt. 1, ehemals F.I.B., als Stammtruppe zur Aufstellung seines neuen Fallschirmjägerregiment 3 angefordert hätte. Und er bekam seinen "alten Haufen" auch und übernahm damit die Tradition der alten Fallschirminfanterie. So war es zu verstehen, dass viele Fallschirmjäger in Fsch.Jg.Rgt. 3 das alte Heeresfallschirmschützenabzeichen trotz Verbot noch trugen und die Heeresinfanteriestandarte die Fahne des Luftwaffen-Fallschirmjägerregiment 3 blieb.
Das F.I.B. nach dem Sudeteneinsatz:
http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/2dwr-ed.jpg
Btl.Kdr. Heidrich übernimmt die Inf.Standarte am 04.11.1938 in Braunschweig:
http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/2dwr-ee.jpg
Hptm. Fritz Prager (sehr deutlich sind die Rangringe zu erkennen):
http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/2dwr-ef.jpg
Standarte des II. Btl. FschJg.Rgt. 1:
http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/2dwr-eg.jpg
Tr.Üb.Pl. Bergen am 01.08.1940, Hptm. Prager und Oberst Heidrich:
http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/2dwr-eh.jpg

Quelle: DSJB 1998, Beitrag von Klaus J. Peters, S. 333-340
Gruß
Uwe


Zuletzt bearbeitet von UHF51 am 04.08.2010 - 11:42, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
General Kesselkampf
Interessiertes Mitglied


Anmeldedatum: 04.05.2010
Beiträge: 38
Wohnort: Minga / Bayern

BeitragBeitrags-Nr.: 187286 | Verfasst am: 04.08.2010 - 02:01    Titel: "Deutsche Fallschirmjäger" Antworten mit Zitat

Hi Leute Lachen !

Erstmal "Hut ab" zu diesen wirklich gut recherchierten Beiträgen zum Thema Deutsche Fallschirmjäger des II. Weltkriegs.

Die "Grünen Teufel" zählten wohl zweifelsohne zur besten Elite-Einheit des letzten Weltkriegs, denen - von Freund und Feind - größte Hochachtung & Anerkennung entgegengebracht wurde.

Gerade ihre militärischen Leistungen zu Anfang des Krieges (der Blitzkrieg-Phase; erwähnt sei hierbei der Westfeldzug, Norwegen-Feldzug sowie die Landung auf Kreta!) zählen zu ihren Glanzstücken und so ist es auch nicht verwunderlich, daß deren Taktiken auch heute noch in allen größeren Militär-Akademien zum "Schulstoff" gehören.

Nach der für die Dt. Fallschirmjäger äußerst verlustreichen Einnahme von Kreta wurde dem Oberkommando der Wehrmacht langsam klar, daß die Zeit großangelegter Luftlande-Operationen vorbei war und so wurden die Fallschirmjäger nach und nach als "Frontfeuerwehr im Bodeneinsatz" eingesetzt und auch dabei schlugen sie sich äußerst tapfer (siehe die Abwehrkämpfe in der Normandie, Ardennen und Italien/Monte Cassino).

Es gab bis zum Ende des Krieges lediglich zwei Luftlande-Aktionen, die aber eher den Character einer Kommando-Operation hatten:

- die Befreiung Mussolinis vom Gran Sasso / Italien.
- Unternehmen Rösselsprung (Versuch zur Stürmung von Titos Hauptquartier
/ Jugoslawien; daran waren aber SS - Fallschirmjäger beteiligt).

Sogar an der Ostfront sollen gegen Ende des Krieges Fallschirmjäger zum Einsatz gekommen sein und verbliebene Kampfgruppen erlebten das Kriegsende in Berlin.
----------------------------------------------------------------------------------------ENDE.
Hoffe, ihr hattet Spaß am lesen und wünsch euch noch `ne gute Nacht Schlafen !

MfG - GEN. KESSELKAMPF Cool
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
PIV
Ist hier zuhause


Anmeldedatum: 17.09.2004
Beiträge: 3691

BeitragBeitrags-Nr.: 187302 | Verfasst am: 04.08.2010 - 10:40    Titel: Antworten mit Zitat

Nach der für die Dt. Fallschirmjäger äußerst verlustreichen Einnahme von Kreta wurde dem Oberkommando der Wehrmacht langsam klar, daß die Zeit großangelegter Luftlande-Operationen vorbei war und so wurden die Fallschirmjäger nach und nach als "Frontfeuerwehr im Bodeneinsatz" eingesetzt

Das stimmt so nicht. Diese Aussage beruht auf der überlieferten spntanen Reaktion Hitlers, der sich damit bestürzt auf die hohen Verluste auf Kreta bezog. Schließlich plante das OKW bis 1942 hinein weitere größere LL-Einsätze z. B. gegen Malta.

Insbesondere an der Ostfront, z. B. noch während "Barbarossa" oder Ende 1941 beim Angriff auf Moskau oder insbesondere auch bei der Sommeroffensive 1942 in Richtung Kaukasus hätte der Einsatz des nach Kreta sehr zügig reorganisierten LL-Korps sicher operativ und strategisch sehr nützlich und entscheidend sein können. Stattdessen wurde die 22.ID sinnlos als Besatzungstruppe festgelegt und die FJ-Div. kleckerweise an der Ostfront verheizt.

Leider hatte die Fallschirmtruppe in ihrem OB Student keinen operativen Kopf und vor allem niemanden, der seine Truppe aktiv vertrat und auch schützte, sondern als reiner Befehlsempfänger agierte und damit nicht verhinderte, daß diese Spezialtruppe dann an der Ostfront als für diese Art Krieg nicht ausgerüstete und ausgebildete Eliteinfanterie diesmal richtig verheizt wurde.

Die ganze bestürzende Thematik und Dramatik ist sehr gut untersucht und beschrieben in "Die deutsche Fallschirmtruppe 1936-1945: Der Oberbefehlshaber Kurt Student - Strategischer, operativer Kopf oder Kriegshandwerker und das soldatische Ethos - Würdigung.Kritik.Lektion" von Günter Roth.

Ansonsten auch von mir ein Dankeschön an UHF für diesen interessanten Beitrag! Gut gemacht!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
General Kesselkampf
Interessiertes Mitglied


Anmeldedatum: 04.05.2010
Beiträge: 38
Wohnort: Minga / Bayern

BeitragBeitrags-Nr.: 187373 | Verfasst am: 06.08.2010 - 22:41    Titel: "Ähh???" Antworten mit Zitat

Tach PIV Winken !

Werd aus deiner Antwort nicht so recht schlau und ich will sie so eigentlich auch nicht im Raum stehen lassen.

Ich denke nämlich schon, daß Herr H. aus Braunau da schon sehr großen Einfluß auf die zukünftigen Einsatzpläne der Fallschirmtruppe hatte (vor allem nach dem äußerst fiaskösem Kreta - Unternehmen, aber da denk ich sind wir einer Meinung),
allzumal er Staatschef und ganz nebenbei "Oberster Kriegsherr" war.

Danach wird von deiner Seite sehr viel mit plante..., hätte..., können... u.s.w. argumentiert, woraus ich den Schluß ziehe, daß davon halt nichts umgesetzt wurde und - sei mir nicht bös - somit nichts als heiße Luft ist (du sprichst da z. B. Malta an, dessen Einnahme greifbar nahe gewesen war - wäre sie bereits `41 erfolgt! Ist aber auch nur Theorie... Zwinkern ).

Dann kommt eine Theorie von dir, die "so auf jeden Fall gar nicht stimmt":

Du redest da was von den fehlenden, operativen Köpfen, die für die Fallschirmtruppe hätten einstehen können. Schau dir mal "Der Untergang" an, und zwar die Szene, in der Herr H. `nen totalen Ausraster kriegt. Na und was machen die Herren Generäle und Offiziere dann? Die kucken alle wie geprügelte Hunde und kriegen das Maul nicht auf!!!
Und die Wenigen, die es wagten, wurden entweder "entfernt" oder versetzt.
Verstehst du, was ich damit sagen will?

Zumindest am Schluß stimme ich mit dir in der Meinung überein, daß die Deutschen Fallschirmjäger für den Kampf als "Front - Feuerwehr" nicht geeignet war und somit sinnlos verheizt wurden.

Wünsch dir bzw. euch allen noch `nen schönen Abend Lachen !

MfG - GEN. KESSELKAMPF
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Foren-Übersicht » Militärgeschichte 2. Weltkrieg (1919 - 1945) » Einheiten Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

Druckversion

Gehe zu:  

Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.